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Eigentlich hätte Laisa sich nach ihrem letzten Abenteuer gerne etwas Erholung gegönnt, doch die Dämmerlande kommen einfach nicht zur Ruhe. Angeheizt durch die Intrigen des gefährlichen Magiers Gayyad gärt und brodelt es in den Reichen auf beiden Seiten des Großen Stroms. Laisa muss alle ihre sieben Sinne einsetzen, um die Ränke des Magiers durchkreuzen zu können.
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Seitenzahl: 594
Veröffentlichungsjahr: 2013
Sandra Melli
Roman
Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG.
Die Dämmerlande kommen nicht zur Ruhe. Ohne Vorwarnung geraten das Katzenmädchen Laisa und der Krieger Rogon mitten in eine großangelegte Intrige eines gefährlichen Magiers. Die beiden müssen – jeder auf seiner Seite des Großen Stroms – all ihr Können und all ihre Kräfte aufbringen, um das Netz aus Lügen und Verrat zu durchtrennen, das ihr unsichtbarer Feind gesponnen hat.
Was bisher geschah
Erstes Kapitel
Zweites Kapitel
Drittes Kapitel
Viertes Kapitel
Fünftes Kapitel
Sechstes Kapitel
Siebtes Kapitel
Achtes Kapitel
Neuntes Kapitel
Zehntes Kapitel
Elftes Kapitel
Zwölftes Kapitel
Dreizehntes Kapitel
Vierzehntes Kapitel
Fünfzehntes Kapitel
Sechzehntes Kapitel
Siebzehntes Kapitel
Achtzehntes Kapitel
Neunzehntes Kapitel
Zwanzigstes Kapitel
Einundzwanzigstes Kapitel
Zweiundzwanzigstes Kapitel
Dreiundzwanzigstes Kapitel
Vierundzwanzigstes Kapitel
Anhang
Die Personen
Die Evaris
Die Götter des Westens
Die Götter des Ostens
Die Begriffe
Die Länder und Orte
Die Völker
Das Katzenmenschenmädchen Laisa wird in ihrer Heimat als Karawanenwächterin ausgebildet. Doch bereits auf dem ersten Handelszug, den sie begleitet, geschieht etwas Außergewöhnliches, und sie findet sich auf einmal in einer völlig fremden Umgebung wieder. Rasch merkt sie, dass es hier etwas gibt, was sie von zu Hause nicht kennt: Magie, die in den sechs Farben Weiß, Gelb, Grün, Blau, Violett und Schwarz leuchtet. Auch sie selbst besitzt hier eine magische Farbe, und zwar Weiß.
Noch während Laisa versucht, sich in dieser verwirrenden Welt zurechtzufinden, wird sie von Sklavenhändlern gefangen, deren Farbe Schwarz und ihr unangenehm ist. Diese bringen sie zu einem verderbten Magier, der sie und ihre Mitgefangenen von einem Kampfmonster in einer Arena umbringen lassen will. Mit Hilfe anderer Gefangener gelingt es Laisa, das Ungeheuer und den Magier zu töten. Sie bricht dann mit ihren neugewonnenen Gefährten auf, um eine Heimat zu finden. Unterwegs verhelfen sie dem vertriebenen Prinzen Punji zu seinem Recht und bekämpfen den Schwarzlandmagier Salavar in der grünen Stadt Gamindhon, die dieser versklaven will.
Bei dieser Aktion befreit Laisa den weißen Magier Khaton, der als Evari im Auftrag des weißen Gottes den Frieden in den Dämmerlanden überwachen soll. Khaton erklärt sie kurzerhand zu seiner Helferin und schickt sie auf die feindliche Seite des großen Flusses, um seinem schwarzen Gegenspieler Tharon ein mächtiges Artefakt zu stehlen. Dies gelingt Laisa nach etlichen Gefahren.
Doch kaum ist sie zu Khaton zurückgekehrt, hat dieser einen neuen Auftrag für sie. Es gilt, eine Prinzessin mit grünmagischer Farbe auf die andere Seite des Großen Stromes zu bringen. Deren Vater hat sie als Preis für seine Freiheit dem König des schwarzen Reiches T’wool versprochen.
Es gibt jedoch viele, die verhindern wollen, dass die junge Frau lebend drüben ankommt, und so hat Laisa schon auf der goldenen Seite des Großen Stromes einiges zu tun, um Meuchelmörder von der Prinzessin fernzuhalten.
Auf der anderen Seite geht es ansatzlos weiter. Ein Aufrührer namens Frong setzt alles daran, um das Reich T’wool und dessen Nachbarn in einen verheerenden Krieg zu verwickeln und so seine eigene Macht auszubauen. Dort erhält Laisa Hilfe von dem jungen, blauen Abenteurer Rogon, der durch ein seltsames Schicksal den Geist der berühmten Kriegerin Tirah in sich aufgenommen hat. Zusammen mit dem schwarzen Evari Tharon, den Laisa vor kurzem noch um den »Stern der Göttin« erleichtert hat, können sie den Aufstand gegen König Arendhar von T’wool niederschlagen und die Prinzessin zu ihm bringen.
Doch auch an anderen Stellen der Dämmerlande brennt es, und so werden Laisa und Rogon neue, gefährliche Aufgaben übertragen.
Sandra Melli
Das große Ziel
Erulim legte den letzten Bericht beiseite und starrte nachdenklich ins Leere. Zwar hatte er in letzter Zeit mehrere Rückschläge hinnehmen müssen, doch wenn er es richtig anfing, konnte er aus der jetzigen Situation sogar einen Vorteil ziehen. Er würde seine Feinde vernichten, während diese noch glaubten, selbst einen großen Sieg errungen zu haben.
Die Heirat König Arendhars von T’wool mit Prinzessin Elanah von Urdil erwies sich als unerwarteter Trumpf, denn mit ihm konnte er sämtliche blauen Reiche der Dämmerlande für sich gewinnen. Der Gedanke, eine verhasste Grüne aus dem Westen würde den nächsten König von T’wool gebären, musste allen Anhängern der Göttin Ilyna ein Greuel sein. Für die grünen Völker der Dämmerlande war diese Heirat ein Sakrileg. Sie hielten es für eine Schande, dass eine Königstochter ihrer Seite wie eine gekaufte Sklavin über den Großen Strom nach T’wool geschafft worden war. Ein paar Hinweise darauf, dass Elanah auf Befehl ihres Ehemannes zwangsweise schwarz gefärbt werden sollte, würden es selbst Reodhil von Thilion unmöglich machen, seine Ritter von einem neuen Kriegszug nach Osten abzuhalten.
Bei näherer Betrachtung, sagte Erulim sich, nützten ihm seine letzten Niederlagen mehr, als sie ihm schadeten. Auch wenn er an einigen Stellen zurückgeworfen worden war, konnte er seine Position an anderen Orten weitaus leichter ausbauen. Er bedachte die sechs Götter und Göttinnen der Welt mit einem höhnischen Lachen. Mit ihrem Friedensschluss und dem Schwur, sich nicht mehr in die Belange der Dämmerlande einzumischen, hatten sie es ihm erst ermöglicht, nach der absoluten Macht in diesem Teil der Welt zu greifen.
Zwar sollte ein Evari von jeder Farbe den Frieden überwachen, doch die Götter hatten diese weder mit einer großen Gefolgschaft noch mit genügend Gold oder Macht ausgestattet. Daher vermochten die Wächter der Götter die widerspenstigen Herrscher der Dämmerlande nicht mit Waffengewalt im Zaum zu halten – der einzigen Sprache, die die Fürsten und Könige verstanden. So gesehen waren die Evaris wirklich nur hohle Popanze.
Bisher war es ihm gelungen, zwei von ihnen, Rhondh, den Grünen, und Tardelon, den Vertreter des gelben Gottes Talien, gefangen zu nehmen. Yahyehs Ruf bei den blauen Völkern hatte er bereits völlig ruiniert, und es war ihm auch gelungen, den Einfluss des weißen Evari Khaton bei den Völkern seiner Farbe zu schmälern. Der selbstherrliche schwarze Evari Tharon wurde in den schwarzen Reichen für den Verlust der Einbruchslande verantwortlich gemacht und konnte sich nur noch auf König Arendhars Macht stützen. Nur bei Sirrin, der violetten Evari, war er noch keinen Schritt weitergekommen. Allerdings kümmerte diese sich wenig um das, was jenseits violetter Grenzen geschah, und kam ihm daher nicht in die Quere.
Eines allerdings störte seine Pläne massiv, fand Erulim, und das war diese eigenartige Katzenfrau, die unter dem Namen Laisa auftrat. Nun ärgerte er sich, dass er damals, als ihm das kleine Biest abhandengekommen war, nicht intensiver nachgeforscht hatte. Bis zum heutigen Tag wusste er nicht, wer in eines seiner geheimsten Verstecke eingedrungen und ausgerechnet das wenige Wochen alte Katzenmädchen gestohlen hatte. Die Vorbereitungen für den großen Südkrieg waren ihm jedoch wichtiger gewesen, und danach war zu viel geschehen, um das er sich hatte kümmern müssen. Diesen Fehler würde er kein zweites Mal begehen.
»Das Biest muss ausgeschaltet werden – und zwar schnell!«
Erulim zuckte beim Klang seiner eigenen Stimme zusammen. Aber der Gedanke an die Katze erregte ihn so, dass er sich kaum mehr beherrschen konnte. Da Laisavaneh Baragain – wie die Katzenfrau richtig hieß – den magisch stärksten Sippen des Weißen und des Blauen Landes entstammte, war sie eine Gegnerin, die er nicht ernst genug nehmen konnte. Bei dem Gedanken, mit welcher Leichtigkeit sie den Schwarzlandmagier Salavar besiegt hatte, lief es ihm jetzt noch kalt den Rücken herab. Auch Gynndhul, ein erfahrener, ausgezeichneter Magier, war ihr zum Opfer gefallen, und das hatte die gesamte Revolte in T’wool zusammenbrechen lassen.
Mit einem Mal huschte ein Lächeln über Erulims Gesicht. Laisa hielt sich gerade auf der roten Seite des Stromes auf und würde mit Sicherheit wieder nach Westen zurückkehren. Es existierten aber nur zwei Wege, die über den Strom führten. Der eine verlief über die Heilige Stadt Edessin Dareh, der andere über die Maraand-Fähre. Also brauchte er nur an den entsprechenden Stellen Fallen aufzustellen, in denen sich diese impertinente Katzenfrau fangen würde.
Böse lächelnd stand er auf, ging zum Tisch und strich mit der Hand über einen grünlich schimmernden Kristall. Kurz darauf wurde die Tür geöffnet, und ein hochgewachsener Mann in einer wallenden grünen Robe trat ein. Seinen Rang als König von Tenelian betonte er mit einer dreieckig geformten Mütze, die dicht mit Saphiren und anderen grünen Edelsteinen besetzt war.
»Ihr habt mich gerufen, mein Ahne?«, sagte er, während er sich tief verbeugte.
Erulim blickte auf seinen Enkel herab, den er zum Thron dieses Landes verholfen hatte. »Das habe ich, Tenealras. Es gibt eine Aufgabe für dich. Schicke deine besten Männer aus und lass sie die Maraand-Fähre überwachen. Gleichzeitig sollen sie eine Falle errichten, in der sich ein widernatürliches Wesen fangen soll, welches eine der Farben des Westens trägt, aber wie eine Kreatur aus dem Osten aussieht.«
»Meint Ihr dieses Katzenweib, Gewaltiger? Es hat mich bereits einige meiner besten Leute gekostet. Außerdem schürt es Unfrieden zwischen Thilion und meinem Reich. Ich weiß aus sicherer Quelle, dass König Reodhil im hohen grünen Tempel zu Edessin Dareh ein Testament hinterlegt hat, das mir nach seinem Ableben jedes Erbrecht auf sein Reich versagt.«
Tenealras klang enttäuscht, denn er hatte gehofft, die großen grünen Reiche des Südens unter seiner Herrschaft zu vereinen.
Da Erulims Einfluss im grünen Tempel von Edessin Dareh groß genug war, ein solches Testament ignorieren zu können, ging der Eirun nicht darauf ein. »Deine Männer werden auf das Katzenweib warten und es fangen, hast du verstanden?«
Einen Augenblick lang überlegte Erulim, ob es nicht sicherer wäre, Laisa töten zu lassen. Er wollte jedoch wissen, wo sie sich all die Jahre aufgehalten hatte und welche ihm noch unbekannten Feinde hinter ihr steckten.
»Ich werde genügend Männer schicken«, versprach Tenealras von Tenelian und kam dann wieder auf das zurück, was ihn am meisten bewegte. »König Reodhil von Thilion und seine Speichellecker lassen meine Erwählten in ihren Landen jagen und verfolgen. Wenn es so weitergeht, muss ich meine Anhänger von dort zurückrufen. Damit aber würde ich meinen Einfluss auf Thilion, Aralian und vielleicht auch Halondil aufgeben und riskierte sogar einen Krieg mit diesen Reichen.«
»Seit wann fürchtest du dich?«, fragte Erulim scharf. »Befolge meine Befehle, und du wirst sehen, dass die Feindschaft eines Reodhil von Thilion dich weniger berührt als ein Regentropfen, der am Morgen auf dein Haupt fällt.«
Noch während er es sagte, bedauerte Erulim, dass nicht Neldion von Tharalin vor ihm stand, sein Enkel mit den besten Fähigkeiten und dem schärfsten Verstand. Dieser hätte nicht gejammert, sondern gehandelt. Doch Neldion war tot, und daran war ebenfalls diese verdammte Katze schuld.
»Deine Männer müssen Laisa fangen, selbst wenn dir hinterher alle Reiche der Dämmerlande den Krieg erklären. Vergiss nicht, ich stehe auf deiner Seite!«, herrschte er Tenealras an.
Wenn er der Herr der Dämmerlande und der siebte Gott werden wollte, musste Laisa ebenso ausgeschaltet werden wie die restlichen Evaris. War dies erst geschehen, würde er die Reiche der Dämmerlande so vergeben, wie es ihm nützlich erschien. Ob Tenealras dann der Herr des grünen Südens wurde, bezweifelte Erulim. Dafür war dieser Enkel doch zu sehr vom fanatischen Gedankengut der tenelianischen Priesterschaft erfüllt. Er selbst benötigte einen Vizekönig, der auch die weißen und gelben Reiche hier im Süden beherrschen konnte, ohne deren Bewohner wie Gesindel von der anderen Seite des Stromes zu behandeln.
Erneut bedauerte Erulim, dass ihm Neldion von Tharalin nicht mehr zur Verfügung stand. Dieser hätte den Süden in seinem Sinne gelenkt. Dann aber winkte er verärgert ab. Erst einmal galt es, die impertinente Katze auszuschalten.
»Geh und sorge dafür, dass Laisa mir nicht noch einmal entkommt«, befahl er Tenealras und sah zufrieden, wie dieser sich umgehend verbeugte und das Zimmer verließ.
Nun richtete er seine Gedanken wieder auf das große Ziel. Irgendwann würden die vier Götter und zwei Göttinnen erkennen müssen, dass die Dämmerlande einen starken Herrn brauchten, der die widerstrebenden Völker zum Frieden zwang. Da sie selbst nicht mehr eingreifen durften, würden sie sich damit abfinden müssen, dass er die Lande am Großen Strom unter seiner Herrschaft vereinte. An die Ströme von Blut, die für dieses Ziel bereits geflossen waren und noch fließen würden, verschwendete Erulim keinen Gedanken. Für ihn ging es allein darum, höher aufzusteigen als je ein Magier vor ihm und auch den Schwarzlandmagier Wassarghan, der sich selbst zum Herrn der östlichen Dämmerlande hatte aufschwingen wollen, an Macht und Einfluss weit zu übertreffen.
Der Vorschlag des Evari
Fern von dem Ort, an dem Erulim seine Pläne ausbrütete, saß Rogon, einst Prinz von Andhir und nun nichts weiter als ein streifender Abenteurer, in seiner Kammer in Tawaldon, der Hauptstadt des Reiches T’wool, und sann darüber nach, wohin er sich als Nächstes wenden sollte. Tirah, die magische Kriegerin, deren Körper sich bei einem misslungenen Zauber aufgelöst hatte und in ihm aufgegangen war, mischte sich immer wieder in seine Überlegungen ein.
»Du solltest Tharon fragen, wo wir Sirrin finden können. Ich würde gerne wieder einen eigenen Körper besitzen«, erklärte sie eben mit Nachdruck.
»Schade!«, entfuhr es Rogon.
In Tirah wallte Zorn auf. »Was sagst du da?«
»Ich finde es schade, dass wir uns in dem Fall trennen müssen, denn du bist eine ausgezeichnete Reisegefährtin und könntest mir in so vielen Dingen raten.«
Rogons Antwort besänftigte sie. »Auch du bist ein angenehmer Bursche und kein solcher Angeber wie die meisten Wardan-Prinzlein, die vor Stolz auf ihre Ahnenreihe beinahe platzen. Aber wenn ich meiner Evari dienen will, brauche ich meinen Körper. Das musst du verstehen! Ich war über tausend Jahre lang Sirrins Schwertarm und weiß, dass sie meine Unterstützung benötigt – und zwar dringender denn je.«
»Das begreife ich ja, aber …« Rogon kam nicht dazu, den Satz zu Ende zu sprechen, denn in dem Augenblick öffnete sich die Tür, und Tharon kam herein. Mit seinem pechschwarzen Talar, dem weiten Umhang und dem Barett mit einer Agraffe aus Rotgold stellte der schwarze Evari eine beeindruckende Erscheinung dar. Allerdings dämpften ein Krug und zwei Becher in seinen Händen diesen Eindruck.
»Ich glaube, dass wir beide einen guten Schluck vertragen können«, sagte er zu Rogon, als er die Gefäße auf den Tisch stellte. Dabei tat er so, als würde er die violette Kriegerin, die in dem jungen Wardan steckte, nicht bemerken.
»Es ist guter Marangree-Wein und keiner aus T’wool, obwohl man auch hier einen guten Tropfen zu keltern weiß«, fuhr er fort und schenkte ein.
»Auf dein Wohl, Rogon! Ohne dich und die weiße Katze wären wir der Rebellen wohl kaum Herr geworden. König Arendhar hat dir daher zu Recht den Titel eines Ritters von T’wool verliehen. Aber ich frage mich, ob so ein junger Bursche wie du hierbleiben und ein Landgut bewirtschaften will. Immerhin bist du ein blauer Wardan …«
»… und die werden in T’wool derzeit höchst ungern gesehen«, unterbrach Rogon den Evari.
Tharon lachte leise auf. »So habe ich es nicht gemeint. Obwohl du natürlich recht hast! Aber ich halte dich für einen Kerl, der etwas von der Welt sehen will. Wenigstens habe ich das angenommen, als wir uns das erste Mal begegnet sind.«
»Vorsicht, er führt etwas im Schilde!«, warnte Tirah Rogon mit ihrer Gedankenstimme. »Aber ich will zu Sirrin! Frag ihn, wo diese derzeit zu finden ist.«
»Mache ich«, versprach Rogon ebenso lautlos und wandte sich dem Evari zu.
»Du hast recht, Tharon. Ich will tatsächlich nicht in T’wool bleiben, sondern weiterziehen.«
Bevor er nach Sirrin fragen konnte, unterbrach Tharon ihn. »Welch ein Zufall, ich nämlich auch! Hast du noch immer Interesse daran, mit mir nach Süden zu reisen und den grünen Todeswall, der die Einbruchslande abschließt, mit eigenen Augen zu sehen?«
»Geh nicht darauf ein«, klang Tirahs Stimme warnend in Rogons Kopf auf.
»Nun, vielleicht, aber eigentlich wollte ich Sirrin suchen.«
»Was willst du denn von der violetten Evari?«, fragte Tharon abwehrend.
»Ihr dieses Schwert bringen! Es ist eines der großen Schwerter der violetten Seite. Ich habe es durch Zufall gefunden.«
»Bring das Schwert in die Heilige Stadt zum violetten Tempel, dann bist du es los. Die Priesterschaft wird schon dafür sorgen, dass die Klinge zu Sirrin kommt.«
Tharons Vorschlag war nicht ernst gemeint, denn eine Reise Rogons nach Edessin Dareh war das Letzte, das er sich wünschte. Er brauchte den jungen Mann selbst. Doch dafür musste er ihn so weit ködern, dass dieser mit ihm kam.
Der Evari musterte Rogon durchdringend und wünschte sich, ihn in Ruhe untersuchen und seine Fähigkeiten ausloten zu können. Dafür aber hätte er ihn magisch lähmen müssen. Mit einer solchen Handlung jedoch hätte er das Vertrauen dieses erstaunlichen Wardan-Jünglings verloren. Erneut fragte er sich, warum Sirrin ihre beste Kriegerin in Rogons Körper gesteckt hatte. Sie konnte dabei nur den Fluch von Rhyallun im Sinn gehabt haben, der eine Rückeroberung der Einbruchslande unmöglich machte. Tirahs Erfahrung zusammen mit Rogons Fähigkeiten mochten der Schlüssel dazu sein, den Fluch des grünen Evari zu beseitigen. Da der junge Mann jedoch nicht ausgebildet war, hieß dies für ihn, dass die Evari ihn selbst magisch anleiten wollte.
Was Sirrin kann, vermag ich auch, sagte Tharon sich. Noch gehorchten die Menschen der schwarzen Reiche ihm. Dies würde sich jedoch ändern, wenn es Sirrin gelang, den Fluch, den Rhondh, der Grüne, in Rhyallun gesprochen hatte, zu brechen. Dann würden die verlorenen Fürstentümer durch Amazonen und Krieger aus violetten Ländern zurückerobert werden. Für die schwarzen Reiche des Südens und vor allem für T’wool wäre dies eine Schmach, die zuvorderst auf ihn zurückfallen würde.
Er trat neben Rogon, klopfte diesem auf die Schulter und lächelte verkniffen. »Komm mit mir, mein junger Freund. Oder willst du mich allein nach Süden reiten lassen? Vielleicht treffen wir dort sogar auf Sirrin.«
»Tu es nicht!«, warnte Tirah.
Rogon war unentschlossen. Immerhin hatte er seine Heimat verlassen, um Abenteuer zu erleben. Sich den Todeswall des grünen Evari genauer anzusehen war ein solches Abenteuer. Dazu bestand die Aussicht, dort auf Sirrin zu stoßen. Dies sagte er in Gedanken zu Tirah.
Schließlich gab auch sie nach. »Also gut, machen wir es so. Gib aber acht! Ich traue dem schwarzen Evari nicht.«
»Ich bin bereit«, erklärte Rogon Tharon, ohne auf den letzten Einwand seiner Mitbewohnerin einzugehen.
»Dann nimm deine Sachen und komm! Die Pferde sind schon gesattelt.«
Tharons Eile wunderte Rogon. Dennoch schnallte er sich Tirahs langes Schwert über den Rücken, hängte seine eigene Klinge an die Hüfte und schnürte sein Bündel. Gleichzeitig rief er auf geistigem Weg nach Jade.
Die Katze kam kurz darauf herein, sah ihn gestiefelt und gespornt und verzog die Lippen zu etwas, das einem Grinsen gleichkam. »Geht es endlich weiter? Diese T’wooler sind wirklich nichts für uns. Außerdem bewachen sie ihre Vorratskammern zu gut.«
Da Jade nicht so aussah, als hätte sie in den letzten Tagen hungern müssen, begann Rogon zu lachen. »Keine Sorge, meine Kleine. Dort, wo wir jetzt hinreiten, wird dir kein Küchenjunge mit dem Besenstil nachlaufen.«
»Wir reiten also! Dann brauche ich aber einen Platz, auf dem ich sitzen kann.«
Rogon überlegte kurz und wandte sich dann an Tharon. »Kannst du dafür sorgen, dass ein Kissen hinter meinem Sattel festgeschnallt wird?«
»Manchmal merkt man doch, dass du ein Wardan bist«, stöhnte Tharon und erteilte einem Diener den Befehl, für ein Kissen zu sorgen.
Meuchelmörder
Nach ihren Abenteuern östlich des Toisserech hatte Laisa es eilig, mit ihren Begleitern auf die goldene Seite des Stromes zurückzukehren. Sie ritt so schnell, wie sie es sich angewöhnt hatte, und machte nur wenig Rast. Obwohl Borlon, ihr bärenhafter Begleiter, ihr Tempo beklagte, atmete er erleichtert auf, als die östliche Fährstation in Sicht kam. »Bald sind wir wieder auf unserer Seite! Meandir sei Dank!«
»Das ist nicht meine Seite, sondern deine Seite«, warf Ysobel, die violette Tivenga, giftig ein. Für sie bedeutete die Fährstation, dass sie die Seite des Großen Stromes, auf der sie aufgewachsen war und wo Leute lebten, die zur gleichen Göttin wie sie beteten, wieder verlassen musste.
»Drüben ist es für dich gewiss angenehmer als für mich hier!« Borlon steckte noch immer das Schwarz T’wools in den Knochen, das seine Gegenfarbe darstellte, und daher reagierte er schärfer, als er es eigentlich wollte. Da Ysobel ihm nichts schuldig blieb, entspann sich heftiger Streit, den Laisa mit einem harschen Zwischenruf beendete.
»Jetzt seid still! Alle beide! Borlon ist hier nicht gefressen worden und Ysobel drüben auch nicht. Außerdem bin ich noch da.«
Laisa empfand es manchmal als anstrengend, mit Gefährten zu reisen, die von beiden Seiten des Großen Stromes stammten. Noch vor wenigen Jahren hatten sich die Heere der roten und der goldenen Seite erbittert bekämpft, und nur der Fluch von Rhyallun verhinderte, dass dies immer noch geschah. Bei dem Gedanken erinnerte sie sich an Frong, jenen Unruhestifter, der schon zweimal versucht hatte, T’wool in einen Krieg mit seinen Nachbarn zu verwickeln. Dazu gab es auch noch jenen unbekannten Grünen, der in den Reichen des Westens sein Unwesen trieb. Dies zu unterbinden wäre eigentlich die Aufgabe der Evaris, der von den Göttern eingesetzten Wächter der Dämmerlande. Doch im Westen waren Tardelon, der gelbe, und Rhondh, der grüne Wächter der Götter, spurlos verschwunden. Die Macht Khatons, des weißen Evari, aber reichte nicht aus, um die Lücke zu füllen, die die beiden hinterlassen hatten. Im Osten war es nicht ganz so schlimm, denn Sirrin wurde von den violetten Völkern immer noch anerkannt, und Tharon war bei den Schwarzen zumindest gefürchtet. Yahyeh jedoch, die blaue Evari, war durch Frongs Intrigen praktisch ausgeschaltet worden.
Verärgert, weil ihre Gedanken sich mehr mit den Problemen der Welt beschäftigten, die sie mit Sicherheit nicht lösen konnte, und weniger mit den hübschen Schmuckstücken und Edelsteinen, die Arendhar von T’wool ihr als Belohnung geschenkt hatte, ritt Laisa zwischen den Gemüsefeldern der Fährleute hindurch auf deren Station zu.
Seit ihrem letzten Besuch hatte sich hier einiges verändert. Das große Gebäude besaß einen neuen Anstrich, und ein Stück weiter waren Zimmerleute dabei, eine neue Fähre zu bauen. Yondal, der weiße Fährkapitän, überwachte die Arbeit. Als er Laisa erkannte, kam er fröhlich lächelnd auf sie zu.
»Willkommen, erhabene Dame! Ihr wollt gewiss wieder auf die goldene Seite des Toisserech.«
»Du kannst wohl Gedanken lesen! Genau das haben wir vor.« Laisa erwiderte den Gruß und wies dann mit der Hand auf die Herberge und den Schiffsneubau.
»Habt ihr eine Schatzkiste aus dem Strom gefischt, um euch das leisten zu können?«
»Das nicht«, antwortete Yondal. »Aber wir haben von den Tempeln der Heiligen Stadt eine nicht gerade kleine Summe erhalten, um den Betrieb der Fähre weiterführen zu können, und das Holz zum Schiffsbau hat uns der König von Maraand gestiftet. Seit der neue Silldhar von Maraandlion sich diesem unterworfen hat, weht das maraandische Banner auch wieder am Strom. Wir sind sehr froh darüber, denn mit den Freistädtern war es nicht mehr auszuhalten.«
»Die Stadt gehört wieder zu Maraand? Wie ist es dazu gekommen?«, fragte Laisa verwundert.
»Nachdem T’wool die drei Provinzen von Vanaraan besetzt hat, bekam der Silldhar Angst, König Arendhar könnte auch Maraandlion erobern wollen, und hat seinen Frieden mit dem Reich gemacht. Ihm ist es lieber, einen Fürstentitel in Maraand zu tragen, als von einem t’woolischen Henker geköpft zu werden.«
Yondal schien sehr zufrieden über die Entwicklung, das roch Laisa und klopfte sich innerlich auf die Schulter. Diese Entwicklung war auch ihr Verdienst. Hätte sie nicht die grüne Prinzessin Elanah trotz aller Hindernisse nach T’wool gebracht, wären Frongs hinterlistige Aktionen niemals aufgedeckt worden.
Dies, fand sie, war ein gutes Mahl wert. Daher lenkte sie ihre Stute Vakka zur Herberge, stieg aus dem Sattel und trat ein. Sofort wehte ihr ein starker Geruch nach Minzenkraut entgegen und brachte sie beinahe dazu, wieder zu gehen. Sie überwand sich jedoch und setzte sich an einen Tisch, ohne darauf zu achten, ob dieser über den Strich ragte, der den Bereich für die seltenen Gäste von der anderen Seite vom normalen Gastraum abtrennte. Auch hatte sie nicht die eigentlich für die Westleute bestimmte Tür benutzt, sondern war durch die Eingangstür für die Einheimischen gekommen, die größer war, so dass sie sich nicht bücken musste.
Borlon aber nahm die Nebenpforte und wurde nun durch die halbe Gaststube von Laisa getrennt. Zuerst wollte diese ihn zu sich winken, sagte sich dann aber, dass sie keinen Streit anfachen wollte, und ging hinüber. Ysobel und Rongi folgten ihr, und dann kam auch die Wirtin heran. Bei Laisas letztem Besuch hier war die Frau beleidigt gewesen, weil sie ihre Kochkünste nicht richtig gewürdigt gesehen hatte. Nun aber wies sie zwei junge Burschen an, einen großen, frisch gefangenen Fisch zu bringen.
»So wollt Ihr es doch, nicht wahr, Erhabene?« Die Frau hielt Laisa wegen ihrer Katzenmenschengestalt noch immer für eine Blaue und sprach sie ehrerbietig an.
»Genau so ist es recht«, erklärte Laisa und filetierte den Fisch zu Ysobels Ärger genüsslich mit ihren Krallen.
Auch die anderen wählten nun aus, was sie aufgetischt bekommen wollten. Borlon entschied sich für einen Minzenauflauf, was Laisa dazu brachte, leise zu fauchen. Mittlerweile aber hatte ihre empfindliche Nase sich an das scharf riechende Zeug gewöhnt, und sie konnte ihren Fisch in Ruhe verspeisen.
Kurz darauf erschien Rekk, der blaue Kapitän der Fähre, und meldete, das Schiff sei abfahrbereit. Die Wirtin bedauerte, dass die Herrschaften nicht bei ihr übernachten wollten, und versorgte sie mit einem Korb voller Leckerbissen, die sie ihrer Meinung nach drüben gewiss nicht bekommen würden.
Laisa bezahlte die Zeche und verließ die Lotsenherberge mit einem Gefühl der Erleichterung. Immerhin konnte sie Khaton mitteilen, dass sie seinen Auftrag erfolgreich ausgeführt hatte. Sie fragte sich allerdings, was sie danach unternehmen sollte. Es reizte sie, die Nixe Naika zu dem großen See im Nordwesten der Dämmerlande zu bringen, in dem diese beheimatet war. Wahrscheinlicher war jedoch, dass Khaton sie erneut als Botin losschicken würde, um irgendein Problem zu lösen. Sie horchte kurz in sich hinein und fand, dass sie im Grunde nichts gegen einen weiteren Auftrag hatte. Auf diese Weise lernte sie die Dämmerlande ganz anders kennen, als wenn sie auf eigene Faust reisen würde.
Mit diesem Gedanken bestieg sie die Fähre und sah sinnend zu, wie die Schiffer ablegten und in den Großen Strom hineinsteuerten. Die Ufer des Toisserech lagen an dieser Stelle mehr als dreißig Meilen auseinander, und es würde mehrere Stunden dauern, bis sie drüben ankamen. Zunächst befehligte Rekk die Matrosen, übergab das Kommando in der Mitte des Stromes der Tradition entsprechend an Yondal.
Bei Laisas vorherigen Reisen über den Großen Strom waren andere Schiffe der Fähre gefährlich nahe gekommen. Doch mittlerweile schienen die Schiffer begriffen zu haben, dass die Fährleute unter dem Schutz der sechs Tempel der Heiligen Stadt standen und die Priester jede Aktion gegen dieses Schiff ahnden würden.
Als sie sich der westlichen Fährstation näherten, wichen ihnen sogar die Goisen aus, die sich sonst nichts daraus machten, ein kleineres Schiff über den Haufen zu fahren, wenn es ihnen in den Weg geriet.
»Hier am Strom hat sich wirklich einiges getan«, sagte Borlon verwundert. »Als wir das letzte Mal hier waren, herrschten weitaus rauhere Sitten.«
»Das stimmt!« Laisa wartete, bis die Fähre angelegt hatte, sprang dann an Land und überließ es Ysobel und Borlon, sich um die Pferde zu kümmern. Als sie die Anhöhe zur Fährstation emporstieg, entdeckte sie zwei Männer, die hastig das Gebäude verließen und auf den Palisadenzaun zueilten, mit dem das Reich Tenelian das Gebiet der Fährstation vom Hinterland abgetrennt hatte. Etwas an ihnen erregte Laisas Aufmerksamkeit, und sie bekam mit, dass die Männer den tenelianischen Wachen Befehle zuriefen. Diese öffneten das Tor und schlossen es sofort wieder, nachdem die beiden es passiert hatten.
Es juckte Laisa bis in die Krallenscheiden, sich Tenelian einmal anzusehen. Sie war sicher, dass dieses Land viel mit den Unruhen zu tun hatte, die den Süden erschütterten. Auch waren es Krieger aus diesem Reich gewesen, die vor mehr als einem Jahrzehnt als Erste den Großen Strom überquert hatten, um die Länder des Ostens anzugreifen. Ihren Informationen zufolge war Tenelian auch das einzige Reich, das den Einbruchsländlern noch Unterstützung zukommen ließ. Ein Versuch, in dieses Land einzudringen, wäre jedoch nicht nur für sie gefährlich geworden, sondern vor allem für ihre Begleiter. Ysobel und Rongi stammten aus dem Osten, und Borlon wurde von den Tenelianern wegen seiner bärenähnlichen Gestalt für ein Geschöpf aus Giringars Zuchttrögen gehalten, obwohl sein Weiß wahrscheinlich reiner war als ihr Grün.
»Wo man hinkommt, gibt es Schwierigkeiten«, murmelte Laisa und betrat die Fährstation.
Hatte die Wirtin ihr beim ersten Mal mit dem Besen gedroht, so war sie nun überfreundlich und schob einen der besseren Tische über die Linie, die auch hier Besucher von der roten Seite des Stromes von den Leuten der hiesigen Farben trennen sollte. Rongi und Ysobel traten deswegen auch durch die für sie bestimmte Tür, während Borlon dieselbe wie Laisa benützte.
»Was waren das eben für Kerle, die in Richtung Tenelian gewetzt sind, als wäre der Giringar oder in ihrem Fall die Ilyna persönlich hinter ihnen her?«, fragte Laisa.
Die Wirtin zuckte mit den Achseln. »Ich weiß es nicht. Die sind vor ein paar Wochen hier erschienen und warteten angeblich auf Freunde, die aus dem Norden kommen sollen. Besonders gepasst haben sie mir nicht. Die wollten unbedingt nur grünes Zeug essen und saßen meist wie Sauertöpfe in einer Ecke. Ich wäre froh, wenn sie nicht wiederkommen würden.«
Dann schüttelte sie über sich selbst den Kopf. »Was sag ich da? Die Kerle sind mir die Miete und den Verzehr für die letzte Woche schuldig geblieben. Ich will denen nicht raten, sich davonzumachen, ohne das zu bezahlen! Aber was darf es für die Herrschaften sein?«
Während Laisa bestellte, gingen ihr die beiden Fremden nicht mehr aus dem Kopf. Wenn es stimmte, dass sie nur auf Freunde warteten, hätten sie die Fährstation nicht ausgerechnet zu dem Zeitpunkt verlassen müssen, in dem sie angelandet war. Für sie sah es eher so aus, als wollten die Kerle irgendjemandem ihre Ankunft melden. Aus diesem Grund beschloss sie, in den nächsten Tagen besonders vorsichtig zu sein.
Laisa schnupperte mehrmals, um die verschiedenen Düfte und magischen Schwingungen aufzunehmen, die die Fährstation erfüllten. Ein Geruch gefiel ihr gar nicht. Zuerst konnte sie ihn nicht einordnen, entdeckte aber, dass dieser aus einem Paket kam, das in einer Ecke des Schlafsaales der Herberge lag. Rasch ging sie hin und bedeutete der Wirtin, ihr zu folgen.
»Was ist das?«, fragte sie.
Die Wirtin blickte in die gewiesene Richtung und atmete sichtlich auf. »Das ist das Gepäck dieser Männer. Da sie es zurückgelassen haben, kommen sie mit Sicherheit wieder zurück!«
»Oder auch nicht«, murmelte Laisa und bückte sich, um das Paket aufzuheben.
»Was macht Ihr? Das gehört Euch doch nicht!«, rief die Wirtin empört.
Laisa störte sich nicht daran, sondern schnupperte ausgiebig an dem Paket und fletschte dann die Zähne. »Die Kerle werden wiederkommen, aber anders, als du es dir denkst.«
»Was ist los?«, wollte Borlon wissen, der ihr gefolgt war.
»Falls meine Nase sich nicht irrt – und das tut sie nie –, haben diese Burschen uns ein Päckchen mit Flussmaulstaub verehrt«, antwortete Laisa mit einem empörten Fauchen.
Borlons Fell stellte sich senkrecht auf. »Flussmaulstaub? Aber wieso?«
»So, wie die beiden Kerle sich benommen haben, kann es nur einen Grund für diese Hinterlassenschaft geben, und der sind wir.« Laisa beäugte das Paket und überlegte, ob sie es gleich packen und in den Großen Strom werfen sollte.
»Wenn sie es auf uns abgesehen haben, müsste in dem Gepäck ein Artefakt sein, das das Zeug verstreut«, warf Borlon ein.
Dieser Einwand brachte Laisa dazu, ihre erste Überlegung zu vergessen. »Hol Ysobel! Sie kennt sich von uns am besten mit magischen Dingen aus«, befahl sie Borlon.
Der Bärenmensch schüttelte den Kopf. »Hierher in den Schlafsaal der Westleute? Das gäbe Ärger!«
»Es gibt gleich noch mehr Ärger, wenn du sie nicht holst!« In ihrem Zorn war Laisa nicht bereit, auf die Befindlichkeiten der Leute Rücksicht zu nehmen.
Daher sah Borlon die Wirtin fragend an, und diese nickte. Jeder hier am Strom wusste, was Flussmaulstaub war, daher schäumte die Goisin vor Wut. »Die Fährstationen sind sakrosankt! Wer etwas gegen sie unternimmt, verfällt dem Zorn der Götter.«
»Die werden wohl kaum in eigener Gestalt kommen und diesen Schurken die Krägen umdrehen. Das müssen wir schon selbst tun.« Laisa wusste zwar nicht, wer ihre Feinde waren und wie viele sie zählten, doch das war ihr in diesem Augenblick gleichgültig. Noch während sie überlegte, wie sie vorgehen sollte, brachte Borlon Ysobel herein.
Die Tivenga zitterte, weil sie sich in einem ihr verbotenen Bereich aufhielt, kniete aber neben Laisa nieder und begann, das Gepäck zu untersuchen. Zuerst fand sie nur einige Kleidungsstücke, doch als sie diese vorsichtig entfernte, stieß sie auf ein längliches Päckchen, das mit dünner Silberfolie umwickelt war.
»Wenn das wirklich mit Flussmaulstaub gefüllt ist, würde es nicht nur die Fährstation, sondern die gesamte Halbinsel lahmlegen«, rief Ysobel aus.
»Durch die geschlossenen Fenster?«, fragte Laisa.
»Nein, das nicht! Aber alle, die sich hier in dem Gebäude aufhalten, würden betäubt.« Ysobel wandte jetzt ihr gesamtes magisches Können auf, um mehr zu erfahren. Dafür kratzte sie sogar ein Stück der Silberfolie auf, hielt das Päckchen aber so, dass nichts herauslaufen konnte.
Der Geruch nach Flussmaulstaub wurde so stark, dass Laisa niesen musste. Für einen Augenblick hatte sie Angst, bewusstlos zu werden, doch noch war der Staub selbst nicht aus dem Päckchen gedrungen.
Auch Borlon ruckte unruhig hin und her, und jetzt steckte auch Rongi den Kopf zur Tür herein. »Das ist das böse Zeug, mit dem ich damals gefangen worden bin!«, rief er besorgt.
»Sei ruhig! Ysobel muss sich konzentrieren«, wies Laisa ihn zurecht.
»Ich glaube, ich habe es«, sagte da die Tivenga. »In dem Päckchen steckt ein magischer Zünder, der stark genug ist, dieses Talien-Zeug im ganzen Haus zu verteilen.«
»Ich werfe es in den Strom!«, fauchte Laisa erbittert.
Ysobel schüttelte den Kopf. »Das würde uns nur kurzzeitig helfen. Die Sprengung des Päckchens muss von außen erfolgen. Ich spüre nämlich eine Kupferleitung, die einen Artefaktbefehl auffangen und zur Sprengladung leiten kann. Wenn die Kerle das Ding hochjagen wollen und merken, dass sich nichts tut, schlagen sie sich in die Büsche beziehungsweise nach Tenelian, und wir haben das Nachsehen.«
»Aber wir können das Paket nicht hierlassen«, rief Borlon empört.
»Wir können aber etwas anderes tun. Bringt mir einen festen Sack und ein Tuch, das ich mir vor Mund und Nase binden kann«, schlug Laisa vor.
»Du willst die Sprengladung herausholen? Das ist aber gefährlich. Wenn du nur ein paar Körner von dem Flussmaulstaub einatmest, kriegen wir dich vor morgen nicht mehr wach«, warnte Ysobel.
»Ich werde vorsichtig sein«, versicherte Laisa ihr und forderte die Wirtin auf, ihr das Verlangte zu bringen.
Die nächste halbe Stunde zerrte mehr an Laisas Nerven als sämtliche Abenteuer der letzten Monate. Sie hatte sich mit dem Päckchen in einen Anbau zurückgezogen, der keine Verbindungstür zum Haupthaus besaß, das Ding in einen Sack gesteckt und kratzte nun mit einer Kralle vorsichtig die Silberhülle auf. Alles musste langsam und sacht geschehen, damit der Staub nicht aufwirbelte und aus dem Sack herausdrang. Wenn das passierte, war sie für die nächsten Stunden bewusstlos, und den anderen würde nichts anderes übrigbleiben, als die Fährstation zu räumen, damit das heimtückische Gift nicht auch sie erwischte.
Laisa wagte kaum zu atmen, als sie den Kupferdraht ertastete, den Ysobel entdeckt hatte, und ihm bis zu dem Sprengsatz folgte. Dieser war nicht größer als eine Goldmünze, aber heimtückisch aufgebaut, denn wenn die Ladung gezündet wurde, würden sich zwei mit blauer und grüner Magie gefüllte Kristalle berühren und eine Gegenfarbenexplosion auslösen, die stark genug war, etliche Leute in der Nähe zu töten.
»Verdammte Schurken!«, murmelte sie in das Tuch, das sie doppelt um Mund und Nase gebunden hatte. So konnte sie zwar schlecht atmen, war aber vor dem Flussmaulstaub sicher, solange sie nicht einen Schwall ins Gesicht bekam.
Sie löste ganz langsam die Sprengfalle aus dem Päckchen und hielt den Atem an, als sie das Ding aus dem Sack zog. Es war kaum größer als ihre Mittelkralle und dick mit Flussmaulstaub bedeckt. Schnell tauchte sie das Artefakt und ihre Arme, an denen der gefährliche Staub hing, bis über die Ellbogen in ein Wasserschaff, das ihr die Wirtin hatte hinstellen müssen. Sie wusch sich Hände und Arme und zog sie erst wieder aus dem Wasser, als sie sicher war, dass kein Betäubungsstaub mehr an ihnen haftete. Nachdem sie einen Augenblick gewartet hatte, legte sie das Sprengartefakt behutsam auf einem kleinen Schemel ab. Danach schlug sie den Sack mit dem Päckchen in mehrere Schichten geteertes Segeltuch, wankte dann zum Fenster, öffnete es und riss sich das Tuch vom Mund. Frische, nach den Gerüchen und Farben des Toisserech riechende Luft strömte in ihre Lungen, und sie begriff jetzt erst richtig, dass ihr etwas gelungen war, das Ysobel, Borlon und alle anderen für unmöglich gehalten hatten.
»Na, wie geht es?«, hörte sie da Rongi fragen. Der Katling tauchte unter dem Fenster auf und grinste sie an. »Für eine Bewusstlose siehst du aber noch recht munter aus.«
»Ich kann dir auch einen recht munteren Klaps versetzen«, drohte Laisa, die im Augenblick für solche Scherze nicht empfänglich war.
»Dafür bin ich viel zu schnell«, rief Rongi und sauste davon.
»Katlinge!«, fauchte Laisa hinter ihm her und fand dann, dass sie nach dieser Arbeit eine kräftige Mahlzeit verdient hatte. Daher verließ sie die Kammer, wies Borlon und Ysobel an, das Wasser aus dem Schaff in den Strom zu schütten und auch das eingewickelte Päckchen darin zu versenken.
»Passt aber auf! Unsere grünen Freunde dürfen nicht bemerken, dass hier etwas nicht so läuft, wie sie es geplant haben«, warnte sie die beiden und zeigte dann auf die Wirtin.
»Ich will Milch, und zwar einen großen Krug voll, sowie eine dreifache Portion Fisch und als Nachtisch ein Stück schönes, rohes Fleisch.«
Da die Wirtin es aufgegeben hatte, sich über Laisas Essgewohnheiten zu wundern, brachte sie rasch das Gewünschte.
Während Laisa aß, gesellte Rongi sich zu ihr und stibitzte mehrere Stücke Fisch. Das Fleisch ließ er allerdings in Ruhe. Sein eigener Greedh’een-Stamm, der jenseits der Grenzen zum Blauen Land lebte, kochte und briet Fleisch ähnlich wie die Menschen. Daher waren sogar ihm Laisas Tischmanieren manchmal zu wild.
Kurz darauf kehrten auch Ysobel und Borlon zurück und meldeten, dass sie den Flussmaulstaub beseitigt hätten. Rongi hörte ihnen zu und stellte dann die Frage, die ihn schon die ganze Zeit beschäftigte.
»Werden dann nicht die Fische im Wasser bewusstlos?«
»Nur wenn sie es einatmen«, antwortete Borlon gelassen und lachte dann, als Rongi ihn mit glitzernden Augen ansah. »Da brauchst du dir keine Sorgen zu machen. Das Zeug wird im Wasser so stark verdünnt, dass es keinen Schaden mehr anrichten kann.«
»Schade«, meinte der Katling. »Sonst wäre ich heute Nacht hinausgegangen, um ein paar Fische zu fangen.«
Laisa drehte sich zu Rongi um. »Keine Sorge, mein Guter. Du wirst heute Nacht noch genug Fische fangen können – und recht große dazu!«
»Mit wie vielen Angreifern werden wir es zu tun bekommen?«, fragte Borlon verunsichert. Auch wenn sie gute Waffen besaßen, so waren viele Hunde doch des Bären Tod.
Laisa zuckte mit den Achseln. »Um das zu erfahren, müsste ich über die Palisade klettern und in Tenelian eindringen.«
»Soll nicht ich das tun? Ich bin kleiner als du«, meldete sich Rongi.
»Vor allem bist du blau und dieses Land dort drüben so grün, dass es selbst Tenelin dort schlecht würde. Außerdem gibt es dort haufenweise Spürartefakte. Du wärst entdeckt, bevor du auch nur die Spitze der Palisade erklommen hättest«, wies Ysobel den Katling zurecht.
Während Rongi beleidigt die Unterlippe vorschob, gab auch Laisa den Gedanken auf, sich in Tenelian umzusehen. Damit würde sie ihre Feinde nur warnen. Zwar passte es ihr wenig, hier wie auf dem Präsentierteller warten zu müssen, doch in diesem Fall, sagte sie sich, würde der Speck sich stärker erweisen als die Maus.
Die nächsten Stunden vergingen quälend langsam. Die Nacht brach herein, und nun spannte sich der Himmel wie ein dunkles Zelt über das Land, das – nur für magisch begabte Personen sichtbar – von den sechs Farben der Götter illuminiert wurde. Laisa überprüfte noch einmal ihre Waffen. Mit der Springschlange, den sechs Wurfmessern und dem Schwert mit einer Klinge aus weißer Magie war sie gut für einen Kampf gerüstet. Ihr Bogen aber würde ihr hier im Gebäude nicht helfen.
Borlon hatte größere Probleme, denn er konnte seine schwere Doppelaxt in diesen Räumen nicht richtig schwingen. Dennoch legte der Bor’een die Waffe neben sich auf die Bank.
»Ich will vorbereitet sein«, sagte er grimmig.
»Das wollen wir alle.« Laisa nickte ihm zu und sah sich um.
Obwohl Waffentragen in diesem Gebäude nicht gern gesehen wurde, hatten die Goisen-Schiffer, die hier übernachteten, jede Menge Dolche und Entermesser in die Fährstation mitgebracht und verbargen sie unter Decken und Mänteln. Neben der Schanktheke lehnte nun eine große Holzkeule, die die Wirtin jederzeit an sich nehmen konnte, und die Frau hatte sogar ihre Knechte und Mägde mit Knüppeln und Messern bewaffnet.
»Was soll das?«, fragte Laisa schließlich. »Hier gibt es keine Schlacht! Ich will nicht, dass unbeteiligte Leute zu Schaden kommen.«
Die Miene der Wirtin nahm einen grimmigen Ausdruck an. »Diese Fährstation steht unter dem Schutz der Götter. Wer es wagt, hier den Frieden zu brechen, ist unser aller Feind.«
»So ist es!«, stimmte ein Goisen-Kapitän der Frau zu. »Es geht nicht allein um die Fährstation, sondern um die gesamte Stromschifffahrt auf dieser Seite. Die Tenelianer lassen die Treidelpfade verkommen und behindern uns, wo sie nur können. Wozu es führt, wenn man die Kerle nicht in ihre Schranken weist, hat sich in Thilion gezeigt. Dort hätten sie beinahe den König umgebracht, damit ihr eigener Herrscher dessen Nachfolge antreten kann. Doch wenn Tenealras von Tenelian auch noch Thilion beherrschte, wäre es für uns Goisan mit der Stromschifffahrt vorbei.«
Laisa merkte dem Mann und auch den anderen Goisen an, dass diese auf eine Gelegenheit hofften, Tenelian in der Heiligen Stadt als Friedensstörer anzeigen zu können.
Plötzlich spürte sie eine magische Schwingung, und im nächsten Augenblick explodierte der Sprengsatz, den sie an seinen alten Ort gebracht hatte, mit einem lauten Knall. Grüne und blaue Magie wallte auf, doch gab es keine Verletzten, weil sich niemand im Schlafsaal aufhielt.
»Nicht mehr lange, dann werden sie kommen«, sagte Laisa.
»Wir sollten so tun, als wären wir allesamt eingeschlafen!« Die Wirtin nahm grinsend ihre Keule zur Hand und legte sich hinter die Theke. Ihr Gesinde und die Goisen ließen sich dort zu Boden sinken, wo sie saßen und standen.
Laisa tat so, als hätte sie der Schlaf am Tisch übermannt. Mit einem Auge behielt sie jedoch die Eingangstür im Blick und griff gleichzeitig mit ihren magischen Fühlern nach draußen. Sie spürte, wie das Tor in dem Palisadenwall geöffnet wurde und etwas herauskam, das sich unter einem magischen Schutzschirm verbarg.
Ein normaler Magier hätte diesen wohl kaum entdeckt, doch sie konnte den Weg des Feldes verfolgen. Es kam näher und verharrte schließlich vor der Tür. Auf diese Entfernung vermochte sie unter dem Schutzschirm drei magisch ausgebildete Personen zu erkennen, welche sie an die Meuchelmörder erinnerten, mit denen sie sich auf ihrem Weg durch Thilion hatte herumschlagen müssen. Begleitet wurden die drei von achtzehn Männern, deren magisches Potenzial zwar schwächer war, aber das der normalen Menschen übertraf. Auch spürte Laisa mehrere Artefaktwaffen und informierte ihre Gefährten lautlos, genau so, wie Khaton es ihr beigebracht hatte.
Um die anderen im Gebäude zu warnen, hob sie kurz die Hand. Wenn sie jedoch Opfer unter den Goisen oder den Leuten in der Fährstation vermeiden wollte, mussten sie die magisch ausgebildeten Männer als Erste ausschalten.
»Rongi, spürst du die drei?«, fragte sie den Katling mit ihrer Gedankenstimme.
»Nein, aber ich rieche sie. Welchen soll ich nehmen?«, antwortete er auf die gleiche Weise.
»Den Linken! Die beiden anderen hole ich mir!« Laisa spannte ihre Muskeln an und richtete den Arm mit der Springschlange auf die Tür. Mit der anderen Hand zog sie ein Wurfmesser und befahl ihm, nicht zu töten, sondern nur zu betäuben.
Wortfetzen, die von draußen zu ihr hereindrangen, verrieten, wie sicher der Feind sich seiner Sache war.
»Die haben wir sauber aufs Kreuz gelegt«, rief einer triumphierend aus.
»Hast du das Versteinerungsartefakt bereit? Wir müssen die Katze lebend erwischen«, antwortete ein anderer.
Das denkst auch nur du!, spottete Laisa stumm und wartete auf den Augenblick, in dem Tür aufgehen und die Kerle hereinkommen würden.
»Habt ihr die Gesichter vollständig verhüllt? Nicht, dass euch der Flussmaulstaub lahm legt.«
Der Mann schien es gewohnt zu sein, Befehle zu erteilen. Laisa ordnete ihn als Anführer ein und beschloss, sich ihn als Ersten vorzunehmen.
»Wir versteinern die Katze und ihr Gefolge und nehmen sie mit«, fuhr der Mann fort. »Danach zünden wir die Fährstation an. Man wird annehmen, die Wirtin habe nicht auf den Herd achtgegeben und auf diese Weise das Gebäude in Brand gesetzt.«
Hätte der Anschlag mit dem Flussmaulstaub Erfolg gehabt, wäre dies das Todesurteil für mehr als einhundert Leute gewesen. Laisa bleckte zornerfüllt die Zähne und sah nun, wie die Tür langsam geöffnet wurde. Ein Mann mit einem magischen Totschläger in der Hand trat ein, sah sich kurz um und winkte dann nach hinten.
»Die schlafen alle. Rasch jetzt!«
Sofort kamen die anderen Männer nach. Während die drei Magier unauffällige grüne Gewänder trugen, steckte ihr Gefolge in leichten Rüstungen mit dem Wappen von Tenelian auf der Brust. Alle waren bis an die Zähne bewaffnet.
Der Anführer blickte auf einen Farberkenner, der in Laisas Richtung gehalten weiß aufglühte, und hob sein Versteinerungsartefakt. In dem Augenblick schoss Laisa ihre Springschlange auf ihn ab, und um sie herum sprangen die scheinbar Betäubten auf.
Bevor der Magier begriff, wie ihm geschah, lag er bereits bewusstlos am Boden. Den Zweiten traf Rongis Wurfholz, während Laisa den dritten Meuchelmörder mit ihrem Wurfmesser betäubte. Die einfachen Krieger sahen sich nun einer mehrfach überlegenen Schar handfester Goisen gegenüber, die wutentbrannt über sie herfielen.
Da Borlon mit zwei Sätzen beim Ausgang war und diesen blockierte, versuchten mehrere Tenelianer durch die eigentlich für Ostleute gedachte Tür zu entkommen. Doch die war versperrt, und bevor einer den Riegel zurückschieben konnte, waren mehrere Goisen herangekommen und knüppelten die Kerle nieder.
Laisa und Rongi brauchten nicht mehr einzugreifen. Eben packte Borlon den letzten Tenelianer mit seinen mächtigen Pranken und befahl zwei Goisen, den Mann zu fesseln. Als dies geschehen war, wandte er sich grinsend Laisa zu.
»Das ging ja kinderleicht!«
»Ja, aber nur, weil ich gesehen habe, wie die beiden Kerle hinter dem Palisadentor verschwunden sind. Hätten die sich nicht wie Verschwörer verhalten, wären sie mir gar nicht aufgefallen.«
»Sie hatten es arg eilig, ihren Anführern Bescheid zu geben«, spottete Ysobel. Wie Borlon war auch sie erleichtert, weil die Sache so schnell und unblutig abgelaufen war.
Laisas Gedanken richteten sich auf einen anderen Punkt. »Zieht die Kerle aus! Ich will sehen, wer von ihnen das Zeichen des unbekannten Feindes auf dem Rücken trägt.«
Die Goisen wunderten sich zwar, entkleideten aber die Tenelianer. Das seltsame Symbol mit zwei gekreuzten grünen Speeren und einem davor stehenden blauen Schwert wiesen nur die drei Magier auf. Doch auch bei den normalen Kriegern wurden die Goisen fündig. Einer der Schiffer winkte Laisa aufgeregt zu sich.
»Seht, Dame Laisa, die Kerle tragen alle die Tätowierung von König Tenealras’ Leibgarde! Damit ist Tenelian dran. Wenn der grüne Tempel in Edessin Dareh nichts gegen dieses Land unternimmt, weigern wir Goisen uns, die Tempelabgaben aus den grünen Reichen in die Heilige Stadt zu transportieren! Wenn Ihr erlaubt, werden wir die Kerle als Beweis für diese Freveltat mitnehmen.«
Laisa überlegte kurz und nickte. »Die achtzehn Gardisten könnt ihr mitnehmen. Die drei Anführer werde ich zu jemand anderem bringen. Doch vorher ist noch eine Kleinigkeit zu tun.«
Nach diesen Worten kniete sie sich neben dem Kerl nieder, den Rongi erledigt hatte, zwang seine Kiefer auseinander und musterte sein Gebiss. Ihre magischen Sinne zeigten ihr, wo der Giftzahn steckte, mit dem der Mann Selbstmord begehen konnte, und sie brach diesen mit einem kräftigen Ruck aus dem Kiefer. Den beiden anderen Meuchelmördern, wie sie diese Männer im Stillen nannte, erging es ebenso.
»Was ist, wenn Tenelian versucht, die Gefangenen zu befreien?«, fragte einer der Goisen.
Als Laisa das hörte, nahm sie ihren Bogen zur Hand. »Sie sollen es versuchen! Diese Pfeile hier hat mir der Evari Khaton gegeben. Sie werden dafür sorgen, dass jeder, der uns angreift, dies für immer vergisst.«
Ihre Worte beruhigten die Leute. Trotzdem drängten mehrere Goisen-Kapitäne darauf, die Gefangenen auf die Schiffe zu bringen und loszufahren. »Wenn wir erst einmal auf dem Strom sind, kann uns kein Tenelianer mehr abfangen«, erklärte einer Laisa.
»Müsst ihr nicht die Treidelpfade benutzen?«, fragte sie.
»Nein. Wir kreuzen unter Segeln bis zu den südlichen Sümpfen. Das dauert zwar länger, aber da wir im Konvoi fahren, sind wir vor Piraten sicher.«
Laisa merkte dem Mann an, dass er die Gefangenen schnell aus der Reichweite der Tenelianer haben wollte, und nickte. »Also gut, bringt die Kerle an Bord eurer Schiffe.«
»Und was machen wir?«, fragte Borlon.
Mit einem Lächeln, das niemand für freundlich halten konnte, wandte Laisa sich zu ihm um. »Wir bleiben bis morgen, suchen uns dann eine Passage bis zum Bärenfluss und fahren diesen hoch.«
»Hältst du das für gut? Immerhin bildet der Bärenfluss auf zweihundert Meilen die Grenze von Tenelian!« Borlon sorgte sich, die Erfolge der letzten Zeit könnten Laisa zur Unvorsichtigkeit verleiten.
»Auf zwei Dritteln davon bildet der Bärenfluss aber auch die Südgrenze Tanfuns, und dort erhalten wir Hilfe«, erklärte Laisa und befahl, ihre drei Gefangenen gut einzusperren. Sie selbst ging nach draußen und schaute zu, wie die Goisen im Schein der Fackeln ihre Schiffe fertig machten und ablegten.
An der Palisade und dem Tor nach Tenelian tat sich scheinbar nichts. Laisa spürte jedoch die Panik, die unter den Grünen dahinter ausgebrochen war, und nickte zufrieden. Je mehr Angst ihre Feinde vor ihr hatten, umso wahrscheinlicher erschien es ihr, dass sie ihre Gefangenen ungehindert zu Khaton bringen konnte. Es gab sogar einen weiteren Grund dafür. Wer auch immer hinter dieser Aktion steckte, würde annehmen, dass die drei Meuchelmörder Selbstmord begangen hatten – und Tote konnten nichts verraten.
Als der Morgen anbrach, blieb alles ruhig. Am liebsten wäre Laisa doch einmal über die Palisade geklettert, um sich in Tenelian umzusehen. Sie spürte jedoch eine Unmenge an Artefakten, die drüben aktiviert worden waren, und begriff, dass sie an dieser Stelle niemals unbemerkt in das Land eindringen konnte. Noch war Tenelian ein zu harter Brocken für sie. Aber sie schwor sich, später einmal zurückzukehren und in diesem Land aufzuräumen. Zunächst jedoch galt es, ihre drei Gefangenen heil zu Khaton zu bringen.
Gegen Mittag trat der Schiffer, den sie für diese Fahrt angeheuert hatte, auf sie zu. »Verzeiht, Dame Laisa, aber wir würden gerne abfahren. Solange diese drei Kerle hier sind, könnten die Tenelianer versuchen, sich Gewissheit über deren Schicksal zu verschaffen.«
»Was ist mit der Fährstation? Ist die nicht gefährdet?«, fragte Laisa.
Der Goisen schüttelte den Kopf. »Wenn Tenelian nachweisbar die alten Verträge bricht, hat es Krieg mit allen Reichen dieser Weltgegend am Hals, einschließlich uns Goisen. König Tenealras weiß das genau. Daher wird er die Fährstation nicht angreifen lassen. Eher befürchte ich einen Angriff auf uns.«
Nach kurzem Überlegen nickte Laisa. »Brechen wir auf! Lass die Gefangenen auf dein Schiff bringen, aber so, dass die da drüben nichts mitbekommen.«
Jetzt trat ein breites Grinsen auf das Gesicht des Schiffers. »Das ist bereits geschehen, Dame Laisa. Auch Euer Gepäck und die Pferde befinden sich bereits auf meiner ›Medhil‹. Nur Ihr und Eure Gefährten müssen noch einsteigen.«
Laisa sah, dass Borlon und Ysobel dazu nickten, und wandte sich an die Wirtin. »Können wir dich und deine Leute wirklich allein lassen?«
»Und ob Ihr das könnt! Für das Gesindel da drüben reicht mein Besen!«, antwortete die Frau mit einem zornigen Blick auf das Palisadentor. »Das gestrige Schurkenstück wird sich herumsprechen, und dann haben die Tenelianer genug damit zu tun, den Unmut der Priesterschaft in Edessin Dareh und den Zorn der Reiche am Strom zu besänftigen.«
»So ist es!«, stimmte der Kapitän der Goisin zu.
Nun hielt Laisa nichts mehr an diesem Ort. Sie winkte ihren Begleitern und ging hinunter zur Anlegestelle. Unterwegs hatte sie das Gefühl, beobachtet zu werden, und wandte sich mit gebleckten Zähnen um. Sofort erlosch ein Artefakt, das sie hinter der Palisade spürte, und ein Mann, der herübergeschaut hatte, verschwand schnell wie der Blitz.
Laisa sagte sich, dass man sie in Tenelian zu fürchten begann, und grinste zufrieden. Aber sie war sich bewusst, dass sie in Zukunft noch vorsichtiger sein musste, denn von nun an würde man sie nicht mehr unterschätzen.
Mit diesen Gedanken stieg sie an Bord des kleinen goisischen Handelsseglers und setzte sich vorne an den Bug. Rongi sauste den Mast hoch, um zu zeigen, wie schnell und flink er war. Oben angekommen suchte er mit seinen Fußkrallen Halt und spähte umher.
Laisa spürte seine Unruhe und die Urangst eines Blauen vor der Feindfarbe Grün. Offensichtlich war der Katling froh, dass das Schiff ablegte und auf den Strom hinaussteuerte. Da sie es nicht riskieren konnten, die tenelianischen Treidelpfade zu benutzen, zogen die Matrosen das große Segel auf und hofften auf guten Wind. Zunächst blies er nur schwach, frischte aber gegen Abend aus der gewünschten Richtung auf, und so kamen sie gut voran. Laisa ließ während der Fahrt das tenelianische Ufer nicht aus den Augen. Doch außer dem gelegentlichen Aufblitzen einiger schwacher Artefakte bemerkte sie nichts.
Zufrieden damit, den letzten Anschlag so leicht überstanden zu haben, dachte sie über ihre Situation nach und erinnerte sich dabei an ihre Jugendzeit in Groms Dorf. Dort hatte sie vieles von dem gelernt, was sie hier brauchen konnte, nur eines nicht, nämlich mit Magie umzugehen. Sie bedauerte es, denn es wäre wichtig für sie, mehr darüber zu wissen. So aber tappte sie zu oft im Dunkeln, und das konnte sich irgendwann verhängnisvoll für sie auswirken.
Bei dem Gedanken fauchte sie kurz und erschreckte damit Ysobel, die sich in ihrer Nähe auf die Bordwand gesetzt hatte und auf den Strom hinausschaute.
»Gibt es etwas?«, fragte die Tivenga.
»Nicht das Geringste. Die Tenelianer scheinen brav zu Hause zu bleiben.«
»Eher warten sie darauf, dass wir den Bärenfluss erreichen«, prophezeite Ysobel düster.
»Wenn sie uns angreifen, werden sie es bereuen!« Laisa fauchte erneut und sagte sich dann, dass diese aufgeblasenen Grünlinge es nicht wert waren, ihretwegen schlechte Laune zu haben. Daher richtete sie ihre Gedanken auf Khaton. Für das, was sie nun für ihn getan hatte, war der weiße Evari ihr eine hübsche Belohnung schuldig. Kurz erinnerte sie sich, dass sie in ihren Satteltaschen mittlerweile genügend Gold und Juwelen mitführte, um sich eine größere Baronie oder gar eine Grafschaft kaufen zu können. Aber warum sollte sie umsonst für den Evari arbeiten? Das sah sie nicht ein.
Die Einmündung des Bärenflusses kam in Sicht und damit auch die Stelle, an der sie den Toisserech verlassen würden. Den Matrosen war nicht gerade wohl dabei, dass sie in den Fluss hineinsteuern mussten, und sie starrten furchterfüllt auf das südliche Ufer. Nur Laisa blickte nach Norden auf den grün leuchtenden Wald, der, wie sie mittlerweile wusste, in früheren Zeiten ein Stützpunkt der Eirun gewesen war, und schnaufte im nächsten Augenblick überrascht.
Ein Mann stand am Ufer und winkte ihnen, zu ihm zu kommen. Obwohl er das schlichte Gewand eines Heilers trug, erkannte Laisa Khaton, und ihr fielen einige Felsbrocken vom Herzen.
»Kapitän, leg am Nordufer an«, rief sie dem Schiffer zu. Dieser starrte sie verwundert an, gehorchte aber.
Kurz darauf betrat Khaton das kleine Schiff und sah Laisa prüfend an. »Du siehst aus, als hättest du in letzter Zeit so einiges erlebt!«
»Das kannst du laut sagen, großer Magier«, antwortete Laisa bissig.
Khaton fasste sie bei der Schulter. »Wie steht es drüben? Es heißt, T’wool habe das Königreich Vanaraan besetzt und seine Macht bis an den Strom ausgedehnt. Plant König Arendhar, nach Westen zu kommen und sich für den Angriff der Grünen auf den roten Süden zu rächen?«
Die Frage kam so unerwartet, dass Laisa zunächst nicht wusste, wie sie darauf antworten sollte. Dann aber schüttelte sie den Kopf. »Natürlich will er das nicht! Arendhar wollte mit diesem Schritt nur verhindern, dass sich das Freistadt-Unwesen am Strom weiter ausbreitet. Er hat genug Sorgen auf seiner eigenen Seite, um an einen Krieg gegen den Westen denken zu können.«
»Stimmt das auch?«
Laisa hatte Khaton noch nie so nervös gesehen. »Was ist denn los?«
»Die Nachricht vom Einmarsch T’wools in Vanaraan hat sich in Windeseile in den Dämmerlanden verbreitet, und die Menschen hier am goldenen Ufer glauben, er hätte es getan, um die hiesigen Reiche angreifen zu können. Es erleichtert mich, dass dies nicht der Fall ist. Aber das sollten wir nicht verbreiten.«
Khaton zwinkerte Laisa verschwörerisch zu, bevor er weitersprach. »Jetzt, da die Menschen Angst haben, bin ich wieder der hohe Herr Khaton und der großmächtige Evari, und man bittet mich um Schutz und Rat. Sobald die Herrscher im Westen jedoch merken, dass ihnen keine Gefahr droht, werden sie mich wieder einen Popanz und Versager nennen.«
»Es droht Gefahr, aber anders, als diese Herrschaften glauben«, sagte Laisa und berichtete Khaton, was an der Fährstation passiert war.
Der Evari hörte ihr zu, ohne sie auch nur einmal zu unterbrechen, und als sie endete, strich er nachdenklich über seinen Bart. »Der Verrat reicht also noch tiefer, als ich es befürchtet habe. Wir werden ein Auge auf Tenelian halten müssen. Vorher aber will ich deine Gefangenen verhören. Das soll jedoch nicht hier, sondern in meinem Turm geschehen. Ich werde zusehen, dass wir rasch dorthin kommen!« Khaton machte ein paar Gesten mit der Hand und murmelte mehrere Zauberformeln.
Sofort sah Laisa, wie sich die Geschwindigkeit des Schiffes mehr als verfünffachte und es förmlich über das Wasser schoss.
»Bei Gamindhon werden wir diesen Kahn verlassen und uns in meinen Turm versetzen. Bis dorthin reicht es, wenn wir für Verfolger zu schnell und vor allem unsichtbar sind«, erklärte Khaton ihr.
»Ich will dabei sein, wenn du diese Kerle verhörst«, forderte Laisa und brachte den Evari damit zum Lachen.
»Natürlich wirst du dabei sein! Ich glaube, dass dein Anblick sie mehr erschrecken dürfte als der meine. Doch jetzt erzähle mir, was drüben geschehen ist. Konntest du die Prinzessin aus Urdil unbeschadet nach T’wool bringen?«
Erulim stand auf dem höchsten Turm von Tenelianrah und starrte mit zusammengekniffenen Augen nach Norden. Der Bärenfluss war zwar mehr als einen Tagesmarsch entfernt, doch die Artefakte, die er in Ufernähe hatte anbringen lassen, ließen ihn die ganze Breite des Flusses so deutlich erkennen, als würde er selbst dort stehen. Doch das, was er suchte, entdeckte er nicht. Das Schiff, mit dem diese elende Katzenfrau den Fluss hochfuhr, war wie vom Erdboden – oder in diesem Fall wie von der Wasseroberfläche – verschwunden. Dabei hatte er nach dem Misslingen des Anschlags auf die Fährstation alles für einen harten, entscheidenden Schlag vorbereitet. Der aber musste nun unterbleiben.
Mit einer wuterfüllten Geste wandte er sich dem Mann zu, der in ehrfürchtiger Haltung vor ihm kniete. »Wie konnte die Katze entkommen?«
»Ich weiß es nicht, mein Ahne. Die Falle war gut vorbereitet, doch die blaue Dämonin Ilyna muss dieses Wesen davor gewarnt haben«, antwortete der Mann verzweifelt.
»Solche Ammenmärchen kannst du kleinen Kindern erzählen, Enkel, aber nicht mir. Deine Männer haben versagt. Anders ist es nicht zu erklären.«
Tenealras, Priesterkönig von Tenelian, wand sich unter diesen harten Worten wie ein Wurm. »Ich habe meine besten Männer geschickt, Gewaltiger, und sie den fähigsten Erwählten unterstellt. Es hätte nichts schiefgehen dürfen.«
Erulim blickte auf den Mann herab, der wie einige andere von einer seiner Töchter innerhalb eines sorgfältigen Zuchtprogramms geboren worden war, und begriff, dass Tenealras alles getan hatte, was in seiner Macht stand, um die Katzenfrau und ihr Gefolge zu fangen. Und dennoch war es misslungen! Sein Zorn forderte ein Opfer, doch er wusste genau, dass er ihn nicht an Tenealras auslassen durfte. Tenelian war seine mächtigste Bastion auf dieser Seite des Großen Stromes und musste es bleiben. Seine Gedanken wanderten zu der Katzenfrau, die seine Aktionen schon mehrfach gestört hatte, und sein Optimismus schwand.
Er hatte T’wool destabilisieren und dem schwarzen Evari Tharon damit seines stärksten Rückhalts berauben wollen. Doch mittlerweile herrschte Arendhar IV. unangefochtener als je zuvor und hatte seinen Einfluss bis ans Ostufer des Toisserech ausgedehnt. Auch Thilion war ihm durch Laisas Schuld entglitten.
»Laisa!« Erulims Stimme bebte vor Hass.
