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Lina Muzur erhält 33 Sprachnachrichten von Frauen, die in der Mitte des Lebens stehen – eine moderne Bestandsaufnahme einer ganzen Generation und ein kollektives Porträt weiblicher Realität. Wie leben Frauen heute? Wie gehen sie um mit Schicksalsschlägen, dem gesellschaftlichen Wandel, dem Älterwerden, der Erschöpfung? Dies ist der Versuch einer Bestandsaufnahme, in der die Frauen selbst zu Wort kommen. Frauen, die wütend sind, die alleinerziehend sind, die ihre Heimat verloren haben, ihre Eltern, ihre Nerven. Sie haben kleine oder große Kinder, die sie lieben, aber sie sind zerrissen. Es geht ihnen gut, sagen sie. Sie hatten Glück im Leben, sagen sie. Sie brauchen ihre Freundinnen mehr denn je, sagen sie. 33 Sprachnachrichten von Frauen, die in der Mitte des Lebens stehen, in denen sie offen, intim und halb anonym über all das sprechen, was man mal abfällig Frauenprobleme nannte. Ein Chor weiblicher Stimmen, der unbeschönigt und radikal zeigt, wo eine ganze Generation steht.
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Seitenzahl: 261
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Wie leben Frauen heute? Wie gehen sie um mit Schicksalsschlägen, dem gesellschaftlichen Wandel, dem Älterwerden, der Erschöpfung? Dies ist der Versuch einer Bestandsaufnahme, in der die Frauen selbst zu Wort kommen. Frauen, die wütend sind, die alleinerziehend sind, die ihre Heimat verloren haben, ihre Eltern, ihre Nerven. Sie haben kleine oder große Kinder, die sie lieben, aber sie sind zerrissen. Es geht ihnen gut, sagen sie. Sie hatten Glück im Leben, sagen sie. Sie brauchen ihre Freundinnen mehr denn je, sagen sie.33 Sprachnachrichten von Frauen, die in der Mitte des Lebens stehen, in denen sie offen, intim und halb anonym über all das sprechen, was man mal abfällig Frauenprobleme nannte. Ein Chor weiblicher Stimmen, der unbeschönigt zeigt, wo eine ganze Generation steht.
Lina Muzur (Hg.)
FRAUENPROBLEME
33 neue Nachrichten
Hanser Berlin
»Wenn wir in ein gewisses Alter kommen, befällt uns Angst und wir versuchen etwas dagegen zu tun. Wir ahnen, dass wir auf verlorenem Posten stehen, und unternehmen verzweifelte kleine Ausbruchsversuche«, schreibt Marlen Haushofer in Wir töten Stella. Dieses Buch hier ist mein Ausbruchsversuch, mein Versuch, zu beweisen, dass wir nicht alleine und nicht auf verlorenem Posten stehen. Es versammelt die Stimmen von 27 Frauen (manche kommen mehrmals zu Wort), die nur eines verbindet, nämlich die Freundschaft oder Bekanntschaft mit mir. Und die Tatsache, dass sie alle mehr oder weniger in der Mitte ihres Lebens stehen, dass sie alle zwischen 1972 und 1988 geboren sind (mit einer Ausnahme).
*
Es wäre jetzt müßig, zu einer weitschweifigen Analyse der Generationen auszuholen, die als X und Y bezeichnet werden. Es reicht vielleicht zu sagen, dass diese Frauen — aufgewachsen in klassischen Familienmodellen, mit linearem Fernsehen und Tastentelefonen — zwischen sehr vielen sogenannten Stühlen stehen, zwischen dem Analogen und dem Digitalen, zwischen Patriarchat und Feminismus, zwischen Tradition und Moderne, Sicherheit und Unsicherheit.
*
Ich habe also 27 Frauen gebeten, mir Sprachnachrichten zu schicken, die mindestens fünfzehn Minuten lang sind. Ich habe sie gebeten, mir darin die Frage zu beantworten, wie es ihnen geht. Was sie beschäftigt, was gerade ihre Themen, Hoffnungen, Ängste, Wünsche sind. Ich habe ihnen gesagt, dass es dabei nicht um ihre Namen und ihre mögliche Prominenz geht, sondern einzig und allein um das, was sie zu sagen, was sie zu erzählen haben, wofür eine gewisse Intimität unerlässlich ist, weswegen nur ihre Vornamen genannt werden würden (und sie nach Belieben auch ein Pseudonym wählen könnten). Ich habe ihnen auch gesagt, dass ich herausfinden möchte, was ein solcher Chor aus weiblichen Stimmen ergibt. Vielleicht eine Bestandsaufnahme, dachte ich. Vielleicht liest man dieses Buch in zehn, zwanzig Jahren und denkt sich: So also war das Leben für Frauen damals, im Jahr 2025.
*
»Frauenprobleme, warum verursacht das Wort ein Zusammenziehen meines ganzen Inneren?«, sagt Lana, eine der Frauen aus diesem Buch. Ja, warum zieht sich bei diesem Wort auch mein ganzes, vielleicht unser aller Inneres zusammen? Weil Frauenprobleme bestenfalls mit banalen und schlimmstenfalls mit irgendwie ekligen Angelegenheiten assoziiert werden, über die man besser nicht spricht. Sie haben nichts mit den geistigen Sphären zu tun, in denen traditionellerweise die Probleme der Männer verortet werden. Es sind Probleme, die mit Biologie und Körperfunktionen zu tun haben, Probleme wie Menstruation, Mutterschaft, Wechseljahre, die deswegen entstehen, weil Frauen dafür sorgen, dass neues Leben auf dieser Erde ausgetragen und geboren wird. Und genau deswegen sind Frauenprobleme, entgegen der bisherigen Annahme, vielleicht die universelleren Probleme: »Vielleicht sind Frauenprobleme relevanter für die Welt, allgemeingültiger, als Männerprobleme«, sagt Stefanie, eine andere Frau aus diesem Buch.
*
Bald schon stieß ich auf Kleists berühmten Essay Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden. Wenn man erst im Sprechen Klarheit gewinnt über die eigenen Gedanken, dann ist das Sprechen nicht bloße Mitteilung fertiger Ideen, sondern der Denkprozess selbst, sagt Kleist darin. Und wenn wir es wagen, das Medium der Sprachnachricht — von manchen gehasst, von anderen geliebt —, das dem geschriebenen Text in jeder Hinsicht komplett entgegensteht, wenn wir es wagen, dieses Medium zu benutzen, um zu verstehen, was Frauen heute im Tiefsten umtreibt, was sie wütend, verzweifelt, glücklich macht, was sie erstaunt, bedrückt, ängstigt, während sie beim Sprechen ihre Gedanken verfertigen, sich vorantasten und revidieren, dann entsteht aus der Sprachnachricht am Ende vielleicht eine neue Art von Dokumentarliteratur.
*
Der Chor besteht aus Frauen, die das Recht haben wollen zu scheitern. Die an einem Umbruchspunkt stehen, die gerne drei Leben leben würden, die sich in-between fühlen und gar nicht so richtig wissen, wer sie gerade sind. Frauen, die zum ersten Mal im Leben ihre Eltern vermissen. Frauen, die sich fragen, was sie eigentlich nicht beschäftigt, die ein starkes Gefühl für das Vergehen von Zeit haben und aufgehört haben zu weinen. Frauen, die sich eine Partnerin wünschen und um ihren Hund trauern. Frauen, die sehr gut darin sind, sich um andere zu kümmern, aber nicht um sich selbst. Frauen, die Angst vor Altersarmut haben. Frauen, die ins Stottern kommen, wenn sie die einfache Frage beantworten sollen, wie es ihnen geht. Frauen, die versuchen, sich nicht selbst verloren zu gehen. Die sich eine Urnengrabstätte gemietet haben und Vögel beobachten. Frauen, die mit 52 ganze Nächte durchtanzen und zum ersten Mal campen gehen. Frauen, die von den Wechseljahren kalt erwischt wurden. Frauen, die das fragile, flüchtige weibliche Begehren verstehen wollen. Frauen, die Angst um die Zukunft ihrer Kinder haben. Frauen, die sich endlich nicht mehr fremd fühlen in diesem Land. Frauen, deren Väter Suizid begangen haben. Frauen, die nach der Geburt ihrer Kinder in ein tiefes schwarzes Loch fallen. Frauen, die kotzen könnten, wenn sie noch einmal aufgefordert werden, einem Mann zu verzeihen. Frauen, die sich denken: Die Langsamkeit ist die Freundin.
Der Chor besteht aus Frauen, die ihre Freundinnen mehr denn je brauchen. Ja, sie sind erschöpft. Sie sind wütend. Und sie haben noch viel vor.
*
Während man den Frauen zuhört, schaut man unweigerlich auf sein eigenes Leben und fragt sich, wie man davon erzählen würde, in einer Sprachnachricht, die mindestens fünfzehn Minuten lang ist.
*
»Die Welt ist ja eigentlich am Arsch, muss man sagen«, sagt Julia. Natürlich hat jede Art von Dokumentarliteratur einen gesellschaftlichen, einen politischen Anspruch. Wenn man so will, ergeben die Stimmen in diesem Buch in ihrer Gesamtheit einen Aufschrei.
Eine Ohrfeige für die Sache der Frau
Es ist ein strahlender Morgen im Mai, ich bin beim Joggen und habe mich am Rande eines Weges auf eine Spielplatzschaukel gesetzt, um dir eine Nachricht zu schicken. Schaukeln ist echt was Schönes, in den Vorstadtgärten hier haben ja die Trampoline die Schaukeln ersetzt, mal sehen, was das aus den Erwachsenen von morgen macht, wenn die jetzt nur noch hüpfen, anstatt zu schaukeln.
Ich hatte ein paar Gedanken zum Thema Frausein, wie man sich als Frau fühlt, was man als Frau ist und was es für innere und äußere Stimmen gibt. Bei mir gibt es eine laute äußere Stimme, die aber, gerade weil sie laut ist, zu einer inneren Stimme geworden ist. Es ist die Stimme der Mütter, finde ich.
Ich hole kurz aus und erzähle dir von meiner Schwiegermutter, Luise. Ihre ganze Person, ihre ganze innere Haltung, das muss man so sagen, ist eine Ohrfeige für die Sache der Frau. Sie führte ein klassisch unemanzipiertes Leben in finanzieller und inhaltlicher Abhängigkeit von ihrem Gatten. Sie ist ein Mensch, der sich tatsächlich, wie ich das wahrgenommen habe, für wenig interessiert, was über den eigenen Alltag hinausgeht. Luise hatte immer ungefähr zehn Geschichten, die sie in einer auffälligen Redundanz erzählt hat, die meistens Menschen betrafen, die ich nicht kannte. Das ist so der Typus. Und dann bekommen wir das erste Kind, und die Freude bei dieser Frau …, dafür gibt es keine Worte, wie sie sich gefreut hat. Ich hatte das Gefühl, die drei glücklichsten Momente in ihrem Leben waren definitiv, als ihr Sohn auf die Welt kam und dann als ihre beiden Enkelkinder auf die Welt kamen. Dazwischen gab es wahrscheinlich eine überschaubare Anzahl glücklicher Momente. I don’t know.
Wir mussten nur den Finger heben, und sie kam angereist. Vier Zugstunden entfernt lebte sie. Wir konnten sie morgens um halb sieben anrufen, und sie stand mittags um zwölf vor unserer Tür, um uns mit unseren ständig kranken Kleinkindern zu helfen. Das werde ich ihr nie vergessen. Sie fuhr am Freitag ab und kam am Montag wieder, weil dann das zweite Kind krank war. Sie kam nach der Geburt des zweiten Kindes und fuhr gar nicht mehr ab, weil er schrie und schrie und wir nicht wussten, was wir tun sollten. Sie trug ihn rauf und runter im Wohnzimmer mit einer Engelsgeduld. Das waren tatsächlich die einzigen Minuten oder vielleicht auch mal eine halbe Stunde in den ersten zwei Lebensjahren dieses ständig schreienden Kindes, in denen ich kurz zur Ruhe gekommen bin. Weil, ich weiß auch nicht, sie hatte so eine Art, es wurde ihr wirklich nicht zu viel. Und mit einem Schreibaby steckst du ja in den katastrophalsten Widersprüchen drin, dass du eigentlich nicht mehr kannst und Probleme hast mit der Zuneigung zu diesem Kind und andererseits dich so überzuständig fühlst. Sie war die Einzige, die mir das nehmen konnte, dieses Überzuständige, weil sie ausgestrahlt hat, es störe sie nicht. Es war für sie selbstverständlich, dass sie dieses schreiende Kind Stunde um Stunde herumtrug. So viel zu Luise.
Und jetzt kommt der Punkt, den ich eigentlich erzählen will. Bei meiner Mutter habe ich immer das Gefühl …, sie hat es nicht ausgesprochen, sie ist nicht der Typ, der über so was spricht, dafür hat sie einfach zu viel Taktgefühl. Aber man spürt ja viel. Die Gefahr beim Spüren ist natürlich, dass man Dinge unterstellt, die vielleicht so nicht sind. Aber ich spüre, dass dadurch, dass ich jetzt seit fast vierzehn Jahren in einem zeitlichen Korsett lebe, das seinesgleichen sucht, und nie zur Ruhe komme, weil die Care-Arbeit die Erwerbsarbeit ablöst und dann wieder die Erwerbsarbeit die Care-Arbeit und alles ineinander übergeht und es einfach keine Pause gibt. Es fällt mir schwer, zu lamentieren, weil ich habe mir das ja gewünscht — und genau das ist die Stimme meiner Mutter. In diesen vierzehn Jahren hat sie nicht ein einziges Mal gesagt: Krass, was du alles machst, kann ich dir irgendwie helfen? Oder mich einfach mal in den Arm genommen oder in irgendeiner Weise Signale des Verständnisses gezeigt für dieses absolute Limit, an dem man läuft. Und ich glaube, dass sie dabei so eine innere Haltung hat, dass sie sich denkt, du hast es dir doch gewünscht mit den Kindern und dem Arbeiten. Und, was wahrscheinlich noch wichtiger ist, dass das Leben von intensiv berufstätigen, well-educated Frauen in den Augen der Mütter als Angriff auf das eigene Lebensmodell empfunden wird. Das ist zumindest meine These, warum meine Mutter meine Erschöpfung so wenig auffangen möchte.
Nun zurück zu Luise. Luise, diese Frau, die tatsächlich, wie gesagt, es gibt kein Thema über ihren Alltag hinaus, das sie wirklich beschäftigt, sie liest keine Bücher oder so was. Sie stand all die Jahre, wenn sie uns half, da, schaute mich an und sagte immer wieder: »Ich sehe, was du alles machst. Das kann man ja kaum schaffen, das ist ja wahnsinnig viel.« Und das aus tiefstem Verständnis heraus. Einfach nur, weil sie mich im Alltag mitbekommen hat und gar nicht voreingenommen war. Ich bin ihr so fremd, wie sie mir fremd ist. Aber vielleicht geht es nur darum, dass es mal gesagt wird, weil es stimmt ja, ich habe es gewählt, ich will es ja so, es gäbe ja Exits. Irgendwelche Exits gibt es immer. Insbesondere in so einem privilegierten Leben wie dem, das ich lebe. Aber trotzdem tut es gut, wenn es jemand sieht und erwähnt. So war Luise, die direkt aus der patriarchalen Vorhölle kommt, meine größte Supporterin. Und ich habe mir fest vorgenommen, das auch zu sehen bei anderen Frauen, dass ich zumindest die Erschöpfung wahrnehme und erwähne und dass ich versuche, sensibel zu sein gegenüber Müttern mit kleinen Kindern. Ich glaube, Menschen ohne Kinder können sich nicht vorstellen, wie es aussaugt, wie es einen ans Limit bringt, in was für existenzielle Erschöpfungszustände man immer wieder kommt durch diese Doppelbelastung von Erwerbsarbeit und Care-Arbeit. Auch ein herrlicher Begriff, den es damals, als ich Kinder bekam, gar nicht gab: Care-Arbeit. Da war das, was man als Frau halt so macht. Das Eigentliche war die Erwerbsarbeit. Also ein Begriff, der wie Mental Load nicht nur aus feministischen Gründen dringend in den Alltagssprachgebrauch gehört, sondern, weil er einfach die Wirklichkeit abbildet. Aber genau, das habe ich mir vorgenommen.
Ich habe keine Lust auf dieses Bashing zwischen Eltern, dieses ständige Abwägen, wer mehr macht. Neben der Tatsache, dass beide in einer Zeiteinheit so viele Dinge zu leisten haben, die in dieser Zeiteinheit nicht leistbar sind, ist es einfach dumm, in den Konflikt zu gehen, nur um zu schauen, wie viel machst du, wie viel mach ich. Eine bodenlos kleinkarierte Diskussion, auf die ich mich eigentlich nicht einlassen möchte und in der ich mich trotzdem schon tausendmal verfangen habe. Ich glaube, der Ursprung dieses Konflikts ist wahrscheinlich total simpel. Es ist ein Thema der Vorbilder. Ein Mann muss wenig Care-Arbeit leisten, um viel, viel besser zu sein als sein Vater. Eine Frau wird es kaum schaffen, mit dem Anspruch an den eigenen Job so viel Care-Arbeit zu leisten, wie es die eigene Mutter getan hat. Wahrscheinlich ist es so simpel. Es ist natürlich eine extrem westdeutsche Perspektive, aber für Westdeutsche trifft sie, glaube ich, sehr zu. Und so gibt es nicht nur einen tatsächlichen Care-Gap, über den man wunderbar streiten kann, sondern es gibt auch die eigenen inneren Stimmen, die einem sagen, wie viel man tun sollte oder dass man zu wenig tut. Das habe ich so oft beobachtet, ich könnte hier tausend Beispiele aufzählen. Und das kannst du auch, ich weiß, was du alles tust für deine Kinder.
Als ich unbedingt diesen Geburtstagskuchen noch backen musste, nach der Arbeit auf dem Weg zum Elternabend schnell in den Laden gerannt, Mehl, Butter, Eier gekauft, Schokolade natürlich, dann beim Elternabend mich auf den kleinen Stuhl gezwängt, im Klassenzimmer des Grundschülers, und dann zwei Eier unterm Stuhl kaputtgingen. Und während ich die Eier aufwischte mit Hilfe einer anderen Mutter, mit der ich befreundet war, flüsterte sie mir zu, warum ich nicht einfach eine Backmischung gekauft habe, warum ich das so aufwendig mache. Ein wunderbar banaler Moment, der aber den eigenen Anspruch zeigt. Die andere Mutter hatte vollkommen recht, wenn du schon keine Zeit hast für solche Sachen, aber es unbedingt machen möchtest, dann kauf wenigstens eine Backmischung und lauf nicht Gefahr, dass die Eier unter dem Kinderstühlchen im Klassenzimmer zerbrechen. Dann sparst du dir auch das Zusammensuchen der Sachen im Supermarkt. Und das Backen geht schneller.
Oder an Ostern zum Beispiel, da ist es mir wichtig, dass wir Ostergras anpflanzen vier Wochen vorher. Für die Kinder natürlich, aber es ist vor allem mein Anspruch an mich, weil ich glaube, das wäre notwendig, und wahrscheinlich glaube ich das, weil meine Mutter, die nicht erwerbstätig war, eben genau diese quasi unnötigen Dinge alle getan hat. Und das möchte man dann irgendwie tradieren, glaubt, es stehe den Kindern zu, sei Bestandteil einer intakten Kindheit. Jan hat solche Stimmen nicht, die gibt es bei ihm einfach nicht. Und das sind die Stimmen der Vorbilder und des sich daraus ergebenden Anspruchs. Wenn ich schon so viel arbeite und wenn ich schon hier und da nicht da bin und wenn meine Kinder immer fremd bekocht werden, dann müssen diese Dinge auf jeden Fall stimmen. Und das habe ich mir ja gewünscht, da ist sie wieder, die Stimme. Ich habe sie mir ja gewünscht, das war ja eine aktive Entscheidung, dass ich diese Kinder bekomme, also muss ich auch alle Dinge tun, die zu einer Kindheit gehören, meine Kinder dürfen keinen Nachteil haben, dass ich so viel arbeite.
Warum denken viele Väter nicht an essenzielle Dinge? An die Millionen Mikroaufgaben, wie das Formular zur Sprachenwahl ausdrucken und unterschreiben, das Geschenk für den Kindergeburtstag erfragen und besorgen, die Brotzeitbox machen, die Lieblingsknabberbrezeln kaufen, neue Minen für den Zirkel besorgen und einbauen, das Lämpchen im Laternenstab auf Funktion prüfen. Es ist Wahnsinn, was alles zu tun ist, was man im Kopf haben muss, welche Termine man beachten muss, den Zahnarzttermin, den Elternabend, die U-Untersuchung, den Känguru-Test, den Wandertag. Je kleiner die Aufgaben, desto schlimmer: die vielen Bastelarbeiten, die Kindergärten einfordern, weil man da noch irgendein Material schnell bringen muss, und jetzt bei uns hochaktuell und besonders beschissen, das deutsche Schulsystem, das einfach bei normal begabten Kindern ohne Eltern nicht funktioniert, dass man immer im Kopf haben muss, wann die nächste Klausurarbeit geschrieben wird, wann wo ein Kind abgefragt werden könnte. Das alles muss man machen neben der eigenen Arbeit, neben den eigenen Aufgaben, und das alles ist komplett ungerecht verteilt, immer und überall. Ich kenne kaum Ausnahmen, wo es zusammen auf den Schultern beider Elternteile liegt. Es wird stillschweigend davon ausgegangen, dass die Mutter es übernimmt.
Mein Lieblingsbeispiel ist, als ich vor kurzem verreist war. Ich habe alles vorbereitet für die zwei Tage Abwesenheit, aber ich habe nicht gesagt, dass Freitagmittag die Schule aus ist. Das hatte zur Folge, dass ich Freitagmittag mitten in meinem Arbeitstermin einen Anruf bekam: Papa macht nicht die Tür auf. Und mir war vollkommen klar, Papa ist im Büro, weil ich Papa nicht gesagt habe, dass die Schule aus ist und dass die Kinder heimkommen, die erstens reingelassen werden wollen und zweitens ein Mittagessen brauchen. Nach solchen Erlebnissen möchte ich einfach nicht mehr hören, dass Frauen loslassen und es den Männern mehr überlassen müssen. Das stimmt nicht. Es ist ein fundamentaler Mental-Load-Unterschied, für den ich keine Erklärung habe, außer dieses Vorbilder-Thema, dass eben der Mann weniger Care-Arbeit übernehmen muss, um besser als sein Vater zu sein, und die Westfrau es kaum schafft, das einzulösen, was die eigene Mutter getan hat. Wahrscheinlich ist das der Ursprung. Die tradierten Zuständigkeiten, das historisch Gewachsene der ungerechten Mental-Load-Verteilung.
So, liebe Lina, ich jogge jetzt weiter, genug geschaukelt, die Care-Arbeit ruft. Hab einen schönen Frühlingstag, ich melde mich wieder.
50 Jahre, 2 Kinder, München, 11:31 Uhr
* Name geändert
Alles passt irgendwie nicht mehr
Du hast mich neulich gefragt, wo ich gerade stehe, als Frau, 2025, in Berlin, in der Mitte meines Lebens. Ich habe lange überlegt und versuche dir mal hier eine Antwort zu geben. In letzter Zeit habe ich oft an ein Gedicht gedacht, das mich schon seit langem begleitet, eigentlich seitdem ich eine junge Frau bin. Es ist vielleicht sogar mein Lieblingsgedicht. Es heißt Mirror und ist von Sylvia Plath. Ich trag es dir jetzt nicht vor, aber es geht im Endeffekt …, na ja, es besteht aus zwei Strophen, und es geht um Reflexion. Die erste Strophe ist aus der Sicht eines Spiegels geschrieben und die zweite aus der Perspektive eines Sees. Dieser See wird jeden Tag aufs Neue von einer Frau besucht, die in den Tiefen des Sees nach einer Wahrheit sucht.
Und ich habe echt bis jetzt gebraucht, um zu verstehen, dass es sich bei diesen zwei Strophen, bei dieser Dichotomie, um die zwei Lebenshälften handelt. Weil die erste Lebenshälfte, der Spiegel, ist ganz unbedarft und frei und ehrlich und reflektiert einfach nur wertfrei, was er sieht. Und in der zweiten Lebenshälfte geht es um viel mehr als Oberfläche, weil die Frau, die jeden Tag kommt und sucht, die sucht nach einer Identität, und in dieser Suche ist die Unbedarftheit komplett verschwunden, aber auch die Neutralität, und stattdessen kommt was anderes zum Vorschein, es heißt nämlich in den letzten zwei Zeilen: »In me she has drowned a young girl, and in me an old woman / Rises toward her day after day, like a terrible fish.« Das ist ein sehr eindrückliches Bild. Und ehrlicherweise so ein bisschen stehe ich da gerade. Ich bin jetzt 47 und …, also, ich sehe jetzt keinen terrible fish, wenn ich in den Tiefen des Spiegels nach meiner Wirklichkeit suche oder nach meiner Identität. Ich empfinde das Älterwerden als relativ spannend. Ich finde es spannend, zu sehen, wie sich mein Körper verändert, wie sich meine Gesichtszüge verändern, wie meine Haare immer grauer werden, und ich mag das. Das ist total befreiend. Hat mich vor allen Dingen von so einer Eitelkeit befreit, die irgendwie immer durch andere genährt war. Vielleicht verstehst du, was ich meine. Ich muss nicht mehr den anderen gefallen. Inzwischen finde ich, ich muss nur noch mir selbst gefallen. Ich kenne mich so gut, dass ich weiß, was ich an mir mag und was ich nicht mehr mitmachen muss. Man sieht mir auch an, dass ich gelebt habe und dass ich eine Frau mittleren Alters bin. Ich bin vielleicht eine der wenigen, die noch keine Filler und kein Botox im Gesicht haben, aber ich glaube, im Moment brauche ich das nicht, weil das, was ich in meinem gealterten Gesicht sehe, mag ich, weil es so ein bisschen Wärme und eine Güte und eine Sanftheit und eine Klarheit hat, die mir, finde ich, ganz gut steht. Und wenn ich so darüber nachdenke, zeigt das, dass ich doch mehr bei mir bin, als ich dachte. Denn eigentlich habe ich das Gefühl, dass ich gar nicht so richtig weiß, wer ich gerade bin.
Wie gesagt, ich merke, dass mir viele Dinge, die früher wahnsinnig wichtig waren, heute nicht mehr so wichtig sind. Aber ich bin auch nicht mehr die Person, die ich noch mit dreißig war. Irgendwie schon, im Kern und im Wesen, aber irgendwie auch überhaupt nicht mehr. Vielleicht liegt es daran, dass sich in den letzten Jahren so viel verändert hat. Nicht nur die Welt, die sich komplett verändert und verschoben hat, auch im Kleinen, ich habe mich total verändert. Wenn ich so zurückdenke, an meine Zwanziger, Dreißiger, war ich eine relativ schillernde Persönlichkeit. Ich stand auf sämtlichen Gästelisten und kannte tausend Leute und war ein Social Butterfly mit einem immens großen Netzwerk. Ich war ziemlich sichtbar. Ich weiß nicht, wann das angefangen hat, vielleicht so im Laufe der Pandemie, da habe ich mich zurückgezogen und habe die Entschleunigung genutzt, um aufzuräumen in mir, Traumata zu überwinden und Dinge abzulegen, die mir nicht gutgetan haben.
Und jetzt fühlt es sich so an, als hätte ich diese Haut der Person, die ich mal war, komplett abgestreift. Aber da ist was ganz Neues und ganz Verwundbares und noch gar nichts Ausformuliertes drunter. Das Alte hat nicht mehr gepasst, aber das Neue passt auch noch nicht, ich weiß nicht, es ist noch total diffus. Alles passt irgendwie nicht mehr. Und gerade bin ich so ein bisschen in-between. Ein bisschen in-between the ages, in-between identities, in-between the old and the new. Also so ziemlich lost, ehrlicherweise. Ich bin ziemlich lost mit Mitte vierzig, in der Mitte meines Lebens, in der ich gerade in eine neue Person reinwachse, aber gar nicht sagen kann, wer die so ist. Und mich gerade neu definiere, auch beruflich, weil ich einfach merke, dass das Alte nicht mehr valide sein kann. Ich kann nicht mehr weitermachen, wie ich all die Jahre war.
Ich habe eine Wut in mir — lustig, vorhin habe ich von Sanftheit gesprochen, aber ich habe auch gleichzeitig so eine Wut! Na ja, ich finde, diese Ambivalenz darf man haben. Wut gegen Ungerechtigkeiten und gegen Dinge, die einfach nicht mehr gehen. Gloria Steinem hat mal gesagt: »Women may be the only group that grows more radical with age.« Und es stimmt leider.
Ich war schon immer Feministin. In den Neunzigern haben mich meine Schulkameraden als Emanze beschimpft. Ich komme aus einem Land …, also meine Wurzeln sind iranisch, und da war ich als Frau immer schon viel weniger wert als ein Mann. Im iranischen Rechtssystem braucht es zum Beispiel die Aussage von zwei Frauen, um die eines Mannes aufzuwiegen. Ich bin froh, dass ich in Deutschland geboren und sozialisiert wurde. Ich sehe beide Kulturen und sehe dieses wahnsinnige Privileg, das ich habe, dass ich hier als Frau so viel mehr Rechte habe, als ich sie im Iran hätte. Das hat mich schon als junge Frau, als Teenager, wahnsinnig aufgeregt. Weil ich nie eingesehen habe, dass ich weniger wert sein soll, nur weil mir ein paar Zentimeter im Schritt fehlen.
Wenn ich mir die Welt gerade angucke und alles, was passiert, dass uns gerade die ganzen »alten weißen Männer« wieder zurückdrängen wollen in die Fünfzigerjahre, nicht nur Frauen, sondern alle marginalisierten Minderheiten, dass sie uns entmündigen wollen und entrechten wollen und wieder anfangen, über unsere Körper zu bestimmen, das macht mich wütend. So wütend, dass ich diese Wut mittlerweile gar nicht mehr abstrahieren kann, weil ich … eigentlich echt alle Männer verurteile, die an diesem alten Sentiment festhalten, die nur an ihren eigenen Vorteil denken und ums Verrecken ihre Privilegien bewahren wollen. Das wird immer schlimmer. Ich frage mich ganz oft, warum das passiert. Die alten Paradigmen geben vermutlich mehr Sicherheit in einer Welt, in der nichts mehr sicher ist. Und es gibt Menschen, die mit dieser Unsicherheit besser umgehen können als andere, die das gar nicht können. Und dass sich diese Verschiebung sämtlicher Paradigmen auch auf das Männerbild auswirkt. Ich glaube, dass Männer einfach gar nicht wissen, wer sie sein sollen.
Ich werde echt immer radikaler im Alter. Aber vielleicht bringt das gerade unsere Gesellschaft so ein bisschen mit sich. Ich bin überzeugt davon, dass die Welt eine bessere wäre, wenn sie von Frauen geführt werden würde. Oder zumindest von Menschen, die mit weiblichen Werten führen. Wenn die Welt mit Empathie und Verständnis und Wärme und Akzeptanz und im Dialog geführt werden würde und nicht einfach nur mit großem Ego. Eigentlich würde es den Männern auch guttun, sich mit ihrer eigenen Emotionalität auseinanderzusetzen und einfach mal vulnerabel zu sein. Gefühle zuzulassen. Ich finde das Alpha-Male-Gehabe gar nicht mehr zeitgemäß und wahnsinnig abtörnend. Gleichzeitig stelle ich mit Erschrecken fest, dass gerade viele junge Männer sich in diese Richtung bewegen und zum Beispiel in Andrew Tate ein Vorbild sehen. Diese ganze Menosphere, die gerade zu explodieren scheint.
Ich habe Anfang der Nullerjahre eine Examensarbeit geschrieben über die Krise der Männlichkeit. Und ich könnte jetzt ausholen, aber ich sehe, dass sich seitdem relativ wenig verändert hat, weil Männer immer noch nicht ihre Identität gefunden haben in einer Welt, in der sich Werte wandeln. Und dass sie sich deswegen wieder zurückbesinnen auf die alten Werte. Auf das, was sie kennen. Auf das, was die letzten 2000 Jahre auch kulturhistorisch immer gegolten hat. Ich kann da nur immer wieder auf Mary Beard und ihren Essay Women & Power verweisen, der mir so sehr die Augen geöffnet hat. Großartiges Buch. Männer haben Frauen einfach nie Raum gegeben (außer im Haushalt), Frauen haben sich die Freiheiten und die Räume in der Öffentlichkeit, in der Politik, also alles jenseits des Haushaltes und der Care-Arbeit, erst seit kurzem erkämpft. Und bis heute wirst du als Frau nur ernst genommen, wenn du nach maskulinen, patriarchalen Parametern handelst. Das ist jetzt total verkürzt, das kleine Buch ist viel vielschichtiger … Aber ich verliere mich gerade.
Jetzt habe ich die ganze Zeit nur über Männer geredet, aber das ist echt etwas, über das ich viel nachdenke. Wir waren einfach schon mal viel weiter. Ich fand es gut, dass marginalisierte Gruppen einen Platz am Tisch hatten oder zumindest in die Nähe des Tisches gekommen sind. Und dass Frauen die Möglichkeit hatten, die gläserne Decke einzuschlagen, auch wenn wir weiterhin strukturell benachteiligt sind und immer noch nicht die gleiche Bezahlung und die Führungsposten bekommen, die wir verdienen, solange wir nicht nach den Regeln des Patriarchats spielen. Wobei, das stimmt jetzt auch nicht immer, du bist da aber vielleicht die große Ausnahme. Ach, ich weiß es nicht. Mit dem Erstarken des Konservatismus fühlt es sich einfach an, als wäre alles geschrumpft und als hätte man uns zurück auf Los geschickt. Meine Freundin Shila sagt, dass das Zeitalter der Frauen jetzt begonnen hat, und irgendwie würde ich ihr das so gerne glauben, aber ich sehe das ehrlicherweise nicht so richtig. Ich habe eher Sorge, dass Margaret Atwood mit The Handmaid’s Tale recht prophetisch die Zukunft vorausgesagt hat. Ich finde nämlich, dass wir in alltäglichen Strukturen gerade immer mehr zurückgedrängt werden, dass nicht genug in Kinderbetreuungsmöglichkeiten und Bildung und Parität und in die Jugend investiert wird und dass stattdessen andere Themen Priorität haben. Ich verstehe das teilweise. Ich verstehe, dass wir aufrüsten müssen, damit wir uns im Kriegsfall verteidigen können. Und ich verstehe, dass wirtschaftliche Strukturen und Digitalisierung ausgebaut werden müssen und dass wir weltweit anschlussfähig bleiben müssen, denn, wenn man mal ganz ehrlich ist, den Vorsprung durch Technik haben wir auch schon lange nicht mehr. Aber ich finde, dass das alles ein bisschen auf Kosten von Bildung und Teilhabe geht. Also, es sind eigentlich immer noch alte Strukturen, in denen wir feststecken.
Vielleicht ist dieser ganze Fortschritt und diese Idee der Vereinbarkeit nur ein Trugschluss gewesen. Trotzdem habe ich es versucht, und ich versuche es weiter. Und obwohl ich ganz oft Federn gelassen habe, konnte ich meine Karriere bis jetzt leben und ausleben. Aber ich habe auch wahnsinnig lange Teilzeit gearbeitet. Und meine Rente, mein Geld im Alter, wird nicht reichen, um später über die Runden zu kommen. Und das halt einfach, weil ich eine Frau bin und weil ich dummerweise der Tatsache ins Auge blicken muss, dass ich zu spät angefangen habe, mich um das Thema Altersvorsorge zu kümmern. Ich werde arbeiten müssen, bis ich umfalle. So wie meine Eltern auch gearbeitet haben, bis sie nicht mehr konnten. Das ist etwas, was mir echt Angst macht, weil ich sehe, dass ihre Pflege so unfassbar teuer ist, dass im Endeffekt ihre Rente als Ärzte, die eigentlich schon echt okay ist, hinten und vorne nicht reicht. Das ist einfach kacke, und ich weiß nicht, wie das bei uns sein wird.
Und dann denke ich manchmal, dass vermutlich alle Generationen vor uns ähnliche Ängste und Kämpfe ausgestanden haben. Wir denken, das ist jetzt alles so krass, das Zeitalter der digitalen Revolution, in der wir mittendrin stecken, die KI, die sich so entwickelt hat, dass sie meine Steuererklärung machen kann. (Kann sie? Ich hoffe, dass wir da irgendwann hinkommen, dass ich sie nicht mehr machen muss.) Manchmal erschrecke ich, wie sehr wir uns schon auf die Technologie verlassen. Nichts geht mehr ohne Internet. Ich finde den Weg von A nach B ohne mein Telefon nicht mehr. Selbst meine Haushaltsgeräte können miteinander korrespondieren. Als ich ein Kind war, war das eine absurde Zukunftsvision, dass es mal Maschinen geben würde, mit denen man sprechen kann oder die auf Befehl Dinge ausführen. Oder dass ein Roboter mit dir spricht und dir antwortet. Und jetzt sind wir bei: Hallo Siri, wie wird das Wetter heute? Oder: Hallo Siri, bitte schreibe folgende Textnachricht. Das ist schon krass.
Dann aber, und das wollte ich vorhin sagen, denke ich, den Menschen im industriellen Zeitalter, denen muss es ja ähnlich gegangen sein. Während der Elektrifizierung hat sich die Welt ja auch extrem schnell weiterentwickelt. Es gab die erste Glühbirne, und dann gab es auf einmal elektrische Straßenbahnen, und dann wiederum gab es das erste Radio. Die Menschen müssen sich damals so ähnlich wie wir gefühlt haben. Und dann denke ich manchmal, vielleicht ist das alles gar nicht so schlimm, vielleicht nehmen wir alles viel schlimmer wahr, als es wirklich ist. Vielleicht muss man das ins Verhältnis setzen, wenn alles zu schnell und zu viel wird.
