Fortuna - Sandra Friedrich - E-Book

Fortuna E-Book

Sandra Friedrich

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Beschreibung

Alisea saß auf einer Bank an der Aare. Hierher kam sie gerne um ihren Kopf frei zu bekommen. Aber dieses Mal funktionierte es nicht. Sie dachte an die Worte ihres Vorgesetzten und versuchte eine Lösung für ihre Probleme zu finden. Aber immer und immer wieder schweiften ihre Gedanken zurück in die Bündner Berge. Sie musste sich eingestehen, dass all die Gefühle von damals wieder da waren.

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Seitenzahl: 57

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Für den glücklichen Mann in der Londoner U-Bahn

In Gedenken an meine Grossmutter und meine Nonni

Inhaltsverzeichnis

Glück

Erinnerungen

Die Erbschaft

Rückkehr in die Vergangenheit

Damals

Wiedersehen

Ein spätes Geständnis

Enttäuschung

Zurück im Alltag

Neues Leben

Das Unglück

Neuanfang

Nachbemerkung

Glück

Glück ist gesund und munter erwachen –

Glück ist Freude und von Herzen lachen.

Glück ist Liebe verschenken –

Glück ist positives Denken.

Glück ist geschätzt und geliebt zu werden –

Glück ist zufrieden sein auf Erden.

Glück ist das Wunderbare im Alltäglichen sehen –

Glück ist ein Stück Weg zusammengehen.

Glück ist überall und hier –

Glück bist du und ich und wir!

Sandra Friedrich

Erinnerungen

Die Junisonne strahlte warm vom Himmel als sich Alisea müde an einen Tisch des kleinen Cafés in der Churer Altstadt setzte. Sie streckte ihre Beine und bestellte beim Kellner einen Latte Macchiato und ein grosses Glas Wasser. Er verschwand und kam kurze Zeit später gutgelaunt mit ihren Getränken zurück. «Darf ich sonst noch etwas bringen?» Alisea schenkte ihm ein kurzes, freundliches Lächeln und erwiderte: «Danke, im Moment bin ich bedient!» Sie richtete ihren Blick wieder auf die Unterlagen, die sie auf dem Tisch ausgebreitet hatte. Noch immer konnte sie kaum glauben, was der Notar ihr vor kurzem mitgeteilt hatte. Alisea begann die Dokumente zu lesen, aber in Gedanken war sie bei ihrer Grossmutter Maria. Sie war vor fünf Monaten gestorben.

Alisea dachte an ihre Kindheit, an die Ferien und an das gemütliche Haus am Waldrand oberhalb von Mustér. Ihre Grossmutter hatte einen grossen Kräutergarten auf den sie immer sehr stolz gewesen war. Sie erinnerte sich, wie sie im Sommer manchmal mit den Händen durch die Kräuter strichen. Ihre Grossmutter fragte sie immer, welche Kräuter sie erkennen konnte. Mit geschlossenen Augen schnupperten sie an ihren Fingern und mit den Jahren konnte Alisea tatsächlich immer mehr Kräuter erkennen. Zu Weihnachten bekam sie von ihrer Grossmutter immer ein Buch und ein kleines «Kräuter-Geschenk». Ein selbstgenähtes Säckchen mit Lavendel für den Kleiderschrank, eine Ringelblumensalbe oder ein Kräuter-Badesalz. Damals war ihr das Besondere dieser Geschenke noch nicht so bewusst. Aber heute wusste sie, wieviel Zeit und Liebe ihre Grossmutter in die kleinen Geschenke gesteckt hatte. Alisea dachte auch an Ladina, Curdin und Duri, die Nachbarskinder vom Hof der Familie Simonet. Während den Ferien spielten sie sehr oft zusammen. Sie war ein Einzelkind und hatte sich lange Geschwister gewünscht. Umso mehr freute sie sich, dass sie in den Ferien bei ihrer Grossmutter Gesellschaft hatte. Manchmal sassen sie vor dem Haus auf der alten, windschiefen Bank. Fast konnte sie hören, wie ihre Grossmutter ihnen eine Geschichte oder ein Märchen erzählte. Es war immer etwas Besonderes, fast Magisches, wenn ihre Grossmutter zu erzählen begann. Wie hatten sie es geliebt ihr zuzuhören.

Nun hielt sie einen schlichten, weissen Brief in der Hand und eine einzelne, grosse Träne rann über ihre Wange. Verstohlen wischte sie die Träne weg. Ihr Name war in der für Maria typischen, alten und zittrigen Handschrift auf den Umschlag geschrieben.

Die Erbschaft

Bis vor wenigen Stunden, war Alisea‘s Leben in geregelten Bahnen verlaufen. Nun ging sie davon aus, dass dieser Termin beim Notar eine reine Formsache sein würde. Ihre Grosstante Sofia und ihre Mutter waren die einzigen Erbinnen von Maria Allegra. Doch schon kurz nach der Begrüssung beschlich sie ein komisches Gefühl. Sie war die Einzige, die zu diesem Termin erschienen war. Als sie freundlich nachfragte, ob sich ihre Grosstante verspäte, lächelte der Notar und bat sie Platz zu nehmen. Er entschuldigte sich, um die Unterlagen und einen Kaffee aus dem Nebenraum zu holen. Währenddessen überlegte sie angestrengt. Ihr Grossvater war bereits gestorben als sie noch ein kleines Mädchen gewesen war. Ihre Eltern hatten sie über den Termin beim Notar informiert und gebeten an ihrer Stelle nach Chur zu fahren. Ihre Mutter hatte mit Nachdruck darauf bestanden und so hatte sie sich bereit erklärt ein paar Tage frei zu nehmen. Nun sass sie wegen der Erbschaft in einem Notariat mitten in der Churer Altstadt. Aber was war mit ihrer Grosstante? Wieso war sie nicht hier? Soweit sie wusste, war sie für ihr Alter noch recht fit.

Bevor sie weiter überlegen konnte, betrat Herr Caduff erneut den Raum und nahm ihr gegenüber hinter dem grossen, alten Holztisch Platz. Er räusperte sich kurz und kam dann ohne Umschweife zum Punkt: «Herzliche Gratulation Frau Morini, Sie sind die Alleinerbin von Maria Allegra.» Alisea starrte ihn mit offenem Mund an. «Wie bitte? Aber was ist mit…» Bevor sie weitersprechen konnte, unterbrach er sie freundlich: «Ihre Grossmutter hat ein entsprechendes Testament verfasst, es hat alles seine Richtigkeit! Ihre Eltern und Ihre Grosstante Sofia haben schon vor langer Zeit zusammen mit Maria alles in die Wege geleitet.» «Aber…» begann sie erneut. Doch der ältere Herr schob ihr bereits ein amtliches Dokument über den Tisch. «Sie müssen hier unterschreiben und dann können Sie selbst entscheiden, was mit Ihrem neuen Besitz geschehen soll. Möchten Sie alles mit mir durchgehen, oder schauen Sie die Dokumente später in Ruhe an? Wie bereits erwähnt, wir haben alles geprüft und es ist alles in Ordnung, so wie Ihre Grossmutter es im Testament vorgesehen hat.» Alisea war wie vor den Kopf gestossen und schaute ihn ziemlich erstaunt an. Nur mit Mühe fand sie ihre Stimme wieder: «Ähm, dann nehme ich wohl besser alles mit.» Ihre Hand zitterte ein wenig, als sie das Dokument unterschrieb. Herr Caduff überreichte ihr ein dickes Bündel mit vielen weiteren Dokumenten. Ausserdem gab er ihr drei Schlüssel und einen kleinen weissen Umschlag. Sie liess sich noch einmal Glück wünschen und verliess aufgewühlt die Kanzlei. Völlig durcheinander lief sie in der Stadt umher und beschloss dann ihre Mutter anzurufen. Bereits nach dem dritten Klingeln hörte sie die vertraute Stimme: «Ciao Alisea, alles in Ordnung?» «Nein, Mamma! Gar nichts ist in Ordnung! Wieso habt ihr mir nichts gesagt?» Ihre Mutter schien sehr zufrieden zu sein: «Weil es eine Überraschung sein sollte! Und nun geniess deine Tage in den Bergen und freu dich über die Erbschaft!» Das war wieder einmal typisch. Für ihre Mutter gab es im Leben nur Lösungen keine Probleme. Sie redeten noch eine Weile zusammen und Alisea versprach sich in den kommenden Tagen wieder zu melden.

Nun sass sie im Café und versuchte ihre Gedanken und all die Dokumente zu ordnen. Wieder hielt sie den kleinen Brief in ihrer Hand und legte ihn dann entschieden beiseite. Sie würde ihn später lesen. Nachdem sie sich alles angeschaut und einen Überblick verschafft hatte, war sie beeindruckt. Maria hatte ihr neben dem Haus mit dem ganzen Hausrat und Garten auch ein grosses Stück Land und das angrenzende Waldstück vererbt. Ausserdem gehörte einer der 3 Schlüssel zu einem Bankschliessfach. Nachdenklich rief sie den Kellner und trank den letzten Schluck Wasser. Nachdem sie bezahlt hatte,