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Mein Buch enthält zahlreiche Erzählungen und Stimmungsbilder, ferner einige Porträts. Alle Texte besitzen eine Handlung oder Entwicklung, sind fast immer spannend. Oft besteht ein biographischer oder persönlicher Bezug. Die Bandbreite der Texte ist groß; ihre Vielfältigkeit und Buntheit, ihre Natur- oder Milieunähe, ihre satirische oder erotische Dimension, aber auch ihre historisch-kritische Perspektive könnte Sie als Leser reizen.
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Seitenzahl: 131
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Günter Helmig
Fregatte in grüner Flusslandschaft
Erzählungen und andere Prosatexte
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Fregatte in grüner Flusslandschaft
Vorwort
Der Segeltörn
Rückenlage
Die Fassade war grau - wie immer
Prinz Klaus VI
Begegnung
Untergetaucht
Das Spiel
Rien ne va plus
Wiedergeburt
Alte Freunde
Arrivederci Venezia
Bekenntnisse eines Häftlings
Vom „gefährlichsten Bazillus aller Zeiten, der Freiheit“
Die Verhaftung
Die Einweihung
Das Stahlwerk
Krieg der Klänge
Beäugt
Haven of dreams
Auf den Spuren der Byzantiner
Am Bach
Berührung
Aufstieg
Von winzerfreien Steilhanglagen
Von der Schönheit der Nachtkerzen
Meine neue Freundin
Über dem Rhein
Auf der Promenade
Senor Augustino (Gran Canaria)
Alfonso
Die roten Schuhe
Melissa
Mann mit Vogel
Hände
Impressum neobooks
Erzählungen und andere Prosatexte
Günter Helmig
Lieber Leser, was sagt der Titel über diese Sammlung von Prosatexten aus? Ich werde es nicht verraten, aber Sie finden das Zitat in meinem Text „Einweihung“. Seit meinem 40. Lebensjahr schreibe ich neben Gedichten Prosatexte. Meine Lyrik habe ich in drei Gedichtbänden veröffentlicht, meine Kurzprosa in vielen Lesungen vorgestellt.
Sie finden Erzählungen, Kurzgeschichten, Stimmungsbilder und Porträts in diesem Buch. Viele haben einen Bezug zu meinem Leben, andere sind fiktiv, basieren aber auf meinen Erfahrungen, Beobachtungen und Berichten aus den Medien. Drei Texte sind in der Auseinandersetzung mit den jeweiligen „Büchern der Stadt“ (Köln) entstanden. Ich beziehe mich dabei jeweils auf eine Leerstelle im Buch und schreibe dazu eine selbständige Geschichte. Die Erzählung „Rückenlage“ wurde inspiriert durch Kafkas Text „Verwandlung“.
Ich bin Rheinländer, im engeren Sinn Kölner, obwohl ich seit Jahrzehnten in Bergisch Gladbach wohne. In dieser Region wirke ich literarisch seit vielen Jahren.
Auf Reaktionen der Leser bin ich sehr gespannt.
Sie verließen den Hafen mit dem Außenbordmotor. Als sie das offene Wasser erreichten, setzte Walter Schneidewind die beiden Segel, Michael Krüger kümmerte sich um die Pinne, hielt das Schiff ruhig. Rasch fuhr der Wind ins Segeltuch, spannte es, meldete energisch seinen Besitzanspruch an. Krüger steuerte die Yacht nach Nordwesten, dort, wo der Windgott wohnt, überall hatte dieser die Wellen mit Schaum gekrönt.
Die zwei Männer kreuzten gegen den Wind. Salzpartikel brannten auf der Haut. Krüger setzte sich auf die Seitenbank, konnte von dort die Pinne mit einem Verlängerungsteil führen. Die Schrägstellung des Schiffes war moderat, so machte ihm Segeln Spaß. Im Vergleich zu gestern hatte das Tempo der Musik zugenommen, zu der die Bojen in ihren grünen und roten Ballkleidern tanzten. Möwen glitten kreischend an ihnen vorbei, blickten sie fordernd an. Als die Uferzone einer Insel immer näher kam, drehten sie um und fuhren entspannt mit Rückenwind zurück.
Ein Gespräch zwischen den beiden wollte nicht aufkommen. Schneidewind schaute nach vorne, räumte auf, vermied seinen Blick. Krüger dachte an gestern Abend, als sie draußen am Hafen von Herkingen am Grevelingenmeer gesessen hatten, um zu essen, und Walter ihn nach der Bestellung aufmerksam anschaute, sich gerade hinsetzte und seine Arme kreuzte.
„Du sagtest heute Morgen, als wir von der Kenterung unseres Kanus auf der Lahn sprachen, dass Markus irgendwelche Bedürfnisse und Gefühle ausgelebt hat. Wie meinst du das, Michael?“
Krüger verschränkte seine Hände und legte sie auf den Bauch, schaute in seine stahlgrauen Augen, lächelte ihn an.
„Weißt du, Walter, ich glaube nicht, dass er uns damals nur einen Streich spielen wollte und das Boot kippte, um uns im Wasser schwimmen zu sehen und uns zu ärgern. Das behauptet er zwar immer, aber er hatte sicherlich noch andere Motive.“
Krüger lehnte sich zurück, strich mit der linken Hand über seinen Kinnbart.
„Woran denkst du, Michael, du warst doch drei Tage mit ihm zusammen in Gießen, was hat er dir denn gestanden?“
Schneidewind grinste ihn an. Krüger blieb ernst, schob nur leicht seine buschigen Augenbrauen nach oben.
„Er hat zugegeben, dass er das Boot deswegen gekippt hat, um sich an dir zu rächen, weil du ihn mehrmals unfair behandelt hast. Er denkt besonders an eine Geschichte vor mehreren Wochen, als du ihn damit aufzogst, den Kosinussatz nicht verstanden zu haben und seine Freundin Judith als Vorbild rühmtest. Die ganze Klasse hat gegrinst und er war völlig fertig. Er wollte schon die Schule verlassen.“
Schneidewind fuhr sich mit beiden Händen über den verbliebenen Haarkranz.
„Ich hätte nichts dagegen, wenn er gehen würde. Ich komme mit ihm nicht klar, er kann einfach nicht gut Mathe, ist aber andererseits so eingebildet, dass ich mich oft von ihm herausgefordert fühle.“
Das Bier kam, sie stießen an, ohne sich anzusehen.
„Mag sein, Walter, aber deswegen hättest du ihn doch nicht blamieren dürfen und ihn mit Judith vergleichen. Es gab ja noch zwei weitere Situationen, in denen du ihn kränktest.“
„Wie redest du mit mir? Du stellst dich ja voll auf die Seite von Markus, hast wohl ganz vergessen, was an dem Abend geschah, als er mit seinen Freunden gesoffen hat.“
Krüger blickte ihn kühl an. Seine Stirn warf Falten.
„Das habe ich nicht vergessen und deswegen bekommt er nach den Ferien auch seine Konferenz. Du solltest aber einfach zugeben, dass du dich ihm gegenüber falsch verhalten hast.“
Schneidewind lief rot an. Er blitzte Krüger an.
„Was willst du damit eigentlich sagen, Michael? Wohl auch, dass ich indirekt schuld bin am Schicksal von Peter? Markus hätte ja das Boot nicht gekippt, wenn er nicht einen Grund gehabt hätte sich zu rächen? Dann wäre Peter nicht mit dem Kopf gegen das Boot gestoßen, hätte nicht in Panik eingeatmet und wäre nicht ertrunken, er hätte nicht reanimiert werden müssen und wäre jetzt nicht in der Reha, um seine Sprachprobleme therapieren zu lassen.“
Er sprach laut, sodass einige Gäste sich umdrehten. Krüger hielt seinem Blick stand.
„Du solltest dich wieder beruhigen, Walter, du hast höchstens eine Teilschuld, wie auch ich. Und normalerweise wäre es ja gut gegangen wie so oft schon.“
„Ich werde die Rachegelüste von Markus bei der Disziplinarkonferenz zur Sprache bringen, Michael, so geht es nicht.“
Er blitzte ihn wieder an.
„Ich habe Markus versichert, dass sein Geständnis für ihn keine negativen Folgen haben werde. Die Konferenz würde sich nur auf das Besäufnis beziehen. Wenn du mich wortbrüchig machst, wird auch dein Verhalten ihm gegenüber zur Sprache kommen. Ich weiß nicht, ob dir das recht ist.“
Krügers Gesicht war versteinert.
„So steht es also mit uns, Michael. Das hätte ich nicht erwartet, und das nach dreißig Jahren Freundschaft.“
Das Essen wurde gebracht. Sie aßen und schwiegen.
Nach dem Essen hatte Krüger das Bedürfnis, sich den Ort näher anzuschauen und anschließend über den Deich zu laufen. Nach einer guten Stunde ging er wieder zum Schiff, wo er Schneidewind traf. Ein Gespräch kam nicht mehr zustande.
In dieser Nacht schlief Krüger unruhig, was nicht nur an dem heftigen Wind lag, der das Schiff zum Klingen und das Wasser des Hafenbeckens in Bewegung brachte.
Am anderen Morgen schlug Schneidewind beim Frühstück vor, in der Bucht heute scharf zu segeln, denn es seien ideale Windverhältnisse. Sie stünden unter keinem Zeitdruck und könnten testen, wozu die Poseidon fähig sei.
Inzwischen war Mittag. Schneidewind hatte die Pinne übernommen und lotste sein Schiff sicher in eine kleine Bucht am Ufer. Dort machten sie Pause, aßen Brot mit Käse und tranken Kaffee. Möwen hatten sie entdeckt, trieben hinter dem Schiff im Wasser oder segelten mit gierigem Blick an ihren Köpfen vorbei. Gelegentlich warf einer der Männer ein Stück Brot ins Publikum, das oft schon in der Luft von einem der gelben Schnäbel abgefangen wurde.
Der Wind schob für kurze Zeit die Wolken beiseite, zerrte die Sonne hervor, die das Schiff so weiß wie ein Eisberg erscheinen ließ.
Die See – weiß wie ein Schneefeld, der Wind hatte zugenommen. Schneidewind wirkte wie elektrisiert, reckte sich, riss die Arme hoch und begann zu singen: ‚We are sailing, stormy waters, to be near you, to be free’. Er schwenkte seine Kappe in der Luft, als wenn er einen Toast ausbringen wollte, zu Ehren des Windgottes.
Sie zogen ihr Ölzeug an, darüber die Rettungswesten und legten ab, diesmal ohne Außenbordmotor. Sobald das Ufer sie nicht mehr schützte, bemächtigte der Wind sich ihrer Segel und sie jagten los, ‚des Sommerwindes wilde Jagd’. Es ging wieder nach Nordwesten, wo Poseidon wohnt. Hart am Wind war die Devise, Spritzwasser brannte auf seiner Haut. Schneidewind half ihm, die Krängung auszugleichen, lehnte sich weit nach hinten. Irgendwann machten sie eine Wende und rasten weiter. Die Wanten sangen.
Es fing kräftig an zu regnen, die Tropfen schlugen runde Krater in die Wasseroberfläche. Es wurde Krüger ungemütlich, auch die Schrägstellung des Schiffes genoss er nicht mehr; Gischt soweit er sehen konnte.
„Ich würde gerne nach Bruinisse segeln, mir reicht es jetzt, unser Schiff ist nicht der Fliegende Holländer.“
„Ist okay, ich will vorher nur das Großsegel reffen, das ist besser für uns. Vorher musst du jedoch in den Wind schießen, damit ich oben arbeiten kann.“
Schneidewind band sich seinen Südwestern fester und ging aufs Deck, machte sich am Mast zu schaffen.
Die beiden Segel flatterten und knatterten wie bei einer defekten Auspuffanlage.
Krüger stand aufrecht, die Pinne in der Rechten, überragte um Haupteslänge die Windschutzscheibe, die wegen des Spritzwassers keine klare Sicht erlaubte. Weiße Schaumstreifen kamen auf ihn zu, Salzwasser drang in seine Nase, er schirmte die Augen mit der Hand ab, eine Bö. Der Druck auf die Pinne wurde immer größer, er bewegte sie vorsichtig hin und her, versuchte das Schiff ruhig zu halten, doch der Wind kroch in das Großsegel wie eine Schlange, blähte es auf. Es gab einen Ruck, die Poseidon stellte sich schräg und Walter schrie, flog im Bogen ins Wasser.
Krüger wusste, was er zu machen hatte, aber bei so einem Wind hatte er das Manöver noch nie gefahren.
Er klemmte sich die Pinne zwischen die Beine und zog die Fock an, soweit es ging. Das Schiff gewann an Fahrt, es sauste über die weiße Fläche, die Krängung war sehr stark, aber er musste sie aushalten. Die erste Wende, er luvte an, der Wind bog das Vorsegel nach innen, beulte es aus und zwang das Schiff auf den gewünschten Kurs. Zügig zog er das Segel auf die andere Seite. Wieder musste er Fahrt gewinnen, Poseidon herausfordern, sich nicht einschüchtern lassen und die zweite Wende probieren. Sie gelang und er näherte sich Walter, der ihm zuwinkte, mit großer Geschwindigkeit. Er hielt Abstand, rauschte vorbei, verpasste den richtigen Moment, in den Wind zu schießen und fuhr weiter.
„Ich probier’s noch mal!“
Sein Südwestern war abgerissen, mit den Armen ruderte Walter in der Luft, die mohnrote Rettungsweste half ihm beim Tanz mit den Wellen.
Krüger wiederholte die Manöver erfolgreich, schoss in den Wind auf, das Schiff machte keine Fahrt mehr, war aber zu weit von Walter entfernt, sodass dieser das Tau, das er ihm zuwarf, nicht erreichen konnte. Walter versuchte, schwimmend näher zu kommen, schaffte es aber nicht. Er starrte ihn mit geweiteten Augen an. „Versuchs noch mal!“, rief er, beschwor ihn mit Blicken.
Beim dritten Versuch gelang es Krüger, den Bug genau in den Wind zu stellen und nah genug zu sein. Walter ergriff das Tau, zog sich ans Schiff heran und stieg über die Badeleiter nach oben.
„Das wär’ beinah schiefgegangen!“, stieß er hervor.
Das salzige Wasser hatte seine Lider gerötet, die Haut wirkte fahl. Erschöpft ließ er sich auf der Bank nieder, sackte zusammen wie eine Gummipuppe, die die Luft verliert, das Wasser rann auf den Boden. Nach einiger Zeit zog er sich das Ölzeug aus, stand auf und ging nach unten.
Als er wieder an Deck kam, ergriff er Krügers Hand und schüttelte sie. Dann zog er ihn an sich wie eine Frau und klopfte ihm mit den Händen auf den Rücken. „Danke, Michael!“
Als Georg Smolec eines Morgens aus unruhigem Schlaf erwachte, lag er nicht in seinem eigenen Bett. Er öffnete die Augen, sah über sich eine weiß getünchte Zimmerdecke, sonst nichts, und versuchte sich aufzurichten, was jedoch misslang. Auch den Kopf konnte er nicht heben. Als er die Stirn hochzog, tat es ihm weh. Etwas stimmte nicht. Die Beine waren gespreizt, er konnte sie nicht zusammenlegen. Was war mit ihm geschehen? Er träumte nicht.
Irgendetwas war in seinem Penis, er spürte einen Druck in der Blase, wollte seine Hand auf seinen Bauch legen und merkte, dass sein linker Arm und die Hand sich nicht bewegen ließen. Er testete die anderen Seite und war froh, dass er den rechten Arm etwas anheben konnte, aber kam nicht sehr weit, spürte etwas Hartes, das mit seinem Unterarm fest verbunden war. Es erschien ihm, als wenn regelmäßig eine Flüssigkeit in ihn hinein tropfte. Was war das nur?
Jemand näherte sich, beugte sich über ihn.
„Schön, dass Sie aufgewacht sind, Herr Smolec.“
Er blickte in das Gesicht einer Krankenschwester, versuchte zu fragen: Wo bin ich hier? Was ist mit mir geschehen? Aber es gelang ihm nicht.
„Sie sind schon seit einiger Zeit bei uns, Herr Smolec, aber Ihr Zustand hat sich immer weiter verbessert.“ Er verstand sie, was war aber geschehen?
„Sie werden hier gut versorgt, immer ist einer da für Sie, jetzt muss ich die Infusionsflasche wechseln.“
Als sie damit fertig war, deckte sie ihn auf und bewegte nacheinander die einzelnen Glieder. Das tat ihm gut, wie sah die Frau nur aus, die Stimme gefiel ihm.
Das Bett wurde zur Seite gedreht, und er konnte sie genauer ansehen. Große, braune Augen, eine leicht nach oben gebogene Nase, die vollen Lippen nicht geschminkt. Sonst nur weiße Haube und Kittel, Mitte dreißig vielleicht.
„Ich lasse Sie jetzt einige Zeit allein, bin aber stets in Ihrer Nähe.“
Neben ihm ein Abstellwagen mit einer nierenförmigen Schüssel, Mulltupfern und einer Schale mit Flüssigkeit. Wie riecht es denn hier, nirgendwo Pflanzen, im Hintergrund ein Fenster mit Tageslicht, überall Apparate und Schläuche, war wohl tagelang bewusstlos, was ist geschehen?
Er schloss die Augen. Vielleicht war alles nicht wahr, wenn er aufwachte, er tauchte weg, saß in einem Pkw, fuhr schnell, immer schneller, raste in einen Abgrund, Dunkelheit, seine Brust schmerzte, bekam keine Luft, war unter Eis, wie damals als Junge, wo ist das Loch, ich ersticke, von fern eine Frauenstimme.
„Haben Sie gut geschlafen, Herr Smolec?“ Sie beugte sich über ihn, er glaubte ihren Duft zu spüren, tief atmete er ein, sog die Luft ein wie ein Erstickender, das tat ihm gut, langsam wurde er ruhiger.
„Sie werden sich jetzt die andere Seite des Zimmers näher ansehen können, übrigens haben Sie Besuch.“ Sie trat zur Seite.
Auf einem hellgrau lackierten Stuhl saß seine Mutter, trug auch einen weißen Kittel, aber kein Häubchen. Ihr glattes, braunes, halblanges Haar ließ sie etwas streng aussehen. Er freute sich, ihre Augen trafen sich.
„Schön, dass du wach bist. Kannst du mich erkennen?“ Georg wollte mit dem Kopf nicken, aber es ging nicht. Seine Mutter spürte aber, dass er sie erkannt hatte, sie lächelte ihn an und erzählte von draußen, vom Wetter, dem Vater und seinen Freunden. Er hörte kaum zu. Warum erzählt sie nicht, was geschehen ist, was mit mir los ist? Ich muss es wissen, alles will ich wissen? Schließlich musste sie gehen.
„Sie sollten noch etwas schlafen, bis ich ihr Bett wieder zurück in die Rückenlage bringe.“
Immer wieder blickte er den leeren Stuhl an, der jetzt in einem milden, grünlichen Licht erschien, fühlte seine Lider schwer werden, tauchte wieder ein ins Nebelland, lag in einem Hubschrauber, der starten wollte, immer lauter die Rotoren, tief drang ihr rhythmisches Flattern in ihn ein, langsam hob er vom Boden ab, stieg immer höher, wachte auf. Sein Bett neigte sich langsam in die Horizontale.
Die Krankenschwester schaute ihn freundlich an.
„Jetzt werde ich wieder ihre Glieder bewegen und Sie anschließend waschen.“
