Fülle des Lebens - Hellmuth Sudheimer - E-Book

Fülle des Lebens E-Book

Hellmuth Sudheimer

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Beschreibung

Keine Stunde fällt in den Orkus. Unser Ruf ist: Unendlich! Bäume, ihr ewigen, Ich bewundere euch. ------------------------------ Herz der Nacht Wehe deinen stillen Schleier Um das arme Herz der Nacht: Deiner waldumhüllten Leier Hat ein Kind des Lichts gedacht! Zarter Seidenfinger rührt An das wehe Herz der Nacht; Milden Harfenklang entführt Lind und leicht der Wind: Selig ist das Herz der Nacht!

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Seitenzahl: 85

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Hellmuth Sudheimer

Hellmuth Sudheimer

Fülle des Lebens

Gedichte aus 60 Lebensjahren,geprägt von zwei Weltkriegen

Herausgegeben von Ursula Sudheimer

Meinem lieben Ehemann Hellmuthzum Gedenken

INHALT

I

ERLEBNIS NATUR

Spruch

In Licht getaucht

Blinkender Tag

Flug in den Tag

Der Morgen

Mittag

Auf den Bergen

Nächtliches Weltgebet

Abendblume

Still an Gottes Saum

Nächtlich auf den Feldern

Kiefernruch

Herz der Nacht

Frühlingsschwer

Wiessee im Frühling

Frühlingsfeuer

Ich sterb im Mai

Regen

Sommertag

Regensonntag

Sturmgesang

Abend im Sommer

Duftende Linden

Fahrt über Land

Herbst

Abend im Herbst

Winterfahrt im Gebirge

Wind im Schnee

Echo des Lichtes

Wiesenbuch

Herz der Schönheit

Der Tod der Lilie

Ewig fern entrückt

Die Wandlung

Tauben über der Stadt

… jenseits ins Leere

Lied im Wind

Tänzer vor Gott

Der Baum

Bäume, ihr ewigen

II

MACHT DER LIEBE

Gegen allen Sturm der Welt

Liebe, Strom aus dem All

Der Tropfen Glück

Weg in die Zukunft

Liebe in dieser Zeit

Ferner Stern

Zeitlose Zeit

Sag es

Wir sind Mitte

Liebe wird Musik

Traum und Wirklichkeit

Sternenkind

Sehnsucht

Abendwind

Mona Lisa

Wer bist du?

Liebe und der Blinde

Getrenntheit 1945

Feuerblick

Zwischen Leben und Tod

Tristan und Isot

Die Hexe

Gesang der Fee

Lichtgestalt

Oh du hohe Geliebte!

Ums Lieben zweier Seelen

Volkslied

An dich

Das kleine mystische Liebeslied

Duft und Sternenblühen

Gesegnet …

III

DURCH DIE WELT – DURCH DAS LEBEN

Die Stunde

Sie lächelte

Liebe und Menschenleid

Weltenweise

Den müden, namenlosen Gästen ohne Zahl

Nächtlich

Dem Sturm widerstehn

Lied

Der Gott der Jugend

Ihr Mädchen

Gesang vom Weibe

Trinklied

Der grenzenlose Mensch

Die Fabrik

Schicksal in der großen Stadt

Unendlichkeit

Wir sind ganz unser

Trank aus Nichts

Ruhe am See

Inselleben

Nordsee – März

Fackel der Worte

In einem alten Hause

Lichtbild

Heiliges Finanzamt

Gang in den Abend

Mitten aus der Nacht

Du sollst nicht immer einsam sein

Von jenseits erfüllt

Vom Morgenruf erwacht

Bruder Tod

Eingekehrt in das Unaussprechliche

Am Abend

Lied der Hoffnung

Der Baum an der Straße

Wo lebe ich

Mensch, wo bist du?

Gesicht aus dem Dunkel getaucht

Keiner berührt uns

Wer weiß es

Ich höre mich nicht

… so viel…

IV

LEBEN IN ZWEI WELTKRIEGEN

Es blühten die Rosen

Angst

Wer weiß vom Dasein?

Dunkle, schwere Gabe

Gott hebt die Hand

Feuer! Sturm!

Um uns ein Schrei

Arbeit ist Gebet

Lanzerlied

– unten – hin–

Werden

Der graue Tod

Zwei silberne Schuh

Verzweiflungstanz

Weltkrieg

Wir sind nichts

1944/1945

An der Weichsel

Es geht viel Tod im Land herum

Heimatlose

Schicksal

Nach den Kriegen – und morgen

Kommender Frühling

So seltsam, dass ich Mensch noch bin

Trost in der Nacht

Armes, liebes Vaterland

1948

Das Elend schreit sehr rot

Zeit vor dem Untergang

Mund des Himmels

V

MENSCH ZWISCHEN HIMMEL UND ERDE – AUFBRUCH INS LICHT

Alte Götter und der Mensch

Eros’ Tanz

Pan

Selig ist

Es ist der Grund

Gesegnet von Liebe

Im Sternenkleid

Die Engel warten

Gotttrunken

Wie ein Abendlied

Ein milder Stern

Bienenbrot

Unsterblichkeit

Lichter Geist

Bruder Adam

Einer ging aus …

Bedenkt

Prinzip Hoffnung

Meeresstimmen

Die Güte ist noch weit

Gott ist weit

Traumesschwer

Große Andacht

Kinder Gottes

Gott so weit

Wind der Ewigkeit

Sieh, ich bin ein Kind

Goldener Geist

Stille Wege

Ewigkeit

Dunkle Zeit

Sommer

Urgrund aller Dinge

… leise die Hoffnung

Angst und Zuversicht in unserer Zeit

I

ERLEBNIS NATUR

Spruch

Oh Mensch, trink ein die blaue Himmelsseele!

Lass Sonne aus den Wolkenschächten stürzen,

In Feuergarben, trunken dir ins Herz!

Die Berge blauen; Wiesen goldengrün

Umfunkeln dich, oh Mensch, mit weitem Licht

Und durch den hellen Glanz der Erde schreiten

Die Menschenbrüder dir und winken.

Berlin, 1942

In Licht getaucht

Wolkenspiel und Melodie,

Schwalbentanz und Wiesensang,

Türme blinken tief im Licht,

Dass ein Gott zur Erde schwang.

Wasser funkelt, Himmel schwillt,

Vogel singt ein Silberlied,

Wald veratmet, und ein Boot

Zieht wie Traum vom Uferried.

Erde ist in Licht getaucht,

Weißen Wind und Geigenton,

Der wie Blumen leis’ verhaucht

Hier vorm Feld von rotem Mohn.

Blinkender Tag

Im Morgenwind ruft

Aus dem blinkenden Tag

Himmel und blaues Licht.

Wolken schreiten stark und riesengleich

Durch Himmel und Erde,

Und der dunkle Gesang der Tiefe

Donnert um unsere Füße.

Licht, oh Licht!

Dein glänzender Atem

Tränke die Seele!

Wie kränzt die Erde sich rings mit Seligkeit!

Oh, in den geweihten Schauern der Frühe

Fühl ich, wie kalt und fröstelnd und groß

Das Antlitz der Welt sich erhebt,

Feierlich und gewaltig,

Und leuchtet und segnet.

In den 1920er Jahren

Flug in den Tag

Tag liegt glänzend auf den Dächern,

Masten, Segel hat er aufgestellt.

Morgenwind hat sie geschwellt,

Und sein gold’ner Nachen fährt zur Welt.

Und wir fahrn gleich sel’gen Zechern

Trunken durch des Meers Azur;

Rauschend gleißt die Wogenspur,

Und wir fühlen riesenhaft Natur!

Wolken schäumen uns zu Füßen,

Rings umschwillt uns weites Licht;

Hoch aus Himmelsfernen dämmert

Uns ein blaues Geistgesicht.

Der Morgen

Baum, du steil in das Grauen gereckt,

Moos, du kühl über Stein gewölbt,

Hang wider bergige Massen gestemmt:

Rufe, du Tal! Rufe, du Tal!

Nackte Brust, in den Himmel, Arm:

Leuchte, du Tag! Leuchte, du Tag,

Über brennende Berge gestellt:

ICH BIN WELT!

1925

Mittag

Der Mittag schaukelt leis, in blaue Seide eingehüllt,

Im Spiel auf sanft berauschten Buchenzweigen …

Der Glast um uns, von Spiel und Lust erfüllt,

Verschillert farbig, schwillt in Riesenweiten

Und atmet auf …

Des Mittags bernsteinhelles Auge fabelt

Und fantasiert von märchenhaften Dingen,

Die still durch seine große Stunde schwingen:

Im Traume haben wir die Welt umfahren,

Von allen Ländern lockten bunte Wimpel,

Von allen Wolken stürzten Feuerwinde:

Die hockten vorher lauernd hoch im Blauen –,

Und Mädchenleiber blühten auf in grüner Flut.

Da sind wir blutlebendig aufgeloht

Und brachen unter sie. Der Mittag lachte

Und rief den Pferden zu von weißem Schaum,

Uns zu den Lustgaleeren hinzutragen …

Am Ende strandeten die leichten Schiffe

An einer nebelüberwölbten Insel.

Die weißen Pferde sprengten über uns,

Und alle, alle wir ertranken …

Der Mittag nur … schwang sich im Seidenblauen

Auf eine Silberwolke hoch … und lachte …

Vor 1930

Auf den Bergen

Dämm’rung sinkt ins weite Tal,

Grillen zirpen hin und wieder –

Leise sing ich meine Lieder

In die Wälder nieder.

Alle Lust und alle Qual

Trag ich in das Abendrot,

Träume über Berg und Tal,

Träum vom Leben, träum vom Tod.

1923

Nächtliches Weltgebet

Wir sind schwer von Licht.

Seliger Gebärden voll

Tönt uns der zarte

Wind aus den Abendbüschen,

Und unsere Füße

Am grünen Ufer

Bespült der dunklen Stimmen Strom.

Blütenkränze

Und würziger Honigruch

Wiegen auf unseren Schultern

Das nächtliche Weltgebet …

Und Lieder voll süßerer Stimmen

Wachsen und wandeln über die große Erde.

1925

Abendblume

Im Tal der guten Lieder träumt der Wald.

Die Sense schweigt. Und weite Flötentöne

Umhüllen uns mit feinem Lebensspiel.

Wir wandern sacht zum Rand der Welt, und wieder

Zurück zum Herzen hier. Und wie auf Wolken

Ist unser Gang. Wir leben in der milden,

Ereignisreichen Luft in süßer Einheit

Mit aller Kreatur: Und in uns klingt

Die Stimme, die zur Abendblume hier

»Du liebe Schwester!« sagt.

1940

Still an Gottes Saum

Und ein Boot im Zwielichtschein

Auf der roten Flut,

Wald hüllt blau in Flaum sich ein,

Silberwiese ruht.

Nebelbetten liegen rings

Für die zarten Fraun;

In den Lüften rechts und links

Sie aus Fenstern schaun.

Abendeichen dunkeln auf,

Eine Seele singt,

Sterne glitzern sacht herauf,

Und ein Herz zerspringt.

Große weiße Vögel ziehn

Überm Fluss vorbei.

Wie die Städte uns entfliehn!

In den Lüften hängt ein Schrei.

Ein und Alles, träumt das Land.

Wir vergehen schon,

Eine blaue Schattenhand

Träuft den Himmelsmohn.

Erde schwimmt, der dunkle Kahn,

Sacht im Riesenraum,

Treiben unbekannte Bahn

Still an Gottes Saum.

1944

Nächtlich auf den Feldern

Feuer und ein weißer Blütenbaum –

Meine Hände wandern durch das Dunkel weit,

Meine Augen sind von mir entzweit,

Blicken fremd aus samt’nem Wolkenflaum …

Seen spiegeln, nächtlich, schief und schräg,

Durch die Lüfte führt ein Silbersteg,

Und ein roter Vogel schwebt im Raum.

Ach, ich ahne seine Andacht kaum.

Ja, ich weine in die Furche nieder,

Dass ich sie nicht innig fassen kann,

Diese große Nacht und ihre Lieder,

Die der Mond uns rätselhaft ersann.

1944

Kiefernruch

Der saure Kiefernruch,

Würzig und schwer von Erde

Quillt und tropft und dringt ins Herz

Wie herber Edelwein,

Und bebend trägt die Seele den Abendsegen,

Der groß über der Schonung schwebt

Und leise die Flügel regt und hebt.

Braundunkelgoldne Moose würzen,

Saftig und voller Erdkraft

Regenwarm vom fruchtbaren Tage noch

Atem und Stille der Nacht.

Die Augen voller Sehnsucht weit und offen kommt sie

Unter den hohen Kiefern hervor.

Die lassen die flockigen Kronen

Schweben im Himmel wie schwarze Fahnentücher.

Herz der Nacht

Wehe deinen stillen Schleier

Um das arme Herz der Nacht:

Deiner waldumhüllten Leier

Hat ein Kind des Lichts gedacht!

Zarter Seidenfinger rührt

An das wehe Herz der Nacht;

Milden Harfenklang entführt

Lind und leicht der Wind:

Selig ist das Herz der Nacht!

1922

Frühlingsschwer

Aus milden Himmeln

Stürzt und schäumt das blaue Licht in weiße Wolkenkronen,

In grünem Feuer brennt die Erde,

Flammenbäume flackern in der weichen Luft,

Und nur die dunkelblauen Berge atmen

In schöner Einsamkeit.

Frühlingsschwer

Und voller Sehnsucht schwingt der Amsel Schlag

Dunkel im Walde –

Das Herz des Menschen aber ist voll Trunkenheit

Und wandert selig in der warmen Welt

Durch Blumen, die im Atem Gottes wiegen.

In den 1920er Jahren

Wiessee im Frühling

Erlenkätzchen zarter Schnüre

Die den Berg mir sanft verschleiern

Bächlein rinnt und rauscht zu Tale

Mit dem See sich zu vereinen

Purpurfarb’ne Wolken droben

Hinter Gipfeln rasch verschwinden

Gipfel, die im Abendlichte

Strahlend ihren Firn verzaubern

Und der Krähen dunkler Schatten

Mischt sich mit dem Abendwinde.

München, 1958

Frühlingsfeuer

Der Apfelbäume Blütenschleier flirret

Um ihre Schultern, die im Gange schreiten,

Und aus dem Wein der tiefen Laube sirret

Ein geistlich Lied von Heimchens Harfensaiten.

Die Düfte, Braun und herbes Grün verschwingen

Vor ihren schwer verhangenen Gebärden:

Das herzgefärbte Blau der Buschsyringen

Will singen! Will singen!

Und milde rote Frühlingsfeuer leuchten

Auf ihre Wangen, die im Schmerze fahlten:

Des Gartens leise süße Lieder scheuchten

Die wilden Schemen, die im Traum sich malten.

Ich sterb im Mai

Die Tage sind von Frühling schwer –