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Die Korrigane Morrigan zeigt Leevke eine uralte Tempelanlage, in der das Echsenvolk der Suma lebt, um diese zu pflegen. Dort gibt es auch ein Artefakt, welches die Korriganen benötigen, um die Veränderung der Weltordnung in ihrem Sinne voranzutreiben. Der Druide Katzwiesel und seine Schülerin Alixxa helfen Jens, Hinni, Runa, Puk und Gerlinde indes, dem Geheimnis der Korriganen auf die Spur zu kommen. Diese sind nämlich nicht, was sie zu sein vorgeben. Puk schlägt ihnen vor, mit seinen Leuten, den Römern, zusammenzuarbeiten. Es kommt zum Krieg der Icener gegen ihre alten Erzfeinde: die letzte römische Legion Britanniens...
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Seitenzahl: 781
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Vorwort vom Autor / Verantwortlichen Schreiberling
Was bisher geschah
Die (Haupt-)Charaktere
Prolog - Puks Angebot
Kapitel 1 - Echo der Vergangenheit
Kapitel 2 - Lebende Legenden
Kapitel 3 - Zuckerbrot und Peitsche
Kapitel 4 - Druidenwald
Kapitel 5 - Die Aussprache
Kapitel 6 - Hymellaks Versteck
Kapitel 7 - Mannig Irrwege
Kapitel 8 - Panik im Hain
Kapitel 9 - Wickerwoman
Kapitel 10 - Ritt mit der Hochkönigin
Kapitel 11 - Römische Lebensart
Kapitel 12 - Vergiftet
Kapitel 13 - Mächte im Hintergrund
Kapitel 14 - Bitterer Nachgeschmack
Kapitel 15 - Wahre Naturen
Kapitel 16 - Blätterrascheln
Kapitel 17 - Die Findinuss in Aktion
Kapitel 18 - Völlig Machtlos
Kapitel 19 - Mars vs. Venus
Kapitel 20 - Nie aufgegeben
Kapitel 21 - Spannungsausgleich!
Kapitel 22 - Das feuerrote Mädchen
Kapitel 23 - Heilung unerwünscht
Kapitel 24 - Andraste
Kapitel 25 - Magna Mater
Kapitel 26 - Wolf und Reh
Kapitel 27 - Nutzbringende Schändung
Kapitel 28 - Ein Ende, egal wie
Kapitel 29 - Kriegswaisen
Kapitel 30 - Der Brief des grünen Mannes
Epilog - Eine Ebene tiefer
Ende Akt 5: Boudiccas Rache
Die Bonüsse
Interview mit Leevke Pultjen
Die folgende Geschichte spielt in einer fiktiven Alternativwelt namens Altera und ist prinzipiell identisch mit unserer mittelalterlichen Welt. Obwohl die Handlung im 12. Jahrhundert angesiedelt ist hat dies wenig mit der Handlung zu tun welche sich losgelöst zeitlicher Eingrenzungen abspielt. So gibt es zum Beispiel auf Altera sowohl noch römische, keltische Dörfer und Stämme als auch Gruppen des Spätmittealters wie die Hanse oder auch die Plattenrüstungen der Ritter. Das Ganze ist eine wilde Mischung des ungefähren Zeitraumes von 500 – 1500 unserer Geschichte. Es existieren ebenso wilde Barbarenstämme als auch modernere Gesellschaften nebeneinander her. Diese Anachronismen sind ebenso gewollt wie die eingefügten Kreaturen die man sonst nur aus Märchen und Sagen kennt sowie viele weitere Dinge die meiner Phantasie entsprangen. Ich schreibe u.a. auch schon an einer Übersicht bzw. Enzyklopädie über die vielen Tiere, Pflanzen, Ungeheuer, Orte und Gegenstände die im Altera-Universum existieren.
Friesenrecht selbst wiederum spielt sich im Raum der Nordseeküste (innerhalb der Geschichte vornehmlich Westsee genannt) ab. Nachdem in Akt 1 – 3 die Eroberung (Ost-)Frieslands durch den untoten Friesenkönig Radbod sowie den Oldenburger Grafen Gerhard dem Eidbrecher abgewendet werden konnte sehen sich unsere Helden gezwungen vor der Inquisition zu fliehen um Leevke vor dessen Zugriff zu beschützen. Sie planten eine Reise gen Angelland um dort die keltischen Druiden um Rat zu bitten wie mit Leevkes Kräften welche das Meer kontrollieren können umzugehen sei. Fest steht nur dass alle die von Leevkes Macht Wind bekommen umgehend ausziehen um sie den eigenen Zielen zu unterwerfen. Zusammen mit dem jungen Mann Hinnerk „Hinni“ Wiards und dem Kaufmann Jens Janssen fliehen sie in letzter Sekunde aus ihrer Heimat und machten Halt auf der schwimmenden Holzfestung Mudington wo sie Zeuge eines Anschlags werden der in einen Krieg zwischen den großen Seemächten führen könnte. Es gelingt ihnen die wahren Hintermänner aufzudecken, den Schmugglerkönig Lassmann dingfest zu machen und den Krieg zu verhindern. Ihnen schließt sich die 25-jährige Seeräuberin, die „grabschende Gerlinde“ an und sorgt mit ihrem losen Mundwerk für einige Turbulenz. Endlich dann in Angelland angekommen merken die vier schnell das das kriegszerrüttete Land sie nicht sonderlich willkommen heißt, insbesondere die männlichen Begleiter. Sie treffen alsbald auf die Korriganen – Zauberinnen des keltischen Icenerstammes unter ihrer Hochkönigin Boudicca – welche Hinni uns Jens in die Lehmgruben verbannen und Leevke davon überzeugen können sich ihnen anzuschließen da sie ja auch über magische Kräfte verfügt. Von ihrem Gerede unbeeindruckt befreit Gerlinde Jens, Hinni, Barik und weitere Sklaven aus den Lehmgruben. Dies tut sie unter anderem mithilfe des sprechenden, magischen Vogels Runa die Jens als ihren Lehrling bezeichnet, offenbar wegen des Zauberbuches welches er einst einem wirren alten Mann abkaufte. Hinni reiste daraufhin mit Runas Hilfe durch die Anderswelt, entkam nur knapp der Eisgöttin Caillach und versuchte in den Knisterhöhlen Leevke von den Korriganen zurückzuholen. Diese weigerte sich aber da sie sich mit diesen angefreundet hatte. Hinni fand daraufhin den gefangenen, römisch-byzantinischen Spionjungen Puk und half diesem dabei der versperrten Höhle zu entkommen. Aber der undurchsichtige Puk kehrte bislang nicht zurück um auch ihn und die bewusstlose Runa zu retten…
Inspiriert wird man ja von Vielem und letztlich Allem. Bezüglich Friesenrecht wurde ich insbesondere von Fantasy, PC-Spielen und Mangas inspiriert. Dazu zählen ebenso „One Piece“ von Oda Eiichiro oder auch „Berserk“ von Miura Kentaro als auch die „Medieval“, „Gothic“, und „Patrizier“-Spielereihe sowie eine generelle Faszination mit dem Thema Mittelalter. So lese ich u.a. Bücher aus der Osprey-Buchreihe über historische Bekleidung, Lebensweise und Taktik vergangener Völker und ihrer Krieger. Was mich aber seit meiner Jugend am meisten geprägt hat ist und bleibt Neon Genesis Evangelion. Wen man sowas in jungen Jahren sieht bleibt das nicht ohne Wirkung. In jüngster Zeit haben mich nochmal die Arbeiten von Erich Fromm, Wilhelm Reich und Arno Grün sehr mitgenommen und ich denke da das in ihren Erkenntnissen der Stein der Weisen begraben liegt: Der Kern von vielen unserer Probleme und die Stelle wo wir den Hebel ansetzen müssten um dauerhaften, nachhaltigen Frieden in der Welt zu schaffen. Wenn ich meinen Teil dazu beitragen kann wär das schon ganz derb. Achja, außerdem bin ich noch großer Fan von Ren & Stimpy sowie Rockos modernes Leben.
Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle bei allen welche mir sowohl den Mut als auch die Zuversicht verliehen haben dies Werk zu veröffentlichen. Beim nunmehr fünften Band geht es zwar schon leichter aber eine sporadische Auffrischung der Aufmunterung ist nie verkehrt. Namentlich seien Manni, Thorsten, Bernd, Föllner und auch Ingo (mit Mops Kotz fing alles an!) erwähnet. Meiner Familie kommt ein besonderer Spezialdank für ihre unermüdliche Liebe und Unterstützung zu. Schüttelfrostigster Dank geht auch an meine Leser für ihr Interesse sich nach Altera entführen zu lassen.
Besonderer Friesenrecht-bezogener Sonderdank ergeht an folgende Personen:
Manni B. für die konstruktive Kritik ohne die FR nicht das wäre was es jetzt ist und – hoffentlich - noch werden wird! (?)
BiesterKiller aus dem worldofplayers Forum für die Korrekturlesung von Friesenrecht (Akt 1)!
Sodenn ist also das Jahr 2015 gekommen – ganz überraschend! Ob wir dies Jahr wohl endlich Hoverboards und JAWS 19 bekommen sei mal dahingestellt und nicht wieder abgeholt. In jedem Fall gibt es hiero nunmehr den fünften Band von Friesenrecht: Es ist somit Halb(Werts-)zeit.
Akt 5 war im Grunde schon Ende Juli’14 fertig (das Rohmanuskript sogar schon 2013) aber da ich in einem Schreibwahn war wollte ich erst alles fertigschreiben ehe es an den jeweiligen Feinschliff ginge. Und dann musste ich natürlich von Herbst 2014 bis Februar 2015 auch noch Akt 1-3 revisiten und teils heftigst umschreiben. 1-3 bekommen eine Frischzellenkur bezüglich der Zeichnungen verpasst und ich sag mal gut und gerne 90% der Bilder sind neu bzw. neugezeichnet worden. Aber damit bin ich jetzt nun durch und kann mich der chronologischen Veröffentlichung der restlichen Akte widmen.
Aber so ist das wenn man als wilder Einzelgänger einen ganzen Kosmos nebst Charakteren stemmen muss. Ein paar Bits verlierst du, ein paar Bits behältst du. Wie im Vorwort von FR04 angedroht habe ich FR01 Revisited indes als Freeware zum Download zur Verfügung gestellt; auf meiner Homepage wie auch in ausgewählten Foren (Exklusivrechte). Vielmehr hab ich dann auch nicht zu erzählen – genug gequatscht – und ich wünsche viele vergnügliche Lesestunden mit Boudiccas Rache! Die Bärin von Thetford sieht rot.
Wer mehr über Altera, mich oder Friesenrecht erfahren oder Details nachschlagen möchte kann dieses auf meiner Homepage tun erreichbar unter den Adressen:
www.friesenrecht.de oder auch www.worldofgila.de
Ich wünsche Ihnen auf jeden Fall viel Spaß bei Akt 5 von Fritzenrecht – was meine interne Ulk Bezeichnung für Friesenrecht ist. Bis zum nächsten Akt verbleibe ich fürderhin mit unerschöpflich freundlichen Grüßen,
Ergebenst Euer,
Gerd B. Freimuth akaDerAltmeister am 05. Mai Anno Domini 2015
Weisheit des Tages:
„Wer grade lacht, weint nicht. Wer grade liebt, hasst nicht.
Im flüchtigsten Moment liegt bisweilen ein ganzes Leben verborgen.“
Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt und daher ist jedwede Verwendung desselben außerhalb des Urheberrechtgesetztes ohne zuvor eingeholte Zustimmung des Rechteinhabers unzulässig und wird entsprechend geahndet.
Die präsentierte Geschichte ist rein fiktiv und Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen, realen Personen sind rein zufällig. Die handelnden Charaktere basieren teilweise auf real existierenden, historischen Personen bzw. Personenkreisen, sind aber letztlich ebenso frei erfunden wie alles andere.
Sämtliche Illustrationen von GBF
(aka' Der Kerl der dies Buch schrob)
Der Friesenjunge Hinni fand bei seiner Deichwacht ein Mädchen namens Leevke welches über die Fähigkeit verfügt das Meer zu kontrollieren und nach ihrem Willen zu formen. Der verfluchte Friesenkönig Radbod entführte sie um sich mithilfe ihrer Fähigkeiten selbst aus seinem Gefängnis, der Felseninsel Bant, zu befreien an die er gekettet worden war. Dank vereinter Anstrengungen konnte er jedoch am Strand zurückgeschlagen werden (AKT 1).
Doch noch wollte kein Frieden in Friesland einkehren: Eine Gruppe von Disruptoren heizten die Fehden der Friesen untereinander an konnten aber ebenfalls gerade noch rechtzeitig nördlich von Bruchtorf besiegt werden nachdem die Spinnenchimäre Silke sich ihrer Herkunft entsann die mit Jens Janssens Schicksal eng verbunden war. (AKT 2)
Graf Gerhard der Eidbrecher nutzte den Vorfall in Bruchtorf um seinen Plan die Friesen zu unterjochen endlich in die Tat umzusetzen aber auch hier machte ihm das vereinte Heer der freiheitsliebenden Menschen einen Strich durch die Rechnung. Der Graf selbst fand den Tod auf dem Schlachtfeld durch die Hand Störtefads.
Während nun Keno tom Brok und die anderen Hauptlinger das große Friesenheer gen Rüstringen und Stedingen führen um diese aus Oldenburgs Einflussbereich herauszulösen kehrt der fanatische Inquisitor Salvatorus in Emden ein und sucht auf Geheiß des Heiligen Stuhls nach dem Mädchen mit den Wasserkräften. Bei Hof Wiards stellt sich ihm und seinem Ordensritter der halbtote Abbo entgegen und ermöglicht Hinni und Leevke so die Flucht vor dem Jäger der Kirche.
Leider bezahlt Hinnis wahrer Vater dies mit seinem Leben. Die beiden jungen Menschen werden im Esener Hafen von ihrem alten Freund Jens Janssen aufgenommen und nehmen Kurs auf Bant wie Abbo ihnen noch kurz vor seinem Tod geraten hatte. (AKT3)
In Akt 4 machen sie Halt auf der schwimmenden Holzfestung Mudington wo sie Zeuge eines explosiven Anschlags werden der in einen Krieg zwischen den großen Seemächten führen könnte. Es gelingt ihnen aber gemeinsam die wahren Hintermänner aufzudecken, den Schmugglerkönig Lassmann dingfest zu machen und den großen Krieg der Küsten zu verhindern. Ihnen schließt sich dabei die 25-jährige Seeräuberin, „grabschende Gerlinde“ an und sorgt mit ihrem losen Mundwerk für einige Turbulenz. Endlich dann in Angelland angekommen merken die vier aber schnell das das kriegszerrüttete Land sie nicht sonderlich willkommen heißt, insbesondere ihre männlichen Begleiter. Sie treffen auf die Korriganen – Zauberinnen des keltischen Icenerstammes unter ihrer Hochkönigin Boudicca – welche Hinni und Jens in die Lehmgruben verbannen und Leevke davon überzeugen können sich ihnen anzuschließen da sie ja auch über magische Kräfte verfügt. Von ihrem Gerede unbeeindruckt befreit Gerlinde Jens, Hinni, Barik und weitere Sklaven aus den Lehmgruben.
Dies tut sie unter anderem mithilfe des sprechenden, magischen Vogels Runa die Jens als ihren Lehrling bezeichnet, offenbar wegen des Zauberbuches welches er einst einem wirren alten Mann abkaufte.
Hinni reiste daraufhin mit Runas Hilfe durch die Anderswelt, entkam nur knapp der Eisgöttin Caillach und versuchte in den Knisterhöhlen Leevke von den Korriganen zurückzuholen. Diese weigerte sich aber da sie sich mit diesen angefreundet hatte. Hinni fand daraufhin den gefangenen, römisch-byzantinischen Spionjungen Puk und half diesem dabei der versperrten Höhle zu entkommen. Aber der undurchsichtige Puk kehrte bislang nicht zurück um ihn und die bewusstlose Runa zu retten…
Hinnerk "Hinni" Wiards (16)
Adoptiv-Sohn des Deichbauern Okko und Ehren-Likedeeler nach der Belagerung Marienhafes durch Ukko Fockena. Er will ein großer Kämpe wie sein Vater Abbo werden. Hat einen typisch friesischen Dickkopf ist sehr direkt in allem was er tut und sagt. Hinnerk hat Leevke am Strand gefunden und fühlt sich für sie verantwortlich. Er kämpft entschnlossenverbissen gegen Unterdrückung. Er führt das magische Sax Pakhaou, welches sich durch seinen Willen verformen kann.
Leevke Pultjen (15)
Das Mädchen mit den Wasserkräften hat Kiemen am Hals, purpur-blaues Haar und golden-gefächerte Augen. Sie hat ein friedfertiges, lebensfrohes Gemüt und liebt das Meer. Leevke versteht sich gut mit Tieren und reagiert empfindlich auf jede Art von Gewalt. Sie liebt Hinni und macht sich Vorwürfe wegen all dem Elend das ihretwegen geschieht.
Jens "Hühnerjens" Janssen (25)
Ein mittelmäßig erfolgreicher, schlaksiger Kaufmann aus Greetsiel. Besitzt eine Schnigge namens Labskaus die ihm sein Onkel Ulrich vermacht hat. Jens ist ein respektvoller, ehrlicher und höflicher Mann weshalben seine Geschäfte bisweilen leiden. Er ist mit der Tochter des Hauptlingers Armin Harger liiert und versucht sich diesem und damit ihr als würdig zu erweisen. Er ist mit Hinni und Leevke befreundet und hat geschworen auf die beiden Kinder aufzupassen. Ihm gehört ein Zauberbuch das ihm ein wirrer Mann - 10 in - Jütland verkauft hat.
Inquisitor „Salve“ Salvatorus (19)
Ein Mitglied der kirchlichen Inquisition. Salvatorus hat jüngst erst seinen ersten Auftrag erfolgreich absolviert; die Vernichtung eines Weltenhundes von Wieringen.
Nun soll er in päpstlichem Auftrag das „Mädchen mit den Wasserkräften“ (Leevke) festnehmen und nach Rom zum Papst verschaffen. Der spindeldürre Mann mit dem lila-farbenen Streifenhaarschnitt gilt in seiner Institution als zielstrebig und fanatisch, genau wie sein Lehrmeister, Großinquisitor Gral. Da er in einem Kloster aufwuchs ist Salvatorus eher weltfremd in seinen Ansichten normalem Leben gegenüber – was seinen scharfen, logischen Verstand jedoch nicht mindert denn er gekonnt einsetzt um jede Problematik zu meistern die sich ihm stellt. Für alles andere dient ihm Bruder Böhme als starker Arm.
Branko Kratochvil, ehem. Komtur von Ragnit, „Bruder Böhme“ (34)
Aufgrund eines bilsnag unbekannten Zerwürfnisses mit seinen Vorgesetzten im deutschen Orden wurde dem böhmisch-stämmigen Komtur Branko Kratochvil zur Strafe der Bart gestutzt. Um die erlittene Scharte auszuwetzen muss der gefallene Komtur auf Geheiß des Ordensmeisters dem Inquisitor Salvatorus bei dessen Mission beistehen und ihn auf seinen Reisen beschützen. Dies tut er vortrefflich mit Schwert und Schild. Als Veteran der ewigen Prussenkriege ist der Ritter ein tödlicher Widersacher und fackelt nicht lange. Absolut pflichtbewusst befolgt er jeden Befehl ohne Nachfrage und redet nur wenn es ihrer Erfüllung dienlich ist.
Die grabschende Gerlinde (25)
Eine berüchtigte - weniger berühmte - Seeräuberin von der Küste Jütlands. Gerlinde ist ein raues Weib, welches rauft, säuft und in ihrem Gebahren nur wenig Feminines erahnen lässt. Sie hat rotblondes, kurzgeschorenes Haar, Somersprossen und einen Bierbauch auf den sie ganz besonders stolz ist. Ihr fehlt der obere rechte Eckzahn und sie ist eine zudem eine sehr gute Messerwerferin. Als sie gezwungen war Lassmann bei der Zerstörung Mudingtons behilflich sein, erbarmt sich Jens ihrer und nahm sie bei sich auf. Gerlindes ungestüme, direkte Art ist zwar gewöhnungsbedürftig aber für ihre Freunde geht sie durchs Feuer wenn es denn sein muss.
Puk (14)
Der bzyantinische, kahlgeschorene Junge mit der Kette im Gesicht sieht zwar harmlos aus, ist aber ein voll-ausgebildeter Spion aus Konstantinopel – der Hauptstadt des östlichen Imperiums in römischgriechischer Tradition. Als Agentus in Rebus sind seine Fähigkeiten in Kundschaftung, Spionage und auch Meuchelmord bestens geeignet seine Auftraggeber über alles Feinaktivitäten informiert zu halten. Trotz seiner reserviert-höflichen Art schimmert sporadisch eine kalte Professionalität durch die kein Gewissen zu kennen scheint. Er wird von den Korriganen gefangennnommen und von Hinni befreit.
Der Schlag auf den Kopf rüttelte Hinnerk wach und ließ die schönen Träume mit Leevke, dem Meer und saftigen Erdbeeren auf einen Schlag zerplatzen. Es herrschte finsterste Nacht in dem engen, senkrechten Tunnelschacht in welchem er seit Stunden hockte. Er befühlte sodann fluchend was genau ihm da eine Beule beschert hatte. Es handelte sich um das Ende eines dicken Seils, von grünem Schleim durchtränkt. Von oben zischte eine ihm kaum bekannte Jungenstimme: „Heda! Lebst du noch, Friese? Hinni war doch der Name, ja?!“ Dieser knurrte: „Ja… Dachte du wärst abgehauen, Klimperfresse.“ „Scusi, scusi. Mea culpa. Es hat länger gedauert als gedacht, aber versuch erstmal ein vernünftiges Seil in dieser Wildnis zu finden. Es sollte dich und den Vogel aber wohl tragen. So komm denn, bevor die Korriganen zurückkommen. Ich will hier keine Sekunde länger als nötig verweilen!“ Hinni rieb sich den Kopf: „Ich auch nicht…“ Was er in der Kammer gesehen hatte wo sie Puk für die Folter festgeschnallt hatten reichte um jedem Mann eine sofortige Flucht direkt ins Herz zu legen.
Er holte die bewusstlose, sprechende und magisch begabte Amsel namens Runa aus dem runden Tunnel durch den sie zuvor gekrochen waren und legte sie behutsam in seine Gurttasche. „Wenigstens du hast einen erholsamen Schlaf.“, raunte Hinni und zupfte probeweise am Seil. Puk zischte: „Es ist festgemacht, Magister Skeptikus.“ „Hoffen wir es. Sonst klatscht es, und zwar keinen Beifall.“ „Originell. Nun geschwind.“ „Ich geschwinde dich gleich…“ Hinni stemmte sich mit beiden Füßen von der Tunnelwand und begann den Aufstieg, wickelte sich für mehr Halt das rutschige Seil um Arme und Beine. Oben angekommen half Puk ihm auf die Turmsspitze.
Eisiger Wind pfiff ihnen um die Ohren und über ihnen lag das Sternenzelt mit schwarzen Wolken die eilig vorüberzogen. Hinni blieb glatt die Spucke weg als er erblickte wie hoch sie hier waren. Er drohte sogar umzukippen doch Puk stabilisierte ihn mit bemerkenswert festem Griff: „Ganz ruhig, mein friesischer Freund. Wir befinden uns auf der Spitze eines Turmes der in den Berg eingelassen wurde. Es ist eine Konstruktion aus Steinen und Kristallen im Inneren. Es sieht zudem aus wie eine riesige, geschwungene Nachbildung des griechischen Symbols Psi… Mit runden Kugeln an den äußeren, gebogenen Enden. Geht es?“ Hinni nickte und räusperte sich: „Klar. Ist ja fazi-li-nierend aber wie kommen wir hier jetzt runter?“ Puk lächelte: „Ich schaffte es nur miht Mühe ohne Seil aber dies kann ich einem Barbaren nicht zumuten. Lass mich nur eben das Seil aufwickeln damit wir herunter-steigen und nicht herunter-fallen so wie beinahe. Unsere Knöchel werden es uns danken… Halt dich beim Abstieg am Rand fest wenn dir schwindelig ist.“ Hinni war in der Tat nicht sehr koppfast: Er hatte Höhenangst. Als Flachlandbewohner waren ihm größere Höhenunterschied bestenfalls von den Deichen und Häusern bekannt. Dies hier sprengte seinen bisherig-bekannten Rahmen um ein dutzendfaches.
Der Mond und die Sterne erhellten kurz das hügelig-bewaldete Umland in dem sich das Knisterhöhlengebirge befand. Eines war klar: Sollte er den Halt verlieren würde er mit gebrochenen Gliedern verenden und als Futter für die wilden Kreaturen des Waldes dienen. Seine Finger verkrampften sich in Folge der bloßen Vorstellung am Rand des Gemäuers und er ging mit zitternd-angespannten Muskeln langsam in die Hocke als Puk sich schon ein Stück abgeseilt hatte. Hinni zischte als er über den Rand blickte: „Scheisse ist das hoch, scheisse, scheisse…“ Puk war dagegen völlig ruhig - regelrecht frohgemut: „Oha. Nicht schwindelfrei, Freund?“ „Wie auch?! Das höchste was wir daheim haben sind ein paar popelige Deichhügel. Da kann man problemlos runterkullern, das macht sogar Spaß.“ Puk grinste: „Den Spaß kannst du auch hier haben. Aber eben nur einmal.“ „Lass die Sprüche Klimperkopp!“ Der byzantinische Junge grinste breit und salutierte:
„Jawohl, großer Dekurio!“
Der vor kurzem noch gefesselte Byzantiner sagte dann mitfühlend: „Na komm, Hinni. Ich geh auch vor dann fällste wenigstens weich – zumindest etwas. Es war nie viel Fleisch an diesen Knochen hier, hehe.“ Puk reichte ihm die Hand die Hinni schweißnass ergriff. Dass er auf die Hilfe dieses jüngeren, feminineren Buben angewiesen war kratzte an seinem männlichen Selbstverständnis aber Puk zeigte keinen Anflug von Gehässigkeit oder Schadenfreude. Hinni krabbelte behutsam zum Rand der Spitze und Puk glitt am Seil hinunter während Hinni krötenhafter Geschwindigkeit eine Bewegung nach der anderen vollführte um ihm zu folgen. Ein Windstoß riss ihn fast von der Plattform und sein Herz schlug ihm bis zum Hals.
„Gut machst du das, Dekurio. Nicht erschrecken: Gleich baumelst du.“
Hinni ließ den Rand nach mehreren, weiteren Mutbekundungen seitens Puk los und baumelte dann am Seil, hielt den Atem an. Er schlang sich um das Seil wie ein Ertrinkender. Nach einigen Sekunden meinte Puk: „Atmen nicht vergessen.“ Hinni rang nach Luft und Puk sagte dann: „Soweit so gut. Aber ich weiß nicht wie stabil das Seil ist da ich es von einem etwas betagten Brunnen im Wald geliehen habe... Daher würde ich vorsichtig vorschlagen wir beginnen mit dem Abstieg. Sofort. Ich hör schon die ersten Fasern reißen…“ Hinni knurrte: „Ich töte dich.“ „Sollte das Seil reißen so ist mein Tod sicher. Von daher…“ „Los!“ Sie rutschten an dem knarrenden Seil hinab. Auf der Hälfte des Weges riss eine der vielen Sehnen mit hässlichem Ratschen. Hinni stieß einen Fluch aus und das Abseilen wurde zu fast zum freien Fall. Kurz vor dem Boden platzte das Seil und regnete auf sie nieder.
Puk kam mit beiden Füßen auf wie ein beweglicher Gaukler während Hinni wie ein Stein herunterplumpste und auf dem Gesäß landete. „Ah mein Arsch… Du wolltest doch mein Kissen sein?“ „Scusi.“ „Dein Scusi kannst du dir in deinen Arschus schieben, klar?“ Er stöhnte und Puk half ihm auf: „Verzeihung, meine Reflexe haben mich übermannt. Aber du scheinst wohl eine ziemliche Analfixierung zu haben, kann das sein…?“ Hinni biss die Zähne zusammen: „Vorsicht, Freundchen.“ Puk lächelte kurz wurde dann aber schlagartig ernst: „Ich weiß das ich nervig sein kann aber du hast mir ein schreckliches Schicksal erspart, Friese. Dort in der Höhle. Ich habe nie gelernt aufrichtige Dankbarkeit zu zeigen… Daher hoffe ich kann mich irgendann auf andere Art erkenntlich zeigen. Ich bleibe bei dir bis meine Schuld getilgt ist…“
Hinni winkte ab: „Ach lass stecken. Ich konnte dich ja schlecht in den Fängen dieser durchgeknallten Tussen lassen, oder? Niemand hätte sowas verdient. Nicht mal so einer wie du.“ Puk blinzelte verwirrt während sie sich in den nahegelegenen Wald begaben: „Du meinst also du hast mich gar nicht gerettet um dich meiner Dienste zu versichern?“ Hinni überprüfte ob Runa den Sturz auch überlebt hatte: Sie atmete sacht und sogar Luftblasen stiegen aus ihren Nüstern. „Was laberst du eigentlich? Welche Dienste soll ich mir bei dir schon versichern? Was kannste denn außer rumhüpfen?“ Puk wirkte sprachlos und blieb stehen: Er wirkte schockiert, wie vom Donner gerührt. Hinni schüttelte den Kopf: „Was hast du? Hat dir noch nie jemand geholfen ohne gleich etwas dafür zu verlangen, oder was?“ Ein schwaches Lächeln lag auf Puks Lippen: „In… In der Tat. Nein – beziehungsweise es ist schon lange her seitdem jemand… Weißt du, Friese: Die große Stadt am Bosporus ist nicht bekannt dafür sonderlich selbstlos zu sein - alles hat seinen Preis. Alles. Es ist mir unangenehm... Ich fühle mich als hätte ich Schulden bei dir die ich nie völlig bezahlen kann…“ „Ich erlasse dir deine Schulden wenns dich so schmerzt. Auf sowas hab ich eh keine Lust. Ich bin doch kein Sklaventreiber wie diese Bastarde im Lehmsumpf. Außerdem hast du mich auch von diesem Turm geholt. Wir sind somit quitt.“
Puk trat energisch vor und klopfte sich mit der Faust auf die Brust: „Halt! Tu das ja nicht! Wenn du das sagst werden meine Schulden nur noch größer! Lass mich dir irgendwie helfen. Ich bin vielseitig in jedweder Form, mache alles! Nur ich muss diese Schuld wieder loswerden…“ Hinni schubste ihn weg: „Ja schon gut. Herr Gott was für’n Typ. Du hilfst mir indem du mir hier raushilfst. Lass uns aber zuerst Abstand zwischen uns und diesen Knisterhöhlen bringen: Ich möchte den Hexen nicht bei Nacht über den Weg laufen.“
Puk lachte stark auf als hätte Hinni einen enormen Witz gerissen: „Hahaha! Wie Recht du hast, Herr! Solch ein geistreicher Kommentar! Cato selbst hätte es nicht besser sagen können. Eine rhetorische Glanzleistung!“ Hinni schüttelte den Kopf. Was für eine bizarre Type hatte er sich hier nur an den Hals gelacht? Sie fanden später eine kleine, abgelegene Erdhöhle und vergewisserten sich dass sie frei von Wölfen und anderem Unier war.
Hier schlugen sie sodann ihr Lager auf. Moosfarne hingen wie Vorhänge vor dem Ausgang um sie vor fremden Augen zu verbergen. Leichter Regen setzte ein und prasselte auf die grünen, großen Blätter der Sauerampfer die um die Höhle wuchsen. Hinni schniefte: „Das ist gut. Der Regen wird unsere Spuren verwischen... Morgen werden wir zu Jens und Gerlinde zurückkehren.“ Puk rückte näher an ihn heran: „Was ist mit dem Vogel? Geht es ihm gut?“ „Runa? Schläft immer noch. Ich befürchte mit ihr stimmt etwas nicht - Irgendwas Magisches. Vielleicht hat Jens ja eine Idee, das ist sein Therotorium.“
Der byzantinische Spion druckste herum: „Territorium. Was ist mit deiner Freundin? Wie geht es ihr?“ „Das ist meine Sache.“ Puk nickte eifrig: „Natürlich, Herr…“ „Nenn mich nicht immer so - kann ich nicht ab so’n Geschleime.“ Hinni seufzte lang und zerbrach einen Ast mit dem er das kleine Feuer dass sie entzündet hatten in Gang hielt. Die Gefahr der Entdeckung war vertretbar gering und außerdem hielt das Feuer manch unwillkommenes Krabbelgetier fern. Es wäre töricht gewesen auf das wärmende Feuer zu verzichten: Eine schwere Krankheit konnte Hinni aboslut nicht gebrauchen.
Er seufzte: „Ich weiß nicht was sie hat… Weiß nicht was ich noch tun oder sagen soll um sie zurückzuholen. Sie ist völlig von deren Palaver eingenommen.“ Puk nickte verständnisvoll: „Liebe tut ebenso weh wie gut…“ Hinni blickte ihn an: „Was weißt du darüber? So jemand wie du hat bestimmt lauter Olschkes in jedem Ort. So’n Schönling.“ Puk lächelte irritiert: „Olschkes? Ah! Verstehe. Niedlich dieser Tedeschi-Dialekt. Aber um deine Frage zu beantworten, Dekurio. Nein ich habe keine Olschkes in jedem Ort. Ich bin dazu ausgebildet nichts anderes zu lieben als den Imperator. Alles andere ist nur Mittel zum Zweck.“ „Klingt nach einem glücklichen Sklaven.“ Puk war nicht beleidigt: „So ist es. Jeder folgt einem Ideal, einem Konzept in dieser Welt. Anders kann man nicht überleben. Selbst ihr Friesen die ihr euch als so frei erachtet seid ebenso Sklaven eurer Ideale.“
Hinni rollte mit den Augen: „Ihr redet wirklich alle mit gespaltener Zunge ihr Byzantiner. Schon einmal von den Disruptoren gehört? Oder einem Söldner namens Geifer? Da würdest so einer wie du gut hinpassen. Zu solchen Verbrechern - Ihr habt kein Gewissen nicht. Keine Ehre. Was weiß ein Sklave von Freiheit…“
Puk meinte: „Nunja, gehört habe ich von diesen Disruptoren doch sie sind schwer zu packen. Sie operieren im Verborgenen und gehen nicht systematisch vor. Sie passen sich stets an und tauchen gekonnt unter. Es gibt kein vorheriges Muster. Vermutlich konnten sie deshalb noch nie im Imperium Fuß fassen weil Agenten wir ebenso anpassungsfähig sind. Nicht, dass das die Probleme und Streitigkeiten im Imperium verhindern würde.“ Hinni stocherte in der Glut: „Wie ist eigentlich in Konstantinopel? Soll ja die größte Stadt der Welt sein, mit unermesslichen Reichtümern und starken Armeen. Hat mein Onkel Abbo mal erzählt…“ Puk lächelte: „Oh, die Königin aller Städte ist wunderschön. Die Straßen sind sauber, das Wasser fließend rein, die Bauten ebenso stabil wie elegant. Es gibt herrliche Malereien an jeder Ecke. Die Mauern sind stark, die Märkte bieten dir Waren aus aller Welt, Essen und Trinken vom Feinsten. Ihre Armeen sind diszipliniert und ihre Kataprakten schwer gepanzert. Die Stadt hat nur einen Haken.“ „Was soll das sein?“ Puk starrte in die Flammen: „Nunja sie ist voller Menschen.“ Sie legten sich schlafen.
In der Nacht wurde Hinni geweckt, als Puk ihn mit seinem nackten Fuß am Oberschenkel piesackte. Hinni grummelte: „Was is‘n…?“ Er öffnete die Augen und Puk lag direkt vor dem schwachen Licht der Glut gegenüber und hatte seinen Mantel zurückgeschlagen. Der Junge sah aus als hätte er sich rudimentär mit zerriebenen Blättern und Blüten die Augenlider gefärbt, seine Lippen glänzten feuchte. Mit leiser Stimme sagte er: „Ich tue das nicht für jeden… doch wenn du Entspannung brauchst und ich dir etwas Erleichterung verschaffen kann: Biete ich mich dir hiermit an. Ich kann es so machen dass du keinen Unterschied feststellst - Was du auch wünscht, ich werde es perfekt machen. Es hat sich noch keiner beklagt…“ Hinni stockte einen Moment. Er war völlig mit der Situation überfordert die sich ihm so überraschend darbot.
Schließlich stöhnte er lauthals auf als er Puks Worte erfasste: „Das kann doch nicht wahr sein. Ich bin ein Mann! Klar?! Scheisse. Lass mich bloß mit deinen dekidenten Perversitäten in Frieden. Ist ja ekelhaft! Bäh! Komm mir nicht zu nahe, ab in deine Ecke. Leg dich pennen und bleib mir vom Leib, sonst ballert es, klar? War das deutlich genug oder muss ich dir davon ne Zeichnung machen?“ Hinni war vor Empörung hochgekommen. Puk nickte aber sein Blick verriet Verwirrung ebenso wie Enttäuschung: „Verzeihung. Kommt nicht wieder vor…“
Hinni drehte sich wütend um und starrte gegen die rotbeschienene Höhlenwand mit ihrem Moosbewuchs. Sein Herz klopfte wie wild: „Unglaublich! Einfach unglaublich sowas.“ Puk selbst drückte sich die Handballen in die Augen, wischte damit die Blüten und die salzige Feuchtigkeit aus seinen Augen. Er zog die Beine an und verdrängte die aufkommende, emotionale Reaktion mit der seit jüngsten Jahren antrainierten Atemtechnik um diese zu unterdrücken. Als er sich in den Mantel gekauert hatte murmelte er: „So leicht entkommt man nicht, Puk…“ Sodenn kam die Nacht und ging vorüber.
Am nächsten, taufrischen Morgen setzten die beiden wortkarg ihren Weg gen Norden fort wo sie alsbald einen Fluss fanden an dem ein fahrender, Kaufmann aus Mercia mit seiner Familie gerade sein Pferd tränkte. Von diesen erfuhren sie nach kurzen Gespräch, dass sie sich zwei Tagesreisen süd-westlich von Thetford befanden. Der sächsische Kaufmann war auf dem Weg nach London, da ihm der Krieg in der Region zu schaffen machte und der Handel mit den Icenern zunehmend gefährlicher wurde, trotz der guten Preise für deren berühmte Keramikwaren. Hinni wusste wohl wieso diese so billig waren: Er und Jens hatten eigenhändig als Sklaven in den icenischen Lehmgruben schuften dürfen wo das Zeug massenhaft gefertigt wurde.
„Ein Glück.“, sagte Puk grinsend, „dass wir nicht in Thule rausgekommen sind, was Dekurio? So sagt ihr Nordmenschen doch?“ Hinni murrte nur. Ihm war der Byzantiner nach dem nächtlichen Angebot nicht gerade sympathischer geworden: „Wen interessiert das verkackte Thule. Wir müssen zu dem Wald in dessen Nähe die Lehmgruben sind. Dort steht ein altes, römisches Kastell in dem sich meine Freunde verbergen…“ „Ahhh. Das alte Gemäuer kenn ich wohl. Es ist ein alter römischer Außenposten einst gegen die Pikten gerichtet. Ist nun voller Ratten. Hab da mal ein ganzes Nest ausrotten dürfen die von einm sehr großen Exemplar – der Brutmutter - angeführt wurden. Nunja. Komm mit. Ich hab die Landkarte in meinem Kopf eingebrannt und führe dich sicher dorthin.“ Puk mimte den frohgemuten, energischen Kundschafter und Hinni folgte ihm misstrauisch da er keine andere Wahl hatte. Er kannte sich hierzulande gar nicht aus und war daher auf den römischen Agenten angewiesen. Er wollte nur ungern wieder in die Hände der Icener fallen.
Während ihrer gemeinsamen Reise zu Jens und Gerlinde wichen sie immer wieder icenischen Grenzgängern aus und gingen bevorzugt durch die Wälder; vermieden stets offene Felder, Wiesen und Wege. Dabei stellte sich Puk als nützlicher Kundschafter heraus und entdeckte Dinge welche Hinni niemals aufgefallen wären oder viel zu spät. Runa indes schien wie tot: Sie atmete zwar noch aber seit ihrem Zusammenbruch hatte sie sich nicht mehr wirklich gerührt. Jeder Versuch sie mit Regenwürmern zu füttern um sie wie zuvor zu reaktivieren scheiterte. Auch Puks herbeigeschafften Kräuterlösungen brachten keine sichtbare Besserung.
Nach zwei Tagen durchs Unterholz erreichten sie schließlich die sumpfige Ebene vor dem Wald nördlich der Lehmgruben. Hier waren Jens und Hinni in den vergangenen Wochen zur Sklavenarbeit gezwungen worden und hatten das Lager nur mit Runas und Gerlindes Hilfe verlassen können. Die Flucht war nicht ohne Opfer gewesen: Viele der Sklaven, ausgehungert und ausgemergelt durch die harte Arbeit waren in den Kämpfen während der Flucht gestorben, darunter auch der ältere Nordmann Ulfgar.
Dieser hatte seinen Platz in Walhalla gefunden als er ganz allein die icenischen Wachen aufhielt welche die Flucht der Sklaven ansonsten verhindert hätten. Dabei war es just Ulfgar gewesen, welcher sich am ehesten mit dem Leben als Sklave abgefunden hatte. Für ihn hatte es außerhalb der Gruben kein Leben mehr gegeben. Letztlich hatte er das Leben vieler Sklaven gerettet.
Puk winkte von vorne: „Nicht trödeln, Dekurio. Wir müssen runter von der Straße.“ Ohne es zu merken hatte Hinni den offenen Weg betreten welcher von Thetford zu dem Eingang des Lehmsumpfes führte. Er war schon einmal auf einem Karren hier gewesen. Weit und breit war aber niemand auf dem Weg zu sehen welcher das Land in zwei Hälften teilte: die südliche Ebene mit Gras aus der sie gerade kamen und den großen Thetforder Wald auf der anderen Seite. Die Knisterhöhlen und der Psi-Turm befanden sich also demnach südlich vom Lehmsumpf. Hinni straffte sich und schloss eilig auf.
„Was soll eigentlich dieses ständige Dekurio-Gequatsche? Was ist das? Eine Beleidigung?“ Puk lachte hell: „Im Gegenteil: So nennen wir die Anführer unserer Reitereinheiten; große Krieger. Meister ihres Fachs.“ „Ritter?“ „Nicht ganz... Römische Reiter sind leichter gepanzert und dienen unserer Armee nicht als Schocktruppen wie die westlichen Ritter oder unsere Kataprakten. Vielmehr dienen sie als mobile Eingreiftruppe zum Bekämpfen und Ausschalten leichter Einheiten des Gegners, wie Plänkler und Schützen oder zum Niederreiten fliehender Truppen.“ Puk lächelte verlegen: „Direkt aus dem taktischen Handbuch zitiert…“
Hinni runzelte die Stirn als sie tiefer in den Wald hineingingen: „Die römische Armee? Die gibt es doch schon lange nicht mehr.“ Puk hüpfte über ein Gestrüpp: „Wenn man einmal von eurem Kaiser oder unserem Imperator absieht die sich beide in der Tradition des alten Reiches sehen, dann nein; die großen Legionen gibt es nicht mehr. Jedoch: Ostrom hat sein eigenes Gebiet weitesgheend bewahrt und auch Westrom ist hier und da noch präsent: Es sind kleine Enklaven die die Wirren des Barbarensturms überlebt haben.“ „Wie das?“ Puk verkündete stolz: „Disziplin. Viele Gelehrte daheim in Byzanz behaupten dass just der Mangel an Disziplin zum Falle Westroms beigetragen hat. Zu viele, faule Kompromisse mit Barbaren und internem Machtgerangel der Legaten. Der Beweis für diese These ist des Legaten Lagerstadt und all jene kleineren Kastelle die es sternenförmig umgeben. Sie halten nur stand weil sie auf Kommando gehorchen. Weil sie geeint sind.“ Puk machte eine ausschweifende Geste und sagte stolz: „Es ist die Legio XVII! Gemini! Eine ganze Legion die sich hier in Britannia bildete nachdem der Kaiser Honorius alle Legionen zurückbefahl um gegen die Barbaren auf dem Festland zu kämpfen in Gallien und am Rhenus. Die Legionäre und Zenturionen aber, die hier auf der Insel Land und Familien hatten nutzten ihre Erfahrung und stellten die skelettierten Kohorten neu auf – bildeten ihre eigenen Legion. Der große Legat Aurelius Symmachus ist alles was von diesem alten Römer-Geschlecht übrig geblieben ist; seitdem Angeln, Sachsen oder Jüten hier der Reihe nach eingefallen sind und ihre kriegstreibenden Königreiche ausgerufen haben... Es gibt zwar noch isolierte Kastelle anderswo auf Britannien und auf dem Festland doch der Kontakt zu ihnen ist so spärlich dass sie vielleicht auch schon seit Jahren vernichtet oder verlassen sein könnten. Wir wissen es nicht genau.“ Puk blickte Hinni fragend an: „Sag doch Hinnerkus: Was habt ihr vor wenn du und deine Freunde wieder vereint seid? Ich hätte da nämlich einen Vorschlag zu machen…“ Hinni rümpfte die Nase: „Was meinst du?“ „Kommt zu uns. Der Legat wird sehr dankbar dafür sein dass ihr mich gerettet habt. Ein warmes, entspannendes Bad in der sauberen Therme, eine kalte Cervisia und die gute alte Legionärsverpflegung wie einst Marius es ersann und Caesar knurrend genoss während Vercingetorix ihn bei Alesia umzingelte…“ Hinni winkte ab: „Vielleicht.“ Puk lächelte: „Sehr schön, Dekurio. Du wirst nicht enttäucht sein.“ Hinni schnaufte: „Meh. Ich hab nicht einmal ein Pferd, du Vogel.“
Als Hinni und Puk das zerfallene Gemäuer des Kastells betraten war es verdächtig still. Einst hatten jene, steinernen Mauern rund hundert Männern Unterkunft geboten doch nun waren die Gebäude zerfallen, von Bäumen überwuchert und von wilden Tieren zurückgefordert. Sie durchquerten das zerfallene Torhaus als ein Wurfmesser neben Hinnis Kopf vorbeirauschte und in einem morschen Holzbalken steckenblieb. Hinni lächelte ungerührt: „Du Luder! Lass den Scheiß! Ich bin es. Hinni!“ Die Frau mit der Zahnlücke, dem kleinen Bierbauch und dem kurzgeschorenen, rötlichen Haar kam um die Ecke geschlendert, spielte dabei mit ihrem zweiten Wurfmesser welches zwischen ihren Fingern tanzte: „Ahhh! Kommt der verlorene Sohn doch noch nach Hause?“ „Moin Gerlinde.“ „Nanu? Wo hast du denn deine Freundin, das Liebchen gelassen?“
Die Seeräuberin bemerkte sogleich auch Puk: „Oder bist du schon auf gewisse Alternativen ausgewichen, hmmm? Ging ja flott.“ Sie grinste aber Hinni war nicht zu Scherzen aufgelegt: „Halt bitte einfach die Backen, du Hupenmonster. Lebt denn der alte Bohnenjens noch?“ Der schlaksige Kaufmann stolperte nun aus einem der Gebäude: „Hier. Hier bin ich schon!“ Innerhalb weniger Sekunden waren auch die übrigen Einwohner der Ruine versammelt. Nach ihrer gemeinsamen Flucht waren einige der ehemaligen Lehmgrubensklaven im Kastell verblieben um aus Dankbarkeit auf Hinnis Rückkehr zu warten, darunter Barik of Thedret, der angelsächsische Thegn sowie drei weitere Fyrd-Milizen seines früheren Gefolges. Der Rest der einst fünfzig Mann starken Truppe hatte sich in alle Winde verstreut und versuchte sich in die Heimat durchzuschlagen.
Jens umarmte Hinni und klopfte ihm auf die Schulter: „Alles in Ordnung? Ich befürchtete schon das schlimmste.“ Hinni lachte drehte aber den Blick zur Seite: „Mir geht’s gut aber Leevke… Sie wollte nicht mitkommen.“ Jens war irritiert: „Hat sie jemand gefangen? Wird sie festgehalten?!“ Hinni bellte plötzlich: „Nein! Sie wollte nicht mitkommen! Wollte! Von Willen! Sie will bei diesen Hexen bleiben. Ich habe es versucht aber sie war überzeugt von was auch immer diese Schlampen ihr eingetrichtert haben.“ Jens hob abwehrend die Hände: „Woh! Woh! Ganz ruhig: Ich bin sicher es gibt eine Erklärung dafür.“ Hinni schüttelte den Kopf: „Glaub ich nicht.“
Jens atmete tief durch und lächelte dann: „Na, nu komm erst einmal rein und wärm dich. Es ist zwar kein nobles Gasthaus, aber wir haben uns einigermaßen gemütlich eingerichtet.“ Gerlinde rückte an Hinni ran: „Ich wärme dich mit Schnaps und meiner kuscheligen Wampe, du muffiger Miesepeter, du.“ Hinni schwieg und Barik verwies auf Puk der höflich stehen geblieben war: „Jeah, was ist denn mit dem hier? Gehört er zu dir Hinnerk, ja?“ „Mehr oder weniger. Leute, das da ist Puk. Er hat mir geholfen und ist römischer Kundschafter oder sowas. Komm, Puk. Du kannst auch unterkommen. Wenn wir dir nicht zu normal sind.“ Puk verbeugte sich lächelnd: „Ich freue mich euch kennenzulernen.“ Gerlinde lachte: „Nein, was für ein höflicher Bengel.“ Jens meinte: „Sagt die richtige. Na dann sei willkommen, Puk.“ Sie reichten sich die Hände: „Ich bin Jens Janssen, Kaufmann aus Greetsiel. Interesse an ein paar Bohnen?“ „Im Moment nicht, danke.“ Hinni lachte: „Ich fürchte diese Hülsenfrüchte namens Bou-nähn sind zu barbarisch für diesen feinen Magen…“
Die nächtliche Episode zwischen ihnen war vorerst vergessen und obwohl die beiden Jungen weit davon entfernt Freunde zu sein verdankte Hinni ihm sein Leben ebenso wie er ihm das seinige. Puk abzuweisen wäre unhöflich gewesen. Zudem verwandelte sich der leichte Nieselregen der vergangenen Tage in diesem Moment in ein heftiges Gewitter mitsamt Blitz, Donner, Sturm und Regen: Hinni hatte sofort die Korriganen Hexen in Verdacht, konnte aber nichts beweisen.
Sie betraten das halbeingestürzte Gebäude und kauerten sich um das Feuer, welches Bariks Mannen leise tuschelnd in Gang hielten: Sie brieten erlegte Hasen darauf und in einem kleinen Topf köchelte aufgeqollener Hirsebrei den sie auf einem Dachboden gefunden hatten. Nach dem Essen ließ Gerlinde ihre Schnapsflasche einmal rumgehen und Hinni berichtete von seinem Abenteuer in der Anderswelt und den Knisterhöhlen. Es donnerte gewaltig und der Regen prasselte wie ein zorniger Wespenschwarm auf das geplagte Schilfdach...
Jens verschränkte die Arme vor der Brust und schloss die Augen als Hinni seinen Bericht beendet hatte: „Ist ja allerhand. Ein Glück das Runa da waru m dich rauszubringen. Dieser Wintergöttin möchte ich nicht begegnen… Könnte es sein, dass die Korriganen Leevke verhext haben? Ich kann nicht glauben dass sie dir weniger vertraut als denen.“ Gerlinde stichelte: „Vielleicht ist unser kleiner Freund ja auch etwas zu grob gewesen? Hmmm? Hmmm??“ Hinni und Jens äußerten sich gleichzeitig: „Lass das Ge-Hmmm-he!“
Barik warf einen Ast ins Feuer: „Ich verstehe zwar nicht worum es bei eurem Streit mit dieser Leevke geht aber ich entnehme dem Ganzen das ihr auch eine Rechnung mit den Korriganen offen habt? Ihr wollt Rache, nein?“ Jens blickte Hinni an und antworte dann: „Uns geht es nur um Leevke. Aber wenn sie nun wirklich glücklich bei denen ist?“ Hinni lachte auf: „Du also auch was? Hätt ich nicht gedacht, Mann.“
Jens ruderte zurück: „Ich sag doch nur, dass sie doch über diese Wasserkräfte verfügt – sie war mal ein Fisch falls du dich erinnerst - und keiner von uns kann ihr damit helfen. Ich nicht, du nicht, die Kirche nicht und von Gerlinde red ich gar nicht erst...“ „Hast du schon, Herr Pensel.“ Jens fuhr ungerührt fort: „Und wenn die Korriganen ihr helfen? Uns müssen ihre Methoden nicht gefallen aber Leevke scheint sie akzeptieren und ich vertraue ihrem Urteil, sie ist ein gutes Mädchen, nicht? Vielleicht war die Sache mit Leofric ja auch nur ein Missverständnis. Und er hat zuerst auf die Korrganen geschossen, vergessen wir das nicht.“ Hinni brauste auf: „Ach und die Art wie sie ihre Männer und Söhne behandeln? Wie Sklaven, den letzten Dreck? Sowas würde Leevke nie toleri-ieren.“ „Das ist nunmal ihre Kultur…“ „Scheiss auf Kultur. Was für ne typisch-bekackte Ausrede. Wir haben es selbst erlebt, Jens. Du bist da fast verreckt. Die sind doch alle nicht mehr sauber in der Birne und bei sowas soll Leevke bleiben? Nene. So nicht.“
Jens rieb sich den angespannten Nacken: „Ich fühl mich auch noch immer geschwächt…. Aber das ist nun einmal ihre Kultur. Sie haben sich so entschieden. Wir werden sie nicht von heut auf morgen verändern. Womit auch?“ Barik nickte grimmig: „Das geht nicht. Niemand geht gegen einen gemeinschaftlichen Thing-Beschluss an, die Icener ebenso wenig wie unsereins. Auch wenn sie es anders nennen mögen.“
Jens erklärte weiter: „Hinni, glaub mir wenn ich eins auf meinen Reisen in andere Länder gelernt habe, dann das man die Leute mit ihrer Kultur ja in Ruhe lässt. Da kann man schlafende Hunde und andere bissige Monster wecken. Außerdem sind die meisten Menschen ganz umgänglich, besonders mit etwas Schnaps.“ Er lächelte doch Hinnis Gesichtsausdruck war geprägt von Enttäuschung und Wut: „Im Angesicht von klarem Unrecht wegsehen? Das kann ich nicht. Das kommt mir alles hoch.“
Gerlinde seufzte ihrerseits: „Ja aber wat willste den konkret machen, kleiner Weltenlenker, hm? So war es immer und so wird es immer sein. Lass sie sich doch gegenseitig bis zur absoluten Dummheit versklaven, lass sie doch in ihrem Sud verrecken. Gehende soll man nicht aufhalten. Wenn sie tot sind hat unsereins endlich Ruhe. Wir müssten nur abwarten. Die wollen es so...“ Hinni sprang auf: „Niemand will das so! Das ist doch gequirlte Möwenscheiße und ihr alle wisst es! Kein Mensch will so leben! Jedes Viech ist da klüger und weiser. Klütje hat mehr Überlebenssinn als dieses ganze icenische Volk. Aber du sagst es geht uns nichts an? Falsch gedacht! Je mehr Menschen sich so verarschen lassen desto größer wird doch auch die Gefahr für uns - Desto kleiner wird unsere Welt bis wir von allem isoliert sind! Denkt ihr die Oldenburger hätten uns angegriffen wenn sie frei und unabhängig gewesen wären?“ Er wandte sich an Jens: „Erinnere dich doch nur mal an die Plänkler die Gerhard vorgeschickt hat. Bauernopfer die gerade mal wussten wo am Speer das spitze Ende ist. Diese… wundervolle Kultur ist wie eine Krankheit die sich ausbreitet und alles verseucht wenn man sie nicht stoppt. Es ist als Kultur getarnte Ausbeutung!“ Puk kommentierte fachmännisch: „Die meisten Speere haben zwei spitze Enden. Einen Schuh um sie in den Boden stecken zu können und die Kampfspitze…“ Hinni fuhr ihn an: „Misch dich da nicht ein. Du bist eh vorbelastet, Sklavenjunge.“
Jens stand auf: „Ruhig Blut, Hinnerk. Ja, ja du hast Recht mit allem was du sagst aber es ändert gerade nichts daran dass wir keine Mittel haben etwas zu ändern. Wir sind Fremde in einem fremden, vom Krieg zerrissenen Land und die meisten der Leute hier wollen uns entweder tot oder in den Lehmgruben sehen. Wir haben keine Freunde! Anwesende ausgenommen.“ Barik nickte dankbar.
Hinni schnaufte als er sich etwas beruhigte: „Ja sowas kotzt mich halt an. Das kanns doch nicht sein…“ Er blickte auf die immer noch regungslose Runa welche er in einer warmen Wolldecke nahe des Feuers gelegt hatte: „Ich hör auf aber was machen wir mit unserer Amsel? So kann sie nicht bleiben.“ Jens seufzte erleichtert: „Wohl wahr… Sie scheint in einer Art Schockstarre gefangen zu sein. Ich wüsste nicht was ich da tun könnte außer ihr noch mehr Würmer vor den Schnabel zu halten. Magie möchte ich ungern einsetzen wenn es um das Leben einer Freundin geht. Dafür ist sie mir zu riskant.“
Gerlinde schmunzelte: „Oho! Deine Freundin ist sie jetzt schon? Hat dir ihr Schnabelkuss so sehr gefallen, Jensel?“ Jens blinzelte: „Kuss? Welcher Kuss?“ Gerlinde winkte ab: „Hups! Ich hab nix gesacht. Das sind Frauengeheimnisse, tihihi.“ „Wohl eher Weibertratsch. Aber da fällt mir gerade was ein. Runa sprach doch von irgendeinem Meister Katzwiesel? Hat jemand eine Ahnung wo wir den finden könnten? Lebt er irgendwo in der Nähe?“ Er blickte fragend in die Runde während Hinni sich auf einen Holzbalken setze, Pakhaou mit dem Schleifstein bearbeitete und grimmig in die Flammen starrte.
Barik grübelte: „Meister Katzwiesel? Ob Runa damit wohl den alten Waldzauberer in den westlichen Wäldern gemeint hat, nein?“ „Habt ihr eine Idee, Barik?“, fragte Gerlinde neugierig und beugte sich vor. Dieser verzog das Gesicht als er ihr direkt in den gut gefüllten Ausschnitt der Bluse sehen konnte: „Nunja… Es gibt Gerüchte über einen alten, verwirrten Hexer in den Wäldern im Westen von meinem Land Essex: dem Land von Koning Sweppa dem Weißen. Es sind zwar nur größtenteils Legenden und Schauergeschichten aber ich meine mich zu erinnern dass einer der Namen für diesen Zauberer Katzwiesel gewesen wäre. Manchmal gehen unsere Frauen in den Wald um Kräuter zu sammeln und berichten das dort viele wilde Bestien leben die sie aber verschonen sofern sie nicht zuviel pflücken…“
Puk druckste herum: „Ich habe… Informationen die aber einzig dem örtlichen Senat und dem Legaten zukommen sollen…“ Gerlinde schubste ihn an: „Spuck’s schon aus.“ Puk blickte sehr unglücklich drein und Jens erkannte sogar Schweißperlen auf seiner Stirn. Er zog er die Beine an und legte beide Hände in seinen Schoß, wirkte verkrampft als er erzählte: „Es gibt sehr wohl einen Zauberer namens Katzwiesel. Weiter noch im Südwesten als die Knisterhöhlen liegt sein Wald in anglischem Land. Ich sollte ihn dort aufsuchen aber ich wurde von einem Schwarm wilder Tiere. Es war erschreckend - dabei waren es nur Eichhörnchen.“ Jens fragte: „Kannst du uns dahinführen, Puk?“ Der junge Agent nickte stumm.
Jens wandte sich an Hinni: „Wir sollten Runa zu ihm bringen, vielleicht kann er uns helfen sie aufzuwecken. Jemand anderen werden wir wohl kaum finden und Runa schien ihm zu vertrauen. Obendrein könnte er uns mit Leevke und den Korriganen weiterhelfen - Herausfinden ob sie wirklich verhext wurde oder was deren wahres Ziel ist. Vielleicht sind sie ja wirklich nicht das was sie vorgeben.“ Der Greetsieler stockte: „Ich weiß was du sagen willst, Hinni. Ich war auch in Wittmund. Aber das hier… Haben wir nicht schon genug getan: Radbod, Geifer, den Grafen? Ich hatte in der letzten Zeit mehr Abenteuer als in meinem ganzen Leben. Ja und irgendwann ist unser Glück vielleicht am Ende und dann? Haben wir nichts mehr. Lass uns einfach Leevke holen und dieser unwirtlichen Insel den Rücken kehren.“ Hinni klang nicht sehr überzeugt: „Ich versteh schon, Jens. Mach dir keine Sorgen. Ich tu schon nichts Unüberlegtes.“ Hinni betrachtete die schimmernde Klinge des erkalteten Sax im Feuerschein: „Alle Anwesenden sind überdies mit sofortiger WIrkung von ihrer Schuld befreit mir zu dienen. Ihr habt keine Lebensschuld bei mir. Weder die Anglier noch Puk. Tut wie euch beliebt. Ich will keine Schuldensklaven halten.“
Barik of Thedret senkte sein Haupt: „Ich danke euch im Namen meines Gefolges und meiner Sippe für diese ehrenhafte, großzügige Geste. Es sei nicht vergessen. König Sweppa wird davon erfahren. Aber wie ist es mit euch Herr Janssen?“ Jens nickte: „Ich werde auch nichts mehr verlangen. Ihr seid frei.“ „Gut, sehr gut. Sodenn ihr gen Süden geht werden wir euch begleiten. Ich kenne das Land und bringe euch so nah wie möglich zu Katzwiesels Wald heran.“ Jens nickte: „Wir würden uns über Begleitung sehr freuen. Dankesehr. Und du Gerlinde? Auch du hast uns das Leben gerettet; damit sind wir ebenfalls quitt. Du kannst wieder zum Meer zurückkehren.“
Das Messerweib versuchte einen verführerischen Blick der aber durch ihre offensichtliche Zahnlücke so ruiniert wurde dass es eher abschreckend wirkte: „Nanana, Nasenmann. Mich werdet ihr so schnell nicht los! Ihr braucht mich, jetzt wo die Kleine nicht mehr da ist, mehr denn je. Jemand muss den weiblichen Teil eurer Truppe ausfüllen. Sonst isses ein reines Schwanzfest.“ Jens meinte sarkastisch: „Wenn du denn weibliche Tendenzen hättest würde ich dir sogar zustimmen.“ Gerlinde drückte ihren Rücken durch und präsentierte ihren Busen: „Zwei recht deutliche Tendenzen hab ich. Interesse? Hmmm? Sind gut gefüllt…“ Jens winkte ab: „Du warst eindeutig zulange unter Männern. Ich bin überdies vergeben, Fräulein…“ „Nenn mich nicht so!“ Barik hob zögerlich die Hand: Zum ersten Mal überhaupt wirkte der bodenständige Anglier peinlich verlegen: „Also ich… Ich hätte wohl Interesse.“ Gerlinde schnaufte: „Nicht du. Hier gibt es nur zwei Kandidaten für eine heiße Nacht mit diesem beschwingten Weibsbild. Meine edlen Retter aus Lassmanns kalten Klauen…“ Sie blickte zu Hinni hinüber der nicht zugehört hatte und darum irritiert aufblickte: „Was?“ Er bemerkte Gerlindes anzügliches Gehabe in seine Richtung. „Nein.“, war die unmisserständliche Antwort. Gerlinde schmollte darum nicht.
Für sie gehörte es inzwischen dazu die beiden damit zu necken. Es lockerte die Stimmung auch merklich auf und Jens war ihr auch dankbar dafür. Sie hatte zwar eindeutige Macken aber dafür war sie für eine Seeräuberin erstaunlich zugänglich und garnichtmal so einfältig wie sie sich gab. Es entlastete seinen Anteil als Verantwortlicher zumindest etwas.
Das Unwetter wurde heftiger und sie beschlossen zu rasten ehe sie weiterzogen. Kurze Zeit später machten sie sich daran ihre Schlafstätten herzurichten und sich für Reise nach Essex und zu Katzwiesels Wald vorzubereiten. Hinni vermochte allerdings nicht recht zu schlafen und starrte an die tropfende Kacheldecke ihrer Unterkunft: Er dachte an Leevke und wie es ihr wohl erging. Sie hatte ihn immerhin nicht an die Hexen verraten als er in der Knisterhöhle bei ihr gewesen war…
Die Reise durch die Anderswelt war nicht annähernd so verwirrend wie beim ersten oder auch zweiten Mal. Die Prozedur war Leevke inzwischen wohl vertraut: Sie sprang in einen speziellen See oder Brunnen und wurde dann durch das „Innere der Erdenmutter“ gezogen. Dies war imgrunde eine titanische, finstere Wasserhöhle mit einem moosweichen Boden zu dem man mit großer Kraft hinuntergezogen wurde. Dies geschah mit so hoher Geschwindigkeit dass niemand Luft schnappen konnte. Einmal am Boden angekommen wurde man von Geisterhand gestoppt und man konnte sich ausrichten ehe man in eine andere Richtung mit Urgewalt wieder abgestoßen wurde. Man wurde in einen der vielen Tunnel der Höhlendecke gedrückt und kam irgendwo in der vernebelten Anderswelt heraus. Dort konnten sich nur deren Bewohner und die Korriganen frei bewegen ohne sich in dem endlosen Nebelland zu verlieren dass diese Welt dominierte.
Laut Morrigan - zu der Leevke ein inzwischen zutrauliches Verhältnis entwickelt hatte - handelte es sich bei dem Nebel um ein Relikt aus der Entstehungsgeschichte Alteras, als feuerspeiende Berge und Fluten äonenlang miteinander rangen, der Himmel brannte und die See kochte. Die Anderswelt wirkte wie eine Traumlandschaft und man sah bisweilen lockende Schemen, bizarre Kreaturen und ferne, fremde Landschaften aufblitzen. Dazwischen blitzen immer mal wieder Seen, Wiesen, Berge, verwitterte Ruinen, Höhlen und dergleichen mehr auf. Diese formlose Welt barg die ständige Gefahr der Verirrung, sodass jemand ohne Führung sich in dem Labyrinth aus Pfaden mit Sicherheit verlaufen hätte ohne je wieder einen Weg hinaus zu finden.
Die Anderswelt war wie eine Zwischenstation wodurch es ihnen möglich war große Distanzen in der realen Welt zu überwinden. Zeit und Entfernungen hatten in der Anderswelt einen anderen Klang und eine andere Wirkung. Leevke und Morrigan gingen hinten an während die drei anderen Korriganenschwestern; darunter die energisch-knisternde Badb, die lautstark-tumbe Nemain sowie die besonnen-verantwortungsvolle Macha ihnen vorraus gingen. Seitdem Morrigan Leevke am Hofe ihrer Schwester, Hochkönigin Boudicca in Thetford aufgenommen hatte war die Wasserkorrigane stets bei Leevke gewesen und hatte jede ihrer Fragen geduldig beantwortet. Leevke hatte wohl den Eindruck dass diese Frau, welche ihr Gesicht und ihren Körper größtenteils hinter einem hohen Kragen verbarg, in ihrem echten Selbst sehr gefühlsbetont und liebevoll war. Es war die Art wie sanft sie redete und ihre geschmeidigen Bewegungen die jedwede Hektik vermissen ließ; als wäre sie mit allem im Frieden, den Problemen entrückt. Sie war auch die einzige die einen Stab bei sich trug - Jener hatte die Form eines „M“ mit kleinen, ovalen Kugeln an den Enden und einer größeren ovalen Scheine in der Mitte des Ms.
Dabei war sie keineswegs schwach gebaut oder irgendwie verkrüppelt wie Leevke zuvor beim Baden gesehen hatte und war sogar wunderschön wenn sie denn einmal lachte: Es war eine natürliche, ungeschminkte Schönheit die nur sehr kurz durchgeschimmert war. Leevke hatte ebenfalls nie viel Sinn darin gesehen sich mit Puder oder Pflanzenextrakten einzuschmieren wie die Mädchen von Norderney - insbesondere wenn das Meer in dem sie sich so gern schwamm ohnehin alles wieder wegwusch.
Leevke schreckte auf als sie merkte, dass sie die Korrigane seit geraumer Zeit angeblickt hatte. Insbesondere ihre blutunterlaufenen goldenen Augen mit dem Schlafzimmerblick hatten es Leevke angetan. Sie hatte Mitleid mit Morrigan, wollte sie an sich drücken, mit ihr schwimmen, sie streicheln…
Hinni schien nicht verstehen zu wollen weswegen sie den Korriganen half. Zugegeben, sie wirkten zwar in Teilen befremdlich, insbesondere Badb mit ihrer schrillen Art doch bis jetzt hatten sie Leevke wie eine Schwester behandelt und nicht wie ein dummes Küken oder ein Werkzeug wie Ursula.
Leevke fühlte sich zum ersten Mal richtig von ihresgleichen akzeptiert. Bis jetzt hatte sie es Hinni, Jens und all den Männern um sie herum überlassen sich um sie zu kümmern. Dies hier war ihre erste, ureigenste Entscheidung und sie glaubte fest daran dass es das richtige war. Sie lächelte breit. „Schöne Gedanken?“, fragte Morrigan als sie durch den Nebel schritten. Leevke nickte: „Ich dachte nur wie dumm es von mir war. Socken stopfen! Das hilft doch nun wirklich niemandem.“ „Uns beiden weniger.“ Morrigan spielte auf ihre jeweils unverhüllten Füße an. Abgesehen von ihren Kiemen und den Elementen die sie befehligten war Leevke den Korriganen doch sehr ähnlich. Morrigan und sie beherrschten beide das flüssige Element, das Wasser.
Sie kamen nun an einen Durchgang in Form eines Sees der absolut ruhig lag. Keine Welle brach sich an seinem sattgrün-gräsernen Ufer und kein Wind kräuselte die perfekte Idylle. Dumpfe Geräusche von Urkreaturen und das Fiepen von Feenwesen war allgegenwärtig vernehmbar.
„Wohin gehen wir jetzt?“, fragte Leevke in die Runde und Macha erklärte: „Wir werden nach Thetford zurückkehren um der Königin das Extrakt aus den Knisterhöhlen zu verabreichen. Ihr beiden aber werdet euch in die östlichen Sümpfe begeben um uns dort das nötige Werkzeug zu besorgen.“ Leevke blinzelte irritiert: „Welches Werkzeug meinst du, Schwester Macha?“ Morrigan antwortete: „Es ist nötig um unseren Plan zu vewirklichen.“ „Oh. Nagut.“ Nemain verzog gequält das Gesicht: „Müssen wir Boudicca wirklich das Extrakt übergeben? Sie hat nicht gerade viele Sympathien für uns übrig und wird immer wütender, jedes Mal mehr.“ Macha schnitt ihr das Wort ab: „Nicht ohne Grund wie man immer wieder feststellen konnte. Ihr müsst es ihr ja nur geben nicht selber trinken.“ Nemain seufzte: „Jaja schon gut...“
Die drei Korriganen verabschiedeten sich alsdann von Morrigan und Leevke und sprangen in den stillen See. Schlagartig wurden sie hinabgezogen und die dunkle Wasseroberfläche wurde schnell so ruhig wie zuvor. Es erweckte den Eindruck dass der See selbst behäbig war und nicht so leicht in Bewegung zu versetzen war; wie flüssiges Blei.
Morrigan und Leevke gingen weiter durch den Nebel der Anderswelt. Sie sprachen nicht miteinander bis sie eine neue Ebene betraten welche völlig von pulsierenden Ranken und Geflechten beherrscht war: Grell-gelbe und rote Blüten mit Zähnen verhießen Gefahr und versperrten mit knarrenden Ranken den Weg.
Sie duckten sich unter den dornenbesetzen, haushohen Ranken hinweg als vor ihnen eine riesige Pflanze auftauchte. Ihre schillernden Blüten waren zu einem großen, sabbernden Maul mit spitzen Giftzähnen aufgeklappt. Leevke erschrak doch Morrigan blieb seelenruhig als sie ihren Stab anhob und sich zunehmend Wasserperlen um die Spitze des Stabes bildeten. Sie verdichteten sich zu einer nassen Kugel die sie dann wie eine Lanze formte. Die Wasserlanze durchbohrte das Maul der Pflanzenkreatur in der Mitte.
Die Pflanzenkreatur stockte scheinbar unberührt als der sekundäre Effekt eintrat und sie von innen gesprengt wurde. Eine Druckwelle wühlte in Leevkes Haar und die Überreste der Pflanzenkreatur regneten platschend auf sie herab. Morrigan schritt weiter ohne auch nur ein Wort zu verlieren. Sie drehte sich zu der geschockten Leevke um und reichte ihr die Hand. „Ist nichts passiert, oder?“ Das Mädchen schreckte auf: „Nein...“ „Dann komm.“ Sie wurden fortan nicht von den Ranken behelligt und gelangten alsdann an ein Wasserloch inmitten von stark duftenden und betäubenden Pflanzen. Große Libellen surrten umher und ruhten sich auf den breiten Gräsern aus. Sie sprangen in den See…
… und kamen in einem Sumpf der Realwelt wieder heraus. Dieser war vor allen Dingen grün und die Luft voller träger Gerüche. Der Boden war durchsetzt von Farnen, Moosen und Gräsern und die Bäume waren mit grünen Flechten belegt. Das Brackwasser blubberte mit grünen Blasen und in der Fern und Nähe tauschten Kröten und Vögel ihre Balz- und Warnrufe aus. Es herrschte ein allumfassendes Zirren, Blubbern und Fiepen. Durch das dichte Blätterdach drangen nur vereinzelte Sonnenstrahlen.
Leevke lächelte unsicher: „Das ist also dieser Sumpf von dem Macha sprach?“ Morrigan wies mit dem Stab auf einen dünnen Pfad durch das Gestrüpp der einigermaßen wegsam erschien: „Wir müssen hier entlang, Leevke. Bleib auf dem Weg.“ „Ist gut.“ Sie tat wie geheißen und konnte nicht umhin mit einer Hand an Morrigans Umhang zu kleben als sie über rutschige Baumstämme, Äste und Blätter schritten. Leevke sah sporadische Schatten die sich zwischen den Bäumen bewegten. „Werden wir verfolgt?“, fragte sie leise. „Sie wären dumm, wenn sie es nicht täten…“, antworte die Wasserkorrigane kurz. Sie kamen schließlich an einen fast stehenden, trägen Fluss in dem einige Felsen standen: Moos hatte sie längst rutschig gemacht.
Während Morrigan sie mit hüpfenden Schritten problemlos überquerte, schwankte Leevke schon beim dritten Stein und bekam es mit der Angst zu tun. „Ah! Hilfe. Ich falle! Morrigaaa-!“, schrie sie und kippte um. Grünes, brackiges Wasser spritze um sie in den Fluss hineinfiel und mit ihren Augen durch das wirbelnde Wasser blickte.
Selbst für ihre wassertauglichen, goldenen Augen war nicht viel zu erkennen außer einer rauen, grün-geschuppten Oberfläche direkt unter ihr. Abrupt wurde sie von einer starken Hand am Arm gepackt und aus dem Morast gezogen der sie schmatzend freigab. Morrigan sagte eindringlich: „Halt dich an mir fest! Sofort!“ Leevke klammerte sich reflexhaft an die Korrigane.
Die Felsen bebten und das Wasser zischte. Der ganze, grüne Fluss geriet nun in Wallung. Die brackige Flüssigkeit spritzte meterhoch und ein tiefes Brummen erfüllte die Luft. Morrigan reckte ihren Stab empor und ein Seil aus Wasser geformt schoss daraus hervor und verhakte sich an einem Ast eines Baumes. Das Seil wickelte sich von selbst auf und zog sie beide wie eine Winde zu sich heran. In diesem Moment schoss schon eine große, vierfingrige Pranke eines grün geschuppten Ungetüms aus dem Wasser und griff nach ihnen, verpasste sie nur knapp. Morrigan setzte Leevke auf dem Ast ab und sprang ans Ufer.
