Fernab - Alexander Schreiber - E-Book

Fernab E-Book

Alexander Schreiber

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Beschreibung

Seit der Veröffentlichung von "Querfeldein – Briefe eines Vergessenen" erreichten mich zahlreiche Anfragen, ob ich nicht mehr Texte des Vergessenen auffinden könne. Zwar konnte ich keine weiteren seiner Briefe finden, doch immerhin ist es mir gelungen, die von Empfindsamkeit geprägten Gedichte aufzuspüren, die er in der Tradition alter Romantiker, aber durchaus in Auseinandersetzung mit Gegenwärtigem geschrieben hatte. 130 der schönsten dieser Gedichte über Vergänglichkeit und Melancholie, Liebe und Sehnsucht, sowie über die Natur und den Menschen habe ich für all diejenigen in diesem Band zusammengetragen, die nach Poesie suchen, welche einer lauten Welt verborgen bleibt, weil sie im Stillen gründet.

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Seitenzahl: 43

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Alexander Schreiber

Fernab

Gedichte eines Vergessenen

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Über Vergänglichkeit und Melancholie

Über Liebe und Sehnsucht

Über Natur und den Menschen

Impressum neobooks

Über Vergänglichkeit und Melancholie

Perpetuum mobile

Scheinbar ohne einen Grundach, haben deine Wangendeine Tränen, dick und rundbehutsam aufgefangen.Gefangen darin schaut ein Mannzu mir und leidet stummund fängt sogleich zu weinen anund weiß nicht recht, warum.

Alte Briefe

Nun sitz ich über deinen alten Briefen.Ich bin schon längst nicht mehr, wem sie einst galten.Und doch entsteigt ein Zittern jenen Tiefen.Wer mag derartig Aufgewühltes halten?In deinen Worten - deinem Meer - dort schliefenGezeiten, die urewigen Gewalten,die mich dereinst aus meinem Schlummer riefenund wohl noch immer in den Träumen walten.Wärst du jetzt hier, ich wüsst dir nichts zu sagen.Gingst du dann fort, so fiel's mir wieder ein.Wer soll die Unzulänglichkeit ertragen?Wie einen Brief aus beinah fremden Tagen -der könnte auch an mich geschrieben sein -so schließ ich dich in mein Erinnern ein.

Auflösung

Wie leer sind nun die überfüllten Hallen!Wie wenig bin ich nunmehr "ich",in tausend Nichtigkeiten schon zerfallen,nebensächlich ohne dich!

Einem Herzen gleich

Ich formte sorgsam Laub zu einem Zeichen,als wär's vom Wind auf deinen Weg gewehtund doch als wollt es einem Herzen gleichen,das ganz aus deiner Fantasie entsteht.Du bliebst und hobst den Blick, nur um zu dankenden Wipfeln und der Höhe wohl an sich,von wo die Gaben dereinst niedersanken,als träf dein Blick in weiter Ferne - mich!Dann sank dein Blick, zu Erden angekommen,nahmst du ein einzig Blatt nur in die Hand,fast so, als hättest du mich mitgenommen,als dort dein Schattenbild im Dunst verschwand.

Noch eh ich ging, wollt ich zurück.

Noch eh ich ging, wollt ich zurück.Noch als wir lachten, wollt ich weinen.Vielleicht kreuzt irgendwo dein Blickin der Unendlichkeit den meinen.

Waldesrauschen

Dem leisen Waldesrauschenentsteiget dein Gesangund im geneigten Lauschenerbebt geheim mein Drang."Ach, könnt ich dich doch wiedermit offnen Augen sehn!"Dann senk ich meine Liderin dein Vorübergehn.Und wie ich dich erahne,dreh ich mich um nach dir.Was sehe ich im Wahnefür Geistestblüten hier?Wo Nebel grade ebennoch durch das Strauchwerk strich,dort füllt den Wald mit Lebendein schönes Angesicht."Ach, sag bist du's tatsächlichin deinem weißen Kleid?"Du nickst mir zart, fast schwächlichin die Undeutlichkeit.Und wie in alten Tagen,so reizest du mich bald,dir hinterher zu jagen -vergnüglich durch den Wald.Die weißen Tücher wehenund ich - ich seh dich dortim Moore untergehen,just an demselben Ort.So dunkel und so stillewie meiner Seele Pein,wie ein verwirkter Willeschließt er die Tränen ein.

Über Wunden

Ich lasse dich von Liebe sprechen,um Überwindung anzuzeigen.Du siehst mich in die Worte lächelnund überhörst zum Glück mein Schweigen.

Abschied

In deinem Blick erlag die Zeitund als, geschützt in deinen Armen,mir unterdrückte Tränen kamen -dies war der Tod, war Ewigkeit.Und meine weite Seele schreitvon überall her deinen Namen.

Trost

Ich sprach: "Ich werde dich vermissen."und starrte an die Wandund fing ganz furchtbar an zu weinen.Du führtest meinen Kopf zum Kissenund hieltest meine Hand:"Auch nach mir wird die Sonne scheinen."Ich ließ dich zärtlich mich belügen,ich liebte dich zu sehrund regte meinen Kopf nicht weiter.Noch heute kann ich dich nicht rügen,wiegt auch die Wahrheit schwer,ist deine Lüge warm und heiter.

Andacht

Hier am allzu stillen See"Schaut der Kranich mitgenommen."klage ich mein tiefes Weh."Denn er weiß, der Herbst wird kommen."Noch will keine Zeit verstreichen."Noch ein Frühling, das wär schön"Gerne wollt ich nach dir reichen"und dir in die Augen sehn.Halte mich noch einmal fest,"Hör ich etwas? Röhricht, singe!"bis ich geh und du mich lässt!"Wenn der Wind nur rückwärts ginge!

Und wieder kehrt der Mond zurück

Und wieder kehrt der Mond zurückund wieder will ich nach dir greifen,nach Geistern, die im Augenblickzerstreut durch mein Erinnern streifen.Vergangenheit und dich zu lieben,sonst gibt es keine Wirklichkeit.Nach allem ist mir nichts gebliebenals Schatten einer andern Zeit.

Rückblick

Und einmal wenn die Wälder glühenin grellem Abschiedsrot,nur mehr Erinnerungen blühen,ist Rückblick das Gebot.Und einmal wird das Laub vergehenund lässt die Zweige bar,dann werde selbst auch ich verstehen,dass einmal Frühling war.

Licht und Schatten

Enttäuschung ist wohl unabwendlich.Ein Schatten bin ich, fällt ein Licht.Denn alles in der Welt ist endlich.Nur meine Sehnsucht ist es nicht.

Die Wahrheit ist anmaßend

Du fragst, ob wir uns wieder liebenund das verstehe ich zu gut,obgleich die Frage nimmer ruht,was wär, wenn du bei mir geblieben.Ich könnte dir nicht mehr genügenals damals, als du mich verließtund daher muss ich dich belügen,als du mir in die Augen siehst.Drum hebe ich die Stirnesfaltenund leide unter eignem Hohn,belächle spöttisch, ohne Ton,könnt sonst die Tränen nicht mehr halten.

Walpurgisnacht

Gar stürmig ists auf jener Höheund mit jeder Böe