Following You - Bis in die Ewigkeit - Mika D. Mon - E-Book
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Following You - Bis in die Ewigkeit E-Book

Mika D. Mon

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Beschreibung

"Ich werde dir folgen, meine Prinzessin. Bis in die Ewigkeit."Band drei der romantisch-spannenden Following You Reihe.Er: Wir sind zusammen durch die Hölle gegangen, aber unser Martyrium ist noch nicht beendet, meine Prinzessin. Es gibt mehr als nur einen Teufel. Die ärgsten Feinde sind jedoch nicht die offensichtlichen, sondern die Dämonen in uns selbst. Ich weiß nicht, ob ich stark genug bin, sie zu besiegen.Sie: Ich will dich nicht verlieren. Der Verlust eines weiteren, geliebten Menschen, würde meine eingerissene Seele zerbrechen. Du kämpfst für deine Freiheit, ich für die Zukunft, von der du behauptest, dass wir sie nicht haben.

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Following You - Bis in die Ewigkeit

Mika D. Mon

Copyright © 2020 by Kampenwand Verlag

Alle Rechte vorbehalten

Text: Mika D. Mon

Cover: Mika D. Mon, Einstrom

Inhalt

1. Kiki

2. Seth

3. Kiki

4. Kiki

5. Seth

6. Seth

7. Seth

8. Ace

9. Seth

10. Kiki

11. Seth

12. Kiki

13. Seth

14. Kiki

15. Grimm

16. Kiki

17. Seth

18. Grimm

19. Kiki

20. Kiki

21. Seth

22. Kiki

23. Kiki

24. Kiki

25. Kiki

26. Kiki

27. Seth

28. Kiki

29. Seth

30. Seth

31. Grimm

32. Kiki

33. Seth

34. Kiki

35. Kiki

36. Kiki

37. Seth

38. Seth

39. Kiki

40. Seth

Epilog

Nachwort

Über den Autor

Bücher von Mika D. Mon

1

Kiki

Ich sitze auf der Toilette und starre auf den Test in meiner Hand. Auf dieses kleine Plastikding mit dem Sichtfenster, welches zwei verdammte Striche zeigt.

Zwei Striche, die bedeuten, dass ich nicht mehr alleine bin. Zwei Striche für zwei Personen. Ich und das kleine Zellhäufchen in meinem Unterleib, welches in den nächsten Monaten zu einem Baby heranwachsen wird.

Es muss ein Irrtum sein, versuche ich mir einzureden, wir hatten nicht oft ungeschützten Sex. Es kann einfach nicht passiert sein!

Noch während ich versuche, mich mit diesem Gedanken selbst zu überzeugen, dreht sich mir mein Magen um und ich eile schnell vom Klo, um mich in die Schüssel zu übergeben. So sehr ich mir auch wünschte, es wäre anders:

Ich bin schwanger. Ich wusste es bereits, bevor ich den Test gemacht habe. Die Übelkeit all die Zeit, meine Schweißausbrüche …

Ich bin nicht bereit, ein Kind zu bekommen.

Und Seth ist es noch viel weniger.

Er hat mir mehr als einmal deutlich gemacht, dass er keine Zukunft mit Kind, Haus und Garten mit mir sieht.

Nachdem die Übelkeit auf ein erträgliches Maß abgeflacht ist, stehe ich langsam auf, spüle mir den Mund aus und putze mir die Zähne. Schweißgebadet blicke ich in den kleinen Spiegel über dem Waschbecken.

Meine dicken, wilden Haare habe ich zusammengebunden. Sie sind braun, weil ich sie mir vor wenigen Tagen getönt habe, um mein Aussehen zu verändern. Im Kontrast zu der dunklen Haarfarbe wirkt mein Gesicht aschfahl und unter meinen Augen schimmern bläuliche Schatten.

Kurz gesagt: Ich sehe so scheiße aus, wie ich mich fühle.

Ich habe die Hölle überlebt, doch auf dem Weg hindurch habe ich alles verloren. Mein Vater und seine beiden Leibwächter sind von dem Los Caídos-Syndikat bei einem Anschlag ermordet worden. Sie haben mir den wichtigsten Menschen aus meinem Leben gerissen. Dieser Welt einen Helden genommen. Drei Helden. Ansgar und Dimitri, die beiden Personenschützer, waren gute Männer. Männer mit Familie. Sie haben ihr Leben gelassen, um meinen Vater zu beschützen. Dennoch wurde er letztendlich vor meinen Augen hingerichtet.

Selbst jetzt, Wochen später, fühlt es sich an, als würde mir der Boden unter den Füßen weggerissen werden, wenn ich daran denke.

Die Bilder verfolgen mich bei Tag und bei Nacht in meinen Träumen. Ich höre das laute Dröhnen der Explosion in meinen Ohren, schmecke den Staub, der von der Decke auf meine Zunge rieselt und fühle das Brennen des Qualms in meinen Augen. Wie in der Wirklichkeit taumele ich nachts in die Küche, wo ich mit ansehen muss, wie meinem Vater in den Kopf geschossen wird und er leblos zu Boden sackt.

Das Trauma sitzt tief. Diese Geschehnisse haben eine Wunde in meine Seele gerissen, die niemals ganz verheilen wird.

All das lässt sich nahezu an den Schatten um meine Augen ablesen.

Ich ziehe meinen Kosmetikbeutel von dem kleinen Schränkchen unter dem Waschbecken hervor und stelle ihn neben den Wasserhahn. Mit Make-up überdecke ich das Grauen der Wirklichkeit. Weg mit den Schatten, weg mit dem Trauma. Es ist da. Aber außer mir muss es niemand sehen.

Concealer, Maskara, Rouge und Lipgloss machen im Handumdrehen einen vorzeigbaren Menschen aus mir.

»Und jetzt?«, frage ich mein Spiegelbild. Dann schiele ich auf den Schwangerschaftstest, der neben der Toilette liegt. Ich hebe ihn auf und kontrolliere noch einmal, ob auch wirklich zwei Striche zu sehen sind. Leider habe ich sie mir nicht eingebildet. Sie sind da. Egal wie sehr ich es mir wünsche, sie werden nicht mehr verschwinden.

Nur um sicherzugehen, vergleiche ich das Ergebnis ein fünftes Mal mit der Packungsbeilage. Zwei Striche bedeuten eine Schwangerschaft zu einer Wahrscheinlichkeit von 99%. Meine körperlichen Symptome radieren allerdings auch das letzte Prozent aus.

Aber das bedeutet ja noch nicht, dass das Baby auch bleibt. Ich kann ja höchstens seit wenigen Tagen oder Wochen schwanger sein.

Ich schnappe mir mein Handy und google nach der Wahrscheinlichkeit eines Schwangerschaftsabbruchs. Das Ergebnis gibt mir Hoffnung. Zwar zeigen unterschiedliche Seiten verschiedene Daten, doch alle sind sich einig: Viele Schwangerschaften enden in den ersten Wochen. Völlig unbemerkt wird der Embryo abgestoßen.

Seufzend schließe ich meine Augen und atme erleichtert aus.

Bestimmt werde ich das Kind verlieren.

Ich fühle mich schlecht, weil ich es mir wünsche. Weil ich mir wünsche, dass dieses »Problem« einfach verschwindet. Wie viele Frauen versuchen, verzweifelt schwanger zu werden? Wie viele Frauen haben Fehlgeburten und zerbrechen daran, weil sie ihre ungeborenen Kinder verlieren? Aber ich bete dafür, dass mir genau das passiert. Ich bete dafür, dass das Leben endet, bevor es wirklich entstehen kann.

Macht mich das zu einem schlechten Menschen? Zu einem Monster?

Ich bin neunzehn Jahre alt. Der Vater des Kindes ist ein Schwerverbrecher. Ein Mörder. Abgesehen von meiner besten Freundin Leonie gibt es niemanden hier, der mir helfen würde, es großzuziehen.

Aber was mache ich, wenn die Schwangerschaft zu keinem natürlichen Ende kommt? Ich schiebe diesen Gedanken beiseite, da ich mich jetzt noch nicht damit auseinandersetzen will.

Es klopft an der Badezimmertür. Ich schrecke auf und stopfe den Test schnell in seine Packung und beides in meinen Kosmetikbeutel.

»Ja?!«, rufe ich eilig.

»Du bist schon so lange im Bad. Geht es dir nicht gut, Kiki?«, höre ich Auroras Stimme von draußen. Seths kleine Schwester ist zwei Jahre jünger als ich und hat mich, ohne zu zögern, als die Freundin ihres Bruders angenommen.

»Ich glaube, ich habe etwas Falsches gegessen! Es ist nichts weiter.« Na toll, ich Idiotin. Jetzt hat sie die Vorstellung von mir im Kopf, wie ich mit Durchfall auf dem Klo hocke. Hätte mir nichts anderes einfallen können?

»Oh, ach so. Brauchst du was? Soll ich dir was in der Apotheke holen?«, fragt Rory besorgt.

»Nein, danke. Ich lege mich gleich einfach etwas hin, dann geht es schon wieder!«

»Okay, alles klar. Wenn was ist, dann ruf mich!«

»Danke, Rory!«

Als ich höre, wie sich ihre Schritte entfernen, stelle ich meine Schminke zurück unter das Waschbecken und setze mich auf den heruntergelassenen Toilettendeckel. Danach verkrieche ich mich ins Bett. In ein paar Stunden wird es mir wieder besser gehen.

2

Seth

»Noch höher?«

Mein ganzer Körper spannt sich an, meine Kieferknochen treten hervor, während ich meine Zähne fest aufeinanderpresse. Ich spüre nicht, von wo der Schmerz kommt, denn er nimmt meinen gesamten Körper ein. Ich kann mich nicht bewegen, nicht schreien oder Luft holen. Jeder Muskel brennt, zuckt und verkrampft sich schmerzhaft.

Ich ertrag das nicht mehr. Ich kann nicht mehr. Er soll aufhören. Aufhören!

Aufhören!!!

»Ich lasse dich mal durchatmen.«

Die erlösende Stimme von Aqil dringt nur bedingt zu mir durch, als sich mein Körper wieder entspannt. Der Mistkerl vor mir schwingt den Elektroschockstab grinsend hin und her, ehe er ihn mir unter den Kiefer schlägt, damit ich den Kopf anhebe. Ich traue mich nicht, zu atmen. Mir hängt die Kotze bis in den Hals und ich will ihm nicht die Genugtuung geben, mich vor ihm zu übergeben.

»Und? Gibst du jetzt auf, mein kleiner Toyboy? Sag die erlösenden Worte und der Schmerz endet.« Aqils säuselnde Worte triefen vor geheucheltem Mitleid. Doch obwohl alles in mir danach schreit, zu sagen, dass er aufhören soll, dass ich nicht mehr kann, ist der Trotz in mir größer. Außerdem weiß ich, dass die Strafe, wenn ich versage, nicht weniger schlimm sein wird als die Folter selbst. Ich presse weiter meine Kiefer fest zusammen und schüttele den Kopf. Langsam atme ich durch die Nase ein und aus. Dass er mir einen Kosenamen verpasst, stört mich nicht. Mir ist klar, dass er das alles nur tut, um mich aus der Fassung zu bringen. Ich weiß, dass er liebt, was er tut, und dass ihm dabei einer abgeht. Das erregte Funkeln in seinen schwarzen Augen, wenn er andere foltert, ist nicht zu übersehen. Ganz zu schweigen von der Wölbung in seiner Hose. Ich habe diesen Sadisten schon gleich zu Anfang durchschaut. An dem Tag, als er zu mir nach Hause kam und mir von dem Tod meines Vaters erzählte. Von dem Tag an, als er von mir verlangte, stark zu sein. Ein Mann zu sein. Aqil ist Deimos liebster Kampfhund, seine rechte Hand, und er gehorcht aufs Wort und wartet gierig darauf, von der Kette gelassen zu werden, um zu töten.

»Einen Scheiß werd’ ich tun«, zische ich zwischen zusammengepressten Zähnen hervor.

Diese Antwort gefällt ihm.

»Na gut, dann gleich nochmal. Vielleicht bring ich dich ja diesmal zum Reden. Oder wenigstens zum Kotzen.« Er entblößt seine strahlendweißen Zähne zu einem breiten Lächeln, als er den kleinen Blitz an der der Spitze des Stabes kurz zum Aufleuchten bringt.

Ich ertrage das. Ich ertrage das. Ich geb’ nicht auf. Ich gebe niemals auf. Für Rory, ich tu das für Rory. Für meine kleine Schwester. Sie hat nur mich. Ich tu das für sie.

Wie ein Mantra wiederhole ich diese Gedanken immer und immer wieder, als er den Stab gegen meinen Bauch presst und der heiße Schmerz des Stroms sofort einsetzt und meinen ganzen Körper durchfährt. Augenblicklich spanne ich mich an und neige mit fest aufeinandergepresstem Kiefer den Kopf nach vorn. Mein steifer Nacken schmerzt, während die Wellen des Stroms meine ganze Wirbelsäule hinabfahren. Einfach jeder scheiß Zentimeter meines verdammten Körpers tut mir weh. Aber ich weiß, was passiert, wenn ich nachgebe. Ich weiß, was ich durchmachen muss, wenn ich versage. Für Rory kämpfe ich, ertrage ich, leide ich.

Aqil sagt etwas, doch ich kann seine Worte nicht aufnehmen, denn meine Gedanken werden nur von Schmerz beherrscht. Nichts anderes findet dort mehr Platz. Doch als die Qual noch zunimmt und es einfach durch meinen Körper donnert wie ein Hammer, verstehe ich, wieso man es einen Stromschlag nennt. Mein Magen verkrampft sich und ich bekomme keine Luft. Wie lange foltert er mich schon? Zwei Stunden? Drei?

Sobald er mich mit den Worten »Lass uns Schweigen üben!« mitnimmt, weiß ich, was auf mich zukommt.

Aqil zieht den Schocker von meiner Haut zurück und sofort erschlafft mein ganzer Körper. Immer wieder zucken einzelne Gliedmaßen unkontrolliert und ich weiß, dass ich die nächsten Tage schrecklichen Muskelkater haben werde.

»Und? Redest du jetzt mit mir? Toyboy?«

Ich spucke ihm ein Gemisch aus Speichel und Blut entgegen, als er sich fragend zu mir neigt. Er wischt sich die Tropfen, die auf ihm landen, vom Kinn und richtet sich lächelnd wieder auf.

»Herzlichen Glückwunsch, mein Lieber. Du hast dem Feind nichts verraten. Du darfst jetzt sterben! Aber mit dem Wissen, loyal geblieben zu sein. Sei Stolz, Seth!«

Aqil legt daraufhin den Elektroschocker beiseite und zieht einen Schlüssel aus seiner Hosentasche. Wie immer trägt er einen schicken, dunkelblauen Anzug mit silberner Krawatte und weißem Hemd. Besonders auffällig sind seine ebenfalls blauen, spitz zulaufenden Stiefel aus Krokodilleder, die er in allen möglichen Farben und Formen hat. ›Extravagant‹ nennt er das. Er hätte Geschmack, sagt er. ›Hässlich‹ nenne ich es. Er schließt meine Fesseln auf, die sich durch mein Verkrampfen tief in mein Fleisch geschnitten haben. Gerötete, teils blutige Striemen sind an meinen Hand- und Fußgelenken zu sehen.

Ich fahre mir mit beiden Händen durch das Gesicht und streiche mir meine dunklen Haare nach hinten. Mir ist heiß, mir ist schlecht und ich wünsche mir nichts mehr als eine entspannende Dusche.

Diese ganze Tortur hier dient nur dazu, mich vorzubereiten. Vorzubereiten auf das, was man mir antun könnte, um an Informationen zu kommen. Informationen von meinem Chef, Deimos Kahlish, für den ich arbeiten muss. Blödsinn. Dem ich mit Leib und Seele gehöre.

Zorn kriecht durch meine Adern und ich höre gar nicht zu, als Aqil mich belehrt. Ich bin so unsagbar wütend auf meinen Vater, dass er uns das angetan hat. Dass er mir die Verantwortung überlassen hat, allein für meine Schwester zu sorgen. Dass er mich mit einem Berg Schulden bei einem der gefährlichsten Untergrundbosse allein gelassen hat. Ich bin jetzt 16 Jahre alt und meine Ausbildung nimmt richtig Fahrt auf. Kaum zu glauben, wie sich mein Körper in den letzten 12 Monaten verändert hat, wie aus einem ganz normalen, vielleicht etwas groß geratenen 15-Jährigen ein muskelbepackter Killer werden konnte. Wie schnell ich gelernt habe, mit Waffen umzugehen. Wie schnell ich gelernt habe, Schmerzen zu ertragen oder Schmerzen zuzufügen. Ich weiß Foltermethoden anzuwenden, die man höchstens aus Filmen wie Saw kennt.

Ich habe in diesem einen Jahr so viel Schreckliches gesehen, erlebt und getan, dass ich jeden noch so kleinen Funken Unschuld und Gutherzigkeit in mir ausgemerzt habe. Mein Leben hat sich von dem Augenblick an verändert, als sie mir von dem feigen Selbstmord meines Vaters berichteten und von der Gefahr, in der ich und meine Schwester jetzt stecken, weil er uns nichts als Schulden hinterlassen hatten.

Die Alternative wäre gewesen, meine Schwester als Hure an Deimos zu geben, aber das war keine Sekunde lang eine Option. Lieber würde ich reihenweise Menschen töten oder mich selbst zu Brei schlagen lassen, als meine Schwester zu verkaufen.

»Hast du mir überhaupt zugehört, Corvin? Mh?« Ich blinzele einige Male und sehe Aqil verständnislos an.

»Nein.« Ich zucke mit den Schultern. »Hab’ ich nicht. Ist doch sowieso immer das Gleiche. Ich hab nicht geredet. Aufgabe bestanden. Was gibt es da noch zu klären?«, frage ich angepisst und Aqil zieht daraufhin eine der schmalen, dunklen Augenbrauen hinauf. Ich würde meinen Arsch darauf verwetten, dass er seine Brauen zupft. Generell ist dieser Typ einfach wie geleckt.

»Ich mag es, dass du so ein Trotzkopf bist, Seth. Wir hätten große Probleme miteinander, wenn du ein jämmerlicher Schwächling wärst. Oder eher: Du hättest dann Probleme, denn ich nehme garantiert keine Rücksicht auf verweichlichte, weinerliche Männer. Du erträgst es immer besser. Das nächste Mal üben wir ein bisschen Waterboarding. Mh? Wie wär’s, mein Hübscher? Ich wusste von Anfang an, dass du Potential hast.«

Ich weiß manchmal nicht, was mich mehr quält. Die Schmerzen oder sein Gelaber. Mit meinen Händen reibe ich mir über das Gesicht und massiere meine Kieferknochen dabei. Mir tut alles weh und ich hoffe, dass er mich jetzt einfach gehen lässt. Ich muss nach Hause zu Rory, weil ich schon viel zu lange weg bin. Zum Glück verletzt mich Aqil nie im Gesicht oder dort, wo man es sehen kann. Ich wüsste nicht, wie ich meiner Schwester das erklären sollte. Warum er darauf achtgibt, weiß ich nicht, es könnte ihm ja auch scheißegal sein. Vielleicht, weil er selbst so eitel ist und seinen »Toyboy« gerne hübsch hat.

»Wir sehen uns morgen wieder, aber dann gehen wir es ruhiger an. Erst üben wir Kampftraining und den Umgang mit Schnellfeuerwaffen. Du machst fantastische Fortschritte, Jungchen. Ich bin wirklich beeindruckt. Ich trainiere gerne mit dir – und immer dran denken: Es macht mir zwar Spaß, dir wehzutun, aber ich tu das nur zu deinem Besten. Du musst auf das vorbereitet sein, was kommen wird, Corvin. Und ich versichere dir …« Er hat den Elektrostab weggepackt und stellt sich mir gegenüber. Ich hebe den Kopf und sehe ihn aus furchtbar schweren Augen an. »Wir alle leiden. Immer und immer wieder. Das ist unser Job. Leiden und leiden lassen. Es ist das Beste, wenn du dich dran gewöhnst.« Seine letzten Worte haucht er nur noch, ehe er seine Krawatte lockert, den obersten Knopf seines Hemdes öffnet und mir den Blick auf Brandverletzungen offenbart, die sich über einen Großteil seines Oberkörpers ziehen. »Schlaf dich gut aus, ich erwarte dich morgen fit und motiviert.« Er klopft mir erst gegen den Oberarm und hält mich dann daran fest.

»Schaffst du das? Corvin? Schaffst du das?«

Der Druck seiner warmen Hand ist stark und sein Blick durchdringend. Schaffe ich das? Schaffe ich es, die nächsten Jahre, die nächsten Jahrzehnte, in dieser Hölle zu leben, um meine kleine Schwester vor der Prostitution zu bewahren und mich vor dem Tod? Schaffe ich das?

»Seth … Seth?«, ich blinzele einige Male und erwache aus meinem furchtbar realistischen Traum. Oder – ist es überhaupt ein Traum, wenn es eine Erinnerung und einmal real gewesen ist? Noch immer spüre ich die Wärme einer Hand an meinem Oberarm, doch sie ist kleiner, zarter und sie rüttelt an mir.

»Seth, du träumst, wach auf.« Ich atme tief ein, setze mich auf, streiche mir hektisch über das Gesicht und durch das Haar, in der Hoffnung, nicht im Schlaf geheult oder irgendwas anders Peinliches gemacht zu haben.

»Geht es dir gut?« Kikis verschlafenes, aber dennoch süßes Stimmchen beruhigt mich augenblicklich, auch wenn ich die Sorge in ihr deutlich hören kann.

»Klar. Alles gut«, lüge ich. Scheiße, nichts ist gut. Ich hasse solche Träume. Ich will nicht auch noch im Schlaf daran erinnert werden, was mich zu dem Scheißkerl gemacht hat, der ich heute bin.

»Du musst mich nicht anlügen, Seth. Du kannst mir alles erzählen, das weißt du doch.«

Genervt seufzend lasse ich mich zurück auf mein Kissen fallen und verschränke die Arme hinter dem Kopf.

»Ich hab aber keine Lust, von dir mit diesem Mitleidsblick angesehen zu werden. Ich brauche und ich will kein Mitleid.«

Kiki schmunzelt, was mich dazu bringt, irritiert die Brauen kraus zu ziehen.

»Was?«, frage ich angepisster als beabsichtigt. Meine – ich sage es tatsächlich – Freundin schwingt sich auf meine Hüfte, legt ihre Hände auf meine nackte Brust und sieht auf mich herab.

»So? Wie soll ich dich denn sonst ansehen? So etwa?«, fragt sie, woraufhin sie lasziv zu mir hinabsieht und gespielt erotisch auf ihrer Unterlippe herumkaut.

Nun heben sich auch meine Mundwinkel etwas an. Ich löse meine Arme aus der Verschränkung hinter meinem Kopf und lege sie stattdessen mit Druck auf ihre Taille.

»Ja, das gefällt mir schon viel besser«, raune ich ihr entgegen und suche ihre Augen mit meinen.

Sie glänzen im Licht der Nachttischlampe und ab dem Moment, wo ich auf ihr Spiel eingehe, färben sich ihre Wangen rot. Sie ist so süß. Sie ist der pure Zucker in ihrer unschuldigen und dennoch anzüglichen Kiki-Art. Sie ist wie ein roter, kandierter Apfel. Rund und prall wie ihre Brüste, süß und verführerisch wie ihre Pussy. Der Anblick ist unschuldig und dennoch verboten anziehend. Aber wenn man davon kostet, verliert sie ihre Unschuld und wird zum Sexsymbol, zur puren Lust. Meine süße Zuckerlady. Meine kleine Prinzessin.

Ich schiebe meine Hände unter ihr Nachthemd, welches lediglich ein schwarzes Shirt von mir ist, und fahre ihre Taille hinauf. Als meine Handflächen ihre Brüste umfassen, beginne ich, mit Daumen und Zeigefinger ihre schon steifen Brustwarzen zu reiben. Sofort seufzt sie auf und bewegt ihr Becken kreisend auf meinem Schoß. Ihre Spalte ist nur von dem dünnen Stoff ihres Slips bedeckt und mein schon harter Schwanz drückt sich ihr verlangend entgegen. Wieder beißt sie sich auf die Unterlippe und wendet den Blick von mir ab. Diesmal jedoch nicht gespielt, sondern, weil sie sich mit dem Schmerz vom Stöhnen abhalten will. Sie schämt sich und das finde ich nicht nur wahnsinnig niedlich, sondern es macht mich nur noch geiler auf sie.

Die Erregung, die meinen ganzen Körper durchflutet, verdrängt alle negativen Gedanken und diesen Effekt nehme ich nur allzu gern an. Wie weggeblasen sind die Schmerzen, die Pein und die Hilflosigkeit. Ich bin nicht mehr Deimos Sklave, Aqil ist nicht mehr mein Ausbilder, sondern ich kämpfe zusammen mit Grimm und Ace um meine Freiheit. Kiki quietscht kurz erschrocken auf, als ich sie von mir hebe und auf den Rücken lege. So schnell es mir möglich ist, reiße ich ihr den Slip herunter und dränge mich zwischen ihre Beine. Sie setzt sich auf, um mich zu berühren, doch dazu habe ich keine Zeit, keine Geduld. Ich muss mich jetzt in ihr versenken, einfach hart in sie stoßen und sie zum Aufschreien bringen. Ich will sie ficken! Meine Shorts wandern nur bis zu meinen Kniekehlen. Ich ziehe mir eilige ein Kondom über, ehe ich mich auf sie herabsinken lasse und meine Spitze ihre feuchte Öffnung findet.

»Seth …«, haucht sie in einer Mischung aus Erregung und Angst, ehe ich mein Becken nach vorn schnellen lasse und mich vollkommen in ihr versenke. »GOTT, SETH!«

Ich kann spüren, wie sich ihre Wände krampfend um meinen Schwanz schließen. Sie legt ihre Hände an meine Brust und drückt mich etwas von sich, doch sie kommt nicht gegen meine Kraft an. Schon schiebe ich meine Hände unter ihren Po und halte sie eisern daran fest. Sie gehört mir. Ich lasse sie keinen Zentimeter von mir weichen. Rhythmisch beginne ich, in sie zu stoßen, immer und immer wieder. Ich schließe die Augen und blende alles um mich herum aus. Ich habe die Oberhand. Ich habe die Gewalt in meinen Händen. Es fühlt sich fantastisch an. Es ist gut, die Kontrolle zu haben. Ich habe die Kontrolle. Ich!

»Seth …« Ich halte in meiner Bewegung inne, als ich warme, sanfte Hände spüre, die mein Gesicht umfassen. Mein Herz rast, meine Atmung geht schnell und jeder Muskel ist bis zum Bersten gespannt. Ich blinzele und sehe direkt in Kikis Gesicht. Ihre Augen glitzern sanft und ich erkenne, wie sich in ihnen Tränen gesammelt haben.

Scheiße. Scheiße!

»Kiki, ich … es … es tut …«

Ihre Lippen bilden ein sanftes Lächeln, ihre Fingerspitzen streichen beruhigend über meine Wangen und sie legt einen Zeigefinger auf meine Lippen.

»Shhh, Shhht.« Meine Atmung beruhigt sich und ich konzentriere mich nur auf ihr Gesicht. Ihre wunderschönen türkisenen Iriden, ihr Lächeln und ihre Worte. Selbst meinen Schwanz, der gierig in ihrem Innern zuckt, kann ich in diesem Moment ausblenden. Wichtig ist nur sie. Nur Kiki und das, was sie mir in diesem Moment gibt. Ruhe. Frieden und Liebe.

»Beruhige dich, mein Schatz. Es ist alles gut. Erlebe das hier gemeinsam mit mir. Du musst nicht so brutal sein. Egal, an was du dich eben erinnert hast, egal, wer oder was dich in deinen Träumen verfolgt und so gequält hat, es ist vorbei. Du bist jetzt bei mir und du kämpfst um deine Freiheit. Du kämpfst für deine Zukunft. Für unsere Zukunft.« Kiki löst eine Hand von meinem Gesicht und führt sie an meinen unteren Rücken. Langsam übt sie immer wieder Druck auf meinen Unterleib auf, damit ich mich in ihr bewege. Langsam, sanft, aber auch ausholend und tief.

»Genieße es, Seth«, haucht sie mir entgegen und löst den Blick von mir, um den Kopf in den Nacken zu legen und mich mit erregtem Stöhnen und Seufzen zu beglücken.

»So gut, Seth. Du fühlst dich so gut in mir an. Ich will dich spüren. Ich will spüren, wie du mich begehrst, wie du in mich dringst. Ich will deine Länge spüren, deine Erregung aufnehmen. Ich will mit dir Sex haben, nicht einfach nur von dir genommen werden. Schlaf mit mir … besorg es mir … zeig mir, dass du mich willst und liebst!«

Ich schlinge meine Arme noch enger um sie und halte sie fest. Zum einen berühren mich ihre Worte tief in meiner Brust und entfachen dort diese schöne, bekannte Wärme, die ich durch Kiki erst entdeckt habe. Zum anderen steigen sie meine Erregung ins Unermessliche und ich will ihr das geben, was sie von mir verlangt. So reduziere ich das Ganze nicht einfach nur auf hartes, schnelles Zustoßen, sondern nehme ihre zärtlichen Berührungen, jede noch so unscheinbare Reaktion unserer Körper verlangend in mich auf. Verlangend nach Sex, verlangend nach ihrem Leib, nach Nähe und vor allem nach ihrer Liebe.

Sie liebt mich. Kiki liebt mich und ich liebe sie. Diese bunte Zuckerwatte hat es wirklich geschafft, mein völlig verkrüppeltes, schwarzes Herz mit einer rosa Glasur zu überziehen, sodass ich mittlerweile mit meinen Händen nicht nur foltern und morden kann, sondern auch streicheln, festhalten und beschützen.

Meine Freundin krallt sich an meinem Rücken fest und animiert mich dazu, mich etwas schneller zu bewegen. Nicht härter, nicht ungehalten, sondern nur schneller und intensiver. Immer noch mit weit ausholenden Bewegungen erfülle ich ihr den Wunsch und kann kurz darauf spüren, wie ihre Beine zu zittern und zucken beginnen und sie ihren Po anspannt. Sie drückt sich mir entgegen und ihr lautes, genießerisches Stöhnen lässt erahnen, welche wunderbaren Gefühle gerade ihren ganzen Körper durchfluten. Mit halb geöffneten, flatternden Lidern sieht sie mich dabei an, während sie ihren Höhepunkt äußerst lange auskostet. Es ist schön, die überwältigenden Gefühle, die ihr dieser Orgasmus beschert, auch in ihrem Gesicht ablesen zu können. Ihre Wangen sind gerötet, die Augen glitzern feucht und ihre Pupillen sind vor Erregung stark geweitet. Auch ihr Mund ist geöffnet und ihre Lippen glänzen. Ihr Antlitz in diesem Moment ist nicht weniger erregend als das Zucken ihrer nassen Pussy, die gierig an meinem Schwanz saugt.

»Warte kurz, halt still«, haucht sie mir entgegen und ich versuche, mich nicht zu bewegen, so wie sie es verlangt. Mich jetzt noch deutlicher darauf zu konzentrieren, was ihre engen Wände mit meinem besten Stück anfangen, lässt eine Gänsehaut meine Wirbelsäule hinabfahren.

»Fuck, du fühlst dich so gut an«, knurre ich und in dem Moment zuckt mein Schwanz gierig in ihr nach oben.

»Hey! Nicht bewegen, hab ich gesagt!«, schimpft sie.

»Das kann ich aber nicht verhindern, Kiki!«, verteidige ich mich, während mein Schwanz ein weiteres Mal verlangend nach oben drückt.

Das fiese Grinsen auf ihren Lippen zeigt mir, dass es ihr gefällt, mich zu ärgern. Gemeines Stück. Aber auch ich lächele und gebe ihr einen sanften Kuss.

»Ich will, dass wir gemeinsam kommen. Ich will, dass du in mich spritzt und er sich so schön bewegt, während ich zucke. Schaffst du das?«, fragt sie mich und ich hebe selbstgefällig eine Augenbraue.

»Zweifelst du etwa daran? Du musst mir nur deutlich machen, wenn es bei dir soweit ist, dann ist das kein Problem. Darf ich mich endlich wieder bewegen, eure Hoheit?«, bei diesen Worten drücke ich mich fester gegen sie und lasse ihn sich diesmal bewusst in ihr bewegen.

»Ja, ja, mach weiter!«, verlangt sie und hebt ihr Becken auffordernd an.

Sofort leiste ich dem Befehl meiner Prinzessin Folge und beginne erneut, mit ausholenden Bewegungen in sie zu stoßen. Immer wieder ziehe ich ihn weit heraus und lasse sie seine ganze Länge deutlich spüren, während ich mich tief in ihr versenke.

Ihre Finger gleiten meinen Rücken hinauf und hinab, halten sich an meinem Nacken fest oder streicheln mir einfach nur sanft über meine Wange. Ich lehne mich herab, küsse sie, schmecke sie. Wir bewegen uns in einem Rhythmus, ich nehme sie nicht einfach nur, ich stoße nicht blind und egoistisch in sie, sondern wir sind eins. Jeder Zentimeter Platz zwischen unseren Körpern ist uns zu viel und so presse ich sie immer wieder so fest an mich, wie es physisch nur möglich ist. Wir vereinen uns auf so intensive Art und Weise, dass ich in diesem Moment gar nicht weiß, wohin mit meinen ganzen Gefühlen. Meine Finger greifen fest in ihren Po und ich spüre, wie sie diesen immer wieder anspannt, ebenso wie ihre Beine, die zu zittern beginnen. Ihre Atmung beschleunigt sich und ich weiß, dass ich jetzt auch zum Schluss kommen muss. Ich schließe die Augen, beschleunige meine Stöße ein wenig und konzentriere mich auf alles, was ich fühle. Ihren warmen, feuchten Körper. Ihren heißen Atem an meinem Hals, ihre zitternden Finger in meinem Nacken und ihre weichen, prallen Brüste, deren steife Knospen über meine Haut gleiten. Ihr völlig angespannter Po in meiner Hand und ihre enge, heiße Pussy, die sich fest um meinen Schwanz zieht.

Gemeinsam stöhnen wir genüsslich auf. Ein letztes Mal treibe ich mich tief in sie und pumpe meinen Samen in das Kondom.

Lange noch genießen wir die langsam abklingenden Gefühle, die dieser gemeinsame Höhepunkt uns beschert hat, ehe ich mich seufzend aus ihr zurückziehe und mich von ihr herunterrolle. Ohne zu zögern oder zu warten, ob sie sich säubern möchte oder nicht, schiebe ich meinen Arm unter ihr durch und ziehe sie an meine Brust.

Sie ist völlig außer Atem, aber kuschelt sich sofort an mich. Sicher läuft sie gleich aus, aber das ist mir egal und wenn es sie stört, schlafe ich eben auf dem nassen Fleck.

»Seth, das …«

»War wunderschön«, unterbreche ich sie, während ich meinen Kopf zu ihr drehe und ihr einen Kuss auf die Stirn hauche.

»Ja«, flüstert sie und ich kann auf meiner Haut spüren, wie sie zufrieden grinst. Das lässt auch meine Mundwinkel nach oben wandern.

»Weißt du was?«

»Mh?«, frage ich.

»Ich fühle mich gerade glücklich«, haucht sie leise und unsicher. Daraufhin ziehe ich sie noch etwas näher an meinen Körper heran und lege meine Lippen erneut an ihre Stirn.

»Weißt du was, Kiki? Ich glaube, das bin ich auch gerade.«

Ich sage die Wahrheit. Da ich aber weiß, dass dieses Gefühl in unserer Situation nicht lange anhalten wird, versuche ich, es so lange auszukosten wie möglich.

»Ich liebe dich.«

»Ich liebe dich auch, Seth.«

3

Kiki

Das Wissen, dass ich schwanger bin, frisst mich auf. Es sitzt wie ein Druck in meinem Kopf und in meinem Herzen, und wenn ich ihn nicht bald loswerde, glaube ich, einfach zu explodieren. Ich kann dieses Geheimnis nicht für mich behalten. Ich muss mit jemandem reden! Dringend!

Also schreibe ich meiner besten Freundin eine Nachricht.

Ich:

»Können wir uns treffen?«

Vermutlich sitzt sie gerade in einer Vorlesung. Es ist Mittwochmorgen und seitdem sie Jura in Frankfurt studiert, verbringt sie viel Zeit in der Uni. Dennoch kommt ihre Antwort schnell.

Leo:

»Natürlich, Süße! Wo und wann treffen wir uns?«

Ich:

»Heute Abend in der Stadt?«

Bis zum Abend verkrieche ich mich mit einer Wärmflasche im Bett, wälze mich hin und her und lese im Internet quasi alles, was es zum Thema »Schwangerschaft« zu erfahren gibt. Zuletzt lösche ich meinen Browserverlauf. Seth geht zwar für gewöhnlich nicht an mein Handy, aber manchmal nimmt er es, um etwas nachzuschlagen, wenn er zu faul ist, sein eigenes zu holen. Better safe than sorry. Hätte ich nur mal so gedacht, als ich ohne Verhütung mit ihm schlief. Ich bin erwachsen und hatte wissentlich kein Kondom benutzt. An meiner Misere bin ich also selbst schuld. Langsam lasse ich meine Hand auf meinen unteren Bauch sinken und schließe meine Augen. Ich war naiv gewesen. Leichtsinnig. Ein Baby ist kein Malheur, das mal passieren kann, wie eine falsch rum angezogene Socke.

Als ich am Abend das heruntergekommene Mehrfamilienhaus verlasse, in dem ich mit Seth und seiner Schwester lebe, fühle ich mich unwohl. Die Los Caídos, die es vor wenigen Tagen noch auf mein Leben abgesehen hatten, sind ausradiert. Es gibts nichts mehr, dass ich befürchten muss, und dennoch sehe ich mich genau zu allen Seiten um. Jede Person auf der Straße wird von mir gemustert, als ob sie mich im nächsten Moment anfallen könnte. Ist diese Paranoia nach solchen Erlebnissen normal, oder habe ich sie von meinem Vater geerbt?

»Wo willst du hin, Prinzessin?«, höre ich plötzlich eine tiefe Stimme hinter mir raunen.

Ich erschrecke und fahre herum.

Seth steht in der Haustür hinter mir und blickt aus seinen dunklen Augen zu mir herab.

»Ich … Ich treffe mich mit Leo in der Stadt«, antworte ich eilig. Obwohl es die Wahrheit ist, komme ich mir vor, als würde ich etwas verbergen.

Etwas Wichtiges. So etwas wie eine Schwangerschaft vielleicht?

Seths Augen verengen sich leicht. »Ich komme mit«, bestimmt er.

»Was? Nein!« Er darf nicht mitkommen. Ich muss mir alles von der Seele reden und das kann ich nicht, wenn er dabeisitzt.

»Wieso denn nicht?«

»Es wird ein Mädelsabend! Da haben Kerle nichts zu suchen.«

»Ich will aber nicht, dass du alleine draußen herumläufst.« Er kommt zu mir, schließt die Tür und zieht eine Zigarettenpackung aus seiner Hosentasche.

»Wieso denn? Die Los Caídos sind doch keine Gefahr mehr.«

Während er sich eine Zigarette zwischen die Lippen klemmt und anzündet, sieht er aus dem Augenwinkel zu mir herüber und hebt abfällig eine Braue.

»Mag sein. Frankfurt ist dennoch kein Pflaster, auf dem kleine Prinzessinnen wie du nachts draußen rumlaufen sollten. Es gibt genügend Kerle hier, die dir an die Wäsche wollen.«

»Kerle wie du?«

»Kerle wie ich«, bestätigt er und bläst mir den Rauch der Zigarette ins Gesicht, um mich zu ärgern. Nicht, dass das normalerweise schon ekelhaft genug wäre, mache ich mir sofort Sorgen um das Baby, wedele den Rauch fort und blaffe Seth an.

»Lass das! Das macht man nicht!«

»Man macht so einiges nicht. Leute töten zum Beispiel«, kontert er. »Also, wo gehen wir hin?«

»Wir gehen nirgendwo hin. Ich gehe jetzt in die Stadt.«

»Du musst mich schon anbinden, wenn du willst, dass ich hierbleibe.«

»Seth! Bitte! Ich brauche auch meinen Freiraum. Leonie und ich wollen Mädchengespräche führen!« Ich sehe ihn so lange verzweifelt an, bis er resigniert seufzt.

»Also gut. Ich bringe dich hin und hole dich ab. Aber ich lasse euch in Ruhe, okay?«

»Okay. Danke«, murmle ich, fasse an seine Lederjacke und ziehe ihn zu mir herab, um ihn zu küssen.

Seth umfasst mein Gesicht mit seinen Händen. In ihnen fühlt es sich klein und zierlich an. Mein Körper wird von einer kribbelnden Wärme erfasst. Ich dränge mich ihm entgegen und möchte mich an seiner Brust vergraben. Einfach verstecken vor den Problemen und der Zukunft. Aber Seth löst sich von mir, nimmt meine Hand und wir gehen zusammen los.

4

Kiki

Ich weiß, du hast Angst vor der Zukunft. Weil du nicht versagen möchtest. Du denkst, deine einzige Aufgabe und dein einziges Talent seien das Töten. Lass mich dir zeigen, dass das Leben so viel mehr zu bieten hat als Leid.

Leonie wartet auf einer Bank auf der Zeil auf mich. Die breite Fußgängerzone im Zentrum Frankfurts ist einer meiner Lieblingsorte. Vor allem liebe ich die modernen Fassaden der Geschäfte. Die eines Einkaufszentrums sieht sogar aus, als wäre ein Loch in ihr. Da es in großen Schritten auf den Sommer zugeht, ist es am frühen Abend noch hell.

Meine Freundin steht auf, als sie uns sieht, und lächelt mich an. Diese Freude fällt in sich zusammen, sowie ihr Blick auf Seth trifft. Mit finsterer Miene glotzt sie ihn an.

Klar ist sie nicht begeistert davon, dass mein Freund ein gruselig aussehender, tätowierter Schlägertyp ist. Ich kann ihre Grimmigkeit verstehen.

Innerlich lache ich über meinen Grimm-Witz. Ich umarme Leonie und drücke sie fest.

»Na, Süße«, sagt sie und küsst mich auf die Wange.

»Dann lasse ich euch mal alleine. Ruf mich an, wenn ihr fertig seid mit eurem Mädchen-Zuckerwattenscheiß*.« Seth küsst mich auf die Lippen, wirft Leo einen gewinnenden Blick zu und schlendert dann weiter. Ich sehe ihm hinterher und kräusele meine Stirn.

»Wollen wir uns einen Kaffee holen?«, frage ich, als ich meine Aufmerksamkeit wieder auf meine beste Freundin richte. Heute trägt sie ein schwarzes Haarband um ihre feuerrote Mähne und ihre blauen Augen sind mit schwarzem Kajal dunkel umrahmt. Sie ist groß, schlank und ihre grazilen Beine stecken in klobigen Biker-Boots. Kaum zu fassen, dass dieses coole Mädchen Jura studiert. Vor allem, wenn ich bedenke, dass sie aus einem armen Elternhaus kommt und es immer und überall schwerer hatte als ich. Trotzdem ist sie jetzt diejenige, die den ersten Fuß auf die Karriereleiter gesetzt hat, während ich mich bei Teenie-Mütter bewerben könnte.

»Klar. Wie geht’s dir denn?«, antwortet sie, schnappt sich meinen Arm und wir gehen zusammen los zu unserem Lieblingscafé.

»Puh«, kommentiere ich und ziehe die Augenbrauen hoch. »Nicht so gut, wenn ich ehrlich bin.«

»Verständlich, Kiki. Du hast so viel durchgemacht. Niemand kann erwarten, dass du in wenigen Tagen wieder die Alte bist.«

Ich nicke.

»Wie geht es dir denn, Leo? Klappt alles gut mit deinem Studium?«

»Ja, alles prima. Um mich brauchst du dir keine Sorgen machen!«

Kurz darauf sitzen wir in dem gemütlichen Café, das mit Bioprodukten und veganer Auswahl punktet. Die Preise sind zwar nicht ganz günstig, aber das sind sie bei großen Ketten ja auch nicht.

»Deine Nachricht hatte sich irgendwie sehr ernst angehört. Als wäre etwas passiert, was du mir erzählen möchtest«, sagt Leo und rührt mit dem langen Löffel in ihrem Latte macchiato herum.

Ich beiße mir auf die Unterlippe und senke meinen Blick. In meinem Bauch rumort es. Diesmal nicht wegen der Symptome, sondern vor Aufregung und Schamgefühl.

»Ja, ich …«, beginne ich zögerlich. »Ich habe ein echtes Problem. Ein riesiges Problem! Wobei, genaugenommen ist es noch winzig klein. Aber je größer es wird, desto größer wird das Problem. Gott, Leo, ich weiß nicht, was ich machen soll. Wie es weitergehen soll! Ich fühle mich so elend. Meine …«

»Kiki«, unterbricht meine Freundin meinen verzweifelten Schwall an wirren Worten. Sie fasst über den Tisch hinweg nach meinen Händen und sieht mir in die Augen. »Ich verstehe nur Bahnhof. Bitte sag mir, was los ist.«

Ein Kloß bildet sich in meinem Hals. Ich will ihn herunterschlucken, aber es geht nicht. Während ich in ihre Augen blicke, spüre ich, wie meine Ohren und Wangen heiß werden vor Scham. Der Kloß wird zu Worten, die sich brennend auf meiner Zungenspitze sammeln.

»Ich … bin schwanger.«

Es auszusprechen ist noch schrecklicher, als ich befürchtet habe. Mein Vater wird vom Himmel hinabsteigen und mir den Hintern versohlen, wenn er das erfährt.

Leonies Augen weiten sich langsam. Sie sieht mich lange schweigend an und hofft genau wie ich, dass es nur ein Scherz ist.

Leider kann ich das nicht sagen und so blicke ich bloß verlegen auf die Tischplatte.

»Du meinst das ernst, oder?«, fragt Leo nach einer Weile.

»Ja …«

»Fuck. Ich glaube, ich brauche einen guten Schuss Alkohol in meinem Kaffee.« Sie lehnt sich zurück und streicht sich mit ihrer Hand fassungslos durch ihre Haare. »Wie konnte das passieren, Kiki? Wolltest du das?«

»Was? Nein! Natürlich wollte ich das nicht. Ich war dumm und naiv. Wir haben nur wenige Male ohne Verhütung miteinander geschlafen …«

»Male? So wie ›mehr als ein einziges Mal‹?!«

Ihre Worte fühlen sich an wie eine Ohrfeige. Eine Ohrfeige, die ich verdient habe.

Also nicke ich stumm.

»Oh man, Kiki … Scheiße. Ich nehme an, er weiß noch nichts davon?«

Diesmal schüttele ich den Kopf.

»Er will keine Kinder! Ich ja auch nicht! Also noch nicht. Ich muss irgendwo in den ersten Schwangerschaftswochen sein und die Wahrscheinlichkeit, dass es abgestoßen wird, ist sehr hoch. Daher will ich ihn nicht verrückt machen, solange nichts sicher ist.«

Leonie senkt ihre Augenbrauen und sieht mich fest an.

»Was, wenn es bleibt? Willst du dann abtreiben?«

Abtreiben.

Dieses Wort pendelt nicht nur wie ein Damoklesschwert über mir, sondern wie das Blatt einer Guillotine. Könnte ich es? Könnte ich das Kind medizinisch entfernen lassen? Meine Kehle schnürt sich zusammen.

»Ganz ehrlich, Süße«, beginnt Leonie, als ich schweige. »Wenn du meine Meinung wissen willst, dann fände ich es nicht in Ordnung, wenn du es abtreibst. Du bist erwachsen und hast in vollem Bewusstsein gehandelt. Du hast eine Schwangerschaft riskiert und auch, wenn du es nicht wolltest, ist es so gekommen. Da wächst jetzt Leben in dir heran. Ein Baby, das nichts dafürkann, dass seine Eltern leichtsinnig waren. Würdest du wirklich ein Leben beenden, weil du einen Fehler gemacht hast? Ich fände das nicht in Ordnung.«

Erneut senke ich meinen Blick. Leonie hat recht. Es wäre nicht in Ordnung. Aber möglicherweise würde ich dieses eine Mal eben nicht ethisch korrekt handeln. Oder? Ich weiß es nicht.

»Es ist ja noch etwas Zeit, damit ich darüber nachdenken kann. Ich habe einfach so Angst, weißt du? Er will keine Familie, ich bin viel zu jung, es gibt keine Großeltern, die mir helfen würden. Ich fühle mich einfach nicht bereit dazu.«

Ihre Hand streichelt über meine Knöchel und drückt sie beistehend.

»Ich bin bei dir. Zur Not würden wir zwei es eben aufziehen. Wir wären tolle Mütter, denkst du nicht?« Ihre Lippen heben sich zu einem warmen Lächeln.

»Da hast du wohl recht«, stimme ich ihr zu und versuche mich ebenfalls an einem Lächeln. Es muss kläglich aussehen, denn eigentlich ist mir eher zum Heulen zumute.

»Wann wirst du es ihm sagen?«, fragt Leonie dann.

»Ich weiß es nicht. Sobald ich mich traue? Am besten versuche ich, nochmal ganz vorsichtig mit ihm über das Thema zu sprechen.«

»Wenn er dir dumm kommt, sag mir Bescheid, dann mache ich ihn fertig!«

Ich schnaube belustigt und nicke.

Leider ist er ein ausgebildeter Killer, den kann man nicht so einfach fertigmachen.

»Also keine Sorge, Süße. Wenn es so kommen sollte, würdest du trotz allem eine tolle Mutter werden. Ich würde dir bei allem helfen und du hast genug Kohle, um dir zehn Nannys zu leisten.« Leo zuckt die Schultern. »Also wage es dich nicht, die kleine Kiki in dir loszuwerden!«

Ich hebe einen Mundwinkel. »Woher weißt du, dass es ein Mädchen wird? Und bist du jetzt Mini-Kikis Anwältin, oder wie?«

»Jap. Sie ist mein erster Klient!« Leonie grinst und trinkt ihren Kaffee leer. »Versau es mir nicht!«

Die Worte und das unumstößliche Verhalten meiner besten Freundin machen mir Mut. Sie ist so optimistisch, dass es ein wenig auf mich abfärbt und die Zukunftsängste vorerst verdrängt.

»Was würde ich nur ohne dich machen?«, frage ich sie lächelnd.

»Verschon mich mit diesen Klischee-Fragen!« Leo rollt gespielt mit den Augen. »Erzähl mir lieber, wie es jetzt weitergeht mit der Firma deines Vaters. Hat sich der Nachlassverwalter schon gemeldet?«

»Ich habe in den nächsten Tagen einen Termin mit einem Anwalt, da werden wir dann alles Weitere klären. Er hält mir auch die Behörden weitestgehend vom Hals. Die Kripo ist natürlich durchgedreht, dass ich verschwunden war und dann plötzlich wiederaufgetaucht bin. Vor allem wollten sie mich in so ein Zeugenschutzprogramm stecken.«

»Aber wäre es nicht besser, wenn die Polizei dich schützen würde? Ich meine, verdammt, Kiki, euer Haus ist regelrecht in die Luft geflogen. Dein Vater und eure Leibwächter sind …«