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Rundfunk- und Fernsehmoderator Michael Friemel schreibt seine Erfolgsserie fort. Auch Band 2 seiner Glossen nimmt die Höhen und Tiefen des Alltags pointiert aufs Korn. Und wieder werden sich seine Leser wiederfinden in den Geschichten übers (mehr oder weniger erfolgereiche) Heimwerken, Mülltrennung, Missgeschicke und Einkaufserlebnisse - klug beobachtet und mit spitzer Feder notiert.
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Seitenzahl: 92
Veröffentlichungsjahr: 2014
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INHALT
VorGefriemel
In der Sauna – Teil 1
In der Sauna – Teil 2
Antizyklisches Shoppen
Camille
Die aktuelle Steißlage
In der Champagne
Kleine Sünden …
Kreislaufhuddel
Mahl-Zeit
Maria Treben
Alpenpanorama
Was für ein Mann
Liebe liest keine Preisschilder
Sauber und rein
Im Krankenhaus
Sofa – so good
Und es war Sommer
Ein Tag am Strand
Mikro-Lesung
Prosopagnosie
Einladung zum Bayerischen Abend
Made in Germany
Auf der Suche nach dem eigenen Ich
Die bleiben so klein
Friemels große Siphonie
Das Büffet ist eröffnet
Friemel lebt in Trennung
Phänomene der Luftfahrt
Verschwörungstheorie
Kindergeburtstag de luxe
Landefeuer im Garten
Leergut
Ohne Moos nix los
Von Walkern und Wacklern
Im Museum
Erfolgreich abgeschleppt
An der ALDI-Front
Danksagung
Der Liebsten mal wieder den Hof machen
Von wegen: Draußen gibts nur Kännchen
Die Fahrkarten bitte
Entdecke die Möglichkeiten
Parken gegenüber verboten
Sankt Martin, Sankt Martin …
Türchen für Türchen
Die Schlacht um den Tannenbaum
Zum Autor
VORGEFRIEMEL
Willkommen zurück in meinem Leben! Schön, dass Sie wieder dabei sind. Sollte dieser zweite Band der „Friemeleien“ Ihr erster sein, darf ich Sie beruhigen: Sie haben zwar etwas verpasst, können aber ganz unproblematisch zusteigen.
Seit dem Erscheinen des ersten Büchleins ist viel geschehen. Und ich wette: Oft sind uns die gleichen oder zumindest sehr ähnliche Dinge passiert. Davon ist hier zu lesen. Von eilig für den unvorhergesehenen Krankenhausaufenthalt gekauften Schlafanzügen und Trennungsgeschichten an der Mülltonne. Von großen Sofas in kleinen Gärten und kleinen Männern vor großen Sandburgen. Und von all dem, was sich in meinem Leben speziell nach dem Erscheinen des ersten Bandes zugetragen hat. Immer wieder haben sich bei den Lesungen Dinge ereignet, die gleich wieder zu einer neuen Friemelei verarbeitet wurden. Da sind Menschen im Aufzug stecken geblieben und haben sich während der Lesung lautstark durch Klopfgeräusche bemerkbar gemacht. Da wurde das kircheneigene Megafon von der Fronleichnamsprozession für die Friemel-Lesung zweckentfremdet, und da ließen sich wildfremde Menschen wildfremde Bücher von mir signieren.
Die absurdeste Nummer ist aber aus der Geschichte „Das finnisch unanständig“ entstanden. Habe ich sie bei den ersten Lesungen einfach nur vorgetragen, so hat sich diese Sauna-Episode aus Band Eins im Laufe der Wochen mehr und mehr zu einem amüsanten Dialog mit dem Publikum entwickelt. Viele Menschen hatten große Freude dabei, sich den Friemel im Gewirr von rasierten Schönlingen und duschenden Matronen vorzustellen. Das gipfelte dann in der Anfrage eines großen Saunabetreibers, ob ich mir nicht vorstellen könne, mal eine Lesung für seine Besucher bei 90 Grad im Schweiße meines Angesichts zu halten. So, wie Gott mich schuf. Ich weiß bis heute nicht, was mich geritten hatte, aber fasziniert von der skurrilen Vorstellung sagte ich Ja. Und handelte mir damit die Schlagzeile ein „Die heißeste Lesung Deutschlands!“
Oder wie eine Besucherin es süffisant zusammenfasste, nachdem sie mich eingehend von oben bis unten gemustert hatte: „Das war aber Ihr Kurzprogramm?!“
IN DER SAUNA – TEIL 1
Wie die Leser des ersten Bandes wissen, bin ich in meinem Leben erst sehr spät zur Sauna gekommen. Aber wer hätte mich auch heranführen sollen? Meine Eltern hielten das immer für eine unanständige Veranstaltung, ja schon meine Oma war der Meinung, Sauna sei nur etwas für Evangelische und Studenten.
Inzwischen weiß ich, dass man dort durchaus unanständige evangelische Studenten treffen kann. Aber eben auch den einen oder anderen anständigen Katholiken.
Ja, ich kann heute sagen: Ich gehe gerne ich die Sauna. Wobei ich wählerisch geworden bin, bei den Saunen, die ich besuche. Denn viele haben so ihre Tücken!
Kürzlich war ich mit meiner Frau im Saunabereich eines großen Saarbrücker Erlebnisbades. Wir waren gleich morgens nach der Öffnung da, weil dann die Chancen größer sind, nicht ganz so viel Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen. Denn die Saarländer gucken dann zwar in der Regel freundlich, mir aber in der Sauna nicht in die Augen …
Zuerst vereinbarte ich an der Servicetheke einen Termin für eine Teilkörpermassage, denn der Nacken tat mal wieder weh. Um 11.15 Uhr war noch was frei. Da blieb vorher genügend Zeit für einen ersten Saunagang, bei dem es uns in die Meditationssauna verschlug. Waren Sie mal in einer Meditationssauna? Da sind Sie nach 10 Minuten so was von nervös durch das ganze sphärische Geklimper aus den Lautsprechern und die ständig wechselnden Lichtszenen wie nie zuvor in Ihrem Leben. Aber jedenfalls – oder vielleicht gerade deswegen – schienen wir dort nahezu alleine zu sein. Am Eingang lag lediglich ein älterer Herr, über den wir mit einem großen Schritt drüberstiegen wie über ein Hundehäufchen auf einem Grünstreifen, und in der hinteren linken Ecke garte noch ein Pärchen vor sich hin, das uns aber auch keine Aufmerksamkeit schenkte. Als nach etwa fünf Minuten die Tür aufging, ahnte ich noch nicht, dass das etwas mit mir zu tun haben könnte. Aber da erhob der Bademeister seine Stimme und fragte: „Ist der Herr Friemel hier drin?“ Ich überlegte, ob ich überhaupt antworten sollte, aber das übernahm schon der ältere Herr am Eingang: „Jo, der leit mit seiner Frau do hinne im Egge!“ Leicht verschämt gab ich mich zu erkennen und fragte, was denn los sei. Da teilte mir – das heißt UNS allen – der Bademeister mit, dass sich meine Teilkörpermassage eine Viertelstunde nach vorne verschoben habe. Fragen Sie mich nicht warum, aber nachdem er wieder draußen war, fühlte ich mich irgendwie verpflichtet, den drei anderen Mitsaunierern zu erklären, welcher Körperteil denn da gleich massiert werden würde.
Dann drehte ich mich zu meiner Frau und bekundete ihr meine Freude darüber, dass uns der Bademeister Gott sei Dank gleich gefunden hatte.
Dem war aber nicht so. Das erkannten wir, nachdem wir die Meditationssauna wieder verlassen hatten. Denn schätzungsweise jeder Dritte sprach mich an. Mit dem netten Hinweis: „Herr Friemel, Ihre Teilkörpermassage verschiebt sich um `ne Viertelstunde!“
Wie sich herausstellte, war die Meditationssauna die letzte aller Saunen gewesen, in denen der gute Mann uns gesucht hatte.
IN DER SAUNA – TEIL 2
Nach dieser Erfahrung in der Sauna eines riesigen Kombibades war klar: wenn überhaupt noch mal Sauna, dann nur noch dort, wo mich weniger als ein Drittel der anderen Nackedeis kennt. Und da hatte mein Freund Achim die perfekte Idee. Er kannte ein Hotel, das aufgrund seiner Lage an der Autobahn vornehmlich von orts- und friemelfremden Handlungsreisenden aus anderen Teilen Deutschlands besucht wird. Und dieses Hotel verfügt über einen kleinen, feinen Saunabereich, den man auch nutzen kann, wenn man kein Hotelgast ist. Und genau das taten wir. Es war ein Samstag im Dezember und die meisten Geschäftsleute waren abgereist. So hatten wir den Wellnessbereich komplett für uns. Nach einem kurzen Aufwärmen im Dampfbad ging es gleich in die heiße 90-Grad-Sauna. Und weil ich ein Weichei bin, auch gleich wieder raus…
Keine vier Minuten hatte ich es in der brütenden Hitze ausgehalten. Mit schwächelndem Kreislauf und beschlagenen Brillengläsern stand ich da und hechelte vor mich hin. Mir war nach einer Abkühlung. Also öffnete ich die Tür zum Außenbereich und trat in die frische Winterluft hinaus.
Herrlich. Mein Kreislauf stabilisierte sich schlagartig und auch die Brille bot wieder klare Sicht. So konnte ich zum Beispiel sehen, wie der Kellner im gleich nebenan gelegenen Restauranttrakt des Hotels Tische eindeckte. Wir nickten uns freundlich zu.
Und während ich so dastand und nickte und sah, wie er Gläser verrückte, schoss es mir plötzlich saunaheiß durch den Kopf: Wenn ich IHN sehe, wie er Gläser verrückt, dann … ja, dann musste er doch auch MICH sehen, wie ich IHN beim Gläserrücken beobachtete. Aber ich hatte kaum Zeit, mir darüber weitere Gedanken zu machen. Denn in genau diesem Moment flog hinter mir die Tür zum vermeintlichen Außenbereich auf und mein Freund Achim stürzte heraus. Bekleidet mit einem Saunatuch. Im Gegensatz zu mir. Der ich da an der frischen Luft stand, wie Gott mich geschaffen hatte. Entsetzt rief er mir zu: „Michael, Du bist durch die falsche Tür raus.“
Dank meiner beschlagenen Brille hatte ich den Notausgang erwischt. Und stand, wie ich nun erfuhr, mitten auf dem Hotelparkplatz.
ANTIZYKLISCHES SHOPPEN
Manchmal wird uns Verbrauchern ganz schön viel Vorstellungskraft abverlangt. Wir müssen heutzutage geradezu hellseherische Fähigkeiten mitbringen, wenn wir einkaufen gehen. Denn nix ist mehr dann erhältlich, wenn wir es eigentlich brauchen. Stichwort: Antizyklisches Shoppen. Immer häufiger sind wir gezwungen, Dinge zu kaufen, für die wir aktuell noch gar keine Verwendung haben. Aber wenn es soweit ist, dass wir sie bräuchten: Pustekuchen.
Oder haben Sie im Januar mal noch irgendwo eine Winterjacke bekommen? Das wird Ihnen nur schwer gelingen. Außer, Sie tragen Mini- oder Übergröße, für die Sie dann zum ersten Mal dankbar sind, weil die auf der Stange mit der Restware hängengeblieben ist. Kaum ist dann Februar, weist meine Frau mich darauf hin, dass wir unserem Kleinen jetzt bald ein paar Sandalen für den Frühsommer kaufen müssen, weil wir sonst keine mehr bekommen werden. Im Februar! Und das ist weder Witz noch Satire! Bei Kinderschuhen steht man zusätzlich vor der Herausforderung, die Schuhgröße fünf Monate im Voraus erahnen zu müssen, was selten gelingt, weil die Stöpsel dann plötzlich doch mal wieder unerwartet einen Schuss gemacht haben. Das im Inneren eines Bekleidungsgeschäftes vorherrschende Angebot steht in unseren Breiten üblicherweise in einem starken Kontrast zum außen vorherrschenden Wetter.
Für eine Sommerreise wollte ich mir im August noch schnell ein Paar khakifarbene Shorts kaufen, aber Pustekuchen. Während am St. Johanner Markt alle schwitzten und am Eis leckten, war in den Geschäften nur noch die (kommende) Herbst- und Winterkollektion erhältlich. Wenn ich aber noch ein paar Wochen Geduld hätte, könnte ich schon mal einen Blick auf die neue Sommerware fürs nächste Jahr werfen. Die Verkäuferin fand das auch gar nicht ungewöhnlich. Viel eher irritierte sie da ein Kunde wie ich, der doch tatsächlich im Sommer Sommerkleider kaufen wollte. An einem Samstag im November führt ein großes Saarbrücker Warenhaus regelmäßig seinen „Mantelsamstag“ durch. So nennen sie dort den Tag, an dem es auf alle Wintermäntel und -jacken dicke Prozente gibt, damit die Lager geräumt werden können. Anfang November – der erste Schnee steht da meistens noch aus! Und wir müssen uns schon wieder Gedanken darüber machen, welches Üwwergangsjüppche wir denn an Ostern tragen wollen.
Apropos Ostern: Der Wahnsinn beschränkt sich ja nicht nur auf Kleidung. Weiße Eier, die sich gut zum Färben eignen, müssen wir schon kurz nach Rosenmontag besorgen, hart an der MHD-Grenze. Die schönsten Adventskalender kauft man im September, weil im Oktober nur noch die Restposten übrig sind. Und Ende August sieht man immer häufiger Hobbygärtner, die ihre prächtige, in voller Blüte stehende Sommerbepflanzung aus den Balkonkästen schmeißen. Warum?
„Ei später krische kään Erika mehr …“
CAMILLE
Sie war die Heldin meines letzten Frankreich-Urlaubs: die kleine Französin Camille – ich schätze sie mal auf etwa acht Jahre –, die mit ihrer Oma im Restaurant an einem der Nachbartische saß.
Ach, was heißt „saß“. Sie dinierte. Mittagstisch. Und wer sie dabei beobachtete, der konnte Zeuge davon werden, dass der Unterschied zwischen Deutschen und Franzosen, was Kulinarik anbelangt, schon in jungen Jahren stark ausgeprägt ist. Oder besser: angelegt wird. In diesem Fall wohl von der Oma. Sie schien der Kleinen im Laufe ihrer ersten Lebensjahre alles beigebracht zu haben, was man als Gourmet und Gast in einem französischen Restaurant beherrschen muss.
