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Das Buch beschreibt, wie die Illusion von der Willensfreiheit entstanden ist und sich bis "gestern" als angebliches Allgemeinwissen in den Köpfen vieler Menschen halten konnte. Das Naturgesetz des Verhaltens, das diese Illusion auflöst, wird anschaulich dargelegt und wie zustande kommt, was wir wollen. Der Mensch, genau wie jedes andere Lebewesen, strebt danach, angenehme Gefühle zu erleben und unangenehme Gefühle zu vermeiden. Dass dies ausnahmslos die Ursache des Wollens ist, wird anschaulich beschrieben. Und obwohl unser Wille nicht frei ist, haben wir dennoch Einfluss darauf, was wir wollen … und Verantwortung für die Folgen. Mit der Erkenntnis dieses Verhaltensgesetzes ergeben sich völlig neue Möglichkeiten, das Leben lebenswert zu gestalten. - Ein Buch für jeden, der den Mut hat, sich vorbehaltlos selbst zu erkennen - das Wunder, das er ist und das wunderbare Gesetz, das in ihm wirkt.
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Seitenzahl: 355
Veröffentlichungsjahr: 2020
Heinz W. Meyer
Freier Wille war gestern
Wie Gefühle unser Wollen bestimmen
Die Richtung des Lebens bestimmen die Gefühle. Wir müssen angenehme Gefühle erleben und unangenehme Gefühle möglichst vermeiden. Jeder Mensch versucht es auf die Weise zu erreichen, wie es ihm am besten erscheint. Hier beginnt die Aufgabe des Verstandes. Der Verstand ist Helfer – das Gefühl bestimmt. Das Gefühl kann sich nicht irren, der Verstand sehr wohl.
Der Autor macht mit anschaulichen Beispielen, aber auch mit wissenschaftlichen Grundlagen deutlich, dass die Willensfreiheit eine Illusion ist. Und er zeigt auf, weshalb sich der Glaube an die Willensfreiheit so hartnäckig halten konnte.
© 2020 Heinz W. Meyer
Verlag & Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg
ISBN:
978-3-7497-7033-5_(Paperback)
978-3-7497-7034-2_(Hardcover)
978-3-7497-7035-9_(e-Book)
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Für jeden,
- der nach dem Bestmöglichen strebt und bereit ist, am jeweils Erreichten zu hinterfragen, ob es nicht noch etwas Besseres gibt.
- der Glück und Frieden für sich selbst sucht und sich von ganzem Herzen dasselbe genauso für alle Menschen wünscht.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Was Einstein und andere über den freien Willen meinten
Albert Einstein
Friedrich Schiller
Friedrich Nietzsche
Johann Wolfgang von Goethe
Marie von Ebner-Eschenbach
Thomas Mann
Leo N. Tolstoi
Spinoza
Dr. med. Manfred Danner
Mach doch was du willst
Fritz in der Hängematte
Mein Sohn, such‘ dir das Beste aus
Etwas Besseres ist dir wohl nicht eingefallen
Was wir freiwillig oder unfreiwillig tun
Wie kommt Verhalten zustande - und wer oder was wählt es aus?
Die Energie der Gefühle
Hunger und Durst
Unwissenheit schützt vor den Folgen nicht
Wie ist der Gedanke von der Willensfreiheit entstanden
Ursache und Wirkung
Tausche „Schuld und Strafe“ gegen „Ursache und Hilfe“
Wir haben ein Motiv für das, was wir wollen.
Unsere Einstellungen
Das ist ja reizend - Vom Reiz zum Willen
Die Welt ist eine andere, eine bessere
Was ist das Beste?
Empfindungen und Gefühle sind zweierlei
Gefühlvolles Leben
Einteilung der Gefühle
Körperliche Gefühle
Seelische bzw. psychische Gefühle
Intellektuelle Gefühle
Vorgefühle
Identifizierung oder Differenzierung
Bewusstsein, Gedächtnis und Informationen
Jeder macht, was er will – aber keiner freiwillig
Gedanken und Gefühle
Unsere Stimmung oder wie wir drauf sind
Was eine Videokamera kann, können wir im Schlaf - und noch viel mehr
Aufgenommene Informationen werden bearbeitet
Die Trägheit und das Fließen in unserem Bewusstsein
Gewohnheiten - nicht mehr ob, nur noch wann
Entscheidungen
Willenskraft und Willensstärke
Gewicht + Maßstab
Lebenswandel - Lebenswandlung
Erkenne dich selbst - Selbsterkenntnis tut not ... und gut
Hindernisse auf dem Weg der Selbsterkenntnis
Selbsterkenntnis - Der Schlüssel zum Glück
Das Leben einstellen
Irrwege
Richtiges Suchen - damit das Finden und Sammeln keine Leiden schafft
Wie werden manipuliert
Wir brauchen lebenswerte Einstellungen
Störenfriede - Krieg und Frieden
Kranke Gesundheitspolitik - Götter in Weiß
Wissenschaft/ler und Willensfreiheit
Volle Schulen - Leere Lehren?
Glaube - Glaubensfähigkeit und Glaubensinhalt
Kirche Nein – Gott Ja!
Unsere Vorstellung vom Anfang oder von Gott
Am liebsten wäre mir etwas Besseres eingefallen
Literaturhinweise
Stichwortverzeichnis
Dank
Über den Autor
Vorwort
Lieber Leser, liebe Leserin, ich werde dich in diesem Buch mit „Du“ ansprechen und hoffe, dass es für dich in Ordnung ist. Es geht in diesem Buch um sehr persönliche Dinge und mir schien, dass die Anrede mit „Du“ dem Stoff angemessener ist als das doch etwas unpersönliche „Sie“. Außerdem werde ich ausschließlich die „männliche“ Anrede benutzen und meine damit natürlich auch das weibliche Geschlecht. Es liest sich einfach flüssiger, und darauf kommt es doch an. Ich hätte auch kein Problem damit, nur in der „weiblichen“ Anrede zu schreiben. Also schon hier die Frage: „Was ist das Beste?“ – Die Frage bzw. die Suche nach dem Bestmöglichen wird uns durch das Buch begleiten.
Wir leben in einer Zeit des Aufbruchs. Aber wohin? Und woran sollen wir uns orientieren? Wer oder was bestimmt die Richtung und was ist richtig oder falsch?
Wir werden überflutet mit Informationen. Es bleibt kaum Ruhe, um über sich selbst nachzudenken. Aber genau das wäre so wichtig. Wir müssen uns selbst kennen, damit wir unseren Weg bestimmen können. Wenn wir uns selbst nicht kennen, ist die Gefahr groß, dass wir dem Trampelpfad der Masse folgen. Mag sein, dass wir dabei so etwas wie Glück und Zufriedenheit fühlen. Aber kann es das Glück und die Zufriedenheit sein, was wir fühlen, wenn wir auf unserem Weg vorangehen?
Was ist dein ganz persönlicher Weg?
Wie viele Fragen hast du, wenn du über das zwischenmenschliche Miteinander nachdenkst?
Wie viele Erfolgsrezepte für ein Leben in Glück und Fülle hast du schon studiert und ausprobiert und bist nicht wirklich dort angekommen?
Du möchtest so viel für dich und andere verändern und suchst nach dem Rezept?
Jeder muss sich so verhalten, wie es ihm im jeweiligen Moment als das Beste erscheint.
Die Erkenntnis dieses Naturgesetzes verändert alles.
Dieses Naturgesetz zu beleuchten und in den Alltag zu integrieren, darum geht es in diesem Buch. Seit über 40 Jahren begleitet mich die Erkenntnis in meinem Alltag. Es ist mein Anker und mein Licht, um meinen Weg zu finden und darauf bleiben zu können. Ich habe selbst eine Menge unterschiedlicher Erfolgsrezepte studiert und ausprobiert. Deshalb erlaube ich mir dieses Urteil: Ein Erfolgsrezept, das die Freiheit des Willens als eine wesentliche oder gar die Grundlage des Menschseins lehrt, irrt sich über den Wesenskern des menschlichen Verhaltens.
Die Welt ist im Aufbruch. Was gestern noch unmöglich erschien, ist heute schon Alltag.
Auch das Festhalten am freien Willen wird eines Tages der Vergangenheit angehören. Warum? – Irrtümer bleiben nicht auf ewig unentdeckt. Das zeigt die Geschichte der Menschheit. Die Erde als Mittelpunkt des Universums. Die Sonne kreist um die Erde. Der Teufel. Die Erde als Scheibe. Die Unfehlbarkeit des Papstes. Die Kirche als Mittler zwischen Mensch und Gott. Der Mensch als Sünder von Anfang an. Die Atomenergie als Segen. Die Liste ließe sich fortsetzen. Bei vielem ist Irrglaube im Spiel. Manchmal auch nur Fehler im Denken, Nicht-Hinschauen auf die Folgen.
Und die rasante Entwicklung der Industrie und der Technik lässt uns immer deutlicher erkennen, dass wir alle in einem Boot sitzen. Viele glauben noch, dies und das würde sie nichts angehen. Es dürfte den meisten inzwischen klar geworden sein, dass dies ein Trugschluss ist. Und damit wir in diesem einen Boot besser miteinander klar kommen, ist es so entscheidend, zu wissen, wie wir alle ticken, um es einmal salopp auszudrücken. Es gibt weder gute noch schlechte Menschen. Egal was sie auch tun. Jeder macht das, was ihm als das Beste erscheint. Wir können uns aber darum bemühen, dass uns etwas Besseres erscheint.
Und wir können einander dabei helfen. Dafür den richtigen Weg zu finden, das ist unsere Herausforderung – weg von Schuld und Strafe, hin zu Ursache und Hilfe. Das ist der Weg.
In diesem Buch versuche ich, mich auf das Wesentliche zu beschränken. Mehr und tiefer gehendes Wissen lässt sich aus der unendlichen Zahl von Fachbüchern reichlich finden. Mir geht es aber darum, wie wir aus dem unentbehrlichen Wissen über das Gesetz unseres Verhaltens das Bestmögliche machen – für uns und für andere.
Was Einstein und andere über den freien Willen meinten
Wenn es auch nichts Wichtigeres gibt, als sich seine eigene Meinung zu bilden, so schließt es doch nicht aus, dass wir uns dafür interessieren, welche Meinungen andere Menschen vertreten. Besonders wenn wir zu einer eigenen Meinung gekommen sind, die von der herrschenden öffentlichen Meinung abweicht. Da tut es uns gut, Aussagen von allgemein anerkannten Persönlichkeiten zu finden, die sich mit unserer Meinung deckt oder ihr doch jedenfalls ähnlich ist.
Albert Einstein
… zitiert hier Schopenhauers Ansicht über den freien Willen: „Der Mensch kann wohl tun, was er will, aber er kann nicht wollen, was er will!“ Und Einstein fährt dann fort: „Schopenhauers Wort von der Unfreiheit des Willen begleitet mich in allen Lebenslagen und bewahrt mich davor, den Menschen allzu ernst zu nehmen und den angenehmen Humor zu verlieren.“
„An Freiheit des Menschen im philosophischen Sinne glaube ich keineswegs. Jeder handelt nicht nur unter äußerem Zwang, sondern auch gemäß innerer Notwendigkeit.“
„Unser Handeln sei getragen von dem stets lebendigen Bewusstsein, dass die Menschen in ihrem Denken, Fühlen und Tun nicht frei sind, sondern ebenso kausal gebunden wie die Gestirne in ihren Bewegungen.“
„Ich weiß ehrlich nicht, was die Leute meinen, wenn sie von der Freiheit des menschlichen Willens sprechen. Ich habe zum Beispiel das Gefühl, dass ich irgendetwas will; aber was das mit Freiheit zu tun hat, kann ich überhaupt nicht verstehen. Ich spüre, dass ich meine Pfeife anzünden will und tue das auch; aber wie kann ich das mit der Idee der Freiheit verbinden? Was liegt hinter dem Willensakt, dass ich meine Pfeife anzünden will? Ein anderer Willensakt? Schopenhauer hat einmal gesagt: ‚Der Mensch kann tun was er will; er kann aber nicht wollen was er will.“
Friedrich Schiller
Des Menschen Taten und Gedanken, wisst!
Sind nicht wie Meeres blindbewegte Wellen.
Die innere Welt, sein Mikrokosmos,
ist der tiefe Schacht, aus dem sie ewig quellen.
Sie sind notwendig, wie des Baumes Frucht,
sie kann der Zufall gaukelnd nicht verwandeln.
Hab ich des Menschen Kern erst untersucht,
so weiß ich auch sein Wollen und sein Handeln.
Wallensteins Tod II, 3. (Wallenstein)
Friedrich Nietzsche
… ging sogar so weit zu sagen: „Die Lehre von der Freiheit des Willens ist eine Erfindung herrschender Stände.“
Johann Wolfgang von Goethe
… formuliert den Willen nur als zwanghaften Vorgänger der Handlung: „Unser Wollen ist ein Vorausverkünden dessen, was wir unter allen Umständen tun werden. Diese Umstände aber ergreifen uns auf ihre eigene Weise.“
Marie von Ebner-Eschenbach
„Wer an die Freiheit des menschlichen Willens glaubt, hat nie geliebt und nie gehasst.“
Thomas Mann
„Die Freiheit existiert, und auch der Wille existiert; aber Willensfreiheit existiert nicht, denn ein Wille, der sich auf seine Freiheit richtet, stößt ins Leere."
Leo N. Tolstoi
„Wäre der Wille eines jeden Menschen frei, das heißt, könnte jeder Mensch so handeln, wie er gerade will, dann würde die Geschichte aus einer Reihe von zusammenhanglosen Zufälligkeiten bestehen.“
Spinoza
„So wie in der Welt der materiellen Körper keine Wirkung ohne (zwingende) Ursache möglich ist, so ist in der Geisteswelt ein Willensentschluss ohne Motiv nicht möglich.“ Damit schloss Spinoza jede Willensfreiheit aus (auch die seines Gottes – siehe oben). Alles geschieht aus kosmischer Notwendigkeit; den Begriff „Wille Gottes“ nannte er (im Anhang zum 1. Teil der Ethik) „das Asyl der Unwissenheit“: „Und so werden sie nicht ablassen, weiter nach den Ursachen der Ursachen zu fragen, bis man seine Zuflucht zum Willen Gottes genommen hat, das heißt, zur Freistatt der Unwissenheit.“
Dr. med. Manfred Danner
Alle Zitate aus „Gibt es einen freien Willen?“ 1974
Alles was der Mensch tut oder unterlässt, wird von seinen Gefühlen verursacht, und das mehr oder minder bewusst. (S. 1)
Wir werden nicht ärmer, wenn wir den Glauben an den freien Willen aufgeben. (S.2)
Kein Anlass zu fatalistischer Resignation, weil durch unser Dazutun die Zukunft so werden wird, wie sie werden muss. (S. 2)
Die acht Thesen der psychologischen Determiniertheit des Wollens:
1. Das Wollen ist auf einen (im weitesten Sinn) subjektiven Wert gerichtet.
2. Was ein subjektiver Wert ist, bestimmen die Gefühle.
3. Also bestimmen die Gefühle unser Wollen.
4. Die Gefühle sind unserer freien Bestimmbarkeit entzogen.
5. Da das Wollen von den Gefühlen bestimmt wird und da die Gefühle unserer freien Bestimmbarkeit entzogen sind, ist das Wollen determiniert.
6. In der Wahl zwischen zwei Werten entscheidet der subjektiv größere Bedeutungsgehalt eines Wertes oder, was das gleiche besagt, entscheidet die Stärke der emotionalen Besetzung des jeweiligen Wertes.
7. Selbstverständlich können wir unser Werturteil auch rational begründen, aber wiederum ist es die emotionale Bewertung der rationalen Begründung, die die Begründung zum „Grund“ und das Begründete zum Wert macht.
8. Die Gefühle sind es also, die unser Wollen bestimmen. Da es aber unsere Gefühle sind, die das Wollen bestimmen, und da wir uns mit unseren Gefühlen und mit unserem Wollen identifizieren, haben wir das Gefühl und das Bewusstsein, selbst zu bestimmen, und fühlen uns frei; insofern es aber die Gefühle sind, die unser Wollen bestimmen, bestimmen wir zwar selbst, aber nicht frei.
Jeder Wert hat ein emotionales Vorzeichen, positiv oder negativ bzw. angenehm oder unangenehm. (S.8)
Das Wollen ist auf einen subjektiven Wert gerichtet, und die Gefühle sind es, die letztlich „erkennen“, was ein subjektiver Wert ist. (S. 18)Die emotionale Bewertung des Richtigseins einer vorgelegten Wahrheit (innerliche Bejahung der Wahrheit) kann auch ohne eigene Einsicht und Erkenntnis auf der bloßen Anerkennung der die Wahrheit vortragenden, sachkundigen Autorität beruhen. So z.B. können die wenigsten von uns aus eigenen Untersuchungen den Nachweis führen, dass z.B. die Erde sich um die Sonne dreht, und doch glauben wir alle an die diesbezüglichen Aussagen der Gelehrten. (S. 22 Fn)
Selbst der Widerstand gegen den Determinismus beruht zumeist, um auch dieses Beispiel zu wählen, nicht etwa auf dem Nachweis, dass seine Argumente nicht widerspruchsfrei einsehbar zu machen sind, als vielmehr auf den emotionalen Voreingenommenheiten, die ihm von gewissen Seiten zur Zeit noch entgegengebracht werden.
Nicht wenigen Menschen, und zugegebenermaßen nicht den oberflächlichsten, bereitet es einfach ein Unbehagen, sich vorzustellen, dass der Mensch determiniert sein soll. Leider ist es aber so, dass durch die emotionale Abwehr manche Autoren davon abgehalten werden, sich unvoreingenommen mit dem Determinismus zu beschäftigen, so dass ihnen von vornherein jede Möglichkeit verschlossen bleibt, Missverständnisse, die dem Determinismus auf Grund fremder oder gar eigener Fehlinterpretationen anhaften, zu korrigieren. (S. 42 Fn)
Da es seine Gefühle sind, die ihn zum Wollen bewegen, und da er sich mit seinen Gefühlen und mit seinem Wollen identifiziert und dieses nicht für unabänderlich hält, gibt ihm das Bewusstsein der Ichhaftigkeit und des Eigenen im Wollen ein so starkes Gefühl der Freiheit, dass er sagt: „Ich kann auch anders, wenn ich will“, und dabei merkt er nicht, dass er nur dann anders will, wenn er ein neues Motiv, d.h. einen neuen hinreichend emotional bewerteten Bewusstseinsinhalt dafür hat. (S. 33)
Das ist nur eine kleine Auswahl der Gedanken, die sich Menschen über die Willensfreiheit gemacht haben.
Gedanken von jenen, die die Willensfreiheit als gegeben zu beweisen suchen, möchte ich hier nicht wiedergeben. Wer sich mit diesen Beweisführungen beschäftigt und sie logisch nachvollziehen will, bekommt mit Sicherheit einen Brummschädel. Die Gefahr besteht, dass man sich in dem Irrgarten solcher Gedanken verliert. Diese Gefahr ist realer, als sich mancher vorstellen mag. Es sind nicht selten Professoren, die die Willensfreiheit beweisen wollen. Und als logische Folge meinen wir, wenn wir den Gedanken des Professors nicht folgen können, dass es an uns liegt, an unserer mangelhaften Bildung, unserem nicht so hohen Intelligenzgrad usw. Und dann wollen wir die Gedanken umso mehr verstehen, können sie aber logisch nicht nachvollziehen und lernen sie dann auswendig. „Die Ansicht des Professors muss ja richtig sein, sonst wäre er ja kein Professor.“ Eine merkwürdige Logik.
Deshalb meine Empfehlung, wenn es um uns selbst geht:
Versuchen wir lieber, uns selbst zu verstehen anstatt Professoren.
Mach doch was du willst
Bevor wir uns mit der Frage der Willensfreiheit befassen, macht es Sinn, den Willen, die Willenskraft und den Willensinhalt zu unterscheiden. Wir können es mit dem Magen vergleichen. Es gibt den Magen und den Mageninhalt. Genauso gibt es den Willen und den Willensinhalt, also das, was wir wollen. Ob ein Mensch einen Magen und einen Willen hat, dass kann er nicht beeinflussen. Insofern ist es unsinnig, von einer Willensfreiheit zu sprechen. Es würde auch niemand von einer Magensfreiheit sprechen. Also kann es nur um den Willensinhalt gehen. Und damit geht es um die Frage: „Kann der Mensch frei bestimmen, was er will?“
In unserem Alltag verhält sich jeder so, als könne er das, was der andere „will“, beeinflussen. Verkäufer, Politiker, Eltern, Arbeitgeber haben Wege gefunden, wie sie das Verhalten anderer beeinflussen können. Jeder kennt die Redensart „mit Zuckerbrot und Peitsche“. Zwischen Eltern und Kindern ist es alltäglich zu erleben. Und auch Kinder haben – meist mehr unbewusst als bewusst – Möglichkeiten entdeckt, wie sie das Verhalten ihrer Eltern lenken können. Jeder weiß es aus eigener Erfahrung. Die Mama will, dass das Kind jetzt ist Bett soll. Das Kind will aber nicht und findet ein Argument, um den Willen(s-Inhalt) der Mutter zu verändern. Oder das Kind will eine bestimmte Arbeit nicht verrichten. Die Mutter motiviert das Kind mit einer Belohnung (angenehmes Gefühl) oder mit einer Strafe (unangenehmes Gefühl), wenn es die Arbeit verrichtet. Jetzt will das Kind die Arbeit tun. Vielleicht nicht voller Freude, aber die winkende Belohnung oder drohende Strafe hatte genügend Kraft, den Willen des Kindes zu verändern. Ein Arbeitnehmer will die Firma verlassen. Der Arbeitgeber will aber, dass er bleibt und motiviert ihn zu bleiben mit einer Gehaltserhöhung, einem Firmenwagen oder anderen Annehmlichkeiten. Der Arbeitgeber hat den Willensinhalt des Arbeitnehmers verändert. Aber auch der Arbeitnehmer hat durch seine Absicht, die Firma zu verlassen, den Willensinhalt des Arbeitgebers beeinflusst. Denn dieser wollte zuvor keine Gehaltserhöhung, keinen Firmenwagen usw. gewähren.
Es lassen sich unendlich viele Beispiele anführen, wie im menschlichen Miteinander Argumente ausgetauscht werden, um den eigenen Willen durchzusetzen und den Willen des anderen nach den eigenen Vorstellungen zu verändern. Das ist Alltag. Und dennoch wird mehr oder weniger krampfhaft daran festgehalten, dass der Wille frei sei.
Wird das Thema angesprochen, dass die Willensfreiheit eine Illusion ist, fällt bei den meisten Menschen wie auf einer Festung ein Gitter herunter. Es geht dann nur noch darum, sich wie vor einem feindlichen Angriff in Sicherheit zu bringen. Dass vor ihnen kein Feind, sondern ein Freund steht, können sie nicht erkennen. Dem, der da vor ihnen steht und wie mit Engelszungen redet, wird unterstellt, er habe sich nur verkleidet, um als Freund zu erscheinen, dass er in Wirklichkeit aber alles zerstören will. Das habe ich immer wieder erlebt. Das Unterbewusstsein spielt ihnen einen Streich. Die Konsequenzen, wäre der Wille wirklich unfrei, erscheinen zu gewaltig, außerdem würde sich die eigene Weltsicht als Illusion erweisen, ungute Gefühle machen sich breit, übernehmen die Führung des Verhaltens, das Schutzgitter bleibt geschlossen. –„Es kann nicht sein, was nicht sein darf.“ Sie machen die Wahrheit an den Konsequenzen fest. Dafür, dass sich die Konsequenzen nach der Wahrheit richten und nicht umgekehrt, fehlt vielen die Offenheit, nicht selten der Mut.
Die Wahrheit richtet sich nicht nach den Konsequenzen.
Die Konsequenzen richten sich nach der Wahrheit.
Deshalb mein Versuch, die Gedanken in einem Buch auszubreiten. Da ist die Chance größer, die neue Sichtweise in Ruhe auf sich wirken zu lassen und die Gefahr geringer, das Neue einfach abzublocken, nur weil es anders ist und unangenehme Gefühle beschert.
„Macht der Mensch was er will, oder will er, was er macht?“
Diese Frage erscheint manchem ähnlich unlösbar wie die Frage: „Was war zuerst da, das Huhn oder das Ei?“
Warum? – Wieso? – Weshalb? – Wozu?
Fragen führen zu Antworten – Antworten führen zu Fragen. Der Mensch ist so angelegt, dass er Antworten braucht auf Fragen, die er sich selbst stellt oder die ihm andere stellen. Fragen ergeben sich aus der Unklarheit aus Wahrnehmungen. „Warum ist dies oder jenes so?“ Diese Frage muss niemandem beigebracht werden. Kinder geben davon ein beredtes Zeugnis. Wir kennen das sogenannte Fragealter. Eine gesunde Neugier steckt dahinter oder auch Unsicherheit und Angst. Beides führt zur Suche und zu Antworten. So ist es im Idealfall, so scheint es von Natur aus eingerichtet zu sein. Andere würde sagen, so ist es gottgewollt. Die Worte Suche und Sucht klingen sehr ähnlich. Und das zurecht. Sie haben denselben Antrieb: unangenehme Gefühle vermeiden und angenehme Gefühle erleben. Wenn die Suche fehlgeleitet ist und zu falschen oder fehlenden Antworten kommt, führt es zur Sucht. Die Sucht kann sich in vielfältiger Form zeigen. Wir denken bei Sucht in der Regel an Drogen, Tabletten, Alkohol, Nikotin, Essen usw. Aber dies sind nur einige Anzeichen. Ich möchte Sucht weiter ausdehnen. Ich sehe ein Suchtverhalten auch dort, wo die Arbeit das Leben bestimmt, oder Geld oder anderes Vermögen anhäufen, immer die neueste Mode mitmachen, immer Recht behalten müssen, usw.
Wenn auf Fragen keine befriedigende Antwort gefunden wird, sucht der Mensch sich eine Notlösung. Das kann ein Glaubenssatz sein. Oder er sagt sich: „Diese Frage ist für mich nicht wichtig.“ Auch das ist eine Antwort. Und diese Antwort kann vor allem dann in Ordnung sein, wenn es sich um eine Frage handelt, die ein anderer Mensch uns stellt. Dies zu sagen und es auch tatsächlich so zu fühlen, ist gar nicht so leicht, wie es sich anhören mag. Denn von Natur aus wollen wir Fragen beantworten.
Nun, wie ist es mit der Frage nach der Willensfreiheit? Hast du die Antwort für dich schon gefunden? Hast du dir die Frage schon gestellt und nach eigenen Antworten gesucht? – Ich habe mir die Frage gestellt, oder besser: Die von irgendwo her gekommene Frage hat mich nicht losgelassen. Und weil sie doch mich in meinem Innersten betrifft, meinem Sein, meinem Denken, Fühlen und Handeln, wollte ich die Antwort finden. Und ich habe sie gefunden. Das ist jetzt über 40 Jahre her. Die Antwort habe ich in diesen mehr als 40 Jahren immer wieder an mir selbst und in der Beobachtung anderer Menschen überprüft. Natürlich hätte ich auch eine von anderen vorgefasste Meinung als gegebene Tatsache übernehmen können, aber die Antwort auf diese Frage war und ist mir zu wichtig, um sie ungeprüft zu übernehmen.
Die Welt ist im Wandel und im Umbruch. Tabus geraten ins Wanken und nicht wenige stürzen. Für viele Menschen ist die Willensfreiheit ein Tabu. Viele denken und glauben, erst die Willensfreiheit würde den Menschen zum Menschen machen. Wie sieht es bei Dir aus? Interessiert es Dich, wie Du wirklich funktionierst? Bist Du bereit, die Begründung, dass der Wille frei sei, auf Herz und Nieren zu überprüfen? Und bist Du bereit, eine befriedigende Antwort auf die einzig und allein tragfähige Weise zu überprüfen?
Für mich ist der einzig mögliche Weg, in dem ich mich selbst beobachte. Wir können auch sagen, es ist der Weg der Selbsterkenntnis durch die eigene Erfahrung.
Dieses Buch ist jetzt die dritte Version, meine eigenen Erfahrungen zu Papier zu bringen, in der Hoffnung, es möge Anderen hilfreich sein, eine eigene Antwort darauf zu finden, warum sie wollen, was sie wollen, und welche Möglichkeiten sie haben, darauf Einfluss zu nehmen. Um es vorweg zu nehmen, die Auflösung der Illusion von der Willensfreiheit1 ist von durchgreifender Bedeutung. Mit der Erkenntnis der Hintergründe, warum wir wollen, was wir wollen, gewinnen wir Möglichkeiten, endlich ein wirklich friedliches und glückliches Leben für uns selbst zu führen und helfen zu können, es zu verbreiten. Diese Möglichkeiten sind vielen heute Mächtigen (und Wissenden) bekannt. Darum darf es uns nicht wundern, dass die Verbreitung dieses Wissens von den heute Mächtigen eher verhindert als gefördert wird.
Information ist nicht Wissen, und Wissen ist nicht Erkenntnis
Wieviel Informationen von anderen nehmen wir auf und bilden daraus unser Wissen? Erkenntnis ist etwas anderes. Erkenntnis gewinnen wir durch Selbsterfahrung und eigene Überlegungen. Wieviel Wissen tragen wir in uns, das wir nicht durch eigene Überlegungen und Selbsterfahrung überprüft haben, aber dennoch für wahr halten? Natürlich sollen wir das Rad nicht neu erfinden, aber es lohnt sich, die Zeit und Ruhe zu nehmen, um die von anderen übernommenen Gedanken und Glaubenssätze zu überprüfen. Wenn wir zum selben Ergebnis kommen, umso besser, wenn nicht, noch besser. Denn, was die Welt braucht, ist eine Veränderung. Weiter zu machen wie bisher zeigt sich nicht als der richtige Weg, wenn wir die Entwicklung der letzten Jahrtausende betrachten. Den Hintergrund sehe ich darin, dass es zwar wunderbare Ideen und Grundsätze gibt, wie Menschen miteinander und mit der Natur umgehen sollten. Die Zehn Gebote zum Beispiel werden wohl die meisten Menschen als sinnvolle Einstellung akzeptieren können. Wenn das aber so ist, warum ist es so schwer, diese einzuhalten? Die meisten wollen es, kriegen es aber nicht wirklich hin, insbesondere dann, wenn sie in kritische Situationen geraten. Meine durch Selbsterfahrung gewonnene Antwort ist einfach: Weil wir nicht wissen, wie unsere Gefühle unserer Verhalten und unser Wollen bestimmen, können wir nicht wirklich dazu kommen, uns selbst und andere zu verstehen. Konflikte sind dann vorprogrammiert. Konflikte mit uns selbst und mit anderen. Konflikte mit uns selbst führen zu Krankheit und Fehlverhalten. Konflikte mit anderen bleiben ungelöst oder werden mit mehr oder weniger körperlicher und seelischer Gewalt gelöst. Es wird die Saat gelegt für weitere Konflikte. Ist aber Verständnis darüber vorhanden, wie menschliches Verhalten zustande kommt, können die Konflikte friedlich aufgelöst werden. Verständnis heißt nicht, jedes Verhalten zu akzeptieren oder als gut oder richtig gelten zu lassen. Wenn wir nicht verstehen, wie Verhalten zustande kommt, kommen wir schnell in Versuchung, den freien Willen als Ursache zu bemühen. Was zur Folge hat, dass wir die Ursachen für das Verhalten gar nicht erst suchen.
Wir leben in einem Universum, wo das Naturgesetz von Ursache und Wirkung gilt.
Verhalten hat eine Ursache. Was wir wollen auch.
Was eine Ursache hat, ist von ihr anhängig.
Was abhängig ist, kann nicht frei sein.
Ich lade Dich ein, diese Aussage durch Selbsterkenntnis zu bestätigen, und die sich daraus ergebenden wunderbaren Visionen zu erleben und umzusetzen.
Wer sich mit dem Thema der Willensfreiheit befasst, wird auf unterschiedliche Meinungen stoßen. Auch Wissenschaftler sind sich bei dieser Frage nicht einig. Und wenn wir in unserem Bekanntenkreis die Frage stellen, werden wir feststellen, dass die Willensfreiheit nur selten in Frage gestellt wird. Mehrheitlich wird – ohne weiter darüber nachzudenken - noch von der Willensfreiheit ausgegangen. Wir sind es so gewohnt. Uns wurde nichts anderes beigebracht. Und wir hören es unentwegt, dass wir uns vor allem dadurch in der Natur hervorheben, dass wir allein über einen freien Willen verfügen. Wer aber beginnt, sich selbst zu beobachten, wird ins Zweifeln kommen. Aber keine Angst. Hier schon mein Versprechen: Das Leben wird lebenswerter, die Möglichkeiten zur Lebensgestaltung vielfältiger, wenn wir nicht mehr am Glauben an den freien Willen festhalten, weil wir die Ursachen, die bestimmen, was wir wollen, erkannt haben. Wir können dann an den Ursachen arbeiten, anstatt an den Symptomen, wenn es um menschliches Verhalten und um unser Lebensglück geht.
Einig sind wohl beide Seiten2, dass es entweder so oder so sein muss, und nicht von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Demnach geht es bei der Frage nach der Willensfreiheit um ein Naturgesetz. „Kann der Mensch frei bestimmen, was er will, oder wird das, was er will, durch naturgesetzmäßig ablaufende Vorgänge in seinem Inneren erzeugt?“
Wollen wir wirklich darauf warten, bis sich Wissenschaftler, Philosophen, Religionsvertreter und andere darüber einig sind, bei einer Frage, die zutiefst uns selbst betrifft? Wollen wir ungeprüft die eine oder andere Meinung als eigene Meinung übernehmen? Wer sollte uns besser kennen, als wir selbst? Ist die Frage wirklich so schwer zu beantworten, dass wir dafür fremde Hilfe benötigen?
Da die Frage nach der Willensfreiheit eine höchstpersönliche ist, scheint es mir angemessen, die Beantwortung nicht den Wissenschaftlern, Philosophen und überhaupt anderen zu überlassen, sondern selbst die Antwort zu finden – durch Selbsterkenntnis. Dieses Buch soll helfen, die Frage durch eigene Erfahrung zu beantworten. Auch die nicht zu überschätzende Bedeutung, die sich aus der Beantwortung der Frage ergibt, wird klar werden.
1 Ich verwende in dem Buch weiter den Begriff Willensfreiheit, obwohl es korrekt Willensinhaltfreiheit heißen müsste.
2 Diejenigen, die den Willen für frei halten, und die Anderen, die den Willen für unfrei halten.
Fritz in der Hängematte
Schauen wir uns einmal eine Szene aus dem Leben an, die so oder in vergleichbaren Situationen viele selbst erlebt haben könnten. Man hat sich etwas vorgenommen, will etwas, und, ja dann läuft es doch nicht so wie eigentlich gewollt.
Es ist Samstagnachmittag irgendwo mitten in Deutschland. Fritz, Mitte vierzig, verheiratet, zwei Kinder, in guter beruflicher Situation, liegt seit geraumer Zeit in seinem Garten entspannt in der Hängematte. Hin und wieder gehen seine Gedanken zum letzten Arbeitstag, dann wieder zu den Aufgaben in der kommenden Woche. Ein wenig gemischte Gefühle begleiten diese Gedanken, da ein Gespräch mit dem Büroleiter ansteht und es sein könnte, dass sein Aufgabenbereich neu organisiert werden sollte. Fritz fragt sich, ob vielleicht sogar Kurzarbeit auf ihn zukommt. Er hat so etwas schon von seinen Kollegen munkeln gehört. Dann gehen seine Gedanken wieder zurück in den Garten. „Ich könnte jetzt aus der Hängematte aufstehen und Rasen mähen. Aber hier zu liegen ist so schön – und macht auch keinen Krach. Die Ruhe ist so angenehm, und der Nachbar würde sich sicher auch gestört fühlen, wenn ich jetzt den Rasenmäher anwerfe. Letztens hat er schon mal so eine blöde Bemerkung gemacht und mir durch die Blume zu verstehen gegeben, dass ich doch den Rasen nicht unbedingt in der Zeit mähen sollte, wenn alle Leute im Garten ausruhen. Andererseits ist es meine Sache, wann ich den Rasen mähe und dabei die offiziellen Ruhezeiten der Gemeinde einhalte. Aber soll ich wirklich jetzt Rasen mähen? Wer weiß, wann das Wetter wieder so schön ist, um sich in die Hängematte zu legen? Und der Rasen wächst bei dem Wetter sowieso nicht so schnell. Den Rasen mähen kann ich auch noch morgen.“ Seine Gedanken kommen wieder zur Ruhe. Jetzt will er liegen bleiben. Er nimmt nur seinen entspannten Körper wahr, spürt die angenehme Wärme auf der Haut, hört Vögel und das vertraute Plätschern von dem einige Meter entfernten Brunnen. Das Rasenmähen scheint in weiter Ferne zu sein. Nichts scheint Fritz aus der Hängematte bewegen zu können. Er ist sich absolut sicher, sein Entschluss steht fest, er weiß was er will: „Die nächsten Stunden werden mich keine drei Pferde aus der Hängematte vertreiben. Den Rasen mähe ich am Montag.“ Was Fritz nicht voraussehen konnte, ein kleiner Schwarm Mücken hat aus ihm unbekannten Gründen den Platz rund um seine Hängematte offensichtlich auch besonders anziehend gefunden. Noch mit geschlossenen Augen vernimmt Fritz das ihm aus schlaflosen Nächten vertraute Geräusch. „Nein, nicht jetzt auch hier noch. Diese blöden Viecher.“ Fritz schreckt hoch und schlägt einige Male um sich. An Entspannung ist jetzt nicht mehr zu denken. Da er nach einigen weiteren erfolglosen Schlägen einsieht, dass er seine geplanten Stunden in der Hängematte nur mit unzähligen Mückenstichen bezahlen müsste, kommen ihm folgende Gedanken: „Man muss flexibel sein. Der Klügere gibt nach. Wenn ich hier nicht mehr liegen kann, werde ich doch schon heute den Rasen mähen. Was getan ist, ist getan. Und dafür habe ich dann den Montagnachmittag frei. Und wenn dann das Wetter auch noch schön ist, lege ich mich dann in die Hängematte. Dann gehe ich noch vorher in die Drogerie und hole mir dieses Insektenspray, von dem meine Frau erzählt hat, das auch gegen die Mücken wirken soll.“ - Beim Sprung aus der Hängematte denkt Fritz noch: „Wie gut, dass ich einen freien Willen habe, und mich jetzt fürs Rasen mähen entschieden habe.“
So wie Fritz denken viele. Aber wie ist es mit unserem Willen, ist er wirklich frei? Kommt er einfach so zustande, ohne Ursache?
Mein Sohn, such‘ dir das Beste aus
Mein Vater war mal wieder zu uns gekommen, um im Garten zu helfen. Ich lebte mit meiner Frau in einem kleinen Dorf, mein Vater unweit in einer Kleinstadt. Es war ein ganz normaler Samstag. Zu dieser Zeit stand ich beruflich vor einer schwierigen Frage und hatte das Problem mit meinem Vater besprochen. Er hörte sich alles ohne Zwischenfrage an, machte keinen Vorschlag und versuchte nicht, mich in meiner Meinung zu beeinflussen. Nachdem ich mit meinen Ausführungen zu Ende war, war das Einzige, was er sagte: „Mein Sohn, such‘ dir das Beste aus.“
Dass mein Vater damit nichts anderes sagte als das, was das Naturgesetz des Verhaltens sowieso in mir und in jedem Menschen in Gang setzt, wird ihm nicht bewusst gewesen sein. Das Naturgesetz lautet: „Jeder macht immer das, was ihm als das Beste erscheint.“ Das Naturgesetz veranlasst uns, das Beste auszusuchen und danach zu streben. Als hätte das Naturgesetz zu meinem Vater gesprochen: „Finde den besten Tipp für Deinen Sohn heraus.“ So erschien ihm der Tipp: „Mein Sohn, such´ dir das Beste aus“ aus seiner Sicht als das Beste, was er mir raten konnte.
Die Antwort meines Vaters sehe ich als eine Art von Erleuchtung. Andere würden seinen Tipp vielleicht auch nur als einen Ausdruck von Unwissenheit oder Gleichgültigkeit bezeichnen, so als würde man sagen: „Mach doch was du willst.“ Das Leben aber ist nicht gleichgültig. Das Leben kann nicht anders, als nach dem zu suchen, was für das Leben am besten ist. Wir können das Leben als solches nicht verstehen. Aber es spricht zu uns mittels der Gefühle.
„Ich habe auf mein Bauchgefühl gehört.“ „Was sagt denn dein Bauchgefühl dazu?“ „Da habe ich nicht auf mein Bauchgefühl gehört.“ Solche Sätze hören wir häufig. Damit soll ausgedrückt werden, dass unser Gefühl es besser weiß als unser Verstand. Die nächste Erkenntnis ist die, dass auch dann unser Gefühl uns geleitet hat, wenn wir glauben, es wäre unser Verstand gewesen. Zu dieser Erkenntnis kommen wir, sobald wir uns von vorgefassten Meinungen lösen und uns selbst beobachten.
Etwas Besseres ist dir wohl nicht eingefallen
Ein anderes Mal, es war Anfang der sechziger Jahre, hat mein Vater mich gefragt, ob ich zwei große leere Blecheimer von einer Tankstelle abholen würde. Ich könne ja das Fahrrad nehmen, dann wäre das schnell erledigt. Ich war damals vielleicht 14 Jahre alt. Die Tankstelle lag am Rand unserer Kleinstadt, ungefähr eineinhalb Kilometer von unserem Bauernhof entfernt. Die Eimer benutzten wir u.a. zum Füttern unserer Tiere. Ich weiß nicht mehr, wie groß die Eimer waren, also wieviel Liter hinein gingen, vielleicht 60 oder 80 Liter. Also ich fuhr zur Tankstelle, um den Wunsch meines Vaters zu erfüllen. Ich selbst wollte nicht, wollte aber meinem Vater gehorsam sein. Nicht aus Angst, um das klar zu stellen. Nein, ich konnte einsehen, dass der Wunsch meines Vaters nicht unangemessen war. Zum besseren Transport hatte der Tankstellenbesitzer die beiden Eimer an den Bügeln mit einer Schnur zusammengebunden. Ich nahm also die beiden Eimer an der Schnur mit der einen Hand, schwang mich aufs Fahrrad und fuhr einhändig zurück. Die Schnur drückte während der Fahrt immer stärker in meine Finger. Außerdem war es kalt. Die Schmerzen wurden immer heftiger. Unterbrechen wollte ich die Fahrt aber auch nicht. Irgendwie würde ich es schon durchhalten. Meine Stimmung wurde schlechter. Jetzt fand ich die Aufforderung meines Vaters nicht mehr ganz so angemessen.
Als ich endlich zu Hause ankam, sah ich meinen Vater im Schuppen. Ich stoppte vor ihm und ließ die Eimer nicht gerade sanft auf den Boden fallen. Mein Gesicht hatte wohl auch keinen liebevollen Ausdruck. Der Krach und mein Gesicht veranlasste meinen Vater zu dem Ausspruch: „So, da hast du deinen Kram.“ Er sprach damit das aus, von dem er meinte, dass es meine Gedanken wären. Und er traf damit genau ins Schwarze. Darauf rechtfertigte ich meine Stimmung und den nicht ausgesprochenen Satz damit, dass ich große Schmerzen in den Händen hatte von der Schnur, mit denen ich die Eimer tragen musste. Ich wollte ihm irgendwie klar machen, dass es ja seine Eimer waren, und ich die Schmerzen hatte, um ihm seine Eimer zu holen.
Aber auf diesen unterschwelligen Vorwurf ging mein Vater gar nicht ein. Er antworte nur: „Mein Sohn, du gehst doch auf die Realschule, und ich dachte, dass du schon eine Menge gelernt hast. Warum hast Du die Eimer nicht an der Schnur über den Lenker gehängt? Dann hättest du sie nicht mit der Hand tragen müssen.“
Trotzig, aber auch ein wenig beschämt, weil mir für den Transport der Eimer nichts Besseres eingefallen war, nahm ich mein Fahrrad und schob es an seinen Platz. Ich musste erkennen, dass nicht mein Vater die Ursache für die Schmerzen war. Er hatte die Rolle des Sündenbocks nicht angenommen, indem er meine Sicht darauf lenkte, dass es bessere Möglichkeiten gegeben hätte, das Ziel zu erreichen.
Im Nachhinein hätte ich mir gewünscht, dass mir etwas Besseres eingefallen wäre, um die Eimer zu transportieren. Ich weiß nicht, ob es diese Erfahrung war, die mich dazu gebracht hat, in meinem Leben die Augen und Ohren für bessere Möglichkeiten offen zu halten. Mein Vater hatte noch andere gute Ideen. Sie haben mich ermuntert, immer wieder nach dem „Besseren“ Ausschau zu halten.
Was wir freiwillig oder unfreiwillig tun
Warum will der Mensch überhaupt etwas?
Warum er will dieses und nicht jenes?
Warum will er später etwas anderes als zuvor, obwohl die äußeren Umstände dieselben zu sein scheinen?
Warum will er etwas nicht, tut es aber dennoch?
Warum will er etwas tun, aber er kann es dennoch nicht?
Manches machen wir freiwillig, so sagen wir.
Manches machen wir nicht freiwillig, so sagen wir.
Der Mensch – und seine Worte über sein Wollen – unpräzise, missverständlich, irreführend.
Manche Kinder gehen nicht freiwillig in die Schule, andere aber tun das. Es kann auch beim selben Kind nicht selten wechseln. Viele Erwachsene gehen freiwillig zur Arbeit, ins Theater, ins Kino, zur Geburtstagsfeier usw., andere eher nicht freiwillig, so wird jedenfalls gesagt. Wenn wir etwas nicht freiwillig machen, benutzen wir auch das Wort unfreiwillig. Kinder, aber auch Erwachsene, tun vieles unfreiwillig. Sie würden lieber etwas anderes machen, beugen sich dann aber dem, das mehr Macht hat. Diese Macht sind unsere Gefühle – angenehme und unangenehme, Liebe und Angst in all ihren Facetten.
Wenn ich gestern freiwillig zur Arbeit ging, heute aber nicht freiwillig, hatte ich dann gestern einen freien Willen, heute aber nicht? Ist es nicht einfach nur eine ungenaue Wortwahl, die uns hier ins Grübeln bringt?
Wenn wir bei einem Kleinkind beobachten, was es will, werden wir leicht erkennen, warum es dies oder das will. Es will die Flasche, weil es Hunger oder Durst hat. Es will das Stofftier, weil es damit spielen will. Es will auf den Arm genommen werden, weil es Bauchweh hat oder weil es Nähe sucht usw. Ich glaube kaum, dass es viele Menschen gibt, die behaupten, das Kleinkind hätte einen freien Willen, dass es also ursachenlos dieses oder jenes wollen würde. Im Gegenteil, ich glaube, dass den meisten Menschen, die sich darüber Gedanken machen, klar ist, dass das Kleinkind durch seine Gefühle zu diesem oder jenem Wollen veranlasst wird. Das Kind will das Stofftier, weil es angenehme Gefühle erlebt hat, als es zuvor mit dem Tier gespielt hat. Das Kind will die Flasche, weil es angenehme Gefühle erlebt hat, als es zuvor aus der Flasche getrunken hat, oder weil es erlebt hat, dass das unangenehme Hungergefühl beseitigt wurde, als es aus der Flasche getrunken hat. Und wenn zwei Stoffpuppen in Sichtweite sind, will es das, das ihm am besten gefällt. Dem Kind gefällt das am besten, womit es die angenehmsten Gefühle erlebt. Seine Gefühle bestimmen, was es will.
Sollte sich das ändern, wenn wir erwachsen werden? Und wann und wodurch sollte das geschehen? Ab wann sollten wir dies oder das wollen oder nicht wollen und uns dabei nicht von unseren Gefühlen leiten lassen? Wird es nicht vielmehr so sein, dass es nur schwerer zu erkennen ist, dass uns die Gefühle unser Leben lang leiten? Zum Beispiel weil vieles, was wir wollen, nur eine Bedingung ist, die erfüllt werden muss, damit wir das erreichen, was uns die erhofften angenehmen Gefühle bringt oder die unangenehmen Gefühle vermeiden hilft? Es kann auch eine ganze Kette von Bedingungen sein. Sie mögen verstandesmäßig begründet sein. Am Ende zielt es aber immer darauf, angenehme Gefühle zu erleben und unangenehme Gefühle zu vermeiden.
Warum wollen wir ein Haus?
Jede Antwort auf diese Frage kann solange wiederum mit einem Warum hinterfragt werden, bis endlich ein angestrebtes Gefühl als letztendliche Ursache zum Vorschein kommt! Alle Antworten zuvor stellen den Weg zum Ziel dar. Unsere Gefühle sind die Kraft und das Ziel.
Wie kommt Verhalten zustande - und wer oder was wählt es aus?
Ein Reiz, von außen oder innen kommend, wird von unserem Nervensystem wahrgenommen, sei es, dass uns dieser Reiz bewusst wird oder nicht.
Wir sehen etwas. Wir hören etwas. Wir riechen etwas. Wir schmecken etwas. Wir fühlen etwas. – All dem gehen Reize voraus.
Auch unsere Gedanken produzieren Reize. „Fritz in der Hängematte“ wurde von verschiedenen äußeren und inneren Reizen gedrängt, mal das eine, dann das andere zu wollen. Oder die Beispiele mit meinem Vater.
In unserem Erfahrungsschatz wird nach früher wahrgenommenen ähnlichen Reizen „gesucht“ und wie wir bisher darauf reagiert haben und welche Gefühle wir dabei erlebt haben.
Das vom aktuell wahrgenommen Reiz ausgelöste Gefühl wird mit den passenden Erinnerungen aus dem Erfahrungsschatz vermischt.
Das so entstandene Gefühl löst Verhalten aus, und zwar genau das, was im jeweiligen Augenblick als das Bestmögliche erscheint.
Das, was aufgrund der in uns ablaufenden Prozesse als das Bestmögliche erscheint, das wollen wir. – Der Galeerensträfling wünscht sich sicher etwas anderes, als angekettet und mit Peitschenhieben angetrieben rudern zu müssen, dennoch rudert er. Es erscheint ihm als das Bestmögliche. Die Alternative wäre, nicht zu rudern. Dann würde er getötet und über Bord geworfen werden. Sicher würde er nicht sagen, er rudert freiwillig. Anders ist es aber, wenn ein Verliebter seine Angebetete über den See rudert. Da mag das Rudern auch anstrengend sein. Dennoch würde er sagen, er rudert freiwillig. Aber sowohl beim Galeerensträfling wie auch beim verliebten Ruderer kommt das Verhalten „Rudern“ durch dieselben inneren Prozesse zustande. Die Qualität des Gefühlsantriebs ist allerdings sehr unterschiedlich, wie sicher jeder nachfühlen kann. Der Galeerensträfling rudert, um noch größere unangenehme Gefühle zu vermeiden und wohl auch um die Hoffnung nicht zu verlieren, eine Hoffnung, die mit angenehmen Gefühlen verbunden ist. Vielleicht weil er hofft, eines Tages seine Frau und Kinder wieder zu sehen. Der Verliebte rudert, weil er von angenehmen Gefühlen angetrieben wird.
Die Energie der Gefühle
Wohl jeder kann nachvollziehen, dass unsere Gefühle die Energie liefern, die uns dieses oder jenes Verhalten mehr oder weniger energisch ausführen lassen. Bei allem, was wir wollen, nicht wollen, wünschen oder nicht wünschen, sind unsere Gefühle beteiligt. Wir wollen angenehme Gefühle erleben und unangenehme Gefühle vermeiden. Das ist die Energie des Lebens. Das Beispiel von Fritz in der Hängematte, das in der einen oder anderen Variante wohl jeder aus seinem eigenen Erleben nachvollziehen kann, zeigt anschaulich, wie das, was wir wollen, von unseren Gefühlen gelenkt wird.
Ohne Energie bewegt sich nichts. Wir erleben die Energie als Gefühl. Wohin die Energie uns treibt, ist abhängig von unseren Erbanlagen, von unseren Erfahrungen, von den aus den Erfahrungen gebildeten Einstellungen und Glaubenssätzen.
Denken wir nur an den elektrischen Strom. Er ist die Energie. Was er alles anzutreiben vermag, das ist davon abhängig, wohin wir die Stromleitungen legen.
Wenn wir unseren Gefühlen folgen können, so wie es uns unsere inneren Werte vorschlagen, fühlen wir uns frei, meinen, wir hätten einen freien Willen. Merkwürdiger Weise kommen nur wenige ins Stutzen, wenn sie sich mal anders verhalten müssen, als sie es aufgrund ihrer eigenen Werte eigentlich möchten. Wenn Partner, Kinder, Eltern, Freunde, Chefs usw. etwas anderes möchten als das, was wir eigentlich möchten. Wenn wir es aus Liebe und Verständnis tun, machen wir es wohl noch freiwillig.
