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Jessie führt ein ganz normales Leben, bis er eines Tages erfährt, dass sein verschwundener Vater einer der mächtigsten Feuerelementare Englands ist und er dessen Gabe geerbt hat. Eine Gabe, hinter der nicht nur seine eigene entfremdete Familie, sondern auch ein skrupelloser Mörder her ist. Hilfe findet er in Allan Lee, Magier und Agent für Übernatürliches. Bald ist Allan für ihn mehr, als nur sein Beschützer. Doch ihre gemeinsame Zeit ist begrenzt, denn nicht nur Jessie schwebt in Gefahr. Der ganzen übernatürlichen Welt droht Unheil.
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Veröffentlichungsjahr: 2020
Feuererbe
Lee und Caldwell 1
––––––––
Celia Jansson
Copyright: Celia Jansson 2019
Alle Rechte vorbehalten.
Titelseite
Copyright-Seite
1 Kapitel
2. Kapitel
3. Kapitel
4. Kapitel
5. Kapitel
6. Kapitel
7. Kapitel
8. Kapitel
9. Kapitel
10. Kapitel
11. Kapitel
12. Kapitel
Epilog
„Hexenerbe“- Lee und Caldwell 2.
Die Autorin
Impressum
Hab Spaß, hatte Tammi gesagt. Du musst mal raus, Jess! Und sie hatte recht. Also gab Jessie sich alle Mühe, aber er konnte die Party nicht genießen. Seine Schwester war irgendwo auf der Tanzfläche verschwunden, wo die Menge zu den Kings of Leon explodierte. Jessie sah ihnen zu, ohne die geringste Lust, sich ihnen anzuschließen, und trank sein Bier aus. Wäre er mit Simon hier, er hätte Jessie längst zum Tanzen gebracht. Grinsend hätte er ihn hoch gezerrt. Aber er würde nie mehr mit Simon herkommen. Für einen Moment schloss Jessie die Augen. Es war jetzt vier Wochen her, der Tag an dem Simon ihm erklärt hatte, dass es für ihn nicht weiter ging, dass er nicht mehr genug Gefühle für ihn hatte.
Er sah Tammi, die ihm zuwinkte, aber er schüttelte den Kopf und sie verdrehte die Augen. Doch so schnell gab sie nicht auf. Sie kam zu ihm und beugte sich herunter, damit er sie über die laute Musik verstehen konnte. Ihre kurzen Haare kitzelten seine Wange.
»Komm schon, Jess! Tanz mit mir!«
Es war schwer, ihr etwas abzuschlagen, aber er war einfach nicht in der Stimmung zum Tanzen. Viel eher war ihm danach, sich besinnungslos zu betrinken. Doch das würde auch nicht helfen. Er hätte statt hierher besser zu einem Kampf gehen sollen. Irgendeinen Idioten im Ring verkloppen und seine Aggressionen loswerden. Aber er hatte Tammi versprochen, das sein zu lassen. »Was, wenn die Polizei eine Razzia macht und dich verhaftet? Schon mal daran gedacht?« Die Standpauke, die sie ihm gestern gehalten hatte, schrillte ihm noch in den Ohren. Gut, es war wahrscheinlich keine besonders schlaue Idee gewesen, sich an illegalen Boxwettkämpfen zu beteiligen, wenn man versuchte, nicht aufzufallen, weil man mit einer falschen Identität lebte. Aber es hatte sich so verdammt gut angefühlt, ohne Regeln zu kämpfen. Die blutende Nase und die schmerzenden Rippen zu ignorieren und es dem Muskelprotz, der sich so sicher gewesen war, gegen Jessie zu gewinnen, so richtig zu zeigen. Es war acht Jahre her, seit er einen Fehler gemacht hatte und angeschossen worden war – weil sie ihn gefunden hatten. Danach waren sie von Brighton nach London geflüchtet. Seitdem war nichts mehr passiert. Weil wir vorsichtig sind, würde seine Mutter sagen. Nur dass sie ihm immer noch nicht verraten hatte, wovor und vor wem sie sich eigentlich versteckten.
Jessie sah zu Tammi hoch, die immer noch vor ihm stand, die Hände in die Hüften gestemmt.
»Sorry, Kleine. Heute nicht.«
Sie zog einen Schmollmund und er zuckte die Schultern. Seine Schwester gab sich wirklich alle Mühe, ihn abzulenken. Aber es half einfach nicht. Er wollte ihr nicht den Abend verderben. Vielleicht sollte er gehen. Doch bei Tammi bestand immer die Gefahr, dass sie es nicht mehr allein nach Hause schaffte. Also musste er warten, bis sie irgendwann beschloss, dass sie genug getanzt hatte. Währenddessen beobachtete er die Leute im Club. Jugendliche, die sich irgendwie hier reingeschlichen hatten, Studenten, und einige die er vom Sehen kannte. Aber alle eher Anfang zwanzig, einige Jahre zu jung für ihn. Tammi hatte gemeint, er bräuchte einfach mal einen guten One-Night-Stand. Vielleicht hatte sie recht, doch hier würde er niemanden dafür finden. Das hier war schließlich eine Rockbar und kein Schwulenclub. Jessie seufzte und dann trank er auch Tammis Bier aus, das sie bei ihm hatte stehen lassen.
Die Musik wurde immer schlechter und bereitete Jessie Kopfschmerzen. Er begab sich zu den Toiletten, die wie immer absolut widerlich waren. Kurz blickte er sich im Spiegel an. Unter seinen Augen lagen dunkle Ringe, die Haut fahl, aber das konnte auch an dem kalten grellen Licht liegen – oder daran, dass er in letzter Zeit viel zu wenig geschlafen hatte. Er wischte sich die dunkelblonden Haare aus der Stirn und richtete seine verrutschten Hosenträger. Auf dem Rückweg zu seinem Platz sah er jemanden, der ihn innehalten ließ. Ein Mann mit schwarzen schulterlangen Haaren, groß und gutaussehend mit hohen Wangenknochen und leicht südostasiatischen Zügen. Er trug eine lässige Lederjacke und eine enge Hose, die seine langen Beine betonte. Jessie kannte die meisten Leute im Club vom Sehen. Aber dieser Mann war ihm noch nie begegnet, das hätte er sich gemerkt. Der Mann ließ den Blick über die Menge schweifen, als suchte er jemanden. Jessies Herz setzte für einen Schlag aus, als sich ihre Blicke trafen. Entschlossen kam er auf Jessie zu, ohne ihn aus den Augen zu lassen. Ein Prickeln durchfuhr ihn. Kurz fühlte er sich bedroht, wie eine Beute. Er blinzelte und der Mann war verschwunden. Wie konnte das sein? Eben war er noch da gewesen ... Jessie schob sich durch die Menge zu dem Platz, an dem er gestanden hatte. Keine Lederjacke weit und breit. Das war unmöglich! Der Mann konnte sich doch nicht in Luft aufgelöst haben. Jessie wischte sich den Schweiß von der Stirn. Es war plötzlich unheimlich heiß im Club. War die Klimaanlage defekt? Die anderen Leute schienen es nicht zu bemerken und tanzten weiter. Jessie fühlte sich, als würde er neben einem offenen Backofen stehen. Es wurde immer heißer. Er atmete schwer und kurz wurde ihm schwarz vor Augen. Dann flirrte alles, der Boden drehte sich. Er musste raus, an die kühle Nachtluft. Wie im Fieberwahn drängte er sich zur Tür durch, bis er endlich an die frische Luft kam. Aber auch hier war es heiß. Was stimmte nicht mit ihm? Ein Licht blendete ihn. Jessie hob den Blick und ihm stockte der Atem. Über dem Club schwebte ein Ring aus Feuer, mit einem Symbol in der Mitte. Flammen leckten am Dach, aber es brannte nicht. Jessie blinzelte. Träumte er? Er blickte zu den Leuten, die ebenfalls vor dem Eingang standen, rauchten und sich ganz normal, unterhielten. Sie sahen es nicht. Jessie stolperte einen Schritt zurück, unfähig zu fassen, was da vor sich ging.
Der Mann mit der Lederjacke stand auf der anderen Seite des Platzes und fixierte Jessie. Dann blickte er nach oben, zum Feuerring. Er murmelte etwas, das Jessie nicht hören konnte – und kam auf ihn zu. Panik lähmte Jessies Körper, dann brannte das Adrenalin in seinen Adern und er konnte sich wieder rühren. Er drehte sich um und rannte. Er rannte durch die Straßen von Soho, bis seine Lungen schmerzten und er auf dem Kopfsteinpflaster zusammenbrach.
***
Beinahe hätte Allan sein Handy auf den Boden geschleudert. Seit Wochen nervte ihn sein Chef, dass er zurückkommen sollte, und wenn er ihn einmal brauchte, ging er nicht ran! Der Feuerelementar war so schnell verschwunden, dass er seine Spur verloren hatte. Ein Feuerelementar in London, vermutlich sogar zwei! Das konnte einfach nicht wahr sein. Allan rieb sich die Stirn und zwang sich ruhig zu atmen.
Nur weil er den Elementar gespürt hatte, war er überhaupt in diesen Club gegangen. Er hatte ihn beobachtet, wie er missmutig am Rand gesessen und sich betrunken hatte. Allan hatte schon geglaubt, dass er nichts im Schilde führte, bis der Feuerring aufgetaucht war. Ein mächtiger Gegenzauber, der den Schutz des Clubs aufgehoben hatte. Warum hatte der Elementar so erschrocken zum Feuerrring geblickt? Erst als er den Zauber, der den Schutz auflöste, gespürt hatte, war Allan klar geworden, dass zwei Feuerelementare im Club gewesen sein mussten. Denn der eine, dieser recht attraktive Mann mit Rockabilly-Look, der ausgesehen hatte, als lasteten alle Sorgen der Welt auf ihm, hatte sich nicht von seinem Platz gerührt. Wahrscheinlich hatte er Wache gehalten, aber warum hatte er Allan dann nicht angegriffen? Es machte alles keinen Sinn. So viele Fragen schwirrten ihm durch den Kopf. Was, wenn der andere Colin gewesen war? Wenn die Caldwells in London waren, hervorgekommen aus ihrem Versteck? Was wollten sie plötzlich hier, warum griffen sie einen Club an? Er musste mehr über diesen Mann herausfinden, der weggelaufen war. Hatte er nicht mit einer Frau geredet?
Wieder im Club war alles normal. Er spürte keinen Feuerelementar mehr in der Nähe. Aber er blieb wachsam. Die Menschen hatten keine Ahnung, dass sie angreifbar waren. Sogar die Fae und Wandler, die hier zu einer überraschend großen Zahl zur Rockmusik tanzten, schienen nichts mitbekommen zu haben. War der Club deshalb angegriffen worden, weil er bei übernatürlichen Wesen beliebt war? Das war schließlich auch der Grund, dass der Club überhaupt einen Schutz vor magischen Angriffen erhalten hatte.
Er wandte sich an die Sicherheitsleute am Ausgang. Einer von ihnen war ein Dämon, der andere ein Troll. »Der Schutzzauber wurde zerstört. Lasst keine Übernatürlichen raus, bis wir sie befragt haben!«, wies er sie an.
Sie murmelten Flüche, gehorchten aber. Allan hoffte nur, dass keine Panik ausbrach, bis die Verstärkung eintraf. Wenn einer der Besucher das Ziel des Täters war, oder wenn irgendjemand etwas gesehen hatte, mussten sie das wissen.
Zwei junge Magier sahen ihn an, wenigstens sie schienen das Fehlen des Schutzes zu spüren. Er erkannte sie. Vor drei Monaten hatte er ihnen wegen Besitzes illegaler Magierdrogen eine Verwarnung ausgesprochen. Automatisch griff er in seine Jackentasche, um seinen Dienstausweis zu zücken, doch die Tasche war leer. Schließlich hatte er den Ausweis vor zwei Monaten abgegeben. Und ausgerechnet jetzt brauchte er ihn. Doch die Jungs schienen ihn wiederzuerkennen.
»Was ist hier los?«, fragte der eine Junge, kaum älter als achtzehn.
»Ist euch hier irgendetwas aufgefallen?«
»Ich spüre den Schutz nicht mehr. Was ist passiert?«
»Der Schutz wurde aufgelöst.«
Der Junge sah sich panisch um.
»Keine Sorge. Es ist nichts passiert. Ist euch irgendeine verdächtige Person aufgefallen?«
Sie schüttelten die Köpfe.
»Ich muss eure Personalien aufnehmen, nur falls eure Aussage gespeichert wird.«
Sie gaben ihm ihre Ausweise und er fotografierte sie mit dem Handy ab.
Während er mit den Jungs sprach, sah er sich nach der Frau um, mit der der Elementar geredet hatte. Seine Freundin? Endlich fand er sie, als sie auf die Toiletten zuging.
»Entschuldige bitte«, hielt er sie auf.
»Ja?« Sie sah sich zu ihm um. Jetzt, da er ihr so nahe war, war er sich ganz sicher. Sie war ein Mensch. Er konnte nichts Übernatürliches an ihr wahrnehmen.
»Ich bin Polizist und muss dir Fragen zu dem Mann stellen, mit dem du vorhin geredet hast. Dein Freund?«
Ihre Miene verfinsterte sich.
»Polizist? Und wo ist dein Ausweis?«
»Ich bin ... außer Dienst, aber ...«
»Dann hast du kein Recht, mich zu befragen!«
Sie stürmte an ihm vorbei, bevor Allan sie aufhalten konnte. Wenn sie nicht reden wollte, würde er ihr eben nach Hause folgen und so herausfinden, wer sie war. Sie lief zurück zum Platz, wo ihr Freund eben noch gesessen hatte und sah sich nach ihm um. Offenbar hatte er sie einfach zurückgelassen. Sie nahm ihre Jacke und lief zum Ausgang. Allan folgte ihr nach draußen. Doch als er in die kühle Frühlingsluft trat, war sie verschwunden. Erst ihr Freund, jetzt sie. Er sah sich um, aber nirgends nahm er ihre Aura wahr. Er schüttelte den Kopf und ging zurück in den Club. Es wäre ohnehin besser, wenn er hier wartete, falls der Angreifer zurückkehrte. Zwar konnte er sich nicht vorstellen, dass die Fae oder Wandler hier das Ziel gewesen waren, aber es war besser vorsichtig zu sein. Zwei Elementare an einem Ort. Was wenn es ein Kampf zwischen den Clans war? Seit Jahrzehnten lagen die Caldwells und die Greenwoods in einem Konflikt, der zu den letzten beiden Kriegen geführt hatte. Aber seit dem Friedensvertrag hatte sich keiner von ihnen mehr in London gezeigt. Allan schloss die Augen und drängte die Bilder des Krieges zurück. Die brennenden Häuser, die vielen verkohlten Leichen. All die Freunde, die er verloren hatte, Violet ... War es zu viel verlangt gewesen? Ein paar friedliche Jahre mit seiner Tochter? Gerade als er geglaubt hatte, dass er dem Frieden endlich trauen konnte ... Der Gedanke, der Krieg könnte erneut ausbrechen, dass Zoe in Gefahr sein könnte, war einfach unerträglich. Erst jetzt bemerkte er, dass er die Zähne fest zusammen biss und die Fäuste ballte. Er atmete tief durch und konzentrierte sich auf einen Punkt an der Wand. Jetzt war keine Zeit, zu trauern.
Er suchte den Platz, an dem der Feuerelementar gesessen hatte und steckte die Bierflasche ein, aus der er getrunken hatte.
Als er auf sein Handy sah, hatte Tony ihm endlich geantwortet. Allan rief ihn zurück und erzählte ihm alles. Sein ehemaliger Chef hatte bereits Agenten losgeschickt, die fünf Minuten später eintrafen. Es waren die Leute aus Team zwei, mit denen er sonst nicht viel zu tun hatte. Er schilderte ihnen was vorgefallen war, und sie begannen mit der Befragung. Tony selbst wollte ebenfalls gleich dazu kommen. Allan wurde nicht mehr gebraucht. Er hatte schon vor Stunden zu Hause sein wollen und machte sich auf den Heimweg.
Es war still in der Wohnung. Die Tür zu Zoes Zimmer war angelehnt und Allan spähte hinein. Zoe schlief ruhig, ihr Haar lag in einem Kranz um ihren Kopf, ihr Chihuahua am Bettende. Ihr Zimmer sah bereits so aus, als lebte sie schon immer hier und nicht erst seit zwei Monaten. Mit den vielen Postern an den Wänden, überall verstreute Klamotten, dem kleinen Schminktisch mit den vielen Schmuck und Make-up darauf. Ihre Schulsachen auf dem Schreibtisch.
Leise schloss er die Tür und ging in die Küche. Zoe hatte die Reste vom Mittag aufgegessen, allerdings nicht aufgeräumt. Töpfe und Geschirr türmten sich in der Spüle. Ihre Schuluniform lag auf dem Boden im Badezimmer. Etwas quietschte unter seinem Fuß. Das Spielzeug ihres Hundes. Allan seufzte und hob es auf. Er hatte ein wenig unterschätzt, wie viel Arbeit ein Teenager machte.
Wie schnell er sich daran gewöhnt hatte, dass sie hier war, nicht mehr allein zu leben. Er konnte es sich gar nicht mehr anders vorstellen. Nur nach einer Nacht wie dieser fragte er sich, ob es ein Fehler gewesen war, sie bei sich aufzunehmen, anstatt sie bei ihrer Pflegefamilie zu lassen. Ob er sie nicht einer zu großen Gefahr aussetzte. Aber es gab kein Zurück mehr. Sie hatte seine magische Begabung geerbt und sie musste sie beherrschen lernen.
Er würde alles tun, damit ihr nichts geschah. Beim Gedanken daran, dass ihr etwas passieren könnte, zog sich sein Magen zusammen. Vielleicht sollte er mit ihr fortgehen, irgendwohin, wo es sicher war, wo niemand sie finden würde. Den Gedanken hatte er oft gehabt, aber er hatte es doch nie getan. Denn er wusste nur zu gut, dass der Traum von Sicherheit nur eine Illusion war. Weder in China bei seinen Eltern, noch auf irgendeiner karibischen Insel wären sie wirklich sicher. Wenn Colin sie finden wollte, oder Zoes Großmutter, dann würden sie sie auch finden.
***
Am frühen Morgen stand Allan auf dem Dach des Clubs und half seinem Chef, den Schutzzauber zu erneuern. Er spürte, wie die Kraft aus ihm herausfloss, durch sein Blut, in die Fingerspitzen und in den Zauber, den er zusammen mit Anthony zeichnete. Ein komplexes Symbol aus Kreisen und keltischen Zeichen. Auch wenn er eigentlich beurlaubt war, sah er das als seine Pflicht an. Einen anderen Magier, der dazu fähig war, gab es bei der Agency im Moment nicht.
»Das heißt nicht, dass ich zurückkomme.«
Das hier war nur ein Gefallen für die Agentur. Als Wiedergutmachung dafür, dass ihm der Täter entkommen war. Anthony seufzte und stellte sich neben ihn. Er legte seine kräftige Hand auf Allans Schulter.
»Irgendwann kommst du zurück. Sie ist vierzehn, nicht vier. Und ich weiß, du willst die verlorene Zeit wiedergutmachen. Aber so funktioniert es nicht. Glaub mir, ich hab drei davon großgezogen.«
Allan zog die Augenbrauen hoch. Tony hatte vier Kinder von drei Frauen. Zwar lebten die Kinder bei ihren Müttern, dennoch hatte Tony wohl mehr Ahnung von pubertierenden Mädchen als er. Doch Allan würde seine Meinung nicht ändern. Er hatte zu viel Zeit mit Zoe verpasst.
»Danke für deine Hilfe.« Anthony sah ihn mit ungewohnt warmem Blick an. Als Allan mit zwanzig angefangen hatte, für die Agency zu arbeiten, war Anthony sein Mentor gewesen. Ein wenig wie ein fürsorglicher aber strenger Onkel.
»Wir haben Mel und Krish auf die Suche nach dem Übeltäter geschickt. Die anderen sind mit den Wölfen beschäftigt.«
»Immer noch?«
»Machen ziemlichen Ärger. Und jetzt werden wir mal deinem Feuerelementar von letzter Nacht einen Besuch abstatten. Leihst du mir deinen Kläffer aus?«
»Nur, wenn ich mitkommen darf.«
Tony seufzte. »Also schön, aber nur das eine Mal.«
Allan fühlte sich nach dem Erneuern des Schutzes ziemlich ausgelaugt, er musste dringend etwas essen. Aber für einen Findezauber reichte seine Energie gerade noch aus. Zoes Chihuahua hatte er unten angebunden. Er kläffte jeden an, der vorbei kam. Zoe erzog ihn nicht richtig. Am liebsten hätte er das Biest mit Magie dazu gebracht, zu gehorchen. Leider verstieß das gegen das Gesetz und Zoe würde ihn dafür hassen. Immerhin war der Hund einmal nützlich.
»Los, Lucy, such.« Er hielt ihr die Bierflasche unter die Nase. Der Zauber würde Lucy helfen, dem Geruch zu folgen. Es funktionierte. Das Biest stürmte los.
Ein Geräusch weckte Jessie auf. Er murrte und wollte sich unter der Decke verkriechen. Doch sie wurde ihm erbarmungslos weggezogen. Tammi stand mit verklebten kleinen Augen und wilder Frisur vor seinem Bett. Sie trug eine Jogginghose und ihr Iron-Maiden-Shirt.
»Also echt Jessie! Ich weiß, du bist depri wegen Simon. Aber einfach abhauen? Ich hab mir Sorgen gemacht!«
Sie sah ihn vorwurfsvoll an.
»Sorry«, murmelte er verlegen. Er wusste, es war mies von ihm gewesen, ihr nicht einmal eine Nachricht zu schreiben, dass er zu Hause war.
»Du hast Glück, dass ich gestern zu müde war, um dir eine zu verpassen. Außerdem hast du wie ein Baby geschlafen und ziemlich scheiße ausgesehen. Ich war heute früh schon mit Rocky draußen. Bitteschön.«
Sein Boxermischling saß am Bettende und sah Jessie vorwurfsvoll an. Jessie kraulte ihn und versuchte eine Erklärung für Tammi zu finden.
»Ich ...«
Er konnte ihr nicht sagen, was los war. Sie würde es nicht glauben. War das alles wirklich passiert? Der Feuerring, den nur er sehen konnte? Wurde er verrückt?
»Jessie ...«
Verdammt, Tammi stand direkt vor ihm und sah ihm in die Augen. Es war sinnlos sie anzulügen, weil sie es sofort merken würde. Aber die Wahrheit konnte er ihr nicht sagen. Er wollte nicht, dass sie ihn so ansah, als glaubte sie, dass er am Durchdrehen war.
»Ich hatte einfach zu viel getrunken.«
Tammi schnaubte. »Mann, da hat mich gestern ein Typ im Club angequatscht und nach dir gefragt. Er behauptet, er wäre Polizist, konnte sich aber nicht ausweisen. So ein ziemlich hübscher großer Typ.«
»Was?« Jessie richtete sich auf und starrte seine Schwester an. Das konnte nicht ... »So ein Typ in einer Lederjacke, mit langen Haaren?«
»Ja ganz genau. Du kennst den? Mann Jessie, der hat mich vielleicht erschreckt. Ich bin weggelaufen. Was war da los?«
»Ich ... keine Ahnung.«
»Ich hoffe sehr, dass das nichts war. Denn wenn es was mit der Sache zu tun hat ...«
Die Sache, war, dass sie ihre Identität geändert hatten, dass sie sich vor irgendetwas versteckten. Aber wenn Tammi den Mann auch gesehen hatte, dann hatte er sich ihn nicht eingebildet. Jessie schwirrte der Kopf.
»Ich muss jetzt los. Treff mich mit Fiona und dann arbeite ich spät. Judas Priest.«
Tammi arbeitete als Sicherheitskraft bei Veranstaltungen, oft bei Konzerten. Manchmal besorgte sie ihm Karten. Man sah es ihr nicht sofort an, aber sie konnte zwei Meter große, kräftige Kerle mit einem Wurf auf den Boden befördern.
»Wie spät ist es?«, fragte er und rieb sich die Stirn.
»Zehn. Musst du nicht heute auch arbeiten?«
Verdammt, das hatte er völlig vergessen. Matt würde sauer sein, wenn er zu spät kam.
Tammi verschwand in ihrem Zimmer und erschien nach fünf Minuten fertig angezogen in ihrer Arbeitskleidung und geschminkt. Währenddessen hatte Jessie sich aus dem Bett gequält und Kaffee gekocht. Er reichte ihr einen To-Go-Becher.
»Bye«, sagte sie, und küsste ihn auf die Wange. Gerade, als sie die Tür öffnen wollte, klopfte es laut dagegen. Ging die verdammte Klingel mal wieder nicht? Und wer klopfte an einem Samstagmorgen an seine Tür? Wieder klopfte es kräftig. Tammi sah durch den Spion.
»Fuck, das kann nicht wahr sein! Der Typ von gestern und der andere sieht echt aus wie ein Bulle. Was hast du angestellt, Jessie?«
»Nichts!«
»Wir könnten durchs Fenster abhauen.«
»Und dann? Ich habe nichts angestellt, wirklich nicht.«
»Vielleicht wegen deinen bescheuerten illegalen Boxkämpfen!«
Das glaubte er nicht. Er hatte dort nie seinen Namen genannt oder eine Adresse angegeben.
»Dann sehen wir mal, was sie wollen.«
Sie wussten beide, wenn sie versuchen würden, ihn zu verhaften, konnten sie sich wehren. Und dann würde er abhauen. Aber das würde heißen, dass er sein komplettes Leben hier aufgeben müsste und das ließ sein Herz schwer werden.
Als Tammi die Tür öffnete, konnte Jessie seinen Augen nicht trauen. Dort stand wirklich der Mann von gestern Nacht! Diesmal trug er keine Lederjacke, sondern einen schwarzen Mantel über einer ebenfalls schwarzen Jeans. Ein bisschen erinnerte er ihn an Keanu Reeves in Matrix, wenn der lange Haare gehabt hätte. Der hatte auch so ausdruckslos geguckt. Jessies Herz klopfte heftig. Der Mann war real, er hatte ihn sich nicht eingebildet! Aber was zur Hölle wollte er hier?
Der andere Mann trug einen Trenchcoat und sah wirklich nach einem Bullen aus. Er war um die fünfzig, schwarz und kräftig gebaut. Tiefe Falten zwischen den Augen zeugten von einem sorgenvollen Leben. Sein Blick machte deutlich, dass man sich lieber nicht mit ihm anlegte. Nun zückte er auch seinen Dienstausweis und hielt ihn Jessie unter die Nase.
»Jessie Wheeler?«
»Ja ...«
»Wir müssen Sie bitten mit uns aufs Revier zu kommen. Wir möchten Sie zum Vorgang von letzter Nacht befragen.«
»Letzte Nacht?«
»Sie waren doch in der Crobar an diesem Abend, oder?«
Jessie starrte die Polizisten an. Was hatte das zu bedeuten? Sie konnten sich doch nicht auf das Feuer beziehen. Das Feuer hatte er sich eingebildet ...
»Sie verhaften mich?«
»Nein, keineswegs. Wir möchten Sie lediglich befragen. Es wäre einfacher für uns, wenn Sie uns kurz zum Revier begleiten. Es wird nicht allzu lange dauern.«
Tammi sah ihn besorgt an. Dreißig Jahre lang hatte er es geschafft, nicht aufzufallen, niemals verhaftet zu werden und jetzt standen da diese Bullen. Sein Blick glitt zum Fenster hinter ihm. Tammi schüttelte unmerklich den Kopf. Kurz war er versucht, zu antworten, dass er nur etwas sagte, wenn sie ihn vorluden. Aber was hatte er für eine Wahl? Er musste sich eingestehen, dass er auch neugierig war. Der Lederjackentyp war ihm einige Antworten schuldig. Er musste einfach wissen, was letzte Nacht passiert war.
»Worum geht es?«, fragte Tammi. »Brauchst du einen Anwalt?«
»Nein! Im Club gestern, da habe ich, glaube ich, etwas gesehen. Das ist alles. Kannst du dich um Rocky kümmern?«
»Okay. Aber ruf mich an, wenn was ist, ja?« Er verstand das Ungesagte dabei. Sie würde Himmel und Hölle in Bewegung setzen, wenn es Probleme gab. Und er war ihr dankbar. Die Polizisten ließen ihm gerade noch genug Zeit, sich Schuhe anzuziehen und seinen Rucksack zu schnappen. Auf der Fahrt zum Revier sagten sie nichts. Es kam ihm wie eine Ewigkeit vor, bis sie endlich das Ziel erreichten. Das nächste Revier wäre um die Ecke gewesen, aber sie fuhren weiter bis nach Whitechapel. Jessie bekam ein mulmiges Gefühl. Am Ende waren das gar keine Polizisten und sie wollten ihn beseitigen ... er schüttelte den Kopf. Diese Angst hatte seine Mutter ihm eingepflanzt. Traue keinem Polizisten.
Das Auto hielt vor einem unscheinbaren alten Backsteingebäude.
»Kommen Sie.«
Jessie folgte ihnen in den dritten Stock und in ein Büro hinter einer gepanzerten Tür, die sich hinter ihm automatisch schloss. So einfach würde er hier nicht wieder rauskommen. Das loftartige Polizeibüro war überraschend modern eingerichtet. Neue Computer standen auf den Schreibtischen, eine Glaswand trennte den Raum vorne ab, der leicht erhoben lag. Wahrscheinlich das Büro des Revierchefs.
»Setzen Sie sich. Ich bin DI Ellis. Das ist Detective Lee. Möchten Sie etwas trinken?«
»Nein, danke.« Er war nicht blöd. So einfach würde er es ihnen nicht machen, von ihm Fingerabdrücke und DNA zu bekommen. Dabei hatte er eigentlich nichts zu verbergen. Aber seit er denken konnte, hatte seine Mutter ihm diese Sachen eingebläut und nachdem dann tatsächlich einmal auf ihn geschossen worden war, hatte er sie auch ernst genommen. Er setzte sich auf den zugewiesenen Stuhl am anderen Ende des Tisches in einem Verhörraum und achtete darauf, nichts anzufassen, behielt seine Hände an seiner Jeans.
»Worum geht es denn jetzt?« Seine Geduld war langsam am Ende.
»Nun, Mr. Wheeler, erst einmal wollen wir die Fakten überprüfen. Ihr Name ist Jessie Wheeler. Sie sind am 21. 4. 1989 geboren. Korrekt?«
»Ja.«
»Sie leben in London, zusammen mit Ihrer Schwester?«
»Ja. Aber jetzt sagen Sie mir endlich, was das alles soll! Du ...« Er sah den Mann an, der offenbar Lee hieß. »Du hast das auch gesehen, oder? Das Feuer?«
»Wir werden Ihnen alles erklären. Aber erst mal müssen Sie uns die Wahrheit sagen.« DI Ellis blickte ihn streng an. »Was haben Sie gestern gemacht? Bitte fangen Sie morgens an.«
»Morgens?« Jessie kratzte sich an der Stirn. »Ich weiß nicht mehr genau. Ich habe gefrühstückt. Dann war ich einkaufen. Dann war ich zu Hause und habe Gitarre gespielt.«
»Wann haben Sie das Haus wieder verlassen?«, fragte Lee, der sich die ganze Zeit Notizen machte.
»Das war wohl gegen elf. Ich bin mit Tammi, meiner Schwester los, um in den Club zu gehen. Wir sind mit der Bahn bis nach Tottenham Court Road gefahren. Dann waren wir eine Weile im Club. Warum wollen Sie das so genau wissen?«
»Mr. Wheeler, wir glauben, dass Sie im Club etwas beobachtet haben. Erzählen Sie uns bitte alles.«
Jessies Herz schlug schneller. Würden Sie ihm wirklich glauben?
»Ich war nicht richtig in Stimmung zum Feiern. Und ich hatte zu viel getrunken. Also bin ich früher nach Hause. Ich glaube, gegen zwei war das. Es wurde irgendwie immer heißer im Club.«
Ellis sah auf und runzelte die Stirn.
»Ich bin raus und dann ... ich weiß nicht, vielleicht hab ich den Alkohol nicht vertragen und mir das eingebildet, aber da war dieser Feuerring über dem Club. Und niemand schien ihn zu sehen. Außer dir!« Er zeigte auf Lee und verschränkte dann die Arme vor der Brust. Lees Mundwinkel zuckten, als würde er ein Lächeln unterdrücken. Machte er sich über ihn lustig?
»Sie haben das Symbol gesehen und sind weggerannt«, fuhr Ellis fort. »Wir würden gerne wissen, warum. Wir glauben, dass entweder Sie selbst hier eine Show abziehen und das selbst waren, oder Sie wissen, wer das getan hat. Es kann ja wohl kein Zufall sein, dass Sie als Feuerelementar am Tatort waren, während dort jemand unseren Schutz niedergebrannt hat.«
»Was?«
»Tun Sie nicht so naiv. Sagen Sie uns einfach, welcher Ihrer Verwandten sich derzeit in London aufhält und uns provoziert. Dann lassen wir Sie vielleicht gehen.«
»Aber ...«
Sie hatten gesagt, sie wollten ihn nur als Zeugen befragen. Und was meinte er mit Verwandte? Die Polizisten zuckten nicht mit der Wimper, als würden sie ihn fragen, warum er ein Auto gestohlen hätte.
»Ich weiß wirklich nicht, wovon Sie sprechen.«
»Ihre Entscheidung. Aber es wäre besser für Sie, wenn Sie kooperieren.«
»Werfen Sie mir irgendetwas vor?«
»Wenn Sie keine bessere Ausrede vorbringen, Verstoß gegen das 2003er Abkommen und illegales Auflösen von Schutzzaubern der Agentur.«
Warum begriffen die nicht, dass er absolut keine Ahnung hatte, wovon sie sprachen?
»Wovon zur Hölle reden Sie?«, fragte er, doch der Polizist ignorierte ihn.
»Nur damit Sie sich nachher nicht beschweren, lese ich Ihnen Ihre Rechte vor.« Er fuhr fort, ihm seine Rechte herunter zu rattern, aber Jessie hörte kaum zu.
»Fragen?«
»Ja. Was wollen Sie von mir? Wollen Sie testen, ob ich verrückt bin?«
»Mr. Wheeler, machen Sie es uns doch nicht so schwer ... bisher waren wir sehr freundlich zu Ihnen. Wir können Sie auch mit anderen Mitteln zum Reden bringen.«
Jessie wich ein Stück zurück.
»Schon gut.« Lee legte eine Hand auf Ellis’ Schulter. »Ich glaube, er sagt die Wahrheit. Oder, Mel?« Das letzte rief er laut.
»Ja, bis auf die erste Frage«, antwortete eine Frauenstimme.
Ellis seufzte schwer. »Verdammt. Das kann doch einfach nicht sein.« Er musterte Jessie mit einem unzufriedenen Blick.
»Du kannst gehen.« Lee deutete zur Tür.
»Was? Aber das ... Sie können mir doch nicht erzählen, dass Sie von dem Feuer wissen, dass ich mir das nicht eingebildet habe ...«
»Beruhige dich.«
Ellis kratzte sich den Bart. »Ich glaube, es wäre unter diesen Umständen das Beste, ihn aufzuklären. Ob er nun was weiß oder nicht. Das ganze kann kein Zufall gewesen sein. Und jemand wie er, der nicht weiß was er ist, könnte sich selbst und andere gefährden. Übernimm das, Allan.«
Ellis verließ das Zimmer. Der Mann, der offenbar Allan mit Vornamen hieß musterte Jessie mit undeutbarer Miene. Im Club war er Jessie aufgefallen, weil er äußerst attraktiv war. Die ebenmäßigen Züge, die schmale Nase und die fein geschwungenen Lippen. Die langen Haare, die schlanke aber athletische Figur. Sein Alter konnte er schlecht schätzen, doch er tippte darauf, dass er nicht viel älter war, als er selbst. Jetzt jedoch wusste er nicht, was er von ihm halten sollte. Dann wurde Allans Ausdruck sanfter.
»Das ist blöd gelaufen. Es tut mir wirklich leid. Aber ich denke, Anthony hat Recht. Da du nun schon einmal hineingezogen wurdest, solltest du wissen, was los ist. Es gibt wohl keine schonende Art, das zu sagen. Was du gesehen hast, war real. Ja, es gibt Magie, und es gibt viele Dinge, die die Wissenschaft nicht erklären kann. Wir versuchen so gut es geht, die Bevölkerung davor zu schützen. Normale Menschen können sie nicht sehen, weil sie durch den Glamour verborgen werden. Du hast die Gabe, diese Dinge zu sehen. Ist dir das denn vorher noch nie aufgefallen?«
Jessie schluckte. Wieso kamen ihm diese seltsamen Bilder aus seiner Kindheit? Eine kleine Elfe, die sein Freund gewesen war, sein Vater, der ein Feuer in seiner bloßen Hand hielt, tief in seinem Unterbewusstsein vergrabene Erinnerungen. Und wieso überraschten ihn diese Worte jetzt so wenig? Als hätte er das doch irgendwie schon immer gewusst?
»Und du bist ein Feuerelementar.«
»Ich bin was?«
»Normalerweise hättest du das von deinen Eltern erfahren sollen. Zumindest eines deiner Elternteile muss ein Feuerelementar gewesen sein. Das bedeutet, du verfügst über eine besondere Gabe und ich spüre, dass sie stark in dir ist. Nur wurde sie offenbar noch nicht ausgelöst. Das ist mir wirklich ein Rätsel. Sie hätte in deiner Pubertät ausbrechen müssen.«
»Ich ... ich kenne meinen Vater nicht.« Warum hatte er das gesagt? Er hatte schon zu viel verraten. Vertraue ihnen nicht ... wieso verspürte er dann den Drang, Allan alles zu sagen? Er hatte ihn beschützen wollen, aber vielleicht wollte er nur sein Vertrauen gewinnen.
»Das würde die Sache erklären«, sagte Allan
Jessie verfluchte seinen Vater, wie er es schon so oft getan hatte. Warum war er gestorben, ohne ihm etwas zu erklären? Warum wusste Jessie von all dem nichts? Es konnte einfach nicht wahr sein.
»Du solltest wissen, dass Feuerelementare nicht unbedingt gut angesehen sind in der magischen Welt. Sie haben die letzten beiden Kriege ausgelöst.«
»Kriege?« Jessie schwirrte der Kopf. Er sollte magische Kräfte haben? Wieso wusste er dann nichts davon?
»Heißt das, dass sie böse sind? Jagt ihr sie?«
»Nicht direkt. Einige sitzen wegen Kriegsverbrechen im Gefängnis, andere sind geflohen und werden gesucht. Aber sie sind nicht böse, nicht mehr als normale Menschen. Es kommt darauf an, was sie mit ihren Kräften tun, nicht darauf, was sie sind.«
»Und was genau sind sie, ich meine ich?« Die Frage zu stellen kam ihm aberwitzig vor. Glaubte er wirklich, dass es stimmte? Dass sein Vater ihm irgendeine Art Magie vererbt hatte? Aber es abzustreiten kam ihm sinnlos vor. Zu viel würde sich damit erklären lassen.
»Eine spezielle Art von Magiern, einige sagen die mächtigsten. Elementare können ihre Energie aus der Umgebung ziehen, meist aus einem bestimmten Element, Metallen. Und gleichzeitig die Beschaffenheit beeinflussen. Daher werden sie auch Former genannt. Ich glaube, dass du ein Eisenformer bist.«
»Wie bei Avatar?«
Allan schmunzelte das erste Mal. »Nicht ganz.«
Jessie starrte ihn an und in seinem Kopf überschlugen sich die Gedanken.
»Du bist mir gefolgt, als du mich im Club gesehen hast.« Und Jessie hatte naiverweise angenommen, er hätte Allan gefallen, dass er deshalb auf ihn zugekommen war.
»Ich habe einen Feuerelementar in der Nähe wahrgenommen, aber es fiel mir schwer, ihn genau zu orten. Deshalb bin ich ihm in den Club gefolgt. Ich weiß nicht, ob ich dich oder den Täter gespürt habe. Wahrscheinlich hat er versucht, seine Spur zu verbergen. Erst als ich in deiner Nähe war, habe ich deine Fähigkeit gespürt, doch es war schwer, sie in der Menge an dir festzumachen. Als du plötzlich rote Haut bekommen hast, bin ich dir nach draußen gefolgt.«
»Rote Haut?« Richtig, ihm war so heiß gewesen. Er hatte das Feuer gespürt, als wäre es direkt neben ihm gewesen. Aber er hatte sich nicht verbrannt, hatte sich noch nie in seinem Leben verbrannt, fiel ihm auf.
»Und dann hat der Schutzzauber gebrannt und du konntest es auch sehen. Aber da du vorher im Club gewesen warst, war mir klar, dass du es nicht gewesen sein konntest.«
»Wie hast du mich gefunden?«
»Ich habe deine Bierflasche mitgenommen und meinen Hund mit einem Findezauber belegt. Ich muss schon sagen, du und deine Schwester verfügt über ein ungewöhnliches Fluchttalent.«
Im Stillen dankte Jessie Detective Miller, er hatte ihm und Tammi damals beigebracht, wie sie Verfolger abschüttelten. Aber das hatte ihm in diesem Fall auch nichts genützt.
»Tut mir leid, ich musste meinen Kollegen davon berichten. Ich musste sichergehen, dass du mit der Sache nichts zu tun hast und ob du irgendwas weißt.«
»Und du erwartest jetzt, dass ich diesen ganzen Scheiß einfach so glaube?«
Allan zuckte die Schultern. Richtig, was blieb Jessie auch anderes übrig? Allan hielt seinem Blick stand, sein Ausdruck wirkte ehrlich . Etwas an ihm brachte Jessie dazu, ihm einfach zu vertrauen, und das, obwohl er sonst nie jemandem vertraute, den er nicht länger kannte.
»Ich denke, du hast eine Menge Fragen, die ich dir jetzt nicht alle beantworten kann. Ich habe hier einen Prospekt, der dir erst mal weiter helfen wird. Du kannst mich anrufen, wenn irgendetwas ist.« Er reichte Jessie einen Prospekt mit dem Titel: »Die übernatürliche Welt für Einsteiger.«
»Lies es bald.« Und dann noch eine Visitenkarte, auf der er seine Handynummer notierte. Allan Lee. Detective Sergeant der Supernatural Agency. Also gab es so etwas wirklich, wie es immer im Fernsehen gezeigt wurde, in diesen ganzen Serien? Jessie konnte es einfach nicht glauben.
»Heißt das, ich kann gehen?«
»Ja. Meide in nächster Zeit lieber den Club. Und ruf mich ruhig an.«
Allan lächelte und Jessie erhob sich. In der Tür drehte er sich um und öffnete den Mund, aber sein Kopf war so voll, dass er nicht wusste, was er sagen sollte. Wie sollte er das alles Tammi erklären? Und dann kam ihm ein Gedanke. Seine Mutter! Sie musste von all dem gewusst haben! Und hatte es vor ihm geheim gehalten! Nie hatte sie eine richtige Erklärung dafür gehabt, was mit seinem Vater war, und warum sie ihre Identität gewechselt hatten. Er würde die Wahrheit aus ihr herausbekommen. Diesmal würde er sich nicht mit den Lügen zufrieden geben, die sie ihm seit fünfundzwanzig Jahren auftischte.
***
Allan sah Jessie nach, der aus der Agency stürmte. Ein ganz schönes Temperament, der Gute. Aber Allan konnte verstehen, dass er sauer war. Wenn er die Wahrheit gesagt hatte, dann hatte er von der Überwelt, ihrer Welt, tatsächlich keine Ahnung, wusste nicht einmal, was er selbst war. Er hatte oft genug erlebt, wie normale Menschen reagierten, wenn sie plötzlich mit dem Übernatürlichen konfrontiert wurden. Die meisten waren verwirrt und hatten Angst. Jessie Wheeler dagegen schien vor allem wütend.
Aber nachdem was er letzte Nacht gesehen hatte, hätte er sich immer gefragt, ob er sich das eingebildet hatte. Und einmal mit dem Übernatürlichen in Kontakt gekommen, hätte er den Glamour, der ihre Welt vor den Menschen verbarg, immer öfter durchschauen können. Es war besser, wenn sie ihn gleich aufklärten. Es würde ab jetzt nicht einfacher für ihn werden. Er hatte kurz überlegt, Tony nichts von ihm zu erzählen, ihn anhand der Bierflasche, die er im Club an sich genommen hatte, alleine zu finden. Ihm sein normales Leben zu lassen, wenn er nichts wusste. Aber ein Feuerelementar, der nicht wusste, was er war, das konnte nicht ewig gut gehen. Und er wüsste nur zu gerne, was dahinter steckte. Auch wenn Jessie ihm leid tat, er hatte doch keine andere Wahl gehabt, als ihn Tony zu melden.
»Wirklich außergewöhnlich«, murmelte Tony neben ihm. »Wie ein Feuerelementar es schaffen konnte, unter dem Radar zu leben und nichts von unserer Welt zu wissen, ist mir schleierhaft. Es scheint doch fast so, als hätte ihn jemand verstecken wollen, meinst du nicht? Und ich wüsste gerne, warum.«
»Ich auch. Doch viel mehr interessiert mich der andere, der den Zauber zerstört hat.«
»Ich werde Crystal sagen, dass sie Jessie Wheeler beobachten soll. Vielleicht führt uns das auf eine Spur.«
Allan hätte das lieber selbst getan. Aber er war nicht im Dienst und Crystal war die Beste für den Job. Auch wenn sie sich im Moment nicht gut verstanden, vertraute er ihr in dieser Hinsicht.
»Du weißt, wenn du beim Fall ermitteln willst, dann kannst du das jederzeit. Hier. Nicht in deiner Freizeit«, sagte Tony in scharfem Ton und verschränkte die Arme vor der Brust.
»Okay«, sagte er, aber ohne es wirklich zu meinen.
Er verließ Tonys Büro und ließ die Tür zufallen. Er musste wissen, was los war. Wer sich in London aufhielt, wer sie provozierte und viel wichtiger, was sie geplant hatten. Und Jessie würde da hineingezogen werden, ob er wollte oder nicht. Leider hatte Anthony recht. Wenn es irgendeinen Hinweis gab, dass es Colin war, dass er sich in London aufhielt, dann musste er es wissen. Er würde niemals aufgeben, niemals vergessen. Irgendwann würde er herausfinden, was mit Zoes Mutter passiert war. Er wusste nur, dass sie kurz vor ihrem Tod zu Colin Kontakt gehabt hatte. Dem Feuerelementar aus Schottland, ihrem Oberhaupt. Der Mann, der den letzten Krieg ausgelöst hatte. Allan hatte keine Angst vor ihm. Er wartete seit Jahren auf eine Gelegenheit, ihm ins Gesicht zu sehen. Ihn dazu zu bringen, endlich zuzugeben, was er mit Violet gemacht hatte. Aber jetzt hatte er Zoe und er konnte sich nicht einfach auf einen Rachefeldzug begeben. Außerdem wusste er schon länger, dass Rache keine Befriedigung brachte. Das war es nicht, was er wollte. Nur die Wahrheit.
Wenn er wieder in den Dienst musste, um die Stadt vor Colin zu schützen, um Zoe zu schützen, dann würde er das tun. Aus keinem anderen Grund.
»Weißt du, was es mit ihr machen würde, wenn sie dich auch noch verliert?«, die Stimme seiner Cousine So-ri hörte er immer wieder. »Sei für sie da, Allan. Immer. Dann kannst du das schaffen.«
So-ri hatte sich um ihn gekümmert, nachdem Violet gestorben war, hatte ihm geholfen, in ein normales Leben zurückzufinden und den Kontakt zu Tony hergestellt. Sie hatte ihn auch ermutigt, Zoe aufzunehmen und ihr ein richtiger Vater zu sein, während seine Eltern nie an ihn geglaubt hatten. Leider war sie vor einem Jahr zu ihrem Mann nach Australien gezogen und seitdem telefonierten sie nur gelegentlich miteinander. Sie hatte ihm gesagt, sie wüsste, dass er Zoe ein guter Vater sein konnte, dass er es schaffen würde. Inzwischen war er Anfang 30 und keine 17 mehr, er war bereit für die Verantwortung, dafür, das Sorgerecht für Zoe zu übernehmen.Nur hatte er dabei nicht damit gerechnet, wöchentlich von der Schule angerufen zu werden. Anscheinend hatte Zoe schon wieder etwas an ihrer Kleidung, was nicht den Regeln entsprach. Er verstand diese bescheuerten Regeln ja auch nicht. Aber sie tat das nur, um zu provozieren und sie wusste genau, dass er dafür keine Zeit hatte. Geduld. Du musst Geduld haben. Sie wird dich testen. Sie muss lernen, dir zu vertrauen, hatte So-ri gesagt. Ja, nur war das alles nicht so einfach, wie es klang. Seufzend stieg er in seinen Wagen, einen schwarzen Mercedes von der Agency und fuhr zur Schule.
Zoe saß im Zimmer der Vertrauenslehrerin zusammengesunken auf ihrem Stuhl.
»Ich hab doch nur die Kette von So-ri umgehabt.«
»Und deine Schuhe angemalt.« Die Lehrerin sprach freundlich aber mahnend.
»Warte draußen, okay?«
Sie schlurfte raus und Allan schloss die Tür. Das war wirklich das letzte, was er heute brauchte.
»Ich kenne Ihre Situation, Mr. Lee. Deshalb war ich bisher nachsichtig mit Zoe. Doch langsam muss sie die Regeln lernen. Wir können nicht immer eine Ausnahme für sie machen.«
»Ich weiß. Machen Sie keine mehr. Sie haben recht, sie muss es lernen.«
»Ich denke, eigentlich macht sie das nur, weil sie Grenzen braucht. Und die müssen wir ihr immer wieder geben. Auch wenn es erst mal nicht leicht ist. Sie ist im Grunde ein liebes Mädchen und wird sich schon daran gewöhnen. Sie hat eine starke Persönlichkeit und möchte sich abgrenzen. Das ist eine verständliche Entwicklung. Aber sie muss auch lernen, sich einzufügen.«
»Ich weiß.« Er mochte nicht, wie die Lehrerin seine Lederjacke musterte. War er ein schlechtes Beispiel? Sollte er vor Zoe nur noch im Anzug auftreten? Dann wäre er nicht er selbst und was wäre er dann für ein Beispiel?
»Vielen Dank«, verabschiedete er sich.
Er gab Zoe ihr anderes Paar schwarzer Schuhe.
»Du weißt, dass die teuer waren. Wenn du deine Schuhe anmalst, kannst du dir in Zukunft deine neuen Schuhe selbst verdienen.«
»Allan!«
Er sah sie streng an und sie senkte den Blick.
»Und jetzt geh wieder in den Unterricht.«
Allan sah ihr nach und seufzte erneut. Warum hatte er sie ausgerechnet jetzt aufnehmen müssen, als sie gerade in ihrer schlimmsten pubertären Phase zu sein schien?
Aber auch das würde er ertragen. Sie war seine Tochter und dass sie so war, war seine Schuld. Also würde er sich nicht beschweren. Er versuchte die Farbe, anscheinend Nagellack, von den Schuhen zu kratzen. Mit Magie hätte er sie einfach wegbekommen. Aber Zoe musste etwas lernen. Wenn sie soweit war, konnte sie das selbst versuchen.
Einführung in die Welt des Übernatürlichen für Einsteiger
Wenn Sie dieses Dokument lesen wollen, unterschreiben Sie diesen Vertrag mit der Agency.
Ich erkläre, dass ich dieses Dokument niemandem aushändige oder lesen lasse, dem es nicht von der Agency persönlich übergeben wurde.
Jessie runzelte die Stirn. Er öffnete den Flyer, aber das Papier war weiß. War das ein Versehen? Hatten sie ihn verarscht? Ja sicher. Es gab keine Magie, keine Werwölfe und ... er nahm einen Kugelschreiber und unterschrieb an der vorgesehenen Stelle. Dann, mit zittrigen Fingern, öffnete er den Flyer erneut. Seitenlanger Text erschien. Er drehte und wendete das Dokument, doch es gab keine weißen Seiten mehr.
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Wenn Sie dieses Dokument erhalten haben, hat die Agency es für sinnvoll gehalten, Sie über die Welt des Übernatürlichen aufzuklären. Diese Informationen werden wahrscheinlich Ihr gesamtes Weltbild verändern. Oder hatten Sie vielleicht schon kleine Berührungen mit unerklärlichen Dingen oder Menschen aus dieser Welt? Vielleicht in Ihrer Kindheit?
Jessie hielt inne. Er hatte es verdrängt, es für kindliche Einbildung gehalten, nur dass er sich nie Dinge einbildete und diese Bilder in seinem Kopf viel zu real waren. Sein Vater, den er nicht klar vor sich sah, es war eher ein Gefühl an das er sich erinnerte. Aber dieser eine Tag hatte sich in sein Gedächtnis gebrannt. Er konnte nicht älter als fünf gewesen sein, denn kurz darauf war sein Vater verschwunden. Sie hatten draußen gestanden und aus der Hand seines Vaters war eine Flamme gewachsen und dann hatte er ihr Haus in Brand gesteckt. Und sie hatten daneben gestanden und zugesehen, wie es abbrannte. Tammi hatte geweint. Seine Mutter hatte ihn auf dem Arm gehalten und ihn an sich gepresst. Später hatte sie behauptet, ihr Haus sei durch einen Blitzeinschlag abgebrannt. Aber das hatte er nie ganz geglaubt. Er musste mit ihr reden. Es war höchste Zeit, dass sie ihm endlich die Wahrheit sagte.
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Die Welt des Übernatürlichen, die Überwelt, beinhaltet alles, was wissenschaftlich nicht erklärbar scheint. Da es viele Elemente gibt, die die Gesellschaft gefährden können, gibt es die Agency. Sie schützt die Menschen vor diesen Elementen und sorgt dafür, dass das Wissen um diese Welt nicht öffentlich wird. Vielleicht fühlen Sie sich jetzt manipuliert. Doch bedenken Sie einmal was geschehen würde, wenn jeder wüsste, was es in dieser Welt alles gibt. Die jahrhundertelange Erfahrung hat gezeigt, dass dies keine Welt ist, in der wir leben wollen. Einige wenige der übernatürlichen Elemente verfügen über enorme Macht, die sie nicht immer zum Wohle der Allgemeinheit einsetzen. Die Agency kümmert sich um diese Elemente. Sie sorgt für den Schutz öffentlicher und vielbesuchter Gebäude vor Dämonen und anderen Elementen der Nacht. Ebenso schützt sie aber auch alle wohlgesinnten Elemente vor Entdeckung und Missbrauch durch die Menschen und kümmert sich um die Wahrung des Friedens innerhalb der Überwelt.
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Im weiteren einige Fakten:
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Als übernatürliche Elemente bezeichnen wir alle Menschen und Wesen mit übernatürlichen Fähigkeiten. Dazu gehören Magier, Hexen, Medien, Werwesen, Vampire, Feenwesen, Dämonen, Gnome, etc.
Es gibt ca. 3.000 übernatürliche Elemente in London und ca. 20.000 in England.
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Wichtig! Wenn Sie einem übernatürlichen Element (ÜE) begegnen, und Sie vermuten keine Gefahr, interagieren Sie wie mit jedem anderen Menschen auch. Wähnen Sie sich selbst oder andere in Gefahr, versuchen Sie sich aus der Situation zu ziehen und kontaktieren Sie uns umgehend! Versuchen Sie unter keinen Umständen, die Gefahr selbst zu eliminieren. Für ÜE gelten die gleichen Gesetze wie für NE (nicht übernatürliches Element/ normale Menschen). Sie werden jedoch von eigenen Gerichten verhandelt. Ebenfalls, wenn sich ein NE gegenüber einem ÜE strafbar macht. Im Abkommen von 1951 wurde festgelegt, dass alle ÜEs Personenstandsrecht erhalten.
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Was Sie über die einzelnen Spezies wissen sollten:
Magier/Hexen: verfügen über vielfältige Fähigkeiten. Es ist ihnen untersagt, ihre Fähigkeiten zur Vermehrung des eigenen Reichtums, der Manipulation oder der Einmischung in politisches Geschehen zu verwenden.
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Vampire: Seltene Nachtwesen, die in ihren eigenen kleinen Familienclans leben. Es gab seit zehn Jahren keine Toten mehr durch Vampire. Die meisten Vampire ernähren sich von Blutkonserven.
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Werwesen: So vielfältig, wie die Tierwelt. Werwesen, können sich willentlich in eine Tiergestalt wandeln. Meist Hundeartige (auch Bären, Robben etc.), Katzenartige sowie Primaten. Die Wandler leben gewöhnlich in Familien ihrer Arten und fügen sich in die Gesellschaft ein oder meiden diese.
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Feen und Dämonen: Wesen, die aus anderen Dimensionen gelegentlich in unsere Welt kommen. Die Fae, die häufigsten Feenwesen sind oft außergewöhnlich schön.
