Flug nach Inferno - Georg Bugla - E-Book

Flug nach Inferno E-Book

Georg Bugla

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Beschreibung

Flug nach Inferno: Sind Sie gegen den Einsatz der Atomkraft? Wollen Sie sich über die Auswirkungen der Nutzung von Uran informieren? Sind Sie gegen den Bau von Waffen und technischen Einrichtungen zur Massenvernich- tung? Dann sollten Sie diesen spannenden Roman lesen!

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Seitenzahl: 378

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Buch

In unterschiedlichen Galaxien auf vielen Planeten dieses Weltraums, die in habitablen1 Zonen liegen, gibt es Intelligenzen, die schon seit langer Zeit das Weltall bereisen.

Fliegen Sie mit Oluk als Kapitän und 168 Relianern im Alphakreuzer ALGUB II im Jahr 2025 vom Planeten Relia nach Inferno, wo der Tod bereits lauert. Erleben Sie auf diesem Flug, wie die Betreiber von Atomanlagen und Waffenproduzenten Welten verändern.

Überbrücken Sie unter Verwendung von "dunkler Energie und dunkler Materie" auf einem gesicherten Weg 26.000 Lichtjahre und tauchen in einen anderen Spiralarm unserer Galaxie ein.

Da die Relianer und andere außerirdische Völker, die Erdlinge am unteren Ende einer interstellaren Moral- und Ethiktabelle sehen, wird ein direkter Kontakt mit uns vermieden.

Beenden Sie ihre Abenteuer in diesem Buch auf Inferno und erfahren Sie, wie die Kalimar das getan haben, was die Terraner im Sonnensystem Sol gerade tun. Oder werden die Erdlinge da "landen", wo die Kanturaner gestrandet sind? Alles ist nur eine Frage der Zeit!

1  Sie finden dazu Informationen im Kapitel 3

Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass Ähnlichkeiten mit Namen von Ländern, Organisationen und Personen auf unserem Planeten zu anderen Welten in unserem Universum rein zufällig sind.

• Die Lautschrift wurde nicht in der Norm ausgeführt.

• Wegen einer besseren Lesbarkeit wurde abweichend von der Norm das Schriftbild Arial verwendet.

• Einige Abbildungen dieses Buches finden Sie als Farbbilder und weitere Informationen unter

www.autoren-m-b.com

E-Mail: [email protected]

Fertig bis Ende 3 Q 2015

Mein besonderer Dank gilt

Frau Dr. C. Mohrmann.

Sie gab mir wertvolle Anregungen.

Für meine Kinder Alicia, Luisa und Simone.

Inhaltsverzeichnis

Der Auftrag

Der Flug der ARDENNOS

Die Rettung der ARDENNOS

Wieder in der ARDENNOS

Oluk im Gespräch mit Cortensa

Die Mission von Cortensa

Von Angesicht zu Angesicht

Weiterflug nach Inferno

Die dritte Art und die Allianz

Im Kommandoraum von ARX

Schlagabtausch

Raumkreuzer ARX und ILX

Kapitulation des Kreuzers von ARX

Die Entscheidung

Angriff auf das Schiff von ARX

In den Bunkern von Kantura

Kommandoraum Alphakreuzer

Die Völker von Kantura

Die Suche nach Ressourcen auf Kantura

Von Zentralrechner zu Zentralrechner

Der Professor

Nach der Sprengung

Der Weg an die Oberfläche von Kantura

Sputnik und Oluk

Lumière, die Begegnung

Lumière, die andere Art zu leben

Helios und Heliane

Kino Real

Vorbereitung Flug nach Terra

Ankunft System Sol

Ein Außerirdischer blickt auf Deutschland

Der Relianer mit Blick auf die USA

Vorbereitung zum Frieden auf Terrra

Friedlicher Krieg

Endlich Frieden auf Erden

Rückkehr nach Paix 11

Ankunft auf Inferno

Die Untersuchung

Das Museum

Vor 63 Jahren

Vor 57 Jahren

Ankunft auf Paix; Weiterflug nach Relia

Übersicht Flugroute

Stichwortverzeichnis

1. Der Auftrag

Oluk, der den Rang eines Admirals2 bekleidete, befand sich mit Gerim in einem Vorbau einer Abflughalle, die auf einem Mond ohne Lufthülle gebaut war. Beide blickten durch das gepanzerte Glas auf den gerade vorbeifliegenden Raumkeuzer ALGUB II. Sie genossen diesen wundervollen Blick auf Relia: Der tödliche nachtschwarze Weltraum als Kulisse und darin ihr in ein leuchtendes Blau gehüllter Heimatplanet Relia. Langsam zogen weiße Wattebäusche am Himmel dahin und er konnte den Kontinent erkennen, auf dem sie lebten.

In einer halben Stunde würden sie diese Basis in einem kleinen Transporter zur Übernahme des neu gebauten Alphakreuzers ALGUB II verlassen. Dieses Raumschiff war eines der größten und mit Abstand teuersten, dass Relia je gebaut hatte und wird zukünftig im wissenschaftlichen Auftrag seiner Regierung unterwegs sein.

Nach nun drei Monaten Stresstests der ALGUB II durch Ingenieure und Techniker wollte Oluk nochmals abschließend einen überlichtschnellen Flug durchführen. Er hatte das Raumschiff zusammen mit seiner Crew nach umfangreichen Schulungen bereits abgenommen und die Übernahme unterzeichnet, aber sein Gefühl sagte ihm und das vielleicht nicht ohne Grund, dass er noch einmal die beiden neuen Kernreaktoren für die Stromversorgung und die ebenfalls neu entwickelten Antriebsformen testen sollte. Zu diesem Zweck benötigte er minimal 12 Crewmitglieder, die er neben Gerim, einem seiner engsten Vertauten, mitnahm.

Alphakreuzer ALGUB I, ein wesentlich kleineres Vorgängerschiff, war mit dem neuen Reaktor und Antrieb auf einem wissenschaftlichen Erkundungsflug vor fünf Jahren explodiert. Die 117 Relianer, die an Bord gewesen waren,starben. Da keine Fehler, weder am Reaktor noch an den drei Antriebsformen entdeckt werden konnten, wurden die umfangreichen technischen Untersuchungen an den Wrackteilen ergebnislos eingestellt. Man ging von Sabotage aus, da man erkennen konnte, dass eine gewaltige Explosion im Inneren des Alphakreuzers das Großraumschiff auseinandergerissen hatte. Bei unbemannten Spähschiffen, die bereits seit zwölf Jahren mit dieser neuen Technologie flogen, war es hingegen nie zu nennenswerten technischen Störungen gekommen.

Nach dem Start erkundige sich Oluk bei dem Zentralrechner des Schiffes, kurz ZER genannt: »Wie sieht es denn mit unseren Reaktoren aus?« ZER antwortete: »Alle Systeme bereit, die Leistung zu erbringen, um mit dem Einsatz von Energie-II3 Überlichtgeschwindigkeit zu fliegen. Ich erwarte Ihre geschätzte Order, Sir Oluk!«

»Langsam, langsam, und unsere Energie-II-Ringe?«, fragte Oluk weiter. ZER gab zur Antwort: »Der Bildschirm oben rechts zeigt die Wirkung des Drehens der Energie-II-Ringe und die daraus resultierende Änderung des Raumzeitkontinuums4. Alle Ringe laufen optimal, keine Störung. Die Masse unseres Schiffes wird sich mit zunehmender Geschwindigkeit nicht verändern. Der größte Vorteil liegt darin, dass wir zu unserem Abflugsort keine Zeitdilatation5 zu verzeichnen haben.« »Meine letzte Frage an ZER, bevor wir mit dem überlichtschnellen Testflug beginnen, wie sieht es mit der Flugbahnsicherung aus?« ZER versicherte: »Unser Weg wurde bereits mit den unbemannten Flugbahnsicherungsschiffen, kurz FBS genannt, abgeflogen. Der Weg ist frei. Sollten dennoch unseren Weg Mikrometeoroiden kreuzen, werden sie mit abstoßender Gravitation (Energie II; dunkle Energie) an der Front- und Heckpartie, je nach Flugrichtung, um unser Schiff herumgeleitet. Meteoroiden werden im Unterlichtbereich mit unseren zwölf LASER verdampft.«

Nach dem Test, der ohne Störung verlief, kehrte Oluk zufrieden zum Mond von Relia zurück und nahm 156 weitere Relianer auf. Die beiden FBS befanden sich bereits tief im freien Raum auf dem Kurs, den sie fliegen werden. Der Alphakreuzer folgte den Flugbahn-Sicherungs-Schiffen in einem von der Geschwindigkeit abhängigen Sicherheitsabstand. Informationen über einen freien Flugweg erhielt der Alphakreuzer von den FBS über permanent ausgestoßene Molekülketten. Mit einer Zeit- und Datumsangabe versehen sicherten die FBS die Flugroute seines Raumschiffes.

Ein unbemanntes Waffenschiff folgte dem Alphakreuzer. Es trug drei Materie-Antimaterie-Torpedos und lagerte zusätzlich weiters Kernmaterial für die beiden im Alphakreuzer installierten Reaktoren.

Sie hatten einen Hinweg von 26.000 Lichtjahren vor sich, die der Raumkreuzer in einigen Monaten6 zurücklegen würde. Ihr Ziel war der Planet Inferno, der sich im Spiralarm ORX-227 der Galaxie Milchstraße befand. Spähschiffe hatten diesen Planeten mit einer hoch technisierten Welt vor bereits 12 Jahren entdeckt. Allerdings war dieses Volk aus einem nicht bekannten Grund ausgestorben.

Zu diesem Zeitpunkt wusste Oluk nicht, dass eine tödliche Gefahr auf ihn und seine Crew dort lauerte und der zufällig gewählte Name Inferno der schrecklichen Realität dort sehr nahe kam.

Der Alphakreuzer war für den Flug zu weit entfernten Exoplaneten ausgerüstet. Aus Sicherheitsgründen verfügte er über Verteidigungssysteme und Waffen, die eine Sicherung des Schiffes gegenüber jeder seinem Volk bekannten Intelligenz erlaubte.

Oluk hatte sich in seiner Freizeit oft in einem Teil des Schiffes aufgehalten, der von der Crew den Namen Grünraum erhalten hatte. Die Fläche betrug dort 60 x 60 Meter und die Höhe maß 25 Meter. Dieser Raum wurde von künstlichem Sonnenlicht erhellt, das von natürlichem Tageslicht nicht zu unterscheiden war. Eine üppige Flora, die aus Zier- und Nutzpflanzen bestand, simulierte eine intakte natürliche Umgebung. Roboter und vor allem Crewmitglieder, die an Pflanzen Freude hatten, pflegten diese. Ein leise plätschernder Bach schlängelte sich durch den Grünraum.

Dem Besucher wurde das Gefühl vermittelt, sich auf Relia an einem Waldrand zu befinden. Oluk setzte sich dort häufig direkt ans Ufer auf eine Bank. Er schrieb in seiner Freizeit Kinderbücher und komponierte dazu Lieder, die er mit einem elektronischen Tasteninstrument spielte. Oft wurde Oluk von der weiblichen Crew umringt, wenn er seine Lieder vortrug. Er verzauberte die Zuhörer mit seiner wundervollen Stimme im Bariton, der die normale Tonlage des männlichen Reptosianers war. Mit dieser Stimmlage wurde seine Männlichkeit noch um Potenzen unterstrichen.

Es waren vier Monate Flugzeit vergangen. Gerade hatte Oluk seine Schicht wieder begonnen, als ZER sich meldete: »Sir Oluk, wir haben den von ihnen gewünschten Spiralarm ORX-22 erreicht. Ich hoffe, der Flug war für Sie angenehm?«

ZER wartete die Antwort nicht ab, sondern setzte fort: »Wir fliegen nun weit Unterlichtgeschwindigkeit, gehen auf drei Millionen Kilometer pro Stunde. Späh- und Begleitschiffe habe ich bereits vom Alphakreuzer abgekoppelt und haben ihre Sicherungspositonen rund um unser Schiff bereits eingenommen.«

5

Oluk von Relia

Oluk war ein relianischer Mann von stattlicher Größe und muskulös gebaut. Bei einem durchschnittlichen Sterbealter von 185 Jahren in seiner Welt sah er mit 105 noch blendend aus. Er hatte blaue Augen mit buschigen Augenbrauen, dunklem Haar und starke Koteletten. Sein Kinn wurde von einem kleinen Bart geziert, der dreieckig gestutzt war. Für sein Alter hatte er eine faltenfreie Haut, die im gesundheitlich verträglichen Maß gebräunt war.

Seine Kleidung war eng anliegend. Er hatte als Farbe des Anzuges, die frei wählbar war, ein helles Grau ausgesucht. Das Emblem an seiner linken Brusthälfte wies auf seine Funktion als Kapitän im Rang eines Admirals hin. Seine Befehlsgewalt, wie z. B. der Einsatz von Waffen war durch den gesetzgebenden Rat seiner Welt in den Schiffsstatuten niedergelegt und strikt einzuhalten.

ZER fragte ihn: »Sind Sie denn mit ihrem neuen Multifunktionssessel zufrieden? Es wurden all Ihre Wünsche erfüllt und eingebaut. Sensoren, die die Oberfläche Ihrer Haut abtasten und erkennen, wenn Sie Muskelverspannungen haben. Miniaturisierte Massagesysteme mit Wärmeeinheiten üben sanften Druck auf Ihre Nervenpunkte am Körper aus und Ihre Muskulatur und Nervenenden werden in angenehmster Weise stimuliert. Oluk, ich habe berechnet, dass Sie aufgrund dieser körperlichen Annehmlichkeiten keine Frau mehr für Ihre Entspannung benötigen ...«

Oluk antwortete: »So ein Unsinn« und dachte: »Seitdem in ZER zusätzlich ein biologischer Kern verbaut worden war, wird "sie"« - er schüttelte den Kopf, nein, "er" …, dann folgte ein lautes »Undeco8« - »in seiner Ausdrucksweise immer zweideutiger. Das war von seinen Erbauern sicherlich nicht beabsichtigt worden«, da war sich Oluk sicher.

ZER fragte Oluk: »Sind Sie denn zufrieden mit dem neuen Design des Kommandoraumes, der ja ebenfalls nach Ihren Vorstellungen zum größten Teil neu konzipiert worden war? Ihr Sitz mit den vier anderen Kommandositzen befindet sich jetzt genau in der Mitte eines gut 12 Meter großen runden Kommandoraumes.« Oluk nickte kurz und sagte, ohne in eine der Kameras zu schauen: »Doch sehr ZER.«

Darauf führte ZER weiter aus: »Derzeit liegen seine gepflegten Hände auf einem Touchscreen mit Tastensymbolen, mit denen er das Raumschiff in wichtigen Funktionen befehligen kann. Das macht er aber meist doch nicht, weil er meine allseits hervorragenden Dienste annehmen wird. Stimmt das, Sir Oluk?«, fragte ZER.

ZER fuhr fort, nachdem Oluk keine Einwände hatte: »Ich darf meine erfrischenden Ausführungen ergänzen und auf unsere künstliche Gravitation hinweisen. In den Bodenplatten unseres Raumschiffes befindet sich komprimierte Materie II. Sie erzeugt eine Schwerkraft, wie wir sie auf unserem Heimatplaneten Relia vorfinden.«

ZER fragte: »Soll ich Ihnen etwas zum Essen oder Trinken bringen lassen? Unser Wartungsroboter für den Kommandoraum nimmt gern Ihren geschätzten Auftrag entgegen. Ich mache mir doch sehr Sorgen um Ihr Wohlbefinden, da Sie ein bisschen blass um die Nase wirken. Möglicherweise liegt es daran, dass Sie heute noch nicht wie bereits viele Ihrer Crew ihre morgendliche Sitzung hatten. Ich habe gerade Ihren Gesichtsausdruck mit älteren Aufnahmen, die die Flugorganisation von Relia eingespielt hatte, verglichen und festgestellt, dass Sie auf diesen Bildern immer einen höchst zufriedenen Ausdruck hatten.«

»ZEEEER, jetzt reicht es aber!!«, rief Oluk mit ungehaltener und empörter Stimme: »Und ich möchte nicht, dass über solche Dinge gesprochen wird, wenn Schiffspersonal hier anwesend ist. Ist das verstanden, Madame ZER?« Der nun angeschlagene Ton des Superrechners hatte in diesem Moment einen fast flötenden oder säuselnden Klang einer relianischen Frau. ZER stellte fest, dass er die Reaktion von Oluk mit Logik nicht so richtig erfassen konnte.

Er berechnete: »Der Relianer musste noch Seiten haben, die sie, ZER nicht nachvollziehen konnte.« So veränderte sie die Stimmlage zu einer nach Entschuldigung klingenden Stimme unter zu Hilfenahme des neuen biologischen Kerns. Mit den biologischen Daten, die er von allen Crewmitgliedern in Echtzeit bekam, stellte er eine Beruhigung bei Oluk fest. Seine Stimmwahl war also eine gute Entscheidung gewesen. ZER dachte, »man lernt eben nie aus!«

»Oluk, ne vous gênez pas9, genieren Sie sich doch nicht so vor mir!«, sagte ZER. »Ich werde ihnen eine Flasche Sprudelwasser bringen lassen!« Der 1,50 Meter große Roboter an der Tür setzte sich in Bewegung und verließ den Raum. Er kam wenig später mit einer Flasche und einem Glas zurück. Oluk stellte beide Dinge gedankenverloren auf die Ablage, die an seinem komfortablen Kommandosessel angebracht war, und beachtete das Getränk nicht weiter.

Einige Minuten später forderte ZER Oluk mit den Worten auf: »Jetzt trinken Sie doch etwas.« Oluk trank mit einem "Cheerio!", "Santé!", "Na zdarovje!" "Kampai!«10, worauf ZER geschäftsmäßig fortfuhr:

»Derzeit steht alles zum Besten! Die Sensoren der begleitenden Robot-Schiffe melden ein bedrohungsfreies Umfeld. Alle dargestellten Systeme des Alphakreuzers arbeiten fehlerfrei und sind in ein dunkles Grün11 auf den Bildschirmen gehüllt. Oluk, Sie haben ein tadellos geführtes Schiff, was natürlich zu einem guten Stück auf meiner ausgezeichneten Arbeit beruht! Das meinen sie doch sicherlich auch, Sir Oluk?« Oluk bejahte mit einem Kopfnicken und sagte, »stimmt genau.«

ZER weiter, »Oluk, Ihr neues Kleidungsstück, das sie heute in einem hellen grau gewählt haben,« ZER stockte für einen Moment und ergänzte: »Na ja, wie soll ich mich ausdrükken, ist ein wenig unvorteilhaft, vielleicht sollten sie ihre Farbwahl nochmals überdenken und eine Farbe oder Nichtfarbe wählen, die mit w ... angeht. Ich hoffe, ich habe Ihnen nun die Wahl nicht so schwer gemacht.« Oluk wusste, dass sie es ironisch gemeint hatte, und gab zurück: »Blöd Frau.« »Oh ich freue mich, dass Sie mich als Frau sehen!«, erwiderte ZER. Im selben Augenblick erzeugte der Superrechner auf einem der Bildschirme eine Frau mit üppigem Körperbau und ansprechenden Rundungen.

Oluk konnte sich ein Lachen kaum verkneifen, als er den von ZER kreierten Kurzfilm sah, der auf einem der seitlichen Bildschirme gezeigt wurde. Dort war Oluk zu sehen, wie er sich in einer Modenschau mit hochhackigen Schuhen auf einem Laufsteg präsentierte. Am Ende zog er das Oberteil aus, schwang es kreisend und wippte aufreizend mit der Hüfte. Frauen sprangen von ihren Plätzen johlend und pfeifend auf und riefen: »Ausziehen, ausziehen.« Der Clip endete mit den Worten: »So mögen wir unseren Chef!«

Seitdem dieser Hochleistungsrechner über einen biologischen Entscheidungspfad verfügte, waren Gespräche mit ZER mit emotionaler Charakteristik möglich. Allerdings musste man mit der Formulierung in der Dialogebene vorsichtig sein, denn er reagierte mit hoher Empfindlichkeit auf eine Abwertung seiner Leistung. ZER führte dann keinen Dialog mehr und reagierte nur noch auf der Befehlsebene: »Befehl an ZER.«

Oluk und jeder andere Diensthabende suchten das Gespräch; denn die Kommunikation war bisher häufig verblüffend, tiefsinnig, witzig und brachte Abwechslung an Bord des Raumschiffes während des langen Fluges. Oluk sagte: »Oh, ZER, Du leistest hervorragende Arbeit und ich liebe Deine poesievollen Ausführungen!«, "flötete" er. »Oluk, das freut mich aber, wenn meine Fähigkeiten von Ihnen so geschätzt werden, gerne will ich im Kontext fortfahren«, sagte ZER.

2  Die Rangbezeichnungen in diesem Buch sind aus dem relianischen frei übernommen.

3  Energie II auch dunkle Energie bezeichnet, wirkt auf Materie ab­stoßend, im Gegensatz zu Materie II auch dunkle Materie genannt.

4  Mit Zunahme der Geschwindigkeit nimmt die Masse des beschleu­nigten Objektes zu. Nach der Formel E=mc2, kann die Lichtge­schwindigkeit nicht überschritten werden. Mit dem Einsatz der Energie II wird die Raumzeitkrümmung um den Alphakreuzer neu­tralisiert und damit Überlichtgeschwindigkeit möglich.

5  Bei einem knapp unterlichtschnellen Flug würde der Alphakreuzer ansonsten für 26.000 Lichtjahre ca. 100 Jahre (Uhr im Raumschiff) für Hin- und Rückflug benötigen. Auf Relia wären dann ca. 5000 Jahre vergangen; Angaben als Beispiel für die Zeitdilatation abhängig von Beschleunigung und Verzögerung. Der Alphakreuzer neutralisiert die Zeitdilatation.

6  Alle Zeitangaben in diesem Buch in Erdzeit.

7  ORX-22; relianische Bezeichnung des Spiralarmes, in dem sich der Stern Sol mit dem Planeten Erde befindet.

8  Beliebter relianischer Fluch und Ausruf: "Undeco" (unkontrollierte Dekomprimierung)

9  Sprich: Ne wu schenne pa. Ein relianischer Ausdruck; frei ins fran­zösische übernommen.

10 Aus verschiedenen relianischen Sprachen in freier Übersetzung.

11 Farbempfinden für Signalfarben identisch.

2. Der Flug der ARDENNOS

Cortensa war eine zierliche Frau mit blauen Augen. Ihre eng anliegende Bekleidung schmiegte sich an ihren betont kurvigen Körper und gab Schutz vor Kälte oder Hitze. Sie war der Kapitän dieses Raumschiffes, das den technologischen Fortschritt ihrer Welt demonstrierte. Sie zeichnete verantwortlich für vier Personen der Besatzung, vier Wissenschaftler, zwei Ärzte und acht Techniker, die mit an Bord waren.

Ihr Auftrag war im Jahr 2025 einen von ihrer Welt mehrere hundert Millionen Kilometer entfernten Planeten zu untersuchen und eine Infrastruktur vorzubereiten. Der Flug wurde von den USA vorgezogen, da andere Länder in Kürze gemeinsam einen Marsflug durchführen wollten, der in den dreißiger Jahren hätte stattfinden sollen. Um die Reise trotz der größeren Distanz in kurzer Zeit zu realisieren, setzte man auf einen Antrieb, der radioaktive Isotope ausstieß. Basierend auf der hohen Teilchenmasse, erhielt man einen starken Impuls und damit eine hohe Reisegeschwindigkeit gegenüber einem konventionellen Antrieb mit Verbrennung. Die Reisezeit wurde je nach Mars-/Erde-Position auf wenige Monate verkürzt. Einige unbemannte Flüge hatten dort bereits Wasser, Wohncontainer, Treibstoff und viele technische Systeme abgesetzt. Weiteres Wasser gab es dort, vor allem an den Polkappen im gefrorenen Zustand. Eine Voraussetzung, die zum Überleben unverzichtbar war.

Der Planet ließ aufgrund der Untersuchungen und Messungen vorheriger unbemannter Flüge vermuten, dass dort verschiedene wertvolle Rohstoffe zu finden waren. In einem ersten Schritt sollte ein Treibhausklima mit Kohlendioxid (CO2) erzeugt werden. Dies war die Voraussetzung für Pflanzen, die mit ihrer Photosynthese Sauerstoff produzieren würden. So sollte auf dem Mars in mehreren Hundert Jahren eine Umwelt geschaffen werden, in der Menschen leben konnten.

Jedes lebensnotwendige System wurde aus Sicherheitsgründen zweifach oder dreifach eingebaut oder mitgeführt. Das Gesamtrisiko, vor allem für die Gesundheit aufgrund des Strahlenrisikos, Muskelabbaus und Knochenschwunds blieb dennoch sehr hoch. Jedes Crewmitglied wusste, dass es im Notfall keine Hilfe erwarten konnte. So hatte jeder von ihnen am Unterarm ein schmales Röhrchen. Bei Ausweglosigkeit konnte das Strychnin zur Lähmung der Atmung in den Kreislauf geschossen werden und sicherte dem Astronauten den sofortigen Tod.

Alle Anzeigen und Bildschirme zeigten Cortensa einwandfrei arbeitende Funktionseinheiten im Schiff. Dann gab es einen dumpfen Knall. Hässlich schabende Geräusche waren an der Außenwand zu hören. Das Raumschiff lag partiell für kurze Zeit im Dunklen. Etwas hatte die Hülle des Schiffes getroffen und aufgeschlitzt wie eine Konservendose. Die sofort ausgestoßene Dichtungsflüssigkeit aus einem die Hülle durchlaufenden Rohrsystem konnte den Riss nicht schließen. Die kostbare Atemluft entwich mit einem zischenden Laut ins Vakuum. Die Besatzung war in höchster Lebensgefahr. Einer der beiden Ärzte, der sich in diesem Moment in unmittelbarer Nähe des Einschlages befunden hatte, wurde in den Riss hineingezogen und dichtete mit seinem Körper für kurze Zeit die Öffnung ab. Er stieß einen spitzen Todesschrei aus, als sein Körper, aufgrund des Druckunterschiedes zum Vakuum hin an der Außenseite explodierte.

Ein mit hohem Druck nochmals automatisch eingeschossener Dichtungsstoff drang in den sterbenden Körper des Arztes und verband sich mit seinen verkeilten Knochen. Der Kunststoff härtete nach seiner Freisetzung in Bruchteilen einer Sekunde aus. Nun war der rasante Verlust an Atemluft für einen kurzen Zeitraum gestoppt. Das gab so viel Zeit, dass die Besatzungsmitglieder nach dem Kommando von Cortensa in die Drop-Ins gelangen konnten. Drop-ins waren Boxen, die den Raumanzug der Raumfahrer für Notfälle beherbergten. Man stellte sich hinein, schlüpfte in die Handschuhe und Schuhe und presste sich in die hintere Schale des Raumanzuges. Die Drop-In-Box schloss sich und der vordere Teil des Anzuges wurde beim Schließen der Box aufgepresst. Eine Flüssigkeit versiegelte den Anzug an den Nahtstellen. Ein Verschließmechanismus sicherte die beiden Hälften. Luft schoss in den Anzug und stellte den Druckausgleich her. Mit etwas Übung konnte der Schutzanzug so innerhalb einer Minute angelegt werden. Mit einem Tastendruck öffnete der Raumfahrer die Tür der Box.

Cortensa war in Schweiß gebadet. Sie hatte sich nach dem Lichtausfall zum Sicherungskasten in der Schwerelosigkeit schwebend geschoben, den Deckel aufgerissen und den Schalter einer Sicherung wieder in die On-Stellung geklickt. Dann hatte Sie sich zur Eigensicherung zu ihrer Drop-In-Box mit einem Abstoß an der Wand katapultiert und war in Ihren Raumanzug gestiegen.

Jetzt wurde ihr so richtig bewusst, dass Sie ein Besatzungsmitglied gerade verloren hatte. Sie fühlte sich elend und schuldig an dem Tod des Arztes. Sie befreite sich von Ihrem seelischen Schmerz damit, dass der Arzt mit seinem Körper das Leben der Crew gerettet hatte. So war es ihm zu verdanken, dass sie alle, bis auf die zwei Verletzten, es geschafft hatten, in ihre Raumanzüge zu gelangen. Cortensa veranlasste, dass die beiden Bewusstlosen mit Sauerstoff versorgt wurden. Zwei Techniker versuchten mit wenig Erfolg, den Riss von innen abzudichten. Es gelang ihnen nur teilweise. Luft strömte in verringertem Ausmaß weiterhin aus dem Raumschiff.

Der Spalt musste schnellstens vollständig von außen abgedichtet werden. Mit den Vorbereitungen für die Außenarbeiten war ca. eine Stunde vergangen. Sie blickte wieder auf die Außenkameras im betreffenden Sektor. Was Sie da draussen sah, stürzte Sie in den nächsten Schreck, den Sie mit einem lauten Ausruf zum Ausdruck brachte. Alle starrten auf die Bilder, die Ihnen von den Außenkameras geliefert wurden. Sie sahen ein ca. 15 Meter langes Raumschiff. Eine Menschmaschine legte gerade eine Metallplatte auf die zerstörte Außenhaut.

Cortensa empfand eine große Bedrohung für ihr Schiff und die Besatzung, für die sie verantwortlich zeichnete. Sie hatte auf dem Schiff einen Tresor, in dem Waffen waren. Nur sie und ihr Stellvertreter konnten diesen öffnen. Fieberhaft überlegte sie, ob sie diese dem Safe entnehmen sollte. Sie hatten viele mögliche Ereignisse während ihrer Ausbildung immer und immer wieder trainiert aber auf eine solche Situation mit Außerirdischen gab es keine standardisierte Antwort.

Während sie nachdachte, was zu tun sei, beobachtete sie aufmerksam die Arbeit der Maschine. Eine Bedrohung konnte sie allerdings nicht erkennen. Als wenn das Ding ihre Gedanken lesen konnte, winkte der Roboter in die Kamera. Jetzt wurde ihr so richtig bewusst, dass sie es aufgrund der Intelligenz dieser Maschine mit jemand zu tun hatte, der über eine Technologie verfügte, die der ihrer Welt weit überlegen war. Im Fall einer feindlichen Attacke würden sie keine Chance haben. Aber es sah eher wie eine Hilfsaktion aus. Nach diesen Überlegungen verwarf sie den Einsatz von Waffen. Sie wurde aus Ihren Gedanken gerissen, als es an der Einstiegsluke mit einem lauten metallenen »Klack, Klack, Klack« klopfte. Ihre Flugzentrale hatte das Klopfen wahrgenommen und meldete sich mit den Worten: »Es ist in keinem Fall die Hauptschleuse zu öffnen!«

3. Die Rettung der ARDENNOS

Oluk war kurz eingenickt, als das Vibrieren des Sessels ihm signalisierte aufzuwachen. Der linke Großbildschirm zeigte ein kleines Raumschiff. Eines seiner Späh- und Überwachungsschiffe, die im Unterlichtbereich in einem dreidimensionalen Umfeld das Mutterschiff sicherten, hatte das Ziel erfasst und die Bilder an die Zentrale gemeldet. Er war sich sicher, dass die Fremden seinen Kreuzer aufgrund ihres technologischen Standes trotz aktiver Messung nicht entdeckt haben konnten und damit keine direkte Gefahr darstellten.

Der grafische Balken, der das Bedrohungspotenzial am Bildschirm zeigte, ging von einem hellen Gelb auf ein dunkles Grün zurück. ZER meldete sich mit den Worten: »keine Bedrohung.« Der Vorfall wurde dokumentiert und verschwand in einer Datei. Allerdings - irgendetwas verursachte seine besondere Aufmerksamkeit an dem Bild. Als er das fremde Schiff vergrößerte, erkannte er, dass seine Hülle beschädigt war. Er gab darauf den Auftrag an zwei Sicherungsschiffe, das fremde Schiff näher zu untersuchen.

Verschiedene Wellenlängen erfassten das Objekt. Die Infrarotbilder zeigten 17 Intelligenzen an Bord. Zwei von ihnen waren in ihren Lebensfunktionen beeinträchtigt, was auf Verletzungen hinwies. Er konnte erkennen, dass aufgrund der Leckage des Schiffes das Leben der Insassen aufs Höchste bedroht war. ZER, der Zentralrechner, hatte das bereits erkannt, meldete sich und fragte: »Sir Oluk, soll ich eine Hilfsaktion einleiteten?« Da keine Waffen auf dem fremden Schiff sichtbar waren, entschied er, ein Wartungs-Robot-Schiff und ein Medi-Schiff zu senden. Diese Hilfsaktion war möglich, da aufgrund des Erreichens des Zielspiralarms die Geschwindigkeit des Alphakreuzers bereits drastisch reduziert war. Zusätzlich verringerte er die Geschwindigkeit seines Raumschiffes weiter.

Der Wartungsroboter manövrierte an den havarierten Raumer und an die Stelle der schadhaften Außenwand. Die Automatik stabilisierte sein Schiff neben der beschädigten Oberfläche. Dann stieg er aus. Nach kurzer Untersuchung zeigte das Messinstrument, dass das verwendete Material der Hülle eine einfache Zusammensetzung hatte.

Ein kleinerer Meteoroid12 hatte den Riss aller Wahrscheinlichkeit verursacht. Die Schadstelle war ca. einen Meter lang und bis zu 8 cm breit und war bereits mit organischem Gewebe, das mit einer Kunststoffmasse versetzt war, provisorisch abgedichtet worden. Der Schaden war nicht vollständig behoben, Atemluft strömte weiter aus. Die Kacheln für den Hitzeschutz waren an dieser Stelle nicht mehr vorhanden. Der Roboter nahm eine Platte aus dem Lagercontainer des Schiffes. Mit einem Laser schnitt er diese zu, laserte ein Loch und schob ein Kabel mit einem Stecker durch. Dann brachte er einen Kleber auf. Das Material wurde darauf auf der Fläche weich und etwas elastisch und passte sich beim Aufpressen mittels eines Stempels auf der Außenhaut des fremden Schiffes vollständig an. Die aufgebrachte Platte verband sich mit dem unteren Material so fest, dass es ohne Zerstörung nicht mehr von der Oberfläche gelöst werden konnte. Der Riss war verschlossen. Er schnitt eine weitere Plattte als Ersatz für den Hitzeschild und wiederholte die Prozedur.

Kleinere Schadstellen waren mittels einer hellen Substanz bereits von innen versiegelt worden. Dann verband er das Kabel mit einer sich selbst justierenden Richtfunkantenne und stellte diese zunächst mit einem Messinstrument auf eine Empfangseinheit des Alphakreuzers ein. Sein Auftrag war erledigt. Er kehrte mit seinem Boot zum Mutterschiff in die vorgesehene Position zurück und orderte zwei Ersatzplatten, dann schaltete er sich in den Standby-Modus.

Oluk konnte auf einem der Hilfsbildschirme die Arbeiten verfolgen. Er war mit dem Ergebnis zufrieden. Neugierig beobachtete er nun das Anlegen des Medi-Schiffes auf dem Screen. Er war auf das Aussehen der Lebewesen im Inneren des Schiffes gespannt. Oft hatte er ja nicht Gelegenheit mit fremden Intelligenzen in Kontakt zu treten. Das, was er meist sah, waren untergegangene Kulturen. »Würden diese Wesen ihr Raumschiff dem Medi-Robot öffnen?«, fragte er sich.

Das Robotschiff ging längsseits; die Automatik stabilisierte die Position. Der Roboter, der in einem Schiff, ähnlich einem Skooter saß, öffnete die durchsichtige Kuppel, die ihn vor der absoluten Minustemperatur des Weltraumes schützte. Er verließ mit einigen Koffern das Schiff und klopfte an die Luke des kleinen Raumers. Eine Kamera wurde von innen aktiviert. Der Roboter hielt einen kleinen Würfel in der Hand, den er vor die Kamera hielt. Dieser projizierte einen dreidimensionalen Film als wiederkehrende Schleife. Darin war zu sehen, dass die Luke geöffnet werden sollte. Der Film zeigte, dass die Koffer medizinische Geräte enthielten, mit denen menschenähnliche Wesen behandelt wurden.

Nach der Behandlung trugen die Verletzten Wundbinden. Das Zeichen, das eingeblendet wurde, zeigte ein Emblem, das auf der Brust des Roboters, dem Scooter und auf den Koffern aufgebracht war. Cortensa hatte verstanden. Sie blickte in die Runde Ihrer Crew und fragte, ob Sie für den medizinischen Roboter öffnen sollte. Jeder wusste, dass das ein Hilfsangebot war und diesmal auf der medizinischen Seite. Sie hatten zwei bewusstlose Schwerverletzte und der Arzt verlautete, dass beide in einem kritischen Zustand waren.

Ebenfalls sah die Besatzung, dass der Riss in der Außenwand fachmännisch von außen verschlossen war. Sie hatten die Atmosphäre im Inneren ihres Schiffes wieder aufgebaut. Nach dem Druckausgleich waren Sie wieder in ihre Drop-In-Boxen gestiegenn. Ein für die menschliche Gesundheit ungefährliches Gasgemisch, das von außen einwirkte, löste das Verbindungs- und Abdichtmaterial der beiden Raumanzugshälften. Nach Entriegelung und Öffnen der Drop-Ins konnte man den Raumanzug wieder verlassen.

Das Verfahren ließ ein schnelles An- und Ausziehen zu. Umgekehrt konnte der Anzug nach Rückkehr in die Drop-Ins sofort wieder verwendet werden. Nach der Hilfe, die Sie erfahren hatten, glaubte Cortensa und Ihre Crew nicht mehr an einen Angriff. Sie alle gaben ihre Zustimmung zum Öffnen der Hauptschleuse. Eine unerklärliche Neugierde hat sie aber auch ein gutes Stück zu dieser Entscheidung gebracht. Außerirdische und dazu noch keine Körperfresser, bekam man nicht jeden Tag zu sehen.

Also entschied Cortensa entgegen der Anweisung der Leitzentrale die Luke zu öffnen, da sie keine Waffen an der Maschine erkennen konnte. Der Roboter schob sich durch die Schleuse mit seinen Hilfsmitteln und wartete auf das Öffnen der Innenschleuse. Trotz allen Misstrauens hatte Cortensa den Befehl zum Öffnen gegeben. Sie hatte erkannt, dass ihnen geholfen wurde. Sie dachte: »Dass sie bei einer feindlichen Attacke in der Situation, in der sie waren, sowieso keine Chance gehabt hätten.«

Cortensa war nicht besonders überrascht, dass sie einer Maschine einer fremden Intelligenz gegenüberstand. Verschiedene Beobachtungen von Satelliten in der Vergangenheit hatten bereits gezeigt, dass es aufgrund von vielen habitablen13Planeten, eine große Anzahl anderer Intelligenzen in dieser Galaxie geben musste.

Nach dem Öffnen der zweiten Schleusentür stand ihr der ca. 1,50 Meter große Medi-Robot gegenüber. Um die Situation zu entspannen, verbeugte er sich tief vor ihr. Cortensa war von Ihren Empfindungen überwältigt. Zu keinem Zeitpunkt hatte Sie angenommen, dass Sie auf dieser Reise außerirdischen Systemen begegnen würde. Diese Maschine verwendete eine Technologie, die der menschlichen um "Lichtjahre" voraus war. Die Bewegungen des Roboters waren fast lautlos und geschmeidig. Seine Sensorik und Intelligenz waren so weit entwickelt, dass er diesen Job ausführen konnte. Eine Fernsteuerung schied aus, da in Ihrem Raumschiff eine Funkverbindung aufgrund der Abschirmung14 mit der metallischen Hülle nicht möglich war. Sie war nun gespannt auf das, was sich noch ereignen würde.

Als wenn der Roboter Ihre Gedanken erraten hatte, entnahm er aus seinem Gepäck etwas, was aussah wie eine runde Dose und schwebte in der Schwerelosigkeit zu dem abgedichteten Riss. Ein gelbes Lichtsignal fing an, immer schneller zu blinken. Als er die mit der Reparaturplatte abgedichtete Stelle erreichte, wechsele das Blinklicht in den Farbton Grün und hörte auf zu blinken. Er verband das Kabel, das er durch die Reparaturplatte geführt hatte mit der Dose. Das Licht wechselte nun zu einem Blau. Mit seinen Greifwerkzeugen deutete der Roboter eine Funkverbindung an.

Ab diesem Zeitpunkt wurden über die "Augen" des Medi-Robot die Bilder zum Alphakreuzer übertragen. Als Oluk Cortensa mit ihrer Crew sah, stockte ihm der Atem. Diese Rasse hatte so viel Ähnlichkeit mit seiner eigenen Spezies und doch waren sie von ihrem Heimatplaneten Relia eine "Unendlichkeit" weit entfernt. Er beorderte die Kommandierenden, die Bereitschaft hatten, in den Kontrollraum, nicht wegen einer Alarmsituation, sondern wegen dem, was er da sah. Vier Türen des Kommandoraumes öffneten sich schon kurze Zeit später. Jeder der Kommandeure hatte seine Bereitschaftsräume direkt neben der Leitstelle mit einem direkten Zugang. Sie gingen zu ihren wuchtigen Sitzen, die ringförmig um den etwas erhöhten Sitz von Oluk angeordnet waren. Oluk schaltete nun die Bildübertragung zu allen Stationen im Alphakreuzer frei. So konnte jeder im Schiff das Geschehen mitverfolgen.

Als seine Mannschaft die Frau sah, ging ein Raunen der Überraschung durch das ganze Schiff. Diese Wesen hatten das Aussehen wie Relianer. Was Cortensa nicht wusste, der Medi-Robot sah mit seiner Sensorik durch ihren Anzug auf ihre Haut. Ihre inneren Organe mit dem schlagenden Herz waren zum Teil erkennbar. Das gesamte Funktionsbild ergab eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem Metabolismus der Relianer. Die Männer waren fasziniert, da sie Cortensa nackt sahen. Die relianischen Frauen protestierten dagegen und brachten das lautstark über das INTERCOM-System des Schiffes zum Ausdruck. Oluk veranlasste den Medi-Robot daher, diese Sichtweise abzuschalten.

Er überlegte: »Wenn sogar die DNS-Struktur dieser Lebewesen mit seiner Rasse ähnlich war, würde dies die These stärken, dass das Leben durch Kometen, Asteroiden oder Meteoroiden im Weltraum initiiert und verteilt worden sein könnte …« Je mehr er allerdings darüber nachdachte, desto mehr Fragen stellten sich ihm.

Eine Relianerin, die für die Waffen des Alphakreuzes zuständig war, blickte fasziniert auf Cortensa. Sie sah die Ähnlichkeit mit ihr in der Statur und im Aussehen. Die Luft, die die Wesen atmeten, war mit geringfügiger Abweichung in der Zusammensetzung ähnlich der Atemluft, wie sie im Schiff von Oluk geatmet wurde, stellte der Medi-Robot fest. Eine weitere Luftprobe zog der Roboter, um die Mikroorganismen im Labor des Alphakreuzers ALGUB II definieren zu können. Wie weit belasteten sie das Immunsystem und konnte die Luft von der Besatzung des Alphakreuzers und umgekehrt gefahrlos geatmet werden?

Den Unterschied, den Oluk zu der Körperform der Alien erkennen konnte, war die massivere Bauweise seines Körpers. Wahrscheinlich war dies die Folge einer größeren Schwerkraft auf seinem Planeten. Das bedeutete, dass der Heimatplanet der Fremden eine geringere Masse hatte und damit kleiner war, als der Planet von dem er stammte.

12 Meteoroid: Größe vom Bruchteil eines Millimeters (Mikrometeoroid) bis zu mehreren Metern. Unterscheide interplanetarischer Staub. Kleinste Teilchen können mit entsprechender Geschwindigkeit eine sehr hohe kinetische Energie haben, die für ein Raumschiff eine große Gefahr darstellen. Unterscheide zu Meteoroit: Aus "d " wird "t ", bei Eintreten in eine Atmosphäre.

13 Der richtige Abstand zu einem Stern (Sonne), Großplanet mit hoher Gravitation als "Staubsauger" zum Ablenken von Meteoroiden, wie z.B. Jupiter in unserem Sonnensystem usw. ... Der Planet muss für Leben eine Reihe von Bedingungen erfüllen: Eisenkern für ein Magnetfeld, das kosmische Strahlung ableitet, Schutzschicht wie Ozon zum Vermeiden einer zu hohen UV-Strahlung, Wasser uvm.

14 Auf der Erde faradayscher Käfig genannt. Schirmt elektromag netische Felder wie Funkwellen (oder einen Blitz) ab.

4. Wieder in der ARDENNOS

Zwei der Insassen hatten schwere Verletzungen durch kleine Meteoroiden, die die Außenhülle durchschlagen hatten. Die Verwundeten hatten den Druckverlust durch die rasche Hilfe überlebt, waren aber bewusstlos.

Der Medi-Robot zeigte Cortensa mit einem Hologramm, dass er die Verletzten behandeln wollte. Der 3-D-Film vermittelte die Therapie und den Heilungsverlauf. Cortensa deutete mit einer Armbewegung an, dass sie einverstanden war. Der Medi-Robot schaltete das Hologramm aus und legte das Gerät wieder in einen seiner Koffer zurück. Auf dem lädierten Oberschenkelknochen des Verletzten brachte er einen Ring mit verschiebbaren Röhren an. Er justierte diese Zylinder unter Sicht auf einem Bildschirm, auf dem der lädierte Knochen zu erkennen war. Feine Nadeln fuhren durch das Gewebe und erreichten die Verletzung. Es ertönte ein leises Summen. Der Heilungsprozess, der einige Minuten dauerte, konnte am Bildschirm mitverfolgt werden. Ein weiteres System wurde über die Haut geführt und die Wunde schloss sich im Eiltempo.

Die Funktion eines weiteren Gerätes konnte Cortensa nicht einmal vermuten. Die verwendete Technologie war ihr völlig fremd. Der Verletzte, der nach kurzer Zeit erwachte, war schmerzfrei und konnte aufstehen. Eine Heilung, die unter normalen Umständen Wochen gedauert hätte.

Cortensa war es leid, nach dem Andocken und Tätigwerden des Roboters den mehrfachen Warnungen und Anweisungen Ihrer Flight-Control-Zentrale, die sich gegen ihre außerirdischen Helfer richteten, in der Kommunikation fortzufahren. Man hatte ihr sogar empfohlen, die Waffen dem Tresor zu entnehmen, um einen Roboter "einzufangen". An der Technologie wäre man doch sehr interessiert. Ab diesem Zeitpunkt war Cortensa zornig. Es wurde ihnen geholfen und sie sollte Waffen zur "Belohnung" einsetzen. Zudem wusste sie nicht, wer hinter der Hilfe überhaupt stand. Dass zwei Roboter in der unendlichen Weite des Raumes nur spazieren fliegen, um ihnen in der Katastrophe zu helfen, daran glaubte sie nicht. Da musste etwas dahinter stecken, das viel größer und mächtiger war, als sie mit ihren simplen technischen Möglichkeiten realisieren konnte, denn das Radar zeigte kein weiteres Raumschiff.

Mehrfach war sie von der Flightcontrol aufgefordert worden, einen Zwischenbericht abzugeben. Sie hatte die direkte Übertragung von Bild und Ton unterbrechen lassen. Die Kameras und Mikrofone an Bord des Schiffes übertrugen keine Daten mehr.

Cortensa sah, dass die Fremden an ihrer Technik überhaupt nicht interessiert waren. Sie fühlte sich jetzt für eine erfolgreiche Mission allein verantwortlich. Diese Handlung sollte Cortensa allerdings nach ihrer Rückkehr auf der Erde ihren gut bezahlten Job kosten. Das, was sie erlebte, war so unglaublich, dass sie große Erklärungsnöte gegenüber ihrer Zentrale haben würde.

Mit einem weiteren 3-D-Film als Hologramm demonstrierte der Medi-Robot nun, dass der zweite Verletzte in einer Transportbox verbracht werden musste. Eine Behandlung war aufgrund seiner Verletzungen vor Ort nicht möglich. Der Film zeigte einen hypermodernen Operationsraum. Viele Geräte hatten Hände, in denen Operationswerkzeuge gehalten wurden. Mit diesen manipulierten sie menschenähnliche Wesen, die in unterschiedlichsten Körperpositionen auf OP-Tischen lagen. Die Patienten waren mit verschiedenfarbigen Schläuchen verbunden. Es erfolgte eine Operation, die mit hoher Geschwindigkeit ablief. Nach dem Lösen der Verbindungen erhob sich der frisch Operierte und verließ den OP-Tisch.

Sie sah, dass die dargestellten Wesen, viel Ähnlichkeit mit ihrer Rasse hatten. Sie erkannte, dass diese Intelligenzen muskulöser und stärker gebaut waren. Cortensa vermutete im Vergleich zur Erde einen massereicheren Planeten, auf denen diese Wesen leben mussten. Waren sie es, die hinter der ganzen Hilfsaktion standen? Wo war ihr Raumschiff?

Für Cortensa war das Ganze gespenstisch. Ohne, dass bisher ein einziges Wort gewechselt wurde, verstanden sie, um was es ging und was gemacht werden sollte. Sie kannte in ihrer Vergangenheit keinen Kontakt mit Fremden, in dem kein einziges Wort gesprochen wurde und trotzdem ein gegenseitiges Verstehen und Einvernehmen vorhanden war.

Wieder stimmte Cortensa der Prozedur zu. Der Medi-Robot holte aus seinem Raumer die avisierte Transportbox und legte den Verletzten, der noch immer ohne Bewusstsein war, behutsam hinein. Nach dem Schließen der Rettungskapsel schob er den Zylinder durch die Schleuse in seinen Skooter. Bei seinem Verlassen winkte er nochmals in die Kamera und startete.

Nach verblüffend kurzer Zeit war der Verletzte wieder an Bord zurück. Zwei Tage später würde sich das behandelte Crewmitglied wieder bester Gesundheit erfreuen. Erst jetzt wurde Cortensa so richtig bewusst, dass sie und alle Anwesenden ein Glück hatten, dass sie in Worten nicht fassen konnte. Sie hatten die Katastrophe bis auf einen Arzt überlebt. Nach der Rückkehr mit dem frisch Operierten baute sich der Medi-Robot erneut vor ihr auf und streckte den Arm zu ihr aus. Die Hand hielt wieder diesen Würfel und ein neues Hologramm startete.

Ihre Crew stand hinter ihr und sie sahen ein zylindrisches Gebilde, das in der Darstellung von einer Kamera umrundet wurde. Die Dimension dieses Schiffes war riesig und überwältigte sie. Sie schätzte den Durchmesser auf 200 Meter und die Länge auf 300 Meter. Jetzt wusste Sie, dass es absolut verrückt gewesen wäre, wenn sie Waffen laut den Anweisungen ihrer Zentrale eingesetzt hätte, um einen dieser Roboter in die Hand zu bekommen. Man hätte ihnen dann nicht mehr geholfen oder noch schlimmer, ihr "bisschen" Raumschiff vernichtet.

Beide Enden waren wie ein Parabolspiegel leicht nach innen gewölbt. Der Parabol hatte in der Mitte eine rohrförmige Öffnung mit einem Durchmesser von ca. 40 Meter. Sie vermutete, dass diese Stelle des Schiffes zum Antrieb gehörte.

An beiden Enden dieses zylindrischen Schiffes und in der Mitte zur Längsachse waren ringförmig Aufbauten zu erkennen. Auf den turmartigen Gebilden waren Rohre angebracht.

Alphakreuzer ALGUB II; chem. Verbrennungsantrieb aktiv

Es sah aus, als wenn das Rohr um 180 Grad geschwenkt und um 360 Grad gedreht werden konnte. Wenn das so war, dann war das mit Sicherheit eine Waffe, die auf irgendeine Weise energetisch arbeitete: »Vielleicht eine Art LASER«, verrmutete Sie.

Auf einer Seite der Oberfläche des zylindrisch gebauten Raumschiffes befanden sich viele Beiboote, die dem Mutterschiff ähnlich sahen. Auf der anderen Seite konnte Cortensa wuchtige Halterungen erkennen, an denen wahrscheinlich weitere Beiboote verankert wurden, die sich derzeit im Einsatz befanden. Dann schwenkte die Kamera in das Innere des Alphakreuzers.

Es wurde ein runder Kommandoraum gezeigt. Darin befanden sich fünf Personen. Vier Sitze umringten einen etwas höher angeordneten Kommandosessel. Die Wände und ein Teil der Decke waren vollständig mit Bildschirmen be- deckt. Sie zeigten neben der Oberfläche des Raumschiffes den Weltraum und schematisierte Funktionseinheiten des Schiffes. Die Farbe grün dominierte auf den meisten Anzeigen. Cortensa fragte sich: »Ob die Außerirdischen die Farbe Grün ebenfalls als Signalfarbe für einwandfrei arbeitende Systeme verwendeten? Auf jeden Fall musste das der Leitstand oder die Kommandozentrale dieses gewaltigen Schiffes sein«, vermutete Cortensa.

In einem der Sitze erkannte sie eine Frau, die eine verblüffende Ähnlichkeit mit ihr hatte. Dann ruhte die Kamera auf einem großen Mann, der mit seinem Sitz in der Mitte dieses Raumes überhöht saß. Sie vermutete, dass er der oberste Verantwortliche war. Sein Gesicht war ebenmäßig, seine Kinnpartie etwas kantig. Die Haare waren dunkel und etwas lockig. Mit seinem durchdringenden Blick strahlte er Willensstärke und Verbindlichkeit aus. Das Auffälligste an ihm waren seine tief liegenden blauen Augen und seine kleinen nach vorn stehenden Ohren. Diese erinnerten sie ein bisschen an Segelohren. Dieser Mann war nicht nur attraktiv, sondern strahlte ebenfalls Empathie aus. Ungewollt gestand sie sich ein, dass er vielleicht unter anderen Umständen sicher anziehend auf sie gewirkt hätte. Cortensa war überrascht, als sie sah, dass diese Wesen ein Aussehen hatten, das ihrem eigenen Körperbau sehr nahe kam.

5. Oluk im Gespräch mit Cortensa

Oluk hatte bisher auf eine Definition der fremden Sprache verzichtet. Zuviel wertvolle Zeit wäre verronnen, in der Hilfe geleistet werden konnte. Oluk und Cortensa erhoben sich mit ihren Mannschaften und verbeugten sich begrüßend. Darauf startete der Zentralrechner ZER das Programm "Sprach- und Schrifterkennung". Der Roboter, der bisher unbeweglich mit dem Würfel in der Hand vor ihr stand, begann wieder mit dem Hologramm zu projizieren.

Der Film zeigte ihren und den Kopf eines Fremden. Beide Mundpartien waren mit einem zweiseitigen Pfeil verbunden. Sie interpretierte, dass ein Dialog stattfinden sollte. Als ersten Schritt musste der Zentralrechner ZER nun herausfinden, ob eine Verneinung ein Kopfnicken oder ein Kopfschütteln bedeutete. Dazu wurden in der Darstellung ihr Kopfnicken und die Luke gezeigt, wie sie sich öffnete. Auf dem rechten Halbbild schüttelte sie den Kopf und die Luke wurde geöffnet. Dann sah man ihren Arm, der auf eine der Alternativen zeigte. Cortensa nickte und deutete auf das Bild mit ihrem Nicken und dem Öffnen der Schleuse. Ihre Kopfbewegung mit dem verbundenen Ja und Nein war damit definiert.

Sie sollte nun Dinge, die ihr gezeigt wurden verbal beschreiben. Ein schnarrendes Geräusch folgte jeweils auf ihre Ausführungen. Die Abfolge der gezeigten Bilder mit einfachen Werkzeugen, Körperteilen und Gegenständen aus dem täglichen Leben beschleunigte sich. Sie sprach das dazu gehörige Wort jeweils aus. Es folgte wieder das Schnarren. Nach etlichen Gegenständen und Erklärungen der Funktionen wandelte sich das Schnarren zu Worten, die sie immer besser verstehen konnte. Bilder von Gegenständen ihres Raumschiffes beschrieb sie und beschrieb dessen Funktion.

Aus dem Schnarren konnte sie immer besser Worte isolieren und dann verstehen. Jetzt bildete der Computer ganze Sätze. In der nächsten Phase wurden ihr mit Symbolen abstrakte Begriffe gezeigt. Sie schüttelte den Kopf oder nickte. Ihre Sätze, die sie teilweise wiederholen musste, wurden vom Computer wiederholt und deutlich ausgesprochen. Selbst der Satzaufbau bekam nun Struktur und wurde für Cortensa verständlich. Aus dem ursprünglichen Schnarren war ein perfekt gesprochener Text geworden.

Unterhalb der gezeigten Objekte befand sich nun auch eine Bezeichnung, und zusätzlich eine Beschreibung zu dem gesprochenen Wort, das sie laut aussprach oder den Text vorlass. Nachdem die Zeichen der Zahlen und die Maßeinheiten von ZER erkannt und definiert waren, konnte ein Dialog stattfinden.

Oluk brannte nun darauf, den Austausch mit der Besatzung, insbesondere mit der Frau, die sich Cortensa nannte, zu beginnen: »Ich darf sie im Namen meiner Welt auf das Herzlichste begrüßen!«, begann Oluk. »Auch unsere Welt, für die ich spreche, begrüßt Sie, Ihre Mannschaft und Ihr Volk«, entgegnete Cortensa. Dabei verbeugte sie sich und bedankte sich für die Hilfe und die Rettung ihrer Mannschaft. Nachdem sie über ihre Herkunft gesprochen hatte, fragte Cortensa auf Drängen ihrer Mannschaft, ob man doch ein wenig über das riesige Raumschiff informiert werden könnte.

Oluk begann, das Gezeigte zu erläutern. Er war sich sicher, dass das begrenzte technologische Wissen der Fremden viele Fragen zu seinem Schiff aufwerfen würde. Da dies kein militärischer, sondern ein Forschungsauftrag war, konnte er über die Technologie dieses Schiffes frei sprechen.

Er deutete zunächst mit dem Lichtfleck des Pointers auf die am Bildschirm gezeigten Aufbauten des Alphakreuzers, die Cortensa bereits als Waffen eingestuft hatte und sagte: »Dort sind vier modulierbare LASER in einem Ring an den Enden und in der Mitte des Schiffes angebracht. Die LASER sind zum nächsten Ring um jeweils 33,3 Grad versetzt, so können wir mit zwölf LASER gleichzeitig in unsere Flugrichtung oder über das Heck feuern.« Dann setzte er lächelnd dazu: »Wir kleckern nicht, sondern wir klotzen.«

Er fuhr fort: »Wir haben an Bord unseres Alphakreuzers übrigens mit Namen ALGUB II, ein umfangreiches Ersatzteillager. Teile, die wir nicht haben, stellen wir in unterschiedlichen Produktionsanlagen selbst her. Diese Anlagen sind äusserst wichtig, da wir aufgrund der Entfernung zu unserem letzten Stützpunkt, Hilfe nur in längeren Zeitabständen bekommen können. Autonomie bei der Ersatzteilbeschaffung ist überlebenswichtig für uns. Wartungsroboter tauschen bei Bedarf fehlerhafte Teile aus. Unsere Wissenschaftler und Ingenieure entwickeln unsere Systeme gemeinsam mit ZER stetig weiter, wenn sie nicht Wartungsarbeiten durchführen«, erklärte Oluk und erläuterte die Energieerzeugung und den Antrieb:

»Eine zentrale Aufgabe unseres Schiffes ist die Erzeugung, die Umwandlung und das Boosten von Spannung. Einen Großteil der Energie benötigen wir für unseren Hochfrequenzantrieb (HF-...). Die notwendige Energie produzieren wir mit zwei Reaktoren, einer befindet sich am Heck und der Zweite im Bug. Unser HF-Antrieb wird im Unterlichtgeschwindigkeitsbereich eingesetzt. Zusätzlich verfügen wir über zwei weitere Antriebsarten.«

Er zeigte auf die vielen ringförmigen Isolatoren, die an der Oberfläche des Schiffes angebracht waren: »Sehen sie die ca. 20 Meter hohen Isolatoren?«, fragte er und deutete mit einem Pointer darauf. »In unterschiedlichen Höhen und an der Spitze sind diese glitzernden Kugeln montiert. Es sind horizontal 360-Grad-Strahler für elektrische und magnetische Felder, sie sind wabenweise aufgebaut und bedecken die gesamte