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Hiermit wird nach dem ersten Band Fremdsein-Romantiker der zweite Band präsentiert. Darin findet man Lyrik, Aphorismen und Anekdoten.
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Seitenzahl: 66
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Für meine Familie
Vorwort
Nie wieder Mauern in den Köpfen
Die Annenstraße in Graz – Eine Autobahn der Migration
Murgeflüster
Schlossbergbilder
Grenztexte
Marathon Leben
Gegen demagogische Gottesbilder oder Warum mir Atheisten manchmal lieber sind
Aus einem Ei entschlüpft – Einkehrtage im Shalom Kloster
Ein Klavierkonzert mit Orchester
Heitere und ernsthafte Begegnungen.
Im Jahre 2015 brachte ich den ersten Band „Fremdsein-Romantiker“ heraus. Nun liegt der zweite Band vor.
Mauern in den Köpfen verhindern mehr denn je das friedvolle Zusammenleben von Menschen aus verschiedenen Kulturen, Traditionen, Religionen und Weltanschauungen. Die Annenstraße in Graz ist und wird auch in Zukunft eine Autobahn der Migration bleiben. Ganz leise flüstert die Mur. Unser Wahrzeichen, der Schlossberg, ist die Seele unserer Stadt.
Grenzen müssen ausgelotet werden und das Leben erfordert Durchhaltevermögen.
Gegen eine gesunde Religiosität ist nichts einzuwenden. Auszeiten als Energiequelle. In der schönsten Jahreszeit sprießen die Knospen.
Im Kleid der Lyrik, Aphorismen, Kurzprosa und Anekdoten, leiste ich gegen den populistischen Zeitgeist Widerstand und lade Sie dazu ein, mitzudenken. Im letzten Kapitel kommt uns der Humor entgegen.
Graz, 2019, Johannes Ithaler
Berlin ist eine weltoffene Stadt geworden. Auf Schritt und Tritt begegnet man der neuen Lebenskultur seit der sogenannten Wende 1989.
Aus
allen Herren Ländern
kommen sie
in die
geschichtsträchtige Stadt.
Die deutsche Metropole
ist heute
ein Knotenpunkt
für die Völkerverständigung.
Im Taxi
wird
die Pupille
erweitert
und
Berliner Luft
geschnuppert.
Es schien
nicht Zufall,
sondern Bestimmung,
in der Hotel-Pension
Fasanenhaus
gelandet zu sein.
Das Berliner Literaturhaus
für fünf Tage
als Nachbar
zu schätzen.
Im offenen
Citybus
großartige Architektur
bestaunen.
Sich
eine Übersicht
über Geschichte
und
komplexe Themen
verschaffen.
schien
die Ausführungen
der Touristenführerin
zu meditieren.
So ruhig
fuhren wir
auf dem Fluss
dahin.
Bei einer
der
unzähligen Brücken
kam die Bemerkung:
„Ist es nicht großartig,
dass man jetzt
über diese Brücke
gehen kann,
ohne
Angst haben zu müssen,
erschossen zu werden?“
Der Berliner Fluss
hat viel
donnernde Schüsse
und Schreie
gehört.
Die
blutige Färbung
kann man sich
heute
kaum mehr
vorstellen.
In der Stadt
viele Brücken.
In der Stadt
viele Gräben.
Brückenbauer
gesucht!
Von Mensch
zu Mensch
Brücken bauen.
Und
über den Graben
der Einsamkeit
entstehen Freundschaften
fürs Leben.
„Achtung!
Sie verlassen
nach 70 Metern
West-Berlin,“
hieß es von 1961 – 1989.
„Ich bekam eine Gänsehaut,
als ich durch dieses Tor ging“,
erzählte mir meine Schwester
vor wenigen Wochen.
Als ich mich
durch dieses Tor
bewegte,
traf ich
auf einen musizierenden
Orgeltrexler
in buntem Kostüm.
Alexander bestellte
eine heiße Brezel
und ein Trabi-Rikscha-Fahrer
wartete auf Fahrgäste.
Als die Mauer 1989
in sich zerfiel.
Man die Freiheit
wie eine Braut
begrüßte ...
Nach
vielen Ehejahren
stellte man fest,
dass Treue
zum Bund,
ein unbezahlbares
Gut ist.
Das sagenhafte
Nobelhotel
am Pariserplatz
hat viel Geschichte
überstanden.
Wer es
sich leisten
kann,
mag es besuchen.
Wir betrachteten
den Eingang
und
die Fassade.
Der Portierbursche
im standesgemäßen
Kostüm
trug gerade
einen Koffer
in irgendein
Zimmer.
„Nie wieder“, sagten fast alle.
Während ich mir die Multimedia-Ausstellung „Erlebnis Europa“ anschaue, die didaktisch gut aufbereitet ist und Mut machen will, an einem humanistischen Europa weiter zu bauen, sehe ich die Mauern in den Köpfen immer noch.
Doch
alle Mauern
fallen irgendwann.
In einem
amerikanischen
Kaffeehaus
verkosteten wir
zwei von
verschiedenen Kaffeesorten.
Die Botschaft
der Vereinigten Staaten
in unmittelbarer Nähe.
Auch die Botschaft
der Franzosen
liegt gleich
neben
dem Brandenburger Tor.
Die Deutschen
sind
den ehemaligen Alliierten
heute noch dankbar.
2014 wurde
das „Berliner Journal“
von Max Frisch
zum ersten Mal
der Öffentlichkeit
zugängig gemacht.
Als Frisch 1973 in die Sarrazinstraße zog, war er beim Einkaufen darüber verwundert, dass Verkäufer und Handwerker seine Bücher lesen.
Während
unserer Stadttour
stellte ich fest,
dass die Berliner
helle Köpfe sind.
In der Buchhandlung
Kohlhaas und Company
im Literaturhaus Berlin
erwarb ich ein Buch über dessen Geschichte
und wurde auch auf die Neuerscheinung, „Max Frisch, wie
sie mir auf den Leib rücken!“ aufmerksam.
Der Speisesaal
in Rokoko.
Die prachtvolle
Schreibstube.
Die Winterzimmer.
Friedrich der Zweite
und
Königin Charlotte.
Ein Vergleich
mit Schönbrunn
ist mehr
als nur
berechtigt.
Die Macht
und Pracht
sind überwältigend.
500 Jahre
nach
seinem Tod
wird
auch hier noch
von Martin Luther
erzählt.
In der Buchhandlung im Kaufhaus des Westens, las ich einen Witz in einem Büchlein:
„Erich, was machst Du eigentlich in der DDR?“
„Ich bin dort Generalsekretär, Mama.“
„Was ist das?“
„Weißt Du, ich bin dort so eine Art König!“
„Erich, dann musst Du aber gut aufpassen, damit Dir die Kommunisten nicht alles wegnehmen!“
Manche Museen
konnten wir
nicht besuchen,
weil
die Zeit dafür
nicht ausreichte.
Doch
der imposante Eindruck
von außen,
sprach Bände.
Studenten.
Musik.
Touristen.
Geplapper.
Es herrschte
Friede.
Die Sonne
tanzte mit.
Im Restaurant
„Charlotte“
bestellte ich mir
Melanzani
in Tomatensauce;
laut Speisekarte
eine „königliche Charlotte“,
während
der Regen
den Blick
auf das Schloss
tropfend verschleierte.
Das Café Reinhard
am Kurfürstendamm
beherbergte
die Hautevolee.
Wir mischten uns
unter sie
und beobachteten
die Schönen
und die Reichen
von der Terrasse aus.
Ein Bettler
wurde verjagt.
Im
östlichen Teil
der Stadt
konnte man
preiswert speisen.
Der Kellner
erzählte
von der
zunehmenden Armut
und
der Drogenszene
im westlichen Teil.
In einer
kleinen Kneipe
versammelte sich
Alt und Jung,
Reich und Arm.
Currywurst
und
Berliner Weiße
mit Schuss (rot oder grün).
Das
friedvolle
Zusammenleben
geht
nicht zuletzt
durch den Magen.
Die Feinschmeckeretage.
Das Restaurant mit Wintergarten.
Das weltberühmte
Kaufhaus
des Westens
ist
seit der Wende
für ALLE da.
In der Kaiser Wilhelm Gedächtnis-Kirche lauschten wir einem Teil des Berliner Orchesters.
Die Kulisse
der Glasfenster
aus Chartres.
Der
in Gold
gekleidete Christus
breitet
die Arme aus.
Doch
sein Blick
schien
uns nicht
zu treffen.
Als ob er
die Welt
nicht mehr
verstünde.
Trotzdem klangen die wundervollen Töne Händels, Vivaldis, Bachs, Mozarts und Beethovens immer noch in unseren Ohren.
Im Literaturhaus Berlin hörten wir einen Vortrag über Dakar. Die Chinesen haben dort mächtigen Einfluss auf die Wirtschaft Afrikas.
In der Stadt des friedvollen Miteinanders gibt es auch diese Transparenz.
„Der Panthophelpanther“ des Berliner Komödientheaters mit Jürgen Buchse am Kurfürstendamm lockte auch uns, bei aller schwerwiegender Geschichte, Lachsalven hervorlocken.
Im Gegensatz zu den vielen Touristen fuhr ich nicht auf den 168 m hohen Turm hinauf.
Von Oben
sieht man weit.
Das Hinaufschauen
will auch
gelernt sein.
Ein Jumpingspringer
stürzte sich
aus dem Hochhaus.
Die Akklamation
der Touristen ...
DDR-Mützen
wurden
zum Verkauf
angeboten.
Ostnostalgie?
Zum Essen
gab es
Knolle (Ofenkartoffeln).
Die
vielen Bettler
ließen mich
nicht kalt.
Doch fielen
keine Münzen.
Am Ufer
der Spree
lud
ein bunter Flohmarkt
dazu ein, auch Devotionalien
zu erwerben:
ein alt abgegriffenes Kruzifix
einen Rosenkranz aus dunklen Holzperlen
und ein kitschiges Marienbild aus dem neunzehnten
Jahrhundert.
(Am 22. April 1945 verstorben.)
Pazifistin,
Menschenrechtlerin
und
Künstlerin,
Sozialdemokratin.
Lithographien,
Kohlezeichnungen
und
Skulpturen.
Vom Bauernkrieg,
von der Not
der Menschen.
Der Arbeiterschaft,
dem Ausgenütztsein
will sie uns
heute noch
erzählen.
Im Museum beim Brandenburgertor wurde uns die Geschichte Deutschlands von 1848 bis 1990 filmtechnisch vor Augen geführt. Ein Bild davon:
Honecker
und
Gorbatschov.
Der eine
wurde
die Mauern
im Kopf
nicht los,
der andere
riss sie nieder.
Vor der Konrad Adenauer-Stiftung hängt ein großes Transparent in Gedanken an Helmut Kohl.
Der Kanzler
der
deutschen Einheit
verdient es
bis heute,
vom City-Bus aus
gesehen
zu werden.
Die extremen Sicherheitsvorkehrungen am Shabat erlaubten uns die Große Synagoge Berlins nur von außen her zu betrachten.
Nie wieder
Mauern
in den Köpfen.
Denn
das Salz
schmecken
die Toten noch,
dachte ich mir
