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Was ist heute schon normal? Selena Bach ist eine junge Frau, die sich diese Frage schon seit einiger Zeit stellt und glaubt, die Antwort zu wissen. Bis auf einmal ihre Vergangenheit, ein dunkler Teil ihres Lebens, sie einholt und alles in Frage stellt, was sie glaubt zu sein. Ihr Geliebter, Ian Robert MacAllister sieht teuflisch gut aus und ist ein Lykaner! Wird sie diesen Weg meistern und mit einem unsterblichen Wesen zusammen sein können?
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Seitenzahl: 282
Veröffentlichungsjahr: 2017
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„Frei zu sein bedeutet nicht nur, seine eigenen Fesseln zu lösen, sondern ein Leben zu führen, das auch die Freiheit anderer respektiert und fördert.“
Nelson Mandela
Prolog
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Ich bin nicht gerade abergläubig. Ich meine damit, Dinge wie Vampire oder Werwölfe... wer glaubt schon daran?!
Doch ich muss euch jetzt etwas sagen - es gibt sie! Diese Welt der Dunkelheit, mit all dem Bösen existiert wirklich! Es gab sie schon immer, nur mit dem Unterschied, dass man früher wusste. dass diese Kreaturen da waren. Sie waren ein Bestandteil des damaligen Alltags und werden es wohl immer bleiben. Obwohl man sagen kann, dass diese Wesen lernen. Schneller als einen von uns lieb ist.... Sie sind anpassungsfähig und talentiert ihre Umgebung in einen Zustand höchster Entzückung zu versetzen. Aber vor allem sind sie die perfekten Jäger. Sobald es dämmert beginnt ihre Stunde, sie jagen nachts, wenn nur wenige auf der Straße sind, damit niemanden gleich auffällt, dass jemand verschwunden ist. Aber früher oder später wird es dann doch entdeckt und dann heißt es wieder: „Ein Akt brutalster Gewalt! Wer kann nur so was tun?“
Die Gerichtsmediziner werden dann wieder rätseln, durch welche Waffe die Wunden entstanden sind und die Kriminalbeamten werden versuchen den Mörder zu finden, ihn aber nie kriegen, (da er ja eigentlich nicht wirklich existiert) und den Fall somit zu den Akten legen...
Wieder einer weniger in der Nahrungskette- das klingt vielleicht etwas makaber, aber so ist es nun mal. Zumindest zum Teil. Es gibt auch einige unter ihnen, die sich für einen anderen Weg entschieden haben.
Es ist schon wirklich seltsam, was einem Menschen kurz vor seinem Tod durch den Kopf geht. Über meine Gedanken hätte ich mich wirklich amüsieren können, wenn sie a) - nicht der Wahrheit entsprochen hätten und b) - ich nicht kurz davor gewesen wäre, zerfleischt zu werden - von einem Vampir.
Aber wenigstens werde ich nicht für umsonst sterben. Ich kann alle die ich liebe retten, durch meinen Tod. Besser einer, als eine ganze Familie.
Ich greife hier ja vor und ihr wisst gar nicht um was es eigentlich geht. Bitte verzeiht mir!
Wir sollten einfach so beginnen: Am Anfang war die Entstehung der „Wölfe“.
Die Geschichte der Werwölfe oder besser gesagt, der Lykaner geht weit zurück. Es ist eine Bezeichnung aus uralten Zeiten mit einem Versprechen das Schicksal zu Beeinflussen und das Leben aller Beteiligten zu ändern.
Die heutige Variante lautet wie folgt:
Aus der griechischen Literatur und den Metamorphosen des Ovid ist der griechische König Lykaon bekannt, der von Zeus in einen Wolf verwandelt wurde, da er und seine Söhne dem Gott Menschenfleisch vorsetzten. Petronius Arbeiter, ein Satiriker des 1. Jahrhunderts, erzählt im Gastmahl des Trimalchio von einem Mann, der sich bei Vollmond in einen Werwolf verwandelt, und sein Zeitgenosse Plinius der Ältere berichtet in seiner Naturgeschichte von Menschen, die mehrere Jahre als Wolf leben, ehe sie wieder in ein menschliches Wesen zurückkehren, hält dies aber für reine Phantasie. Olaus Magnus wandte sich im 16. Jahrhundert in seinem Werk Historia de gentibusse ptentrionalibus (Geschichte der nördlichen Völker‘) gegen diese Auffassung von Plinius. Es gebe im Norden sehr wohl Menschen, die sich bei Vollmond in Wölfe verwandelten. Sie brächen in die Häuser von Menschen ein und verzehrten deren Vorräte. Sie hätten an der Grenze zwischen ihrer eigentlichen Heimat Litauen und Kurland eine Mauer errichtet, bei der sie sich jedes Jahr versammelten und ihre Kraft dadurch zeigten, dass sie darüber sprängen. Wer zu fett sei, diese Probe zu bestehen, werde von den übrigen verhöhnt. Auch Adlige und Vornehme gehörten dazu. Nach einigen Tagen würden sie sich wieder in normale Menschen zurückverwandeln.
Doch die Wahrheit sieht anders aus ... überall im Universum muss ein Gleichgewicht herrschen. Wie Ying und Yang, Licht und Schatten, Leben und Tod.
Nachdem die Vampire „das Licht der Welt“ erblickten, musste ein Ausgleich geschaffen werden. Dieser Ausgleich waren die Lykaner. Diese waren unsterblich wie die Vampire und die erste Generation ernährte sich genauso wie diese von uns Menschen. Doch sie waren der natürliche Feind der Vampire und waren somit sehr gefährlich für diese. Deswegen wurden sie auch anfangs als eine Art Haustier gehalten und später versklavt. Was vielleicht ganz gut so war, denn sobald die Lykaner zum ersten Mal in ihre Wolfsgestalt schlüpften verloren sie ihre Menschlichkeit und waren unkontrollierbar. Ironie des Schicksals ... dadurch wurden wir Menschen vor zwei Arten der Bestien geschützt. Da sie sich gegenseitig bekämpften.
Wie bereits erwähnt, muss es einen Ausgleich geben. So erblickte eine neue Generation von Lykanern die Welt ebenso wie die Menschen. Das war der Anfang von den Legenden der heutigen „Werwölfe“ und der Wächter sowie der Beginn einer neuen unbekannten Ära.
Die Lykaner kämpften gegen die Vampire, die Wächter versuchten die Menschen zu schützen. Dieser Krieg und die Verteilung der Fronten wüteten still einige Jahrtausende unbemerkt von der menschlichen Gesellschaft.
Die Gene der Wächter waren vielseitig und wurden von Generation zu Generation vererbt. Unter ihnen waren Gestaltwandler, Hellseher, Telepathen und vieles mehr. Jeder dieser Fähigkeiten wurde gebraucht um die Menschheit zu schützen.
Die meisten Gene lagen jedoch in drei Völkergruppen. Zum einen bei den Indianern, da dieses Volk sehr spirituell und erdverbunden war. Desweiteren lagen die Gene bei dem nordischen Volk, durch ihre Geschichten von Berserkern und Feen – also Tuatha Dé Danann – waren diese bestens vertraut mit der Materie. Die letzte Völkergruppe waren die Zigeuner. Diese Menschen die so sehr gejagt, gehasst und verachtet wurden all die Jahrhunderte hinweg, waren ein großer Bestandteil der Wächter. Und Zigeuner waren überall auf der Welt verstreut, im Gegensatz zu den anderen Völkergruppen.
Je neumodischer und fortgeschrittener die Menschen wurden, desto mehr vergaßen sie die Ursprünge ihrer Zivilisation. Ihre innere Stimme der Vernunft und die ursprünglichen Instinkte wurden durch die Forschung und Technik verdrängt und sogar teilweise gänzlich vernichtet. Nur noch vereinzelte Personen oder gar Familien hörten noch auf sie und wurden dafür in diverse Irrenanstalten geschickt und aus dem Bekannten-, Familien- und Freundeskreis verbannt.
Einer dieser Personen bin ich. Selena Bach. Ich bin einundzwanzig Jahre alt und stehe voll im Leben. Ich trage Zigeunerblut in meinen Adern und wurde auch so erzogen. Schon oft halfen mir meine Instinkte und ich konnte alles meistern. Bisher schaffte ich es gut meine wahre Natur zu verbergen, doch ich fürchte das bald eine Zeit kommen wird in der ich meine wahre Bestimmung finden werde.
Jedoch weiß ich nicht, wie ich damit umgehen werde.
Ian Robert McAllister stand unter freiem Himmel und schloss die Augen. Seine Pose war lässig und ließ nichts von Anspannung oder Eile erahnen. So wie er da stand und der Wind seine Haare zerzauste, glich er einem mittelalterlichen Romanhelden als einem Mann des Einundzwanzigsten Jahrhunderts. Zugegeben, Ian war groß und hatte eine schlanke Taille aber dafür breite Schultern. Sein Auftreten war stets selbstbewusst, so als ob ihm die Welt gehöre und dies unterstrich er mit seinen grauen Augen. Sein Blick duldete keinen Widerspruch, niemanden gegenüber. Seine Augen passten obendrein perfekt in sein markantes Gesicht mit der geraden Nase und den vollen Lippen, die einige sinnliche Momente versprachen. Nebenbei erwähnt ist er auch noch reich und der Inhaber der bekanntesten Anwaltskanzlei in Nordamerika. Doch was half all der Einfluss, das Geld und die Schönheit wenn sich Ian einsam fühlte? Sein Herz schlug seit 1498 in seiner Brust und seit diesem Moment hatte er einfach niemanden gefunden der seine Gefährtin hätte sein sollen. Das war auch der Hauptgrund weshalb sich seine Eltern so um ihn sorgten. Er spürte wie die Verdammnis nach ihm Griff und die Dunkelheit ihn drohte zu verschlingen.
Doch Ian weigerte sich immer noch und vor allem seit er wusste, dass seine WAHRE Seelengefährtin existierte. Plötzlich runzelte er die Stirn und sah hinauf in den Himmel. Er hasste es wenn es zu regnen begann. Dennoch blieb Ian still stehen als die ersten Tropfen auf die Erde fielen. Die kleinen Wasseransammlungen perlten an seiner glatten Haut ab und tropften dann am Ende seines Kinns hinab auf die Erde.
Was sie wohl gerade macht?
Wie immer versank er in Gedanken an seine wahre Seelengefährtin. Als er ihr das erste Mal begegnete, war sie nicht älter als vier Jahre alt. Doch schon da konnte man erahnen und sehen was für eine Frau sie einmal werden würde. Sie hatte auch die Talente ihrer Ur-Großmutter, die eine verheißungsvolle Zukunft versprachen. Was dachte er denn da? Ian schmunzelte und schüttelte den Kopf. Sie waren nicht mehr im F fünfzehnten oder sechzehnten Jahrhundert sondern in der Moderne.
Hier gab es keine alten Werte mehr aber vor allem keine übernatürlichen Fähigkeiten. Sobald man etwas davon auslebte, galt man als Freak. Für die Menschen die solche Gaben besaßen, diese aber nie anwenden konnten, musste es die Hölle auf Erden sein. Für ihn und seinesgleichen waren die Moderne und die Ignoranz der menschlichen Gesellschaft ein Segen. Denn man glaubte nicht mehr an Horrorgeschichten und Spukgestalten. Gut für sie, schlecht für die Anderen. Ian schloss die Augen als er die Gedanken an José Carrasac spürte und lächelte auf. Sein Plan würde also in die Tat umgesetzt werden. Sehr gut. Aus einen für ihn unerfindlichen Grund, begann sein Herz schneller zu schlagen und ein breites Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus.
„Ian kommst du? Wir warten auf dich und außerdem wirst du nass und dann stinkst du wie ein Straßenköter.“
Der belustigte Tonfall seiner Schwester war nicht zu überhören und deshalb sah er darüber hinweg, dass sie ihn allen Ernstes mit einem Straßenköter verglichen hatte. „Was regst du dich so auf Yasmina? Sie haben eh Zeit. Wer fünfeinhalb Stunden mit dem Auto zurück legt um hier her zu gelangen, hält auch noch weitere dreißig Minuten aus.“
Schließlich ging Ian hinein und nahm das Handtuch von seiner Schwester entgegen und lächelte sie dann an. „Ich danke Dir.“ Dann betrat er den Meeting-Raum und schüttelte seinen neuen Kunden die Hände. In solchen Situationen nutzte er sehr gern seine Fähigkeiten. Er schnaubte abfällig als er bemerkte um was es diesmal ging. Menschen wurden immer primitiver je fortschrittlicher ihre Technologie wurde. Jedoch ein Gedanke ließ ihn nicht völlig in negative Gedanken versinken. Sie würde bald zu ihm kommen und dann wären sie vereint, für immer.
Es waren über dreißig Grad in Sevilla und Selena Bach räkelte sich auf der Sonnenliege. In einer Hand hielt sie ein Glas mit frisch gepressten Orangensaft und mit der anderen Hand sorgte sie dafür, dass ihre Freundin Fio nicht von der Leiter fiel.
„Weißt du Fio, ich weiß dass du noch nicht so viel von der Mentalität der Leute hier abbekommen hast, aber es ist Mittagszeit und die Sonne steht hoch oben am Zenit. Die Menschen hier in Andalusien und auch in allen anderen südlichen Ländern, nennen diese Zeit „Siesta“. Das heißt so viel wie Mittagspause und dreimal darfst du raten wieso das so ist!“
Selena verlor langsam die Geduld und das sollte schon etwas heißen. Aber seit fünfundvierzig Minuten turnte ihre Freundin auf der Leiter herum nur um ein Tuch zwischen die Äste der Bäume zu bugsieren, damit sie nicht so viel Sonne abbekam. Aber mal ehrlich, sie befanden sich Andalusien – also Spanien – und hier schien nun mal die Sonne. Genau aus diesem Grund fuhr man ja nach Spanien. Jeder sah das so und konnte das akzeptieren. Nur nicht die liebe kleine Fio. Sie akzeptierte diesen Fakt nicht und würde sich eher alle Knochen brechen als Sonne abzubekommen. Selena seufzte frustriert auf. Neben ihr lag die aktuelle Klatschzeitung. Ihr Plan war es, sich ganz gemütlich in den Garten zu legen und ein Glas frisch gepressten Orangensaft zu trinken und nebenbei auf den aktuellsten Stand in Sachen Stars und Sternchen zu kommen. Da sie nun letzteres nicht mehr so einfach bewerkstelligen konnte, nahm sie zumindest einen Schluck Orangensaft. Sie schmeckte die Sonne aus diesem Schluckheraus und leckte sich genüsslich über die vollen Lippen.
Plötzlich tanzte ihr Handy auf dem Gartentisch und augenblicklich stellte sie ihr Glas ab und ließ die Leiter los. Was ein fataler Fehler war, denn Selena hörte kurz diesen überraschten Luftzug und dann das Plumpsen als Fio unsanft auf ihren Hintern landete. „Je suis desolé. Hoffentlich hast du dir nicht all zu sehr weh getan.“
„Weißt du was ich nicht verstehe, Selena?! Du bist eine Deutsche – wieso musst du immer in einer Fremdsprache antworten?! Ein einfaches Entschuldigung oder Sorry hätte auch gereicht.“ „Tja und da haben wir wieder die Fremdsprache. Denn entweder es heißt Entschuldigung oder man geht aufs Englische und sagt sorry.“ Selena sah Fios genervten Blick und die wunderschönen Handbewegungen die sie immer machte wenn sie sich aufregte. Vorzugsweise über sie oder alle anderen Mitmenschen. Denn jeder hatte Fehler, nur Fio nicht. Niemals. Das kam einer neuen Evolution gleich und das war schier unmöglich. Als Selena endlich bei ihrem Handy war, sah sie auf die Nummer und kaute auf ihrer Unterlippe herum. Ihr Chef rief niemals umsonst an und heute hatte sie eigentlich frei. Also was wollte er von ihr? „Digame? Si, Claro. Gracias. Was jetzt?! Ich ... ich bin sofort da.“
Nun war sie vollkommen verwirrt. Ihr Magen verkrampfte sich und ihre Gedanken drehten sich im Kreis. José Carrasac war kein Mann der leichtfertig jemanden in sein Büro rief. Dafür gab es nur zwei Anlässe, entweder man wurde befördert oder man wurde gefeuert. Da ersteres nicht zutreffen konnte, musste Selena die Firma wohl verlassen. Sie wusste nur nicht wieso und das war das Schlimmste daran.
„Wer war es denn? Hallo?! Erde an Lena? Wer wollte denn was von dir?“
Fio fuchtelte mit ihren Händen vor Selenas Gesicht herum und schnipste sogar als diese nicht reagierte. Da Fio zierliche 1.63 Meter groß war und leider proportional nicht gerade den heutigen Modelmaßen entsprechend, reagierte sie immer etwas ungehalten wenn man sie ignorierte. Das tat Selena gerade, da sie genug mit sich selbst zu tun hatte. „HALLO?! Ich habe dich etwas gefragt!“
Selena zuckte zusammen als sie den schrillen und nervenden Tonfall hörte und verdrehte die Augen. „Nichts was dich zu interessieren hat, Fio. Kümmere dich um dein Sonnensegel und genieß die warmen Sonnenstrahlen.“ Selena war nicht in Stimmung um sich von Fio ausfragen zu lassen und reagierte mittlerweile ziemlich eklig auf solche Warum-sieht-mich-keiner-Anfälle. Selena ließ nun alles stehen und liegen und ging hinein in ihre Finka. Ihr erstes eigenes Haus. Gut, es war keine Villa mit zwölftausend Zimmern aber es gehörte ihr. Das Beste daran war, dass das Meer gleich vor der Haustür war und sie es immer rauschen hören konnte wenn sie Fenster und Türen offen ließ.
Jedoch konnte dies durch die erhöhte Bandenkriminalität nicht mehr so häufig geschehen und es ärgerte Selena sehr. Zuerst Russen, dann Rumänen und morgen werden es Chinesen sein. Kopfschüttelnd suchte sie sich ihre Sachen heraus und entschied sich für das beige Kostüm. Als sie es sich überzog, steckte sie sich noch schnell die Haare zu einem Dutt zusammen und nahm anschließend die Autoschlüssel. „Ich werde bald wieder da sein. Wenn du dann fertig bist mit schmollen und mich mit allen möglichen Schimpfwörtern belegt hast, wäre es toll wenn du den Geschirrspüler ausräumst. Danke.“ Sie kannte Fio lang genug und wusste wie diese immer reagiert wenn man sie ignorierte und ihr dann nicht die gewünschte Aufmerksamkeit inklusive der Antwort auf Ihre Frage entgegen brachte. Selena hatte beides missachtet und schmunzelte kurz. Als sie im Auto saß schwand die freudige Stimmung und sie schluckte die kalte Panik herunter. Was wollte José bloß von ihr?
„Wer mit sich selbst in Frieden leben will, muss sich so akzeptieren, wie er ist.“
Selma Lagerlöf
José Carrasac tippte ungeduldig mit dem Zeigefinger auf seinen Arbeitstisch und fragte sich, was Selena so lange aufhielt. Normaler Weise brauchte sie nicht länger als fünfzehn Minuten, aber heute waren schon dreißig Minuten verstrichen und sie war immer noch nicht da. Er hoffte wirklich dass ihr nichts geschehen war, denn sonst war sein Plan zunichte und er lebte nach einem einzigen Plan. Wenn José früh aufstand, dann hatte er einen Plan wie er vorgehen musste. Duschen, Zähneputzen, anziehen, runter in die Küche gehen und frühstücken. Zwei Tassen Kaffee mit Zucker und dazu gab es ein pochiertes Ei mit Tunfisch.
Nur ab und an schlich sich in seinen Plan eine Abweichung. Es war zum verrückt werden! Seitdem Selena Bach bei ihm angefangen hatte, ging das schon so. Aber was sollte man schon dagegen unternehmen? Die Frau hatte eine Anziehungskraft wie die Erdanziehung selbst und man konnte unmöglich so blind oder dumm sein um sich nicht von ihr angezogen zu fühlen.
Perfektion. Das war die beste Beschreibung für sie. Angefangen von den schlanken fesseln, über ihre langen wohlgeformten Beine bis hin zu ihrem straffen Hintern ging es über die Taille zur äußerst wohlgeformten Oberweite zu ihrem fantastischen Gesicht welches azurblaue Augen, einen sinnlichen Mund und eine süße Stupsnase beherbergte. Das Schlimmste an allem war die Tatsache, dass sie Schönheit, Intelligenz, Temperament und Schlagfertigkeit miteinander vereinte. Dennoch war sie nicht wie andere Frauen ihres Kalibers.
Sie zählte nicht zu diesen Ich-besorg´s-dir-gleich-unterm-Tisch-damit-ich-befördert-werde-Flittchen sondern zu jenen die auffielen weil sie eben nichts dergleichen versuchte. Ganz im Gegenteil. Sie war beinahe unnahbar da sie sich nicht von jedem anfassen und schon gar nicht unter sich begraben ließ. Diese Frau verkörperte Sünde und Versuchung auf zwei Beinen und gleichzeitig hatte sie so viel Stolz und Würde, dass sie es nicht einsah sich so billig anzubieten und mit jemanden zu vögeln nur um weiter die Karriereleiter nach oben zu kommen. José vergrub seine Hände in seinem Haar und verstrubbelte es sich selbst.
Selena Bach war ein Mysterium und genauso war auch der irrsinnige Vorschlag sie nach Portland zu schicken. Verdammt nochmal ... welcher Teufel hatte ihn geritten?! Er verlor nicht nur eine ausgezeichnete Arbeitskraft sondern auch eine Eroberung auf die es sich zu warten lohnte.
Als schließlich die Tür zu seinem Büro aufgestoßen wurde, fiel es José wie schon so häufig schwer richtig zu atmen. Selena hatte eine wirklich intensive Wirkung auf ihn. „Buenos Dias, Selena. Danke. dass du gekommen bist. Ich muss mit dir reden.“ Bei den letzten Worten machte er eine anmutige und einladende Bewegung zu dem Stuhl vor seinem Schreibtisch. Er zuckte zusammen als er wieder einen Migräneanfall bekam. Das war bereits der vierte an diesem Tag. So etwas kann nicht gesund sein. Selena beäugte José vorsichtig und ergab sich dann ihrem Schicksal. Wenn sie gekündigt werden sollte, dann kurz und bündig und ohne großes Geplänkel. Als sie dann vor ihm Platz nahm und ihre Beine überschlug, sah sie ihn besorgt und herausfordernd an. Kündigung hin oder her, sie konnte nicht ihre Augen davor verschließen wenn jemand Schmerzen hatte. „José ist alles in Ordnung mit dir? Du siehst so blass aus.“
„Ja, ja ... natürlich ist alles in Ordnung bei mir. Nur ein Migräneschub. Mehr nicht.“ Da Selena selbst darunter litt, wusste sie wie schmerzhaft das sein konnte. Jedoch würde sie José nicht sagen, dass es nicht nur etwas Kleineres ist. Denn das mochte er nicht sonderlich. „Also warum bin hier? Was habe ich getan um gleich persönlich beim Chef zu landen?“ José antwortete nicht sofort und das war mehr als beunruhigend. Als sie nach fünf Minuten immer noch nichts hörte, beugte sie sich nach vorn um José besser ansehen zu können. Vielleicht war er ja eingeschlafen? Als sie die bleiche Haut und die leeren Augen sah, erschrak sie beinahe. Doch dann schob José eine Mappe herüber und Selena zuckte zusammen. Sie betrachtete die Mappe und danach sah sie José an bevor sie wieder die Mappe misstrauisch musterte. „Was soll das sein?!“ „Dein neuer Job. Er beginnt übermorgen.“, entgegnete José matt.
Fio machte sich so langsam Sorgen. Seit dem Selena zurück gekehrt war, benahm sie sich so merkwürdig. Sie sprach kein Wort und sah abwesend und bleich aus. Sie reagierte auch nicht auf Klopfen oder Rufen und das schon seit geschlagenen zwei Stunden. Als Fio dann einen lauten Rums hörte, war es ihr egal ob Selena sie sehen wollte oder nicht. Schließlich war sie ihre Freundin und brauchte jetzt anscheinend ihre Freundin. Sie riss die Tür auf und sah sich im Zimmer um. Es war ein chaotisches Schlachtfeld. Alles lag verstreut auf dem Boden und dem Bett.
Der Laptop lag aufgeklappt über der Bettdecke und war an, die Schranktüren standen offen und gaben den Blick ins Zentrum frei. Nur bunte Farben und luftige Sommerkleider. Passend zu Selena, denn diese liebte das Leben in vollen Zügen und verkörperte dies. Die Bücher und Illustrierten lagen auf dem Boden und ergaben ein interessantes Muster. Fio folgte der Spur wie Hänsel den Brotkrumen. Als sie in den kleinen Zwischenraum gelangte, zog sie verwirrt die Stirn in Falten. „Ähm Lena? Was willst du denn mit einem Parker und Rollkragenpullover? Sind das etwa Skistiefel?! Oh mein Gott! Eine Wollmütze. Darf ich mal?“ Ohne eine Antwort abzuwarten, ging Fio auf den Stapel Winterkleider zu und nahm sich die Wollmütze. Sie setzte sie sich auf und stellte sich so, dass sie sich im Spiegel ansehen konnte. Dabei zog sie lächerliche Grimassen und kicherte wie ein kleines Mädchen. In dem Moment als Fio ihre Position veränderte und sie das Bild ihrer Freundin im Spiegel sah, verstummte sie augenblicklich. Sie drehte sich langsam um und sah Selena an. Tränen. Es waren Tränen auf Selenas Wange. Zum ersten Mal sah Fio wie ihre Freundin die Fassung verlor und sogar weinte. Dieser Umstand brachte ihre Welt dermaßen ins schwanken, dass Fio eine Zeit lang braucht um das zu verdauen. „Kleines ... Lena. Was ist denn los? Was ist passiert?“ Sie ließ sich vor Selena sinken und strich ihr die Tränen von der Wange, danach nahm sie sie in die Arme und drückte sie an sich. Selena begann zu schniefen und danach zu schluchzen. Fio zerriss es beinahe den Brustkorb als sie dies hörte. „Lena, bitte sag mir was los ist? Was wollte denn José von dir und wieso sitzt du inmitten von Winterklamotten? Wir haben doch dreißig Grad im Schatten. Und außerdem ... wieso weinst du?! Das macht mir Angst ...“ Selena versuchte sich zusammen zu reißen und sah Fio ausdruckslos an. Nach dem Gespräch mit José hatte sie den Boden unter den Füßen verloren. Ihre sorgsam aufgebaute Welt mit der kostbaren alles-ist-gut-Seifenblase wurde innerhalb weniger Atemzüge zerstört. Bis auf die Grundmauern. Rückblickend betrachtet, wäre eine Kündigung wohl doch besser gewesen.
„Ich ... ich ... ich fliege morgen Mittag nach Seattle um von dort aus nach Portland zu gelangen. José hat einen neuen Geschäftsführer für die hiesige Filiale gesucht und ich stand anscheinend bis oben auf der Liste der Kandidaten. Ich werde nicht so schnell nach Sevilla zurück kommen und die Sachen brauche ich damit ich mir nicht den Arsch abfriere.“ Selena schaute auf den Boden und vergrub ihre Finger in dem Material des Parkers.
Sie hatte drei Anläufe gebraucht um Fio die Wahrheit zu sagen und nun bemerkte sie wie sich ihre Freundin versteifte. Selena sah sie an und erkannte sich selbst in ihr wieder. Schock. Die grünen Augen waren weit aufgerissen und der Mund stand offen. Entsetzen und Schock lagen auf Fios Gesichtszügen. „Das ... das geht doch nicht! Du musst dich wehren, hörst du?!“, explodierte Fiola und war aufgesprungen. „Glaubst du denn wirklich, dass hätte ich nicht versucht?“, erwiderte Selena resigniert und sah Fio schwach an. „José ließ mir zwei Möglichkeiten. Entweder ich nehme die neue Stelle an oder ich darf mir hier einen neuen Job suchen. Denn er würde mich auf die Straße setzen und dafür sorgen, dass ich nirgends in Spanien wieder einen Job finden werde. Ich wusste schon immer, dass ich ein großer Feigling bin ...“
„Und ich wusste schon immer, dass José ein riesiges Arschloch ist! Er ist sowas von narzisstisch veranlagt.“, gab Fio daraufhin trocken zurück. Sie schluckte heftig und blinzelte sich die aufkommenden Tränen fort. „Verdammt ... ich will nicht ohne dich hier bleiben. Ich werde zu José gehen und ihm in den Arsch treten. Entweder ich komme mit oder du bleibst hier.“ Selena seufzte frustriert auf und wischte sich dann die Tränen weg. Als sie Fio so da stehen sah mit den Händen in der Taille gestemmt und vom aufregen und weinen geröteten Wangen glich sie einem aufgebrachten Gnom. „Du wirst mich nicht begleiten, Fio. Das hier wird unser erstes Solo. Es wird Zeit, dass du lernst auf eigenen Füßen zu stehen.“ Selena erhob sich und sah Fio traurig an. Seit zehn Jahren gingen sie nun nebeneinander her und verstanden sich prima. Sie wurden sogar „Adoptiv-Geschwister“ und so war keine von beiden mehr alleine. Doch jetzt hieß es Lebewohl für die ungewöhnliche Schwestern-WG. Selena wischte nun Fio die restlichen Tränen weg und seufzte gequält auf. Danach zog sie ihr die Mütze vom Kopf wodurch ein Knistern entstand und Fios Haare in alle Richtungen sträubten. „Hilfst du mir beim Koffer packen? Ich weiß nämlich nicht was ich mitnehmen soll.“ Als Fio nickte, beugten sich beide über den Stapel von Winterkleidern und dann beäugten sie gemeinsam den Koffer. Selena wusste instinktiv, dass Sie jedes einzelne Stück von den Winterklamotten brauchen würde.
„Die Zeit mag Wunden heilen, aber sie ist eine miserable Kosmetikerin.“
Mark Twain
„Oh ... mein ... Gott. Du brauchst nicht nur einen Regenschirm, sondern am besten ein tragbares Vordach. Das gibt es doch nicht! Portland ist einfach nur kalt und nass. Nein sogar nasser als nass ...“
„Fio. Ich telefoniere gerade. Kannst du nicht einfach damit wart- Oh Mama, hier bin ich. Warte mal bitte einen Moment.“ Selena ließ Fio in ihrem Zimmer zurück und lehnte die Tür an. Fio hatte sich erstaunlich schnell vom Schock erholt und las nun eifrig alles. was es über Portland und dessen Umgebung gab, durch. Selena versuchte nun unterdessen jeden in ihrem Freundeskreis und ihrer Familie zu erreichen. Es hatte sich so eingebürgert, dass jeder all drei Monate mal kurz vorbei kam um sie zu besuchen. Das würde ab morgen nicht mehr so leicht werden. Sie hatte fast alle erreichen können, ihre Eltern waren die Letzten die sie anrief. Das Telefonat würde sehr anstrengend werden und deshalb musste sie sich konzentrieren. Selena ging hinaus in den Garten und sah zum Sternenhimmel hinauf. „So, jetzt kann ich wieder. Entschuldige bitte, aber Fio hat gerade mal ihre fünf Minuten.“ Sie hörte ihre Mutter lachen und sofort ließ ihre eigene Anspannung nach. Das Elixier ihres Lebens waren das Lachen ihrer beiden Eltern. „Also was ist los?“ Selena begann zu lachen. Sie hätte wissen müssen, dass ihre Eltern sofort merkten wenn es nicht stimmte. Sie wussten zuerst, wenn ihre Tochter Blödsinn gemacht hatte oder wenn etwas nicht stimmt. Raimund und Salvia waren wirklich großartige Menschen und die besten Eltern der Welt. Selena wusste nicht was sie sagen sollte, also sagt sie das Erstbeste was ihr einfiel.
„Ich fliege morgen nach Portland, in die USA und werde eine Filiale leiten. Obwohl ich weder eine Bürokauffrau bin noch genügend Erfahrung in so etwas habe. Das heißt ich verlasse Spanien und damit Europa wohl für immer und werde nur noch auf Steppvisite vorbeikommen können.“
Stille. Weder ein Husten noch ein anderes Geräusch. Keine Antwort ist meist eine größere Antwort als jedes Wort. Selena sah dennoch auf ihr Handy um zu überprüfen ob es noch funktionierte. Bei ihrem Glück hätte sie gesprochen und ihre Eltern hätten es nicht einmal gehört. Aber ihr Handy funktionierte. Es zeigte den Akkustand, noch dreiviertel des Akkus waren zu sehen. Ebenso zeigte es die aktuelle Gesprächsdauer an, fünf Minuten und fünfzehn Sekunden. „Mama?“ Selbst danach war noch nichts zu hören. „Papa? Mamitscha? Ist irgendjemand da?“ Selena wurde langsam etwas besorgt und sie geriet in Panik. „Wir sind noch da, Kleines. Gib uns noch einen Moment.“ Die Stimme ihres Vaters klang abgehackt und gepresst. Völlig ungewohnt als sonst, aber immerhin ein offizielles Lebenszeichen. „Liebes ... ich dachte immer, dass du nie in die USA wolltest? Wieso denn jetzt auf einmal und ist es denn auch wirklich das Richtige für dich? Nicht das wir dich nicht unterstützen würden, das weißt du.“ Selena schluckte langsam und überlegte was sie auf die Fragen antworten sollte, als ihre Mutter weitersprach. „Nun müssen wir wirklich sparen um dich besuchen zu können. Das wird teuer werden.“ Selena seufzte auf und holte tief Luft. Die Tränen liefen ihr wieder über die Wangen, aber sie hatte es aufgegeben sie weg zu wischen. Es brachte eh nichts. „Ja, es ist das Richtige für mich. Ich brauche eine neue Herausforderung mit neuen Aufgaben. Das ist das Abenteuer meines Lebens. Außerdem muss ich nicht selbst umziehen. Die Firma übernimmt das für mich. Ich fliege morgen los und bin übermorgen in Portland. Dann beziehe ich meine neue Wohnung und sollte dann auch bereits meine eigenen Sachen dort haben.“
„Na wenigstens kannst du dann offiziell die Leute um dich herum kommandieren. Dieses Talent hast du von meiner Mutter geerbt.“ Selena begann kurz zu lachen und ihre Eltern stimmten mit ein. Ihr Vater wusste schon immer was er sagen musste um sie aufzuheitern. Somit war der erste Schock überwunden und das weitere Gespräch wurde sehr locker. Selena wurde von dem Gespräch so vereinnahmt, dass sie nicht bemerkte wie Fio das Haus verließ und ging.
Als Fio ging lächelte sie über das Bild welches an der Wand hing und erinnerte sie an Lenas Familie. Selenas Familie war etwas Besonderes. Sie standen immer zueinander und halfen sich gegenseitig. Keiner von ihnen war allein und das wusste auch jeder. Selena sagte immer, dass sie die beste Familie der Welt hatte.
„Dann besuchen wir dich eben in den USA. Dies wird nur nicht jedes Quartal werden. Gibt es da vielleicht eine Ausnahmeregelung wenn man jemanden besuchen will der in den USA lebt? Das ganze Zeug mit ESTA und TSA ist wirklich ätzend.“ „Papa bitte hör auf. Du bist Mitte vierzig und somit in der Blüte deines Lebens. Was sollen denn die Leute sagen die über sechzig sind? Die haben es schwerer als du und es gibt keine Ausnahmeregelung. Für niemanden.“
Salvia kicherte und Raimund schnalzte mit der Zunge was wiederum Selena zum schmunzeln brachte.
„Ich hab euch beide unglaublich lieb.“ „Wir haben dich auch lieb und sind sehr stolz auf dich.“ Das war der berüchtigte Chor ihrer Eltern der wie ein Zauber wirkte. Selena fühlte sich gleich viel besser und fasste wirklich neuen Mut. „Und nun Fräulein Bach, es wird Zeit für dich ins Bett zu gehen. Morgen musst du ausgeruht sein.“ Selena nickte artig auch wenn ihre Eltern es nicht sehen konnten. Sie hatten Recht – die Reise wird sehr anstrengend werden, jedoch wollte Selena nicht auflegen. Nachdem sich aber ihre Eltern verabschiedet hatten, konnte Selena das nur erwidern und legte dann unfreiwillig auf.
Als sie wieder ins Haus trat, fiel ihr die Stille auf. Fio tippte nichts am Laptop und macht auch keine sinnlosen Kommentare. Sie rief nach ihr, aber erhielt keine Antwort. Selena fragte sich ob ihre Freundin vielleicht eingeschlafen war. „Fio?“ Selena ging langsam von Raum zu Raum und endete dann wieder in ihrem eigenen Zimmer. Auf ihrem Bett lag ein rosafarbenes Blatt Papier mit Fios Handschrift darauf. Selena nahm das Papier in die Hand und erkannte ihre Handschrift sofort. Sie hatte sich seit Kindheitstagen nicht geändert.
Bin kurz weg. Komme bald wieder. Nicht einschlafen bevor ich wieder da bin. Bis gleich. FIO
Sena legte den Zettel vorsichtig auf den Schreibtisch und fing wieder an zu grübeln. Sie würde Fio nun eine ganze Weile nicht mehr sehen können. Würden sie das so einfach überleben? Fio fehlte ihr jetzt schon, wie sollte es nur werden wenn sie ein verdammter Ozean trennte? Als Selenas Blick auf ihren Laptop fiel, musste sie schmunzeln. Fio hatte sich nach Portland erkundigt und die Seite von Wikipedia war immer noch geöffnet. Selena las die ersten Zeilen und nahm diese Informationen mit einer nüchternen Selbstverständlichkeit zur Kenntnis, die sie eigentlich hätte erschrecken müssen.
Ihre Augen flogen über die Zeilen und sie fluchte unterdrückt.
Portland ist eine Stadt im Nordwesten der Vereinigten Staatenim Bundesstaatoregon. Portland ist die größte Stadt und das wirtschaftliche Zentrum des Bundesstaates. Mit 583.776 Einwohnern (Volkszählung 2010) ist Portland nach Seattle im benachbarten Washington und dem kanadischen Vancouver die drittgrößte Stadt in der Region Pazifischer Nordwesten. Im Großraum Portland leben über 2.2 Millionen Einwohner. Die Stadt ist Hauptstadt (County Seat) des Multnomah County.
Dann bemerkte sie das Bild welches recht in der Ecke hinterlegt war und erschauerte. Schnee und Berge. Gegen Berge hatte sie nichts aber gegen Schnee durchaus. Sie hasste das nass kalte Wetter einfach und Schnee war genauso schlimm wie Regen. Obendrein kam noch die verdammte Kälte. Selena würde eingehen wie eine Primel.
„Ich bin wieder da!“
Selena sah auf, als sie Fios Stimme hörte und erstarrte. „Was ist das denn?“
„Das, was wir aus Liebe tun, tun wir im höchsten Grade freiwillig.“
Theodor Fontane
Ian stand an der Promenade des Tom McCall Waterfront Parks und genoss den Wind der über seine Haut strich. Mit geschlossenen Augen und tiefen Atemzügen konnte er sich vorstellen wieder zu Hause zu sein. Er konnte regelrecht spüren wie die stürmische Gischt vom eisigen Wind hochgepeitscht wurde und bis an die Klippen spritzte. Schottland war ein herrliches Land aber vor allem an den Küsten ein Erlebnis wert. Er liebte seine Heimat und es schmerzte ihn zutiefst, dass er sie nie wieder sehen würde. Denn er hatte damals mit Geoffrey das Land verlassen. Sie mussten fliehen, dennoch schmerzte dieser Entschluss noch sehr und hinterließ eine tiefe Narbe. Doch bald würde es ihm besser gehen und er könnte die Verluste vergessen.
