Freunde - Kerstin Hack - E-Book

Freunde E-Book

Kerstin Hack

4,9

Beschreibung

Freunde finden und behalten. Inspiration und Anregungen findest du in diesem Buch. Von A wie Anbahnen bis Z wie Zukunft.

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Kerstin Hack

Freunde

schlicht + ergreifend

Kerstin Hack: Freunde – schlicht + ergreifend

© 2011 Down to Earth · Laubacher Str. 16 II · 14197 Berlin

ISBN 978-3-86270-547-4

Bestell-Nr. 304219

Gestaltung und Satz: www.michaelzimmermann.com

eBook Erstellung: Stefan Böhringer, www.ewort.de

Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek sind im Internet unter http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Auch als E-Book bei den üblichen Anbietern und bei www.textunes.de als App für Smartphones erhältlich.

ISBN Print 978-3-86270-546-7; eBook-PDF: -549-8; App: -548-1

Mehr Inspiration und weitere schlicht + ergreifend-Titel:

www.down-to-earth.de

Inhalt

Einleitung

Freundschaft

Das Wesen der Freundschaft

Wie Freundschaft wächst

Berühmte Freunde

Freundschaft ist

Antworten aus der heutigen Zeit

Wie man Freundschaft ruiniert

Freunde von A bis Z

Anbahnen

Briefe

Charisma

Dankbarkeit

Ermutigung

Finanzen

Genießen

Helfen

Interesse

Ja sagen

Kennenlernen

Loslassen

Männer und Frauen

Nein sagen

Ohren

Projekte

Qualität und Quatsch

Rückblick

Streiten

Teilen

Unternehmungen

Vertrauen

Weinen und Trösten

X-mal neu anfangen

Yentl

Zukunft

Anhang

Bücher über Freundschaft

Erzählungen über die Freundschaft

Die schönsten Filme über Freunde

Was unsere Freundschaft stärkt

Die Autorin

Das Team

Einleitung

Freunde finden und behalten

Wo befreundete Wege zusammenlaufen, sieht die Welt für eine Stunde wie Heimat aus. —Hermann Hesse

Gerade habe ich eine sehr ausgedehnte, angenehme Mittagspause mit jemandem verbracht, der ein Freund werden könnte. Was ist eigentlich ein Freund?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Freundschaft zu definieren. Einige davon findest du in diesem Buch. Ich selbst formuliere es so: Ein Freund ist ein Mensch, mit dem ich freiwillig gerne Zeit verbringe und der mir im Lauf der Zeit vertraut geworden ist.

Verwandte, Vereinsmitglieder und Kollegen können nett sein und man verbringt vielleicht auch gerne Zeit mit ihnen – doch so ganz freiwillig ist das nicht. Man ist nicht immer sicher, ob man genau diese Menschen gewählt hätte. Der nette Zeitgenosse hingegen, mit dem ich die Mittagspause im Sonnenschein verbracht habe, ist ein angenehmer und interessanter Mensch. Unser Gespräch war vielseitig und bewegend. Es war eine sehr schöne Zeit – nicht nur weil die Sonne schien.

Dennoch: Als Freund würde ich ihn noch nicht bezeichnen. Dazu fehlt für mich noch ein großes Stück Vertrautheit. Wir sind uns erst wenige Male begegnet und mit dem Leben des jeweils anderen noch kaum vertraut. Ich bin gespannt auf weitere Begegnungen und das, was daraus wächst – oder auch nicht.

Freundschaft ist immer Risiko. Man weiß bei den ersten Begegnungen nicht, ob der andere tatsächlich so ist, wie er wirkt, und ob er die Sympathie erwidert. Damit Freundschaft wachsen kann, ist es nötig, sich immer wieder auf Begegnung einzulassen – mit vielen Menschen, aus denen man dann Freunde wählt. Und auf immer neue Begegnungen mit den Menschen, zu denen sich Freundschaft entwickelt hat.

Jede Freundschaft ist so unterschiedlich wie die Menschen, die sie führen. Manchmal sind geteilte Interessen die Grundlage für die Beziehung, ein anderes Mal spüren zwei Menschen innere Nähe, obwohl sie äußerlich wenig verbindet. Gelegentlich entdecken sogar frühere Feinde ihre Sympathie füreinander und werden zu Freunden. Freundschaft entsteht und entwickelt sich auf vielfältige Weise.

Dennoch gibt es Handlungsweisen, die Freundschaften zerstören, und andere, die sie stärken und haltbar machen können. In diesem Buch beschreibe ich einige davon. Ich habe es geschrieben in der Hoffnung, dass es dir hilft, mögliche Freunde zu entdecken und stabile, lebensspendende Freundschaften zu entwickeln.

Das wünsche ich dir von Herzen,

—Kerstin Hack

Freundschaft

Inspiration und Motivation

Das Wesen der Freundschaft

Der Versuch, Einmaliges zu beschreiben

Freunde zu haben bedeutet, reich zu sein. —Spanisches Sprichwort

Wie kann man etwas beschreiben, was so einzigartig und einmalig ist, wie die zwei Menschen, die es betrifft? Ich habe hier viel auf Definitionen anderer Menschen zurückgegriffen und sie mit eigenen Gedanken ergänzt.

Freundschaft bezeichnet eine positive Beziehung und Empfindung zwischen Menschen. Sie beruht auf Zuneigung und gegenseitiger Wertschätzung. In einer Freundschaft schätzen und mögen die befreundeten Menschen einander und verbringen ohne äußeren Zwang gerne Zeit zusammen.

Bis ins 16./17. Jahrhundert wurde im Deutschen nicht zwischen erworbener und angeborener Freundschaft unterschieden. »Freundschaft« und »Verwandtschaft« wurden synonym gebraucht. Heute hingegen bezieht sich Freundschaft auf den freiwilligen Zusammenschluss zweier Menschen ohne verwandtschaftliche Basis. Oder in Ergänzung dazu, wenn zum Beispiel die Schwester auch die beste Freundin ist.

Eine Freundschaft ist kein Selbstläufer, sondern beinhaltet aktive Prozesse. Sie wird zu Beginn »geschlossen«, kann aber bei mangelnder Pflege, Enttäuschungen oder Disharmonien auch »erkalten«.

Freundschaftliche Beziehungen werden oft nach dem Grad ihrer Stärke abgestuft: Die schwächste Form ist die »Bekanntschaft«. Im Gegensatz dazu ist »der Freund fürs Leben« die Beschreibung einer intensiven und bedingungslosen Bindung, der auch lange Trennungen nichts anhaben können. Der stärkste Ausdruck von Freundschaft ist die Selbstaufopferung zugunsten des anderen, wie sie Schiller in der Ballade »Die Bürgschaft« beschrieben hat (siehe Seite 16). Freundschaft unterscheidet sich von der Liebe insofern, als in ihr erotische Anziehung keine oder nur eine sehr geringe Rolle spielt. Sie ist in der Regel auch nicht mit Kameradschaft gleichzusetzen, wie sie etwa beim Militär, der Feuerwehr oder in Sportvereinen gepflegt wird – auch wenn das Füreinander-Einstehen sowohl Kameradschaft als auch Freundschaft charakterisiert. Freundschaft unterscheidet sich auch von der Solidarität, wie man sie von politischen Parteien oder religiösen Vereinigungen kennt, wo die gleiche Gesinnung das tragende Element darstellt. Häufig wird das Wort »Freundschaft« erweitert, um andere Beziehungen positiv einzufärben. Zum Beispiel bezeichnet man jemanden als »Geschäftsfreund«, zu dem eine geschäftliche Beziehung besteht, die auf positiven Erfahrungen beruht und die über eine bloße Geschäftspartnerschaft hinausgeht (etwa weil man sich sympathisch ist und angenehmen Kontakt hat). Freundschaft kann auch über Distanz gepflegt werden, beispielsweise als Brieffreundschaft.

Wie Freundschaft wächst

Ebenen von Freundschaft

Freundschaft ist die Blüte des Augenblicks und die Frucht der Zeit.—August von Kotzebue

Es kommt selten vor, dass man von einem Menschen plötzlich sagen kann: »Der ist jetzt mein Freund!« Meist entstehen solche Spontanfreundschaften nur in der Kindheit. In gewisser Weise sind Kinderfreundschaften ein Übungsfeld für das Entdecken eigener Vorlieben (»Den mag ich, den mag ich nicht.«) und den Umgang mit Zuneigung und Ablehnung. Sie zerbrechen oft ebenso schnell, wie sie geschlossen wurden. Wenn es gelingt, eine Freundschaft aus der Kinder- oder Jugendzeit ins Erwachsenenleben mitzunehmen, wird diese Verbindung häufig als besonders bereichernd erlebt.

Erwachsene entwickeln Freundschaft meist nicht so schnell wie Kinder. Der Psychologe Herb Goldberg beschreibt verschiedene Phasen in der Entwicklung von Freundschaften.

In der ersten Phase basiert die Beziehung zwischen zwei Menschen auf gegenseitigem Nutzen. Der eine hat Fähigkeiten oder Ressourcen, von denen der andere profitiert. Und umgekehrt. Solche Verbindungen bestehen häufig im beruflichen Umfeld. Bringt die Beziehung keinen Vorteil mehr, löst sie sich in der Regel auf.

Die zweite Ebene stellen Beziehungen dar, die sich um gemeinsame Aktivitäten drehen. Man gesellt sich zueinander, um einen bestimmten Zweck zu verfolgen. Oft hat man für unterschiedliche Unternehmungen unterschiedliche »Freunde«. Mit einer ist man in einem Ehrenamt aktiv. Mit einem anderen treibt man Sport. Schwindet das gemeinsame Interesse, endet häufig auch die Beziehung.

Aus solchen zweckgebundenen Beziehungen können sich aber auch echte Freundschaften entwickeln. Sie sind dadurch gekennzeichnet, dass Menschen zueinander kommen, ohne bestimmte Ziele oder Zwecke zu verfolgen. Wechselseitige Sympathie und Interesse am anderen sind die Grundlage dafür, dass Menschen zueinander finden und beieinander bleiben. Konkurrenz und Überlegenheit spielen in solch einer Beziehung keine Rolle mehr. Im Gegenteil: Befindet der eine sich in einer Notlage, versucht der andere, ihn emotional und praktisch zu unterstützen.

Zu einigen wenigen Freunden entwickelt man eine besonders intensive Beziehung. Das sind die engsten Freunde, mit denen man »Pferde stehlen« kann.

In ganz seltenen Fällen entstehen aus rein nutzenbasierten »Freundschaften«, die man aus Berechnung eingegangen ist, echte Freundschaften. Doch häufig haben Beziehungen, die später zu echten Freundschaften wurden, als zweckgebundene Freundschaften begonnen und sich weiterentwickelt. Manchmal zur zweckfreien Freundschaft oder auch zu einer Mischform.

Berühmte Freunde

Inspiration aus Geschichte und Literatur

Ich würde lieber sterben, als von diesem Manne getrennt zu sein. —Philip Melanchthon über Martin Luther

Einige historische und fiktive Freunde, die uns inspirieren können:

Damon und Phintias: Das unbedingte Vertrauen dieser legendären Freunde inspirierte Schiller zur Ballade »Die Bürgschaft«.

Peirithoos und Theseus. Die Freundschaft dieser beiden Figuren aus Homers Odyssee zeichnet sich durch Zusammenhalt – in allen Wirren und Irrfahrten – aus.

David und Jonathan: Diese biblische Freundschaft war gekennzeichnet von Herzensnähe und der Bereitschaft, um des anderen Willen auf Privilegien zu verzichten.

Martin Luther und Philip Melanchthon: Die beiden Männer teilten nicht nur ihre religiösen Überzeugungen, sondern waren auch emotional eng verbunden und unterstützen sich darin, die Reformation voranzubringen.

Goethe und Schiller: Die beiden waren Kollegen und Freunde – und inspirierten sich durch offenen Gedankenaustauch im Schreiben und Leben.

G. K. Chesterton und G. B. Shaw: Sie stritten leidenschaftlich und mit Respekt und Humor über Politik und Religion und inspirierten sich literarisch.

Narziß und Goldmund: Im gleichnamigen Roman schildert Hermann Hesse, wie sich zwei sehr unterschiedliche Freunde ein Leben lang beeinflussen und prägen – auch über lange Zeiten der Trennung hinweg.

C.S. Lewis, J.R.R.Tolkien und die Inklings: Gruppe von Professoren, die sich gern zum Austausch von Ideen und zur Inspiration für ihre Bücher trafen. Ihnen verdanken wir z. B. »Die Chroniken von Narnia« und »Der Herr der Ringe«.

Hannah Arendt und Mary McCarthy: Die Philosophin und die Frauenrechtlerin führten einen freundschaftlich-philosophischen Briefwechsel »Im Vertrauen«. (siehe Anhang)

Helmut Kohl und François Mitterrand: Vertrauensvolle Verbundenheit, die Wege zur Versöhnung für ganz Europa bahnte. Unter anderem durch die historische Handreichung in Verdun.

Daniel Keel und Rudolf C. Bettschart: Die beiden Schulfreunde bauten gemeinsam den Diogenes Verlag auf und führen ihn – trotz mancher Turbulenzen – bis heute. Das Rezept ihres Erfolges: ein gemeinsames Ziel, Wertschätzung und wechselseitige Ergänzung.

Sergej Brin und Larry Page: Die beiden haben geschafft, wovon viele träumen – ein weltweites Imperium aufzubauen: Google. Was sie verbindet, sind gemeinsame Interessen und Zielstrebigkeit beim Erreichen der gemeinsam gesteckten Ziele.

Freundschaft ist ...

Was Dichter und berühmte Menschen sagen

Ein bisschen Freundschaft ist mir mehr wert als die Bewunderung der ganzen Welt.

—Otto von Bismarck

Freundschaft ist eine Seele in zwei Körpern. —Aristoteles

Wirklich gute Freunde sind Menschen, die uns ganz genau kennen und trotzdem zu uns halten. —Marie von Ebner-Eschenbach

Der beste Weg, einen Freund zu haben, ist der, selbst einer zu sein. —Ralph Waldo Emerson

Ein Freund ist, wer hinter deinem Rücken Nettes über dich sagt. —Jan Jensen

Deine Feinde sind Freunde, die du noch nicht kennst. —Andreas Tenzer

Ein Freund liebt zu jeder Zeit und es gibt Freunde, die sind verlässlicher als ein Bruder.

—Die Bibel, Buch der Sprüche

Wer einen Freund sucht ohne Fehler, bleibt ohne Freund. —Orientalisches Sprichwort

Die Bürgschaft von Friedrich von Schiller, 1799

Zu Dionys, dem Tyrannen, schlich

Damon, den Dolch im Gewande:

Ihn schlugen die Häscher in Bande,

»Was wolltest du mit dem Dolche? sprich!«

Entgegnet ihm finster der Wüterich.

»Die Stadt vom Tyrannen befreien!«

»Das sollst du am Kreuze bereuen.«

»Ich bin«, spricht jener, »zu sterben bereit

Und bitte nicht um mein Leben:

Doch willst du Gnade mir geben,

Ich flehe dich um drei Tage Zeit,

Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit;

Ich lasse den Freund dir als Bürgen,

Ihn magst du, entrinn’ ich, erwürgen.«

Da lächelt der König mit arger List

Und spricht nach kurzem Bedenken:

»Drei Tage will ich dir schenken;

Doch wisse, wenn sie verstrichen, die Frist,

Eh’ du zurück mir gegeben bist,

So muss er statt deiner erblassen,

Doch dir ist die Strafe erlassen.« (...)

Und schweigend umarmt ihn der treue Freund

Und liefert sich aus dem Tyrannen;

Der andere ziehet von dannen.

Und ehe das dritte Morgenrot scheint,

Hat er schnell mit dem Gatten die Schwester vereint,

Eilt heim mit sorgender Seele,

Damit er die Frist nicht verfehle.

(... nach vielen Schwierigkeiten kommt er zurück.)

Und die Sonne geht unter, da steht er am Tor,

Und sieht das Kreuz schon erhöhet,

Das die Menge gaffend umstehet;

An dem Seile schon zieht man den Freund empor,

Da zertrennt er gewaltig den dichten Chor: