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Im 24. Jahrhundert befindet sich die Menschheit in einem weltweiten Krieg. Einige wollen diesem entfliehen und reisen mit riesigen Raumstationen. Alles geht gut, bis zu einer Explosion, die das All erschüttert. Unser Held, der Agent und Soldat Jarn Schmit, landet auf einer Parallelerde im Jahr 1884 und muss hier um sein Leben kämpfen. Er startet eine Karriere als Kopfgeldjäger, die eine lange Rache mit sich zieht.
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Seitenzahl: 826
Veröffentlichungsjahr: 2020
Georg und Andreas Framke
Fremde Welt Der lange Weg der Rache
© 2019 Georg und Andreas Framke
Korrektorat Kalya Sand
Verlag & Druck:
tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg
ISBN
Paperback:
978-3-7482-6564-1
Hardcover:
978-3-7482-6565-8
e-Book:
978-3-7482-6566-5
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Tagebuch
Tag 0
„Ein Überlebender des Raumschiffs R3/ von der Europäischen Gemeinschaft:
Ich bin im Jahr 2316 geboren.
Mein Name ist Jarn Schmit
Rang Kapitän
mit Extraausbildung im Nahkampf, als Scharfschütze und in der Spionage.
Man schreibt das Jahr 2346 auf der Erde. Es tobt seit 80 Jahren Krieg auf der Erde. Der Planet ist schon zerstört oder befindet sich im Prozess der Zerstörung von einer Bedrohung, die wir nicht mehr kontrollieren konnten. Alle Terroristen der Welt haben die übelsten Waffen in ihre Macht bekommen. Daher wurde im Verborgenen auf jedem Kontinent ein Raumschiff für die ungewisse Flucht ins All gebaut.
Nach zwei Jahren ist auf unserem Schiff ein Atomreaktor explodiert, und nur ich konnte mich in eine Rettungskapsel retten. Nun befinde ich mich wieder auf einem fremden Planeten.
Es ist Nacht, darum morgen erkunden.“
Jarn Schmit war der ranghohe Kapitän des Raumschiffs R3/ der Europäischen Gemeinschaft. Er war der Führer einer Jagdraumschiffgruppe zur Abwehr und zum Schutz des großen Raumschiffs. Zur Identifizierung trug Schmit, wie alle anderen Menschen, einen Chip unter dem Handgelenk. Seine sportliche Gestalt zeigte einen durchtrainierten Körper, dennoch von schlanker, normaler Statur. Der Deutsche hatte dunkelblonde kurze Haare und blaue Augen. Unter Neonlicht konnte man auch die spezielle Form eines Tattoos auf der linken Schulter erkennen: ein Adler, der einen Totenkopf greift und zwei Schwerter trägt inklusive der deutschen Flagge. Dieses Symbol trugen alle Jagdflieger zur Gruppenzugehörigkeit. Andere Militäreinheiten hatten ebenfalls ihre Neontattoos als Symbol.
Er aß etwas und legte sich schlafen. Am Morgen sah er sich um und fand eine sehr karge Landschaft vor, allerdings konnte er auch eine schneebedeckte Gebirgslandschaft entdecken. Dann machte er seinen Eintrag ins Tagebuch.
Tagebuch
Tag 1
„Es ist jetzt schon sehr warm für morgens, aber es scheint wohl Leben auf diesem Planeten zu existieren.“
Er hatte sich die Lage angesehen und am Horizont ein Tal mit einem Fluss, Bäumen und Sträuchern erblickt und er sagte für sich: „Was anderes als nur Felsen und Sand und ein paar Kakteen.“ Dann nahm er einen Schluck aus der Flasche und machte sich auf den Weg. Auf der Hälfte des Weges machte er Rast, trank den letzten Schluck und seufzte. Er fertigte eine kleine Notiz ins Tagebuch.
Tagebuch
Tag 1
„Da ist was?
Mittag: Das, was ich hier sehe, ist nicht das Leben, sondern der Tod, aber das lässt mich darauf hoffen, dass es nicht nur Leben geben muss, sondern auch intelligentes Leben und vielleicht sogar Menschen. Aber da sind noch einige Fragen, die ich mir stelle.“
Er war an dem Fluss angekommen, worauf er sich schon gefreut hatte, doch dann sah er nicht das, was er sich erhofft hatte, also Wasser und Bäume, sondern, eine Leiche, die an einen Baum gefesselt war. Er sah sich den Steckbrief an der Leiche an, auf dem stand in Englisch das Datum Juni 1884 und der spanische Name José Francisco Villa mit dem Foto des Gesuchten. Auf dem Foto sah man einen mexikanischen Mann mit schwarzen Haaren und einem schwarzen Mongolenbart, auffällig war sein recht zerknittertes Gesicht. Es gab 10.000 $ als Belohnung, tot oder lebendig, mit einer Bemerkung: Gesucht wegen mehreren Tötungsdelikten, darunter: 2 U.S. Marshalls, 1 Sheriff und 5 Banküberfälle und weitere Verbrechen. Warnung: Außerdem gefährlich und sehr brutal. Er bemerkte, dass die Leiche nicht der Gesuchte zu sein schien. Dann sah er, dass der Bauch des Mannes quer aufgeschlitzt war und das Messer noch drinsteckte. Daran hing noch eine eindeutige Botschaft auf Englisch: „So du hast mich gefunden, du hättest besser die Warnung lesen sollen.“ Es folgte ein Satz auf Spanisch: „Das hast du jetzt davon, du Sohn einer dreckigen Hure! Gezeichnet José“. Den Steckbrief nahm Schmit mit, um den Gesuchten Villa später besser zu identifizieren zu können.
Er ging hinter eine Sanddüne, nahm sich das Protokollhandbuch für Rettung, las es und danach wurde ihm klar, dass er nur auf eine sehr geringe Chance hoffen konnte. Er schrie: „Ahhh!“ und weinte, aber dann wischte er sich die Tränen aus seinem Gesicht und sagte: „Aber es ist nie vorbei.“ Er schnappte noch mal Luft und nahm Haltung an, daraufhin sagte er militärisch seinen Rang auf: „Mein Name ist Jarn Schmit, Rang Kapitän, mit Extraausbildung im Nahkampf, als Scharfschütze und in der Spionage.“ Er schmiedete einen Plan und sagte noch: „Nur, wenn ich es sage.“ Dann ging er wieder zurück zur Leiche. Hier befand sich mittlerweile eine Klapperschlange, diese packte Schmit vorsichtig und legte sie zur Seite.
Tagebuch
Tag 1
„Es ist Nachmittag. Ich habe mir am Mittag die Sachen des Toten genommen, da ich nicht auffallen möchte. Außerdem habe ich noch einen Revolver gefunden. Danach vergrub ich den Toten. Dann nahm ich mir den Revolver und bemerkte, dass es eine Antiquität in meiner Welt ist, dieser Revolver brächte wirklich Geld. Als Nächstes mache ich mich auf die Jagd nach etwas zu essen. Langsam werden die rationierten Nahrungsmittel knapp.“
Er legte sich auf die Lauer und versteckte sich in einem Gebüsch. Es näherte sich ein Wapiti, welches gerade fressen wollte. Der Spionageexperte konnte sich sehr langsam bewegen und mit einem Ruck schnitt er dem Wapiti die Halsschlagader auf. Er sprang aus dem Gebüsch und klammerte sich um die Beine des Tieres, so dass es umfiel und ausblutete.
Tagebuch
Tag 1
„Jagd war erfolgreich. Es war ein Wapiti, das sollte erst mal reichen für die kommenden Tage.
Ich machte mich auf den Weg den Fluss entlang bis hierher, wo ich einen Lageplatz gefunden habe, dem Anschein nach von diesen José Francisco Villa. Hier werde ich bis morgen erst mal rasten.“
Er nahm sich das Messer und den Gürtel, danach machte er einen Schlitz in den Gürtel.
Tagebuch
Tag 1
„Letzter Eintrag ins elektronische Tagebuch, ab jetzt nur noch handschriftlich, damit ich nicht auffalle.“
Dann steckte er das elektronische Tagebuch in den Gürtel. Danach bastelte er noch einen Bogen und Pfeile und sagte für sich: „Nur mal für alle Fälle.“ Er schaute noch den Revolver an und bemerkte, dass nur drei Patronen vorhanden waren. Er nahm sich was von dem Fleisch und aß es, machte den ersten Eintrag.
Tagebuch
Tag 1
„Ab morgen habe ich eine neue Mission: Kopfgeldjäger!“
Er hatte es eingetragen, nahm noch einen Schluck Wasser, anschließend legte er sich hin. Nun dachte er über Theorien nach, die er mal zum Thema Paralleluniversen gelesen. „Diese Welt könnte ein Paralleluniversum darstellen“, dachte er. Kurze Zeit später schlief er ein.
Am Morgen machte er ein Feuer an, wo er noch eine Tasse Kaffee getrunken hatte, den er beim Lagerplatz gefunden hatte. Anschließend konnte er noch Fleisch vom Wapiti, welches er gestern zerlegt hatte, mit einer Dose Bohnen vom Lagerplatz am Feuer warmmachen und verzehren. „Brötchen werde ich ja wohl kaum finden“, dachte er.
Dann machte er sich auf die Suche nach einer Spur, er entdeckte einen Hufabdruck und hatte damit seinen ersten Hinweis. Die Hufabdrücke führten ihn den Fluss weiter entlang. Denen folgte er einige Schritte weiter, schrieb aber noch einen Eintrag ins Tagebuch.
Tagebuch
Tag 2
„Ich werde die Spur verfolgen.“
Zur gleichen Zeit an der Rettungskapsel war eine Suchdrohne unterwegs, diese war allerdings durch einen Steinschlag beschädigt worden. Die konnte Jarn Schmit aber nicht sehen und durch den Steinschlag war diese auch schon woanders hingeflogen.
Tagebuch
Tag 2
„Ich habe hier einen Stopp eingelegt, weil die Spur erst mal hier endet. Er muss sich verletzt haben, weil ich an einen Busch Blut bemerkt habe. Er muss bemerkt haben, dass er von jemandem verfolgt wird.“
Dann ging Schmit ein Stück hin und zurück, sah rüber zur anderen Flussseite und nahm weitere Hufspuren wahr.
Tagebuch
Tag 2
„Ich konnte die Spur wieder aufnehmen. Nun bin auf der anderen Flussseite, aber dadurch musste ich viele der anderen Sachen dort lassen. Einen großen Teil des Fleisches musste ich auf der anderen Seite lassen und schon stürzten sich auch ein paar der Geier auf den schäbigen Rest. Vorher konnte ich noch was von dem Wapitifleisch in kleine Streifen schneiden und über dem Feuer räuchern. Den Kaffee habe ich noch mitgenommen. Natürlich habe ich meine Waffen retten können und eingesackt.“, schrieb er und machte sich weiter auf die Suche nach diesen José Villa und dachte, dass er ihn in zwei bis drei Tagen kriegen würde.
Tagebuch
Tag 3
„Ich habe festgestellt, dass er heruntergefallen sein muss, aber dass er es wieder auf sein Pferd geschafft hat. Das gab mir den Grund, dass ich die Spur etwas schneller verfolgen musste.“
Er machte sich weiter auf den Weg.
Plötzlich sah er am Mittag einen Puma. Kaum, dass er ihn gesehen hatte, sprang dieser Schmit von einem Felsen aus an. Schmit fiel nach hinten um, der Puma stürzte sich frontal und aggressiv auf ihn. Gerade so konnte Schmit den Puma noch wegstoßen und seine Stoßbewegung gleichzeitig nutzen, um Pfeil und Bogen zu spannen. Der Puma rannte wieder auf Schmit zu, fuhr während des Sprungs seine Krallen aus, doch Schmit schoss den Pfeil in letzter Sekunde dem Puma mitten in den Kopf. „Puh, das war knapp“, seufzte Schmit, „Aber so ein Puma kann mich nicht aufhalten!“ Er setzte seine Kopfgeldjagd weiter fort.
Tagebuch
Tag 3
„Er muss doch leider schneller vorangekommen sein, als mir lieb ist. Aber ich gebe nicht auf, das wäre doch gelacht, wenn ich diesen dreckigen Halunken nicht kriege. Jetzt erst mal ausruhen, ich habe genug Zeit. Hier ist eine heruntergekommene alte Festung vermutlich von Konquistadoren. Morgen geht es weiter.“
Er aß und trank noch etwas, machte sein Lager, um sich am Abend schlafen zu legen. Am Morgen wurde er wieder wach und machte sich auf die Spur, er war einen Kilometer gegangen, dann hörte er in der Ferne einen Zug und schrieb in sein Tagebuch:
Tagebuch
Tag 4
„Ich vernahm ein Geräusch, das muss ein Zug sein.“
Nach einem halben Kilometer sah er eine Brücke, er ging aber erst mal der Spur nach, die nach oben führte, die Klippen hinauf auf einen schmalen und nicht sehr vertrauensvollen Pfad. Er seufzte kurz: „Puh!“, und wunderte sich: „Der wird doch nicht darauf mit dem Pferd geritten sein?“ Jetzt ging er erst recht den Pfad auch hinauf, bis er sah, dass der Pfad zum Schluss mit Steingeröll verschüttet war. Als er beim Geröll angekommen war, hörte er ein klägliches Schnaufen und schweres Atmen. Somit waren es nicht nur Steine, die ihm den Weg versperrten, sondern auch ein Pferd, wahrscheinlich von Villa, welches aber gerade jämmerlich am krepieren war. Er zog sein Messer und erlöste es von den Qualen. Dann klettert er den Rest hoch bis zur Ebene der kleinen Schlucht. Er macht noch eine Notiz ins Tagebuch:
Tagebuch
Tag 4
„Villa, sonst kann es keiner gewesen sein, hätte, wenn er ein bisschen Anstand gehabt hätte, das arme Tier von seinen Qualen auch erlösen können. Tot ist er besser dran als lebend. Das Kopfgeld bekomme ich sowieso.“
Einen Tag vorher auf einer Farm in der Nähe der Brücke ritten drei Männer zu der Farm, einer der Männer stieg vom Pferd und ging zur Tür des Farmershauses, als jemand mit lauter Stimme aus dem Fenster neben der Tür rief: „Wer seid ihr und was wollt ihr?“ Der Farmer hielt ein Gewehr in der Hand und der Gewehrlauf schaute aus dem geöffneten Fenster. Darauf antwortet der Mann vor der Tür: „Ganz ruhig, Gringo, ich und meine Freunde wollen uns nur ausruhen.“ „Hier nicht!“, antwortet der Farmer im Haus.
Während der Farmer und der Mann diskutierten schlichen sich die beiden anderen mit gezogenen Revolvern hinter das Haus zur Hintertür. Einer der beiden tritt die Hintertür ein. Die Mutter, ihre ältere Tochter und ihr jüngerer Sohn versteckten sich unter dem Bett. Die Mutter versuchte ihre beiden Kinder ruhig zu halten. Dann zeigte der eine mit dem Revolver in Richtung Bett, ohne zu wissen, dass darunter der Rest der Farmerfamilie war. Der Sohn konnte den Revolver sehen und fing dann doch an zu flennen. Daraufhin schrie einer der beiden Männer: „Das Haus gehört jetzt uns! Gib auf, wir haben deine Sprösslinge und dein Eheweib. Du kannst jetzt reinkommen, Villa.“
Daraufhin ließ der Vater hinter dem Fenster das Gewehr fallen. Villa trat hinein und sagte zu den anderen zwei Männern: „Ihr sollt doch nicht meinen Namen sagen!“, mit lauter und kratziger Stimme.
Doch ganz wollte der Vater nicht aufgeben, er hörte das Weinen seines Sohnes, fasste neuen Mut, doch in dem Moment, als er sein Gewehr schnappen wollte, griff Villa blitzartig unter seinen Poncho nach seinem Revolver und erschoss ihn. Er wandte sich zu der Mutter und den Kindern: „Wäre euer Vater nicht so ein Idiot gewesen.“ Daraufhin sagte er: „He, Tom, Jimmy fesselt die drei! Steckt dem Jungen was ins Maul, der geht mir tierisch auf den Sack. Mein Bruder muss auch bald kommen. Noch mal will ich nicht erwähnen müssen, dass ihr den Namen von mir oder meinem Bruder nicht erwähnen sollt, sonst könnt ihr die beiden anderen in der Hölle grüßen.“ Daraufhin sagten Tom und Jimmy mit vorsichtiger Stimme: „Okay, Boss, kommt nicht mehr vor.“ Dann sagte Villa zu der Mutter: „Gibt es hier auch zu essen und zu trinken? Ich verdurste.“ Die Mutter sagte ängstlich: „J-Ja natürlich.“
Schmit sah einen Stiefelabdruck in Richtung Brücke, der Abdruck dahinter war schon von Wind und Sand fast verschwunden, aber er ließ sich nicht beirren. Schmit machte sich auf zur Brücke, als er fast an der Eisenbahnbrücke angekommen war, fielen zwei Schüsse und er rannte in die Richtung der Schüsse, bis er eine Farm sah, etwa 30 Meter entfernt. Doch Villa war nicht zu sehen. Aber Schmit dachte, dass er nicht weit weg sein konnte, weil im Haus ein bis zwei Schatten zu sehen waren. Er dachte, dass wenn er jetzt losstürmen würde, Villa wieder weg sein würde.
Ein paar Stunden vorher war Villa bei der Farm angekommen. Als Erstes ging er zu einer Pferdetränke und tauchte seinen Kopf hinein, um sich abzukühlen. Nun schlich er bis zur Tür der Farm und öffnete diese mit gezogenem Revolver. Als er und sein Bruder Rafael sich sahen, kam nur ein kurzes Nicken von den Brüdern Villa. Rafael fragte Jose: „Und, gut hierhergekommen?“ Darauf antwortete José mit wütender Stimme: „Gut, gut?! Zwei Gringos haben mich verfolgt, der eine hängt am Baum einige Kilometer von hier entfernt. Der andere muss auch noch dran glauben.“ Rafael will José wieder beruhigen: „Naja, setz dich und trink erst mal was.“ Dann setzte er sich hin und sein Bruder gab ihm ein Flasche Whiskey. José nahm die Flasche, biss in den Korken, spukte ihn aus und nahm einen kräftigen Schluck aus der Flasche. Rafael sah den Arm und das Blut aus einer Wunde tropfen und bemerkte: „Verletzt bist du auch.“ José erwiderte: „Ach, ist doch nur ein Streifschuss.“
Dann sagte Rafael zur Tochter: „Hey, Kleine, geh mit meinem Bruder ins Schlafzimmer.“ Hieraufhin blickte die Mutter erschrocken José an und bettelte: „Nimm mich! Sie ist doch noch ein Kind.“. „Halt’ s Maul, wenn ich was sage“, sagte Rafael zur Mutter. Dann befahl er Tom: „Stopf der alten Fotze auch das Maul.“ Sie versuchte sich zu wehren, aber es war chancenlos. Tom fügte sich dem, was ihm befohlen wurde. Anschließend sagte Rafael zu der Kleinen: „Nimm Verbandszeug mit.“ José und die Tochter gingen ins Schlafzimmer. Villa nahm ein Messer und schnitt erst mal die Fessel von der Hand los, hielt direkt danach das Messer ihren Hals. Er zwang sie dazu, seine Schusswunde zu verbinden. Ängstlich nahm sie das Verbandszeug und verband José. Dann stand José auf, beugte sich zu ihr und flüsterte ihr ins Ohr: „Noch eins, ich bin ein einsamer Mann, wenn du dich jetzt nicht dumm anstellst, kannst du es vielleicht überleben.“ Dabei grinste er lüstern: „So, jetzt knie dich nieder.“ José öffnete seine Hose.
Währenddessen saßen Tom und Jimmy in der Ecke der Stube. Tom flüsterte zu Jimmy: „Sollen wir hierbei wirklich noch mitmachen?“ Er darauf: „Nein, aber lass uns das noch durchstehen.“ Rafael blickte zu den beiden rüber und fragte: „He, was flüstert ihr, ihr Schweine! Der Dreck hat hier nix zu melden.“ Jimmy antworte: „Nichts, Boss. Wir wollten nur fragen, ob wir ein Grab hinter dem Haus ausheben sollen?“ Rafael entgegnete: „Macht mal, kann nicht schaden. Buddelt direkt mal drei Löcher.“ Daraufhin schluckte einer der beiden, sie gingen dann aber hinter das Haus. Nach zirka einer Stunde kam José wieder aus dem Schlafzimmer, mittlerweile mit blutigen Händen und blutigem Messer. Er erschoss den Sohn und die Mutter, sein Bruder erkundigte sich: „War das nötig?“ José darauf: „Die Tochter hat es nicht gebracht.“ „Wenn es dir jetzt dadurch besser geht, meinetwegen“, meinte Rafael. José setzte sich und sagte zu Rafael, was ihm schon bei der Pferdetränke aufgefallen war: „Draußen habe ich aber auch nur drei Pferde gesehen, solltet ihr nicht vier mitbringen?“ Der Bruder stimmte zu: „Ja das stimmt, das waren die zwei Idioten, denen kann man nichts anvertrauen. Lass sie noch ein paar Stunden die Drecksarbeit erledigen, dann können sie immer noch in der Hölle die beiden anderen grüßen.“ José nickte.
Ein paar Stunden später kehrten Tom und Jimmy wieder in die Stube zurück und Tom sagte: „Wir haben die Löcher gegraben. Sollen wir die drei Leichen dann jetzt beerdigen?“ José verneinte dies, befahl Tom und Jimmy trotzdem, mit zu den Gräbern zu kommen. José zog seinen Revolver, erschoss die beiden und sie fielen in die Gräber. Sein Bruder wandte sich zu ihm und meinte: „Du hättest wenigstens sie noch die Leichen entsorgen lassen können.“ „Die beiden Hurensöhne waren es eh nicht wert, sollen sie halt jetzt schon verfaulen!“ José und Rafael gingen erst mal zurück ins Haus.
Schmit schlich sich an das Farmershaus heran. Um noch unauffälliger zu sein, zog er sich seine Stiefel aus, bevor er sich an das offene Fenster leise heranrobbte. Er blickte durch das Fenster, ohne aufzufallen und sah, dass da zwei Männer, die er vorher nur als Schatten wahrgenommen hatte, an einem Küchentisch saßen. Der eine sah wie auf dem Steckbrief aus, der andere zumindest von ähnlicher Gestalt. Die beiden Brüder saßen da und planten ihre Zukunft, zum Glück guckten sie nicht aus dem offenen Fenster. Dann macht sich Schmit auf und robbte hinter das Haus. Er kletterte rasch die Fassade entlang auf das Dach, leise wie ein Ninja. Dann schoss er einmal in Richtung der Gräber. Da sprangen die beiden aus ihren Stühlen, rannten zur Hintertür, stoppten kurz im Türrahmen und zogen ihre Waffen. Sie gingen hektisch noch ein bis zwei Schritte, den Blick immer noch in Richtung der Gräber gerichtet. Rafael brüllte: „Komm raus, wer auch immer du bist! Du bist schon längst tot!“
José wollte sich gerade noch nach hinten umdrehen, da sprang Schmit von dem Dach in die Hocke und konnte ihn aus der Hocke erschießen – wieder mitten durch den Kopf, wie gestern bei dem Puma. Jetzt wollte Rafael auch schießen, aber er hatte im Eifer des Gefechts nicht mehr nachgeladen. Die beiden schauten sich, für Rafael, eine gefühlte Ewigkeit an, doch war es nur eine Sekunde. Rafael wandte sich an Schmit: „Dann schieß doch!“ Schmit blickte rasch in den Lauf seiner Trommel, dachte dabei an die beiden Schüsse eben und wusste, dass er nur noch eine Patrone übrighatte. Er sah Rafael nur mit einem kalten Blick an und erwiderte: „Nein.“ Plötzlich rannte Rafael auf Schmit zu. Gerade als Rafael mit der Faust ausholen wollte, schnellte Schmit mit einem Sprung nach oben, traf mit dem linken Fuß seinen Unterkiefer und konnte durch seine Nahkampferfahrung beim Fall auf die Erde mit dem rechten Fuß Rafaels Schienbein durchtrennen, so dass ein Teil des Knochens zu sehen war. Rafael fiel zu Boden.
Dann ging er zu ihm, um nachzusehen, ob er ihn nur K. O. geschlagen hatte oder ob er bereits tot war. Er fühlte am Hals seinen Puls und dachte: „Nur K. O. Gut, dann jetzt mal schnell, denn für den gibt’s bestimmt auch ein Kopfgeld.“ Er ging durchs Haus, um etwas zum Fesseln und Knebeln zu finden, auf einmal sah er im Schlafzimmer eine junge Frau, fast noch ein Kind „Die muss ja gerade mal 15 Jahre alt gewesen sein“, dachte er und sah, dass das Mädchen halb nackt, die Bluse aufgerissen, die Kehle durchgeschnitten, in einem Meer voll Blut lag. „Was für eine Abscheulichkeit, aber zuerst muss ich mich um Rafael kümmern.“ Er sah sich das Mädchen genauer an und konnte auch Knebel und Fessel finden, doch die waren schon zerschnitten. Dann ging Schmit weiter, sah die Mutter und den Sohn neben den Küchentisch liegen, beide tot. Ihre Fesseln konnte er nutzen, um Rafael damit zu fesseln. „Schrecklich, was hier für Monster am Werk waren. Aber erst mal den einen fesseln und knebeln. Vorher werde ich mir noch meine Stiefel anziehen“, dachte er weiter. Er ging in Richtung Vordertür und als hätte er es geahnt, lag da die Leiche des Vaters an der Tür, vorsichtig zog er diese zur Seite, um draußen seine Stiefel wieder anzuziehen. Als Nächstes schnappte er sich die Pferde und führte sie mit ruhiger Hand und gelassener Stimme in den Hinterhof. Dann machte er alles für den Abtransport fertig. Jetzt ging Schmit wieder zu Rafael, der langsam wieder zu Bewusstsein kam. Schmit fesselte ihn mit den Fesseln und knebelte ihn, denn er wollte keinen Mucks mehr von Rafael hören. Dann nahm er Josés Leiche, hievte sie auf eines der Pferde und fesselte sie, damit sie nicht herunterfiel. „Schließlich bekomme ich ja noch Kopfgeld für das Schwein!“, folgerte Schmit. Anschließend kümmerte er sich um die Familie. Er fing beim Vater an und wollte ihn hinters Haus ziehen, um ihn dort ordentlich zu begraben.
Draußen wurde Rafael ohne, dass es Schmit bemerkte, wieder wach, kam an ein kleines Messer, was er im Stiefel versteckt hatte, heran und konnte seine Fesseln und den Knebel lösen. Dann hinkte er mit schmerzvollem Gesicht leise zum Pferd, auf dem schon sein toter Bruder angebunden war, und ritt davon.
Während Schmit den Vater hinauszog, kamen fünf Männer zur Farm galoppiert. Einer der fünf sprang vom Pferd ab und stürmte zur Vordertür rein. Er hielt Schmit das Gewehr an den Kopf, während ein zweiter zur Hintertür reinstürmte und sein Gewehr an Schmits Hinterkopf hielt. Daraufhin stieg ein weiterer Mann vom Pferd und brüllte los: „Und, habt ihr einen der Gauner?“ Hierauf riefen die beiden: „Ja, Pa- äh, Sheriff.“ Dann kam der Sheriff rein, sah die Leichen und brüllte zu einem seiner Jungs: „Stopft ihm auch das Maul, ist ja widerlich!“, bevor Schmit seine Situation erklären konnte. Schmit ergab sich aber trotzdem der Situation und hoffte, dass es eine Möglichkeit geben würde, alles zu erklären. „So ein Bastard, alle kaltblütig zu ermorden. Das war doch nur die nette Farmersfamilie Arthur. Du kommst jetzt erst mal mit ins Sheriff’s Department, dort kannst du dann auf den Strick warten“, sagte der Sheriff zu Schmit. Der Sheriff fragte einen Indianer, der die ganze Situation beobachtet haben wollte und mitgekommen war: „Und Si-tah-le, ist das einer der Männer, der die Familie Arthur getötet hat?“ Dann antwortet der alte Indianer: „Jakubo hahiee kohr. Hau großer weißer Sheriff.“ Der Sheriff gab zurück: „So, Si-tah-le, dass man es auch versteht, dann bekommst du auch dein Feuerwasser.“ Der alte Indianer übersetzte die Indianersprache: „Ja, das ist Mann hatte Tod.“ der Sheriff warf die versprochene Flasche Rum zu Si-tah-le und kümmerte sich wieder um die Festnahme von Schmit. Schmit bemerkte, dass der Indianer alles für eine Flasche Rum erzählt hätte. Si-tah-le war wohl ein gutmütiger Geselle, doch leider auch der Trunkenheit ergeben, so dass er für seinen Alkohol auch nicht ganz ehrlich war, denn Schmit sah, dass Si-tah-les rechtes Auge trüb war, also fast blind. Während an Schmits Handschellen von einen der fünf Personen noch ein Seil befestigt wurde, machte der Mann ihn auch am Sattel fest. Schmit sollte wie ein räudiger Hund hinterherlaufen, während die anderen auf den Pferden reiten konnten.
Der Sheriff hatte einen längeren, stark bewachsenen Henriquatre– Bart rund um den Mund, welliges, langes graues Haar, stattliche Natur, jedoch untersetzte Gestalt, auch Falten konnte man an dem älteren Mann sehen. Der Sheriff konnte sich so langsam beruhigen, blickte noch mal zu den Leichen der Familie Arthur und schüttelte den Kopf. Darauf sagte der Sheriff zu dem fünften Mann mit ruhiger Stimme: „He, Franklin ist es gut fest?“ Franklin beantwortete die Frage mit einem Ja. Gerade wollte der Sheriff den Befehl zum Abmarsch geben, mit einem deutlichen: „Dann mal …“, fing er an, als ihm einer der beiden Söhne ins Wort fiel und rief: „Dann mal los!“ Der Sheriff sah ihn kurz genervt an und führte den Zeigefinger zum Mund. Er machte ein kurzes energisches: „Pscht“ und fragte: „Habe ich euch nicht besser erzogen, Michael?“ darauf antworteten beide Söhne erschrocken: „Tut uns leid Papa.“ Besonders laut war Michael zu hören. Nach dieser kurzen Lappalie brummte der Sheriff: „Okay, dann los.“ Dann ritt er voran, hinter ihm seine Söhne Micheal und Benjamin und dahinter Franklin mit dem Gefangenen Schmit. Der Indianer Si-tah-le hat die Flasche halb leer und ritt torkelnd auf seinem Maultier hinterher.
Sie ritten eine Weile, bis sie an einen befestigten Weg ankamen. Zuerst kamen sie an einer weiteren kleinen Farm mit viel Weideland an. Etwas später erreichten sie eine große eigenständige Farm mit mehreren Morgen an Weideland für unzählige Rinder. Der Sheriff schaute zum Eingang und erzählte: „Da Jungs, die McConnell–Farm. Was für ein Anwesen, wie die Schlösser in der alten Welt. Doch ganz sauber sind die nicht. Aber noch sind sie zu wichtig für unsere County.“ Noch eine Farm war am Wegesrand zu sehen, bis sie am Abend durch einen Wald ritten. Si-tahle schwankte in Richtung seiner kleinen ärmlichen Blockhütte, soff noch den letzten Schluck aus der Flasche und fing an, ein altes Indianerlied zu grölen. Nach etwa zehn Minuten erreichten die fünf ein kleines überschaubares Dorf an einem kleinen grünen Tal ohne Bahnhof, die Gleise verliefen am Dorf vorbei. Der Ort lag an einen Bach, der den Fluss speiste, den Schmit schon seit seinen ersten Tag auf diesen Planeten entlanggegangen war. Doch der Bach war schon fast ausgetrocknet. Franklin murmelte in die Runde, als er den Bach sah: „Es hat diesen Winter nicht genug geschneit in den Bergen.“ Vom Sherif kam nur ein: „Ja“ zurück, die zwei anderen nickten kurz, Schmit wurde erst gar nicht angesehen. Schmit dachte an seinen Landeplatz, wo er in der einen Richtung auch Berge gesehen hatte, die zu wenig Schnee gehabt hatten. Das konnte aber nicht dasselbe Tal gewesen sein, an dem sie jetzt waren, weil er keine Häuser am Horizont gesehen hatte.
Bevor sie jedoch durch das Dorf direkt zum Sheriff‘s Department ritten, ging es erst mal ein wenig um das Dorf herum bis zu einer Windmühle. Dann kamen die fünf an der Windmühle an. Hier war das Wohnhaus des Sheriff’s, es stand mitten in einem Weizenfeld. Sie stoppten und der Sheriff sagte zu seinen Söhnen: „So jetzt geht mal zu eurer Mutter, die soll noch was zu essen ins Sheriff‘s Department bringen.“ Benjamin freute sich und meinte: „Endlich was zu futtern, ich sterbe schon vor Hunger.“ Der Sheriff witzelte: „Du? Du kannst nicht so schnell verhungern, bei deiner Wampe und deiner Größe.“ Michael lachte nur, dann trabten die beiden zum Haus. Benjamin war etwas über zwei Meter groß und hatte eine sehr untersetzte Figur, trotzdem war er so kräftig wie ein Bär. Er war eigentlich immer gut gelaunt, was man an seinem breiten Grinsen sehen konnte, er wirkte zwar nicht wie einer der hellsten Köpfe, doch immer hilfsbereit, wenn Not am Mann war. Michael war ein bis zwei Kopf kleiner als sein Bruder, er hatte strahlend blaue Augen, ein markantes Kinn und war deutlich sportlicher als sein runder Bruder. Seine Haare waren wie bei seinem Bruder leuchtend blond, was auch in der Familie lag, bei ihm sorgte dies auch für Charme in der Frauenwelt. Sie banden die Pferde an und gingen hinein, um dort zu essen.
Der Sheriff, Franklin und Schmit hatten noch nicht ganz den Ortseingang von Ruidoso Elida betreten, als Franklin zum Sheriff bemerkte: „Das gibt bestimmt mal wieder Ärger.“ Er hatte eine Schafsherde gesehen. Sie ritten weiter, bis sie bei der Herde Schafe standen. Von den Schafen war ein lautes Mähen zu vernehmen, worauf der Sheriff brummte und Franklin zunickte. Man hörte schon ein lautes Muhen, Brüllen und Lachen, daneben fielen auch Schüsse. Nun bannte sich der Sheriff einen Weg durch die Schafe, bis er zur Stelle des Gebrülls kam, dann schoss er in die Luft und rief: „Jetzt reicht es, ich glaube, er hat es kapiert.“ Es waren zwei Cowboys von der McConnell–Farm, die einen mexikanisch anmutenden Schäfer mit Pistolenschüssen zum Tanzen aufgefordert hatten. Im Hintergrund war eine große Herde Rinder. Als sich die Situation langsam entspannte, sagte einer der Cowboys mit lauter Stimme zum Sheriff: „Der scheiß Bohnenfresser weiß doch, dass die Weiden nur für Rinder sind und nicht für seine blöden Schafe, er soll wieder zurück, wo er hingehört.“ Der Sheriff erwiderte: „Das mag wohl stimmen, aber ich dulde hier keinen Streit, auch wenn ihr Cowboys von McConnell seid. Kümmert euch um eure Rinder, hinten ziehen diese nämlich schon fort. Ich kümmere mich um diesen Mexikaner.“ Einer der Cowboys galoppierte nach hinten, um die Herde zusammenzuhalten. Der Sheriff blickte noch mit einem mahnenden Blick zu dem armen Mexikaner, ließ ihn dann aber seiner Wege ziehen und rief ihm noch hinter her: „Such dir doch besser in einen anderen County Weidegrund.“ Der Mexikaner mit zitternder Stimme: „Sí, sí, señor.“ Er drehte mit seiner Herde Schafe um, doch die Cowboys rannten ihn mit der Rinderherde fast lachend um, letztendlich ließen sie ihn aber weiterziehen.
Der Sheriff reihte sich hinter den Cowboys ein, um wieder zurück zum Ortseingang zu reiten, wo Franklin mit dem gefangenen Schmit wartete. Sie mussten eine noch nicht fertig gestellte Brücke umreiten, damit sie in den Ort gelangen konnten. Schmit dachte, dass er Glück gehabt hatte, da das Wasser nur bis zu seinen Knöcheln ging. Es arbeiteten vorzugsweise Mexikaner und chinesische Einwanderer an der Brücke. Um diese anzutreiben, brüllte ein Aufseher lauthals. Schmit konnte sich einen Eindruck von dem Ort machen: Er sah zur linken Seite. Dort war eine eingezäunte Scheune mit vier Pferdeboxen, er konnte es deswegen sehen, weil das Tor vorne und hinten offen war, auf dem eingezäunten Gelände war auch direkt die Schmiede, erkennbar durch das Schild „Hendricks Smith“, daneben die Preistafel. Hinten war noch mal ein zusätzliches Stück eingezäunt, hier stand ein Lipizzanerhengst, dieser war ziemlich rassig und bockte unruhig von dem einen Eck ins andere Eck. Der Sheriff rief dem Hufschmied Hendricks zu: „Du findest bestimmt nie einen, der den zureitet.“. Hendricks erwiderte: „Du musst es ja wissen auf deinem alten Gaul.“ Der Sheriff lachte. Dann sah Schmit rüber zur rechten Seite, dort war ein Krämerladen mit einigen Artikeln für den täglichen Bedarf. Innen war es recht dunkel. Daneben stand ein Wohnhaus, so wie man es in der Gegend kannte. Sie gingen noch ein Stück weiter, dann sah Schmit auf der linken Seite eine Baustelle, auch hier arbeiteten Mexikaner. Hinter der Baustelle wurden Zelte für die Bauarbeiter aufgestellt. Auf der rechten Seite war ein Saloon, die Tür schwankte auf und zu, von drinnen waren Musik und Gesang zu hören. Noch ein Wohnhaus links und dann war rechts das Sheriff‘s Department, hier hielten die drei an. Schmitt sah weiter vorne einen großen Marktplatz, wo Obst, Gemüse und Felle von den Einheimischen zum Tausch mit den Indianern gegen Bares oder andere Wertgegenstände gehandelt wurden. Hinter dem Markt stand eine Kirche, dann ging der Weg nach rechts ab in Richtung Schienen.
Am Sheriff’s Department sagte der Sheriff zu Franklin: „So, dann wollen wir den mal in die Zelle bringen.“ Franklin machte die Fesseln von den Handschellen los, und er und der Sheriff griffen sich ein Gewehr aus der Satteltasche, führten Schmit hinein in die Zelle. Das Department war nur mit dem Nötigsten ausgestattet. „Wenn es Essen gibt, bekommst du auch die Knebel ab“, sagte der Sheriff, der mittlerweile auf seinem Schaukelstuhl am Schreibtisch saß. Dann schloss Franklin die Tür der Zelle zu. Der Hilfssheriff Franklin hatte schwarze Haare, meist trug er einen Dreitagebart, war schlank und eher von durchschnittlicher Größe.
Ein paar Minuten später galoppierte ein Mann bis zum Departement. Er klopfte an die Tür. Der Sheriff rief: „Wenn du es bist, Schatz, dann brauchst du nur hereinzukommen.“ Der Mann öffnete mit einem verstohlenen Schmunzeln die Tür. Montgomery, schluckte kurz, wollte dann aber wissen: „Und, wie kann ich denn helfen?“ Der Fremde trug Koteletten, welche die Ohren entlangwuchsen. Sein stechender Blick konnte jedem einen kalten Schauer den Rücken runterlaufen lassen. Die Zigarre wanderte immer im Mund umher, nur vor der Kirche drückte er diese an der Eingangstür aus. Der Mann sah einen in der Zelle liegen. „Ist das der Mörder der Familie Arthur?“ Der Sheriff nickte und schickte Franklin in den Saloon. Dies tat Franklin, ohne sich dabei was denken, im Saloon war ja immer was los. Der Mann gab zu verstehen, dass er von der McConnell-Farm sei. „Mir wurde gesagt, dass sie schon Bescheid wüssten“, fuhr er fort. Montgomery erwidert: „Ja.“ Dann griff der Mann mit dem stechenden Blick in die Innentasche seiner Jacke, der Sheriff wusste nicht, was nun geschehen würde und packte sicherheitshalber seinen Revolver, jedoch holte der Mann nur einen Bündel Scheine aus der Tasche und übereichte diese dem Sheriff. Montgomery nahm sie mit einem Grinsen an. Nun wusste Schmit, dass er dem Sheriff nicht vertrauen konnte.
Ein paar Minuten später kam des Sheriff’s Frau Miriam mit einem heiß dampfenden Topf Chili con Carne und knusprigem Brot dazu. Miriam stellte den Topf auf den Tisch und sagte zu ihrem Mann: „Guten Appetit, William.“ Der Sheriff holte aus seiner Schublade einen Teller, nahm sich eine ordentliche Portion und haute erst mal rein. „Mister William Montgomery, du sollst doch nicht so schlingen, sonst bekommst du wieder Magenkrämpfe!“, fuhr Miriam ihren Mann an. William murmelte nur ein leises „Ja“. Dann gab William seiner Frau einen Brief, den sie an Michael weiterleiten sollte, der wüsste schon Bescheid. „Michael soll direkt morgen früh dorthin reiten“, befahl er. Miriam ging dann wieder aus dem Department, während Franklin reinkam, sie grüßten sich kurz. Franklin hatte nichts zu berichten und bediente sich an dem Chili. Während Franklin aß, dachte er darüber nach, warum er in letzter Zeit öfter allein im Saloon nach den Rechten sehen sollte. Schmit bekam am Abend den mittlerweile kalten Rest des Chilis, vorher wurde ihn der Knebel entfernt, damit er es verzehren konnte. Dann wurde es Nacht, der Sheriff legte seine Füße auf seinen Schreibtisch und sagte zu Franklin: „Wenn du möchtest, kannst du nach Hause zu deiner Wohnung. Die Nachtschicht werde ich übernehmen.“ Darauf entgegnete Franklin: „Ja, dann. Gute Nacht, Boss.“ Der Sheriff wünschte auch eine gute Nacht, dann machte sich Franklin auf zu seiner Wohnung. Der Sheriff schaute kurze Zeit später zu Schmit, ging zu ihm und knebelte ihn wieder. „Sei schön ruhig, dann haben wir es alle bald hinter uns.“, flüsterte William. Er setzte sich an seinem Schreibtisch und beide schliefen ein.
Zur Mitternachtsstunde begann der wieder nüchterne alte Indianer Si-tah-le, sich in seiner Hütte in Trance zu versetzen. Der Indianer hatte lange graue Haare, die an seinem faltigen Gesicht herunterhingen. Unterstützt wurden die Falten noch durch die hängenden Wangen. Ein eher alter, gebrechlicher Mensch. Zu seiner Jugendzeit war er ein sportlicher attraktiver Häuptling gewesen und jetzt eher mager und zerbrechlich. Für die Zeremonie wurde auf einen Hocker eine alte Indianerpfeife gelegt, er füllte sie mit Cannabis und Indianerkräutern, zog sich die Trachten der Urväter an, kniete sich hin und legte den Tomahawk seines Großvaters in den Schoß, nahm einen tiefen Zug und fing an, die Lieder, die ihn sein Vater zu singen gelehrt hatte, er betete das Gebet der Wahrheit und rief die Geister an, um zu erfahren, was er machen sollte.
Nun war er im Geist einer Maus im Büro der McConnell-Farm, hier fing die Geschichte des Endes der Arthurs an, alles war im Nebel und doch klar sichtbar. Er hörte die kräftige Stimme von McConnell: „Ist das klar, wie es zu laufen hat, oder muss ich es noch malwiederholen?“ Dann sagte ein Mann von vornehmer Gestalt, aber schwarz wie die Nacht gekleidet: „Mr. Carlo Rafael McConnell, Sie haben einen Profi engagiert, für mich zählen nur die Fakten und die Dollars. Natürlich ist mir alles klar, bis auf diesen alten alkoholisierten Indianer, was soll er in der Geschichte?“ „Der Indianer wird Sie zur Farm bringen, da es keinen festen Weg dorthin gibt. Außerdem hat er das ein oder andere Mal den Arthurs geholfen. Er ist zudem ein bekannter glaubwürdiger Sündenbock. Sie werden keine Probleme mit dem Gesetz haben, dafür habe ich schon einen kleinen Widerling, der meiner Tochter zu nahegekommen ist.“
Dann wurde Si-tah-le kurz schwarz vor den Augen und er flog als Adler über einen Garten. Er sah an einen Springbrunnen neben einer bronzenen Stierskulptur den Sheriff und McConnell auf einer Bank sitzen. „William, du weißt, dass wir wissen, dass das Geld, das wir dir für das Maisfeld damals gegeben haben, wieder von dir verzockt wurde, das soll doch wohl deine Frau Miriam nicht erfahren, oder?“ Der Sheriff flehte: „Nein, bitte nicht, Mr. McConnell, die Spielsucht habe ich doch schon vor Michaels und Benjamins Geburt beendet, doch die Verlockung war zu groß!“ „Na, siehst du. Da hast du ja Glück, dass ich ein barmherziger Mann bin. Dann mache noch diese eine Sache, schau bei den Arthurs nicht so hin, mach das, was ich gesagt habe, und du bekommst auch noch mal Geld, was du damit machst, ist deine Sache, doch denke daran, dass deine Frau wissen wollen wird, woher du das Geld hast.“ McConnell stand auf, während er noch dem Sheriff riet: „Dann wirst du es wohl wieder verzocken müssen.“ Der Nebel zog sich zu.
Si-tah-le wurde wieder schwarz vor Augen, er kam kurz zu Bewusstsein und nahm einen kräftigen Zug. Jetzt stand er als Wapiti am Wegesrand und folgte seinen vergangenen Ich, welches mit dem Profikiller und dem Jungen ritt. Als sie fast am Ziel angekommen waren, zeigte der Indianer in Richtung Arthur-Farm und machte kehrt. Plötzlich kamen drei Reiter zur Arthur-Farm gestürmt, hierbei galoppierten diese den Killer und den Jungen um. Sie stürzten und es war eine große Blutlache zu sehen. Die Reiter kamen bei der Farm an, einer der drei stieg ab und ging zur Tür. Es wurde wieder nebelig.
Si-tah-le nahm die Gestalt eines Kaninchens an. Er sah sich vor dem Sheriff‘s Department mit dem Sheriff reden: „Jakubo hahiee kohr. Hau großer weißer Sheriff.“ Der Sheriff fragte: „Was willst du?“ „Da ist Mann hatte Tod gemacht die Arthurs“, antwortete der Indianer. „Ich zeigen dir, wie Weg ist hin, du geben mir dann Flasche Feuerwasser.“ Der Sheriff ging rein und kam mit dem Hilfssheriff wieder raus, sie machten die Pferde bereit, und als der Sheriff aufstieg, flüsterte er leise: „Das muss so klappen.“ Es wurde wieder nebelig.
Ein letztes Mal verwandelte er sich, diesmal in einen alten Baum. Er sah seine Taten. Er sah, wie er sein erstes Kaninchen jagte und zerlegte. Er sah, wie er damals im Krieg gegen den weißen Mann Erfolg hatte. Er sah, wie er seine Frau bekam. Er sah, wie ein Mann in seinem Tipi mit seiner Frau stand. Er sah, wie er den Tomahawk seines Großvaters nahm. Er sah, wie er den Schädel des Mannes spaltete. Er sah, wie ihn alle verließen und wie er allein lebt. Er sah sich im Schnelldurchlauf immer wieder nach der Flasche Feuerwasser greifen. Er fragte die Geister seiner Ahnen, diese zeigten ihm den Mann, der er erschlagen hatte, es war sein verschollener Bruder. Si-tah-le nahm den Tomahawk seines Großvaters und spaltete seinen Schädel so, wie einst seinen Bruder.
Am Sonntagmorgen wurde Ruidoso Elida von einem Gackern und Krähen geweckt. Dann hörte man einige Leute redend an dem Department vorbeigehen. Nach kurzer Zeit setzte die Glocke der Kirche ein. Dann wurden der Sheriff und Schmit wach, Franklin kam ins Sheriff‘s Department. Es begrüßten sich William und Franklin zugleich, Schmit wurde mit einem kurzen Nicken von Franklin ebenfalls gegrüßt. Benjamin war mit seiner Mutter schon da, sie saßen an einem kleinen Tisch zum Frühstück. Schmit bekam ein kleine Tasse Kaffee und ein Stück trockenen Kuchen vom Vortag von Miriam. Benjamin schaute zu Franklin und scherzte: „Wie immer zu spät, Franklin.“ Franklin schaute ihn nur mit genervtem Blick an und sagte erst mal nichts. Dann meinte William zu Franklin: „Benjamin hat aber recht. Michael ist auch schon unterwegs. Ihr habt was verpasst, Michael war schon recht früh hier. Er ritt wie immer seine Runde um den Wald, seine Stute muss ja immer bewegt werden.“ „Stopp, das wissen wir doch schon“, unterbrach Miriam, William setzte weiter fort: „Ja, ja, lass mich erst mal ausreden. Er ritt also das kleine Waldstückchen entlang, kam an der alten Blockhütte des Indianers Si-tah-, äh, ach ihr wisst schon.“ „Si-tah-le“, ergänzte Franklin, genervt fuhr William fort: „Jetzt haltet doch mal euer Maul und lasst mich einfach weitererzählen. Er kam also an der Hütte des Si-tah-les vorbei, der morgens genau zum Sonnenaufgang immer draußen sitzt und seine Flasche trinkt. Diesmal saß er nicht draußen, das fand Michael doch komisch und schaute kurz durch das Fenster, da sah er den Schrecken. Si-tah-le lag dort.“ Er schluckte kurz. „Alles voller Blut, der Schädel bis zum Hirn gespalten, der blutige Tomahawk daneben, einfach furchtbar, was muss in dem alten Mann vorgegangen sein?“ Entsetzt ging Miriam dazwischen: „Ach du meine Güte, ach du meine Güte. Der alte Indianer war doch immer so höflich. Wurde er schon begraben, war er Christ, gehörte er zur Indianerreligion?“ William erzählte weiter: „Daraufhin ritt Michael kurz hierher, erzählte mir alles und ich riet ihm dazu, sich bei einen der Indianer auf dem Marktplatz zu erkundigen. Bis jetzt ist er noch nicht wieder da, aber ich vertraue darauf, dass alles gut geht.“ Sie schwiegen erst mal ein paar Minuten.
Michael kam wieder vor dem Sheriff‘s Department an und ging hinein. „So, mit dem Indianer ist alles geklärt. Ach, guten Morgen, Franklin. Ihr wisst Bescheid?“, erzählte Michael. Alle nickten. Miriam fragt: „Welcher Religion gehörte Si-tah-le denn an?“, „Weiß ich doch nicht, die Indianer vom Marktplatz kümmern sich halt darum, ich muss jetzt aber auch weiter zur Colorado Territorial Correctional Facility in Cañon City, Colorado. Ist ein Tagesritt, wegen Formularen“, fuhr Michael weiter fort. Sheriff William: „Dann wollen wir dich nicht weiter aufhalten, bis morgen.“ Michael machte sich schnell auf dem Weg am Marktplatz vorbei in Richtung Cañon City. Miriam forderte auf: „Na, dann lasst uns erst mal in die Kirche gehen, Parson Brown wartet bestimmt schon.“ Familie Montgomery machte sich auf zur Kirche, vorher sagte der Sheriff zu Franklin, der im Department blieb: „Nachher kommt noch Joe, du weißt schon, mein Hilfsarbeiter von der Mühle, und hilft dir, vor dem Sheriff‘s Department ein Pavillon aufzustellen, damit die Auktion für den Verkauf der Arthur-Farm und des dazugehörigen Landes beginnen kann.“ An der Kirche angekommen sahen sie die Meisten schon sitzen, außer den ersten beiden Reihen waren alle schon voll. Parson Brown war noch nicht zu sehen. Der Sheriff ging nach vorne und zog seinen Hut aus. Benjamin wurde von seiner Mutter auch ermahnt, den Hut abzunehmen, was Benjamin leicht errötend auch tat. William Montgomery wurde von den Kirchengängern teils als Sheriff, teils aber auch als Bürgermeister, weil er dieses Amt auch innehatte, begrüßt. Sie setzten sich nebeneinander in die zweite Reihe, bis die einflussreiche Familie McConnell kam. Carlo Rafael McConnell ging vornweg, auch er wurde von den Kirchenbesuchern achtsam gegrüßt. Hinter ihm gingen seine Frau Jennifer und seiner Tochter Maria und setzten sich neben Carlo in die erste Reihe. Neben Familie McConnell platzierten sich die Familie des Vorabeiters und die rechte Hand von McConnell: Richard Franklin, seine Frau Susan und sein Sohn Martin. Parson Brown betrat von einer Hintertür die Kirche und ging zur Kanzel. Seine Predigt begann er mit Worten des Bedauerns: „Liebe Gemeinde, sehr geehrter Herr Bürgermeister Montgomery, sehr geehrter Mister McConnell, diese Predigt muss ich leider ohne die Anwesenheit einer von uns geliebten, gläubigen Familie machen. Familie Arthur verließ diese Welt viel zu früh…“
Nach der Messe verabschiedete sich Parson Brown draußen von der Familie Montgomery, dann von den Familien McConnell und Franklin, daraufhin vom Rest der Gemeinde. Montgomery verabschiedete sich von Miriam und Benjamin und ging zum Department. Benjamin und seine Mutter blieben auf dem Markt. Hier fand, wie jeden dritten Sonntag im Monat, ein kleines Fest statt. Es gab eine Tombola, deren Einnahmen gespendet wurden, man konnte Dosen werfen und ein Messerwerfer zeigte sein Können. Für die Kleinsten wurde ein Karussell neben dem alltäglichen Markt aufgestellt. Die Indianer waren nicht mehr da, diese trauerten um Si-tah-le und bestatteten ihn. Am Department wartete auch schon Franklin auf William, während Joe schon weg war. „Gut, ist ja alles wunderbar vorbereitet, dann kann es ja losgehen“, fing der Sheriff an. Es kamen ein paar Interessenten. Einige tuschelten, dass es schon klar sei wer die Arthur-Farm kaufen würde, entweder McConnell oder die Farmersleute der Smith-Farm, die auch sehr nah an der Arthur-Farm lagen, mit viel Weideland. Alle Interessenten waren da und die Auktion begann. Da der Preis für die Farm schon enorm hoch war, konnten sowieso nur die Smiths und die McConnells bieten. „Na, Smith, alter Kumpane, sind nur wir übrig. Wie hoch bist du bereit zu bieten?“, fragte McConnell. Trotzig antwortete Smith: „Ich werde dich diesmal überbieten, deine Farm ist auch viel weiter weg.“ Dann spürte Smith einen Revolver im unteren Rücken, es war einer der Cowboys der McConnell-Farm, der Sheriff erkannte ihn, er war gestern auch bei dem Mexikaner mit der Schafsherde gewesen, er schwieg. McConnell grinste Smith schäbig an: „Bist du dir sicher?“ Smith nahm sein Angebotsschild runter und stieg aus der Auktion aus. „Herzlichen Glückwunsch, die Farm wechselt ihren Besitzer, hier sind die Papiere, Mr. McConnell. Sie brauchen nur noch hier unten zu unterschreiben“, sagte der Sheriff und Bürgermeister. McConnell legte das Geld auf den Tisch, nahm die Hälfte des Geldes dann wieder an sich und verkündete: „Die Hälfte werden wir wohl für die Tombola spenden, soll auch ein Dienst an die Gemeinde sein.“ William konnte nur noch zustimmen. Die an der Auktion Interessierten gingen nun zum Fest.
Währenddessen ritt Michael zum Gefängnis in Colorado, da es einen durchgehenden Tagesritt entfernt war, wurde Michael mit dem Brief nach Cañon City geschickt. William musste als Sheriff und Bürgermeister vor Ort bleiben, Franklin sollte so wenig wie möglich von dem Komplott wissen und Benjamin hatte nicht das gute Durchhaltevermögen wie Michael mit seiner Araberstute Aljamal. Die beiden waren ein perfektes Gespann. Sie eilten an einigen Städten vorbei wie beispielsweise Santa Fe, New Mexico und an Alamosa, Colorado. Bevor Michael das Gefängnis erreichte, sah er auf dem Weg zwischen Alamosa und Cañon City einen kleinen Ort, wo der Zirkus aufgebaut wurde. Einige Meter weiter entfernt wurde ein Zirkuswagen von einem muskulösen Mann angestrichen, er wurde von einem anderen Mann, der hinter seinem Schminkspiegel saß und sich einen falschen Bart anklebte, kritisiert: „Du sollst doch den Zauberer überstreichen, sonst hat das doch keinen Zweck, Dummbrot. Stattdessen soll da ‚Dr. Wagner – Der Wunderheiler aus den deutschen Landen, Land der Wundermedizin für Potenz und Erfolg‘ stehen, Dummbrot.“ Der muskulöse Mann, den Dr. Wagner nur mit Dummbrot ansprach, malte das, was ihm befohlen wurde. Ein Liliputaner stand auf einem kleinen Hocker am Lagerfeuer mit einem großen Topf, gab eine Prise Salz hinein und vervollständigte es noch mit Essig „Noch mehr Essig rein, Medizin ist bitter, du Wichtel“, schimpfte Dr. Wagner. Der kleine Mann rührte das Gebräu um. Eine chinesische Frau füllte es in Flaschen ab, hierauf rüffelte Dr. Wagner: „Gieß doch nicht so viel daneben, Pekingente! Du willst noch mit mir später Spaß haben.“ Michael schien es nicht ganz koscher zu sein, aber er ritt weiter und dachte: „Ist ja noch keiner umgekommen, soll sich der Sheriff der Countys drum kümmern, damit hat mein Vater nichts zu tuen.“ Am nächsten Morgen kamen Michael und sein Pferd Aljamal am Gefängnis in Cañon City an, er sprach mit einem der zwei Wachmänner in den zwei Wachhäuschen: „Guten Morgen, kann mir hier jemand weiterhelfen?“ Einer der beiden wollte wissen: „Wie kann man Ihnen den helfen?“ „Ich möchte den Direktor Montgomery sprechen“, antwortete Michael der Wache und gab ihm den Brief seines Vaters. Auf dem Brief war der Antrag für einen Gefängnistransport notiert. Dann klopfte der Wachmann ans Tor, ein anderer Wachmann hinter dem Eingang öffnete eine winzige Luke. Der Wächter hinter der Luke fragte kurz angebunden: „Ja?“ „He, Luke, da will jemand zum Direktor Montgomery für einen Gefangentransport.“ Luke erwiderte: „Ja, dann immer rein mit dem Jungspund, wenn er sich traut.“ Die drei Wachmänner grinsten ihn nur dumm an. Michael macht seine Stute fest, dann ging er mit zwei der Wachmänner über den Hof. Auf dem Hof arbeiteten einige Gefangene in schwarz-weiß gestreiften Anzügen sie machten aus großen Steinen kleine Steine mit Picken und Hämmern, alle waren aneinandergekettet. „Der Schutt ist für die Eisenbahnen, damit die Sträflinge auch halbwegs sinnvoll ihre Zeit absitzen“, erzählte Luke, nachdem Michael, doch leicht irritiert geschaut hatte. Sie gingen weiter ins Verwaltungsgebäude hinein, eine Treppe hinauf, den Flur entlang bis zur Tür des Direktors. Einer der Beamten klopfte an der gestern noch frisch gestrichenen Tür, darauf sagte der Direktor: „Ja, bitte.“ Der Wärter sagte durch die noch geschlossene Tür: „Da will Sie jemand sprechen, Direktor Montgomery, es geht um eine Gefangenenüberführung.“ „Ja, okay, dann mal rein“, schnaufte der Direktor. Der Wärter öffnete die Tür, gab Michael den Brief wieder und Michael ging in das Büro, der Wärter folgte.
Dann schauten sich Michael und der Direktor kurz an, der Wärter wurde vom Direktor rausgeschickt. Direktor Montgomery begrüßte Michael: „He, Neffe, schön dich wiederzusehen. Doch wegen eines Familientreffens bist du ja nicht hier.“ „Nein, aber trotzdem ist es auch schön, dich zu sehen, Onkel. Mein Vater muss einen Gefangen hierher verlegen lassen.“ Michael reichte seinen Onkel den Brief: „Ja, okay, aber ist denn nicht New Mexico für ihn verantwortlich?“ „Na, er dachte, weil es in der Familie bleibt, sei es unbürokratisch.“ Der Direktor las sich geschwind den Brief durch, murmelte und nickte: „Na gut, meinetwegen. So, jetzt wollen wir uns erst mal um dich kümmern, du hast bestimmt auch Hunger und Durst, bist bestimmt ohne Pause durchgeritten. Winston, Winston! Bringen Sie uns doch was von den Würstchen und einen Krug Limonade. Dann können Sie auch der Araberstute meines Neffen, Aljamal, draußen Heu und Wasser bringen“, rief der Direktor raus. Winston brachte die Sachen und kümmerte sich dann um Aljamal. Während sie aßen und tranken, fragte der Direktor: „Kann ich dann auch Aljamal wiedersehen?“ Michael sagte darauf: „Ja klar, sie hat sich prächtig entwickelt, das war das schönste Geschenk, was man mir machen konnte, Onkel.“ „Dann können wir ja, wenn du gegessen und getrunken hast, los, und ich mach mir noch mal ein Bild von Aljamal“, fing der Direktor an: „Luke, Winston, machen Sie die Gefangenenkutsche startklar. Es wird aber einen halben Tag länger dauern, Michael, mit diesem Gespann, wir haben ja nicht so eine prächtige Stute wie du.“
Der Direktor verabschiedete sich: „Man sieht sich noch zu Thanksgiving, bei uns oder bei euch, ich habe aber noch einiges zu tun, Papiere, Papiere, Papiere. Winston, Sie kommen, wenn Sie fertig sind, bitte in mein Büro. Luke und Thomas, Sie kümmern sich um Michael und fahren mit ihm nach Ruidoso Elida, Michael kennt den Weg.“ „Bis dann, Onkel“, sagte Michael. Michael, Luke und Thomas erledigten noch die letzten Schritte, damit die Kutsche startklar war. Sie spannten die Haflinger an, Michael ritt vorne her mit seiner Aljamal. Auf der Hälfte der Strecke hatte eine Siedlerfamilie Probleme mit ihren Wagen. Das Rad war durchgebrochen. Da der Vater der Familie krank war, konnte er den Wagen nicht anheben. Thomas hielt die Kutsche an und stieg von dieser. Er und Luke hoben den Wagen an, während Michael das neue Rad anbrachte. Die Familie bedankte sich und schenkte einen Laib Brot, da sie nicht viel Geld hatte. Michael lehnte allerdings ab: „Behaltet es mal für euch, in vier Kilometern kommt eine kleine Stadt, da solltet ihr euch erst mal ausruhen.“ Die Siedler bedankten sich und fuhren weiter. Die drei machten sich auch weiter auf dem Weg. Nach anderthalb Tagen kehrten Michael, Luke und Thomas in Ruidoso Elida ein. Sie hielten vor dem Sheriff‘s Department. Luke scherzte zu Thomas: „Wahrlich ein kleiner Ort gegen unsere Stadt.“ Sie lachten.
Währenddessen zur gleichen Zeit an der Grenze zur USA in Mexiko. Nach der Trauerfeier für José Francisco Villa löste sich sein Bruder Rafael von den Trauergästen und setzte sich zu seinem Onkel Francisco Villa auf eine Parkbank, die zum Anwesen von Francisco Villa gehört. Sie unterhielten sich auf Spanisch. „Ich finde es richtig, dass José neben unserer Mutter Carmen liegt“, fing Rafael an. Francisco sagte: „Das ist doch Ehrensache, Carmen war eine wunderbare Frau, ich war zwar nie mit diesen kuriosen Schotten einverstanden. Dass er sie nie geheiratet hat, ist eine Schande, doch hat sie sich immer gut um die Familie gekümmert.“ Rafael schaute sich um und staunte: „Ist ja jede Menge passiert. Die alte Bruchbude ist wie ein Schloss.“ „Das haben wir dann Carmen zu verdanken, der Schotte hat uns viel Geld eingebracht. Mit seinem Sohn mache ich heute noch Geschäfte. Seine Farm ist noch größer als mein bescheidenes Heim“, erzählte Francisco. „Der McConnell?“, fragte Rafael barsch. Der Onkel ließ durchblicken: „Ja, Rafael, du bist ein guter Neffe, kümmerst du auch um die Familie, aber McConnell hat was aus sich gemacht. Ohne seinen Vater und meine Schwester hätte ich keinen hilfreichen Neffen, all das wäre hier Brachland. Ihr zieht nur durch das Land im Norden, vergewaltigt und mordet und bekommt nichts auf die Reihe.“ Rafael wollte gerade etwas sagen, als der Onkel ihm noch mal ins Wort fiel: „Ihr hättet, als ihr eurem Halbbruder geholfen habt, was ihr wohl gar nicht wusstet, auch richtig helfen können. Die Familie Arthur, die ihr bei Ruidoso Elida getötet habt, sollte nämlich sterben. Ein Cowboy konnte den Killer, der engagiert und von euch niedergeritten wurde, noch befragen, und er hat euch erkannt, sicherlich hätte McConnell euch dafür belohnt.“ Rafael blickte nach unten auf sein Bein, der Onkel fuhr weiter: „Am Bein hast du dich auch verletzt, bleib eine Nacht hier und der beste Arzt der Stadt wird dich versorgen. Dann solltest du zu McConnell reiten, dort kannst du dann die Lieferung abgeben. Das ist die Chance, die ich dir biete, versau es nicht, bring keine Schande über die Familie und denk an deine gute Mutter Carmen.“ Rafael verlangte: „Ich will mich aber an diesen Europäer rächen.“ Francisco bestätigte: „Rache sollst du auch nehmen, aber beweise zuerst, dass du es auch wert bist.“ Francisco ließ seinen Neffen von seinem Butler ins Haus bringen und das Gästezimmer beziehen. Danach sollte der Butler noch Dr. García kommen lassen, damit dieser Rafael behandelte. Dr. García kam ins Haus und wurde ins Gästezimmer geschickt, hier lag Rafael in einem Bett. „Dann zeigen Sie mal, Señor Villa“, bat Dr. García. Rafael krempelte die Hose hoch, verzog sein Gesicht dabei und erklärte: „Der Europäer hat mir das Bein zertrümmert, der Knochen guckte raus, ich konnte noch wegreiten, einige Meilen später habe ich es notdürftig mit einem Stück des Ponchos binden können.“ Der Arzt fragte: „Hat der Europäer das alleine gemacht oder mit einem Hammer oder Ähnlichem?“. Rafael reagierte wütend: „Meinen Sie, ich könnte mich nicht wehren? Er hatte gerade meinen Bruder erschossen und mich unglücklich erwischt, sonst wäre es anders verlaufen.“ García nahm vorsichtig den Verband ab und Rafael bat erzürnt schreiend nach Tequila, welchen er vom Butler auch bekam. Der Doktor schaute sich das gebrochene Bein an: „¡Ay, ay, ay! Das wird mehr als eine Nacht, aber wir kriegen das hin.“ Er ließ den Butler kommen, holte eine Flasche Diethylether raus, um Rafael damit zu betäuben. Er beträufelte ein Tuch mit dem Diethylether und wollte Rafael damit betäuben: „Señor Villa, nun werde ich Sie mit diesem Mittel betäuben, dann kann ich Ihr Bein schmerzlos einrenken, das ist das Neueste in der Medizin, von US-Medizinern erforscht.“ Rafael riss ihm das Tuch aus der Hand und warf es auf den Boden: „Dieses US-Gift kommt nicht in meine Nähe, geben Sie mir was zum Draufbeißen, ich gieß mir noch Tequila in die Kehle, dann kann es losgehen.“ So hatte es sich der Arzt schon gedacht. Der Butler sollte ihn zusätzlich noch festhalten. „Also gut, ich zähle dann bis drei, dann renke ich den Knochen wieder ein. Eins, zwei…“ Und der Knochen wurde eingerenkt. „Verfluchte, ah!“, stöhnte Rafael, bedankte sich dann mürrisch bei García. Er vernähte die Wunde noch, säuberte sie und vergipste das Bein, was, ohne dass Rafael es erfuhr, von Niederländern aus Europa gerade erfunden worden war. Dr. García verabschiedete sich bis zum nächsten Tag. Rafael schlief ein.
Rafael musste noch anderthalb Monate bei seinen Onkel bleiben, er wurde mehrmals die Woche von Dr. García betreut. Dann konnte García ihm eine Schiene anfertigen und diese an seinem Bein befestigen, Rafael brauchte nur ein paar Versuche, bis er einigermaßen laufen konnte. Francisco sah Rafael draußen und sprach ihn an: „Es wird Zeit, Rafael, wenn du laufen kannst, dann kannst du auch reiten. Komm rein, ich werde dir erklären, was du machen sollst.“ Anschließend gab ihm sein Onkel noch vernünftige Kleidung: den Anzug eines Charros mit einem Guayabera – Hemd und einen Sombrero Cordobés anstatt der mexikanischen Arbeiterkleidung und dem zerrissenen Poncho. Rafaels Pferd war vier Tage nach Josés Beerdigung gestorben, als Ersatz erhielt Rafael den Andalusierhengst mit dem Namen Jorge, eines der vielen Pferde in Franciscos Besitz. Der Neffe sollte einen kleinen Trupp anführen und zur McConnell-Farm bringen. Nachdem Rafael sich von seinem Onkel Francisco, seiner Tante Ana Villa und seiner Cousine Josefa verabschiedete, machte er sich mit einer Kutsche mit fünf Arbeitern, einer Ladung Mais und zwei Rindern auf den Weg nach Ruidoso Elida. Rafaels Trupp kam nach kurzer Zeit in Presidio Paso del Norte, dem heutigen Ciudad Juárez, Mexiko, an. Sie ritten durch die Stadt und mussten ein kleines Fest zum zweijährigen Jubiläum der Brücke Stanton Street Bridge, die Mexiko und USA verbindet, durchqueren. Auch hier wurde ein Fest ausgetragen, denn seit einem Jahr gehört El Paso zu Texas. Dieser Ehrentag wurde aber nicht von allen gefeiert, denn einige schienen in den Saloons zu versauern. Nachdem sie dann endlich wieder in New Mexico waren, musste nur noch Ruidoso Elida erreicht werden. Während des ganzen Weges schwiegen die Reisenden, auch wenn man ein leichtes Murmeln in der Kutsche hörte. Es war ruhig. Rafael dachte währenddessen über einiges nach. Anfangs war er wenig begeistert über das, was sein Onkel über ihn und seinen Bruder erzählte. Später freundete er sich mit dem Gedanken an, für seinen Onkel und die Familie etwas Gutes zu tun. Doch mit seinem Halbbruder McConnell wollte er nichts zu tun haben. Nachdem sie an Wäldern, Wüsten und Flüssen vorbeigekommen waren, konnten sie unter anderen Halsbandpekaris sehen und dann erreichten sie anderthalb Wochen später die McConnell-Farm.
Am Eingang wartete Richard Franklin auf die Lieferung, er wunderte sich: „Bist du von Villa aus Mexiko? Dich habe ich noch nie gesehen.“ Rafael schaute sich den Gringo an: „Ich bin Rafael Villa, Neffe von Francisco Villa, ich bringe diese Arbeiter, den Mais
