Flourish - Wie Menschen aufblühen - Martin Seligman - E-Book
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Flourish - Wie Menschen aufblühen E-Book

Martin Seligman

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Beschreibung

»Dieses Buch wird Ihnen helfen aufzublühen.«

Mit diesem unerhörten Versprechen beginnt das Buch des international renommierten Psychologen Prof. Dr. Martin Seligman. Der Begründer der Positiven Psychologie, den man auch schon den Sigmund Freud des 21. Jahrhunderts genannt hat, entwickelt darin sein dynamisches Konzept davon, was ein gelingendes Leben wirklich bedeutet. Denn obwohl es sicherlich ein Teil unseres Wohlbefindens ausmacht, entsteht durch Glück allein noch kein Sinn in unserem Leben. Was versetzt uns in die Lage, unsere Talente zu entfalten, tiefe Beziehungen einzugehen, das Leben wirklich zu genießen und in der Welt einen Beitrag zu leisten? Kurz gesagt, was brauchen wir, um wirklich aufblühen zu können?

Wahrhaftes Wohlbefinden basiert auf fünf Säulen: Positive Emotionen spüren, sich für etwas engagieren, Verbundensein mit anderen Menschen erfahren, Sinn in unserem Tun finden und merken, dass wir etwas bewegen können. In der englischen Version ergeben die Anfangsbuchstaben dieser fünf Säulen ein gutes Merkwort: PERMA.

Basierend auf den mitreißend erzählten persönlichen Erfahrungen von Martin Seligman als Pionier der Positiven Psychologie ebenso wie auf wissenschaftlichen Studien zeigt Flourish, was die Fokussierung auf die Stärken statt auf die Schwächen von Menschen zu leisten vermag: in Erziehung, Wirtschaft, Therapie, Medizin oder im Coaching. Nicht nur das Leben einzelner Menschen, auch Firmen, Institutionen, Schulen, sogar ganze Nationen erfahren tiefgreifende Veränderungen. Konkrete Übungen ermöglichen es dem Leser, seine eigenen Stärken wahrzunehmen und die Positive Psychologie für ein gelingendes Leben für sich selbst zu erschließen.

  • Die fünf Säulen für persönliches Wohlbefinden
  • Glück ist nicht genug
  • Martin Seligman: Der Sigmund Freud des 21. Jahrhunderts
  • »Das optimistische Manifest« (New Scientist) endlich auf Deutsch!

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Seitenzahl: 601

Veröffentlichungsjahr: 2012

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MARTIN SELIGMAN

FLOURISH

WIE MENSCHEN AUFBLÜHEN

DIE POSITIVE PSYCHOLOGIE DES GELINGENDEN LEBENS

Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt

Titel der Originalausgabe: »Flourish. A Visionary New Understanding of Happiness and Well-being« Published by Free Press, a Division of Simon & Schuster, Inc., New York, NY

Der Kösel-Verlag dankt Dipl.-Psych. Heike Born für ihre fachpsychologische Unterstützung.

Copyright © Martin Seligman, Ph. D. © 2011 Copyright © für die deutsche Ausgabe 2012 Kösel-Verlag, München, in der Verlagsgruppe Random House GmbH Umschlag: Weiss Werkstatt, München Umschlagmotiv: shutterstock ISBN 978-3-641-07341-1

Dieses Buch ist mit der ganzen Liebe eines Vaters

GELEITWORT ZUR DEUTSCHEN AUSGABE

Glück, Wohlbefinden und Selbstverwirklichung sind Schlagwörter unserer Zeit. Der Buchmarkt quillt über mit immer neuen Ratgebern; Zeitschriften und Zeitungen berichten regelmäßig in großen Aufmachungen davon; kostspielige Vortragsveranstaltungen und Workshops werden allgegenwärtig angeboten. Trotz des großen Interesses an Fragen nach dem gelingenden Leben, nach dem Sinn und Glück, hat sich die wissenschaftliche Psychologie über viele Jahrzehnte eher randständig mit diesen zentralen Fragen beschäftigt. Es ist das große Verdienst Martin Seligmans, mit der Begründung der Positiven Psychologie insbesondere die anwendungsorientierte Forschung in diesem Bereich der Psychologie gestärkt zu haben. Die Positive Psychologie als wissenschaftliche Disziplin verfolgt ein klares Ziel: mit wissenschaftlichen Methoden die Bedingungen und Konsequenzen des Wohlbefindens, menschlicher Stärken und positiv gestalteter Institutionen zu untersuchen und Interventionen zu entwickeln und zu evaluieren, die der Förderung einer positiven individuellen, institutionellen und gesellschaftlichen Entwicklung dienen. Hierdurch hebt sie sich von (wichtigen) rein philosophischen Überlegungen ab und schiebt ungeprüften Heilsversprechungen und dogmatischen Stellungnahmen, wie sie zunehmend in der Öffentlichkeit vermittelt werden, einen Riegel vor.

Mit dem vorliegenden Buch fasst Martin Seligman seine derzeitigen Überlegungen und Erkenntnisse zu den Bedingungen eines gelingenden Lebens zusammen. Es ist aus vielerlei Gründen ein sehr lesenswertes Buch. Es gibt einen auch für Laien sehr verständlichen Überblick über zentrale wissenschaftliche Befunde zu den Fragen nach dem Wohlbefinden und gelingenden Leben und erschließt der Leserschaft, die sich vertiefend mit der Thematik auseinandersetzen will, in einem 60-seitigen Anhang die wichtigsten wissenschaftlichen Quellen. Seligman ermöglicht es hiermit allen Lesern, sich kritisch und wissensbasiert mit seinen Positionen auseinanderzusetzen. Das Buch schlägt eine neue Theorie des Wohlbefindens vor, die sich einerseits an wissenschaftlichen Erkenntnissen orientiert, andererseits die breite wissenschaftliche und anwendungspraktische Erfahrung von Martin Seligman zum Ausdruck bringt. Es illustriert die Entwicklung der Positiven Psychologie über die letzten zehn Jahre und stellt praktische Übungen zur Steigerung des Wohlbefindens vor. Es berichtet von vielfältigen Erfahrungen zur positiven Gestaltung von Institutionen wie etwa Schulen und beschäftigt sich intensiv mit der Prävention psychischer Störungen und körperlicher Erkrankungen. Es lädt ein, sich mit der eigenen Lebensführung und der Gestaltung der eigenen Umwelt auseinanderzusetzen und sich neue Wege zu erschließen.

Flourish ist ein Buch, das eine klare wissenschaftliche und persönliche Position bezieht und daher auch zu wissenschaftlichen und öffentlichen Diskussionen und Kontroversen führen wird. Nicht jeder wird der kritischen Bewertung der Lebenszufriedenheitsforschung zustimmen, hat sie doch viele wichtige und einflussreiche Erkenntnisse hervorgebracht (die auch in dem Buch rezipiert werden). Pharmakologisch arbeitende Therapeutinnen und Therapeuten werden sich durch die Kritik an der Pharmakotherapie herausgefordert fühlen. Und dann ist da noch das Kapitel zu einer starken Armee und der psychologischen Fitness von Soldaten. Die Frage nach der Kooperation von Psychologie und Militär ist oft eine heikle, und ein möglicher Beitrag der Psychologie zur Kriegsführung muss stets kritisch und aufmerksam beleuchtet werden. Liest man dieses Kapitel, so wird schnell deutlich, dass es hier um die Linderung individuellen Leidens und der Prävention psychischer Störungen geht. Krieg ist grausam, nicht nur für Zivilisten, sondern auch für die Soldaten und ihre Familien. Einsamkeit, Depression, Suizid und posttraumatische Belastungsstörungen sind in der amerikanischen Armee weit verbreitet. Der Linderung und Prävention dieser Störungen kann sich die Psychologie ebenso wenig verschließen, wie ein Arzt die Behandlung von körperlichen Verletzungen ablehnen darf. Eine Gruppe renommierter amerikanischer Psychologinnen und Psychologen - neben Martin Seligman so angesehene Kolleginnen und Kollegen wie John Cacioppo, John und Julie Gottman, Barbara Fredrickson und andere - haben sich daher zusammengefunden, um ein Präventionsprogramm zu entwickeln, das auf Soldaten und ihre Familien zugeschnitten ist. Dieses wird in seinen Grundzügen und in seiner Verankerung in der Positiven Psychologie dargestellt.

Das Buch setzt sich auch mit der zum Teil undifferenzierten und plakativ unsachlichen Kritik an der Positiven Psychologie auseinander - auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse und empirischer Studien. Auch dieser Teil ist lesenswert und zeigt deutlich, dass es sich bei der Positiven Psychologie nicht um eine »Sekte« mit Seligman als ihren »Guru« handelt (wie es etwa im Artikel »Im Herzen der Sekte« in einer deutschen Wochenzeitung zu lesen war).

Flourish ist ein lesenswertes, inspirierendes, aktuelles, wissenschaftlich basiertes Buch und es fordert - auch kritische Stimmen - heraus. Man kann ihm daher eine breite Leserschaft wünschen.

Prof. Dr. Michael Eid

Prof. Dr. Michael Eid ist Professor für Psychologie an der Freien Universität Berlin und Mitherausgeber desJournal of Positive Psychology

VORWORT

Dieses Buch wird Ihnen helfen aufzublühen.

Jetzt ist es endlich heraus.

Während meines ganzen bisherigen Berufslebens habe ich mich immer vor solch unvorsichtigen Versprechungen gehütet. Ich bin Forscher und Wissenschaftler und gehöre dazu noch zu der eher konservativen Sorte. Was ich schreibe, beruht auf sorgfältiger wissenschaftlicher Forschung und daraus bezieht es seinen Reiz: Ich beziehe mich auf statistische Tests, empirische Fragebögen, gründlich erforschte Übungen und umfangreiche repräsentative Stichproben. Im Gegensatz zur Populärpsychologie und dem größten Teil der Selbsthilfeliteratur sind meine Schriften deshalb glaubwürdig, weil sie wissenschaftlich fundiert sind.

Meine Vorstellungen vom Ziel der Psychologie haben sich seit der Publikation meines letzten Buches Authentic Happiness (deutsch: Der Glücks-Faktor, 2003) verändert und, was noch besser ist, die Psychologie selbst ist dabei, sich zu verändern. Ich habe den größten Teil meines Lebens damit verbracht, das ehrenwerte Ziel der Psychologie zu verfolgen, menschliches Leid zu lindern und lähmende Umstände auszuräumen. Und das kann einen ehrlich gesagt ziemlich schlauchen.

Nimmt man sich die Psychologie des Leidens zu Herzen - wie man es tun muss, wenn man mit Depression, Alkoholismus, Schizophrenie, Trauma und der ganzen Palette des Leidens arbeitet -, so kann das die Seele ganz schön belasten. Auch wenn wir eine ganze Menge dazu beitragen, das Wohlbefinden unserer Klienten zu vergrößern, trägt die üblicherweise angewandte Psychologie nicht viel zum Wohlbefinden derjenigen bei, die sie ausüben. Wenn sich beim Psychologen überhaupt etwas verändert, dann vollzieht sich eine Persönlichkeitsveränderung in Richtung Depression.1

Ich habe mit meiner Arbeit zu einer tektonischen Plattenverschiebung in der Psychologie beigetragen, die Positive Psychologie genannt wird und die eine wissenschaftliche wie professionelle Bewegung darstellt. Als Präsident der American Psychological Association (APA) habe ich 1998 darauf gedrungen, dass sich die Psychologie über ihr ehrenwertes Ziel hinaus ein neues Ziel setzt: die Erkundung dessen, was das Leben lebenswert macht, und die Arbeit an der Herstellung von Umständen, die ein lebenswertes Leben ermöglichen. Wenn man sich ein Verständnis des Wohlbefindens zum Ziel setzt und lebensbereichernde Umstände aufbauen will, so ist das keineswegs identisch mit der Zielsetzung, das menschliche Elend zu verstehen und Umstände abzubauen, die das Leben einschränken. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt arbeiten Tausende von Menschen auf der ganzen Welt auf diesem Gebiet und bemühen sich darum, diese positive Zielsetzung zu fördern.2 Das vorliegende Buch erzählt ihre Geschichte oder beschreibt zumindest, was von dieser Geschichte nach außen hin sichtbar ist.

Hier muss allerdings auch die private Seite der Positiven Psychologie gezeigt werden. Positive Psychologie macht Menschen glücklicher. Positive Psychologie zu lehren, auf dem Gebiet der Positiven Psychologie zu forschen, die Positive Psychologie in der Praxis als Coach oder Therapeut anzuwenden, Schülern in der Schule Übungen der Positiven Psychologie zu geben, kleine Kinder mit Positiver Psychologie zu fördern, Feldwebel in der Hilfestellung zur Überwindung Posttraumatischer Belastungsstörung zu schulen, andere Positive Psychologen zu treffen und einfach nur über Positive Psychologie zu lesen - all das macht Menschen glücklicher. Der Inhalt selbst - Glück, Flow, Sinn, Liebe, Dankbarkeit, Zielerreichung, Wachstum, bessere Beziehungen - bedeutet, Menschen zum Aufblühen zu bringen. Herauszufinden, dass Sie mehr von all diesen Dingen haben können, vermag Ihr Leben zu verändern. Schon ein flüchtiger Blick auf die Vision einer blühenden menschlichen Zukunft kann Ihr Leben verändern.

Darum wird dieses Buch Ihr Wohlbefinden vergrößern - und es wird Ihnen helfen, zu blühen und zu gedeihen.

1 K. S. Pope und B. G. Tabachnick: »Therapists as Patients: A National Survey of Psychologists‹ Experiences, Problems, and Beliefs.« Professional Psychology: Research and Practice 25 (1994): 247-58. Die Forschung hat gezeigt, dass es unter Psychotherapeuten und Psychologen eine hohe Depressionsrate gibt. In einer Befragung von etwa 500 Psychologen ermittelten Pope und Tabachnick, dass 61 % ihrer Stichprobe von wenigstens einer depressiven Episode während ihrer Karriere berichteten, 29 % trugen sich mit Selbstmordgedanken und 4 % hatten tatsächlich einen Selbstmordversuch unternommen.

American Psychological Association: Advancing Colleague Assistance in Professional Psychology (10. Februar 2006). Abgerufen am 15. Oktober 2009, von www.apa.org/practice/acca_monograph.html. 2006 gab das Board of Professional Affairs’ Advisory Committee on Colleague Assistance (ACCA) der American Psychological Association (APA) einen Bericht über Überlastungen und Störungen bei Psychologen heraus. Dieser Bericht machte deutlich, dass je nachdem, wie die Depression gemessen wird, 11 bis 61 % der Psychologen ihr Leben lang an Depressionen leiden. Zusätzlich zur Depression sind in der psychologischen Betreuung Arbeitende einem hohen Maß an Stress, Burn-out, Drogenmissbrauch und stellvertretender Traumatisierung ausgesetzt.

Siehe auch P. L. Smith and S. B. Moss: »Psychologist Impairment: What Is It, How Can It Be Prevented, and What Can Be Done to Address It?« Clinical Psychology: Science and Practice 16 (2009): 1-15.

2 Die International Positive Psychology Association (IPPA) hat zurzeit mehr als 3.000 Mitglieder aus mehr als 70 Ländern aus aller Welt. Etwa 45 % der Mitglieder der Vereinigung sind in der akademischen Forschung und als praktizierende Psychologen tätig. Die nächsten 20 % (fördernde Mitglieder genannt) sind Praktiker, die dabei sind, die Forschungsergebnisse der Positiven Psychologie in bestimmten Zusammenhängen (Schulen, Unternehmen usw.) in die Praxis umzusetzen. Die nächsten 25 % sind an der Positiven Psychologie interessierte Studenten. Die verbleibenden 10 % (Partner) sind Menschen, die sich einfach für die Thematik interessieren. Mehr Einzelheiten über die IPPA finden Sie auf www.ippanetwork.org.

Es gibt mehrere aktive Internetgruppen, denen beizutreten sich lohnt; eine davon ist [email protected].

ERSTER TEIL

EINE NEUE POSITIVE PSYCHOLOGIE

1 WAS IST WOHLBEFINDEN?

Wie die Positive Psychologie tatsächlich begonnen hat, ist bis heute ein Rätsel. Als ich im Jahre 1997 zum Präsidenten der American Psychological Association gewählt wurde, nahm mein E-Mail-Aufkommen um das Dreifache zu. Ich gehe selten ans Telefon und schicke keine Briefe mehr mit der Post. Aber da im Internet 24 Stunden am Tag ein Bridge-Spiel läuft, beantworte ich meine E-Mails schnell und gewissenhaft. Meine Antworten sind gerade so lang, wie mein Partner braucht, sein Blatt auszuspielen, während ich in der Warteposition für den nächsten Zug bin. (Sie können mir unter [email protected] ruhig eine E-Mail schicken, wenn es Ihnen nichts ausmacht, eine Antwort in einem Satz zu bekommen.)

Eine E-Mail jedoch, die ich Ende des Jahres 1997 erhielt, gab mir Rätsel auf und ich legte sie in meinem »Wie bitte?«-Ordner ab. Es hieß darin einfach: »Warum kommen Sie mich nicht einmal in New York besuchen?«, und sie war nur mit Initialen signiert. Einige Wochen später traf ich auf einer Cocktailparty Judy Rodin, die damalige Rektorin der University of Pennsylvania, an der ich seit 40 Jahren lehre. Judy, die heutige Präsidentin der Rockefeller Foundation, war eine Studentin im höheren Semester an der University of Pennsylvania (auch »Penn« genannt), als ich dort mit meinem Magisterstudium anfing. Wir arbeiteten zusammen im Labor für Tierversuche von Professor Richard Solomon. Wir freundeten uns schnell an und ich beobachtete mit Bewunderung und ein wenig Neid Judys Blitzkarriere, die es in erstaunlich jungem Alter zuerst zur Präsidentin der Eastern Psychological Association, dann zum Chairman of Psychology an der Yale University, schließlich zum Dekan und Provost von Yale und endlich zur Präsidentin der Penn-Universität brachte. 3 Trotz aller Aktivitäten brachten wir es dennoch fertig, bei einer Studie über den Zusammenhang von Optimismus und einem stärkeren Immunsystem bei älteren Menschen zusammenzuarbeiten. 4 Dies geschah zu der Zeit, als Judy das umfangreiche Projekt der MacArthur-Stiftung leitete, in dessen Rahmen untersucht wurde, auf welchen Wegen psychische Ereignisse auf neuronale Abläufe und dadurch wiederum auf das Immunsystem einwirken.

»Kennst du einen gewissen ›PT‹, der mir eine E-Mail mit einer Einladung nach New York geschickt haben könnte?«, fragte ich Judy, die so gut wie jeden, der Rang und Namen hat, kennt.

»Den musst du unbedingt besuchen«, japste sie.

So stand ich denn zwei Wochen später vor einer ungekennzeichneten Tür im achten Stockwerk eines kleinen, schmuddeligen Bürohauses im Zentrum von Lower Manhattan und wurde dann in ein schmuckloses Büro ohne Fenster geführt, in dem zwei Männer mit grauen Haaren und grauen Anzügen vor einer Gegensprechanlage saßen.

»Wir sind die Anwälte einer anonymen Stiftung«, erklärte einer von ihnen, der sich mir als PT vorstellte. »Wir wählen Gewinner aus, und Sie sind ein Gewinner. Wir möchten wissen, welche Art von Forschung Sie gern durchführen würden. Wir geben uns nicht mit Kleinkram ab. Wir möchten Sie jedoch von vorneherein warnen, dass jegliche Förderung, die wir Ihnen gewähren, sofort gestoppt wird, wenn Sie unsere Identität preisgeben.«

Ich erklärte den Rechtsanwälten und der Sprechanlage in Kürze eine meiner Initiativen im Rahmen der American Psychological Association, bei der es um ethnopolitische Kriegsführung ging (ganz gewiss keine Sparte der Positiven Psychologie), und sagte, dass ich gern ein Treffen der 40 führenden Forscher auf dem Gebiet des Völkermordes organisieren würde. Ich wolle herausfinden, unter welchen Umständen es zu einem Genozid kommt oder nicht kommt. Dafür würde ich die Rahmenbedingungen der zwölf Völkermorde des 20. Jahrhunderts mit jenen Rahmenbedingungen vergleichen, die zwar dermaßen mit Hass aufgeladen waren, dass es zu einem Völkermord hätte kommen können, wo sich jedoch kein Genozid ereignet hatte.

»Vielen Dank für Ihre Informationen«, sagten sie nach nur fünf Minuten. »Würden Sie uns, sobald Sie wieder in Ihrem Büro sind, bitte eine Projektbeschreibung mit einem Umfang von einer Seite zusenden? Und vergessen Sie nicht, eine Budgetplanung hinzuzufügen.«

Zwei Wochen später flatterte ein Scheck von 120.000 Dollar auf meinen Schreibtisch. Das war eine freudige Überraschung für mich, da die Finanzierung der meisten akademischen Forschungsprojekte, mit denen ich es bisher zu tun hatte, eines langwierigen Prozesses bedurfte: Beantragung, Bewertung durch andere Forscher und bürokratische Bearbeitung. Nach unvorhersehbaren Verzögerungen und an die Nieren gehenden Revisionen kam es schließlich oft zu einer Ablehnung oder im besten Fall zu drastischen Budgetkürzungen.

Ich organisierte ein einwöchiges Treffen und wählte als Veranstaltungsort aus Gründen der Symbolik Derry in Nordirland. 40 Akademiker, die Crème de la Crème der Forscher auf dem Gebiet der ethnopolitischen Gewalt, nahmen an der Konferenz teil. 5 Nur zwei davon waren sich bisher im Rahmen ihrer akademischen Arbeit begegnet. Der eine war mein Schwiegervater, Dennis McCarthy, ein britischer Industrieller, der andere war der Schatzmeister der anonymen Stiftung, ein emeritierter Professor für Ingenieurwissenschaft von der Cornell Universität. Nach der Konferenz sagte mir Dennis, er habe noch nie zuvor solch freundliche Menschen getroffen. Das aus der Konferenz hervorgegangene und von mir und Daniel Chirot herausgegebene Buch mit dem Titel Ethnopolitical Warfare (»Ethnopolitische Kriegsführung«) erschien dann tatsächlich im Jahre 2002. 6 Es ist sehr lesenswert, aber darum geht es hier nicht.

Ich hatte die großzügige Stiftung, deren Namen ich immer noch nicht kannte, beinahe schon vergessen, als ich etwa sechs Monate später einen Anruf von ihrem Schatzmeister erhielt.

»Das war ein tolles Treffen, das Sie, Marty, in Derry organisiert haben. Ich habe dort zwei brillante Köpfe getroffen, den medizinischen Anthropologen Mel Konner 7 und diesen McCarthy-Burschen. Was treibt der übrigens? Und was wollen Sie als Nächstes angehen?«

»Als Nächstes?«, stammelte ich, völlig unvorbereitet darauf, weitere Finanzierung zu beantragen. »Nun, ich denke da an etwas, das ich ›Positive Psychologie‹ nenne«, sagte ich und erklärte das Konzept kurz.

»Warum kommen Sie uns nicht in New York besuchen?«, sagte er.

Am Morgen dieses Besuches legte meine Frau Mandy mein bestes weißes Hemd für mich heraus. »Ich denke, ich sollte das mit dem verschlissenen Kragen anziehen«, sagte ich in Erinnerung an das bescheidene Büro in Lower Manhattan. Inzwischen gab es allerdings ein neues Bürogebäude, eines der schicksten von Manhattan, und der Konferenzraum im Obergeschoss besaß jetzt eine Fensterfront. Allerdings traf ich dort immer noch dieselben beiden Rechtsanwälte und die Gegensprechanlage, und es gab immer noch kein Schild an der Tür.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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