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In den 15 Kurzgeschichten erleben Sie Menschen, die sich in einer fremden Welt orientieren, die mit der komischen, traurigen oder absurden Erfahrung von Fremdheit zurechtkommen müssen. Jede Geschichte steht für ein persönliches Schicksal, ist wie ein kleiner Mosaikstein. Zusammengewürfelt durch die Migration, vermischt in der neuen Umgebung, vermitteln diese Schicksale die Vielfalt, die ein so multikulturelles Land wie Deutschland heute auszeichnet. Wer den tragischen Humor eines Frank McCourt, Joseph Roth, Jurek Becker oder André Kaminski liebt, wird diese Geschichten mögen. Dieses Buch setzt die Tradition der Migrantenliteratur in Deutschland fort, wie sie in jüngerer Zeit etwa von Lena Gorelik, Alina Bronsky oder Wladimir Kaminer geschrieben wurde.
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Seitenzahl: 247
Veröffentlichungsjahr: 2019
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In den 15 Kurzgeschichten von Anna Rudy wird der Blick auf Menschen gelegt, die sich in einer fremden Welt orientieren, die mit der komischen, traurigen oder absurden Erfahrung von Fremdheit zurechtkommen müssen. Jede Geschichte steht für ein persönliches Schicksal, ist ein kleiner Mosaikstein. Zusammengewürfelt durch die Migration, vermischt in der neuen Umgebung, vermitteln diese Schicksale die Vielfalt, die ein so multikulturelles Land wie Deutschland heute auszeichnet. Die meisten Geschichten werden aus der Ich-Perspektive erzählt. Dabei taucht der Leser hautnah in die Welt des Protagonisten ein und erlebt gewöhnliche Situationen aus einer neuen Perspektive.
Alfred und Vera Lipets,
Julia Fercht und Alexander Rudy,
Maria und Katja Rudy, Michael Bareev-Rudy.
Ohne eure Hilfe wäre dieses Buch nicht entstanden.
Die Stute zwei-drei-fünf
Mirkos Gebet
Özlem und der Nikolaus
Opa Schlomo
Herzensangelegenheit
Mohammed
Agnes und Katarzyna
Fahrticket
Die Überraschung
Das Boot
Der beste Arzt der Welt
Das Leben ohne Kinder
Der Ozean
Herr Professor Al-Tahtawi
Michael-Li
… und dann kam tatsächlich die Einladung. Ich wusste, dass etwas Wichtiges geschehen wird. Ich hatte vergangene Nacht von Raben geträumt. Wenn ich diese Raben im Traum sehe, passiert danach etwas Wichtiges. Ich stehe vor dem Schuleingang, wie immer, und warte auf Fatma. Ich stehe immer da, links vom Haupteingang, unter der Linde. Wenn es klingelt, ploppen die Kinder aus der Schultür wie die Erbsen aus der Schote. Meine Fatma kommt fast immer zum Schluss. Ernsthaft und ruhig, wie ich es ihr beigebracht habe, wie ein Mädchen aus guter Familie. Vor dem Schultor stehen andere Mütter, sprechen miteinander, rauchen, halten kleine Hunde an der Leine. Die bunten Roller für ihre Kinder haben sie auch dabei. Sie stehen immer da, im Kreis, erzählen etwas, lachen miteinander. Ich lächle sie auch an, sage vorsichtig: „Huten Tah“, und stelle mich etwas abseits, unter die Linde. Ich würde gerne wissen, was sie besprechen und worüber sie lachen, aber ich kann sie leider noch nicht verstehen. Ich lerne Deutsch, aber das ist eine komplizierte Sprache. Ich übe so, wie die Lehrerin es mir bei dem Deutschkurs sagte, schalte das Radio an, während ich koche oder putze, und versuche es zu verstehen. Dann, ich weiß nicht, wie es passiert, fange ich an, an Fatma zu denken und das Radio stört mich dabei nicht.
„Was für ein Glück“, denke ich: „Allah sei Dank, dass ich eine Tochter habe.“ Das haben wir uns immer gewünscht, Hassan und ich, eine Tochter. Alle Männer wünschen sich einen Sohn, aber Hassan wollte schon immer eine Tochter haben. Vielleicht gibt uns Allah noch ein Kind, aber wir waren froh, dass wir keinen Säugling an der Hand hatten, als wir vor dem Krieg fliehen mussten. Wie es den Nachbarn mit den kleinen Kindern ergangen ist, wissen wir immer noch … Aber Fatma, unsere kleine Prinzessin, hat alles ganz gut überstanden. Sie kann wieder gut essen und schlafen und, wenn Allah das will, bekommt sie bald eine Freundin in der Schule, die sie sich so sehr wünscht. Ich bete auch für sie. Sie soll ihre beste Freundin bekommen! Ich stehe unter der Linde und es klingelt. Schulschluss. Die Kinder rennen wie eine Fohlenhorde quer über den Schulhof zum Ausgang. Ganz vorne, und ich glaube meinen Augen nicht, ganz vorne läuft meine Fatma. Haare vom Wind zerzaust, große Augen, den Mund weit geöffnet. Was soll denn das bedeuten?! Habe ich ihr etwa nicht beigebracht, wie sich ein vernünftiges Mädchen benehmen soll? Oder stimmt etwas nicht mit ihr? Fatma stürmt durch das Schultor, rennt an dem Mütterkreis vorbei und wirft mich fast um.
„Ich habe das“, flüstert sie atemlos. Ich versuche eine ernste Miene zu machen, um sie für ihr unsägliches Benehmen zu tadeln, aber das gelingt mir nicht. Fatmas Gesicht glüht, ihre Augen werfen Funken, dichte schwarze Augenbrauen bewegen sich schnell auf ihrer glatten schneeweißen Stirn. Ich bewundere ihre Schönheit! Allah sei Dank, er hat uns so ein schönes Kind geschenkt.
„Ich habe das“, sagt Fatma etwas lauter und ich merke erst jetzt einen Briefumschlag in ihrer Hand.
„Was ist das, Fatma?“
„DIEEINLADUNG“, singt sie in einem Atemzug in dieser für uns beide neuen Sprache. „Carla hat mich zu ihrem Geburtstag eingeladen“, erklärt sie mir dann strahlend und lächelt übers ganze Gesicht: „Ich habe jetzt eine Freundin!“
„Fatma …“, mir stehen Tränen in den Augen: „Fatma! Was für ein Glück!“ Ich bin so froh, mir wird das Herz so leicht. Eine Freundin für Fatma. Ich habe nicht umsonst von Raben geträumt. Meine Tochter hat jetzt eine Freundin. Allah hat unsere Gebete erhört.
„Hassan“, sage ich meinem Mann nach dem Essen: „Allah hat unsere Gebete gehört.“ Hassan schaut mich fragend an. Er hat ziemlich abgenommen, obwohl wir jetzt gutes Essen haben. Die schwere Arbeit macht keinen hübscher. Seine Augen sind gerötet, er muss dringend ins Bett, weil er morgen sehr früh aufstehen muss. Hassan staunt mich weiter fragend an.
„Fatma hat eine Freundin in der deutschen Schule gefunden!“ „Gut“, nickt er zustimmend, „und wie heißt sie?“
„Sie heißt Carla und sie hat Fatma zum Geburtstag eingeladen!“, sage ich mit einer festlichen Stimme und zeige ihm den Briefumschlag und die schöne Karte.
„Sehr schön, sehr schön“, sagt Hassan und gähnt.
„Hassan, freust du dich denn nicht?“, schreie ich ihn fast an, obwohl ich weiß, wie schrecklich müde er ist.
„Ich freue mich, ich freue mich“, beruhigt mich mein Mann. „Gut“, sage ich zufrieden und schaue in seine müden, schwarzumrandeten Augen: „Gehen wir schlafen?“
„Nein. Erzähl noch mal die ganze Geschichte“. Und ich erzähle bereitwillig alles von vorne.
„Was willst du denn ihr schenken?“, fragt mich Hassan und ich staune nicht schlecht. Wie schafft es mein Mann, meine ganze Freude in Sorge umzuwandeln? An ein Geschenk habe ich bei all dem Tumult gar nicht gedacht. Die ganze Nacht wälze ich mich im Bett und überlege, was wir wohl Carla, dem Mädchen, schenken sollen: bunte Bleistifte, eine Puppe mit geschminkten Augen? Ich hätte gewusst, was ich zu Hause Freundinnen meiner Tochter hätte schenken könnten. Aber was wünschen sich die deutschen Mädchen? Das wusste ich nicht.
Am Morgen bin ich schlechtgelaunt und gar nicht ausgeschlafen. Ich habe Kopfschmerzen und keine Lösung. Nachdem ich Fatma zur Schule bringe, öffnee ich erstmals unseren Schrank. Wir haben schon viele Sachen in diesem Schrank, dank all den Menschen, die uns geholfen haben. Ich suchte für Fatma eine schöne weiße Bluse und einen passenden Rock dazu. Sie wird wie eine Blume aussehen, mein Mädchen! Ich mache meine Hausarbeit und beruhige mich allmählich. Was kann denn schon schief gehen? Wir werden ein schönes Geschenk für die Freundin meiner Tochter, Carla, aussuchen. Wir haben noch Zeit. Der Geburtstag ist erst in zwei Wochen. Das steht in der wunderschönen Karte, die Fatma bekommen hatte, „DIEEINLADUNG“, auf Deutsch.
„Huten Tah“, sage ich höflich, wie immer, und gehe zu meinem Platz unter der Linde. Jetzt bin ich doppelt aufmerksam. Ich schaue, was die anderen Mädchen tragen. Wie sieht es wohl bei ihnen zu Hause aus? Welche Spielzeuge haben sie? Spielen sie mit Puppen oder lieber mit Autos? Ich spähe auch auf den Kreis der anderen Mütter, vielleicht ist die Mutter von Carla eine von ihnen? Lauter Gong: der Schultag ist beendet. Fatma kommt heute, wie gewohnt, als Letzte aus der Schule heraus, stolziert über den Schulhof zu mir. Die anderen Mütter haben ihre Kinder schon auf die glänzenden Roller gestellt und gehen langsam die Straße entlang. Ich schaue ihnen nach und denke, dass Carla bestimmt schon einen Roller hat. Ich bin so in meine Gedanken vertieft, dass ich gar nicht merke, dass Fatma bereits vor mir steht.
„Huten Tah“, begrüßte ich sie höflich. Fatma schaut mich ungläubig an, dann lacht sie zufrieden und zeigt dabei ihre kleinen weißen Zähnchen.
„Guten Tag, Mutter“, antwortet sie mir laut und das klingt bei ihr richtig deutsch. Allah, sei Dank! Wir haben so ein kluges Mädchen bekommen.
Wir kommen, wie gewohnt, nach Hause und nach dem Essen zeigt Fatma mir einen Zettel.
„Was ist denn das, mein Spatz?“
„Das hat mir Carla gegeben. Hier steht das, was ich ihr zum Geburtstag schenken soll.“
Mir wird auf einmal schwarz vor Augen. Wie kann es denn sein?! Wie wagt sie es denn, eine solche Demütigung über uns zu bringen? Können wir, die Eltern von Fatma, nicht selbst entscheiden, was wir ihr schenken? Haben wir keine Ideen? Ich koche regelrecht vor Wut. Soll ich jetzt meiner Fatma diesen Geburtstag verbieten? Mir ist heiß und kalt zugleich. Ich drehe mich zur Herdplatte um, damit meine schöne Tochter mein verzerrtes Gesicht nicht sieht. Aber Fatma merkt nichts und erzählt fröhlich weiter. Carla hat allen Kindern, die sie eingeladen hat, solche Zettel gegeben. Inschallah, ich atmete tief durch. Ich danke Allah, dass er mich von voreiligen Entscheidungen abhält. Wenn dieses Mädchen Carla allen Kindern diese Zettel gegeben hat, dann wollte sie uns bestimmt nicht damit beleidigen. Vielleicht ist das eine komische deutsche Tradition, solche Zettel mit Geschenkwünschen zu verteilen. Die Deutschen haben viele komische Traditionen, zum Beispiel gute Möbel wegzuschmeißen oder in löchrigen Hosen herumzulaufen. Aber da müssen wir tolerant sein und uns daran gewöhnen. Ich putze die Herdplatte und überlege, wie ich das alles Hassan erzählen sollte. Ein Mann ist eben ein Mann. Besonders jetzt reagiert er sehr empfindlich auf alles. Er arbeitet den ganzen Tag und fährt lange hin und zurück, so dass er unser schönes Mädchen nur sieht, wenn sie schläft.
Wir sparen und legen Geld zur Seite. Wir wollen ein Auto kaufen. Ein Auto wird uns helfen. Hassan wird dann nicht so lange unterwegs sein und mehr schlafen. Am Wochenende werden wir einkaufen fahren und ich werde nicht mehr so viel tragen müssen. „Schweres tragen ist nicht gut für eine Frau“, hatte meine Mutter immer gesagt, ruhe sie in Frieden. Und natürlich für Fatma. Sie wird sich auch freuen, wenn wir wieder ein Auto haben. Unseres wurde vor ihren Augen zerstört, unser Haus, unser Garten … aber ich soll nicht mehr an Trauriges denken. Ich bin froh. Fatma hat eine neue Freundin.
Abends, als Fatma schon längst im Bett liegt, kommt Hassan nach Hause. Er wirkt müde und isst kaum etwas. Ich schone ihn und erzähle nichts von dem Zettel. Erst als Hassan schlafen geht fällt mir erst auf, dass ich gar nicht gesehen hatte, was auf dem Carlas Zettel steht. Ich holt den Zettel raus und lese: Firma Wagner. Die Stute. Zwei drei fünf.
Firma ist klar, die Zahlen interessieren mich nicht, die kann ich gut verstehen. Das ist schon praktisch, dass die Deutschen unsere Zahlen übernommen haben. Ich nehme unser Wörterbuch zur Hand und suche Übersetzung für das Wort „Stute“. Als ich es finde, wird mir kalt, dann wieder heiß und dann schwarz vor Augen. Die Stute ist ein Pferd. Ein Mädchen-Pferd. Carla, die neue deutsche Freundin meiner Tochter will, dass Fatma ihr zum Geburtstag ein Pferd schenkt!
Mit Stöhnen lege ich meinen Kopf auf die Tischplatte. Das kann gar nicht wahr sein! Ein tiefes Entsetzen ergreift mich. Ein Pferd! Ich spreche zu mir selbst: „Na? Freust du dich jetzt? Du wolltest doch eine deutsche Freundin für deine Fatma. Warum wundert dich das jetzt? Was soll sich ein deutsches Mädchen zum Geburtstag wünschen? Eine Puppe? Einen Roller? Das bekommen sie alles bei der Geburt. Es ist normal, dass ein achtjähriges Mädchen sich schon ein richtiges Pferd wünscht.“ Aber was solle ich jetzt damit machen? Ein Pferd! Wie viel soll ein richtiges Pferd kosten, ein Mädchen-Pferd? Bei uns zu Hause hätten wir doch gewusst, wo man das sucht. Vielleicht hätten wir Verwandte aus dem Dorf gefragt. Aber was denke ich bloß! Wer würde schon bei uns einem Mädchen ein Pferd schenken? Inschallah! Was soll ich morgen Fatma sagen? Ich werde ihr sagen müssen, dass sie nicht zu diesem deutschen Mädchen geht. Oh, Allah, du stellst uns auf die Probe! Ich stehe langsam auf und hole den Gebetsteppich. Ich bete lange und meine Gedanken hellen sich auf.
Letztendlich sollen wir dieses Pferd nur kaufen. Das Pferd zu halten ist viel teurer. Al Hamdu le llah, ich muss nicht überlegen, wo das Vieh leben wird und was es fressen soll und wenn das Pferd krank wird … Die Tierärzte sind bestimmt ganz teuer in Deutschland. Dann fallen mir auf einmal die anderen Zettel von Carla ein. Vielleicht hatte sie mit ihren Eltern schon alles aufgeteilt? Ein Mädchen wird eine Tonne Stroh für den Winter schenken, ein anderes ein Jahr Besuche beim Tierarzt übernehmen. Es bleibt nur die Frage: Wozu braucht Carla ein Pferd? In der Stadt? Aber bestimmt haben ihre Eltern einen großen Garten, wo Carla reiten kann. Ich beruhige mich langsam und gehe zu Bett. Eine Tonne Stroh zu besorgen, ohne Auto, wäre noch komplizierter für uns gewesen. Ein Pferd kann wenigstens selbst laufen. Mit diesen Gedanken schlafe ich ein.
Am nächsten Morgen frage ich Fatma vorsichtig, ob sie weiß, was auf den anderen Carlas Zettel steht. Auch etwas über Pferde?
„Oh, ja“, bestätigt mir Fatma mit glühenden Augen: „Carla liebt Pferde. Sie hat alles mit Pferden. Ihr Ranzen und Mäppchen. Sie liest auch Zeitschriften mit Pferden und hat ganz viele Bücher über Pferde.“ Und dann sagte meine Tochter leise: „Mama, ich glaube Carla ist meine allerbeste Freundin.“ Ich drehte mich schnell zur Spüle, Tränen rannten über mein Gesicht. Fatma umarmt mich zart und schmiegt ihren Kopf in meinen Rücken. Sie sieht mein Gesicht nicht, aber sie spürt es.
„Mama, sei nicht traurig“, sagt sie: „Wir sind in Deutschland!“
Ich wische mir die Tränen mit dem Ärmel ab und sage brav: „Ich bin nicht traurig, Fatma. Wenn du glücklich bist, bin ich auch glücklich!“ Und damit steht mein Entschluss fest, egal wie viel dieses verdammte Pferd kostet, wir werden es Carla schenken. Fatma wird eine Freundin haben!
Nachdem ich Fatma zur Schule gebracht hatte, gehe ich zum Markt und frage erstmal vorsichtig bei dem Gemüseverkäufer: „Was costa eines Tüte?“
„Nehmen Sie einfach so“, bietet mir der Verkäufer den weißen Plastikbeutel an. Der zweite und dritte reagierten genauso und ich merkt, dass sie mich falsch verstehen. Dann schreibe ich meine Frage auf und reiche den Zettel zwei Männern, die am Fleischstand bedienen.
„Was kostet eine Stute?“, liest der eine mit dem langen Bart.
„Sie wollen eine Stute kaufen, gnädige Frau?“, fragt er mich belustigt. Ich habe nur den Anfang von den Satz verstanden und schaue ihn fragend an.
„Ei-ne gan-ze Stu-te kau-fen?“, schreit der andere laut und wird im Gesicht ganz rot. Ich weiß nicht: Warum schreien Menschen so laut, wenn man sie nicht versteht?
„Ein Ferd“, sage ich und nicke mit dem Kopf.
„Ge-schnit-ten?“, fragt der mit dem langen Bart und wird dabei auch ganz laut, während er schwer mit dem Fleischerbeil auf das Plastikbrett hackt.
„Nein, nein. Nicht tot!“, sage ich ganz erschrocken und mache Bewegungen, als ob ich reiten würde. Die beiden Männer fangen an zu gackern. Und dann fällt ihnen etwas anderes ein: Es hört sich an wie ein lautes Wiehern, als ob sie selbst Pferde nachahmen.
„Wo will die denn reiten?“, fragt der Langbart das Rotgesicht. „Zum Markt und zurück, wie bei sich in der Wüste“, kichert der andere. Mein Lächeln hängt mir noch im Gesicht, wie die Kruste einer Wunde. Ich habe ihre Worte nicht verstanden, weiß aber genau, dass sie über mich lachen.
„Na gut“, ich drehe mich um und gehe schnell weiter. „Ja Rab!“ Gut, dass mein Mann das nicht erlebte, wie diese fremden Männer über mich lachten.
Aber Allah ist gnädig, als ich schon fast aus dem Marktgebäude herausstürmen will, treffe ich Sehneb und Hakim. Wir haben uns seit unserer Ankunft in der Stadt nicht mehr gesehen. Wir hatten einiges zusammen erlebt und freuen uns sehr, uns wiederzusehen. Ich erzähle, wie gut es uns hier geht, dass Hassan jetzt eine Stelle hat und arbeitet und dass Fatma in eine deutsche Schule geht und dort eine deutsche Freundin gefunden hat. Sehneb sagte, dass sie sehr froh ist, dass es uns so gut geht, aber sie meint auch, dass Fatma mit den deutschen Freundinnen aufpassen sollte.
„Sie haben andere Ideen als unsere Mädchen“, sagt Sehnab und zieht eine Augenbraue hoch. Ich lächele verschmitzt. Bis gestern hätte ich das für Unsinn gehalten.
„Was hast du denn da?“, fragt Hakim und zeigt auf meinen Zettel. „Musst du jetzt auch aufschreiben, was du zum Essen brauchst?“ „Ah, das? Nicht so wichtig“, sage ich leichthin: „Ich wollte nur wissen, wie viel ein Pferd kostet.“
„Ein Pferd?“, wundern sich die beiden: „Wozu braucht ihr ein Pferd? Kauft lieber ein Auto. Hier reitet keiner und in der Stadt ist es verboten.“ Auf einmal kann ich nicht mehr so unbeschwert auftreten. Ich seufze tief und mein Gesicht sagt mehr, als ich es je zu sagen getraut hätte. Hakim nimmt mir den Zettel aus der Hand und sagt nur: „Ich höre nach und rufe dich an.“
Manchmal danke ich Allah dafür, dass wir trotz all der guten Menschen in Deutschland noch unsere Landsleute dabeihaben. Da muss man nichts sagen und nicht viel erklären. Ich umarme die beiden und gehe nach Hause.
Ein Mann ist kein Mann, wenn er sein Wort nicht hält. Am nächsten Morgen ruft Hakim an und diktiert mir einige Zahlen. Ich schreibe sie auf, auf einem neuen Zettel, den ich neben dem von Carla lege. Ich habe eine schöne Handschrift. Und als Beweis dafür liegt jetzt der Zettel mit den schön geschriebenen Zahlen vor mir. Ich bedankte mich bei Hakim, platziere beide Zettel nebeneinander und starre die Papiere eine Stunde lang an. Was ich damit erreichen will, wusste ich nicht. Eigentlich nichts. Was kann man beim Anstarren von Zetteln erreichen? Bevor Hakim anrief, dachte ich, dass dieses „zwei drei fünf“, dass neben dem Wort „Stute“ auf dem Zettel von Carla stand, eine Zahl in Euro sei. Das war eine sehr hohe Summe. Selbst für ein Hochzeitsgeschenk wäre der Betrag zu hoch. „Aber wir sind in Deutschland“, dachte ich, „hier sind es andere Preise.“ Wir könnten noch mehr sparen, zwei Monate auf Fleisch verzichten. Ich würde mir eine Putzstelle suchen, früh am Morgen oder spät in der Nacht. Das hätten wir sicherlich noch geschafft. Aber nach dem Anruf von Hakim lösen sich alle meine Hoffnungen in Luft auf. In meiner schönen kalligrafischen Handschrift steht auf dem neuen Zettel: Stute: 3.000–5.000 Euro, Hengst: 7.000 Euro, Pony: 1.500 –2.000 Euro.
Ich stehe auf und gehe auf weichen Beinen zu unserem Versteck. Bis jetzt haben wir 940 Euro gespart. Dieses Geld haben wir Tag für Tag zur Seite gelegt, immer, wenn ein bisschen Geld übrigblieb. Warum musste Fatma ausgerechnet solch ein reiches Mädchen als beste Freundin finden? Ich setze mich wieder an den Tisch. Ich fühle mich wie ein geplatzter Luftballon, wie eine Hülle ohne Luft. Meine Gedanken sind weit weg vom Tisch, von unserer Wohnung, von Deutschland. Ich sitze so lange, dass ich fast vergessen, Fatma abzuholen. Als ich auf die Uhr sehe, springe ich auf und eile zur Schule.
Fatma steht schon auf dem Schulhof und spricht mit einem deutschen Mädchen. Wie immer, wenn ich meine Tochter sehe, überkommt mich eine Glückswelle. Was für ein kluges Mädchen hat uns Allah geschenkt! Ich kann immer noch nur „Huten Tah“ sagen und mein Mädchen zwitschert wie ein Vogel in dieser fremden Sprache. Als Fatma mich sieht, verabschiedet sie sich von dem anderen Mädchen und rennt zu mir.
„Mama, das ist Carla. Sie ist sehr hübsch, nicht wahr?“, fragte Fatma mit Begeisterung. Und plötzlich habe ich eine Idee.
„Fatma, vielleicht sollen wir Carla fragen, wo wir ihr Geschenk kaufen können?“ Ich bin fest entschlossen: Wir werden dahin gehen, wo diese reichen Eltern ihre Pferde einkaufen, und handeln. Wenn die Pferdehändler Carlas Familie kennen, werden wir bestimmt ein Pony für 940 Euro aushandeln können. Zur Not habe ich noch meinen goldenen Ehering.
„Warte Mama, ich frage“, ruft Fatma und eilt zum anderen Ausgang, wo Carla gerade eine junge Frau begrüßt, bestimmt ihre Mutter. Meine Tochter rennt quer über den Schulhof, schmeißt ihre Beinchen nach vorne, so daß ihr Kleid hochfliegt.
„Wo sind ihre Manieren?“, fragte ich mich. „Sie läuft schon selbst wie ein wildes Pferd. Inschallah, Deutschland wird uns verändern.“
Ich stehe noch kopfschüttelnd vor dem Zaun des Schulgeländes und merke nicht, dass Carla, ihre Mutter und Fatma von hinten zu mir kommen.
„Guten Tag, ich bin Frau Klingsmann“, sage mir die junge Frau. „Ich bin die Mama von Carla und sie sind Frau Farhi, Fatmas Mama?“
„Huten Tah“, sage ich freundlich und schaue ganz aufmerksam auf die beiden. Carla und ihre Mutter sahen ganz normal aus, wie deutsche Mamas und Töchter aussehen: gelbe Haare, helle Augen und Stupsnasen. Sie lächelen freundlich, wie alle in diesem Land. Sie sind sehr hässlich angezogen, wie eben alle es hier für normal halten: Beide in Hosen und geschürten Trainingsschuhen, aber an diese Kleidung habe ich mich schon beinahe gewöhnt. Ich konnte ihnen beim besten Willen nicht ansehen, dass sie so steinreich sind. Sie tragen weder Gold noch Diamanten, sie haben gar kein teures Auto, sondern zwei zerkratzte Fahrräder. Aber sie sind reich, steinreich, so reich, dass sie einem achtjährigen Kind erlauben, sich solch ein Geschenke zu wünschen, die unsere Familie ruinieren wird. Ich schaue mit Interesse, aber auch mit Würde auf diese Menschen. Egal, wie reich ihr seid, wir sind stolz! Wir sind nicht umsonst durch die schrecklichen Leiden gegangen, wir wissen, was Leben bedeutet. Und unser Leben, unser ganzes Glück, ist unsere Tochter Fatma. Die wunderschöne, kluge Fatma. Und wenn sie sich als Freundin diese reiche Prinzessin ausgesucht hat, dann wird sie sie haben! Frau Klingsmann erzählt mir etwas, während ich meinen Gedanken nachhänge. Dann frage sie mich mit einem netten Lächeln: „Aber das ist jetzt wahrscheinlich noch zu viel für Sie auf Deutsch?“ Ich habe sie wirklich nicht verstanden.
Frau Klingsmann öffnet ihren Rucksack, holt einen Zettel heraus und zeichnet etwas sie darauf. Ich bin ihr dankbar, dass sie wenigstens nicht genau dasselbe wie vorhin sagen will, laut buchstabierend oder herumbrüllend, wie die Männer von der Metzgerei-Theke. Schließlich zeigt sie mir einen gezechnete Karte.
„Schauen Sie, das ist die Haltestelle“, zeigt sie mir auf dem Plan: „Dann biegen Sie nach rechts und dann gehen immer geradeaus und kommen direkt zum Hof, wo man das kaufen kann.“ Der Stift bewegt sich auf dem Zettel und ich folgt ihm mit den Augen. „Eines Tüte kaufen?“, frage ich. Frau Klingsmann runzelt die Stirn. Sie hat mich nicht verstanden.
„Ferd kaufen?“, frage ich nochmal und zeige auf den Zettel und dann auf Carla.
„Ein Pferd? Ach, ja. Eine Stute. Ja!“, sagt sie absolut glücklich, dass sie mich verstanden hat. „Dort kann man eine Stute kaufen. Ein Pferd, ein kleines Pferd“, lacht sie.
Sie lacht leicht, wie ein Mensch, der keine Not kennt. Sie lacht, Carla lacht, meine kleine Fatma lacht. Ich habe nichts zum Lachen. Mein Leben steht vor dem Abgrund. Ein falsches gummiartiges Lächeln klebt auf meinem versteinerten Gesicht.
„Tschüss, Fatma, Tschüss Frau Farhi“.
„Tschüss Carla, Tschüss Frau Klingsmann“, ruft Fatma zurück, ich nicke mit meinem falschen Lächeln und drehe mich zum Ausgang. Auf dem Weg nach Hause fragt mich Fatma etwas, aber ich höre ihre Stimme gar nicht, so verstört mich das alles.
„Mama, was ist los?“, fragt Fatma besorgt: „Ist alles in Ordnung mit dir? Du lächelst so komisch.“
„Ja, ja. Alles ist in Ordnung, alles ist bestens“, sage ich.
Es blieben noch acht Tage bis zum Geburtstag, bis zu dem Tag, an dem ich unser gespartes Geld für die verwöhnte Carla ausgeben werde. Nur noch acht Tage. Ich will nicht, dass mir Hassan und Fatma meine Sorgen anmerken. So bin ich froh und lustig und versuche, nicht an dieses Geschenk zu denken. Ich bin so ruhig, weil ich mich entschlossen habe.
Am Samstag ziehe ich meine Fatma dann ganz hübsch an. Ich flechte ihre Zöpfe und hole die schicken Schühchen, die ich vor zwei Monaten in der Kleiderkammer gefunden habe. Fatma ist ein so schönes Mädchen! Schon am Vorabend nahm ich unser ganzes gespartes Geld aus dem Versteck heraus und legte stattdessen einen Zettel für Hassan hinein. Wenn er die leere Schublade entdeckt, sollte er wissen, dass ich das Geld genommen habe.
„Für Fatma“, schrieb ich darauf. Ich habe Geld in eine durchsichtige Folie eingewickelt und legte das Papierröhrchen in meinen BH. Das sollte für die Sicherheit reichen.
Ich ziehe noch meinen goldenen Ring an, für den Fall, dass das Geld nicht reichen würde. Bis zur Geburtstagsfeier haben wir noch genug Zeit. Das Pferd auszusuchen, zu kaufen und dem verwöhnten Prinzessen Carla zu schenken. Im Laufe der Tage war meine Sympathie für Carla völlig verdampft. Ich fand es jeden Tag widerwärtiger, dass sie uns in diese Katastrophe gezogen hatte. Aber ich konnte nicht mehr von meinem Plan abrücken. Aus Stolz, aber vor allem: Ich tat es für meine Fatma!
In meiner Jackentasche lagen alle drei Zettel. Der erste, mit der Wegbeschreibung zum Pferdehof, von Carlas Mutter, der zweite mit den Kaufpreisen von Hakim und der dritte, der verhasste Wunsch-, nein: Befehlszettel von Carla.
Der erste Zettel brachte uns zu einem riesigen Gebäude im Stadtzentrum. Von außen sah es richtig schick aus. Ich konnte es mir gar nicht vorstellen, dass die Deutschen in solchen Gebäuden Ställe unterhalten, aber ich wunderte mich fast kaum noch über etwas. Wir kommen herein und ich bin von Neuem überrascht. Es riecht gar nicht nach Pferden, sondern … nach Parfüm. Das ist wie im Wunderland. Eine riesengroße Halle, überall Licht, Spiegel und Glitzerzeug. Von oben hängen gigantische Lampen auf zwanzig Meter langen Stangen. Die starken Düfte schwimmen durch die Luft, dass ich fast ohnmächtig wurde. In der Mitte der Halle befinden sich mehrere Reihen von Rolltreppen und tausende, abertausende Menschen fahren herauf und herunter und verschwinden im Licht und Glanz. Ich bin sprachlos. Mir war nicht bewusst, wie viele Deutsche Pferde halten.
„Mama“, flüstert Fatma erstaunt. Sie ist ungewöhnlich leise und klammert sich an meine Hand. Ihre Scheu gibt mir schließlich neue Kraft. Ich nehme entschlossen den Zettel von Carla in die Hand und zeige ihn einer Verkäuferin. Sie versteht das alles sofort und zeigt mir den Weg zur zweiten Etage, wo wir nach rechts abbiegen sollen. Allmählich komme ich wieder in eine tatkräftige Stimmung zurück, allein, es wundert mich nur noch, warum sie Viehzeug nicht im Erdgeschoss verkaufen. Vielleicht haben sie in Deutschland einen speziellen Ausgang für Pferde? Und Pferdeaufzüge? Ich versuche, mich auf alles vorzubereiten. Fatma und ich nehmen die Rolltreppe und fahren nach oben. Fatma schaut mit geöffnetem Mund von der Rolltreppe in die parfümierte und glitzernde Halle hinunter. Ich blicke starr geradeaus, ich will mich nicht ablenken lassen.
Auf der zweiten Etage rechts finden wir keine Pferde. Wir schauen nach links und in der Mitte. Es gibt keine Tiere in diesem Stockwerk. Wahrscheinlich hat die Verkäuferin mich doch nicht richtig verstanden. Ich komme zur nächsten Kasse. Dort bildet sich eine Schlange. Wir stellen uns hinten an und warten geduldig. Als wir an der Reihe sind, halte ich meinen Zettel der Verkäuferin hin. Dann zeige ich nach rechts, dann nach links, und dann zucke ich mit den Schultern. „Firma Wagner“, liest die Verkäuferin von Carlas Zettel ab. „Kommen Sie mit.“ Ich halte Fatmas kleine Hand in meiner. Sie ist feucht vor Aufregung. Ich selbst bin schon längst schweißgebadet. „Ganz ruhig“, sage ich uns beiden, „ganz ruhig.“ Ich werde handeln. Ein kleines Pferd, sagte Carlas Mutter, das habe ich verstanden. Selbst ein ganz kleines Pferd ist ein Pferd und dafür wird unser Geld
bestimmt reichen. Die Verkäuferin schlängelt sich durch die Gänge, vorbei an den unendlichen Kleiderstangen mit Anzügen, Hemden und Kleidern. Alles ist voll, übervoll. Die geübte Kaufhaus-Dame hat so ein gutes Tempo vorgelegt, dass Fatma und ich schon schwer vom Hinterherlaufen atmen.
Hinter den Kleiderstangen öffnet sich plötzlich eine neue Welt und Fatmas Schritte verlangsamen sich. Eine Spielzeugabteilung: Puppen, Plüschtiere, Spiele - ein Kinderparadies. Mein Mädchen vergisst ganz zu atmen. Die Verkäuferin schreit entschlossen weiter, ich folge ihr zielstrebig auf Schritt und Tritt. Fatmas Füße folgen zwar den meinen, der Kopf bleibt aber nach hinten gedreht, wie bei einer Puppe. Plötzlich bleibt die Verkäuferin vor einer beleuchteten Vitrine stehen. Einem Glasschrank mit Regalen.
„Bitteschön“, sagt sie: „Firma Wagner.“ Dann schaut sie Fatma freundlich an und fragt „Welche wolltest du haben? Zweihundertfünfunddreißig? Das ist die schöne Stute, nicht wahr?“, und sie zeigt auf etwas hinter dem Glas.
Ich verstehe alle Wörter, aber keinen Sinn. Wo sind die Ställe? Die Verkäuferin sieht mein Gesicht und wiederholt alles noch einmal. Erst dann drehe ich mein Gesicht zur Seite und sehe hinter dem Glas die kleinen Plastikfigürchen auf den Regalböden. Der rotlackierte Fingernagel der Verkäuferin zeigt auf ein winziges Plastikpferd. Darunter steht: „Die Stute Nr. 235“.
Der Nervenreifen, der mich die ganze Zeit drückte, platzt auf einmal und ich schreie, wie am Spieß: „Eines Tüte? Das dies Tüte?“ Die Verkäuferin macht einen Schritt zurück. Sie nimmt noch mal Carlas Zettel in die Hand und liest laut vor. „Firma Wagner, ist richtig“, dabei zeigt sie mit dem roten Fingernagel auf das Schild: „Die Stute Nummer zweihundertfünfunddreißig. Das stimmt so. Es kostet 7 Euro 95.“ Diese Summe löst einen neuen Lachanfall bei mir. Ich lache und lache und lache und kann mich gar nicht beruhigen. „Ein kleines Pferd“, schnaube ich, „ein sehr, sehr, kleines Pferd“, würge ich mit der piepsigen Stimme, durch das Lachen und Tränen, die in Strömen aus meinen Augen fallen. Ich will mich zusammenreißen, kann aber nicht. Die ganze Spannung der letzten Tage sprudelt aus mir heraus, wie der Wasserstrahl aus einem geplatzten Hydranten. Die Verkäuferin verabschiedet sich rasch. Ich nehme Fatma und gehe mit ihr zur Seite. Sie versucht mich zu beruhigen und ihre Hand zu befreien.
„Fatma“, fange ich ganz ruhig an, „verstehst du? Ein Pferd, ein kleines Mädchenpferd?“, und versinke wieder in Schnauben und Piepsen, „ein klitzekleines Mädchenpferd.“
