Four People Chance - Corvette K. - E-Book

Four People Chance E-Book

Corvette K.

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Beschreibung

Jane Hollow wünscht sich nichts sehnlicher als ein Kind. Da sie es mit ihrer Partnerin Amanda nicht bekommen kann, bittet sie ihren besten Freund, den ebenfalls homosexuellen Bastien, um Hilfe. Ihn kennt sie schon seit ihrer Kindheit, früher waren die beiden einmal ein Paar, bis sie ihre homosexuellen Neigungen entdeckten. Doch den Kinderwunsch zu erfüllen, ist nicht so einfach wie zunächst gedacht. Deshalb zieht Jane vorübergehend zu Bastien und dessen Freund Nico quartiert sich in Janes Wohnung bei Amanda ein. Vieles verändert sich in den Wochen, in denen Jane immer noch nicht schwanger ist. Neue und starke Gefühle kommen zum Vorschein, die alles durcheinander bringen.

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EPUB

Seitenzahl: 320

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Inhalt

Impressum

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Epilog

Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie­.

Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fern­sehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und ­auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.

© 2015 novum Verlag

ISBN Printausgabe: 978-3-99038-579-1

ISBN e-book: 978-3-99038-580-7

Lektorat: Silvia Zwettler

Umschlagfoto: Viorel Sima | Dreamstime.com

Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh

www.novumverlag.com

Kapitel 1

Ein warmer Sonnenstrahl spiegelte bunte Lichter an die Fensterglasscheibe. Ihre Wärme erfüllte mich mit einer Lust, sofort aus dem Bett zu steigen und raus an die frische Luft zu gehen. Doch ich blieb in meinem Bett liegen. Ich dachte über die vergangene Nacht nach. Es wurde gestern noch reichlich spät. Meine Freundin und ich hatten uns bei Nico und Bastien zu einem Pokerabend getroffen. Zweite Wahl wäre gewesen, tanzen zu gehen, da ich aber tanzen hasste, war die Entscheidung nicht weiter schwer gewesen. Schmunzelnd schob ich den Gedanken beiseite und sah aus dem Fenster.

„Na ja, den ganzen Tag im Bett liegen zu bleiben ist bei dem Wetter echt zu schade.“

Ich drehte mich nach links und schaute in die mir wohl am vertrautesten braunen Augen, die ich kannte. Ihr rotbraunes Haar hing wild bis zu ihren Schultern hinab.

„Guten Morgen“, sagte Amanda mit einem verschmitzten Lächeln.

„Morgen“, erwiderte ich ebenso mit einem Lächeln und strich ihr mit meinen Fingern über den Arm.

„Wie spät ist es?“

„11 Uhr“, wie immer wunderte es mich, wie sie es schaffte, aufzuwachen und gleich ernst zu werden. Ich an ihrer Stelle war noch etwas benommen. Das hing bestimmt mit ihrem Beruf zusammen. Als Leichenbeschauerin musste man sehr konzentriert arbeiten. Zudem musste man, soweit ich das wusste, sich strikt an die Vorgehensweisen halten, da war es unmöglich, sich einen Fehltritt zu erlauben. Amanda stieg aus dem Bett, zog sich ihre Jeans und ihr blassbraunes Top an und ging links gegenüber ins Badezimmer. Ich zog mir die hellorange Decke bis zu den Schultern und starrte auf die Zimmerdecke. Neben mir stand meine Kommode, die aus dunklem Holz bestand und auf der eine Lampe mit weißem Schirm krönte. Ich rieb mir über meine Augen und stand endlich aus dem Doppelbett auf. Während sie aus dem Badezimmer herauskam, legte ich mir gerade meinen schwarzen Rock mit Tüll und ein gelbes Top an.

„Wir wollten doch heute in die Stadt, um ein bisschen zu bummeln“, erinnerte Amanda mich und holte ihre grüne Tasche hervor, die neben dem Bett lag.

„Ja, ich muss mich nur noch zurechtmachen.“

Also ging ich ebenfalls ins Bad und schaute erst mal lange in den Spiegel. Zwei trüb aussehende grüne Augen schauten mich an. Funkelnde Steine umrandeten den Spiegelrahmen. Ich sah zu Boden, was ein morgendlicher Tick von mir war. Die weißen Kacheln wurden von einem karamellfarbigen Teppich bedeckt. Eine große Badewanne bildete den Blickfang des Raumes. Zudem stand noch eine kleine Dusche im hinteren Eck und eine weiße Toilette gegenüber. Ja, ich ließ immer wieder meinen Blick durch das Badezimmer schweifen, ehe ich irgendetwas darin erledigte. Ich wusch mir mein Gesicht gründlich mit kaltem Wasser und trug danach Mascara auf, dann putzte ich mir die Zähne. Als Letztes nahm ich meine Bürste und kämmte meine Haare. Einen letzen Blick in den Spiegel werfend öffnete ich die Tür und ging ins Schlafzimmer zurück. Amanda tippte gerade etwas in ihr Blackberry 10, das neu auf dem Markt erschienen und demnach entsprechend teuer war. Einstweilen kramte ich meine schwarze Tragetasche heraus. Vor mir lagen viele verschiedene Kleidungsstücke in den unterschiedlichsten Farben. Außerdem liebte ich Schuhe über alles. Meine Sammlung war bemerkenswert. Die meisten Sachen schickte mir mein Vater als Trost dafür, dass er fast nie hier war, da er ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann war und viele Länder bereiste. Bei diesem Gedanken spürte ich einen leichten Druck in meiner Brust.

Er fehlte mir manchmal schrecklich, auch wenn ich es mochte, allein meinen Angelegenheiten nachzugehen. Um mich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren, klappte ich schnell die Schranktüren zu und schnappte mir den Hausschlüssel.

„Können wir?“

Amanda starrte mich an, ich hatte nicht bemerkt, dass sie ihr Handy längst beiseitegelegt hatte. Ich nickte nur, weil es mir unangenehm war, und ging die gebogene Holztreppe zum Flur hinunter. Sie folgte mir und bestaunte wie immer die eleganten Farbkombinationen. Der Teppich bestand aus einem orientalischen Muster und die Wände waren passend dazu gefärbt. Ein großes Gemälde hing an der rechten Wand vor der Haustür. Das Bild hatte keine genauen Formen und strahlte viel Fantasie und Fröhlichkeit aus. Amanda riss mich aus meinen Gedanken, als sie die Tür öffnete und nach draußen stolzierte. Mein silberner Audi TT Roadster stand vor der Garage, dort wo ich ihn gestern Nacht stehen gelassen hatte. Amanda setzte sich neben mir auf den Beifahrersitz. Ich ließ den Motor an, stellte den Rückwärtsgang ein und fuhr rückwärts hinunter auf die Straße. Wir fuhren in Richtung Stadtmitte.

In der Stadt von Cervens hatten wir das Auto in einer Tiefgarage geparkt. Unterwegs zum Hauptplatz St. Mountry liefen wir kleinen Kindern entgegen, die uns nach dem Weg zum nächstgelegenen Café fragten. Der eine trug ein grünes Cap und blaue Shorts und der andere Junge trug ein rotes Sweatshirt und hatte zudem viele Sommersprossen im Gesicht. Wir sagten ihnen den Weg und die kleinen Jungen bedankten sich rasch und rannten in die Richtung, die wir ihnen genannt hatten. Als wir nach fünfzehn Minuten Fußweg die Stadtmitte erreichten, mussten wir feststellen, dass einige Leute ebenfalls die Idee hatten, einen Einkaufsbummel zu machen. Die Stadtmitte bot viele Läden und Geschäfte an. Alle Schaufenster waren mit Bedacht sorgfältig eingeräumt, um bestmöglich Kunden anzulocken. Viele Leute gingen in die Läden hinein und andere kamen voll bepackt mit Tüten und Taschen wieder heraus. In der Mitte des Marktplatzes stand ein Springbrunnen, direkt vor dem Rathaus. Neben dem Brunnen stand wie jeden Samstag der Eiswagen. Zugegeben meine Lieblingssorte war Joghurt, aber heute war mir zu viel los, um eines zu kaufen. Wir schauten uns die Schaufenster der Modegeschäfte an. An einem blieb Amanda stehen. „People-Chance“ prangte über dem kleinen, aber niedlich wirkenden Laden. Bunte Blumen schmückten die Umgebung und ließen sie freundlicher wirken.

„Komm, gehen wir mal rein! Ich möchte mir neue Schuhe kaufen.“

Bevor ich antworten konnte, packt sie mich bereits am Arm und zog mich buchstäblich in den Laden hinein. Im Laden roch es leicht nach Orange. Die Wände waren allesamt in einem Olivengrün gestrichen. Dunklere Linien zogen sich verschnörkelt an den Mauern entlang, die mich unwillkürlich an das Gemälde vor unserer Haustür erinnerten. Die vielen Lichter ließen den Raum im besten Lichtbild erstrahlen. Der Laden war in drei Abschnitte unterteilt. Im vorderen Bereich waren die Kasse und viele Kleiderständer. Weiter hinten gab es die Schuhe und Handtaschen und links in einem Raum neben der Kasse waren die Umkleidekabinen und Toiletten.

„Guten Tag“, eine kleine und zierlich wirkende Frau lächelte uns an.

„Guten Tag“, grüßten wir ebenfalls.

„Ich sehe mich dann mal bei den Schuhen um“, murmelte meine Freundin und ging in die hintere Abteilung.

„Sollten Sie Hilfe brauchen, geben Sie einfach Bescheid“, entgegnete die Verkäuferin namens Mori freundlich und verschwand in die Personalabteilung. Während Amanda in der Schuhabteilung war, sah ich mich im vorderen Bereich um. Das kleine Geschäft bot viele verschiedene T-Shirts, Tops, Jacken, Jeans, Röcke und Kleider an. Die vielen verschiedenen Farben hätten für die jeweiligen Kleidungsstücke nicht treffender sein können. Es gab Klamotten mit besonders speziellem, maßlos brillantem Schnitt, aber es gab nebenbei auch schlichtere Klamotten, die trotzdem modisch wirkten. Ich ging zwischen den vielen Kleiderständern hindurch und vor einem blieb ich stehen. Dort hingen T-Shirts, die ein Logo mit drei goldenen Blättern in der Mitte, enthielten. Die saftigen, dunklen Farben ließen die Goldtöne hervorragen. Mir gefiel am besten das dunkelgrüne T-Shirt. Da ich es kaufen wollte, suchte ich nach einer passenden Größe. Als ich die richtige Größe gefunden hatte, zog ich aus Versehen ein anderes Kleidungsstück mit, das daraufhin auf dem Fußboden landete. Hastig hob ich es auf und war im Begriff, es wieder hinzuhängen, als ich bemerkte, dass es sich um ein Kinderhemd handelte. Es sah einfach niedlich aus und so fuhr ich sanft mit meinem Finger darüber. Der Stoff war hellblau und sehr weich. Das Hemd musste wohl versehentlich auf den falschen Ständer gehängt worden sein, denn als ich mich umsah, bemerkte ich, dass neben mir ein Ständer ausschließlich voll mit Kindersachen stand. Eine angenehme Wärme durchflutete mich, als ich das Hemd in meinen Händen hielt. In letzter Zeit passierte mir so etwas öfters, wenn mir Sachen, die etwas mit Kindern zu tun hatten, über den Weg kamen.

„Wir dachten uns, wir könnten auch für Jüngere Kleidung entwerfen.“

Ich erschrak, als plötzlich neben mir die zierliche Mori stand. Die Verkäuferin lächelte mich an. Unwillkürlich musste ich ebenfalls anfangen zu lächeln.

„Wissen Sie, es ist schön, wenn Kinder Mode von uns tragen. Ich liebe es, Kinder lächeln zu sehen. Das macht mich einfach glücklich.“

„Ich kann mir gut vorstellen, dass es einen als Verkäuferin noch glücklicher macht, wenn die Kinder auch noch die selbst entworfene Mode tragen“, entgegnete ich. Sie nickte und erzählte: „Bisher haben wir ausschließlich für Erwachsene und Heranwachsende Mode kreiert. Ich habe einen Sohn. Er ist jetzt neun Jahre alt und sehr kreativ. Durch ihn hatte ich einige Ideen für dieses Geschäft. Ich hatte eines Abends urplötzlich die Idee, nicht nur für Jugendliche und Erwachsene kreative Modekleidung zu entwerfen, sondern auch mal für die Kinder. Alle Kleidungsstücke, die Sie hier sehen, habe ich entworfen“, sie machte eine ausschweifende Handbewegung.

„Ich fragte mich, warum sollen die Kleineren nicht auch spezielle Kleidungsstücke tragen. Natürlich sollten diese nicht zu teuer sein und die Fantasie der Kleinen vollwertig befriedigen. Also machte ich mich, gleich noch an diesem Abend, an die Kleidungsstücke ran. Ich hatte in dieser Nacht drei Klamotten kreiert.“

Mir schoss ein Gedanke durch den Kopf und ich sah auf das grüne T-Shirt, das ich in meiner linken Hand hielt.

„Ja, die drei goldenen Blätter in der Mitte stehen für die drei Kleidungsstücke, die ich in dieser Nacht fertiggebracht habe.“

Ich nickte nur, weil ich sie für viel jünger gehalten hatte, etwa ungefähr in meinem Alter. Nun strahlte sie für mich eine völlig andere Aura aus. Eine Aura der Weisheit und der Erfahrung.

„Na ja, ich geh dann mal wieder an die Arbeit“, sie lächelte mich noch einmal an und ging in den Personalbereich. Ich ließ mir ihre Worte noch einmal durch den Kopf gehen.

„Oh, Mann! Es gibt so viele tolle Schuhe, welche soll ich nur nehmen?“

Amanda kam auf mich zu und hielt zwei unterschiedliche Schuhpaare hoch. Ich zeigte mit meiner rechten Hand auf die schwarzen Pumps, zog sie aber schnell wieder weg, als ich bemerkte, dass ich ja noch immer das Hemdchen hielt.

„Was hast du denn da in der Hand?“, neugierig schaute sie auf das blaue Kinderhemd. Ich wurde knallrot.

„Hm, meinst du nicht, dass dir das ein bisschen zu klein ist?“, grinste sie.

Ich streckte ihr die Zunge raus und sie beantwortete dies mit einem noch breiter werdenden Grinsen. Amanda ging an die Kasse und zahlte für die schwarzen Pumps. Die anderen Schuhe gab sie der Verkäuferin.

„Okay, bist du so weit?“

„Gleich, ich muss nur noch das T-Shirt bezahlen.“

Also hängte ich das Kinderhemd wieder an den Kleiderständer und bezahlte meine Ware ebenfalls.

„Vielen Dank und auf Wiedersehen“, sagte die Blonde mit dem Namensschildchen „Simone“. Wir verließen den Laden und schlenderten mit unseren Tüten Richtung Tiefgarage.

„Der Laden ist echt super. Ich hätte mich fast nicht entscheiden könne, was für Schuhe ich nehmen sollte.“

Ich starrte auf den Boden und bekam nur vage ihren Satz mit, ich war in Gedanken ganz woanders.

„Hey, Erde an Jane!“

Amanda fuchtelte vor meinem Gesicht herum.

„Alles in Ordnung? Du bist so still geworden, seit wir den Laden verlassen haben.“

Ich blinzelte einen Moment lang, dann rückte ich mit der Sprache heraus:

„Sag mal, hast du schon mal darüber nachgedacht, wie es wäre, ein Kind zu haben?“

„Wie kommst du denn jetzt auf die Schiene?“, ihre Überraschung versuchte sie kein bisschen zurückzuhalten.

„Na ja, es wäre doch schön, ein Kind großzuziehen. Das wäre ein wundervolles Erlebnis.“

„Ich weiß nicht recht, es könnte schwierig sein. Ich stelle mir das nicht so einfach vor. Es läuft ja schließlich nicht jeden Tag alles perfekt. Ein Kind ist nicht nur für kurze Zeit gedacht, sondern es beeinträchtigt dein ganzes Leben. Das muss man sich vorher gut überlegen …

Sag bloß, das ist dirjetztin dem Laden eingefallen.“

„Nein, das Gefühl danach hatte ich schon länger, nur jetzt bin ich mir hundert Prozent sicher. Außerdem rede ich ja auch nicht davon, dass es nie ein Problem geben wird. Nur wenn so etwas vorkommt, würde ich einfach alles daran setzen, das Beste daraus zu machen. Verstehst du, ich will eines mit dir großziehen, weil ich sehen will, wie es sich entwickelt, spüren, wie es dich anlächelt, und trösten, wenn es weint. Auch in schwierigen Zeiten würde ich für es da sein und ich werde es lieben mit jedem Tag, der vergeht.“

„Jane, das klingt ja alles ganz gut, wie du das alles beschreibst, und ich hab überhaupt keinen Zweifel daran, dass du eine gute Mutter abgeben würdest. Jedoch, mal angenommen ich wäre damit einverstanden, wie willst du überhaupt schwanger werden?“

„Na ja, auf jeden Fall nicht von jedem x-Beliebigen.“

Ich schaute Amanda an. Ihre Augen forschten in meinen. Beschämt wendete ich den Blick ab.

„Du brauchst gar nicht erst so zu tun, ich weiß genau, wer dir da vorschwebt.“

Sie kannte mich einfach zu gut. Das war gut, denn so musste ich nicht viel sagen, um mich verständlich zu machen.

„Aber mal ehrlich, glaubst du wirklich, Bastien ist der Richtige?“

Bastien war mein allerbester Freund und äußerst vertrauensvoll.

„Ich wüsste nicht, wer sonst noch infrage käme. Ihm vertraue ich am meisten und ich glaube auch nicht, dass es da zu Gefühlen oder Problemen kommen kann.“

„Hm …“

Amanda blickte nachdenklich.

„Bitte, Amanda“, ich nahm ihre Hand in meine. Sie schaute mich an.

„Ich sehe doch, dass du auch neugierig geworden bist und erleben willst, wie es ist, ein Kind großzuziehen. Außerdem würde es uns noch fester miteinander verbinden, weilwirfür es verantwortlich sind.“

„Okay, das mag zwar stimmen. Aber genaudasist es ja,wirsind für es verantwortlich. Da hilft nicht nur eine gewisse Neugierde. Ich würde mir die Sache noch mal gründlich durch den Kopf gehen lassen.“

Ich nickte und umarmte sie kurz.

„Okay, aber hör dir auch meine Argumente an, so wie ich deine, bevor wir gemeinsam entscheiden!“

Wir unterhielten uns noch weiter über dieses Thema.

Kapitel 2

Ganz allein stand ich auf dem Hügel vor Bastiens Haus. Letztendlich hatte ich es doch geschafft, Amanda zu einem Kind zu überreden, weil sie wusste, dass ich schon längst dazu bereit war. Allerdings hatte es mich einige Mühe gekostet, ihren festen Standpunkt zu durchbrechen, und ich wusste beim besten Willen nicht, wie es Bastien aufnehmen würde. Der Himmel über mir wurde von einem grauen Schleier bedeckt. Dicke schwarze Wolken versperrten mir die Sicht auf einen sonst rot gefärbten Horizont. Auf dem Hügel konnte man einen Sonnenuntergang wunderbar betrachten. Ich hatte ihn hier schon sehr oft betrachtet, da Amanda, Nico und ich öfters zu Bastien fuhren. Wir warteten immer vor seinem Haus, wenn wir zusammen ausgingen, und dabei bekam ich jedes Mal diesen wunderschönen Sonnenuntergang zu Gesicht. Nur heute würde ich ihn nicht sehen. Direkt unter seinem Haus war das Meer. Die Wellen platschten gegen die hohen Mauern. Der Wind wirbelte farbige Blätter umher. Es hörte sich an, als würden sie zum Takt des Meeresrauschens singen. Ein kalter Luftzug wehte in mein Gesicht und mir stiegen Tränen in die Augen. Langsam wurde ich nervös, weil Bastien nicht zu Hause zu sein schien. Wahrscheinlich musste er noch arbeiten, es passierte öfters, dass er erst später nach Hause kam. Sein Beruf brachte das so mit sich. Zudem waren oft viele seiner Mitarbeiter krank und so mussten die restlichen Arbeiter doppelt so viel arbeiten. Er erzählte mir so was immer, da ich ihn auch mal öfters ohne die beiden besuchte. Schließlich kannten wir uns auch am längsten und waren schon damals in unserer Kindheit eng miteinander befreundet. In unserer Abschlussklasse waren wir sogar ein Paar. Nach dem Abschluss merkte er allerdings, dass er ein Interesse an Männern gefunden hatte, und so haben wir uns nach einem Jahr in Freundschaft getrennt. Trotzdem waren wir uns noch immer sehr nah. Anfangs hatte ich das nicht glauben können, weil er gar nicht so aussah, als wenn er einen gewissen Reiz an Männern gefunden hätte. Eigentlich sah er mehr aus wie ein dunkler Verführer, der sein Leben ganz normal zu führen schien. Allerdings muss man ja auch nicht unbedingt so aussehen, wie ein Homosexueller meist dargestellt wird. Sie waren meiner Meinung nach genauso wie alle anderen auch, nur dass sie oft mehr Verständnis aufbringen konnten als „normale“ Männer. Außerdem war Bastien nicht nur homosexuell. Er mochte bestimmte Frauentypen immer noch, nur dass er jetzt mehr das männliche Geschlecht bevorzugte. Meiner Meinung nach war er bisexuell, eine Meinung, die Amanda mit mir teilte. Mit der Zeit hatte ich mich dann aber daran gewöhnt und wir erzählten uns noch immer Neuigkeiten oder Probleme. Manchmal trafen wir uns auch einfach so, ohne irgendetwas zu besprechen oder gar etwas zu sagen. Wir wussten fast immer, was der andere fühlte.

Sauer auf mich selbst, dass ich nicht zuvor angerufen hatte, stampfte ich die lange gebogene Steintreppe herunter. Vor der letzten Stufe blieb ich stehen und hob den Kopf. Zwei strahlende graublaue Augen blickten mich an. Die Augen von Bastien. Vor Schreck stieß ich gegen die steinige Kante der Treppe und zuckte zusammen.

„Hey, was machst du denn hier?“

Ich entspannte mich wieder und sah ihn an. Seine schwarzen, verwuschelten Haare umrahmten seine markanten Gesichtszüge. Die hellen grauen Augen schienen sein leicht gebräuntes Gesicht zu erhellen. An seiner Stirn klebten einzelne Haarsträhnen. Er trug eine schwarze Jacke und eine dunkelblaue Jeans.

„Entschuldige, ich war kurz in der Stadt, um ein wichtiges Paket abzuschicken. Mein Handy hatte ich zu Hause liegen gelassen.“

Ich blinzelte: „Was, … nein! Ich habe nicht angerufen.“

„Ach so, na dann.“ Er sah mich erwartungsvoll an.

Ich hob gerade meine Stimme an, als er mir zuvorkam.

„Ganz schön kalt heute, reden wir doch drinnen weiter.“

„Okay“, erst jetzt bemerkte ich, wie kalt mir war.

Also stiegen wir die Treppen wieder hinauf. Ein Glück, dass sein Haus etwas abseits von den anderen Häusern in diesem Stadtteil gelegen war. Vor der Haustür zog Bastien seinen Schlüssel aus der rechten Jackentasche heraus und sperrte auf. Das Haus war groß und geräumig. Ein langer Korridor führte ins Wohnzimmer. Der Korridor war mit einem großen Teppich ausgestattet und es standen drei Garderobenständer neben einem Schuhschrank und einer Kommode. Ein kleines Fenster durchflutete den Gang mit viel Sonnenschein. Ich zog meine Jacke aus und er hängte seine und meine an einem Haken des Ständers auf. In der Ecke des Wohnzimmers stand eine große dunkelgraue Eckcouch. Einige dicke verschiedenfarbige Kissen sowie zwei breite Decken lagen darauf. Im gegenüberliegenden Eck stand ein großer Plasmafernseher und daneben führte der Türrahmen in die luxuriöse Küche. Der Fußboden war mit dunkelbraunen Fliesen belegt und in der Mitte des Raumes lag ein dicker plüschiger Teppich vor dem Marmortisch. Ich betrat das Wohnzimmer und musste feststellen, dass der Boden erwärmt war. An der rechten Mauer des Türrahmens, der in den Korridor führte, stand ein gläsernes Regal. Auf der linken Seite führte eine Treppe direkt nach oben zu den Badezimmern, dem Schlafzimmer und den zwei Gästezimmern. Außerdem hatte Bastien auch noch ein Privatzimmer, das einen fantastischen Ausblick aufs Meer freigab.

„Willst du auch einen Kaffee?“

Bastien blickte mich mit einem Lächeln an.

„Ja, danke“, antwortete ich ebenfalls lächelnd.

Sein Schmunzeln war ansteckend.

Bastien ging in die Küche und holte zwei Tassen aus dem oberen Regal heraus. Die Küche war komplett weiß und wirkte im Vergleich zu den restlichen Räumen heller und unbenutzter. Der äußere Schein trog aber, weil ich wusste, dass Bastien gut und oft kochte.

„Magst du ihn so wie immer?“

„Wen?“

„Na den Kaffee“, grinste er.

„Ach so, ja genauso wie immer“, entgegnete ich.

Er holte Milch und Zucker aus dem Schrank und stellte sie auf den Küchentisch.

„Der Kaffee braucht noch etwas. Du kannst mir ja währenddessen erzählen, warum du hergekommen bist“, meinte er und setzte sich auf die Couch. Ich nickte und ließ mich ebenfalls ihm gegenüber auf der Couch nieder. Er schaute mich an und verschränkte seine Arme hinter dem Nacken.

Ich wusste nicht, wie ich anfangen sollte, also stotterte ich los:

„Ähm … Amanda und ich … Wir … dachten uns … Äh, nein wir wollten …“

Bastien blickte mich noch immer voller Interesse an und beugte sich vor, näher zu mir.

„Also, was wollt ihr, Amanda und du?“, fragte er mit einer Art Grinsen im Gesicht.

„Nun, ja. Wir waren gestern in der Stadt unterwegs und wie immer in unserem Lieblingsladen“, ich sah ihn an und erzählte weiter: „Amanda ist zur Schuhabteilung gegangen und ich bin im vorderen Bereich geblieben. Ich habe ein paar Kleiderständer angesehen und da hing offenbar so ein Kinderhemd, und das ist heruntergefallen …“

Bastien blickte mich noch immer so an, als hätte ich seine volle Aufmerksamkeit. Also redete ich weiter: „Also das Hemd ist heruntergefallen und ich hob es auf …“

Ein lautes Piepsen ließ mich innehalten.

„Oh, der Kaffee ist fertig. Warte bitte einen Moment“, sagte er, stand auf und ging in die Küche. Ich blickte ihm nach und nuschelte leise: „Na, toll! Das wird ja immer besser.“

Schließlich folgte ich Bastien in die Küche. Er stellte Zucker, Milch, eine Kanne in der sich vermuten ließ, dass darin der Kaffee war, und zwei Tassen mit Untertellern auf ein großes Tablett. Damit stellte er sich vor mich und sah mich amüsiert an. Ich lächelte unsicher und fragte mich, ob er nur lächelte, damit ich mich besser fühlte.

„So schlank wir beide auch sind, ich glaube nicht, dass wir zusammen durch den Türrahmen passen, und ich möchte dir wirklich gerne den Kaffee servieren.“

„Was? Oh, entschuldige“, ich ging schnell beiseite und war trotz meines Schamgefühls erleichtert. Ich drehte mich um und sah Bastien das Tablett abstellen.

„Okay, jetzt kannst du weitererzählen“, sagte er.

Als ich mich ebenfalls hinsetzte, verrührte er Milch und Zucker in seiner Tasse. Ich tat es ihm gleich, nahm zwei Teelöffel voll Zucker, schüttete Milch dazu und mischte es in meinen Kaffee. Er rührte immer noch in seinem Kaffee und ich nahm an, dass er in Gedanken ganz woanders war, als er schließlich aufhörte und den Teelöffel auf den Unterteller legte. Ich nahm einen großen Schluck von meinem Kaffee und fing an zu erzählen:

„Also wie ich schon vorher erwähnt habe, waren Amanda und ich in einem Geschäft und haben uns nach Anziehsachen umgesehen und sie ging in die Schuhabteilung, während ich im vorderen Bereich blieb. Ich durchstöberte die Sachen an den Kleiderständern und auf einmal ist so ein blaues Hemd heruntergefallen, das ich natürlich sofort aufhob. Da bemerkte ich erst, dass es ein Kinderhemd war, und dann war da plötzlich die Verkäuferin, die mir erzählte, dass sie seit Neuestem Kindersachen verkauften. Die Idee für den Laden hatte sie von ihrem Sohn und sie erzählte mir, dass es für sie wundervoll sei, Kinder glücklich zu sehen …“ Ich stoppte, als Bastien einen Schluck von seiner Kaffeetasse nahm, und ich sah ihm dabei zu, wie er sie wieder abstellte. Er lehnte sich zurück und ich schien weiterhin seine volle Aufmerksamkeit zu haben, deshalb redete ich weiter:

„Als wir dann wieder aus dem Laden gingen, musste ich länger über die Worte der Verkäuferin nachdenken und du kennst ja Amanda, sie weiß immer sofort, wenn etwas nicht stimmt. Sie sprach mich darauf an und ich kam zu einem Entschluss, den ich eigentlich schon länger gefasst hatte, den ich ihr dann auch erzählte … Also … ich …“

„Was denn?“

Jetzt half alles nichts mehr.

„Ich habe mich entschlossen Mutter zu werden“, ich seufzte und versank in der Couch. Bastien sah mich nur an. Nach einer Sekunde Schweigen hielt ich es nicht mehr aus und schrie es fast schon heraus: „Also ich wollte dich fragen, ob du mit mir schläfst, weil ich nicht künstlich befruchtet werden möchte“, ich erschrak angesichts dessen, dass ich es so voreilig hervorgebracht hatte.

Er trank seinen Kaffee auf einmal aus und stand mit ausdrucksloser Miene auf. Ich sah ihn nur an, als er um den Tisch herumging. In mir breitete sich ein unangenehmes Gefühl aus.

„Vergiss deinen Kaffee nicht“, sprach er und war dann in der Küche verschwunden. Ein Wasserplätschern war zu hören und ich hörte dem Klang noch eine Weile zu. Schließlich lehrte ich meine Tasse in einigen Schlucken und begab mich ebenfalls in die Küche. Er stand vor dem Wasserhahn und spülte seine Tasse ab. Ich reichte ihm meine und er wusch sie ebenfalls ab.

„Also das von vorhin tut mir leid, ich wollte dich nicht so überrumpeln. Es ist einfach so aus mir herausgeplatzt. Eigentlich wollte ich es dir besser erklären und na ja, das, was ich dir sagen wollte, habe ich ja auch gesagt, wenn auch nicht auf die rücksichtsvolle und ausführliche Weise“, gab ich kleinlaut zu.

„Also ich werde jetzt gehen und danke für den Kaffee“, sagte ich und ging, innerlich niedergeschlagen, in den Flur, um meine Jacke zu holen. Ich versuchte möglichst selbstbewusst zu wirken, auch wenn es in mir drin nicht so aussah. Ich zog sie mir über und öffnete die Haustür, als Bastien sie zuhielt und mich ansah. Ich nahm meine Hand von dem Türgriff und sah ihn fragend an.

„Wenn du noch ein bisschen Zeit hast, dann möchte ich auch noch etwas dazu sagen“, nun sah er mich ernst an. Ich nickte nur und schloss die Tür wieder. Er lächelte ganz schwach und ging zusammen mit mir ins Wohnzimmer zurück.

Kapitel 3

Klick, Klack. Klick, Klack. Klick, Klack!

Das Geräusch hallte weiter in meinen Ohren. Der Schalter klappte nach oben und nach unten. Klick, Klack. Ich hob den Kopf und sah Amanda an, die mit dem Lichtschalter spielte.

„Weißt du, ich frage mich die ganze Zeit, ob das alles so problemlos verlaufen wird“, sagte Amanda und setzte ihre Hand wieder am Schalter an. Klick, Klack. Klick …

„Würdest du damit endlich aufhören! Dieses Geräusch macht mich noch wahnsinnig. Glaubst du denn nicht, dass mir die Situation genauso viel Sorge bereitet wie dir …“ Amanda blickte stumm ins Leere. Ich schnaufte tief ein und rieb mir über die Stirn. Meine Gedanken drehten sich seit dem Gespräch nur noch um dieses Thema, sodass ich allmählich Kopfschmerzen davon bekam. Als Bastien mich aufhielt, als ich schon im Begriff war, zu gehen, redete er noch mal mit mir darüber und diesmal beeilte ich mich nicht so sehr mit meinen Aussagen. Am Ende war es mir gelungen, wenigstens nicht völlig gedemütigt nach Hause zu verschwinden. Wobei ich die ganze Zeit das Gefühl hatte, dass er mich verstand und er hatte ja dazu nicht rgorosNeingesagt, nur dass er Zeit zum Nachdenken brauchte. Ich rieb mir über meine pochende Stirn. Klick, Klack. Klick, Klack. Klick, Klack.

„Also hier zu warten und weiter darüber nachzudenken, wird uns noch um den Verstand bringen. Es sind inzwischen drei Wochen vergangen, seit du Bastien davon erzählt hast. Wir sollten endlich mal los und den beiden einen Besuch abstatten und klären, wie wir vorgehen wollen.“

„Ja schon. Es ist nur so …“

„Ja, ich weiß, wie dir zumute ist, aber du kannst das nicht ewig verschieben. Irgendwann musst du dich damit auseinandersetzen, vor allem da ja nicht nur Bastien betroffen ist, sondern auch Nico“, sie sah mich erwartungsvoll an. Ich seufzte resigniert.

„Ich brauche etwas Zeit, meine Gedanken zu sortieren, da eben Nico auch sehr davon betroffen ist. Ich muss das irgendwie klären können, dass Nico nichts dagegen hat, aber ich meine ja, Bastien und ich würden uns ja nicht ineinander verlieben, schließlich sind ja er und Bastien zusammen und ich mit dir.“

„Ja, das weiß ich und ich akzeptiere mittlerweile deinen Wunsch und steh auch hinter dir, das weißt du. Nur musst du das eben ihnen noch klarmachen.“

„Ja, ich weiß“, murmelte ich und ging raus in den Garten.

Ich empfand ihn als äußerst beruhigend. Alles war an seinem Platz. Der Pool links neben dem kleinen Pavillon und zwei große Liegestühle mit dem besten Ausblick auf die Abendsonne, wie es eben nur so ein Stadtgarten zuließ. Ringsherum waren viele kleine Blumenbeete, auf die mein Vater bestanden hatte, wobei ich gestehen musste, dass sie mir nun, da ich mich um sie regelmäßig kümmern musste, auch gut gefielen. Ich setzte mich auf einen dieser Liegestühle und richtete grüblerisch meinen Kopf gegen Himmel, nur war zu dieser Zeit noch kein Sonnenuntergang zu sehen. Ich wusste nicht, wie lange ich da draußen gewesen bin, aber letztendlich habe ich es geschafft, ein relativ vernünftiges Argument vorzubringen. Deshalb ging ich wieder rein und sagte zu Amanda, dass ich das gerne jetzt noch besprechen würde und dass wir deswegen bei ihnen vorbeischauen würden. Amanda nickte und tippte die SMS. Nach kurzer Wartezeit nickte sie, dass es passte, und ich schnappte mir mit einem Unbehagen die Autoschlüssel. Gemeinsam gingen wir durch die Tür hinaus zu meinem Wagen, der in der Auffahrt stand. Wir stiegen ein und fuhren zu Bastien. Während der Fahrt hing die Luft im Auto schwer. Als wir endlich bei ihm ankamen, stand die Sonne schon glühend heiß am hellen Horizont. Amanda drückte auf die Klingel und wir warteten einige Sekunden ab, bis uns schließlich Nico die Tür öffnete.

„Hallo, Amanda, Jane“, sagte er und nickte mir zu, nachdem er zuerst Amanda freundlich begrüßt hatte.

„Kommt rein“, er trat beiseite, als wir hineingingen. Mir stieg sofort der Kaffeeduft in die Nase. Amanda reichte Nico ihre Jacke und er hängte sie auf. Er lächelte mich an und fragte: „Gibst du mir auch deine Jacke?“

„Ja, klar. Danke“, antwortete ich und gab ihm meine ebenfalls. Seine dunklen und intensiven Augen brannten sich in die meinen. Aus irgendeinem Grund umgab mich eine sehr starke und dennoch vertrauensvolle Aura, wenn ich sie sah. Es war als würde ich in die dunkelste Tiefe blicken und trotzdem umfasste mich dabei eine fast unerträgliche Wärme, was wahrscheinlich mit seinem Beruf zu tun hatte, denn er war Polizist, von dem man ein gewisses Vertrauen und Selbstbewusstsein ruhig erwarten durfte. Ich konnte mir für ihn keinen besseren Beruf vorstellen.

„Hey, schön, euch zu sehen. Ihr seid genau richtig zum Kaffeetrinken gekommen“, sagte eine Stimme, die mich aus meinem Bann zurückholte. Ich blinzelte und sah Bastien lächelnd am Türrahmen stehen.

„Hey, ja es ist schön,euchauch mal wiederzusehen, und toll, ich will gleich eine Tasse“, ergriff Amanda das Wort und stolzierte, gefolgt von Nico, ins Wohnzimmer, an Bastien vorbei.

„Hey“, begrüßte ich ihn etwas unsicher, wobei ich hoffte, dass er es nicht bemerkte.

„Seid ihr gut angekommen?“, fragte er und sah mich dabei mit seinen stahlblauen Augen an. Entweder er zeigte es mit Absicht nicht, dass er meine Unsicherheit bemerkt hatte, oder aber er hatte siewirklichnicht bemerkt. Egal was auf ihn zutraf, ich war für beides dankbar.

„Ja, sind wir, danke“, lächelte ich ihn an und wir gingen ebenfalls ins Wohnzimmer. Nico und Amanda saßen schon auf der Couch und waren in eine Unterhaltung vertieft. Wir setzten uns nebeneinander und Bastien bot mir einen Kaffee an. Ich nickte dankbar und dann entstand zwischen uns ein Schweigen. Ich sah hinüber zu Amanda, die anfing zu grinsen, als Nico erzählte, dass er letztens bei einer Besorgung während der Arbeit eine Frau mit ihr verwechselt hatte und diese ihn geschockt ansah, weil er in Polizeiuniform vor ihr stand. Manchmal wünschte ich mir, ich wäre genauso selbstbewusst wie Amanda. Sie strahlte so viel Power und Elan aus, sodass ihr Humor selbst in den scheinbar unpassendsten Momenten nicht den Biss verlor. Das laute Lachen von Nico bestätigte dies. Den Blick wieder auf meine Tasse zuwendend dachte ich über meinen letzten Besuch bei Bastien nach. Ich wusste einfach nicht, was ich als Nächstes tun sollte. Mir war diese Situation unangenehm, und dass wir nicht miteinander redeten, machte es auch nicht besser. Ich warf ihm deshalb einen bösen Blick zu, als er gerade den Kopf anhob und mich anschaute. Schnell wendete ich meinen Blick ab und schämte mich sofort dafür, schließlich traf ihn in dieser Sache am wenigsten Schuld. Eilig nahm ich meine Tasse und trank einige Schlucke und schielte dann von ihr hervor zu Bastien. Er lächelte mich amüsiert an und ich stellte meine Tasse mit einem leisen Seufzer ab.

„Also, ich wollte mit euch darüber reden, na ja, ihr wisst schon worüber“, sprach ich und meine Anspannung löste sich ein wenig. Bastiens Augen funkelten auf. Amanda hörte auf zu lachen und drehte sich in meine Richtung, ebenso wie Nico.

Ich spürte die volle Aufmerksamkeit auf mir ruhen.

„Da ihr ja beide davon wisst, nehme ich einmal an, werdet ihr euch wohl auch schon ein paar Gedanken dazu gemacht haben“, ich sah in die Runde, und als sie mir beide zunickten, erinnerte ich mich an den intensiven Blick von Nico vorhin. Es war mir ein bisschen peinlich, dennoch fuhr ich fort: „Ich denke nämlich, dass wir uns alle einig sind, wenn ich sage, dass wir die Situation endlich genauer besprechen sollten.“

„Ja, das stimmt“, ergriff Nico als Erster das Wort.

„Ich weiß nicht, wie viel du schon weißt, Nico, aber ich habe tatsächlich den dringenden Wunsch, ein Kind zu bekommen. Ich weiß nicht, wie ich das erklären soll, aber das Gefühl ist so stark, dass ich wahrscheinlich nicht einmal mehr sagen kann, wie ich da für euch rüberkomme. Eins weiß ich, ich brauche einen Mann dazu, weil ich mich, nun ja, nicht künstlich befruchten lassen möchte und da ich nur Bastien so sehr vertraue, weil ich ihn ja schon so lange kenne.“

„Deinen Wunsch respektiere ich, na ja, ich bin zwar keine Frau, aber ich weiß, wie sie sind, und als Polizist hab ich schon weitaus seltsamere Dinge gehört. Klar kann ich mir vorstellen, dass es am besten mit Bastien wäre, nur ich hab da so meine Bedenken …“

„Dazu hast du aber überhaupt keinen Grund. Ich will jetzt nicht primitiv klingen oder so, aber ich brauche Bastien nur zum Kinderzeugen, und ihr vertraut euch doch, genauso wie mir Amanda vertraut.“

Nico sah zu Amanda.

„Stimmst du dem Ganzen vollends zu?“

Amanda sah erst zu mir, dann sagte sie mit fester Stimme: „Ja, ich vertraue ihr und ich weiß, das kannst du auch. Insgeheim ist es natürlich merkwürdig, aber wir mögen sie doch beide sehr und kann man sich da nicht ein bisschen in sie hineinversetzen, wie sie sich fühlt? Ich meine, Tatsache ist, wenn sie nicht mit mir zusammen wäre, dann hätte sie den Wunsch gleich in die Realität umsetzen können. Das kann sie aber nicht. Deshalb ist sie zu Bastien, ihrem besten Freund, gekommen und sie vertraut sich euch beiden an.“

Ich war so berührt und beeindruckt von ihren festen Worten und, wie ich mit einem Blick zu Nico feststellte, er auch.

„Hm …“, kam es von ihm.

„Sieh sie dir doch an, dann siehst du, dass es keinen Grund zur Sorge gibt und dass du nicht Nein dazu sagen kannst“, Amanda hatte Nico ganz schön im Griff, denn er sah mich an und tatsächlich sagte er: „Okay, ich stimme zu.“

Amanda nickte zufrieden und Nico lächelte sie strahlend an. Damit gab es nur noch eine Hürde, und zwar die größte von allen. Bastien saß gerade auf der Couch und hatte sich bisher aus allem rausgehalten, schließlich beugte er sich nach vorne und sah mir direkt in die Augen. Ich versuchte ihnen standzuhalten, da er mit Sicherheit versuchte so viel wie möglich in ihnen zu lesen. Als er seinen Blick wieder abwandte, blies ich leise aus. Alle Augenpaare richteten sich jetzt auf Bastien, doch er ließ sich nicht davon beirren. Nach einiger Zeit des Schweigesn, in der ich nicht mehr glaubte ihn überreden zu können, sagte er: „Ich stimme auch zu.“

Ich bemerkte, dass er es ehrlich meinte und Amanda anscheinend auch.

„Prima! Wir sollten uns besprechen, wo, wann und wie wir vorgehen wollen“, pflichtete Amanda bei.

„Amanda, dasWiewissen wir, glaube ich, alle“, entgegnete ich ihr.

„Ist doch völlig egal“, erwiderte sie mit einem Grinsen. Ich musste ebenfalls leicht grinsen.

„Also, bei mir geht es aber nicht, weil mein Vater für die nächsten Wochen wieder nach Hause kommt, aber wir könnten uns vielleicht ein Hotelzimmer reservieren“, ich sah kurz zu Bastien. Er nickte.

„Dein Vater kommt wieder? Das wusste ich noch gar nicht“, Amanda sah mich interessiert an.

„Ja, er hat mir gestern erst geschrieben“, erwähnte ich.

„Mhm, gut! Jedenfalls das Wo wäre geklärt“, nickte Amanda zustimmend.

„Jetzt bleibt nur noch das Wann übrig.“

Nico schien ein Gedanke durch den Kopf gegangen zu sein, denn er blinzelte zweimal auf.

„Das kann ich euch sagen. Ein befreundeter Arbeitskollege von mir hat kurzfristig für seine Frau und sich ein großes Hotelzimmer gebucht, aber sein Urlaub wurde verschoben. Er konnte sein Zimmer nicht mehr stornieren, deshalb hat er es mir überlassen. Wir könnten es dafür benutzen, weil es nur auf eine Übernachtung mit Frühstück gebucht wurde. Außerdem ist es ziemlich groß. Er hat es für den 20. Mai gebucht, das wäre in zwei Wochen“, erzählte Nico.

Und da waren wir uns alle einig.

Kapitel 4

„Guten Abend. Hier ist Ihr Zimmerschlüssel und Informationskarten und das Frühstück ist um 8 Uhr“, begrüßte uns die Hotelangestellte und gab uns Erwähntes. Ich nahm die Sachen entgegen und gab sie Nico. Wir waren uns alle einig gewesen, dieses Hotel für unseren ersten Versuch zu benutzen. Und nun checkten wir samt unserem Gepäck gerade ein.

„Na, dann lasst uns das Zimmer mal ansehen“, lächelte Nico und wir gingen Richtung Aufzug.

„Ich wünsche Ihnen einen schönen Aufenthalt im Hotel Constantin.“