Feuer - Jörg Führing - E-Book

Feuer E-Book

Jörg Führing

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Beschreibung

Bei einem Brand wird ein Haus zerstört in dem 3 Familien gewohnt haben.Was dann in den nächsten Monaten passiert ist so ungewöhnlich, traurig, skurril, aber auch teilweise lustig, das von vielen gesagt wurde, Mensch da könnteste ja ein Buch drüber schreiben....

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Seitenzahl: 293

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Tag 1 nach dem Brand

Tag 2 nach dem Brand

27 Tage nach dem Brand

32 Tage nach dem Brand

39 Tage nach dem Brand

43 Tage nach dem Brand

53 Tage nach dem Brand

56 Tage nach dem Brand

66 Tage nach dem Brand

73 Tage nach dem Brand

96 Tage nach dem Brand

99 Tage nach dem Brand

110 Tage nach dem Brand

126 Tage nach dem Brand

160 Tage nach dem Brand

176 Tage nach dem Brand

183 Tage nach dem Brand

185 Tage nach dem Brand

198 Tage nach dem Brand

200 Tage nach dem Brand

204 Tage nach dem Brand

205 Tage nach dem Brand

208 Tage nach dem Brand

211 Tage nach dem Brand

212 Tage nach dem Brand

222 Tage nach dem Brand

225 Tage nach dem Brand

227 Tage nach dem Brand

229 Tage nach dem Brand

231 Tage nach dem Brand

239 Tage nach dem Brand

248 Tage nach dem Brand

253 Tage nach dem Brand

256 Tage nach dem Brand

261 Tage nach dem Brand

268 Tage nach dem Brand

276 Tage nach dem Brand

284 Tage nach dem Brand

292 Tage nach dem Brand

293 Tage nach dem Brand

294 Tage nach dem Brand

296 Tage nach dem Brand

297 Tage nach dem Brand

301 Tage nach dem Brand

314 Tage nach dem Brand

316 Tage nach dem Brand

321 Tage nach dem Brand

330 Tage nach dem Brand

338 Tage nach dem Brand

359 Tage nach dem Brand

366 Tage nach dem Brand

371 Tage nach dem Brand

373 Tage nach dem Brand

379 Tage nach dem Brand

382 Tage nach dem Brand

386 Tage nach dem Brand

387 Tage nach dem Brand

388 Tage nach dem Brand

415 Tage nach dem Brand

428 Tage nach dem Brand

446 Tage nach dem Brand

Nachwort

Vorwort:

Wie kommt es das ich ein Buch schreibe?

Habe ich Langeweile?

Will ich mich selbst darstellen?

Will ich Geld damit verdienen und endlich reich werden?

Will ich rumjammern, was uns Schlimmes passiert ist?

Ja klar, uns ist was Schlimmes passiert.

Zum einen ist uns geholfen worden, zum anderen ergaben sich im Laufe der Zeit aber auch kuriose und hin und wieder auch lustige Ereignisse.

Unser Haus ist abgebrannt und mit ihm alles, was wir hatten.

Unvorstellbar für jemanden, der so etwas noch nicht erlebt hat.

Nicht „nur“ die Einrichtung.

Was heißt so lapidar Einrichtung?

In unserem Fall bis auf Schlafzimmerschrank, Bett, Einbauküche und Wohnzimmercouch alles Antiquitäten. Im Laufe von 30 Jahren zusammengesucht, teilweise bei Haushaltsauflösungen dabeigehabt oder bei Antiquitätenhändlern und auf Trödelmärkten gekauft. Ob es das Wandblech von 1950 war, welches in der Küche hing, und bei dem man einstellen konnte, was man beim nächsten Einkauf mitbringt, ob es die antike Kaminverkleidung war, von mir umgebaut in eine Heizungsverkleidung. Oder die alte Brotmaschine. Auf ihr lagen mehrere alte Kochbücher. „Mutti kocht“ oder „Sparsames Essen in der Nachkriegszeit“. Ob es die alte englische Waschkommode im Bad war oder der 200 Jahre alte Couchtisch aus gebürsteter Eiche, welcher noch mit Holznägeln zusammengehauen war. Ob es die antike Truhe im Flur war, wo man mir allein für das Schloss schon sehr viel Geld geboten hatte. Ob es eine Biedermeiervitrine war, die ich eigentlich für eine Kundin entsorgen sollte. Eine Kinderschaufensterpuppe von 1950, ein Grammofon, eine alte Schreibmaschine, ein altes Akkordeon, meine, nur von mir schön gefundene, Sammlung an Heiligenbildern und Konfirmationssprüchen. Die komplette Diasammlung, sämtliche Bilder, ca. 100 antike Taschen, Wand- und Standuhren....

Alles innerhalb von wenigen Stunden für immer vernichtet.

Jeder wird verstehen, dass man solch ein Ereignis nicht mal eben wegsteckt.

Um nicht zu sehr zu grübeln, habe ich mich in die Arbeit gestürzt. Ich habe mich abgelenkt mit dem Wiederaufbau meiner kleinen Firma, später mit dem Leiten der Firma und dem Hausneubau.

Meine Frau Meike konnte sich nicht ablenken. Immer wieder fragte sie sich warum. Sie grübelte und hatte eine sehr schwere Zeit. Als im Laufe der Zeit immer mehr unglaubliche Dinge passierten, meinten Bekannte schließlich kopfschüttelnd zu uns, dass das alles unglaublich sei und man ja darüber ein Buch schreiben könnte. Das tat Meike schließlich auch, schrieb sich alles von der Seele, ließ alles noch einmal Revue passieren und verarbeitete auf diese Art und Weise das Geschehene. Da ich die Idee gut fand, habe ich sie gerne unterstützt und das Buch, ihre Vorlage Korrektur gelesen. Dabei habe ich das Buch zwangsläufig gelesen und auch bei mir kam die Idee, ein Buch, aus meiner Sicht, aber über dasselbe Thema zu schreiben. Und so entschloss ich mich, einige Jahre zu warten, und dann mein, nämlich dieses Buch zu veröffentlichen.

Auch für mich war es eine Möglichkeit, die ganze Sache zu verarbeiten und zumindest zu versuchen, damit abzuschließen. Keinesfalls möchte ich jemanden damit beleidigen oder meinen Frust über Situationen oder Personen zum Ausdruck bringen. Zumal es ja eine von mir frei erfundene Geschichte ist und eventuelle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen oder Geschehnissen nicht beabsichtigt und eher zufällig sind!

... und wenn mich, Jogi, einer fragen würde, wie ich das ganze erlebt habe? ...

Nun sitzen wir hier, die ganze Familie, meine Mutter, Schwester, Schwager und Eltern meiner Schwiegertochter.

Wir feiern die Taufe unseres Enkels Noah, dem Kind von Sascha und Steffi. Die Frauen haben den Kaffeetisch gedeckt und dekoriert und haben Kuchen und Torten gebacken. Und wir Männer? Abgesehen von meiner wichtigen Aufgabe, jeden Kuchen wenigstens einmal zu probieren, haben wir unsere Arbeit in den letzten Wochen geleistet, indem wir den Ort geschaffen haben, wo wir jetzt alle in großer Runde gemütlich sitzen.

20 Jahre haben wir nun dieses alte Haus, und renovieren seitdem. Erst einmal grob, damit wir einziehen konnten, dann im Laufe der Jahre, nach und nach, von innen. Jede Etage, den Dachboden, ja sogar den Keller haben wir umgebaut und damals von Hand ausgeschachtet, den vorhandenen Lehmboden tiefer gelegt, damit man aufrecht stehen kann, und einen Estrichboden reingegossen.

Unterm Dach leben mein Sohn Danny mit seiner Frau Ann – Kathrin, welche von uns allen nur Anka genannt wird. Nachdem mein Sohn Klaus mit seiner Frau Daniela, welche von uns Dani genannt wird, ausgezogen war, weil sie sich ein eigenes Haus gekauft haben, zog Sascha mit seiner Frau Steffi wieder in die mittlere Etage ein. Und wieder wurde bei dieser Gelegenheit die Wohnung aufwendig renoviert.

Es wurde von uns ein komplett neues Bad gemacht, teilweise eine neue elektrische Verkabelung installiert, eine neue Heizungsinstallation angelegt und dann die "normale" Renovierung mit Tapezieren, Laminat verlegen, Streichen usw. gemacht. Nach dem Einzug haben wir in den letzten Wochen den Wintergarten auf unserem Anbau, wo vorher nur eine Terrasse war, gebaut. Mit großen Schiebetüren, direkt in den Garten. Zum Schluss mussten wir uns beeilen, wegen der winterlichen Temperaturen alles fertig zu bekommen. Als letztes habe ich noch in Eiseskälte den Wintergarten von außen verschiefert. Unser Nachbar Herr Ochse und bestimmt viele, die vorbeigegangen sind, haben mich für bekloppt erklärt, doch nachdem ich ihm erklärt habe, dass ich bis zur anstehenden Taufe von Noah alles fertig haben möchte, hat er mir sogar zwischendurch einen heißen Cappuccino gebracht. Sascha hat tatsächlich gestern noch schnell die Fußleisten verlegt, damit heute alles perfekt ist.

Jäh werde ich aus meinen Gedanken gerissen.

„Vatter“, ruft Sascha, als er nach unten aus dem Fenster schaut, „da ist Rauch! Ich glaube da brennt was!“

Wir reißen die Schiebetür auf und stürmen die Treppe in den Garten hinunter. Dicker Qualm kommt aus der offenen Terrassentür unserer Wohnung. Meike kommt mir entgegen, schreit, dass sie keiner gehört habe und will mir irgendwas erklären. Ich höre ihr nicht weiter zu, sehe mich um. Die ganze Wohnung ist verqualmt, am schlimmsten der offene Wohn- und Essbereich.

Dieses entsetzliche Piepen des Rauchmelders….

‚Du musst ruhig bleiben‘, schießt es mir durch den Kopf. Ich nehme Meike und schubse sie in Richtung Haustür.

„Raus, raus, nach draußen“, rufe ich ihr zu. Ich höre Sascha durchs Treppenhaus nach oben rufen: „Es brennt, das Haus brennt, alle raus!“ Ich stimme ein, rufe es auch und da kommen die Ersten die schmale Holztreppe runter, verstört, fragend. Ich höre nicht zu und sage nur:

„Raus, schnell, raus!“ Ich registriere, dass die Mutter von Steffi, den kleinen Noah auf ihrem Arm hat, sehe dass alle die Treppe herunterkommen. Als letztes kommt meine gehbehinderte Mutter. Auf der Hälfte der Treppe dreht sie sich um.

„Mein Mantel, ich habe meinen Mantel vergessen.“ Sie will wieder zurück. Ich raunze sie an:

„Komm, komm, das ist jetzt scheißegal, komm!“ Ich gehe raus und sehe nach ob alle draußen sind. Irgendwie läuft das alles mechanisch ab.

„Hat jemand die Feuerwehr gerufen?“ rufe ich.

„Ja“, antwortet jemand, „ich glaube Anka hat angerufen.“ Glaube ist mir zu ungenau. Ich rufe mit meinem Handy meinen Neffen an, welcher bei der Feuerwehr ist.

„Hallo Onkelchen“, tönt es fröhlich aus dem Handy.

„Alex, unser Haus brennt“, sage ich, „du musst kommen.“

„Willste mich verarschen?“ fragt er.

„Das Haus brennt“, schreie ich erneut in das Handy.

„Meinst du ich mache Witze?“

„Ok, dann schicke ich jetzt aber sofort 2 Löschzüge!“ sagt er zögernd.

„Ja, dann mach das!“ schreie ich ein letztes Mal und stecke das Handy weg. ‚So,‘ denke ich, ‚das war für alle Fälle. Jetzt werden Sascha, Danny und ich MAL EBEN das Feuer löschen.‘ Ich gehe wieder ins Haus. Anka will mit rein, und ihren kleinen Hund aus der Wohnung im Dachgeschoß holen.

„Nix da, du kommst hier nicht mehr rein“, sage ich zu ihr. Ich sehe, wie Sascha auf der Terrasse eine Plastiktonne mit Müll auskippt und sie mit Wasser füllen will, aber als er den Kran aufdreht, kommt nichts aus dem Schlauch. Jetzt im Winter ist der Haupthahn zugedreht. Er rennt durch die Wohnung zum Hauswirtschaftsraum und dreht die Leitung für die Terrasse auf. Auf dieser Seite der Wohnung sind zum Glück noch keine Flammen. Er kommt wieder raus auf die Terrasse, dreht den Hahn wieder auf, doch wieder kommt kein Wasser. Es ist alles zugefroren! Er versucht nun die Tonne in der Küche zu füllen. Ich dreh mich zum Esszimmer und will sehen, wie schlimm es ist, in dem Moment wird es dunkel. Die Sicherungen sind rausgesprungen. Nur der Schein der Flammen und eine dicke Rauchwand mit beißendem Qualm schlägt mir entgegen. Danny kommt dazu.

„Wir müssen das Fenster einschlagen, damit der Qualm raus kann“, rufe ich ihm zu. Wir rennen auf die Straße. Die Kunststoffrollläden sind unten, ich reiße sie einfach ab. Danny haut mit einer Leiter mehrmals vor das Fenster, aber die Scheibe will nicht bersten.

"Stop, stop", sage ich und mir wird endlich bewusst, dass das total bescheuert ist, was wir hier machen. Ich renne ein letztes Mal in die verrauchte Wohnung und muss erkennen, dass wir nichts mehr machen können. Ich sehe, dass Danny und Sascha im Flur stehen und mich fassungslos ansehen. Ich treffe die einzig richtige Entscheidung und sage nur noch:

„Raus, nur noch raus, wir können nichts mehr tun!“ Ich nehme auch nicht ein Teil mit oder versuche irgendetwas zu retten, wir rennen nur noch raus. Draußen frage ich Sascha, ob die Nachbarn Bescheid wissen.

„Ja“, sagt er, „die stehen schon da drüben auf der anderen Straßenseite, die haben mitgekriegt, wie du in das Handy geschrien hast.“ Neben den Nachbarn stehen die ersten Neugierigen auf dem Bürgersteig gegenüber. Ich geh zu meiner Familie, die bibbernd dasteht. Da ertönt Sirenenalarm. Irgendwie für mich beruhigend. Wenige Minuten später hört man die Martinshörner der eintreffenden Feuerwehr. Immer mehr Autos, immer mehr hektisch rumlaufende Leute mit Anzügen, Helmen und Masken. Wie gut das tut die alle zu sehen….

Die Polizei taucht auf, sperrt die Straße ab. Der Chef der Feuerwehr kommt zu mir.

„Jogi, wo habt ihr eure Hauptsicherungen und den Gashahn?“ fragt er. Ich erkläre es ihm. Ich kenne fast alle von der Feuerwehr gut und im Laufe des Abends, der Nacht kommt immer mal jemand von den Feuerwehrleuten vorbei und klopft mir wortlos auf die Schultern.

Erst Monate später erfahre ich, dass es auch für die Kameraden und Kameradinnen etwas ganz Besonderes war, diesen Einsatz zu haben, bei jemandem den man persönlich kennt. Der Mann meiner Nichte zum Beispiel ist zu Besuch bei meinem Bruder. Er hört den Sirenenalarm, sieht aus dem Fenster am Dachboden quer über Gevelsberg in unsere Richtung.

„Es brennt da irgendwo im Dorf“, sagt er. Dann geht sein Funkmelder und die Adresse wird ihm mitgeteilt. Er wird blass.

„Was ist los?“ fragen die anderen.

„Elbenstr. 66! Das ist bei Jogi und Meike!“

Von anderen habe ich später gehört, wie es im Mannschaftswagen war, als man immer näher zur Unglücksstelle kam, die letzten Kurven nahm und dann erkannte, dass ist bei Jogi und Meike. Da war plötzlich eine gespenstische Stille im Auto. Wer macht sich schon Gedanken über die Emotionen eines Feuerwehrmannes oder einer Feuerwehrfrau? Ich bis dahin mit Sicherheit nicht.

Ich laufe hin und her, suche Meike.

„Die ist bei euren Nachbarn Ochse“, sagt mir jemand. Ich geh dorthin, da sitzt auch meine Mutter. Sie zittert am ganzen Leib, und das nicht nur weil sie friert. ‚Gut, dass das mein Vater nicht mehr mitkriegt‘, denke ich. Er verstarb vor drei Jahren. Der hat sich immer so aufgeregt. Was denke ich für einen Quatsch? Meine Meike sitzt auf einem Sessel, ein Sanitäter ist bei ihr. Als sie mich erkennt, streckt sie mir nur wortlos ihre Arme entgegen. Der Sanitäter erklärt mir, dass man sie zur Vorsicht ins Krankenhaus bringt, wegen des Verdachtes auf Rauchvergiftung. Ich nicke, als würde ich es begreifen. Ich muss wieder raus. Warum? Wohin? Ich habe keine Ahnung.

Gerade will ich über die Straße gehen, da platzt mit einem Knall eine Schlauchleitung neben mir und ich bekomme eine Wasserfontäne über meinen Körper. Ich habe nur ein dünnes kurzärmeliges Hemd an, welches jetzt auch noch nass ist. Es sind Minus 14 Grad und selbst ich fange an zu frieren, was sonst eher eine Seltenheit ist. Jemand drängt mich über die Straße und sagt, ich solle mich in den Bus setzen, um mich aufzuwärmen. Der Bus ist dort von der Verkehrsgesellschaft auf den Parkplatz gestellt worden. Ich setz mich, steh aber gleich wieder auf, will wieder raus, aber wohin?

„Bleib erstmal einen Moment hier drinnen“, sagt jemand. Ich bekomme das alles nur im Rausch mit. Klaus und Dani kommen und nehmen mich in den Arm. Dani weint. Draußen sehe ich Danis Eltern und ihren Bruder stehen, etwas abseits ganz allein meinen Schwiegervater. Er weint bitterlich. Pastor Werner, der Notfallseelsorger kommt und fragt, ob er mir helfen kann. Ich verneine, spreche kurz mit ihm. Der Bürgermeister kommt, nimmt mich in den Arm und fragt, wie das passiert ist. Ich rede eine Weile mit ihm. Später kommen die ersten SMS. Es bietet mir jemand eine Wohnung an. Andere Bekannte kommen. Ich halte es im Bus nicht mehr aus. Draußen werde ich von Nachbarn und Neugierigen umringt und gefragt. Ich sage irgendwas. Ein Nachbar bringt mir eine Mütze. Ich sehe, wie ein Feuerwehrmann auf der eisglatten Treppe, die zum Parkplatz runterführt, ausrutscht und sich überschlägt. Er hat zum Glück einen Helm auf und rappelt sich langsam wieder hoch. Meike kommt auf mich zu und sagt mit Tränen in den Augen:

„Du kannst dich scheiden lassen, ich habe dein Haus angesteckt!“ Was labert die da? Und wo kommt die her? War die nicht ins Krankenhaus gebracht worden? Das rote Kreuz baut ein großes Mannschaftszelt auf. Es wird dort heiße Suppe verteilt. Eine Frau kommt, teils auf allen vieren über die vom Löschwasser vereiste Straße. Man erzählt mir später, dass die Frau in einer nahegelegenen Straße eine kleine Ferienwohnung hat, die sie uns zur Verfügung stellen wolle. Jemand gibt mir eine Jacke. Sie ist viel zu klein! Aber das liegt an mir. Ich bekomme Sie nicht zu, aber das ist nicht schlimm. Ich mache meine Jacken sowieso nicht zu. Von daher. Wieder bekomme ich eine SMS. Sie ist von einer langjährigen Freundin.

„Ich habe gerade von eurem Unglück gehört“, steht da. „Es tut mir unheimlich leid, aber wenn es einer schafft, das zu überstehen und das Haus wiederaufzubauen, dann bist du das mit deiner wunderbaren Familie! LG Manu“ Ich schüttele den Kopf, kann es nicht fassen, aber es gibt mir unheimlich Kraft! Ich denke wieder klarer und schaue mich um.

„Wo ist Danny?“ frage ich in die Runde.

„Der wollte versuchen, ins Haus zu kommen“, sagt jemand. Mir fällt auf, dass ich mich überhaupt nicht um ihn gekümmert habe. Mist.

„Danny, Danny“, schreie ich laut.

„Der hat das ganz schwergenommen, und weinte so doll“, sagt irgendwer.

„Danny“, schreie ich weiter, renne zum Nachbarn, suche ihn auf dem Parkplatz, gehe ins Zelt, frage alle die mir begegnen, aber keiner weiß wo er ist und nirgendwo sehe ich ihn. Ich gehe zum Haus, will hintenherum aufs Grundstück, aber ich werde von der Feuerwehr festgehalten.

„Lasst mich durch, ich muss ins Haus, ich muss Danny suchen“, sage ich.

„Da darfst du nicht rein“, sagt man zu mir.

„Das ist mir Scheißegal“, antworte ich und will mich losreißen. Ein Feuerwehrmann nimmt mich beiseite.

„Jogi, wir stehen hier die ganze Zeit schon, da ist keiner reingegangen.“ Ich dreh bald durch. Wenn der sich jetzt was angetan hat. Meine Gedanken überschlagen sich. Ich gehe wieder zum Parkplatz, suche im Bus, frage wieder im Zelt. Da kommt jemand vom Roten Kreuz und sagt:

„Ihren Sohn haben wir ins Krankenhaus gebracht, der hatte auch eine Rauchvergiftung. Es geht ihm aber inzwischen gut. Entschuldigen Sie, dass wir nicht sofort Bescheid gesagt haben.“

Puh, das war erleichternd zu hören. Mein Freund Roman ist plötzlich da und nimmt mich in den Arm.

„Komm, wir gehen in die Brennerei.“ Das ist eine nahegelegene alte Brennerei, welche unter Denkmalschutz steht und als Kulturzentrum umgebaut wurde.

„Sie ist aufgeschlossen worden, als Zufluchtsort für euch und alle Helfer. Da ist auch der Rest der Familie.“ Dort angekommen, kriege ich mit, wie ein befreundeter Feuerwehrmann zu Sascha sagt:

„Euer Wintergarten hatte als einziger Raum einen Betonfuss-boden. Eventuell kann man dort noch einen Tisch und ein paar Stühle retten, die sind nur nass vom Löschwasser.“ Die Worte, die an Sascha gerichtet sind, um ihn ein wenig zu beruhigen, bekommt auch Anka mit. Hoffnung keimt in ihr auf. Sie hakt sofort nach:

„Gunnar, kann man bei Danny und mir vielleicht auch noch was retten?“ Sie schaut ihn erwartungsvoll an. Er senkt seinen Blick.

„Nein, bei euch ist nichts mehr da, noch nicht einmal Wände.“ Ein lautes Aufschluchzen und ein bitterliches Weinen folgen. Ich nehme Anka in den Arm und drücke sie. Ich sage nichts. Was soll ich auch sagen? Wir setzen uns alle hin und essen ein wenig Suppe, dabei unterhalten wir uns und überlegen, wer wo schlafen kann in der Nacht. Wir sind alle geschockt und können es nicht fassen, wie schnell das alles ging.

„Da hat das Haus 190 Jahre drauf gewartet“, sage ich. Vor einiger Zeit hatte ich mir mal Gedanken gemacht, was wäre, wenn es mal brennen würde? Ich hatte Rauchmelder auf jeder Etage installiert und auch vor jede Wohnung einen Feuerlöscher gestellt. Ich hatte sogar mit Meike und den Kindern gesprochen, was zu tun sei. Danny und Anka sollten die Bodentreppe runtergehen, dann durch Saschas Wohnung. Mit ihm über die Terrasse in den Garten. Meike sollte nach vorne auf die Straße oder nach hinten in den Garten raus, allen im Haus Bescheid sagen und dann die Feuerwehr rufen. Nicht versuchen noch irgendwas zu retten. Und wenn es wirklich brennt? Anstatt die 2 m breite Tür von Saschas Wintergarten zu benutzen, kommt die ganze Gesellschaft im Gänsemarsch die enge Holztreppe runter! Und ich!?! Ich versuche das Fenster einzuschlagen. Macht man auch nicht. Eigentlich weiß ich das auch, aber das ist eben der Unterschied zwischen Theorie und Praxis. Hauptsache wir sind alle heil rausgekommen. DAS ist die Hauptsache.

Ich frage die Kollegen vom Roten Kreuz nach einem Ladegerät für mein Handy. Es wird mir besorgt. Nicht das das jetzt noch leer wird.

Tag 1 nach dem Brand

Ich habe zwei Stunden zusammen mit meiner Frau bei einer Bekannten geschlafen, es ist sechs Uhr. Deshalb stehe ich auf und fahre in eine Bäckerei. Dort bestelle ich 20 belegte Brötchen. Während die geschmiert werden, kommen andere Kunden in die Bäckerei.

„Haben Sie mitgekriegt, was da gestern Abend los war?“ fragt jemand. „Es hat gebrannt, bei Ring!“ Mir schießen die Tränen in die Augen und ich gehe wortlos aus dem Laden. Braucht ja nicht jeder sehen, wenn ich bläddere. Um mich zu beruhigen, gehe ich ein Stück die Straße runter. Als ich das Geschäft wieder betrete, ist alles mucksmäuschen still. Ich bezahle und eine Verkäuferin, die mich kennt sagt traurig:

„Tschüss Herr Ring.“ Als ich gehe, merke ich hinter mir die Blicke. Den Jungs und Mädels von der Feuerwehr bringe ich die Brötchen. Die haben die ganze Nacht im Wechsel eine Brandwache gemacht und freuen sich über das Frühstück. Ich fahre wieder zu unserer Bekannten, zu meiner Meike. Erst trinke ich noch einen Kaffee und spreche ein wenig mit meiner Frau. Dann geht´s los und ich fange an zu telefonieren. Bekannte, meine Mutter, meine Mitarbeiter, Geschwister, einen Anwalt, bei der einen Versicherung, bei der nächsten Versicherung und, und, und. Bei der Telefongesellschaft rufe ich an und frage, ob man eine Rufumleitung von der Festnetznummer auf mein Handy schalten könne. Das ginge, sagt man und werde es schnellstens durchführen. Nach zwei Stunden habe ich alle wichtigen Telefonate erledigt und auch keinen Bock mehr. Ich muss zum Haus.

Dort angekommen rede ich noch ein wenig mit den Feuerwehrleuten, die sich dann verabschieden und endlich Feierabend machen können. Ich stehe noch ein wenig auf dem Bürgersteig und starre auf das Haus, welches immer noch qualmt.

„Hallo Jörg“, werde ich angesprochen. Es ist der Leiter des Bauamtes. Ich kenne Herrn Ockel durch meine Ratstätigkeit und duze mich auch mit ihm.

„Tja, tut mir leid, was euch passiert ist“, beginnt er das Gespräch. Er fragt, wie es passiert ist usw. Im Laufe des Gespräches habe ich auch eine Frage an ihn.

„Hör mal Manfred, als ich damals das Haus gekauft habe, hieß es, wenn ich, aus welchen Gründen auch immer, das Haus mal neu aufbauen müsste, dann jedenfalls vier Meter zurück von der Straße wegen des Bebauungsplanes. Die neueren Häuser an der Straße sind alle schon auf der Baulinie. Lediglich meines mit Nachbarhaus und weiter oben an der Straße steht eins weiter vorne. Darf ich jetzt gar nicht wieder hier so aufbauen oder gar neubauen, muss ich jetzt auch zurück?“

„Nee“, sagt Manfred, „der Bebauungsplan ist doch damals gemacht worden, da war das hier noch eine Landesstrasse. Jetzt ist es eine Gemeindestrasse und zudem auf Tempo 30 beruhigt. Außerdem sähe das ja auch blöd aus, wenn du mit deinem Haus zurückgehst und das Nachbarhaus so stehen bleibt. Dann hätten die ja die ersten vier Meter ihrer Außenwand ohne Fenster und unverputzt. Im Übrigen darf man in dieser Situation wieder genau da aufbauen, wo das Haus vorher stand.“

„Ich meine ja nur“, antworte ich, „wenn ich zurückmüsste, dann müsste ich ja in den Hang hinter unserem Haus reinbauen. Das würde ja unheimlich kosten.“

„Nein, ich denke nicht“, sagt Manfred, „aber ich kläre das alles noch mal in Ruhe im Bauamt und sage dir dann Bescheid. Bis dann“, sagt er und geht. Ich bleibe stehen, in Gedanken vertieft. Habe ich jetzt gerade über einen eventuellen Neubau gesprochen? Etwa 18 Stunden nach dem Brandbeginn? Wahnsinn! Es ist noch nichts geklärt mit der Versicherung, ob wir überhaupt etwas bekommen, wie es weitergeht, wo wir wohnen usw. und ich mache mir Gedanken über den Bebauungsplan? Manfred kommt noch einmal zurück und sagt, ich solle doch bitte das Haus sichern, damit nicht jemand da rein geht. Fenster oder eine Haustür gibt es ja nicht mehr. Ich rufe sofort einen meiner Mitarbeiter an, er möge doch ein paar Spanplatten kaufen und vorbeibringen.

„Hey Jogi“, hör ich da. Markus Schmidt, ein Bekannter, welcher bei einem Lokalsender beim Fernsehen arbeitet, gibt mir die Hand. Er erzählt, dass er in der Nacht schon da gewesen sei und gefilmt und berichtet hätte. Ich habe davon nichts mitgekriegt. Er fragt, was genau eigentlich passiert sei und ob er mit seiner Mannschaft filmen darf. Er würde auch gerne ein Interview mit mir machen. Ich habe nichts dagegen. Nach einer halben Stunde ist alles im Kasten.

„Wie geht es weiter?" wollte er zwischendurch wissen. Was‘n Quatsch, das weiß ich doch selber nicht. Da bimmelt mein Handy. Es ist eine Kundin, die sagt, dass sie heute Morgen auf dem Weg zur Arbeit an unserem Haus vorbeigekommen sei und auch im Radio gehört habe, was passiert ist. Sie hat ihr Nachbarhaus leer stehen, da ihre Schwiegermutter ins Heim gekommen sei. Eigentlich sollte es ja erst renoviert werden. Jetzt stehe es seit 2 Jahren leer, aber wir könnten ja vielleicht dort einziehen. Wenn ich Interesse hätte, könnte ich ja mal um 16 Uhr vorbeikommen. Das sage ich ihr gerne zu. Jetzt kommt ein befreundeter Versicherungsmakler, bei dem ich unter anderem auch die Gebäudeversicherung habe. Nach ein paar persönlichen Sätzen kommen wir zum „Dienstlichen“. Nach einer Stunde bin ich zwar schlauer und er hat mir auch gesagt, wie es weitergeht, aber er hat auch gesagt, dass man erst mal untersuchen müsse, wieviel gezahlt wird und ob überhaupt gezahlt wird! Noch ahne ich nicht, dass wir auf diese Antwort 65 bange Tage warten müssen. Von der Einfahrt neben dem Haus winkt mir der Paketbote zu.

„Hallo, was ist passiert?“ fragt er. Ich erzähle, sage ihm, dass er bis auf weiteres alle Sendungen erst mal beim Nachbarn Ochse abgeben kann und nehme ihm das Paket ab. Aufgrund der Form guckt er mich fragend an, verbeißt sich jedoch die neugierige Frage, was da wohl drin sei. Ich kläre ihn auf.

„Das ist ein altes halbrundes Sprossenfenster, welches ich bei Ebay ersteigert habe. Ich warte schon länger darauf. Das gehört zu der letzten Renovierung, die ich in unserer Wohnung machen wollte.“ Einen offenen Durchbruch zum Esszimmer wollte ich mit dem Fenster schließen. Den Durchbruch habe ich schon maßlich an das Fenster angepasst. Der Rahmen war fertig, ich wollte es nur noch einsetzen.

„Kannste eigentlich auch wieder mitnehmen... ach lass hier“, sage ich zu ihm. Wieder geht das Handy.

„Hallo, Firma Sommer & Schulz hier.“ Das ist ein ortsansässiger Reifenhandel, bei dem wir mit unseren Pkw und Lkw Dauerkunde sind. Einige Jahre hatten wir dort einen Stellplatz für unseren Fuhrpark gemietet, welcher jetzt aber durch den Kauf eines neuen Lkw zu klein geworden war und wir woanders hingegangen waren. Seitdem sind die ein bisschen stinkig.

„Ich habe mitbekommen, was passiert ist, tut mir echt leid. Konntest du denn noch irgendetwas aus dem Büro retten?“

„Nein“, sage ich, „nichts, gar nichts.“

„Und Computermäßig? Hast du irgendwo Sicherungskopien gemacht?"

„Natürlich, ich bin doch nicht blöd“, antworte ich.

„Aber die waren ja auch im Büro und sind mitverbrannt.“ Doch blöd!

„Das war aber ungeschickt, das muss man doch extern lagern“, höre ich. Und in den nächsten 3 Monaten noch 100 Mal....

„Ich kann dir ja vom letzten Jahr die Rechnungen kopieren und zukommen lassen. Da war ja auch noch eine offen."

„Ok, mach das, bis dann“, sage ich. Was war das denn jetzt? Erst lässt er den Mitfühlenden raushängen, dann den Klugscheißer, dann den Freundlichen..., um mich dann zu erinnern, dass noch eine Rechnung offen ist? Angeblich? Merkwürdiger Anruf. Schon wieder geht das Telefon, das mit der Rufumleitung vom Festnetz auf mein Handy scheint ja zu klappen.

„Hallo Jogi, hier ist Robert Wulf, ich habe in der Zeitung gelesen, was passiert ist. Ich will dich nicht lange aufhalten, ich wollte nur fragen, ob du dir 500 € Übergangsgeld abholen möchtest?“

„Das ist wahnsinnig nett, aber ich habe hier zu tun und irgendwie...", antworte ich.

„Ist schon klar“, unterbricht er mich, „braucht dir nicht peinlich sein. Deine Kontonummer habe ich ja von damals, als du mir meinen Umzug gemacht hast. Ich überweise es dir.“

„Danke“, kriege ich nur raus.

„Alles Gute“, sagt er und legt auf. Obwohl ich weiß, dass er sehr wohlhabend ist, ist das ja wohl der Hammer! Ruhe zum Nachdenken bleibt mir nicht, denn da kommt der Versicherungsmakler der Hausratversicherung. Auch mit ihm spreche ich lange. Er möchte wenigstens ein Blick von außen in das Haus werfen. Also gehen wir durch die Einfahrt ums Haus und er sieht von hinten in die dunkle Wohnung.

„Oh“, sagt er, „da ist ja gar nichts mehr, das sieht ja verheerend aus.“ Das will man gerne hören. Das baut einen auf. Er macht noch ein paar Fotos mit Blitzlicht von der dunklen Hölle und geht. In dem Moment kommt ein Mann um die Ecke auf meine Terrasse. Sein Name ist Heldmann und er stellt sich vor als Brandsachverständiger. Er erklärt mir, dass er für mich als Sachverständiger meine Interessen gegenüber der Versicherung durchsetzen möchte. Diese Dienstleistung koste normalerweise ein paar Tausend Euro. Er würde das jedoch umsonst machen, wenn ich beim Neubau ihn als Architekten nehmen würde. Nachdem ich gesagt habe, dass ich ja noch gar nicht weiß, ob wir neu bauen oder ob das Haus noch zu retten ist, antwortet er:

„Da können Sie nichts mehr aufbauen, das muss abgerissen werden, das sehe ich. Überlegen Sie sich mein Angebot, ich lass Ihnen mal eine Karte da.“ Ein bisschen merkwürdig war der Auftritt ja schon, wie der hier wenige Stunden nach dem Brand rumschleicht und um Aufträge buhlt. Na ja, ich habe mich telefonisch bei meinem Versicherungsmakler über ihn erkundigt und nachdem der ihn kannte, habe ich zugesagt. Hört sich ja irgendwie logisch an das Ganze. Wieder geht das Handy und meine Schwiegertochter Dani erzählt, dass in der Nacht eine Frau aus der Nachbarstrasse da war, die uns eine Wohnung anbieten möchte. Sie vermietet diese als Ferienwohnung. Obwohl vielleicht nur 300 Meter von unserem Haus entfernt, habe ich noch nie etwas davon gehört. Ich solle doch mal vorbeikommen und mir die Wohnung ansehen. Das mache ich jetzt erstmal und gehe dahin. Es ist eine kleine Wohnung über 3 Etagen in einem schnuckeligen, aber kleinem alten Fachwerkhaus. Ich denke es ist zu klein, zumindest für uns alle. Ich gehe davon aus das wir alle 6, mit Noah 7, zusammen eine Wohnung oder ein Haus wollen. Ich sage es der netten Dame, sage ihr auch das wir uns heute Nachmittag etwas anderes größeres ansehen und sehr wahrscheinlich nicht auf sie zurückkommen werden. Trotzdem bedanke ich mich für das Angebot. Ich gehe wieder zurück zur Brandruine und helfe meinen inzwischen angekommenen Mitarbeitern beim Sichern des Hauses. Wir schrauben etliche Spanplatten vor die Fenster und die Haustüröffnung. Die Stadt hat inzwischen Bauzäune aufgestellt und mit einem Räumfahrzeug ist man gerade dabei, die zentimeterdicke Eisschicht von der Straße zu räumen, welche sich vom Löschwasser in der Nacht gebildet hat. Man möchte die Straße wieder für den Verkehr freigeben. Ein Herr von der Kriminalpolizei taucht auf und stellt sich vor. Nachdem er mein Erstaunen sieht, beruhigt er mich und meint, dass es üblich sei, dass die Kripo ermittelt. Er geht hintenherum ins Haus, sieht sich lange um und kommt wieder raus.

„Waren Sie schon drin?“ fragt er.

„Nein, das hat die Feuerwehr verboten“, antworte ich. „Ich solle warten, bis es freigegeben wird.“

„Ja, Sie können jetzt vorsichtig rein, sich umsehen, aber achten Sie darauf, dass kein anderer da rein geht. Ich werde bestimmt noch des Öfteren kommen“, sagt er, gibt mir eine Visitenkarte, und geht.

Jetzt gehe ich das erste Mal in das Haus rein und sehe mich um. Nach 5 Minuten will ich nur noch raus, zu schlimm ist das, was ich sehe....

Es ist 16 Uhr und wir sehen uns das Haus an, welches uns angeboten wurde. Die Kinder sind sofort mitgekommen, haben wir doch beschlossen, dass wir alle zusammenbleiben möchten. Obwohl es 2 Jahre unbewohnt ist, ist es noch möbliert und größtenteils eingerichtet. Wir sehen uns um und sind uns schnell einig, dass wir alle zusammen hier gerne einziehen möchten. Die Vermieterin, welche uns erstmal allein umschauen gelassen hat, kommt mit ihrem Mann wieder. Sie stellt ihn uns vor und sagt, dass er das Haus für seine Mutter verwalten soll. Wir besprechen mit ihm alles weitere.

„Dürfen wir hier umräumen? Dürfen wir hier aufräumen, dürfen wir ausräumen und die Sachen zum Sperrmüll bringen?“ Es gibt so viel zu fragen. In einem Raum ist sogar ein großes Schwimmbecken.

„Oh, das ist ja praktisch“, sage ich.

„Nee“, antwortet der Vermieter, welcher Andre heißt.

„Da ist die Pumpe kaputt, das kann man nicht nutzen.“

„Dann können wir ja das Wasser ablassen“, meine ich. „Mein Neffe ist bei der Feuerwehr, der kann dann mal mit einer großen Pumpe vorbeikommen und das Becken leersaugen. Es müffelt ein wenig und wir haben die Sorge, dass unser kleines Enkelkind, wenn es anfängt zu krabbeln und jemand aus Versehen die Tür nicht richtig zugemacht hat, ins Wasser fällt.“

„Das brauchst du nicht zu machen, ich mache das dann schon in den nächsten Tagen. Wenn ihr umräumt, könnt ihr mir ja die Sachen aus den Schränken, unter anderem aus dem früheren Arbeitszimmer in Kartons räumen. Ich bin noch nicht dazu gekommen zu sortieren, was wegkann und was ich aufheben möchte. Dann könnt ihr mir die Kartons ja in den Keller stellen, und ich hole mir dann jeden Tag ein paar rüber in unser Haus und sortiere da.“ Innerhalb von 2 Jahren noch nicht dazu gekommen? Ich denke es nur, sage aber natürlich nichts.

„Du musst uns dann sagen, was du für die Sperrmüllentsorgung bekommst“, sagt Inge, seine Frau zu mir.

„Na, da werden wir uns schon einig“, sage ich und denke, dass man sich schlecht etwas von jemanden bezahlen lassen kann, welcher uns zunächst erstmal umsonst hier wohnen lässt. Ein kleiner Werkraum ist auch noch voll mit Arbeitsutensilien. Da ich ganz dringend einen Werkraum, auch für die Firma, brauche, frage ich ob ich den ausräumen und nutzen darf.

„Da sind noch Sachen drin, die ich aufheben möchte“, sagt Andre. „Nächste Woche kommt ein Arbeitskollege vorbei, der das Werkzeug gebrauchen kann. Dann machen wir ihn eben leer.“ Dann kommen wir zu einem Raum, welcher eine Theke hat und mal als Partyraum diente. Jetzt ist er bis unter das Dach mit Bauschutt und Gartenmöbeln gefüllt.

„Wir hatten hier vor einem halben Jahr einen Wasserschaden, daher ist der Bauschutt. Das kann ich aber nächste Woche mal leerräumen, dann könnt ihr den Raum als Raucherzimmer nutzen“, sagt Andre.

„Oh, das wäre klasse", freuen sich daraufhin Meike, Danny und Anka.

„Okay“, sage ich, „wir würden gerne hier einziehen und danken euch erstmal.“