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Es ist eine schöne Sache, wenn man mit einem Monolog Erlebnisse mit Menschen, die einem nahe standen, wieder aufleben lassen kann, um dann auch einiges wieder gerade zu rücken, wozu man zu Lebzeiten nicht kam und einem jetzt die geistige Verbindung in die Gotteswelten Gelegenheit dazu gibt. Das Buch soll aber auch Anregung dazu geben, selbst mal zum Bleistift zu greifen und mit dem Gedanken: "Was ich euch noch sagen wollte" das Herz sprechen - und die Seele endlich frei fliegen zu lassen - oder sich mal daran zu machen, die eigene Lebensgeschichte auf zu schreiben.
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Seitenzahl: 219
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Widmung
Einführung
Gerhard 1
Dorothee
Oma
Jakob
Mutti
Hedwig
Dietrich
Vati
Lohengrin
Claus
Ernst
Adelheid
Opa
Raimund
Manfred 1
Paul
Baba
Markus
Hedy
Stefi
Christel
Carola
Jürgenson
Mia
HANS
Helga 1
EBERHARD
Manfred 2
Klaus
Gerhard 2
Karin
Willi
Helga 2
Georg
Ursel
Omi
Jaber
Eva
Kölner Jungs
Alfons
Maria
Liebe
Schlusswort
Quellennachweis
Es ist mir eine Herzensangelegenheit, dieses Buch meinen beiden „KÖLNER JUNGS“ Christian Maria GRÄF und Marcel BAKHUIS zu widmen, die mir nicht nur wie eigene Söhne ans Herz gewachsen sind, sondern auch mit Rat und Tat zur Gestaltung des Buches beigetragen haben.
Es dürfte doch den meisten Menschen bewusst sein, dass wir von einer geistigen Welt umgeben sind, in die wir am Lebensende hinüber wechseln, wie es auch der katholische Glaube lehrt.
Zuversichtliche Geleitworte schrieb
Canon Henry Scott Holland, der von 1847 bis 1918 lebte:
Tod existiert überhaupt nicht. Ich bin nur ins Zimmer nebenan geschlüpft. Ich bin ich und du bist du. Was wir immer füreinander waren, sind wir jetzt auch. Nenne mich weiter mit meinem alten, vertrauten Namen, rede zu mir so ungezwungen, wie du es immer tatest. Ändere deinen Tonfall nicht, weder dass er feierlich wird noch traurig.
Lache so, wie wir immer miteinander lachten über die kleinen Späße, an denen wir uns gemeinsam erfreuten.
Spiele, lächle, denk an mich, bete für mich.
Mein Name sei dir ein so alltägliches Wort, wie er das immer war, nenne ihn, ohne damit etwas bezwecken zu wollen oder dass ein Schatten über ihm läge.
Das Leben hat die Bedeutung, die es immer hatte, es geht genau so, wie es immer war, ein völlig ungebrochener Zusammenhang.
Was ist der Tod anderes als eine unbedeutende Nebensache?
Warum soll ich aus deinem Sinn sein, weil ich für dich nicht mehr sichtbar bin?
Ich warte nur noch auf dich, lange dauert es nicht, warte ganz nahe hinter der nächsten Ecke...
ALLES IST GUT!
Gerne schließe ich mich den Worten Hollands an, weil mir der Stimmenkontakt mit allen Lieben und Freunden in der geistigen Welt seine Gedanken bestätigt haben, und ich mich schon sehr auf das Wiedersehen mit allen freue!
Bruder meiner Mutter und nicht nur „liebster“ - du warst ja auch mein einziger Onkel und Paten-Onkel und so charmant, humorvoll und geistreich, dass man sich bis ans Ende deiner Tage in dich hätte verlieben können – aber du warst ja gut behütet von deiner geliebten Gattin Dorothee.
Tja, eben sah ich eine schöne Sendung von Spitzbergen und dachte sofort an dich, weil du da in Kriegszeiten ja mal stationiert warst. Dann höre ich dich noch sagen:“Wenn Vater das erlebt hätte, dass ich Auto fahre...“ Ja siehst du, und ich bin wieder eine Stufe weiter, ich könnte sagen: wenn mein Opa – dein Vater - das erlebt hätte, dass ich am Computer sitze und schreibe! Er schrieb ja noch alles von Hand!
So laufen die Zeiten, und wir laufen mit.
Du hast als 10jähriger Bub unendlich darunter gelitten, dein todkrankes Mutting (Mütterchen) in ihrer Krankenstube nicht mehr besuchen zu können, und sie denn auch noch mit zum Grab begleiten zu müssen.
Du hast als Student unter dem strengen Regiment Deiner Stiefmutter gelitten, obwohl sie bei deinem Blutsturz sofort erkannte, dass du – wie deine Mutter unter der gleichen schweren Lungenerkrankung gelitten hast, und dich dann aufopfernd gesund pflegte. Du warst so frei, schon als junger Student aus der Kirche aus zu treten obwohl dein Vater Pastor war - das war zur damaligen Zeit ein mutiger Schritt. Und als du erkanntest, dass ich als tot krankes Kind endlich Aufnahme fand im Haushalt deiner Eltern, machtest du dich sofort daran, mir ein wundervolles Flugzeug aus Holz zu basteln. Es war so groß, dass ich darauf sitzen konnte, und man mich darauf an einer Schnüre durch den Flur ziehen konnte, was ganz gewiss zu meiner Genesung beigetragen hat! Schön war an dem Flugzeug ja auch, dass darinnen tatsächlich kleine Passagiere aus Holz geschnitzt saßen, und dass der Propeller sich schön drehte. Wenn auch das Flugzeug beim Bombenangriff einen Sturzflug in die Tiefe machte, und dann von den Trümmern begraben wurde, blieb es mir bis heute ein unvergesslich schönes Geschenk, für das ich dir auch hier nochmal herzlichst danken möchte.
Das Schicksal hat dich und deine Familie dann schwer gebeutelt. Du maltest zwar als Kunstmaler wunderschöne Bilder, bekamst dafür auch gute Preise geboten, konntest dich von ihnen aber nicht trennen, weil dir der Preis auch nicht hoch genug erschien, womit du nach heutigen Gesichtspunkten auch Recht hattest - aber – du hattest ja schon drei kleine Kinder und ihre Mutter hatte in den Kriegs- und Nachkriegsjahren schwer zu kämpfen, die kleinen Mäuler satt zu kriegen.
Das Glück wollte es, dass ihr später eine Bungalow ähnliche Wohnung in Weinheim beziehen konntet mit schönem Garten, und du als Krönung als Maler und Graphiker eine gute Anstellung bei einem Verlag bekamst. Das sicherte euer Auskommen und auch deine Rente.
Dann schlug das Schicksal zu, Sohn Peter verunglückte 21jährig tödlich gerade, nachdem er die Zusage bei einer Filmgesellschaft in Berlin erhalten hatte, mit einem für damalige Verhältnisse fürstlichem Gehalt von 1.000,- Mark!
10 Jahre später kämpfte Sohn Christian mehrere Jahre gegen Krebs an und verlor mit 39 den Kampf.
Es gab aber auch Sonne in deinem Leben dank deiner lieben Frau, und deiner künstlerisch hochbegabten Tochter.
Mit eurem Auto konntet ihr schöne Fahrten machen, und vor allem Urlaub auf eurer geliebten Insel Amrum.
Ich war schon als kleines Kind hell auf begeistert, wenn du uns in Großenheidorn besuchtest, denn du warst nicht nur ein charmanter, liebenswerter Onkel, du hattest auch die Begabung, einen Witz nach dem anderen zu erzählen. Und so kam es auch, als wir gemeinsam zum Gottesdienst von Opa ins Dorf marschierten. Du nahmst mich an die Hand und erzähltest mir pausenlos – wirklich pausenlos einen Witz nach dem anderen. Ich kam aus dem Lachen nicht heraus und wen wundert's, dass mir dieser Spaziergang unvergesslich bleibt!
Der Himmel hat es mit dir und Tante Do noch sehr gut gemeint. Ihr konntet euch für die Rentenzeit ein schönes großes doppelhäusiges Anwesen in Altrip kaufen. Nachdem du den Führerschein abgegeben hattest, bist du dann immer noch munter bis ins hohe Alter gemeinsam mit deiner lieben Dorothee auf dem Rheindamm entlang geradelt.
Als du 92jährig mit einer Lungenentzündung ins Krankenhaus musstest, besuchte ich dich natürlich. Du hast mich noch wahrgenommen und mir ganz leise gesagt:“Ich bin müde, ich möchte jetzt schlafen.“ Also gab ich dir ein Küsschen, sagte:“Gute Besserung!“ und entfernte mich leise.
Zwei Stunden später durftest du heimkehren in die schönen Gotteswelten, wo du ganz bestimmt nicht nur mit all deinen Lieben wieder zusammengekommen bist, sondern auch ganz gewiss berühmte Maler treffen konntest, denn wir haben „drüben“ ja Zugang zu Interessengemeinschaften, und dürfen uns diesen anschließen, sagten uns unsere Freunde.
Da ja zwischen euch da „drüben“ und uns hier auf Erden eine intensive Gedankenverbindung besteht fühlst du, dass mir jetzt gerade Freudentränen in den Augen stehen bei dem Gedanken, dir schon recht bald mit Schwung entgegen schweben zu dürfen um dich – meinen allerliebsten Onkel - herzlich zu umarmen – falls du noch da bist...
Für die Art deines Humors muss ich aber noch einen deiner Scherze hinzufügen: du fragtest uns, wie denn Finanzamt auf Chinesisch heisst... und brachtest uns alle zum Lachen, indem du uns verschmitzt lächelnd sagtest:“Kling, kling, futschi“ …
du verehrte Frau Onkel Gerhards, der dich humorvoll seinen „Eisberg“ nannte... Für mich warst du immer meine Tante Do!
Liebe- und aufopferungsvoll hast du deine drei Kinder durch all die schweren Kriegsjahre gebracht während Onkel Gerhard Soldat sein muste. Und eine bewundernswert hochbegabte Künstlerin warst du außerdem!
Erst im fortgeschrittenen Alter habt ihr dann einen schönen Lebensabend genießen können, nachdem die tiefe Trauer über den Verlust Eurer beiden Söhne nicht mehr so furchtbar schmerzte. Da hatten wir beide etwas gemeinsam, denn auch ich musste zu der Zeit zwei meiner Kinder gehen lassen und später auch noch das Dritte.
Nun drängte es dich, mit Deinen Söhnen im All Kontakt auf zu nehmen und du hast mich gebeten, das für dich zu tun, weil du es dir selber nicht zugetraut hast aber sicher warst, dass es diese Möglichkeit gibt. Dir zuliebe ließ ich mich dann tatsächlich in der Technik der Aufnahme paranormaler Stimmen schulen und siehe da – mir war Anfangserfolg beschieden und unsere Freunde in den Gotteswelten hielten weit über zwanzig Jahre auch weiterhin freundschaftlichen Kontakt mit mir, voller Liebe und Humor.
Das Besondere aber war dann, dass wir auch von Deinen Söhnen Botschaften erhielten. Zuerst meldete sich Peter gut verständlich mit den Worten:“ DOCH WIR SEH'N UNS NOCH IM ALL MUTTER TRÖSTE MICH!“ (Er war ja tödlich verunglückt) Das hat deine Überzeugung bestärkt, dass es im All ganz sicher ein Wiedersehen geben wird! Kurze Zeit später meldete sich auch Christian in dem er dir sagte:
„MUTTER, ICH LIEBE DICH!“ Und hier war das Besondere daran, dass er dich von Kindheit an „MUTTER“ nannte zu einer Zeit, wo das Wort „Mutter“ allgemein gar nicht in Gebrauch war, stattdessen: Mama oder Mutti. Wie freut es mich also für Dich, dass du die beiden inzwischen wieder voller Liebe in die Arme schließen konntest! Danke, dass Du mich zu den Kontakten ins All gedrängt zu hast!!!
du meine Lebensretterin. Wenn du nicht gewesen wärst, hätte ich das schreckliche, aber so hoch gelobte Hitler-Mutter-und-Kindheim in Klosterheide Kreis Ruppin nicht überlebt.
Die Tragik begann ja damit, dass keiner von euch Mutti und mich aufnehmen wollte, auch nicht die Familie meines Vaters.
Nachdem Mutti es bei dem Spargelbauern in Triberg nicht mehr aushielt weil er zudringlich wurde, mußte sie Triberg verlassen, obwohl ich dort im Garten stehend schön in frischer Luft und Sonnenschein gedieh, während Mutti mich zudem noch neun Monate stillen konnte..
Notgedrungen bekam Mutti wieder Unterkunft in dem scheußlichen Heim, in dem ich geboren wurde. Als Mutti bei euch zu Hause im Fieberwahn immer noch bettelte, rettet mein Kind, hast Du Dein Köfferchen gepackt und bist kurz entschlossen in das Heim gefahren. Du hast dich von den schrecklichen Zuständen überzeugt. Vor allem aber erkanntest du, dass ich sterbenskrank war, und das war meine Rettung. Zu Hause hast du in Windeseile ein Kinderzimmer hergerichtet, und mich schon eine Woche später heim geholt.
Das war in der damaligen Zeit eine sehr schnelle Reaktion.
Es war ja für Opa, den Witwer, schon ein großes Glück, dass ihr euch kennen gelernt habt. Dazu gaben Freunde von ihm extra einen Hausball und luden dich auch ein. Sie waren der Überzeugung, dass ihr gut zusammen passen würdet. Damit hatten sie ja auch Recht. Ihr habt euch verliebt, habt geheiratet und nun warst du schon mal Mutter von zwei Kindern, Mutti und ihrem Bruder Gerhard.
Du warst bereits Anfang vierzig, als du nacheinander drei Buben zur Welt brachtest. Wie du mir erzähltest, waren alle drei ausgereift und hübsche Knaben.
Aber wie es damals so mit der Kindersterblichkeit war, lebte der erste Bub drei Monate, der Zweite drei Wochen und der Dritte kam mit einer dramatischen Operation dann nicht mehr lebend auf die Welt.
Es war ganz klar, dass dich bei mir das Gefühl überwältigte:
aber dieses Kind muss ich retten! Und das tatest du ja auch mit der ganzen Kraft deiner Mutterliebe!
Behütet wuchs ich bei dir auf, musste trotz der Notzeiten keinen Hunger leiden. Wir hatten wenigstens immer Kartoffeln und als du merktest, dass ich kaum noch die Bratkartoffelgerichte runter bekam, hattest du eine gute Idee:
du machtest mir Buttermilchsuppe mit Vanillepulver angedickt – und das schmeckte mir immer!
Wir erlebten auch alle den bitterkalten Winter im Jahr 1941.
Das Steinhuder Meer war Meter dick zugefroren. Die Militärmaschinen konnten darauf starten und landen, feindlichen Kampfgeschwader orientierten sich an der Seeoberfläche. Unser Häuschen war ja nur für den Sommer gedacht, und hatte lediglich zwei Sperrholzwände mit Torf gefüllt. Es war so bitterkalt, dass wir voll bekleidet und sogar mit Wintermantel, Handschuhen und Pudelmütze schlafen gingen. Mein Pipi war im Topf gefroren und die feuchte Bettdecke ebenfalls. Trotzdem hast du es dir nie nehmen lassen, abends nochmal die Stiege herauf zu kommen, um mit mir ein kleines Gebet zu sprechen, mir die kleine Handinnenfläche zu krabbeln und sagtest immer dazu:
„Kälbchen hat ein Schwänzchen, didel didel dänzchen“.
Ich muss schon früh erkannt haben, dass du Hilfe brauchtest.
Dass du herzkrank warst, konnte ich als kleines Kind ja noch nicht wissen. Opa war zu der Zeit noch tätig als Oberstudienrat am Wilhelm Raabe-Gymnasium in Hannover, und an den Wochenenden als Pfarrer in verschiedenen Kirchen. So nahm ich dir von klein auf jede mögliche Arbeit ab wie z.B. das Wasser holen eine Gasse weiter, wo man noch den Pumpenschwängel betätigen musste. Wie stolz war ich, für dich diese 10-Liter-Marmeladeneimer mit Wasser gefüllt heim zu bringen, obwohl oben der Drahtgriff immer furchtbar weh tat in den Fingerrillen. Und dann musste ja auch immer die Filtermasse gereinigt werden, sobald das Wasser schon braun heraus floss. Auch das war eine schwere, an den kleinen Kinderhänden schmerzende Arbeit. Erst viele Jahre später erfuhr ich von Deiner Freundin, du habest ihr gesagt:
“Das Kind liest mir jeden Wunsch von den Augen ab!“
Bei euch lebte ich in herrlicher Natur am Steinhuder Meer.
Ihr habt mich streng erzogen, weil ihr aus mir einen tüchtigen Menschen machen wolltet, was euch bei Mutti ja nicht so ganz gelungen war.
Ich vergesse auch nicht das schöne Bild, wenn der Fischer allwöchentlich zu uns mit seinem Fischerkahn in den Hafen herein fuhr, und du immer gerne bei ihm Fisch gekauft hast.
Auch habe ich das Bild vor Augen, dass du einmal von dem Schwan, der am Ende unserer Landzunge seinen Sonnenplatz hatte, mit weit aufgeschlagenen Flügeln umgeschmissen wurdest. Du wolltest ihn ja nur füttern, warst ihm aber zu nah gekommen. Und auch im Winter bekamen die Schwäne immer Futter von dir. Da kam dann aber die ganze Schwanenfamilie bis an die Haustür über die Eisfläche, die nach dem Hochwasser unseren ganzen Garten bedeckte.
Wir hatten, als uns 1945 die Besatzung überfiel - ich war ja erst sieben Jahre alt, ein aufregendes gemeinsames Erlebnis.
Die Engländer trieben es besonders arg mit den Plünderungen. Wir sahen, wie sie vom Nachbarn kamen, der ihnen etwas sagte, und zu uns rüber wies. Du hattest die Haustür verschlossen und alle Vorhänge zu gezogen. Nun kamen drei Engländer auch zu uns. Wir flüchteten nach oben in meine Kammer, und lugten ganz vorsichtig nach unten. Wir konnten sehen, dass der eine Soldat sich mit angelegtem, schussbereitem Gewehr im Garten vor der Küche nieder gekniete. Wir waren in Panik und hielten die Luft an. Ob du wohl gebetet hast – ganz sicher! Wir konnten wieder aufatmen – die Soldaten zogen weiter. Es war dir klar, dass der alte Nachbar verraten hatte, dass wir zu Hause sind. „Na der soll mir mal kommen und wieder um meinen Johannisbeerlikör betteln!“ war gleich deine erste Reaktion, denn du hast ja alljährlich einen köstlichen Likör mit Cognac angesetzt.
Jetzt muss ich dir aber mal was beichten: als du mir mal für eine Woche Badeverbot gegeben hast, bin ich immer an einer heimlichen Stelle, da hinten wo nur die Fischer frühmorgens waren, in der Unterhose baden gegangen, denn der „Fisch“ Renate war doch nicht zu halten. Und dann hab ich mein Höschen immer unter das Bettlaken gelegt, mich drauf gelegt und so war es morgens wieder trocken! Entschuldige Oma, aber Badeverbot – das ging doch gar nicht! Und von wegen abends um 6 Uhr rein kommen, während alle anderen Kinder noch bis sieben Uhr spielen durften... Da bin ich dann schnell in einen der großen Hotelcontainer gesprungen, wenn du auf dem Weg entlang gingst mit deinem Ruf:“Renate, nach Hause kommen!“ Ich weiß ja, du hast es nur gut gemeint!
Und dann gab es da noch etwas Urkomisches: meine Freundin Karin und ich hatten den Ehrgeiz, die Letzten zu sein, die sich im Herbst ins kalte Wasser wagten. Und das Wasser tat weh, so kalt war es. Der Sturm blies heftig und die Wellen schlugen hoch. Wir hatten uns ja auch nur bis an die Knie ins Wasser getraut und standen da wie erstarrt, als du im vom Sturm gebeutelten Wintermantel ans Ende der Landzunge kamst, und verzweifelt gegen den Wind riefst:“Renate, komm sofort raus!“ Das taten wir dann auch lieber, als du dir's vorstellen konntest, aber das wollten wir natürlich nicht zugeben.
Auf jeden Fall fühlten wir uns wie Sieger!
Unsere Gemeinsamkeit endete drei Jahre nach Opas Heimgang. Meine Mutter, selig vor Glück mich - ihr Kind - endlich zu sich nach Bremen holen zu können, nahm mich von dir weg. Das war ein großer Fehler, wie sich schon bald herausstellte.
Unvergeßlich der Abschied auf dem Weg vor dem Häuschen:
Du weintest bitterlich:“Ihr nehmt mir das Kind weg!“
Meiner Mutter mit „fliegenden Fahnen“ folgend, drehte ich mich noch mal zu dir um:“Oma, ich komme immer in den Ferien zu dir!“ Das Versprechen hielt ich auch ein, nützte dir in diesem schmerzlichen Augenblick aber gar nichts.
In den verwirrenden vier Jahren die folgten, konnte ich aber immer meinen Kummer bei dir abladen, bis ich endlich wieder in deine Obhut zurück kehren durfte – vier Monate vor Schulabschluss, das muss man sich mal vorstellen. Ich arbeitete fast Tag und Nacht. Das Gute war, dass ich nachts immer zu dir kommen konnte um dir Schriftliches vor zu lesen, denn du warst als Leseratte immer noch wach.
Ich schaffte meinen Schulabschluss und begann sofort, die Vorbedingungen für meinen Beruf zu erfüllen und wurde zu deiner Freude Hilfsschwester im Henriettenstift Hannover.
Als ich dich und deine Schwester einmal in meiner Schwesternausgehtracht besuchte, sah ich das Leuchten in deinen Augen, warst du doch selber diplomierte Krankenschwester, hattest ein Lazarett geleitet und warst so beliebt, dass dir die Soldaten aus Dankbarkeit sogar eine schöne große Birkenlaube gebaut haben.
Dann erkranktest du mit deinem Herzen so sehr, dass du auf meine Station kamst und ich dich betreuen durfte. Für dich war das Schlimmste, dass du nun auf deinen heiss geliebten Bohnenkaffee verzichten solltest. Also sprach ich auf dem Flur deinen behandelnden Arzt an:“Sagen sie, dürfte meine Oma nicht vielleicht doch Kaffee trinken?“ „Ja, darf sie“ sagte er mir, „sie hat sowieso höchstens noch eine Woche zu leben!“ Und du bekamst wieder deinen Kaffee, konntest das Krankenhaus verlassen und noch schöne drei Jahre leben.
Sogleich half ich dir, dich von deinem Wunsch, dir eine Wohnung zu nehmen, abzubringen und fand für dich in einem neu gebauten Seniorenheim, am Wald gelegen, ein schönes Zimmer. Ausnahmsweise durftest du sogar ein paar persönliche Sachen mitbringen. Du hast gleich sehr netten Anschluss gefunden und dich in der Folgezeit wohl, geborgen und glücklich gefühlt.
Nachdem ich mein Haushaltsjahr in der Internatsschule und das erforderliche Krankenhauspraktikum abgeschlossen hatte, ging es nach Bremerhaven und du hast mir von deiner schmalen Rente mit vierzig Mark für die Zimmermiete unter die Arme gegriffen, während mein Stiefvater nur fünfzig Mark dazu beitragen konnte. Nur noch meine 51,- Mark - Kriegswaisenrente hat es mir gerade so ermöglicht, im ersten Ausbildungsjahr über die Runden zu kommen.
Noch einmal erkranktest du schwer und sollst immer gerufen haben:“Ich darf noch nicht sterben, ich darf noch nicht sterben, meine Renate ist noch nicht fertig mit der Ausbildung!“ Und tatsächlich hast du es wieder geschafft.
Als ich drei Wochen nach dem bestanden Staatsexamen Dein Seniorenheim besuchte um mich ganz herzlich bei der leitenden Schwester dafür zu bedanken, weil du es so gut bei ihnen hattest, erzählte sie mir:“Als ihr Brief ankam mit der Mitteilung, dass sie das Examen bestanden haben, kam ihre Großmutter die Treppe geradezu herunter gesprungen, den Brief schwenkend:“Sie hat bestanden, sie hat bestanden!“
Deine Freude soll unbeschreiblich gewesen sein!
Und dann kamst du zu uns nach Bremen, Mutti, schwer krank, gewährte dir keinen Einlass. Also brachte ich dich in eine Pension. Und da saßen wir uns gegenüber und ich hatte die Gelegenheit, die man selten im Leben hat: ich konnte dir sagen:“Danke Oma, danke, weißt du auch, dass ich es nur mit deiner Hilfe geschafft habe?“ Ich nahm dich lieb in die Arme, und wir erlebten einen ganz innigen Moment.
Ich bekam sofort eine sehr gute Stelle in der Schweiz und nur drei Wochen nach dem Examen sagtest du deinen Tischnachbarn:“Ich habe eben einen Schlaganfall gehabt!“
„Aber nein“ sagte dein Nachbar, „Sie sitzen doch noch neben uns und können sprechen!“ „Doch, doch“ sollst du ihnen gesagte haben, „das war ein Schlaganfall, mir ist eben mein Brotbrocken aus dem Mund gefallen“. Der Arzt bestätigte Deine Vermutung und schon eine Woche später traf dich ein schwerer Schlag und du kamst ins Krankenhaus. Zu dem Zeitpunkt hatte ich schon eine sehr gute Stelle in der Schweiz angetreten, und konnte nicht gleich kommen. Sofort ließ ich dir durch Fleurop eine wunderschöne Azalee ins Zimmer bringen. Die stand denn auch auf deinem Sarg, als Dein Bruder in Großenheidorn die Grabrede hielt und ich dir, meiner geliebten Oma, von der Schweiz angereist, das letzte Geleit geben durfte. Und noch mal: danke, danke, danke liebe Oma! VERGELT'S GOTT! und auf ein beglückendes Wiedersehen!
hallo lieber Jakob! Am liebsten würde ich jetzt ja einen Sprung in den Himmel machen, dich in die Arme schließen und dir wieder sagen „danke, danke, danke – dass du keine Mühe gescheut hast, aus meinem alten Häuschen von 1746 (!)
ein gemütliches Haus zu machen, in dem sich alle lieben Menschen gerne aufhalten.
Das war ja ein Anfang! Du und Dein Kumpel habt ja so manches Mal gestöhnt, euch den Schweiß von der Stirn gewischt und geschworen:“So'n Auftrag nehmen wir nie wieder an!“ Das Häuschen hatte 14 Jahre unbewohnt gestanden und war zu einer Bruchbude geworden. Vorne total mit Flieder ein gewachsen und auf der Rückseite ein Dornröschen Schloss! Das Dach musste erneuert werden, der Außenputz und natürlich Fenster und Türen ausgetauscht.
Nun stand das Häuschen mit seinen 43 qm Grundfläche so schief, weil der Hang, auf dem es steht, ständig Richtung Tal wandert. In einen der dadurch entstandenen Wandrisse konnte ich die Faust stecken! Wenn man also vom Wohnzimmer aus ein wenig zu schnell den kleinen Flur überquerend in die Küche ging, kam man sich beschwippst vor, und bei abendlicher Beleuchtung der Ortschaft im Tal bekam man ein Gefühl wie beim Landeanflug. Das alles war nur auszugleichen mit der Höhe einer ganzen Treppenstufe Unterschied! Und dann hatten die Decken ja auch nur 1,70 m Standhöhe und jeder, der größer war als 1,70 musste sich ganz schön bücken, um nicht überall an zu stoßen. Das Tollste war ja der Kriechkeller mit 1,50 m!
Und ausgerechnet dein 1,95 m großer Kumpel hat den nassen Lehmboden 30 cm ausgehoben, indem er jede Schaufel mit Öl einreiben musste, damit der Lehm überhaupt runter ging auf das Laufband zum Pritschenwagen, auf dem du den Lehm in Empfang nahmst! Aber du hast wahrhaftig alles mit Humor bewältigt und tatsächlich noch dazu all morgentlich einen 10km-Marathon zur Einstimmung absolviert. Du warst aktiver Tennisspieler und als überaus humorvolles Schlitzohr beliebt und bekannt wie ein bunter Hund. Und das blieb auch so bis weit über dein 90. Lebensjahr.
Als du aber noch sehr aktiv warst, ereilte dich ein furchtbares Schicksal. Du hast dir bei der Arbeit in einem Kettenzug den halben Arm abgerissen und dann tapfer mit einer neu modischen Prothese nicht nur wieder arbeiten können, sondern bist auch deinen geliebten Marathon gelaufen. Deine Frau, ihr hattet ja schon Goldene Hochzeit gefeiert, hast du liebevoll betreut. Nach dem sie gehen durfte, hast du alles vorbildlich geregelt. Deine Enkelin, die in Potsdam als Ärztin tätig war, suchte dir aus Dankbarkeit in einem sehr gut geführten Seniorenheim in ihrer Nähe ein wunderschönes Zimmer mit allem Komfort. Da hattest du nun alles um dich, was dir so lieb war, vor allem immer wieder neue komplizierte Puzzlespiele und lauter technisches Werkzeug. Wie gerne haben dich Alfons und ich dort zwei mal besucht, obwohl es Alfons da ja auch schon nicht mehr so gut ging, und es auch eine weite Fahrt war von der Pfalz bis zu dir an die Havel. Und da hast du dir als großer Gartenliebhaber einen kleinen Traumgarten vor der Terrassentür anlegen dürfen, und kamst mit den fantastischen Blumen sogar in die Zeitung, denn alleine deine Sonnenblumen erreichten jedes Jahr eine Höhe von über drei Metern!
Zum Schluss war dein Leben gesundheitlich aber nicht mehr in Ordnung und du wünschtest dir, doch in die noch schöneren Welten wechseln zu dürfen – was du dann auch erleben durftest.
Ach Jakob – nochmals 1000 Dank für deinen Fleiß, deine Ausdauer, dein Können und vor allem für deinen ansteckenden Humor! Behüt' dich Gott, wir seh'n uns wieder und lachen zusammen wie hier auf Erden, und vergiss nicht:
wir beide sind verabredet!
Da habe ich mir ja was vorgenommen, mit dir jetzt schon zu sprechen. Vor allem verdanke ich dir mein langes Leben, und dass du mir dann noch nach 13 Jahren mein lange heiß ersehntes Brüderchen geschenkt hast!
Mit deinem gelebten Leben möchte so schnell keiner tauschen.
Die Tragik begann ja schon in deiner Kindheit, als deine junge Mutter an Tuberkulose erkrankte und ihr Kinder, Du 6 - und dein Bruder 8 Jahre alt, eure Mutter, die ihr – und sie euch – über alles liebtet, im Krankenzimmer nicht mehr besuchen durftest.
Dann wechselten ständig die Kindermädchen, von denen eins zu dir besonders grausam war, man dir daraufhin die wunderschönen Zöpfe abschneiden musste, weil das Haar völlig verfilzt und verlaust war...
Eure Stiefmutter war für euren Vater zwar ein großes Glück, aber nicht für eure empfindlichen, kindlichen Seelen.
Dennoch rettete sie deinem Bruder das Leben, als er in der Studentenzeit an offener Tuberkulose erkrankte, was sie als erfahrene Krankenschwester sofort erkannte. Und dann rettete sie dein Kind – mich, weil sie auch da erkannte, dass ich todkrank war und sofort rettende Maßnahmen eingeleitet werden mussten.
Du warst fröhlich beim BdM und im Internat, wo du als Küchenmädchen meinen damals 16jährigen Vater kennen und lieben lerntest. Du musstest ungerechter Weise das Internat verlassen, weil ein eifersüchtiger Lehrer, den du abgelehnt hattest, glaubwürdig die Anschuldigung vor brachte, du habest meinen Vater verführt. Das stimmte absolut nicht!
