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Ein unterhaltsames Fantasy-Abenteuer in einem überschaubaren Universum mit Potenzial: Magie, Chaos und jede Menge Spaß! Genug von langweiligen Helden und ewig gleichen Fantasy-Epen? Nein, natürlich nicht! Wieso auch? Aber etwas Abwechslung tut zwischendurch mal ganz gut, also tauche ein, werter Leser, in die wundersame Welt von Frunk, einem Bibliothekar mit magischem Liebesnest und partiellem Gedächtnisverlust. Frunk will nur eines: Ruhe und leidenschaftliche Nächte mit seiner Frau. Doch die Zauberwelt hat andere Pläne: Zwickende Magie, nervige Dämonen und ein Rubin, der alles verändert, machen ihm zu schaffen. – Dieser blöde Rubin, begehrt von Zauberern, Hexen und einem Drachen, der ihn zur Magenreinigung nutzt. Mehr oder weniger leidenschaftlich beschützt von Helden, die ihn ständig verlieren. Und dann wird auch noch seine Frau in die Sache mit hineingezogen, die schwertschwingende Frilde, die üblicherweise Dämonen in ihrem Inneren beherbergt. Die ganze Sache nimmt Fahrt auf, als Frunk herausfindet, dass er in seiner Welt alles sein kann, vom Drachen bis zum geflügelten Schwein. Sogar Flitzkacke … Ein Fantasy-Spektakel voller skurriler Charaktere für Leser von Terry Pratchett, Walter Moers, Tom Holt, Jasper Fforde und Douglas Adams.
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Veröffentlichungsjahr: 2024
Erik Harlandt
Fantasy-Roman
Mit großen Drachen, kleinen Bibliothekaren und Typen, die mit Schwertern rumfuchteln
Copyright: © 2023 Erik Harlandt
Lektorat: Sabine Abels – www.e-book-erstellung.de
Umschlag & Satz: Sabine Abels
Blütenstr. 8 – 21720 Grünendeich
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Seid gegrüßt, wagemutiger Entdecker! Euer Ansinnen ist zweifellos edel und soll unterstützt werden. Wir wollen an Hilfe bereitstellen, was wir können, sofern Ihr Euch dieser würdig erweist.
So beginnt nun Eure Reise im Dienste der Götter zum Wohle Rubens und tretet ein in eine Welt voller Rätsel, Magie, jeder Menge geflügelter Schweine und anderer Probleme, die einer Lösung harren. Durch Euch, vieledler Herr.
Als Erstes begebt Euch in die Stadt, wo Ihr vom Kämmerer mit einem Vorratspaket beschenkt werdet. Der Weg dorthin führt durch den Wunderwald, den es zunächst zu bezwingen gilt.
Viel Glück, mutiger Recke, die Götter seien mit Euch!
(Und besorgt euch beizeiten einen Helm mit einer breiten Krempe.)
Er klappte die Ohren auf und lauschte. War da etwas?
Tock! Ein Pfeil schlug in den Baum, neben dem er saß.
Er schrak hoch und rannte geduckt durchs Unterholz, Ohren anlegen, Hintern runter, Schwanz auf den Boden drücken. Kaum hatte er einige Gudrunsbäume zwischen sich und den Schützen gebracht, richtete er sich auf und machte große Sätze mit seinen langen Beinen. Er hörte ein Sausen und Pfeifen. War das der Wind in seinen Ohren? Nein! Sirrende Pfeile, die an ihm vorbeiflogen!
Tock! Wieder schlug einer ein. Tock! Tock!
Er erreichte den Rand des Hangs und sprang. Halb rutschend, halb kullernd polterte er hinunter.
Tock! Tock! Weitere Pfeile schlugen in die Bäume ein, die schräg aus dem Hang wuchsen und sich mit ihren gewaltigen Wurzelgeflechten an ihm festklammerten.
Wie war das möglich? Pfeile konnten doch nicht um die Ecke fliegen und ihm den Abhang hinunter folgen? Er hielt sich an einer der Luftwurzeln fest und ließ sich in ihrem Schutz kurz baumeln.
Er beruhigte sich etwas und dachte nach. Nein, Pfeile konnten nicht um Ecken und über Kanten fliegen, immer nur geradeaus. Es musste ein Verfolgungszauber sein, mit dem er genarrt wurde! Fast hätte es geklappt. Verfolgungszauber dienten dazu, einen so zu ängstigen, dass man einen Fehler machte und sein Leben verschwendete.
Er zog sich an den Wurzeln hoch bis zum Stamm und kletterte den Abhang wieder hinauf. Das war ja gerade noch mal gut gegangen.
Ein neuer Tag brach an, mit Morgensonne, Vogelzwitschern und dem ganzen Kram, der einen schönen Morgen normalerweise ausmachte. Das Haus, auf das die Sonne schien und die Vögel kackten, war malerisch, sehr sogar. Nur leider sah man davon nichts, weil es von den Häusern links und rechts völlig überwuchert wurde. Das konnte im Laufe der letzten Jahrhunderte passiert sein, vielleicht aber auch erst letzte Nacht. Frunk musste zugeben, dass er nicht darauf geachtet hatte. Nur das kleine Fenster war noch zu sehen. Von innen hingegen wirkte das Zimmer fast normal.
»Schlimmer Fall von Wucher«, diagnostizierte der Hausbesitzer. »Seien Sie froh, dass Sie hier wohnen und nicht nebenan. Ihre Nachbarn zahlen jetzt mehr, weil sich die Frontfläche des Hauses vergrößert hat.«
Ob er denn dann weniger Miete zahlen müsse, weil sich seine Front verkleinert habe, wollte Frunk wissen.
»Natürlich nicht, das wäre ja albern«, erklärte der Vermieter empört, denn es stünde schließlich noch derselbe Wohnraum zur Verfügung.
Na wunderbar. Warte nur, bis du eines Tages jemanden brauchst, der ein gutes Wort für dich einlegt. Dann wirst du schon sehen, was du davon hast, verranzter alter Gierschlund, wollte Frunk sagen und ihm ans Schienbein treten, ließ es aber und schluckte seinen Ärger hinunter. Das hatte ihm Frilde beigebracht.
Wenn ein besonders guter Gemüsekuchen mal eine Sonne kosten sollte statt 30 oder 40 Monde wie sonst, dann dachte er nicht lange nach, denn das war ihm der Genuss wert. Das konnte er sich leisten. Wenn er aber des Nachts den kleinen Raum am Ende des Flurs aufsuchen musste, den er ein wenig beheizte, damit er sich nichts abfror, und vergaß, ihn danach wieder sorgfältig zu verschließen, dann ärgerten ihn die zusätzlichen Heizkosten, obwohl sie nicht mal 30 Monde betrugen, wahrscheinlich nicht mal 20. Und wenn es Frilde passierte, ärgerte er sich sogar noch mehr. Aber das ging natürlich nicht. Er wollte nicht wütend auf sie sein. Schon gar nicht wegen so eines Blödsinns. Er wusste ja, dass sein Ärger unangemessen war, und lernte, ihn runterzuschlucken. Verhindern konnte er ihn nicht. Der Ärger kam einfach, als hätte er nichts Besseres zu tun.
Frunk ärgerte sich über vieles, und zwar oft. Das meiste war genauso unsinnig wie die Sache mit der Tür und er schluckte und schluckte. Das Leben war einfach zu kurz, um sich ständig zu ärgern. Aber manchmal klappte es nicht mit dem Runterschlucken: wenn er zu viel allein war und zu viel arbeitete, weil Frilde nicht da war. Dann konnte er regelrecht in Ärger ertrinken, gegen Regale oder Vermieter treten und sich noch mehr Ärger einhandeln.
Doch heute nicht. Das war es nicht wert. Es gab Schlimmeres. Und vor allem Irritierenderes.
Sie alle lebten mit den nervtötenden Veränderungen, die jederzeit auftreten konnten und es meist auch taten. Früher war das anders. – Ach ja, früher … Aber jetzt war es nun mal so. Und es wurde schlimmer. An manchen Tagen gab es so viele kleine Absurditäten, dass man sie abends im Durstigen Lurch gar nicht mehr alle zusammenbekam, um sich über sie zu beklagen. Wenn diese Wucherei alles sein sollte, was heute versuchen würde, ihm den Tag zu versauen, wäre das völlig in Ordnung.
Doch so war es nicht, das wurde ihm schon nach dem Aufstehen klar, als er den ersten Blick aus dem Fenster geworfen hatte, von dem er nun wusste, dass es den kläglichen Rest der gesamten Hausfront darstellte: Es war kein warmer Tag, der ihn mit den Strahlen der Morgensonne begrüßte. – Unglaublich! Bestellt und nicht geliefert. Typisch! Was war nur mit der Welt los? Unzuverlässiges Miststück. – Wo waren die strahlenden, warmen Morgen, wenn man sie brauchte?
Frunk brauchte langsam wirklich mal wieder einen, nicht nur wegen all der anstrengenden Mühen mit den verflixten Worten, die sich in letzter Zeit nur noch von ihrer zickigsten Seite zeigten. Morgen zum Beispiel. Das Wort gab es nicht im Plural. Das fühlte sich aber nicht stimmig an. Jedenfalls nicht an diesem Morgen, der wie ein misslungener Scherz über der Stadt hing. Die sandfarbenen Gemäuer und Pflastersteine konnten ein mildes, angenehmes Licht verbreiten, wenn die Sonne sie nur richtig in Szene setzte, doch mit derart miserabler Unterstützung wie heute wurde das nichts, eher ein betrüblicher Anblick, der auf unangenehme Weise an Haferschleim erinnerte. Haferschleim ohne alles. So wie die Stadt, die sich fast schon unwillig unter dem kleinen Fenster erstreckte, aus dem Frunk sie missmutig zur Kenntnis genommen hatte. Sie und ihren Zustand. Es hatte ihm glatt den Appetit verdorben.
Es war mal wieder Zeit für Freude in seinem Leben. Jawohl! Wie sollte er die Welt zu einem besseren Ort machen, wenn ihm gar nicht danach war? Freude gebiert Freude, so sagte man, und schlechte Laune alles andere. Wenn die Welt wollte, dass er wohlfeile Worte fand, um sie mit Freude zu erfüllen, dann musste sie sich wohl auch ein bisschen Mühe geben und ihm Gründe dafür liefern!
Nach einem letzten verächtlichen Blick auf die magere Scheibe von einer Hausfront zwischen den beiden üppigen Nachbargebäuden ließ er den Vermieter einfach stehen und machte sich auf den Weg zur Bibliothek. Er ging nicht, sondern stapfte, um der vermaledeiten Stadt mit jedem Schritt einen ordentlichen Tritt zu verpassen. So nicht, Stadt! So nicht!
Frunk betrat leichtfüßig die Arbeitsstube. Er hatte die weiteren Widernisse, die der Tag für ihn bereithielt, überwunden und weggesteckt, wild entschlossen, sich die Laune und den Appetit nicht verderben zu lassen. Und es waren viele Widernisse gewesen, zum Beispiel dieses Loch, das genau da war, wo er sorgfältig verlegte Pflastersteine erwartet hatte. Na, jetzt würde ihm ein großes Stück Gemüsekuchen mit sämiger Beerenpaste guttun. Kort von Gumens Bäckerei brachte ja jeden Morgen einen vorbei. Kort Gumens war es sehr wichtig, dass man in der Bibliothek Kort Gumens guten Gemüsekuchen aß. Alle wussten, dass es so war, denn Kort wurde nicht müde, es ständig zu erwähnen.
Zu Frunks Kummer schob sich der Erzähler gerade das letzte Stück Gemüsekuchen in den Mund. Er hatte alles aufgegessen. Alleine! Die Stadt war so empfindlich. Und so nachtragend! Das hatte sie getan, weil er so gestapft war. Aber er würde sich nicht dafür entschuldigen, es nicht mal bereuen. Wäre ja noch schöner! Solange die Stadt sich allenthalben neue Mauern oder Löcher wachsen ließ und nichts gegen den Hauswucher unternahm, musste sie mit Stapfern rechnen! Andererseits blieb sein Magen nun leer.
»Na, da hatte heute wohl jemand großen Hunger«, stellte Frunk spitz fest.
»Ich werde nun einmal hungrig, wenn ich nichts zu tun habe. Und mein Assistent war nicht da.«
»Nenn mich nicht so! Ich bin der Bibliothekar. Ich wurde von städtischem Wildwuchs aufgehalten«, meckerte Frunk und rief schon »Au!«, bevor er gezwackt wurde. Der leckere Duft des Kuchens hing noch in der Luft. »Hat es denn wenigstens geschmeckt?«, seufzte er. Es hatte ja keinen Zweck, sich weiter zu ärgern.
»Wie immer ganz vorzüglich. Kort Gumen hat ein neues Rezept probiert und sich selbst übertroffen.«
Frunk unterdrückte den erneut aufkommenden Ärger, der auf ihm durch den verdorbenen Tag reiten würde, wie ein Baumhase auf einem geflügelten Schwein. Es brachte nur blaue Flecken ein, wegen all der unnachgiebigen Dinge, die es sich nicht gefallen ließen, wenn man trat oder boxte – Hartholztüren, Steinwände – und der Zwacker. Besonders wegen der Zwacker! Da riss er sich lieber zusammen.
Als er das letzte Mal seinem Ärger erlegen war, kam es ganz schlimm: Er hatte sich darüber aufgeregt, dass die Worte in den Büchern, die ausgetauscht werden mussten, immer blöder wurden. Früher waren es noch richtige Korrekturen, Passagen, die einfach nicht mehr stimmten, nicht mehr passten, weil die Welt sich weiterdrehte. Mittlerweile musste er sich aber mehr und mehr mit offensichtlichen Dummheiten herumschlagen, mit Rachen statt Drachen, Einzelhaft statt heldenhaft oder gar Froschsuppe statt Forschergruppe! Und das hatte ihn so geärgert, dass er gegen eins der Regale trat. Prompt fiel ihm ein schwerer, ledergebundener Band auf den Fuß. Damit nicht genug, war die folgende Morgenverkündigung nicht nur uninspiriert, inhaltsleer und nichtssagend, sie endete auch noch damit, dass Frunk Kurzbein ab sofort der Assistent des Erzählers sei. Ein kurzer Nebensatz nur, aber vollgepackt mit unsäglicher Bedeutung.
Er war, so schnell er konnte, die ganze Strecke durch die Bibliothek und den Lesesaal gehumpelt, um den Erzähler zu fragen, ob er noch alle Fäden an der Quaste habe, ihn einfach zu seinem Assistenten zu machen.
Der Erzähler war derjenige, der das Tagesgeschehen verkündete. Schon immer. Am Morgen hörte man, was in der Nacht geschehen war und was für den Tag anstand. Ein jeder erfuhr, was er zu tun hatte, es gab Zusammenfassungen der jüngsten Erkenntnisse für die Abenteurer und Helden sowie Hinweise, welche herausfordernden Aufgaben noch zu bewältigen waren. Mittags folgten die ersten Erfolgsbilanzen, es wurden Namen genannt, Titel verliehen und Beförderungen ausgesprochen. Abends gab es dann noch mal eine kurze Übersicht, ein paar Belobigungen für besonders ausdauernde Kämpen, die sich um die Lösung all der Probleme bemühten, die Ruben ständig heimsuchten, und frohe Wünsche für die Nacht. Weitere Verkündigungen bei Bedarf.
Aber der Erzähler war wohl schon zu alt und verkündete in letzter Zeit nur noch Mist. Es fehlten sowohl der rote Faden als auch die wohlfeilen Worte, die eine Verkündigung ausmachten. Die relevanten Punkte mussten vorangestellt werden, die amüsanten Bonmots dazu nachgeschoben. Nicht umgekehrt. Nicht langweilig. Nicht profan. Der Alte war völlig überfordert von all den Veränderungen der letzten Zeit und brauchte dringend Hilfe. Jawohl! Und das hatte Frunk auch gesagt. Laut. – In der Bibliothek. Es war ja keiner da, der es hören konnte, außer den Büchern. Bücher, die womöglich sauer auf ihn waren, weil er gegen das Regal getreten hatte. Und gemeckert. Bücher waren empfindlich. Er hätte es wissen müssen.
Er war also prompt zum Assistenten gemacht worden. Nicht gebeten. Nicht ernannt. – Gemacht! Einfach so. Per Verkündigung. Das war mit Sicherheit der raffinierteste Kniff, den der Alte in den letzten Jahren zuwege gebracht hatte. Und das, obwohl Frunk mit den Büchern schon genug zu tun hatte. Er war Bibliothekar! Herrje!
»Nein, nein, nein. Beschlossen und verkündet«, hatte der Alte auf Frunks Protest erwidert.
Und da war leider tatsächlich nichts mehr zu machen gewesen.
Nun hatte Frunk also jeden Morgen vor der Arbeit beim Erzähler reinzuschauen und aus den Neuigkeiten der Nacht eine ansprechende Verkündigung zu stricken, die den Namen auch verdiente und dafür sorgte, dass der Laden lief. Also Ruben. Oder das, was noch davon übrig war nach all den Ausfällen, Rückschlägen und dem Verschwinden des Rubins.
Frunk ging die aktuelle Liste durch und stieß auf einen Augenzeugenbericht eines Waldhasen, der vor einem Verfolgungszauber geflüchtet war, die List aber noch rechtzeitig bemerkte. Eine bewegende kleine Geschichte, fand Frunk. Aus Sicht des kleinen Hasen war der Angriff gescheitert. Er gab dem Helden, dessen Aufgabe lediglich darin bestanden hatte, einen verwunschenen Hasen zu fangen und der Hexe zu bringen, keinen einzigen Punkt. Der Dummkopf hatte die Mittel, die ihm zur Bewältigung der Aufgabe zur Verfügung standen, vergeblich eingesetzt, geradezu sinnlos. Wenn es möglich wäre, würde er diesem Einfaltspinsel sogar noch Punkte abziehen.
Frunk machte sich eine Notiz zu Rang und Charakterklasse dieses unbedarften Helden und wandte sich dem nächsten zu.
Zunächst wurden aus den Neuigkeiten, die wie von Zauberhand jeden Tag bereitlagen, die tatsächlichen Neuigkeiten herausgefiltert, die verkündet werden mussten: Wer war erfolgreich, wer hatte Erfahrung gewonnen, hatte seine Charaktereigenschaften verbessert oder war gar im Rang aufgestiegen, dazu knappe Zusammenfassungen der bemerkenswertesten Taten und das alles möglichst unterhaltsam, aber trotzdem verständlich. Nichts für stumpfe Plappermäuler wie den alten Gemüsekuchenvernichter.
Erst wenn die Verkündigung fertig war und nur noch verlesen werden musste, konnte Frunk an seine eigentliche Arbeit gehen: die Betreuung der geheimen Bibliothek, deren Hüter zu sein er die Ehre hatte. Neben der Verwaltung all der Helden, die Tag für Tag vorbeischauten, um dabei zu helfen, den verschwundenen Rubin wiederzubeschaffen – der erstaunlicherweise im Minutentakt verschwand, gefunden und zurückgebracht wurde –, musste Frunk sich auch noch um die Bücher kümmern. Die heiligen Bücher in der geheimen Bibliothek, von der niemand wissen durfte, was einigermaßen schwierig war, weil über der Bibliothek in großen Lettern Große geheime Bibliothek von Ruben stand. Aber sie war nun mal geheim. Frunk wusste das und musste dieses Geheimnis hüten. Er wusste, dass er es hüten musste. Er wusste allerdings nicht, woher er das wusste. Vielleicht, weil er der Hüter war. Manche Dinge, die er wusste, waren einfach in ihm drin, wie hineingezaubert. Das hielt er sogar für sehr wahrscheinlich. Möglicherweise hatte er es auch in einem der Bücher gelesen, denn er wusste, dass er die Bücher lesen konnte. Er konnte sich nur nicht daran erinnern, jemals eins gelesen zu haben. Eventuell gehörte es zur Magie der Bücher, dass man vergaß, dass man sie gelesen hatte, wenn man sie gelesen hatte. Wie man so vieles vergaß in Ruben. Man musste ganz schön aufpassen, dass man nicht eines Tages seinen Kopf verlor.
So wie den Rubin. Der war ständig verschwunden. All die Abenteurer und Helden rackerten sich redlich ab, ihn jedes Mal in angemessener Zeit wiederzubeschaffen, bevor Ruben unter den Folgen seiner Abwesenheit zu leiden hatte.
Bis jetzt. Der Rubin war nun schon eine ganze Weile verschwunden. Ob es daran lag, dass die Helden einfach nicht mehr aus demselben Holz geschnitzt waren, wie früher, oder der Rubin keine Lust mehr hatte, wusste keiner. Es war aber auch egal. Das verdammte Ding musste wieder her, musste wieder in seinen Sockel gepflanzt werden und tun, was auch immer er da tat, damit diese elenden Ausfälle und all das Durcheinander endlich ein Ende hatten.
Am besten konnte Frunk helfen, indem er seine Arbeit gut machte. Eine gute Verkündigung zu erschaffen, erforderte viel Geschick. Man musste aus den Neuigkeiten diejenigen auswählen, die wirklich neu waren und sich nicht nur so anhörten. Und dann musste man die wichtigen Neuigkeiten in die richtige Reihenfolge bringen und so formulieren, dass es nicht nur gut klang, sondern auch unterhaltsam war, sonst würde es am Ende noch langweilig, einschläfernd und nicht in genug Köpfen Einzug halten.
Frunk war für diese Aufgabe prädestiniert. Er konnte schon immer gut mit Worten umgehen, deshalb war er für die Bücher zuständig, vielmehr für die Worte darin. Er tauschte falsche Worte aus, ließ die Änderung von den Altären einlesen – also von einem davon, mehr brauchte er nicht und fragte sich seit dem ersten Tag, warum es so viele davon gab – und verwaltete die Neuzugänge. Ganz selten befasste er sich auch mit den älteren Beständen, aber meist hatte er dafür keine Zeit, denn das Herumschleppen, Korrigieren und Einlesen lassen war sehr zeitaufwendig. Er kam kaum zum Stöbern, was ihn sehr bekümmerte, denn es standen doch so wunderbare Dinge in den Büchern. – Und nun hatte er sogar noch weniger Zeit, weil der Erzähler einen Assistenten brauchte. Einen Assistenten! Wenn schon, dann hätte Frunk Erzähler werden sollen anstelle des Erzählers, aber auf die Idee kam natürlich niemand. Schon gar nicht der Erzähler selbst.
Der klebte an seinem Job, der seit Frunks Unterstützung auf das Verkünden zusammengeschrumpft war. Viel mehr machte er eigentlich nicht mehr, außer nebenbei Frunks Nerven zu strapazieren und ihm Zeit zu stehlen, indem er so tat, als könne er etwas beitragen und wüsste alles besser. Er wartete jeweils, bis Frunk da war, erzählte ihm dann irgendwelchen Quatsch, statt ihm einfach die Listen zu geben, und traktierte ihn mit albernen bis unsinnigen Verbesserungsvorschlägen, während Frunk sich die Worte aus den Rippen leierte. Dann warf er sich in die Brust, sprach die wohlfeilen Worte in zugegebenermaßen angemessenem Ton und ging bis zum nächsten Mal Dinge tun, die unausgelastete Erzähler halt so taten: Faulenzen. Natürlich auf professionelle Weise. Frunk war sicher, dass professionelles Faulenzen eine gewisse Ausstattung erforderte, zum Beispiel ein geeignetes Sofa in geeigneten Räumlichkeiten wie einem Separee im Durstigen Lurch. Vergorener Kräutertee war dabei vermutlich auch sehr hilfreich.
Frunk hatte die Zusammenfassung fertig: Das Juwel war immer noch verschwunden. 153 neue Anwärter hatten sich bereits auf den Weg gemacht, ihre Fertigkeiten und ihre Tauglichkeit für das Ablegen der ersten Prüfungen unter Beweis zu stellen, um sich für die Suche zu qualifizieren. Nach der Bewältigung des Außenrings der Stadt würden sie die Scharen der Entdecker und Helden unterstützen, die sich bereits um Ruben verdient gemacht hatten und Ränge wie Ritter, Oberritter, Oberster Oberritter, Augur, Gesalbter oder Thronanwärter bekleideten. Anwärter HuSoohnezahl9 war gleich in seiner ersten Nacht bis in die Stadt vorgedrungen und nun Page, noch ohne Gaul. Anwärter Superdüb war an der Stadt vorbeigezogen und bis zur siebten Aufgabe gekommen. Er hatte bis jetzt keine seiner Belohnungen eingefordert und sich auch nicht auf dem Platz der guten Absichten zu einer öffentlichen Beförderung eingefunden. Es hätte immerhin schon zum Knappen gereicht, womöglich sogar mit Pferdeführerschein. Damit war er Etappensieger.
Die Herausforderung des Schwarzen Berges war gemeistert worden. Immerhin.
Der Dunkle Fluss wurde nach langer Zeit mal wieder erfolgreich durchquert, also gab es ein paar Anfänger, die nicht wussten, dass der Dunkle Fluss völlig egal war, in jeder Hinsicht. Toll. Die würden sicher noch Ärger machen.
Eine Sommerhexe war im Tal der Weißlilien gesichtet worden. Nicht schlecht, aber das konnte auch Zufall sein. Solange niemand eine verwertbare Spur aufgenommen hatte, war das eigentlich keiner Erwähnung wert.
Der Wunderwald hatte einen verschollenen Unterritter ausgespuckt, allerdings nicht lebend. Normal.
Die Ebene der Demütigung wurde durch einen Egalisierungszauber vorübergehend neutralisiert. Möglicherweise hielt der Zauber bis zur nächsten Verkündigung an. Also schnell, ihr Heldenanwärter, nutzt die Gelegenheit! Das war tatsächlich eine Meldung wert, so selten, wie das in der letzten Zeit vorkam.
40 Edle und Halbedle hingen im zweiten Durchgang der mittleren Ebene der Unterwelt fest und harrten der Hilfe durch erfahrene Helden, die ihnen bei der Passage unter die Arme greifen sollten. Es wurden ein Paar Handschuhe der Griffigkeit sowie ein Kettenrock des Trübsals als Belohnung für jeden geboten, der ihnen aus ihrer misslichen Lage heraushalf. Na dann mal viel Glück beim Warten.
Der Schweinslederne Handschuh der Verdammnis stand zum Verkauf. Oberster Ritter Hinterfotz007 würde ihn gerne gegen ein Medaillon der Übersicht, einen Armreif des Stehvermögens oder einen Betrag von 115 Sonnen tauschen. Auch nicht viel besser.
Junker Florian6x6x suchte seinen Kumpel bratbratze69. Gestrichen.
Anwärter Pimperpaule777 wollte wissen, ob ihn jemand in Ruben einführen würde. Das würde Frunk nicht verkünden lassen. Sie würden Pimperpaule777 nur hinter den Brunnen locken, nackt ausziehen und hineinwerfen. Diese Erfahrung hätte der Holzkopf zwar verdient, wenn er sich so dämlich anstellte, aber Frunk wollte einfach keine Leute mehr im Brunnen.
Die Veränderungen und Ungemache nahmen weiterhin zu, aber das kam nicht in die Verkündigung, das würde nur für schlechte Stimmung sorgen. Die Mauer am östlichen Friedhof hatte sich um drei Zinnen vergrößert, der kleine Tiertrinkbrunnen in der Novizengasse schäumte wie vergorener Kräutertee, aber wer davon trank, begann zu bellen und sich zum Wasserlassen auf alle viere zu begeben. Wildrim Godefrois Haus war von den Nachbargebäuden so stark überwuchert worden, dass er es nicht mehr betreten konnte und nun mit seiner Frau bei deren Mutter wohnen musste. Die von ihm handgefertigten Diademe der Überlegenheit verloren seit Bekanntwerden dieses Umstandes 70 Prozent an Wert …
Frunk ließ die Zusammenfassung auf sich einwirken und bekam kaum noch etwas von seiner Umwelt mit, vom Geplapper des Erzählers, dem Knurren seines Magens, dem stetigen Raunen der Bücher in der nahen Bibliothek. Er versank in den Zeilen, den Worten und den darin enthaltenen Informationen, diesem Sammelsurium aus wichtigen, irrelevanten und schlicht erfundenen Neuigkeiten, die von den Bewohnern dieser Welt und ihren Gästen produziert wurden, ob sie nun Sinn machten oder nicht.
Vor seinem geistigen Auge versammelten sich bereits die Worte, die er für die würdige Version der Verkündigung benötigte, sortierten sich, tanzten ein wenig miteinander und stupsten sich an, während er den bisherigen Entwurf des Erzählers betrachtete, zweifellos eine Provokation zu dem Zweck, ihn zu motivieren:
Der rote Rubin, Heiligtum unserer Lande, Zentrum der Welt. So lange schon ist er verschwunden, solange schon, ach, müssen wir auf seine Segen bringende Wirkung, sein Heil, seinen Glanz und seine guten Kräfte verzichten. Ach, wann wird er gefunden werden? Ach, ach je, es ist so …
»Das ist zu jammerig«, sagte Frunk nur, weil er keinen Sinn darin sah, auf die übrigen Mängel einzugehen.
»Aber nicht doch. Wenn es mit getragener Stimme verkündet werden soll, aus voller Brust und wohltönend, muss es einen gewissen Klang haben.«
»So nicht! Zu viel ach, oh weh, und je. Zu viele Worte für viel zu wenig Information. Das Verhältnis muss stimmen.«
»Na schön, wozu habe ich dich, wenn ich dann nicht auf dich höre. Also etwas kompakter.«
Er musste gar nicht hinsehen, um zu wissen, dass der Alte über beide Backen grinste. Frunk akzeptierte dieses eigenwillige Ritual, das sie da aufführten, um die Arbeit an ihn zu übertragen. Es war nun seine Aufgabe, seine Bestimmung – es war schließlich verkündet – und die Bücher hatten ihn in Ruhe gelassen, seit er jeden Tag rund eine Stunde später in die Bibliothek kam. Das musste schließlich auch irgendwas bedeuten.
Frunks Hand flog über das magische Papier, sein Gemurmel erfüllte die Luft und die Worte sortierten sich in ihre endgültige Form:
Seid gegrüßt, wackere Abenteurer, ihr Lichter Rubens! Eure Reise wird von den Göttern mit Wohlwollen betrachtet. Sie hat euch an viele Orte geführt, die euch seltsam vorgekommen sein mögen oder euch nach dem Leben trachteten.
Nun ja, das wisst ihr selbst am besten.
Die Gerüchte sind wahr, die Belohnung für die Wiederbeschaffung unseres geliebten Juwels, des Rubins von Ruben, wurde erhöht und beträgt nun neben der Erfüllung, dem Volk Rubens das Licht und die Freude zurückzubringen, 100.000 Sonnen, den Goldenen Hammer der Unerschütterlichkeit, die Signifikante Sichel der Sühne, das Flugross des Grauens sowie einen Gutschein für die Neubeschlagung eines Pferdes.
Die dringlichsten offenen Herausforderungen sind nach wie vor, edle Retter Rubens:
Die Erklimmung der Götterzinne, von der aus ihr einen fabelhaften Blick auf Ruben haben werdet und mehr seht als alle anderen. – Vielleicht gar den verschollenen Rubin.Die Niederwerfung des Sandmonsteraufstandes in der Großen Wüste der Trennung, die womöglich als einziges Hindernis zwischen euch, ihr edlen Helden, und dem Rubin steht, den Ruben so dringend benötigt.Die Sortierung der Orakelkekse im Meer der Rätsel, die in der richtigen Reihenfolge eventuell den Aufenthaltsort des Rubins preisgeben.Anwärter Superdüb durchschritt in einer Nacht den gesamten Ring um die Stadt und steht nun, im Anspruch auf den Rang eines Knappen, am Fuße der Götterzinne. Hurra, tapferer Krieger, komm auf einen kostenlosen Trunk in den Durstigen Lurch, wenn die Zinne bezwungen ist.
54 Abenteurer und Entdecker verloren letzte Nacht ihr Leben, davon 21 beim Versuch, die Götterzinne zu erklimmen, 15 aufgrund gescheiterter Verhandlungen mit Sandmonstern und 11 wegen unangebrachten Hungers beim Keksesortieren. Nehmt euch Gemüsekuchen mit, edle Retter. Und Wasser. Dann erstickt ihr nicht so schnell an den wirklich sehr, sehr trockenen Keksen. Ganze 7 Helden, man muss es leider sagen, starben im Wunderwald, weil sie bei ihrer Ankunft in Ruben zu geizig waren, das Absolut notwendige Messer zur Befreiung aus dem Schlangenleib im Wunderwald für nur eine Sonne zu erwerben, und deshalb dem siebentägigen Verdauungsvorgang der Wunderwaldschlange nicht entrinnen konnten.
Die Einweisungsriten und Vorratspakete sind bis zur nächsten Verkündigung für nur drei Viertel des normalen Preises bei Stadtkämmerer Sarolf Karpaun zu haben.
Was auch immer dir gerade durch den Kopf geht, Abenteurer – solange es kein Messer ist –, mögen die Götter dir auf deiner Reise beistehen und gewogen sein.
»Na also, geht doch«, brummte der Erzähler und begann, den Text noch durchsehend, mit ersten Stimmübungen, die erst mal nur aus Husten und Räuspern bestanden. Später, das wusste Frunk inzwischen, würde allerlei Lalala und Tata-Taaa hinzukommen, bevor die eigentliche Verkündigung, nun ja, verkündet wurde.
Assistent des Erzählers zu sein, war letztlich ganz in Ordnung. Es gehörte, wegen der Sache mit den Worten, mit denen umgegangen werden musste, wohl irgendwie dazu, wenn man in der Bibliothek arbeitete, nicht wahr? Wen sollte man denn sonst darum bitten, dem Erzähler unter die Arme zu greifen? Dass man weder gebeten noch irgendein anderes nettes Wort dabei verwendet hatte, war etwas verstörend, aber trotz allem war Assistent des Erzählers sowie Beauftragter der Bücher nicht der schlechteste Job. Oh nein. Es war allemal besser, als bei Wind und Wetter auf den Feldern zu ackern, in den Minen zu schuften oder auf irgendeinem morschen Kahn von den Wellen gebeutelt zu werden, bis einem die Augen vom Salzwasser brannten und die Hände vor Kälte einfach abfielen. Oder, bei den Göttern, der arme Kerl zu sein, der mit seinen Schröpfgläsern die Eiterbeulen der Herrschaftlichen aussaugen musste, die vom Tragen eines Harnischs Ausschlag bekamen. Puh! Nein, nein, Assistent des Erzählers zu sein, war ganz großartig!
Aber es nervte. Sogar ziemlich. Es passierte so viel und es schien niemanden wirklich zu interessieren. All die Umbauten, die Veränderungen, die wirklich wichtigen Dinge, konnten aus vielerlei Gründen keinen Eingang in die Verkündigung finden, oft nicht mal in die Nachrichten, die von den Herolden außerhalb der Verkündigungen verlesen wurden. Es ging immer nur um diesen verdammten Rubin, wie sehr er fehlte, was sich angeblich alles ändern würde, wenn er wieder da wäre, und all die Dinge, die getan werden mussten, um ihn wiederzubeschaffen.
Frunk war sich zwischenzeitlich nicht mal mehr sicher, dass es das verdammte Ding überhaupt gab. Also wirklich gab. Er wusste, dass es schon immer nur um den Rubin ging, aber woher? Die Erinnerung war einfach da, jedoch keine Erinnerung daran, wie er davon erfahren hatte. Alle kannten die Geschichten, wie der Rubin aus dem Herz der Welt gerissen ward, verschwand und seither gesucht wurde, aber er war bislang immer wieder aufgetaucht, angeschleppt von Abenteurern, die daraufhin zu Helden aufstiegen. Nur wegen des Fehlens des Rubins geriet die Welt aus den Fugen. – Angeblich. Das klang für Frunk nach einer Ausrede. Was auch immer schiefging, was auch immer Anlass für Unmut oder gar Protest gab oder auch nur den Anschein davon machte, wurde dem verschwundenen Rubin zugeschrieben. Das war zu einfach. Frunk wusste, dass die Welt nicht auf diese Weise funktionierte und die Dinge vertrackter sein mussten!
Selbst die Götter waren bereits Teil dieser Erzählung, in ihrer Macht begrenzt, in ihrer Weisheit beschränkt, in ihrem Willen gebrochen und vermutlich mit anderen Dingen beschäftigt. Es würde ihn nicht wundern, wenn alle aus derselben Tasse vergorenen Tee soffen, bis sie zusammen mit dem Erzähler und seinen alten Liedern auf den Tischen des Durstigen Lurchs tanzten und sich selbst feierten, für nichts weiter als ihre bloße Existenz.
Oh je. Verbitterung. Die Trittbrettfahrerin des Ärgers und Vorbote schmerzhafter Begegnungen mit Büchern, Regalen und Mauern, die so schnell entstehen konnten, dass sie einem zwischen zwei unbedachten Schritten in den Unterleib rauschten. Oder direkt zwei Stockwerke höher von unten gegen den Unterkiefer klatschten, dass die Zähne klapperten und den Oberkiefer das Fürchten lehrten. Von den Zwackern ganz zu schweigen.
Die Götter, ja, die waren ein Problem. Sie waren Götter. Wenn man sie nicht anbetete, riskierte man so einiges. Zum Beispiel einen Platz an ihrer Seite. Wenn man darauf keinen Wert legte, war da noch die Alternative: eine Ewigkeit im Glutofen der Hölle, deren einziger Zweck es war, denjenigen, die nicht an der Seite der Götter sitzen durften, die weitere Zeit so lästig wie möglich zu machen.
Manch einer behauptete, es läge an den Göttern, dass so vieles schiefging. Näher untersuchen ließ sich diese Behauptung bedauerlicherweise nicht, da jene, die sich dahin gehend äußerten, für Nachfragen nicht zur Verfügung standen. Sie waren meistens weg, nicht da, abwesend oder inoffiziell verstorben. Irgend so was. Ziemlich viel Pech. Es blieb also nur ein Sammelsurium spekulativ angeordneter Worte, die eine Ahnung dessen vermittelten, was Kritiker der Götter – bei den Göttern! – sich zu dem Thema überlegt hatten: Wie die Welt ständigen Änderungen ausgesetzt war, dem Hin und Her, dem Gezerre der Götter, die die Welt so oder so gestalten wollten. Mit Mauern oder Löchern oder Sonne oder nicht oder so. Wenn sie sich wenigstens einigen könnten! Aber nein, sie stritten und stritten, rissen ein, ließen über Nacht entstehen und am nächsten Morgen stieß man mit der Nase gegen eine Wand, die am Tag zuvor noch nicht da gewesen war.
Natürlich konnte man mit ihnen nicht darüber reden, sie nicht fragen, was das alles sollte, keine konstruktiven Verbesserungsvorschläge machen. Es gab auch keinen Beauftragten. Eigentlich war die Existenz der Götter noch wesentlich fragwürdiger als die des Rubins, aber alle taten so, als wären die Burschen da.
Die ganz Alten erzählten von einer Zeit, in der andere, ziemlich grausame Götter herrschten und die Welt so leer und kahl war, dass man die Nahrung buchstäblich dem Boden entreißen musste: Würmer und Maden sammeln, Wurzeln ausgraben, so Zeug. Furchtbar. Aber dann kam der Rubin und seine strahlende Schönheit und Kraft verwandelte die Welt in einen warmen Ort der Freude und des Überflusses. Na, diese Geschichten mussten älter sein, als die Alten alt sein konnten. Diesen Geschichten traute Frunk genauso wenig wie denen über Einhörner, die in vergangenen Tagen Schokoladenpudding vom Himmel regnen ließen statt dem Zeug, das da heute auf die Dächer und Straßen klatschte, wenn sie mal mies drauf waren. Toll sollte es jedenfalls gewesen sein. Warm, farbig, voller Leben, sinnvoll. Zuverlässig. Beständig. Aber davon war nichts mehr übrig. Alles, was einmal war, war umgebaut worden, abgerissen, dem Erdboden gleichgemacht und anschließend neu gestaltet nach dem Willen der Götter. Sollte es Zeugnisse von der wunderbaren Zeit gegeben haben – Bilder, Denkmäler, was auch immer –, war es weggewischt, überbaut oder zerstört.
Die Bücher äußerten sich dazu jedenfalls nicht. Wenn es da drin gestanden hätte, ja, dann hätte er es schwarz auf weiß gehabt. Ha! Aber so … Etwas zu glauben, das kein Lebender je gesehen oder selbst erlebt hatte, war einfach etwas schwierig. Wie lange war es denn nun wirklich her? Wie viele Zwischenstationen hatte die Botschaft genommen? War sie dabei vielleicht verändert worden? Ganz sicher sogar, denn Frunk hatte noch nie erlebt, dass jemand eine Nachricht so weitergab, wie er sie erhalten hatte. Sagte er Frau Gumen, dass er für das Wochenende drei von den guten Gemüsekuchen brauche, sagte Kort Gumen ihm beim Abholen, seine Frau hätte ihm erzählt, Frunk würde eine Party veranstalten. Hatte man so was schon gehört? Eine Party! Niemand veranstaltete eine Party! Auch so etwas, das man nur vom Hörensagen kannte und das es in Wirklichkeit wohl gar nicht gab. Denn niemand besuchte andere zu Hause. Niemand! Man unterhielt sich am Brunnen oder auf den dafür vorgesehenen Plätzen wie dem vor seinem Haus, im Durstigen Lurch oder beim Bäcker, dem Schmied … Aber nicht bei irgendjemandem zu Hause! Das würde doch auch niemand wollen. Der Einzige, der außer ihm und Frilde jemals einen Blick in ihre Wohnung geworfen hatte, war der Hausbesitzer. Und das war auch schon so lange her, das Frunk sich kaum noch daran erinnern konnte, mehr so larifari. Genauso verschwommen wie die Erinnerungen an seine Kindheit und die Namen, die man ihm gegeben hatte: kleiner Frunk, kahler Frunk … Aber wen kümmerte es? Und keiner glaubte, dass der kahle Frunk jemals eine Frau abbekommen würde, schon gar nicht so eine wie Frilde. Er konnte ihnen ja schlecht sagen, dass sie sie nie zu Gesicht bekamen, weil sie dauernd weg war, besessen, von Dämonen benutzt, um den Helden und Abenteurern auf die Finger zu schauen, ob die sich auch schön an die Regeln hielten und die Götter nicht verärgerten.
Auch so eine Sache, dass ausgerechnet die Dämonen dafür sorgen sollten, dass die Götter nicht sauer wurden. Hätte es nicht umgekehrt sein müssen? Irgendetwas stimmte doch da nicht. Irgendjemand hatte da irgendwann mal irgendjemand anders einen Riesenbären aufgebunden. Und dann hatte diese Geschichte sich verselbstständigt, war gewachsen und zu etwas geworden, das für falsche Textpassagen in wichtigen Büchern sorgte, Worte entstellte und Wände auftauchen ließ, wo sie nun wirklich keiner brauchen konnte.
Jedenfalls war es schwer vermittelbar, mit der schönsten Frau der Welt verheiratet zu sein, wenn man sich nicht zusammen sehen ließ. Aber natürlich hatten sie Besseres zu tun, als sich von den Leuten anglotzen zu lassen, wenn sie denn mal Zeit für sich hatten.
Frunk hatte die Bibliothek erreicht und blieb erst mal stehen, um die Atmosphäre in sich aufzunehmen, die Luft einzuatmen und dem Raunen zu lauschen, das hier ganz deutlich zu vernehmen war, mehr ein Murmeln, kurz davor, verständlich zu sein. Hier fand seine eigentliche Arbeit statt: Schriftenpflege, Bücherwechsel, Textkorrektur. Hier wurden Fehler korrigiert. Fehler wie der von heute Morgen. Ob die Wucherung an seinem Haus in der Nacht geschah oder schon länger her war, konnte er nicht sagen, aber gewiss war dieses Loch, in das er fiel, gestern noch nicht da. All die anderen Leute, die staunend drumherum standen und zu ihm herunterriefen, ob sie helfen könnten, würden das sicher auch beschwören. Niemand war auf dieses Loch vorbereitet gewesen. Es dauerte verflixt lange, ein Seil zu besorgen, an dem man ihn da herausholen konnte. Eine Leiter hätte ihm besser gefallen, aber die waren gerade alle auf dem Platz der Schande, wo plötzlich eine Mauer stand, die überwunden werden musste, weil kein Tor darin war. Auch sie entstand einfach über Nacht. Das war wirklich ärgerlich. Alle paar Tage derselbe Mist. Nun musste er die passenden Bücher heraussuchen, die den heutigen Schlamassel verursacht hatten, sie in den Lesesaal schleppen, auf einen Altar packen und die Fehler finden. Das hatten doch mal wieder die Götter verbockt. Das kam davon, wenn man die Bücher schlampig schrieb. Was sie wohl vorgehabt hatten? Sollte es ein Teich werden, mitten in der Stadt? Oder der Keller eines neuen Hauses? Wo fehlte die Wand, die jetzt auf dem Platz der Schande die Schändlichen von den Gaffern trennte? Sie sagten es nicht. Nie. Er konnte sehen, wie er zurechtkam. Nun, er würde es schon hinkriegen, wie er es immer hinkriegte: irgendwie.
Die Bibliothek war groß. Wirklich sehr groß. Wenn man in einem der Gänge stand, konnte man dessen Ende gar nicht sehen. Noch nie hatte Frunk das Ende eines Ganges erreicht, weder bei der Suche nach dem richtigen Buch noch bei einigen der wenigen Exkursionen, für die er Zeit gefunden hatte. Wie immer verließ er sich allein auf seine Intuition. Das Buch mit dem Fehler, der das Loch verursacht hatte, vermutete er unter L wie Loch und marschierte den Hauptgang hinunter.
Das Raunen und Wispern nahm zu, je tiefer er in die Bibliothek eindrang. Früher hatte ihn das verunsichert, manchmal gar geängstigt, aber inzwischen war er daran gewöhnt und wusste, dass die Bücher ihm nicht viel mehr taten, als ihm auf den Kopf oder einen Fuß zu fallen, wenn er sie verärgerte. Nur einmal, als er voller Wut ein Buch zu Boden geschleudert hatte, waren ihm nacheinander zwei Bücher auf den Kopf und drei weitere auf die Füße gefallen. Aber das war lange her. Er hatte seine Lektion gelernt. Ja, das hatte er: Bücher haben immer recht, leg dich nicht mit Büchern an.
Bei L angekommen, starrte er den Hauptgang hinunter. Das Ende war nicht zu sehen, dabei lag L doch nun ziemlich in der Mitte. Er drehte sich um und blickte zurück. Er konnte die Haupthalle, durch die er hereingekommen war, noch erkennen. Gut sogar. Wieso dann das andere Ende des Ganges nicht? Kam noch etwas nach Z? Er wollte es unbedingt herausfinden, aber das musste warten. Jetzt brauchte die Stadt erst mal seine Hilfe. Wer, wenn nicht er, konnte die Fehler der Götter korrigieren?
Er bog in Gang L ab, der sich wie alle anderen in einem diffusen Nichts verlor. Nicht in Dunkelheit oder Nebel, sondern einfach nur in einem einzigen winzigen Punkt, in dem sich alle Linien, die es hier gab, trafen: Die Kanten der Regale, der Buchreihen … einfach alles. Als würden sie dort verschmelzen und eins werden, so wie er mit der Bibliothek verschmelzen würde, wenn er diesen Punkt erreichte …
Ein Schauder durchfuhr ihn. Immer wieder mal befielen ihn solche Gedanken, wenn er hier alleine unterwegs war. Dummerweise war er hier immer alleine unterwegs. Er hatte keinen Assistenten und noch nie jemand anderes hier gesehen. Manchmal glaubte er, der Einzige zu sein, der sich um die Bücher kümmerte. Da wäre es dann auch kein Wunder, dass er nie dazu kam, die Geheimnisse der Bibliothek zu erkunden, all die Bücher zu lesen oder auch nur herauszufinden, warum er sich an all die Dinge, die er hier tat, nur selten erinnern konnte. Denn es tat sich viel in der Bibliothek, und das musste von ihm getan worden sein, oder? Er war der Hüter der Bücher, der Bibliothekar und offensichtlich der Einzige hier.
Als er LO erreichte, schreckte er auf. Er wusste gar nicht so recht, wie er hergekommen war. Seine Füße hatten ihn fast von allein getragen, während er seinen Gedanken nachhing. Da waren sie auch schon, die Bücher zum Thema Loch. Eine ganze Menge. Er nahm das oben rechts heraus. Dafür musste er sich auf die Zehenspitzen stellen und ordentlich strecken. Er kam durchaus ohne Leiter aus. Noch nie hatte er vor einem Regal gestanden, das höher war oder auf dem die Bücher obendrauf lagen, statt darin zu stehen.
Das Buch war ganz neu, das konnte er fühlen und auch riechen. Loch … gleich daneben ging es mit Locker weiter – wie lockerer Stein in einer Mauer –, davor war ein überraschend schmales Regal mit Lob.
Irgendwo da drin steckte jetzt der fehlerhafte Text. Die Bibliothek sammelte in jedem Band sämtliche Textstellen, die zu einem bestimmten Begriff, einer Phrase oder kompletten Sätzen gehörten. Frunk bekam bei seinen Korrekturen nie den gesamten Text zu sehen oder auch nur dessen Namen, sondern immer nur den Abschnitt, der den Fehler enthielt. Selten waren sie lang genug, um zu verstehen, worum es ging. Aber falls doch, kapierte er sie trotzdem nicht. Das war gleichermaßen bedauerlich wie erstaunlich, weil er sich doch eigentlich auf Worte verstand. Und ebenso erstaunlich war, dass wegen einer neu hinzugekommenen Textstelle ein so schwerer Band entstand. Wie war das möglich? Er schlug ihn auf und blätterte – vorsichtig – darin herum. War er zu forsch, konnte es schon mal sein, dass das Buch ihn in den Finger schnitt. Natürlich so, dass er es nicht vollblutete, sondern nur diesen fiesen ziehenden Schmerz verspürte, der ein paar Tage erhalten blieb.
Leg dich nicht mit Büchern an …
Das Buch war voll. Voller Worte, Sätze und Absätze. Wie immer ohne Überschriften. Einfach nur Textblock an Textblock. Nichtssagend. Unverständlich, obwohl er die Worte kannte. Vielleicht, so überlegte er, wurde um die neu hinzugekommene Textstelle weiterer Text platziert, um sie zu verstecken. Vielleicht war es aber auch so, dass bei einer Ergänzung alle anderen Texte aus dem vorherigen Band wieder mit aufgenommen wurden. Oder, und das fand er am plausibelsten, es wurde gar nichts hinzugefügt, sondern etwas ausgetauscht. In den letzten beiden Fällen könnten die vorherigen Bände jeweils weg, statt hier die Regale zu füllen und die Wege lang und beschwerlich zu machen. Aber das wagten wohl nicht mal die Götter.
Leg dich nicht mit Büchern an.
Er hatte nun jedenfalls einen mörderisch schweren Lederband den ganzen Weg zurück zur Haupthalle zu schleppen und dann weiter in den Lesesaal, wo er den Kaventsmann auch noch auf einen Altar wuchten musste.
Der Rückweg war länger, als er erwartet hatte. Auf der Suche nach dem richtigen Regal war er doch ziemlich weit gekommen. Das Gewicht des Buches zog dermaßen an seinen Armen, dass er dachte, die Hände würden jeden Moment über den Boden schleifen.
Endlich erreichte er den großen Lesesaal. Die Reihen der Altäre erstreckten sich in alle Richtungen, sie glommen friedlich vor sich hin. So hatte er es gerne. Sie strahlten etwas Heiliges aus, eine Besonderheit, die ihrer Bedeutung entsprach. Er wählte den nächstgelegenen und wuchtete das Buch darauf. Sofort erstrahlte der Altar in hellem Licht und begann das Buch zu lesen. Er las es Wort für Wort, Satz für Satz, Zeile für Zeile und blätterte Seite für Seite um. Bemerkte Frunk eine Ungereimtheit oder einen unverblümten Fehler, wies er mit dem Finger drauf, zog den oder die falschen Buchstaben, Worte oder ganzen Sätze heraus und sprach die Korrektur. Der Altar fügte seine Worte dann an der richtigen Stelle ein. – Manchmal. Meistens fügte er irgendwelchen Mist ein, sodass Frunk den Vorgang wiederholen musste. Wieder und wieder. Bis es endlich passte. Das konnte eine ganze Weile dauern. Exakte Wissenschaft eben.
Frunk hätte es begrüßt, mit dem Altar ein Pläuschchen führen zu können, was – bei den Göttern! – dieser jeweils einzusetzen hatte. Aber der Altar sprach nicht mit ihm. Niemand in der Bibliothek sprach mit ihm, außer dem Erzähler, worauf Frunk jedoch gut verzichten könnte.
Wie auf Kommando ertönte in diesem Moment die morgendliche Verkündigung. Obwohl Frunk sie selbst verfasst hatte und den alten Dummkopf nicht ausstehen konnte, wurde er heftig ergriffen. Die Worte waren beeindruckend, die Stimme ebenfalls – es war ein Fest. Eine gute Verkündigung. Gut gemacht, Frunk! Gut! Doch das würde keiner sagen. Nicht hier.
Der Altar las weiter und Frunk konnte nur hoffen, während der Verkündigung nicht abgelenkt gewesen zu sein und die fehlerhafte Stelle übersehen zu haben.
Aber nein, da war sie ja. Ganz eindeutig: Loch im Boden stand da. Frunk verstand die Worte davor und dahinter, jedoch nicht im Zusammenhang und er konnte den Satz, der sich daraus ergab, auch nicht laut aussprechen. Es ging nicht. Es gab einfach Dinge, die unsäglich waren. Er packte Loch im und zog es heraus. Der Altar wartete, ob noch etwas käme, aber Frunk war fertig.
Nach einer Weile sah der Altar es ein und klappte das Buch zu. Die Korrektur war abgeschlossen und das Loch im Boden, in das er heute Morgen gefallen war, sollte fort sein. Einfach nicht mehr da, als wäre es nie dort gewesen. Es würde sich vermutlich auch keiner mehr daran erinnern.
Frunk erinnerte sich daran, aber nicht lange, wie er wusste. Er erinnerte sich auch, dass er früher vor der Korrektur immer besorgt losgelaufen war und den Leuten Bescheid gesagt hatte, dass sie aufpassen sollten, dass sich niemand in der Nähe des zu behebenden Fehlers herumtrieb. Er hatte Sorge, jemand hätte durch die Korrektur zu Schaden kommen können. Aber das war noch nie passiert, jedenfalls nicht, dass er wüsste. Und auch diesmal war er sicher, dass im Moment der Korrektur niemand in dem Loch sein würde, der dann nicht mehr herauskäme. Und selbst wenn, würde sich das Loch nicht verschließen, sondern aufhören zu existieren. Weg sein. War ein Loch, in das jemand gefallen war, nicht mehr da, lag auch keiner drin. Oder? Jaja, ganz genau so musste es sein. Und falls doch, wäre keiner mehr da, der sich beschweren könnte.
Während er das Buch zurückbrachte, grübelte Frunk darüber nach, ob er auch nach dem Buch mit der Mauer suchen sollte, wegen der keine Leiter für sein Loch zur Verfügung gestanden hatte. Aber das war Hörensagen, er hatte die Mauer nicht selbst gesehen. Es konnte ja nun nicht seine Aufgabe sein, Dinge zu korrigieren, derer er nicht sicher sein konnte. Sollte jemand mit der Nase gegen diese Mauer gelaufen sein, würde es sicher jemand anderes geben, dessen Aufgabe es war, dieses Buch zu korrigieren. Warum sonst sollte der Lesesaal so groß sein und so viele Altäre haben?
Aber gesehen hatte er hier noch niemanden und der Hüter war ja er. Hm. Ach …
Außerdem hatte er gar nicht die Zeit, sich um anderer Leuts Kram zu kümmern, er musste nun zurück zum Erzähler und die Mittagsverkündigung vorbereiten. Das war zwar genau genommen auch anderer Leuts Kram, aber um diesen kam er leider nicht herum.
Seid gegrüßt, edle Helden zu Ehren Rubens! Eure Taten mögen das Wohlwollen der Götter finden, dank deren Gnade euch der eine oder andere Ort auf eurer Reise nicht nach dem Leben trachtet.
Die Götterzinne ward im Morgengrauen von Anwärter Superdüb bezwungen und auch die Sandmonster haben sich dank Anwärter Superdüb zurückgezogen. Er steht nun im Anspruch auf den Rang eines Oberritters vor dem Tal der Weißlilien.
