Funken und Nebel - Noah Wlocka - E-Book

Funken und Nebel E-Book

Noah Wlocka

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Beschreibung

Ohne Erinnerungen wache ich auf einem Schlachtfeld voller gesichtsloser Leichen auf. Ich schaffe es, von diesem Ort zu fliehen und treffe auf andere schemenhafte Figuren. Einer von ihnen schickt mich auf eine Reise, bei der ich Prüfungen mit seiner Hilfe bewältigen soll. Denn ich soll der Held sein, der diese Welt retten wird. Auf meinem Weg trotze ich den Prüfungen, einem Monster und anderen Hindernissen, um mein scheinbares Ziel zu erreichen. Immer wieder zerrt die Reise dabei an meinem Verstand. Allmählich ahne ich auch, dass mehr hinter dieser düsteren Welt und seinen Bewohnern steckt.

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Seitenzahl: 72

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhalt

Erwachen

Das Monster und die Sirene

Der Fremde

Das gesammelte Wissen

Der richtige Weg

Finsternis

Katastrophe

Heile Welt

Das Bild im Spiegel

Freunde in der Not

Der letzte Kampf

Der Held

Gedanken eines Schemens

ERWACHEN

Plötzlich war ich da. Ich wusste nicht, wann oder warum es geschah, aber da war ich. Aber wo war ich und vor allem, wer war ich? Ich nahm nichts wahr, aber da musste etwas sein. Ich strengte mich an und langsam setzten meine Sinne ein. Ich lag scheinbar auf der Seite. Der Boden war weich und sehr heiß, aber trotz der Hitze spürte ich keinen Schmerz. Ich fasste mit meiner rechten Hand über den Boden, er wirkte wie Sand. Ich nahm eine Handvoll und ließ sie durch die Finger rinnen. Aber es gab kein Geräusch. Warum war da kein Geräusch?

Ich strengte mich weiter an und plötzlich brach es über mich hinein. Eine Flut verschiedenster Laute war zu hören. Da war ein tiefes Brummen, das die Luft erzittern ließ. Ein rhythmisches Rauschen ertönte weit weg doch gut hörbar. Ab und zu setzte es aus oder wurde leiser, nur um dann umso lauter wiederzukommen. Ein statisches Surren legte sich darüber und scheinbar aus der Ferne drangen weitere Geräusche, die zunehmend leiser wurden. Fürchterliches Klirren, Donnergrollen, helle Töne, die nur Blitze erzeugen können und ein dumpfes Dröhnen, nicht angenehm wie das tiefe Brummen, sondern quälend und ich war froh, dass sich dieser Krach entfernte.

Nun da ich wusste, wie sich diese Welt anhörte, musste ich die letzten Sinne aktivieren. Ich bemerkte einen metallischen, aber vertrauten Geschmack in meinem Mund. Doch das Schlimme war der Geruch. Ich roch Fleisch, aber es war verbranntes Fleisch, verrottendes Fleisch, totes Fleisch. Was immer hier geschehen ist, es musste grausam sein. Es gab nur eine Möglichkeit, es zu erfahren.

Ich öffnete meine Augen, doch was ich da sah, ließ mich bereuen, sie je geöffnet zu haben. Vor mir lag ein dunkler, grauer Körper, übersät mit verkohlter Haut und Verletzungen aller Art. Er dampfte noch leicht und dunkles, violettes Blut rann heraus.

Ich setzte mich auf, um den Körper besser betrachten zu können. Er hatte keine richtigen Gesichtszüge, sodass ich den Schrecken, den dieser Schemen erleben musste, nicht erkennen konnte. Ich war froh darüber. Die Handflächen des Toten waren aufgeschürft und zerschnitten, der Nacken war übersät mit Einstichen und über den gesamten Körper zogen sich feinverästelte Male, die beinahe wie Blitze aussahen.

Ich schaute meine eigenen Hände an, dunkle, graue Finger an dunklen, grauen Armen. Mir wurde urplötzlich klar, dass ich so aussehen musste wie der Körper, dass wir gleich waren. Ich verspürte eine jähe Verbundenheit mit der armen Gestalt, doch ich wandte mich ab.

Ich sah mich weiter um. Der Raum war hoch und hatte raue Wände. Über den Boden zog ein dünner, dunkler Nebel, der schwach leuchtete. Er schmiegte sich um weitere Körper, die im ganzen Raum verteilt waren. Viele von ihnen waren schon eingesunken oder ganz verfallen. Ich entdeckte auch Unmengen an blanken, schwarzen Knochen, die einen großen Teil des grauen Bodens bedeckten. Es wirkte wie ein Schlachtfeld.

Ich musste hier raus. Der einzige Ausgang schien eine Öffnung, die gerade groß genug für mich war. Ich zwängte mich hindurch und fand mich in einem Höhlengang wieder. Der Nebel begleitete mich und ich war froh darüber, denn er leuchtete mir den Weg. Der Gang blieb eng und meine Laune besserte sich dadurch nicht. An den Wänden waren Symbole eingeritzt, viele Striche und Blitze und einige Kreise waren hier und da zu sehen. Ich wusste nicht, wofür sie standen, und es war mir auch egal. Ich bekam zunehmend Panik in dieser dunklen Enge. Ich wurde unvorsichtiger, stieß nun mehrfach an die Wände und rieb mir mehrmals an dem rauen Stein die Hände auf. Mein Herz raste, meine Gedanken schwirrten durcheinander. Ich musste hier raus, raus aus der Enge.

DAS MONSTER UND DIE SIRENE

Endlich bekam ich Luft. Der Gang hatte sich verbreitert und gab nun den Blick auf einen großen Höhlenraum frei. Riesige Stalagmiten standen eindrucksvoll auf dem Boden verteilt, während ihre Schwestern still von der Decke hingen. Es war ein atemberaubender Anblick und für einige Zeit vergaß ich völlig, dass ich aus der Höhle wollte.

Doch dann hörte ich ein Geräusch, ein tiefes Knurren, dass mir starke Angst bereitete, stärker als es die Enge des Ganges könnte. Der Boden erbebte, etwas Großes trampelte durch diese Höhle und ich sah mich hektisch nach seinem Ursprung um. Dieses Ding musste riesig sein.

Dann sah ich das Ungeheuer in der Ferne und ich hätte es am liebsten nicht getan. Es war massig und hatte breite Beine wie alte knorrige Eichen. Sie endeten in verschorften Füßen mit gesplitterten Klauen. Es war fürchterlich dreckig und seine Haut hing wie Lappen von seinem Körper. Borstige Haare überzogen das Ungetüm und sein Gesicht glich einem eingedrückten Wildschwein mit gigantischen Hauern und rotglühenden Augen. Das Monster schnaubte laut und wankte weiter.

Wenn ich es nur anstellen könnte, leise an ihm vorbeizukommen, könnte ich unbeschadet hier herauskommen. Doch dann stieß ich mit einem kleinen Stalagmit zusammen, der zu Boden fiel und zerbrach. Das Scheppern hallte lautstark durch die Höhle. Das Monster hielt an und schaute in meine Richtung. Es durchbohrte mich mit seinem Blick und ich wusste, dass ich nun in größter Gefahr schwebte.

Das Biest schoss mit einem enormen Tempo auf mich zu und rammte etliche Steine beiseite. Ich hechtete schnell zu eine Reihe Stalagmiten und versteckte mich dahinter. Dann brachen sie über mich hinein, als das Monster dagegen stieß. In dem Schutz der Staubwolken rannte ich in ein neues Versteck, doch kurz darauf zerbrach auch dieses. Das Ungeheuer raste vor Wut und ich rannte von Stein zu Stein, jeder wurde von dem Tobsuchtanfall des Monsters zersprengt.

Ich schaffte es erneut, einen schützenden Ort zu finden und scheinbar hatte das Ungetüm meine Spur verloren. Erzürnt stapfte es durch die Höhle und stieß wahllos die steinernen Kegel um. Ich atmete durch, wusste aber, dass ich nur kurzfristig in Sicherheit war. Irgendwann würde es mich finden und dann gab es kaum einen Stein, hinter dem ich mich noch verstecken konnte.

Das Biest war ruhiger geworden, denn ich hörte seine Laute nicht mehr im Durcheinander der Geräusche. Es versuchte mich wohl zu hören … oder zu riechen. Ich erstarrte, daran hatte ich nicht gedacht. Nun hörte ich auch das röchelnde Schnauben, dass mich sehnlichst entdecken wollte. Die schweren Schritte kamen näher und auch die entsetzlichen Laute des Monsters wurden immer lauter. Die triefende Schnauze des Ungeheuers erschien zu meiner Linken und stieß warmen, feuchten Atem aus. Ich schloss die Augen in Erwartung meines baldigen Endes.

Aus dem Nichts durchbrach eine alles durchsetzende Stimme das Geschehen. Es klang wie ein leidender, aber leidenschaftlicher Gesang, der gelegentlich die Tonhöhe änderte. Ich öffnete die Augen und blickte mich um. Zu meiner Rechten stand auf einem Felsbrocken eine helle, gelbliche Gestalt, von der die Stimme stammte. Sie hatte ein langes Gewand, dass aus Licht zu bestehen schien und in harmonischen Wellen um den Körper wogte. Die weißblonden Haare umrahmten das Gesicht, das ebenfalls keines war. Beide Arme ausgestreckt sang sie und ich konnte beinahe den bebenden, aber angenehmen Gesang sehen.

Das Monster wirkte eingeschüchtert, sah eine Weile knurrend zu der Sirene auf und verschwand dann tatsächlich. Ich konnte mein Glück nicht fassen, während ich dem Biest hinterher sah. Ich wollte mich bei der Gestalt bedanken, drehte mich wieder um, doch da war niemand mehr.

Enttäuscht stand ich auf und ging weiter, einen letzten Blick auf die Zerstörung dieses schönen Ortes werfend.

DER FREMDE

Es fühlte sich an wie eine Ewigkeit, aber schlussendlich konnte ich die Höhle verlassen. Ich atmete tief durch. Dieser Ort war schrecklich und ich hatte keine Absicht, dort wieder hineinzugehen. Ich ruhte mich ein wenig aus.

Ich hörte immer noch das Gewitter aus Geräuschen, es entfernte sich zunehmend. Doch nun war da etwas anderes. Stimmen drangen aus der Ferne an mein Ohr. Sie stammten von einem großen, gepflasterten Platz mit hohen Steinsäulen. Die Decke musste so weit oben liegen, dass man sie nicht mehr erkennen konnte. Der Platz wiederum war randgefüllt mit Schemen, die gleichen, die haufenweise auf dem Schlachtfeld lagen. Doch diese waren lebendig.

„Da bist du ja!“, sagte eine Stimme. Ich drehte mich um und sah einen Schemen, der mich scheinbar anstarrte. Ich blickte ungläubig zurück. „Da bist du, der Held, den wir brauchen.“

Wie bitte? Ich sollte ein Held sein? Das konnte nicht stimmen. Andererseits wusste ich auch nicht, was hier vorging. „Wie soll ich ein Held sein? Ich weiß nicht mal, wer ich bin und diese Welt erscheint mir auch fremd.“