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Jeder weiß, dass eine Ehe nicht nur Höhen, sondern auch Tiefen bereithält. Aber niemand sagt einem, wie man diese gemeinsam übersteht und wie es in Zeiten immer höherer Scheidungsraten gelingt, trotzdem für immer glücklich miteinander zu sein. Die Reisejournalistin Jo Piazza ist mit ihrem frischgebackenen Ehemann zu einer Weltreise aufgebrochen, um genau das herauszufinden. Auf fünf Kontinenten haben sie Ratschläge und Weisheiten gesammelt, die zu lebenslangem Liebesglück führen sollen. Gibt es vielleicht doch irgendwo ein Geheimrezept?
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Seitenzahl: 522
Veröffentlichungsjahr: 2018
JOPIAZZAhat Wirtschaft, Journalismus und Religionswissenschaften studiert und schreibt seit vielen Jahren unter anderem für die New York Times, das Wall Street Journal, Glamour und Elle. Für ihre Artikel wurde sie bereits mehrfach ausgezeichnet. Mit ihrem Ehemann und ihrem riesigen Hund lebt sie in San Francisco.
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Jo Piazza
Für immer auf Wolke sieben
Einmal um die Welt auf der Suche nach dem Geheimnis einer glücklichen Ehe von Jo Piazza
Aus dem Amerikanischen von Babette Schröder
FÜR NICKDu gibst meinem Leben einen Sinn.
Vorbemerkung der Autorin
Nachdem ich viele Jahre sowohl beruflich als auch zum Vergnügen durch die Welt gereist bin, weiß ich, dass man ein Land oder seine Kultur nach einem einzigen Besuch nicht wirklich ergründen kann, nicht einmal nach vielen Besuchen. Ich bin Reisende und Journalistin, keine Anthropologin, keine Psychologin, auch keine Historikerin. Auf diesen wenigen Seiten kann ich unmöglich im Detail auf all die unzähligen Facetten von Ehe und Partnerschaft eingehen, die ich auf meiner Reise in jedem einzelnen Land vorgefunden habe. Die Erzählung über ein Land oder über eine Ehe wird niemals vollständig sein. Kein Außenstehender kann eine Kultur wirklich ganz verstehen, genauso wenig wie ein Außenstehender versteht, wie und warum die Ehe eines anderen funktioniert. Ich habe mich zu dieser Reise aufgemacht, um konkrete Hilfe und Anregungen zu erhalten. Die wollte ich mit nach Hause nehmen, damit sie mir für meine eigene Partnerschaft von Nutzen sind – und hoffentlich auch für Ihre. Zweifellos ist mir dabei aber auch einiges entgangen.
Mit einem anderen Menschen ein intimes Gespräch über die Ehe zu führen, das ist, als würde man gemeinsam unter die Dusche gehen. Man ist verwundbar, und es erfordert Mut. Da die Ehe ein sehr sensibles Thema sein kann – besonders in Ländern, wo Frauen sehr viel weniger Freiheit genießen als in den Vereinigten Staaten –, habe ich in meinem Text einige Namen geändert und manche Figuren aus verschiedenen Charaktereigenschaften neu zusammengesetzt.
In zahlreichen Ländern habe ich mir Fragen und Antworten von Dolmetschern übersetzen lassen, die ich über Anzeigen gefunden habe. In Situationen, in denen es nicht möglich war, Notizen oder Audioaufnahmen zu machen, habe ich mich auf meine Erinnerung verlassen. Sowohl Übersetzer als auch das Gedächtnis sind nicht unfehlbar, aber in beiden Fällen habe ich mein Bestes gegeben. Der Zeitraum, in dem sich alles ereignet hat, worüber ich in diesem Buch berichte, beginnt kurz vor der Hochzeit mit meinem Mann und endet an unserem ersten Hochzeitstag. Meist folgt der Text der Chronologie meiner Reisen, nur in wenigen Ausnahmen habe ich Änderungen vorgenommen, um den Erzählfluss nicht zu stören und keine Langeweile aufkommen zu lassen.
Mit diesem Buch möchte ich zu einer Diskussion über Partnerschaft beitragen, über Sexualität, Liebe, Ehe, Treue, Monogamie, Polygamie, Geld, Macht, Gleichberechtigung, Kinder, Männer und Frauen sowie darüber, wie all diese Dinge in einer Welt zusammenpassen, die sich schneller verändert, als die meisten von uns es je für möglich gehalten hätten.
Okay, fangen wir an. Reden wir über die Ehe.
Nach: Und so lebten sie glücklich bis ans Ende ihrer Tage
»Du könntest gehen. Dich von mir scheiden lassen. Ich mein’s ernst«, sagte ich zu Nick, der seit gerade mal drei Monaten mein Ehemann war. Ich sank tiefer ins Sofa, wendete den Blick von ihm ab und starrte stattdessen auf die verschwommenen Spuren eines Rotweinflecks auf dem orangefarbenen Kissen. »Ehrlich. Das hast du vorher nicht gewusst. Such dir eine andere. Eine gesunde Ehefrau.«
»Das ist lächerlich«, konstatierte Nick mit der typischen Selbstsicherheit eines Mannes aus dem Mittleren Westen. Er saß neben mir und legte eine seiner riesengroßen Hände auf meinen Rücken. Er wirkte ruhig und gelassen, während ich kurz davor war, hysterisch zu werden. Ich kniff die Augen zusammen, wollte gemein sein und sehnte mich zugleich danach, getröstet zu werden. Für den Fall, dass er mein Angebot annehmen sollte, rückte ich jedoch sicherheitshalber schon ein Stück von ihm ab und sorgte so für körperlichen Abstand.
»Ich bin nur ehrlich. Dafür hast du mich nicht geheiratet!« Warum sagte ich das? Halt, dachte ich. Hör auf damit. Aber ich konnte nicht anders. Meine Augen brannten, meine Stimme zitterte, und mein Herz schlug mir bis zum Hals, während ich mein Gesicht im Sofa vergrub, das wir zusammen gekauft hatten. Wir fanden es gemütlich und waren der Ansicht, es würde gute Laune verbreiten. Zudem schien es uns ausreichend strapazierfähig, um selbst der Zerstörungswut unseres dicken großen Hundes zu trotzen, und – eines Tages – unseren Kindern.
Einige Stunden zuvor hatte mir eine Genetikexpertin namens Violet in verblüffend fröhlichem Ton erklärt, dass ich sehr wahrscheinlich dieselbe Krankheit entwickeln würde, an der mein Vater allmählich zugrunde ging – Muskelschwund. Bis jetzt hatten meine Eltern und mehrere Ärzte stets behauptet, ich könne die Krankheit nicht erben, doch sie hatten sich geirrt. Violet teilte mir darüber hinaus mit, dass mich diese spezielle Form der Muskeldystrophie vermutlich mit Ende dreißig treffen würde (ich war fünfunddreißig). War die Krankheit einmal ausgebrochen, gab es keine Möglichkeit, ihren Verlauf zu stoppen. Die Muskeln, besonders in Beinen, Rücken und Gesicht, bilden sich zurück. Viele Menschen mit dieser Erkrankung enden im Rollstuhl und können nur noch mithilfe einer Maschine atmen.
Bei meinem Vater traten die ersten Symptome kurz vor seinem vierzigsten Geburtstag auf, der Verlauf war langsam, schmerzhaft und qualvoll. Als Violet mir die Nachricht übermittelte, war mein Vater schon an ein Krankenhausbett gefesselt, das im Wohnzimmer meiner Eltern stand; er war unfähig, ohne Hilfe zu gehen, zu stehen, zu atmen. Für meine Mutter verwischten sich die Grenzen zwischen Ehefrau, Pflegerin und Bediensteter – ein Zustand, der sowohl ihre Ehe aushöhlte als auch ihre physische und psychische Gesundheit schwer belastete. Das Leben meiner Mutter, das Leben einer pflichtbewussten, aber unglücklichen Pflegekraft, war nicht das, was ich Nick wünschte. Weder jetzt noch in irgendeiner fernen Zukunft. Ich versuchte einfach, menschlich zu sein, vielleicht dachte ich auch, wenn ich eine andere schreckliche Situation heraufbeschwor, würde das die gegenwärtige schreckliche Situation verdrängen.
Darum sagte ich zu meinem frischgebackenen Ehemann – der es liebte, Rad zu fahren, zu wandern, Ski zu fahren, auf alles Mögliche zu klettern und überhaupt alles zu tun, wofür man zwei gesunder, starker Beine bedurfte –, er solle sich von mir scheiden lassen. Ich war verzweifelt, verletzt, ohnmächtig.
Doch ich muss zeitlich noch etwas weiter zurückgehen. Mit der Arbeit an diesem Buch begann ich ein halbes Jahr, bevor ich von Violet hörte. Ich steckte mitten in den Hochzeitsvorbereitungen, und nachdem ich monatelang immer wieder unaufgefordert Ratschläge für »den großen Tag« erhalten hatte, wurde mir auf einmal klar, dass ich keine Ahnung hatte, wie man eigentlich eine Ehe führt.
Klar, es gibt massenhaft Bücher darüber, wie man eine Ehe rettet, aber meine war ja noch gar nicht kaputt. Außerdem sprach mich keines der Bücher wirklich an. Mit ihren pastellfarbenen Titeln, den Blumen, Sonnenaufgängen und barocken Schriftzügen schienen sie sich irgendwie an erwachsenere, reifere, kultiviertere Leserinnen zu richten, an solche, die Serviettenringe besaßen und ihre Zimmerpflanzen nicht eingehen ließen.
Oder wie meine Freundin Jessica es ausdrückte: »Es gibt zwar jede Menge Bücher darüber, wie man eine perfekte Ehefrau wird, aber die sind alle schrecklich.«
Es verwirrte mich zutiefst, dass die Bekanntgabe meiner Verlobung mehr Likes auf Facebook erhielt als alle meine früheren Posts. Mehr als die Information, dass ich einen tollen Job bekommen oder mein erstes Buch veröffentlicht hatte, oder auch mehr als das Superbild von Liz Lemon beim Pommes-frites-Essen. Alles, was ich jemals getan hatte, verblasste neben der Nachricht, dass ich heiraten würde.
Ich bin nicht die Einzige, deren hart erkämpfte Leistungen von einem Verlobungsring in den Schatten gestellt wurden. Während der Sommerolympiade 2016 in Rio de Janeiro erkämpfte sich die chinesische Wasserspringerin He Zi eine Silbermedaille. Daraufhin machte ihr Lebensgefährte ihr sofort einen Heiratsantrag. In dem BBC-Artikel über Zis Erfolg war zu lesen:
»Am Sonntag gewann die chinesische Wasserspringerin He Zi bei den Olympischen Spielen in Rio die Silbermedaille der Frauen im Einzelwettbewerb vom Dreimeterbrett. Doch im Anschluss erwartete sie ein noch größerer Gewinn, als ihr Lebensgefährte Qin Xai vor Fernsehzuschauern aus aller Welt vor Zi niederkniete und um ihre Hand anhielt.« Die Hervorhebung stammt von mir.
Und genau wie der Verlobungsring alle Leistungen und Erfolge einer Frau überschattet – ihre Persönlichkeit, ihren Charakter, ihre Identität –, verschwindet die Ehe an sich hinter jenen »zwölf Stunden, die alles verändern«. Egal, für wie fortschrittlich wir uns in Amerika halten, unsere Gesellschaft ist noch immer vom Heiraten besessen. In der meistverkauften Ausgabe der Woche veröffentlicht die New York Times hochwertige Immobilienanzeigen zwischen Dutzenden von Hochzeitsanzeigen. Millionen Fernsehzuschauer schalten die Fernsehsendung Der Bachelor und ähnliche Reality-Sendungen ein, in denen zwei panische alkoholisierte Fremde zu einer Verlobung gezwungen werden und mit der Angst gespielt wird, niemals den Richtigen oder die Richtige zu finden. Und obwohl die Serie Sex and the City, die lange Zeit für ihre schwindelerregend hohen Einschaltquoten gefeiert wurde, von starken, unabhängigen Frauen handelte, landeten drei der vier Heldinnen bis zum Ende der letzten Staffel vor dem Traualtar.
Fast jede romantische Komödie endet mit der Hochzeit und lässt den interessantesten Teil weg: die Ehe.
Anscheinend haben wir weniger Interesse daran zu erfahren, wie die Ehe funktioniert – an den täglichen Herausforderungen, den Freuden, Tücken, Fallen, Überraschungen und Intimitäten. Keiner würde eine der folgenden Schlagzeilen anklicken: »Beyoncé sauer – Jay sah das Ende von Game of Thrones ohne sie«, oder »Kanye wünschte, Kim würde aufhören, beim Abendessen zu simsen«, oder »Justin ist total GENERVT, dass Jen immer vergisst, die Shampooflasche zuzudrehen«. Obwohl all diese Dinge absolut der Wahrheit entsprechen.
Ich habe begonnen, dieses Buch zu schreiben, um herauszufinden, was nach dem »Ja, ich will« kommt. Wie man es richtig macht und wie ich in einer Welt, die den Blick nur auf den »großen Tag« und den Ring richtet, ich selbst bleiben kann.
Ich will ehrlich sein. Meine eigene Hochzeit war das märchenhafte Happy End der romantischen Komödie, die mein 34-jähriges Leben bis dahin darstellte. Lange Zeit suchte ich mir stets die »falschen« Männer aus, geriet in höchst amüsante Missverständnisse, küsste alle Frösche und trank Unmengen Pinot Grigio mit schwulen Freunden. Mit Anfang dreißig war ich die letzte Junggesellin unter meinen Collegefreundinnen … eine alte Jungfer, die Katzen und Affären mit den Ehemännern anderer Frauen haben würde. Und dann, als ich am wenigsten damit rechnete, traf ich meinen Prinzen auf einem Boot während einer Recherchereise zu den Galapagosinseln.
Ich war als leitende Redakteurin für die Reisewebseite von Yahoo! zuständig. Nick arbeitete ebenfalls als Journalist, allerdings als seriöser Wirtschaftsjournalist, den man auf die Galapagosinseln geschickt hatte, um über die Tauglichkeit der ecuadorianischen Tourismusstrategie zu berichten. Ich hingegen schrieb darüber, was für tolle Selfies man mit Seelöwenbabys machen kann. Schnell entwickelte sich Nick zu meinem Lieblingsmitreisenden auf diesem Boot. Beide hatten wir eine zerfledderte Ausgabe von Kurt Vonneguts Galápagos dabei. Als wir zusammen schnorcheln gingen, nahm er meine Hand und zeigte mir winzige Pinguine, die ganz dicht unter der Wasseroberfläche schwammen. Er hatte rein gar nichts von der Arroganz, von der die Typen in New York nur so trieften. Und obwohl ich mich ungeschminkt, ohne Absichten und ohne ein einziges hübsches Kleidungsstück auf diese Öko-Bootstour begeben hatte, küsste er mich an unserem letzten Abend auf dem Meer. Entweder würde dieser Kuss der Beginn von etwas überaus Wundervollem sein, oder ich würde ihn nie wiedersehen.
Als wir uns auf dem Flughafen in Ecuador voneinander verabschiedeten, erinnerte seine traurige Miene an einen Labrador, der gerade sein Lieblingsspielzeug verschluckt hat.
»Ich möchte dich wiedersehen«, raunte er mir zu, als wir die Sicherheitskontrolle hinter uns gelassen hatten und uns anschickten, nach Hause zu fliegen – auf entgegengesetzte Seiten des Landes.
Ich dachte einen Augenblick nach und wählte meine Antwort mit Bedacht.
»In ein paar Wochen bin ich zu einer Konferenz in Palm Springs. Ich könnte früher kommen, und wir könnten in den Joshua Tree fahren. Da war ich noch nie.«
»Ja, wir gehen zelten!«, rief er entzückt aus und küsste mich. Dann rannte er los, um seinen Flug noch zu erwischen.
Sobald ich wieder Zugang zu einem Internetanschluss hatte, informierte ich mich per Google und Facebook über ihn, um sicherzugehen, dass er derjenige war, der er behauptete zu sein. Dabei stellte ich fest, dass wir fünf gemeinsame Freunde hatten, genug, um ihn zu überführen, sollte ich in der Wüste spurlos verschwinden.
Nick hatte gesagt, er käme ins Parkhaus, als wir uns am Flughafen von Los Angeles trafen, doch ich beschloss, ihn am Gepäckband zu überraschen. Ich war mir nicht sicher, wie es sein würde, diesen vertrauten Fremden wiederzusehen. Doch als er sich umdrehte, grinste, mich herzlich in die Arme schloss und mich auf den Mund küsste, wusste ich, dass ich hoffnungslos verloren war. Er hatte ein Zelt mitgebracht, einen Grill, zwei Schlafsäcke und ein Erste-Hilfe-Set inklusive einer Rettungsdecke, falls ich eine Unterkühlung erleiden sollte.
»Ich habe auch Jodtabletten dabei, falls wir das Wasser reinigen müssen«, erklärte er sachlich. »Die schmecken zwar ekelhaft, halten einen aber gesund.«
Vor mir stand jemand, der auf alles vorbereitet war, und von diesem Menschen wollte ich mehr haben. Nick Aster war eindeutig ein Mann, der meinen kaputten Müllzerkleinerer mit bloßen Händen reparieren konnte, jemand, der wusste, wie man Zimmerpflanzen am Leben erhält.
Außerdem sah er gut aus, war klug und witzig. Wenn ich ihn fragte, ob er mir bei etwas helfen könnte, antwortete er: »Ganz, wie Sie wünschen …« Was besonders anziehend auf ein Mädchen wirkte, dessen erste sexuelle Fantasie sich um Cary Elwes in Die Braut des Prinzen gedreht hatte. Aber er war nicht der Typ Mann, den ich normalerweise datete. Nick ist der absolute uneingeschränkt maximale Outdoor-Typ. Er hatte lange Haare, fuhr überall mit dem Fahrrad hin, und auf einer Wandertour in Colorado wurde er mal fast von einem Berglöwen gefressen. Sonst war ich immer mit Indoor-Männern zusammen gewesen, Bank- und Managertypen, die teuren Wodka tranken und eigentlich eher mit Supermodels als mit mir ausgingen.
Kurz nachdem Nick und ich uns kennengelernt hatten, beklagte ich mich bei meiner Seelenklempnerin Jen, dass Nick eigentlich überhaupt nicht mein Typ sei. Sie verzog das Gesicht, als hätte sie gerade eine schlechte Auster erwischt.
»Mit IHREM Typ klappt es doch aber nicht!«, rief sie und rollte mit den Augen. Sie hatte natürlich recht, also gab ich mich geschlagen, mehr war dazu nicht zu sagen. Oder um F. Scott Fitzgerald falsch zu zitieren: Nick und ich glitten rasch in eine Vertrautheit ab, von der wir uns nie mehr erholen sollten.
Nur drei Monate nachdem wir uns kennengelernt hatten, waren wir bereits verlobt.
»Ich konnte es einfach nicht abwarten, dir einen Heiratsantrag zu machen. Durch dich hat mein Leben erst einen Sinn bekommen«, erklärte Nick und zog einen schmalen Goldring mit winzigen Diamanten hervor (Fairtrade, nicht aus einem Krisengebiet).
»Ahhhhhh!«, kreischte ich. »Waaaas? IM ERNST?« Dann erinnerte ich mich, dass ich mit Ja antworten sollte.
Als ich mich in Nick verliebte, merkte ich, dass alle Klischees stimmen. Man spürt, ob es der Richtige ist. Wenn es der Richtige ist, geht es ganz leicht. Liebe passiert, wenn man am wenigsten damit rechnet. Als Single dachte ich, wer so etwas behauptet, der lügt. Ich kannte die Wahrheit. Nachdem man zwei, drei Jahre mit jemandem zusammen war, brachte man ihn mit ein paar Tricks dazu, einen zu heiraten. Dabei war ich diejenige, die die ganze Zeit über falschlag.
Es dauerte eine Weile, bis ich tatsächlich begriff, dass ich heiraten würde. Als ich drei Monate später, im Juli, den ganzen Krempel aus meinem Singleleben in den gelben Fiat lud, der nicht größer als ein Golfwägelchen war, hatte ich es noch immer nicht so ganz realisiert. Ich verließ New York, das dreizehn Jahre lang meine Heimat gewesen war, den einzigen Ort, an dem ich als Erwachsene gelebt hatte, um nach San Francisco zu ziehen. Egal, wie schwierig das Leben in New York sein konnte, es war auf eine Weise kompliziert und eigenartig, die ich verstand, an die ich mich gewöhnt hatte. Wie der Buddhismus. Oder die Karikaturen im New Yorker. Wegzuziehen machte mir Angst.
Nick konnte sich in der Woche nicht freinehmen, darum begleitete damals meine Freundin Glynnis mich und meine riesige Hündin, Lady Piazza, auf der gut 4600 Kilometer langen Reise. Wir würden sieben Tage à zehn Stunden unterwegs sein. Wie Thelma und Louise, nur ohne den Sex mit Brad Pitt, ohne die Morde und ohne den Sturz von den Klippen, aber mit rotem Lippenstift und fantastischen Frisuren. Es verlieh mir eine unglaubliche Kraft, meinem Fast-Ehemann zu sagen, dass ich ihn nicht brauchte, um einmal quer durchs Land zu fahren, ihm zu sagen: Ich habe alles im Griff. Bis dann!
Ich tätschelte Lady Piazza den Kopf, blickte mich noch einmal in meiner Stadt um und wischte die Schweißperlen weg, die mir den Nacken hinunterliefen. Den Geruch von Manhattan bei fast vierzig Grad Hitze würde ich nicht vermissen, so viel stand fest.
»Du bist ein braves Mädchen, Lady. In San Francisco wird es uns gefallen«, flüsterte ich. Ich saß auf dem Fahrersitz und warf Glynnis einen Blick zu. »Ich ziehe ans andere Ende des Landes«, bemerkte ich verwundert.
»Ja, das stimmt!«, erwiderte sie, fummelte mit der einen Hand am Radio herum und frischte mit der anderen geschickt ihren Lippenstift auf.
»Und ich werde heiraten«, fügte ich hinzu und blickte ein letztes Mal auf das Verkehrschaos von New York City.
Glynnis landete bei einem Song von Taylor Swift und sah mich an. Die Sonne schien auf ihre wilden Locken, die wie ein flammender Heiligenschein um ihren Kopf standen. »Wird dir das alles gerade erst bewusst, Süße?« Ja, ganz genau.
Nachdem ich nun mein filmreifes Happy End hatte, setzte ich die Miene einer glücklichen und zufriedenen Braut in spe auf, doch innerlich hatte ich große Angst. Angst, meine Identität und Unabhängigkeit zu verlieren. Angst, zu versagen. Angst, dass es zwischen Nick und mir nicht funktionieren und ich ihn verlieren würde. Was es umso wichtiger machte, mich selbst in dem Ganzen nicht zu verlieren. Meine Ängste sind absolut normal für jemanden, der in den 1980er-Jahren geboren wurde, genau in jenem Jahrzehnt, als sich alle scheiden ließen. Die Medien werden nicht müde, uns zu erzählen, dass jede zweite Ehe in Amerika scheitert. Egal, für wie absolut einzigartig ich die Bindung zwischen Nick und mir hielt, mir war klar, dass der Weg, der vor uns lag, kein leichter sein würde.
All das wurde mir allmählich bewusst, während Glynnis und ich gemächlich das Land durchquerten. In Wyoming, auf einer Ferienranch namens Paradise, bekam ich zum ersten Mal Albträume. In diesen Träumen war Nick auf einmal verschwunden. Einfach weg. Ich wusste, ich war verliebt gewesen, ich war mit jemand Besonderem zusammen gewesen. Doch es hatte nicht gehalten, es war vorbei, und ich wusste nicht, warum. Es gab auch die andere Variante, in der Nick noch da war und wir verheiratet, aber unglücklich waren. Wir hatten uns in meine Eltern verwandelt – bedürftig, voneinander abhängig und stark gestört.
Meine Eltern führten eine lange, aber unglückliche Ehe. In meiner Prägungsphase stritten und schrien sie täglich und drohten, einander zu verlassen. Aus Pflichtgefühl mir gegenüber trennten sie sich jedoch nie. Wegen der Ehe meiner Eltern glaubte ich nicht mehr an »Und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage«. Früher nahmen Frauen sich ihre Mütter zum Vorbild, heute ist das nur noch selten der Fall.
Die längste Zeit in der Geschichte waren Frauen aufgrund ökonomischer und gesellschaftlicher Normen gezwungen, sich einen Ehemann zu suchen. Als meine Großmutter Carolyn als vierzehnjähriges Bauernmädchen auf einer Farm in Illinois ihrem Ehemann Merwin begegnete, war die Heirat für sie Schicksal und entsprach zugleich der gesellschaftlichen Norm. Sie träumte sehnsüchtig von einem besseren Leben und folgte ihm aufs College nach Colorado, um dann eine klassische Hausfrau à la Mad Men zu werden. Als 1963 Betty Friedans Der Weiblichkeitswahn oder Die Selbstbefreiung der Frau erschien, war Carolyn die unzufriedene Frau, die diese dort beschrieb: »Wenn sie die Betten machte, einkaufen ging, Stoff für neue Schonbezüge ausmaß, mit ihren Kindern Erdnussbutterbrote aß oder sie mit dem Auto zu ihren Pfadfindergruppen brachte, wenn sie nachts im Bett lag – immer scheute sie sich, die leise Frage zu stellen: ›Ist das alles?‹« Als mein Großvater starb, tauschte sie ihre wasserstoffblonde Marilyn-Monroe-Frisur gegen einen schicken braunen Bob ein, begann, abstrakte Kunst zu sammeln, und heiratete nie wieder.
Meine Mutter, die während der zweiten Feminismus-Welle heranwuchs, erzählte mir, dass sie mit der Absicht aufs College gegangen war, einen Arzt oder einen Juristen zu heiraten. Sie wollte eine Mrs. werden. Meinen Vater, einen Jurastudenten, lernte sie am Abend ihres ersten Tages auf dem College kennen und heiratete ihn mit einundzwanzig Jahren. Für sie, wie für viele Frauen ihres Alters, war das im Jahre 1976 nichts Ungewöhnliches. Sie sagte: Ich will. Danach hat sie nichts mehr gemacht. Das war ihr »glücklich bis ans Ende ihrer Tage«.
Ich habe mit der Wissenschaftlerin und Autorin Stephanie Coontz gesprochen, die ein Buch über die moderne Ehe geschrieben hat: In schlechten wie in guten Tagen: Die Ehe – eine Liebesgeschichte.
»Die Ehe ist keine Institution mehr, durch die man Verbindungen knüpft, die den Interessen der Eltern dienen oder durch die man eine unselbstständige Frau an einen überlegenen Mann bindet. Heutzutage dürfen sowohl Frauen als auch Männer sagen, dass sie jemanden heiraten möchten, der ähnliche Ideale, Fähigkeiten, Ziele und Qualitäten hat. Wir suchen unseresgleichen«, sagte mir Coontz. Natürlich bringt das auch Schattenseiten mit sich.
»Es führt zu neuen Spannungen, wenn beide Ehepartner die Möglichkeit haben, einfach zu gehen«, fügte Coontz hinzu.
Ich kann mich jederzeit aus meiner Ehe verabschieden. Ich kann selbst für meinen Unterhalt sorgen, auf mich aufpassen, mir ein eigenes Haus kaufen, ich kann sogar allein ein Baby bekommen – mithilfe von sehr teuren Ärzten und einer sehr viel günstigeren Bratenspritze.
Ich habe einmal die unvergleichliche Erica Jong, die feministische Autorin von Angstvorm Fliegen, gefragt, warum sie immer noch an die Ehe glaubt. Erica war viermal verheiratet, seit jetzt nunmehr 27 Jahren mit demselben Mann, und die beiden sind immer noch ziemlich glücklich miteinander. Drei gescheiterte Ehen haben sie nicht davon abgehalten, den Bund der Ehe ein viertes Mal zu schließen.
»Es ist nicht nur unerlässlich, sondern auch schön, in einer feindlichen Welt einen besten Freund zu haben«, antwortete sie.
Als ich Erica erzählte, dass ich an einem Buch über die Ehe arbeitete, war ich mir unsicher, wie sie reagieren würde, und ich war ein bisschen überrascht, dass ihr die Idee gefiel. »Gut! Wir müssen eine neue Form der Ehe entwickeln, in der beide Partner erfüllt sind, in der die Arbeit des einen nicht wichtiger als die des anderen ist, in der beide die Rolle des Versorgers übernehmen. Dafür gibt es noch kein Vorbild.«
Durch meine Arbeit als Reiseredakteurin war ich ständig unterwegs, wachte regelmäßig in einem anderen fremden Hotel auf und musste die Vorhänge aufziehen, um mir in Erinnerung zu rufen, wo ich mich gerade befand. Seit meinem 18. Lebensjahr bin ich Journalistin, das heißt, peinliche und intime Fragen zu stellen, ist für mich ganz normal. Nun, da ich verlobt war, fragte ich alle möglichen Leute, die einen Ehering trugen, was eine funktionierende Ehe ausmache. Nicht, weil ich den Auftrag dazu hatte, sondern für mich selbst. Ich fragte jamaikanische Friseure, malaysische Streetfood-Verkäufer, maledivische Tauchlehrer und sogar konservative Muslime aus Katar, die mich in einem Geländewagen auf einer abenteuerlichen Fahrt an die saudi-arabische Grenze mitnahmen.
»Die Ehe ist sehr, sehr anstrengend«, grummelte mein Fremdenführer, während er den Land Rover mit gefühlten einhundert Sachen auf einen gigantischen Sandberg zusteuerte. Er war mit einem weißen Thawb bekleidet, einem weiten Gewand, das mich daran erinnerte, wie sehr ich es vermisste, Kaftane zu tragen. Um den Kopf trug er das traditionelle Tuch, eine rot karierte Kufiya. Sein Schnurrbart erinnerte mich an den jungen Tom Selleck.
»Ich habe nur eine Ehefrau. Ich will gar nicht noch eine. Ich liebe meine Frau, und mehr Frauen bedeuten nur mehr Kopfschmerzen. Das kann ich nicht gebrauchen. Ich habe einen Rat für Ihren Ehemann! Ich zwinge mich, meiner Frau zuzuhören, auch wenn mein Kopf eigentlich gerade mit anderen Dingen beschäftigt ist. Sagen Sie ihm das.«
Er hielt kurz inne und richtete sein Fernglas auf einen Sicherheitsposten an der saudi-arabischen Grenze.
»Die Kerle machen uns immer Ärger«, beschwerte er sich über die Saudis und fügte gegen den Pop-Rock der Vereinigten Emirate, der aus dem Radio plärrte, noch hinzu: »Das ist mein Ernst. Sagen Sie Ihrem Mann, er soll Ihnen zuhören. Sonst wird Ihre Ehe scheitern. Wollen Sie rüberfahren und die Jungs da drüben erschrecken?«
»Nein, danke. Lassen wir die Saudis lieber in Ruhe.«
An jenem Abend rief ich Nick an und erwähnte beiläufig, dass es mir sehr gefiel, wenn er mir zuhörte. »Mein katarischer Fremdenführer hat mir auf dem Weg zur saudi-arabischen Grenze geraten, dir das zu sagen.«
Nick schwieg einen Moment. »Ich höre dir immer zu. Komm heil zurück. Okay? Fahr nicht nach Saudi-Arabien.«
Mit wenigen Ausnahmen klangen die Antworten auf die Frage, wie man eine Ehe führen sollte, erstaunlich ähnlich. Ich notierte sie auf Papierservietten und auf Rückseiten von Bordkarten. Ratschläge wie: »Hören Sie niemals auf, miteinander zu sprechen«, »Man muss darüber sprechen, was einen stört oder reizt, was einen glücklich oder traurig macht und was einem komisch vorkommt«, »Man muss miteinander im Gespräch bleiben, per Telefon, per SMS, sich Emoticons schicken, nur nicht aufhören zu sprechen«, »Schließ die Tür, wenn du pinkeln musst«, »Sich zu beklagen, ist Gift. Fangen Sie gar nicht erst damit an, sonst hören Sie nie wieder damit auf«, »Kauf dir einmal im Monat neue erotische Unterwäsche«, und »Lauf nackt durchs Haus, aber lieg ja nicht in deiner Jogginghose herum … niemals.« Eine ehemalige Prostituierte in Amsterdam hat mir mal erzählt, eine Ehefrau müsse stark sein und »der Kapitän auf dem Schiff« bleiben.
Viele Männer und Frauen gaben zu, in ihrer eigenen Ehe Schwierigkeiten zu haben. Andere führten irritierend mustergültige Beziehungen voller Glück, mit aufregenden Nächten und Einhörnern.
Als meine Erkundigungen erst zehn, dann zwanzig Seiten umfassten, wurde mir klar, dass ich auf einem Schatz aus Weisheiten aus aller Welt saß. Es gibt sehr viele Ratgeber darüber, wie man eine kaputte Ehe repariert. Ich fand aber kein Buch, in dem mir echte Menschen, die in einer echten Ehe lebten, Ratschläge gaben, wie man eine glückliche Ehe vor dem Scheitern bewahrt.
Eheexperten bezeichnen das erste Ehejahr als »das Fundamentjahr«. In dieser Zeit finden die Eheleute heraus, wie sie als Partner miteinander leben können, ohne in der Dunkelheit zu versinken. Es werden Grenzen gesetzt und ausgetestet, und beide Partner bilden Gewohnheiten aus, die sie für den Rest ihrer Ehe beibehalten.
»Im ersten Ehejahr schaffen wir die Basis für die restliche Zeit unserer Ehe. Wir entscheiden darüber, ob wir als Team funktionieren oder ob wir die Existenz des anderen für selbstverständlich halten. In diesem Jahr bereiten wir vor, wie wir mit all dem umgehen, was das Leben für uns bereithält, und sehr vieles davon ist nicht schön«, erklärt Dr. Peter Pearson, Ehetherapeut und Gründer des Couples Institute.
Was wäre, wenn Nick und ich in unserem Fundament-jahr, auf der Suche nach Erkenntnissen über Ehe, Liebe und Partnerschaft, rund um den Globus reisten und dann versuchten, diese auf unsere eigene Ehe zu übertragen?
Durch das gemeinsame Reisen würden sich die Anfangsschwierigkeiten verstärken, anstrengenden Gesprächen konnte man unterwegs nicht aus dem Weg gehen. Untersuchungen dazu behaupten, dass Paare, die zusammen reisen, in ihrer Beziehung zufriedener sind. Reisen führt zu besserem Sex, beschwingt einen und holt einen aus der Komfortzone. Es gibt einen TED Talk von der Psychotherapeutin und Beziehungsexpertin Esther Perel darüber, wie man Begehren und Leidenschaft in einer langjährigen Partnerschaft erhält. Während ich an diesem Buch schrieb, hörte ich ihn mir bestimmt ein Dutzend Mal an, besonders den Teil, in dem sie erklärt, dass sowohl Männer als auch Frauen ein starkes Bedürfnis »nach Abenteuer, nach Neuem, nach Geheimnissen, nach Risiken, nach Gefahr, nach Unbekanntem, nach Unerwartetem, nach Überraschendem haben. Im Grunde danach, unterwegs zu sein, zu reisen.« Nick und ich könnten die ersten zwölf Monate unserer Ehe stundenlang Netflix gucken, oder wir könnten uns auf eine Reise ins Unbekannte begeben, in schwierige Situationen geraten, aus ihnen wieder herauskommen und nebenbei dahinterkommen, wie wir uns unsere Ehe vorstellen.
In den Monaten vor unserer Hochzeit, in denen wir uns den Kopf über Locations und Speisefolgen zerbrachen, brüteten wir ebenso viele Nächte über Landkarten und Flugplänen. Es gab so viele interessante Ehemodelle – Polygamie in Afrika, arrangierte Ehen in Indien, offene Ehen in Frankreich. Und es gab so viele Fragen: Warum sank die Zahl der Ehen in Nordeuropa? Funktionierten Ehen in Frankreich, weil alle Affären hatten? Mitten im mexikanischen Dschungel gab es einen Ehetherapeuten, von dem es hieß, er rette jede Ehe, die es wert sei, gerettet zu werden. Den Typen mussten wir kennenlernen!
Ich plante Recherchereisen und sogar unsere Hochzeitsreise zu Kulturen, die Interessantes über Ehe und Bindung zu erzählen hatten. Nick betreibt eine eigene Website, sodass er mich oft begleiten und von unterwegs arbeiten konnte. Mein Ehemann ist zudem ein Flugmeilen-Sammler, womit er das sonst sicherlich viel zu kostspielige Unterfangen unterstützen konnte.
Bei meinen Recherchen für dieses Buch habe ich Hunderte von Männern und Frauen auf der ganzen Welt interviewt – normale Leute ebenso wie Experten –, um herauszufinden, weshalb eine moderne, manchmal auch nicht so moderne Ehe funktioniert. Vieles, was ich erfuhr, überraschte mich. Eigentlich befindet sich die Ehe derzeit überall in einem Veränderungsprozess, und die meisten Leute in unserem Alter, angefangen vom weltoffenen Paris bis hin zum ländlichen Indien, versuchen genauso herauszufinden, wie man in diesen sich stark verändernden Zeiten ein Ehemann oder eine Ehefrau sein kann.
Ich habe nicht die eine Antwort gefunden, aber ich habe viele Lösungsansätze, Anregungen und Ratschläge erhalten. Einige Kernpunkte habe ich immer wieder gehört: Geduld, gute Kommunikation, ein gesundes Sexualleben, Teamarbeit, ein starker Freundeskreis, Dankbarkeit, Gleichberechtigung, eine ähnliche Auffassung von Erziehung, die gleiche Einstellung zu Geld, sich einen Sinn für Abenteuer bewahren, kompromissfähig sein. Langsam begann ich, mir ein Bild davon zu machen, was es hieß, ein guter Partner zu sein.
Das Buch zeichnet auch unser Fundamentjahr nach – das Wunderbare, das Schlechte, das Merkwürdige und das manchmal Überraschende. Indem ich von meinen Reisen erzähle, die ich allein und mit meinem Mann unternommen habe, erzähle ich zugleich davon, wie ich mich mit mir selbst auseinandergesetzt habe. Davon, welche Ängste mich befielen, während ich herauszufinden versuchte, wie man dieses Eheding zum Laufen bringt.
Auch auf die Gefahr hin, dass Sie nach diesem Vorwort dann womöglich nicht weiterlesen, sollte ich Ihnen verraten, was das Wichtigste war, das ich gelernt habe. Die wichtigste Erkenntnis für mich bestand darin, dass es in einer guten Ehe nicht darum geht, schwierige Situationen immer zu einem guten Ende zu bringen. Vielmehr geht es darum, dass in wirklich schwierigen Situationen, die vielleicht nicht zu ändern sind, beide sagen: »Okay. Wir sind immer noch zusammen. Ich will immer noch, dass du bei mir bist, wenn ich morgens aufwache.« Ich hatte nicht damit gerechnet, dass unser erstes Ehejahr von Verlusten, Tod, Dramen und Krankheiten geprägt sein würde. Ich dachte, das Schwierigste, was auf uns zukommen könnte, wäre, in welcher Farbe wir unser Wohnzimmer streichen sollen und ob der Hund bei uns im Bett schlafen darf.
Aber das Leben passierte einfach.
Was ich dabei lernte, war, dass es tatsächlich so etwas wie die »gute Ehefrau« und den »guten Ehemann« gibt. Und dass man sich tatsächlich auf eine individuelle Reise begibt, wenn man herausfinden will, was für eine Ehe man führen möchte. Worauf es ankommt, ist der Wille, diese Reise gemeinsam zu unternehmen.
Als wir in der Nacht, nachdem ich von dem Muskelschwund erfahren hatte, zusammen im Bett lagen, nachdem ich ihm gesagt hatte, er solle sich von mir scheiden lassen, küsste Nick mich auf die Schulter und stupste mit dem großen Zeh von hinten gegen meine Wade, bis ich mich zu ihm herumrollte und ihn ansah. Ich hatte nicht geschlafen, nur zugesehen, wie die Ziffern auf dem Wecker der Morgendämmerung entgegentickten.
»Ich will, dass du weißt, dass das nichts zwischen uns ändert. Unsere Ehe ist noch genau dieselbe wie gestern. Wenn ich dich im Rollstuhl schieben muss, dann besorgen wir dir einen besonders hübschen mit Becherhalter und Platz für einen Käseteller.«
Zum ersten Mal, seit wir verheiratet waren, verstand ich, was es wirklich hieß, Hindernissen mit einem Menschen an meiner Seite entgegenzutreten. Wie es sich anfühlte, sowohl die guten als auch die schlechten Dinge, die das Leben für einen bereithält, miteinander zu teilen. Es war schön, einen Freund in dieser feindlichen Welt zu haben.
Wir würden uns dem stellen. Gemeinsam. Darum geht es eigentlich in dieser Geschichte.
Unterwerfung?
Ich habe mich immer gefragt, was am Verheiratetsein so anders sein soll, als so mit jemandem zusammenzuleben. Ist es die Tatsache, dass es so viel schwieriger ist, sich zu trennen, wenn man verheiratet war? Dass es eine rechtsverbindliche Beziehung ist? Ist die Verbindlichkeit größer? Das Risiko höher? Oder liegt es daran, dass man stets auf jemanden Rücksicht nehmen muss? Dass man sich ständig um dessen Bedürfnisse, Wünsche und Gefühle sorgen soll?
Viele Leute gaben mir ungebeten Ratschläge zum Thema Heiraten, unter anderen meine Gynäkologin Laurie.
»Die Ehe bedeutet eine Menge Arbeit«, sagte sie mit der Hand tief in meinem Becken, die Stimme durch meine Vagina leicht gedämpft. »Aber keiner sagt einem, welche Art von Arbeit. Ich finde das nicht fair. Manchmal denke ich, es wäre leichter, allein zu leben.«
»Wirklich?«, fragte ich, und schob meinen Po weiter an den Rand des Metalltisches. Doch sie war zu sehr mit der Untersuchung meines Gebärmutterhalses beschäftigt, um zu antworten.
Auch Ben Affleck hat mal gesagt, es sei schwierig, eine Ehe zu führen. Erinnern Sie sich? Das war, kurz bevor er mit der Nanny durchbrannte und sich ein Tattoo stechen ließ. So eins, auf das Jugendliche stehen, die an Tankstellen jobben.
Die Verbindung zweier Leben ist diversen Belastungen ausgesetzt – finanziellen Schwierigkeiten, Karriereknicks, Pflege der kranken Eltern, Schwangerschaften, Kindererziehung sowie der Überwindung kleinerer und größerer Krisen.
Mich ängstigte die Vorstellung, dass ich lernen sollte, ununterbrochen mit einem anderen Menschen zusammenzuleben. Ich war über längere Phasen hinweg Single gewesen, weil ich das Alleinsein und die Unabhängigkeit genoss. Dem Klischee nach ist es der Mann, der in Beziehungen »mehr Raum« für sich braucht, doch in meinen Beziehungen war ich das gewesen. Ich liebte es, mich allein in meinem riesengroßen Doppelbett auszustrecken. Ich ging wahnsinnig gerne allein zum Asiaten essen oder in eine Nachmittagsvorstellung. Ich tanzte sogar lieber alleine. Auf Hochzeiten reckte ich die Faust in die Luft und verausgabte mich alleine auf der Tanzfläche, während die anderen gemeinsam mit den Köpfen wippten und die Hüften schwangen.
Lange bevor ich Nick auf einem Boot mitten im Pazifischen Ozean kennenlernte, hatte sich bereits in meinem Kopf festgesetzt, dass man für eine lang anhaltende Beziehung als Paar unbedingt gut zusammen tanzen können sollte. Als ich vor dreizehn Jahren nach New York zog, wohnte ich neben einem chilenischen Ehepaar – die beiden waren um die sechzig Jahre alt und würden bald ihren vierzigsten Hochzeitstag begehen. Auf hohen Absätzen und mit ihrem Terrier auf dem Arm raschelte die Frau in langen Folkloreröcken durch den Hausflur. Ihr Ehemann war kleiner und ruhiger und trug einen interessanten Schnurrbart. Nie habe ich einen der beiden ohne den anderen gesehen. Wenn sie miteinander sprachen, steckten sie die Köpfe zusammen, bis diese sich berührten. Sie hatten keine Kinder. Es gab nur die zwei und eine Reihe zierlicher kleiner Hunde, aber sie waren beide freundlich und kümmerten sich um mich – das Mädchen, das neu in der Stadt war und nie Geld hatte. Häufig luden sie mich auf ein Glas zu sich ein, woraus sich dann ein derart üppiges Essen entwickelte, dass ich anschließend vierundzwanzig Stunden satt war. Das war mir damals sehr willkommen. In jener Zeit ernährte ich mich hauptsächlich von Häppchen, die auf Partys serviert wurden, oder ließ mich bei Verabredungen auf einen Drink einladen. Nachdem ich mich von meinem jämmerlichen Collegefreund getrennt hatte und sogleich nach einem genauso unpassenden Typen verzehrte, fragte ich sie nach dem Geheimnis ihrer langen Ehe.
Da warf die Frau den Kopf in den Nacken und ließ tief aus ihrem üppigen Bauch ein herzhaftes Lachen erklingen.
»Wir tanzen jede Woche zusammen«, antwortete sie. »Schon seit vierzig Jahren. Beim Tanzen werden wir eins. Er versteht mich, und ich verstehe ihn. Alles, was ich über ihn weiß, habe ich beim Tanzen gelernt.«
Viele Jahre später, als ich den Auftrag erhielt, für eine Reportage mit dem Titel »Skifahren im SOMMER? Ab über die Grenze in den Süden!« nach Chile zu reisen, spukte mir der Rat meiner Nachbarin noch immer durch den Kopf. Es war Ende August – vier Wochen vor unserem Hochzeitstermin. Neben der Aussicht, die Abhänge hinunterzusausen, erschien mir Chile als Ausgangspunkt für mein Ehe-Buch äußerst verlockend. Das südamerikanische Land hat weltweit eine der niedrigsten Scheidungsraten. Hauptsächlich deshalb, weil es erst2004, als eines der letzten Länder der westlichen Hemisphäre, die Scheidung überhaupt legalisiert hat. Noch wichtiger war jedoch, dass Nick und ich in Chile lernen konnten, miteinander zu tanzen.
Ein gelungener Tanz erfordert Geduld und Vorausschau –welchen Schritt wird der andere als Nächstes tun? Man muss wortlos miteinander kommunizieren. Diese Fähigkeiten sind auch der Schlüssel zu einer erfolgreichen Ehe. Als ich ein wenig recherchierte, erfuhr ich außerdem, dass Tanzen erwiesenermaßen Glücksgefühle auslöst und das allgemeine Wohlbefinden steigert. Die Schriftstellerin Vicki Baum schrieb einmal: »Es gibt Abkürzungen zum Glück, das Tanzen ist eine von ihnen.« Im Rahmen einer Studie der University of Derby in England erhielten depressive Patienten Salsa-Unterricht. Nachdem sie nur neun Wochen die Hüften geschwungen hatten, ging es ihnen bereits deutlich besser. Die Forscher schrieben diesen Umstand der Endorphin-Ausschüttung zu, die durch die Bewegung ausgelöst wird, zudem steigerte das Erlernen einer neuen Fähigkeit das Selbstbewusstsein der Studienteilnehmer.
Abgesehen davon gibt es diverse wissenschaftliche Untersuchungen darüber, dass Paare, die gut zusammen tanzen, sich einander stärker verbunden fühlen. Ich habe keine Ahnung, ob das alles kompletter Blödsinn ist, aber bei meinen Nachbarn hat es eindeutig funktioniert.
Nach Fußball ist Tanzen die liebste Freizeitbeschäftigung der Chilenen, und die meisten chilenischen Paare führen auf ihrer Hochzeit einen äußerst kunstvollen Tanz vor. Meist handelt es sich dabei um die sogenannte Cueca, einen komplizierten Tanz, bei dem die Liebenden umeinander werben, um ihren Seelenverwandten zu erobern.
»Wir müssen diesen Tanz für unsere Hochzeit lernen«, erklärte ich mit Nachdruck, bevor wir uns auf den Weg nach Chile machten.
»Ich dachte, du wolltest zu Crazy Love von Van Morrison tanzen«, entgegnete Nick. Wir waren gerade dabei, ein letztes Mal unsere Gästeliste zu verschlanken.
»Wir machen beides!«, erwiderte ich. »Den Leuten ist das doch egal. Wir haben eine voll ausgestattete Bar!«
Nick wackelte mit seinen buschigen Augenbrauen, schnippte mit den Fingern und riss einen Arm über den Kopf nach oben.
»Olé!«
Während der Tag unserer Hochzeit näher rückte, entwickelte ich eine Obsession für seltsame Hochzeitsbräuche aus aller Welt. Einen Monat vor dem großen Tag las ich sie Nick auf dem Flug nach Santiago aus meinem Laptop vor.
»In Deutschland kommen die Familien des Brautpaares am Abend vor der Hochzeit zusammen, zerschlagen altes Porzellan auf dem Boden und tanzen auf den Scherben! Und in Schottland bewirft man das Brautpaar mit Abfall und vergammeltem Gemüse – als Symbol dafür, wie hart die Ehe ist. In Korea schenkt der Bräutigam der Mutter der Braut zwei Wildgänse. Und hör dir das an: Die Zoroastrier lassen während der Hochzeitszeremonie viermal ein Ei um den Kopf des Bräutigams kreisen. Dann zerschmettern sie es auf dem Boden, als Zeichen dafür, dass sein Junggesellenleben nun zu Ende ist.«
»Ich bin dabei, Süße«, antwortete Nick und blätterte beiläufig im Bordmagazin. Nick ist der einzige Mensch, den ich kenne, der immer noch das Bordmagazin liest. Er liebt alles, was mit Flugzeugen zu tun hat. Wenn wir in ein Flugzeug steigen, klopft er von außen gegen den Flieger, weil das angeblich Glück bringt, und strahlt dazu wie ein Kind, das zum ersten Mal in seinem Leben Eiscreme isst. »Wir fliegen!«, jubelt er dann.
»Mein Singledasein war sowieso nicht so toll«, fügte er hinzu. Das glaubte ich ihm nicht eine Sekunde. Meine Ex-Freunde hatten mich – in beliebiger Reihenfolge – als die Liebe ihres Lebens, neurotische Zicke, verpasste Chance, das Mädel, das ich derzeit vögele, und als Frau bezeichnet, mit der man gern eine Weile zusammen ist, die man aber nicht heiratet. Nicks Ex-Freundinnen hingegen liebten ihn noch immer und hingen an ihm wie Trauben an einem Weinstock, oder wie chronische Hämorrhoiden. Sie waren nett, sogar reizend, außer dass sie mich ständig daran erinnerten, dass sie Nick schon lange vor mir gekannt hatten, vielleicht sogar besser. Eigentlich hätte ich glücklich sein sollen, jemanden zu heiraten, dem selbst seine Verflossenen noch treu ergeben waren. Jemanden, der großherzig und freundlich war, einen guten Menschen, jemanden, der das Herz am rechten Fleck trug, jemanden, der den Müllhäcksler im Spülbecken mit bloßen Händen reparieren konnte und das auch noch mit Freude tat. Nicht nur, dass Nick den Unterschied zwischen Recyceln und Kompostieren verstand, was ich niemals kapieren würde, und seinen Unterhalt damit verdiente, die Welt zu verbessern. Er war oft auch einfach netter, empathischer, freundlicher und geduldiger als ich. Nie würde er jemanden als Lügner bezeichnen, der einen falschen Blindenhund mit ins Flugzeug nahm, oder einen Taxifahrer anschnauzen, weil er den ganzen Weg zum Flughafen in voller Lautstärke Megadeth hörte.
Und was ich noch nie laut ausgesprochen hatte: Seine Freundlichkeit gab mir oft das Gefühl, dass ich ein besserer Mensch werden sollte. Ich war mit vielen miesen Typen zusammen gewesen, bei denen die moralische Überlegenheit eindeutig auf meiner Seite lag. Ich genoss es, »die Gute« zu sein, die niemanden betrog, die vorausplante und einen Job hatte. Die neue Rollenverteilung brachte mich aus dem Gleichgewicht; wie ein Ei, das versucht, aufrecht zu stehen, würde ich mit Sicherheit umfallen und zerbrechen.
Fürs Erste behielt ich diesen Gedanken für mich und plauderte weiter über exzentrische Hochzeitsrituale. Meine Kindheit in einem turbulenten Zuhause hatte mich gelehrt, über Kummer hinwegzulächeln.
»Toll! Ich sorge dafür, dass wir bei der Trauung Eier dahaben. Aber wir sollten sie nicht auf den Boden schmeißen. Die ganze Sauerei hinterher … Die Flecken auf meinem Kleid.« Und dann fiel mir noch ein: »Wir müssen noch überlegen, wo du Gänse herbekommst.«
Lang und schmal wie eine Bohnenstange erstreckt sich Chile über eine Entfernung, die der Küstenlänge zwischen Alaska und Mexiko entspricht. Um von San Francisco nach Santiago zu kommen, flogen wir einen ganzen Tag lang, mit einem kurzen Boxenstopp in Dallas, wo wir etwas aßen. Irgendwo über Mexiko fingen Nick und ich an, Händchen zu halten. Das machen wir oft, was für mich etwas ganz Neues ist. Auf dem Flug nach Südamerika brachten mich Turbulenzen dazu, seine Hand fester als üblich zu umklammern, sodass ich unter den Fingerspitzen seine Knochen spürte. Er versicherte mir, dass es aufgrund der Flughöhe, des Wetters und der Topografie der Region unwahrscheinlich sei, dass die Turbulenzen länger andauerten. Er prüft immer die Flugroute, um sich über diese Dinge zu informieren und um herauszufinden, auf welcher Seite des Flugzeugs wir den besten Ausblick haben. Vor dem Check-in ändert er immer wieder unsere Sitzplatzreservierung, um sicherzugehen, dass wir eine optimale Aussicht und eine Sitzplatzreihe nur für uns haben.
Egal an welchem Ort in der Stratosphäre wir uns gerade befinden, ich kann immer hinauszeigen und fragen: »Wo sind wir gerade?«, und Nick weiß es. Das macht mich so dermaßen an, dass ich ihn auf jedem Flug mindestens ein Dutzend Mal frage.
»Wenn wir beim Landeanflug auf der linken Seite des Fliegers sitzen, können wir Aconcagua sehen«, erklärte Nick mir auf dem Flug nach Chile. Ich nickte, um ihn zu ermuntern, mir mehr darüber zu erzählen. »Mit gut siebentausend Metern ist das der höchste Gipfel der südlichen Hemisphäre.«
Wir landeten in Chile weniger als einen Monat vor unserem Hochzeitstag, ohne unser persönliches Ehegelübde fertig zu haben und ohne zu wissen, wie man zusammen tanzt.
Und als Erstes mussten wir Ski fahren.
Nach der Landung in Santiago war unser erstes Ziel der Skiort Portillo, der auf knapp dreitausend Metern Höhe in den Anden liegt. Die Straße, die sich die Berge nach Portillo hinaufschlängelt, wartet mit zweiunddreißig Serpentinen und einer gefährlichen Klippe auf. Die Einheimischen nennen sie El Caracol, die Schnecke, sowohl wegen der Kurven als auch wegen des langsamen Tempos, in dem man sie mit dem Auto hinaufkriechen muss, um heil oben anzukommen.
Skifahren in Portillo gehört zweifellos zum Besten, was die Welt für Skifahrer zu bieten hat, doch abgesehen vom nationalen Skiteam haben die meisten Amerikaner noch nie von diesem Ort gehört. Inmitten von gewaltigen Felsgipfeln findet man hier ein kleines Stück vom Paradies. Der Ort liegt so hoch, dass einem schon beim Treppensteigen die Puste ausgeht.
Zwei Tage vor unserer Ankunft hatte es kräftig geschneit, und auf den Bergen lagen gut zwei Meter Neuschnee – ein Geschenk der Götter oder von El Niño. Den ganzen Tag glitten wir die steilen Hänge hinunter. Gemeinsam eroberten wir einen der kompliziertesten Skilifte der Welt, den Va et Vient (französisch für »kommen und gehen«), eine verrückte Erfindung, die vier bis fünf Personen in einem Sammelsitz den Berg hinaufzieht, um sie dann oben auf schwarze und tiefschwarze Pisten zu schleudern. Manche bezeichnen ihn als »Schleuder ins Paradies«, andere verfluchen ihn.
Als wir den höchsten Punkt des Va et Vient erreichten, lehnte ich es ab, beim Aussteigen Nicks Hand zu nehmen. Diesen Teufelslift würde ich alleine bezwingen! Prompt fiel ich mit dem Gesicht nach unten in einen Haufen Pulverschnee, rutschte ein paar Meter kopfüber den Berg hinunter und war überzeugt, die gesamte Strecke bis in die Laguna del Inca hinabzustürzen. Kaum hatte ich den Kopf aus dem Schnee und versuchte, die Herrschaft über meine Skier sowie meine Würde zurückzuerlangen, erzählte mir der Skilehrer eine Geschichte über das kristallblaue Wasser des Sees. Die Einheimischen meinen, in Vollmondnächten merkwürdige Schreie aus dem Wasser zu hören. Der Legende nach stürzte die Inka-Prinzessin Kora-Illé während eines königlichen Festessens in den Bergen die Klippen hinunter. Ihr Seelenverwandter, der Krieger Illi Yunqui, war zutiefst erschüttert und glaubte, keine Grabstätte im ganzen Erdreich sei mit dem See vergleichbar. In weißes Leinen gehüllt, versenkte man sie daraufhin in den Tiefen des Sees. Und ab diesem Augenblick nahm das Wasser die Farbe von Kora-Illés Augen an, und Illi Yunqui blieb dort, um für alle Ewigkeit um seine Geliebte zu trauern.
»Ich will nicht in diesem See sterben«, sagte ich zu Nick, der auf Skiern heranfuhr, um mir aufzuhelfen. »Das entspricht nicht meiner Vorstellung von Romantik.«
Nick schüttelte den Kopf. »Tja, dann solltest du dir wohl das nächste Mal von mir aus dem Lift helfen lassen.«
Lass dir von ihm helfen, ertönte eine Stimme in meinem Kopf. Vergiss es, du brauchst keine Hilfe. Du bist eine knallharte, unabhängige Frau, sagte eine andere. Letztere gehörte der langjährigen Single-Frau, die einst einen potenziellen Räuber in die Flucht geschlagen hatte, indem sie eine Haarbürste wie eine Waffe geschwungen hatte. Ich wusste nicht, wie ich mich verhalten sollte, wenn ich nicht mehr die war, die auf sich selbst aufpassen konnte. Ich lernte gerade erst, einen anderen Menschen in alle Bereiche meines Lebens einzubeziehen, begriff erst allmählich, was es hieß, nicht einfach vier Tage lang jeden Abend thailändisch essen oder einen ganzen Samstag lang Spielfilme mit Hugh Grant gucken zu können.
Vielleicht pochte ich auf meine Unabhängigkeit, um mich der Vorstellung zu widersetzen, dass ich die Hilfe meines Fast-Ehemannes eigentlich bei allem brauchte. Vielleicht war es der verzweifelte Versuch, mir zu versichern, dass ich nicht zwangsläufig abhängig von jemandem wurde, wenn ich heiratete. Vielleicht war ich auch einfach nur ein arrogantes Miststück. Jedenfalls landete ich noch sechs Mal beim Aussteigen aus diesem Lift mit dem Gesicht im Schnee, bevor ich mich bei einem heißen Grog in der Berghütte erholte.
In der Bar des Hotels wurden wir kurzfristig darüber informiert, dass an jenem Abend im Sportbereich des Hotels eine Salsa-Stunde stattfand. Als wir im Basketballraum eintrafen, fühlte ich mich augenblicklich an Dirty Dancing erinnert – man musste lediglich Johnny und Penny gegen zwei bemerkenswert attraktive Chilenen austauschen. Die weibliche Trainerin erinnerte an Shakira, allerdings mit einem Vidal-Sassoon-Bob. Ihr weißer Spitzen-BH blitzte unter einem engen pinkfarbenen Tanktop hervor, das kaum das Wackeln ihrer üppigen Brüste verbarg, während sie über den glatten Holzboden glitt. Ihr Partner war ein chilenischer Jason Statham, kahlköpfig, stoisch und heiß.
»Hola! Bailamos!«, grüßte Nick die beiden Trainer. Sein Spanisch ist ziemlich gut, und seitdem wir in San Francisco ins Flugzeug gestiegen waren, hatte er leise spanische Worte vor sich hin gesprochen und geübt, was er demnächst sagen würde. »Du wirkst ein bisschen schizophren«, warnte ich, genoss es jedoch, ihn dabei zu beobachten.
Die ganze Zeit über, die wir in Chile verbrachten, erhielt Nick Komplimente für seine Aussprache, was umso eindrucksvoller war, als Nick mit seinem blonden Haar, den blauen Augen und den breiten Schultern wie das Klischee eines Nordamerikaners aussieht. Als er mich den Leuten als Novia vorstellte, was auf Spanisch Verlobte bedeutet, fragten uns alle nach unseren Hochzeitsplänen. Wann sollte die Hochzeit stattfinden? Wie viele Leute luden wir ein? Was würde es zu essen geben? Wollten wir einen Hochzeitstanz aufführen? (»Um den zu lernen, sind wir hier«, sagte ich, womit ich diesen völlig Fremden ein anerkennendes Nicken entlockte.)
Während sein Spanisch tatsächlich fantastisch ist, meint Nick nur, ein wunderbarer Tänzer zu sein. Einer seiner Freunde erzählte mir, dass Nick auf seinen früheren Reisen nach Mexiko und Südamerika sowie bei Salsa-Nächten in den Bars der Mission Street in San Francisco stets mit allen Latino-Mädchen zu tanzen versucht habe. Meist brachte er die Mädchen dabei vollkommen durcheinander.
»Er veranstaltet eigenartige Dinge mit seinen Hüften«, berichtete mir sein Freund Jeff. »Und mit den Armen. Sie bewegen sich in merkwürdige Richtungen. Einmal hat er versehentlich einem armen Mädchen einen Schlag auf die Nase versetzt. Ich glaube, sie war sogar gebrochen.«
Ich hatte meine eigenen Probleme mit dem Tanzen, weil ich zwei linke Füße besitze und mich nicht entspannen konnte. »Ich muss lernen, nicht zu führen«, flüsterte ich Nick zu, bevor die Tanzstunde begann. Noch nie hatte ich es geschafft, zu tanzen und einem Mann dabei die Führung zu überlassen.
»Du darfst es einfach nicht tun. Es ist verboten«, entgegnete er mit einem aufreizenden Grinsen. Nick ist feministischer als ich. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie er ein paar zerlesene Ausgaben meiner Judy-Blume-Bücher aus einem Karton hervorzog, den ich von zu Hause mitgebracht hatte.
»Die habe ich auch gelesen«, sagte er und blätterte durch eine Ausgabe von Blubber.
»Nein, hast du nicht«, widersprach ich automatisch, nahm ihm das Buch weg und legte es zurück in den Karton.
»Ich habe alle Bücher von Judy Blume gelesen«, insistierte er. »Die waren nicht alle nur für Mädchen. Ich habe aber auch die für Mädchen gelesen. Bist du da, Gott? Ich bin’s, Margaret war ein wenig verwirrend, und ich weiß noch, dass ich ein bisschen traurig war, weil ich mit niemandem darüber sprechen konnte.« Das Bild von meinem Verlobten als kleinem flachsblondem Jungen, der las, wie es ist, als Mädchen zum ersten Mal seine Periode zu bekommen, ließ mich dahinschmelzen wie ein Marshmallow überm Lagerfeuer.
Aber in Chile erklärte er mir, er werde das Kommando übernehmen. Und das gefiel mir nicht. »Hör auf. Du musst mich führen lassen.« Leichter gesagt als getan.
Salsa-Schritte sehen ganz einfach aus, bis man versucht, sie selbst auszuführen. Man macht einen Schritt zurück. Einen Schritt vor. Man tippt mit dem einen Fuß auf. Dann mit dem anderen. Wenn man gut ist, wedelt man dazu auf erotische Art mit den Armen und schwingt die Hüften wie beim Hula-Hoop, nur ohne Reifen.
»Uno, dos, tres«, rief unsere Lehrerin und schüttelte die Brüste wie ein Mixer. »Cuatro, cinco, seis … Todo bien?« Wir sollten den Daumen heben, wenn wir es verstanden hatten. Ich hob den Daumen, obwohl ich nicht aufgepasst hatte.
Als die heißblütigen Lehrer die Schritte zählten, stolperte ich und murmelte »Gottverdammter Mist« anstatt »Eins, zwei, drei, vier, fünf«. Ich beobachtete die beiden Tanzlehrer, die sich vollkommen synchron bewegten, und musste an Schwäne denken – diese eleganten, wunderschönen Vögel, die sich fürs ganze Leben verpaaren. Wenn sie über das Wasser gleiten, wirken sie ruhig und beherrscht, unter Wasser vollführen sie jedoch, in perfektem Einklang mit ihren Partnern, kreisförmige Bewegungen mit den Füßen. Wissenschaftler glauben, dass diese synchronen Bewegungen potenziellen romantischen Eindringlingen signalisieren, sie sollten sich verziehen. Vielleicht trifft das auch auf Menschen zu. Laut Doktor William Michael Brown, Psychologe und Tanzforscher an der Queen Mary University of London und der University of East London, signalisieren Paare, die gut miteinander tanzen, dass sie einander eng verbunden sind. Ich wollte, dass Nicks und meine Bewegungen unsere Verbundenheit demonstrierten, nur für den Fall, dass Nick mit der Nanny durchbrennen und sich ein Arschgeweih tätowieren lassen wollte.
Nick und ich sahen einander in die Augen und begannen, gemeinsam zu zählen, doch irgendwie trat ich ihm jedes Mal, wenn wir zu cuatro kamen, auf den Fuß. War ich mit dem linken oder mit dem rechten Fuß gestartet? Ich wusste es nicht. Von der Höhenlage und der Anstrengung ging mir die Puste aus. »Das ist echt kompliziert«, schmollte ich. Schweiß rann mir den Rücken hinunter. »Noch komplizierter als dieser Sessellift!«
Nick schwang weiter die Hüften. »Das ist nicht kompliziert. Das beherrschen schon Sechsjährige. Latinos machen das jeden Tag. Darum sind sie so gut in Form.«
Bei fünf sollten wir uns drehen.
»Gire, gire, gire!«, schrie Shakira.
»Oooooh, ein neues spanisches Wort. Das kannte ich noch gar nicht«, sagte Nick. »Es heißt umdrehen.«
Unsere Drehungen waren zeitlich schlecht aufeinander abgestimmt. Ich trat Nick auf den Fuß. Er drehte mich zu schnell, und ich stolperte. Mir war schwindelig.
»Wir sind schrecklich schlecht«, jammerte ich.
»Ich bin gut«, sagte Nick.
Shakira war nicht zufrieden. Ihre Brüste schoben sich zwischen uns, und sie begann, mit Nick zu tanzen. Ab dem Moment, in dem er nicht mehr mit mir tanzte, wurden seine Bewegungen besser.
Verärgert suchte ich die Toilette auf. Shakira wartete vor der Tür auf mich.
»Darf ich dir ein Geheimnis verraten?«, flüsterte sie, als wären wir zwei Frauen aus einer Tampon-Werbung. Ich nickte. »Lass den Mann führen. Lass ihn denken, dass er das Sagen hat. Wenn du diejenige bist, die es zulässt, bist du trotzdem diejenige, die die Kontrolle hat.« Das hörte ich im Laufe der Woche immer wieder von chilenischen Frauen, egal ob wir über das Tanzen oder den Alltag sprachen. Chilenische Männer mögen überaus machohaft wirken, und das lange Zeit herrschende Patriarchat mag immer noch den Alltag prägen, aber im Grunde haben die Frauen die Hosen an. Unablässig erklärten sie mir, das empfindliche Ego des Mannes brauche das Gefühl, die Kontrolle zu haben. Manchmal müsse die Frau ihren Ehemann glauben lassen, er habe das Heft in der Hand, obwohl sie auf subtile Weise das Verhalten und die Entscheidungen ihres Mannes beeinflusse. Ich reagierte unwillkürlich skeptisch. War ich nicht Feministin? Glaubte ich nicht, dass jede Form der Unterwerfung den Frauen die Macht nahm und sie den Männern überließ?
Für mich hörte sich das so an, als redeten sich die Frauen nur ein, die Kontrolle zu haben, obwohl das in Wahrheit gar nicht stimmte – eine Lüge, durch die sie die Dominanz der Männer ertrugen. Dennoch versicherten mir die Frauen in Südamerika immer wieder, dass es kein Zeichen von Schwäche sei, das Ego eines Mannes zu stärken. Sie waren scharfsinnige Anthropologinnen männlichen Verhaltens und hatten bereits vor langer Zeit gelernt, mit den Zwängen einer traditionell patriarchalischen Gesellschaft umzugehen. Sie entschieden sich für ein bestimmtes Verhalten, um in einem System, das ihnen wenig Chancen bot, ihr Selbstwertgefühl zu erhalten. Und vielleicht ist »Unterwerfung« hier das falsche Wort. Es geht eher darum, zwischen den Zeilen zu lesen und, unabhängig vom Geschlecht, um den Umgang mit Egos. Dafür gibt es kein passendes Wort. Um Kontrolle … und um Vertrauen. Indem sie einfühlsam mit dem Ego der Männer umgingen, konnten die Frauen, denen ich in Chile begegnete, am Ende die Kontrolle über wichtige Entscheidungen in der Familie behalten – über die Finanzen und über ihre persönliche Freiheit. Obwohl Chile in Sachen Gleichberechtigung der Geschlechter noch einen langen Weg vor sich hat, gibt es dort starke weibliche Vorbilder, und es ist eines der wenigen Länder, das eine Frau zum Präsidenten gewählt hat.
Das heißt nicht, dass sich die Zeiten dort nicht auch schon geändert haben. Frauen heiraten heute in der Regel erst mit über dreißig (auch wenn sie bis zu ihrer Hochzeit oft noch zu Hause wohnen). Frauen meines Alters sind kritischer bei der Wahl ihres Ehemannes geworden, und wenn sie heiraten, tun sie es, anders als ihre Mütter, meist aus Liebe und nicht, um abgesichert und beschützt zu sein. Oft arbeiten sie außer Haus und sorgen nicht selten für den Unterhalt ihrer Familien.
In den Vereinigten Staaten reden wir nicht darüber, das Ego des Mannes zu pflegen oder ihm das Gefühl zu geben, er habe in einer Beziehung das Sagen – Unterwerfung ist verpönt. Im Internet erschienen massenhaft wütende Kommentare, als der amerikanische Volleyball-Superstar Gabby Reece ein Buch über ihre siebzehn Jahre andauernde Ehe mit dem Profi-Surfer Laird Hamilton herausbrachte (den sie als Alphatier beschreibt). Darin erklärte sie, sich in einer Beziehung zu unterwerfen, sei eher ein Zeichen von Stärke als von Schwäche. Wobei sie betonte, sich unterwürfig zu verhalten, sei nicht das Gleiche, wie unterwürfig zu sein. »Frauen besitzen die Fähigkeit, den Ton anzugeben … Die größte Stärke besteht darin, ein Heim zu schaffen. Ich glaube nicht, dass es ein Zeichen von Schwäche ist. Ich glaube, es ist ein Zeichen von Stärke«, meinte Reed.
Als das Buch erschien, warf man ihr vor, die Frauenbewegung um fünfzig Jahre zurückzuwerfen. Ich habe diese Vorwürfe in den Medien und auf Twitter verfolgt und wusste nicht, was ich davon halten sollte. Reece ist eine starke Frau. Ehefrau und Mutter zu sein, diejenige, die für das Überleben und das Glück anderer Menschen verantwortlich ist, war ihr nicht von Natur aus gegeben. Kurz vor meiner Hochzeit empfand ich jetzt ähnlich. Für Reece funktionierte ihre Ehe mit einem Alphatier deshalb, weil sie sich in mancherlei Hinsicht unterwarf, sich ein bisschen weicher gab, ein bisschen nachgiebiger war. Das Buch erschien zwei Jahre, bevor ich mit Nick an diesen Punkt kam, doch damals wurde mir zum ersten Mal bewusst, dass wir uns in einer langjährigen Ehe oder Beziehung alle anpassen und Zugeständnisse machen müssen. Damals war ich mit einem netten Mann zusammen, einem wirklich netten. Sie kennen diese Typen, so einer, der fast zu nett ist. Weil ich es konnte, weil es so leicht war und weil ich lauter und angriffslustiger war als er, hatte ich in der Beziehung die Hosen an. Wenn wir zum Essen ausgingen, reservierte ich den Tisch, ich plante unsere Reisen. Ich kommandierte ihn herum. Ich war kritisch und ein bisschen gemein. Als er zunahm und Männerbrüste bekam, machte ich mich über ihn lustig, und ich bezahlte Dinge, nur um das Gefühl der Kontrolle zu behalten. Rückblickend weiß ich, dass unsere Beziehung unter anderem deshalb schal wurde, weil ich ihn nichts von den Dingen tun ließ, die Männer meinen, tun zu müssen. Es war ein Zeichen dafür, dass ich keinen Respekt vor ihm hatte. Ich nahm ihm den letzten Rest Männlichkeit, und mit meinem Kontrollzwang hätte ich jeden vertrieben – ob Mann oder Frau. Schließlich fand ich heraus, dass er eine Internet-Affäre mit einer Frau pflegte, die er in einem Chatroom kennengelernt hatte (ihr Deckname war FuzzyBunnyBaby). Sie stärkte sein Ego in einer Weise, wie ich es nicht konnte.
Seit ich Nick begegnet war, hatte ich viel über diese gescheiterte Beziehung nachgedacht.
Bevor Nick und ich uns nach Chile aufmachten, führten wir Lady Piazza im Golden Gate Park spazieren. Nick sorgte sich um sein Business, darum, ob sein Unternehmen erfolgreich sein und wachsen würde.
»Ich will für dich sorgen«, erklärte er, und ich schwöre, dass seine Brust dabei etwas breiter wurde.
