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Irland 1649, Cromwell bringt Krieg über das Land. Verwüstung und Tod, Hoffnungslosigkeit und Elend lassen die Menschen verzweifeln. Janet, eine junge, moderne Frau des 21. Jahrhunderts, durch ein mystisches Ereignis in diese Zeit des Schreckens katapultiert, muss sich behaupten. Nur mit Sir Daniels Hilfe gelingt es ihr den Intrigen und Verstrickungen zu entkommen. Wird ihr sehnlichster Wunsch, in ihre Zeit zurückzukehren, erfüllt oder hält sie die Liebe eines Mannes aus der Vergangenheit gefangen? Sind die wunderbaren braunen Augen, in denen sich Janet so hoffnungslos verlieren kann, Grund genug zu bleiben? Doch ihre aufkeimende Zuneigung wird nicht nur durch einen Nebenbuhler, der sie mit Dreistigkeit und Charme umschmeichelt, auf eine harte Probe gestellt. -Zeitreise, Historien- und Liebesroman in einer eindrucksvollen Synthese. Packend erzählt, emotional aber nicht schwülstig.- Robert Schneider -Ganz im Stil von Diana Gabaldon, gelingt es der Autorin ihre Figuren zum Leben zu erwecken und den Leser mitzunehmen durch Zeit und Gefühle.- Susanne Illing
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Veröffentlichungsjahr: 2020
für meine Eltern
Havre, Montana (USA), Januar 2012
Reise in die Vergangenheit
Die Flucht
ClareCastel
Das Verhör
Die Rückkehr
Ardlui Cathair
Breffni Gort na mBláth
Rückkehr nach Tara
Das Leben geht weiter
Vermählung
Hochzeit
Kilkee
Die Versuchung
Asche zu Asche, Staub zu Staub
Sie fühlt sich leer. Reglos steht sie da und versucht ihre Gedanken zu finden. Gefühllos nimmt sie die Mitleidsbekundungen der gesichtslosen Trauergäste entgegen. Sie möchte allein sein, allein mit ihrem Schmerz, den sie nicht empfinden kann.
„Janet!“ Der Ruf ihres Namens dringt an ihr Ohr, erreicht sie aber nicht.
„Janet!“ Eine warme Hand legt sich auf ihren kalten Arm.
Erst jetzt merkt sie die Kälte, die mit einem Zittern durch ihren Körper fährt.
„Lass uns nach Hause fahren.“ Sie blickt in sein warmes Gesicht. Wortlos, mit einem zaghaften Lächeln dankt sie ihm, als er ihr seinen Mantel um die Schultern hängt. Erst jetzt fällt ihr auf, dass sie mittlerweile ganz alleine sind.
„Warum, George?“, kommt es brüchig über ihre Lippen.
„Lass uns gehen“, sagt ihr Bruder sanft und nimmt sie in den Arm.
›Ruhe in Frieden mein Geliebter, der du mich so oft verführt hast. Wie viele Abenteuer haben wir durchlebt, von einem Ereignis zum nächsten? Wie viele Nächte haben wir, weit weg von allem in der Welt, nur mit uns verbracht? Was bleibt, ist die Sehnsucht nach dir.
Nur der Stein wird den Fremden von dir erzählen: Brian O’Neill, 17.05.1983 – 15.01.2012. Du wirst immer ein Teil von meinem Herz sein. Geliebter! Ruhe in Frieden, auch wenn ich keinen Frieden finden kann.‹
George zieht ein Taschentuch aus der Jacke und reicht es ihr. Die Tränen quellen aus ihr heraus. Die Leere ist von ihr gewichen und macht den Weg frei für die Trauer, das Gefühl des Verlustes, macht zu deutlich, dass sie lebt, leben muss ohne ihn.
George führt sie fort von diesem Ort, der nur noch die bedeutungslos gewordenen Hülle ihres Ehemannes birgt.
Irland, Februar 2012
Der Flug war nach Dublin gebucht, und sie fragte sich ständig, ob es die richtige Entscheidung war, jetzt mitten im Winter nach Irland zu reisen, aber sie brauchte Abstand, wollte einen Neuanfang machen.
„Das Leben geht weiter. Es wird noch einige Zeit brauchen, bis du drüber hinweg bist.“
Nein, was hatte sie sich nicht alles für gut gemeinte und dennoch platte Ratschläge anhören müssen. Es war aber auch für sie nicht einfach ihren Freunden wortlos zu begegnen. Die Stille nach ihren Mitleidsbekundungen, war für sie unerträglich. Keiner wagte etwas zu sagen. Ein normales, ungezwungenes Gespräch zu führen, war nicht möglich. Wollten Sie nichts Falsches sagen?
Ihre Gedanken kreisten immer um die letzten Monate mit Brian. Jede Stunde, jede Minute eines langen Tages fehlte er ihr.
Auf der Arbeit hatte sie wegen ihrer Unkonzentriertheit den Abschluss des Forschungsprojektes vermasselt. Drei Monate Arbeit waren für die Katz. Wahrscheinlich war jetzt die Konkurrenz doch eher mit dem Medikament auf dem Markt.
Nein, es war gut, dass sie jetzt erst mal zu sich selbst finden wollte.
„Soll ich dich nicht begleiten?“, hatte ihr George angeboten. „Ostern kann ich zwei Wochen frei machen.“ „Lieb von dir, aber ich muss jetzt fahren. Ich kann so lange nicht mehr warten.“
Noch zwei Stunden, dann würde der Flieger landen.
Janet fuhr mit dem Mietwagen direkt nach Dunshagil nordwestlich über die N3. Dublin ließ sie ungesehen hinter sich. Erstaunlicherweise regnete es nicht, obwohl sie fest damit gerechnet hatte.
Es regnet nicht immer, aber es regnet oft auf der grünen Insel. Sie schmunzelte über die Einleitung in ihrem Reiseführer.
In Dunshagil, kaum eine Stunde Fahrtzeit vom Flughafen, hatte sich seit ihrem letzten Besuch nicht viel verändert. Das kleine Städtchen wirkte im Winter noch beschaulicher. Das Grün der Weiden war verblasst, das Vieh stand in den Ställen, die unbestellten Äcker und die Straßen waren trotz des sonnigen Wetters menschenleer. In vier Monaten würden die Touristenmassen wieder Busweise im Ort ausgekippt werden.
Die Herzlichkeit, mit der Janet von Mrs. MacGabbah aufgenommen wurde, durchströmte sie mit einer Wärme, der sie sich nicht entziehen wollte. Ihr Gepäck wurde rasch aufs Zimmer gebracht und bei einer gemeinsamen Tasse Earl Grey plauderten sie über die vergangenen Tage, über die Reise, als wenn sie sich bereits ein Leben lang gekannt hätten. Auch ihre Gastgeberin bekundete ihr aufrichtiges Beileid, aber es war anders als bisher. Durch die enge, spürbare Verbindung kam sie sich nicht bedrängt oder bloßgestellt vor, keine unerträgliche Stille, keine Verlegenheit. Janet lauschte dem knisternden Kamin, der eine mollige Wärme ausstrahlte, und fühlte sich verstanden, ohne Mrs. MacGabbah eine Antwort schuldig zu sein.
„Wissen sie, Mrs. O’Neill, es war eine gute Entscheidung nach Irland zu kommen. Sie können nochmal die Orte aufsuchen, an denen sie die herrliche Zeit mit Brian verbracht haben, all die Gefühle und Erlebnisse nacherleben, um ihn immer im Herzen zu behalten.“
Janet betrachtete versunken den goldbraunen Tee und hatte Angst, dass der Schmerz und ihre Leere noch größer würden.
„An einem Grab kann man nicht Abschied nehmen“, fuhr Mrs. MacGabbah fort. „Dort möchte man den Mann seiner Liebe nicht wiedersehen. Aber hier, an all diesen Orten, werden sie sich gerne erinnern. Diese Bilder sind lebendig, und sie können sich verabschieden und alleine nach Hause zurückfahren. Und sie wissen, dass er daheim ist, in Irland. Wenn sie ihn brauchen, dann treffen sie ihn hier, in dem von ihm so geliebten Irland.“
Janet blickte auf und sah ihn in der Wohnstube neben dem Kamin sitzen, wie er ihnen von der Geschichte Taras erzählt hatte und seinen Whiskey trank. Es war ein beruhigendes Gefühl, nicht die Enge, die sie in Havre empfunden hatte, sobald sie an ihn dachte.
„Noch Tee?“
Sie nickte und Mrs. MacGabbah schenkte nach. Janet und Brian hatten damals ihr Quartier in diesem kleinen Örtchen genommen, da sie nicht im Trubel von Dublin absteigen wollten, und sie waren geblieben, um von hier Ausflüge in die Umgebung zu starten. Es gefiel ihnen, nach einen Tag voller Zweisamkeit jemanden zu haben, mit dem sie ihre Freude teilen konnten. Janet betrachtete Mrs. MacGabbah, die ihr mit ihrem Lächeln das Gefühl der Geborgenheit gab. Sie hatte die Fähigkeit, trotz ihrer Nähe niemals aufdringlich zu sein. „Wozu hat Gott uns all diese Zeit gegeben, wenn wir sie nicht nutzen“, hatte sie ihnen einmal gesagt. „Leben sie jeden Augenblick!“
Das Brikett im Kamin brach auseinander, und die Glut stob auf. „Früher“, hatte Brian einmal gesagt, „wurde hier mit Torf geheizt. Das hat tüchtig gequalmt.“
Mrs. MacGabbah holte Janet aus ihren Erinnerung: „Wo wollen sie als erstes hinfahren? Zum Kloster Mellifant Abbey, zum Malabride Castle oder zum Russborough House in Blessingtones?“
„Ich weiß noch nicht, es waren so viele Stationen, so viele Augenblicke“, antwortete sie unentschlossen. Flackernde Feuerzungen tanzten über die verbliebenden Briketts und schufen immer wieder neue bizarre Flammenmuster.
„Ich fahre nach Tara“, entschied sie in diesem Moment.
„Es war ihre letzte Station vor der Heimreise.“
„Ja, und es soll meine erste Station meiner Abschiedsreise von Brian sein.“
›Habe ich alles?‹, überlegte Janet. Mrs. MacGabbahs Lunch-packet, das Regencape und die Erste-Hilfe-Box für kleine Notfälle hatte sie ganz unten in den Rucksack verstaut, obwohl sie mit der Erste-Hilfe-Box nach Brians Ansicht auch größere Zwischenfälle hätte versorgen können. „Willst du nicht vielleicht noch ein OP-Besteck mitnehmen?“, hatte er sie damals aufgezogen. Als er aber barfuß in eine Wespe getreten war, konnte er sich daran nicht mehr erinnern.
Fernglas, Kompass und Wanderkarte kamen in die Vordertasche.
„Oh, wollen sie etwa eine ganze Woche durch Irland marschieren oder sollte es nicht ein Tagesausflug werden?“, bemerkte ihre Gastgeberin amüsiert.
„Nun ja, ich kann nicht aus meiner Haut. Bei den Touren in den Rocky Mountains bin ich es halt gewohnt, alles mitzuschleppen. Es fällt mir schwer, irgendetwas daheim zu lassen“, antwortete Janet resigniert, wohl wissend, dass man ihr die Touristin bereits auf eine Meile Entfernung ansehen musste.
„Tja, sie werden bei ihrer Ausrüstung auf jeden Fall nicht frieren müssen, und das ist doch das Wichtigste, oder nicht?“, bemerkte sie lächelnd. Dabei hüpften ihre Fältchen um Augen und Mund lustig auf und ab. „Aber sagen sie meine Liebe, soll Teddy sie nicht doch lieber begleiten? So ganz allein nach Tara. Jetzt im Winter sind keine Touristen dort und es ist doch etwas abgelegen.“ Es war so rührend, wie sie sich um Janet sorgte.
„Vielen Dank Mrs. MacGabbah, aber ich glaube nicht, dass ich mich dort verlaufen kann. Die Pfade sind so breitgetrampelt, als wenn dort eine Bisonherde hergelaufen wäre“, entgegnete Janet zu ihrer Beruhigung. „Und zur Not habe ich ja meinen Kompass“, fügte sie scherzend an.
„Ja“, seufzte Mrs. MacGabbah leicht auf. „Aber lassen sie sich nicht stehlen und seien sie bis zur Dunkelheit zurück. Nicht, dass ich meine, es wäre gefährlich. Dann würde ich sie erst gar nicht gehen lassen. Aber man muss es ja nicht heraufbeschwören.“
„Natürlich, zum Nachmittagstee bin ich wieder zurück. Oder glauben sie, dass ich mir ihren Kuchen entgehen lassen möchte? Er duftet bereits so lecker. Sollte es doch etwas später werden, rufe ich sie an. Das Handy habe ich ja dabei.“
Als Janet den Wagen auf dem großen Besucherparkplatz unterhalb von Tara abstellte, war es später Vormittag. Ein heller und für Februar milder Tag erwartete sie. Die Sonne leuchtete immer wieder zwischen den Wolken durch, und es sah nicht nach Regen aus, doch man wusste nie. Irland unterscheidet sich hierin kaum von den Rocky Mountains. Das Wetter ist immer für eine Überraschung gut. Sie schulterte ihren Rucksack und beim Blick in den Außenspiegel musste sie lachen. ›Wo ist der nächste Dreitausender?‹ Mit ihrer roten Treckinghose, den Bergstiefeln und der grünen Outdoor-Winterjacke passte sie wohl besser ins Hochgebirge als in eine irische Hügellandschaft. ›Nun denn, marsch, marsch!‹ Vorbei an der Dokumententafel am Ende des Parkplatzes, die den ortsunkundigen Touristen über die glanzvolle Geschichte von Tara vor über 4000 Jahren aufklärte, ging sie auf dem Trampelpfad den Hang hinauf.
Tara, das damalige kulturelle und politische Zentrum Irlands. Hier oben war vom damaligen Glanz nichts mehr zu sehen. Aber man konnte es spüren, wenn man die Stadt vor seinem geistigen Auge wieder zum Leben erweckte. Einige Hügelgräber mit überwachsenen ringförmigen Erdwällen setzten Akzente auf der baumlosen Hügelkuppe. Hier oben hatte ihr Brian die Geschichte Taras erzählt: „Alle drei Jahre trafen sich die Könige Irlands mit ihrem Gefolge“, hörte sie seine Stimme, „um ihren Hochkönig zu wählen. Die lange Erhebung in nördlicher Richtung verbarg die riesige Banketthalle von gewaltigen Ausmaßen. 200m lang und 30m breit soll sie gewesen sein. Dichter und Barden, Kämpfer und Zauberer, Händler und Gaukler verliehen dem Fest seinen Glanz, dem Feis, wie es damals genannt wurde.
Hier oben an diesem Stein wurde die rituelle Wahl des Hochkönigs getroffen. Der Lia Fail, der Schicksalsstein, soll gesummt haben, wenn sich der rechtmäßige Hochkönig darauf nieder ließ.“ ›Bequem scheint er nicht gerade zu sein, aber was tut man nicht alles für Amt und Würde. Das hatte sich auch nach all den Jahrtausenden nicht geändert, ‹ resümierte sie in Gedanken spöttisch.
Brian und Janet hatten sich von seinen Erzählungen und Vorstellungen des damaligen Lebens treiben lassen und in eine stille Ecke von überwachsenen alten Mauern zurückgezogen. Abseits vom Strom der Touristen, die ein Bild von sich und dem Lia Fail schossen und anschließend zumeist enttäuscht den Hang wieder hinunter stapften. Sie hatten sich ihren eigenen Gefühlen füreinander hingegeben. Sie liebten sich dort, hinter dem Wall und der Gedanke, etwas Verbotenes oder zumindest Ungehöriges zu tun und ertappt zu werden, erweckte ein neues prickelndes Gefühl in Janet.
Der Lia Fail ragte jetzt steil vor Janet empor. Die Sonne erhellte den massiven Fels. In der Menschenleere kam er ihr viel größer und imposanter vor als damals. Sie öffnete die Jacke und zog unter dem dicken Schafwollpulli ihre Halskette hervor. Den Pullover hatte Brian ihr im letzten Sommer hier in Irland gekauft. Sie sah sich zusammen mit Brian noch in diesem urigen Lädchen in Killanery stehen, wo er ihr diesen bis auf die Oberschenkel reichenden beigebraunen Rolli aussuchte. Janet betrachtete die Kette, an der ihr Ehering baumelte. Auf der Arbeit hatte sie den Ring immer absetzen müssen. Aus Sterilitätsgründen war kein Schmuck, kein Nagellack oder ähnliches erlaubt. Haarnetz, Schutzkleidung und Gummischuhe, absolut steril. Als sie in die Geschäftsstelle gerufen wurde und in ihrer Montur im Büro des Abteilungsleiters stand, informierte sie ein Polizist: „Mrs. O’Neill? - Ich bedaure ihnen die Nachricht überbringen zu müssen, dass ihr Mann vor etwa einer halben Stunde verunglückt ist. Er ist direkt an der Unfallstelle verstorben. Mein aufrichtiges Beileid.“ Sie stand nur da. Regungslos, wortlos, machtlos, unendlich hilflos. Als sie sich später umzog, hielt sie seinen Ring in der Hand und konnte ihn weder über den Finger streifen, noch ihn achtlos zur Seite legen. Und so trug Janet den Ring an einer Kette um den Hals.
Der Ring war ihr in den letzten Tagen oft wie ein Zementblock um den Hals eines Ertrinkenden vorgekommen. Doch nun hielt sie ihn wieder in ihren Händen. Is é Brian Ó Néill leatsa go deoidh trug er als Gravur: Brian O’Neill - für immer dein. Sie ließ die Kette durch die Finger gleiten und hängte sie dann über den Stein.
›Brian O’Neill, ob du wohl mit deinen blonden, langen Haaren, deiner schlanken aufrechten Gestalt einen guten Kelten abgegeben hättest?‹, dachte Janet, umarmte den Stein und legte die Stirn dagegen. ›Wie oft haben Brian und ich so gegenüber gestanden, Stirn an Stirn, die Augen geschlossen.‹ Sie hörte seine Stimme, die ihr zu hauchte, wie sehr er sie liebte und dass er sie bis in alle Ewigkeit lieben würde. ›Lebe wohl Brian O’Neill, auch ich werde dich ewig lieben.‹ Ein leises Summen in ihren Ohren brachte Janet aus ihrer Gedankenwelt zurück. „Ich wünsche dir viel Glück in Irland.“
Der Wind hatte aufgefrischt, und der Stein wirkte plötzlich kalt und düster. Der Himmel hatte sich verdunkelt, und die Sonne verschwand ganz hinter den dicken, tiefhängenden Wolken, die vom Wind über den Hang gepeitscht wurden. Es war schneidend kalt, und Janet holte den Schal aus dem Rucksack. Ausstaffiert mit Stirnband und Handschuhen drehte sie den Rücken in den Wind und beobachte das Naturschauspiel. Wieder einmal bereute sie es nicht, einen Kurzhaarschnitt zu tragen. Brian hätte sie gerne langhaarig gesehen, aber Janet fand es so zweckmäßiger, im Beruf und auch in den Bergen. ›Ich muss wohl ziemlich in Gedanken gewesen sein, um den Wetterumschwung nicht zu bemerken. Denn auch wenn so etwas schnell abläuft, dauerte es doch mindestens eine halbe, wenn nicht sogar eine ganze Stunde.‹ Aber Janet war in keiner Weise beunruhigt. In den Rocky Mountains hatte sie schon schlimmere Unwetter erlebt. Und hier schien sich nur ein kräftiger Schauer abzuzeichnen, der eher lästig und unangenehm als gefährlich werden würde. Den Wald erreicht, war sie dennoch froh, den starken Böen nicht mehr unmittelbar ausgeliefert zu sein. Die kahlen Baumwipfel über ihr rauschten mächtig im Wind und zeichneten sich bizarr gegen den verdunkelten Himmel ab. Der Wald wirkte ohne die durch die Kronen fallenden Sonnenstrahlen mystisch und fremd. Die Bäume kamen ihr nun viel mächtiger, ja fast bedrohlich vor. ›Wahrscheinlich hatte ich beim Aufstieg mehr Zeit in meinen Gedanken verbracht als auf die Umgebung zu achten. Mein Gott, Janet, du machst dir jetzt wegen dem bisschen Wetter in die Hose.‹ Aber Janet konnte es nicht leugnen, in ihr hatte sich ein Gefühl der Enge ausgebreitet. Sie stockte. ›Der Weg! Wo ist der verdammte Weg?‹ Sie drehte sich um und schaute zurück. ›Nun, hinter mir ist ein Pfad. Aber war der Weg hinauf nicht deutlich breiter? Und hier endet dieser Pfad auch noch und geht wohl nur als Wildwechsel weiter. Verflixt. Ich habe den falschen Weg genommen. Oh Janet, du benimmst dich wie ein Greenhorn. Hast nicht darauf geachtet, welchen Weg du am Kuppenrand eingeschlagen hast. Aber die Richtung stimmt, Nord-Ost.‹ Da es auf diesem Hügel keine unerwarteten Steilhänge gab und bergab kürzer als bergauf ist, entschied Janet dem Wildwechsel weiter zu folgen. Am Fuße des Hügels könnte sie dann der Straße folgen und so auf den Parkplatz stoßen.
Der Wildwechsel wurde immer schmaler, war stellenweise nur noch zu erahnen und verschwand dann ganz unter dem Laub. Die Wolken schossen immer noch über die Bäume hinweg, und ihr Atem zeichnete sich deutlich mit Nebelwölkchen ab. ›Um den Gefrierpunkt‹, so ihre Schätzung. Sie stapfte durch das Laub weiter bergab. Teilweise versank sie bis weit über die Knie in den Blättern. So urtümlich hatte Janet sich die Wälder Irlands nicht vorgestellt. Als sie dann auch noch in einem Morastfeld zu versinken drohte, fluchte sie über ihre eigene Dummheit. Sie querte den Hang nach Norden und umging den Morast. Der Wald wurde immer dichter, und deutlich mehr Untergehölz erschwerte das Vorankommen. Ständig musste sie mit den Händen Zweige und Äste zur Seite schieben. Sie rutschte aus, fand nur schwer Halt und landete auf dem Hosenboden. „Scheiße“, fluchte Janet laut. Als sie sich mühsam auf dem rutschigen Untergrund hochrappeln wollte, stach ihr auch noch eine Astspitze ins Auge. „Mist, verdammter. Da hast du dich ja ganz schön in die Scheiße geritten“, fluchte sie auf beiden Knien gebeugt vor sich hin und hielt ihr Auge.
„Das könnte man so sagen.“
Ihr Kopf schoss hoch, und Janet erkannte ein paar Meter oberhalb jemanden stehen. Sein Gesicht konnte sie nicht erkennen, dafür stand er zu weit weg. Aber sie hatte auch nicht das Verlangen ihm näher zu kommen. Janet stand wieder auf und fragte barsch: „Was wollen Sie?“
„Dasselbe könnte ich euch fragen.“, erwiderte die Gestalt mit ruhiger Stimme.
Er wirkte nicht sonderlich groß, sogar eher etwas kleiner als Janet. Aber es ließ sich aufgrund des Höhenunterschiedes nur schwer sagen. Er schien auf irgendetwas zu lauern, bereit zum Sprung, kam aber nicht näher. Janet hielt sich bewusst aufrecht, um ihre ganze Größe zu demonstrieren. Sie wollte ihm zeigen, dass er sich nicht mit ihr anlegen sollte. Plötzlich hörte Janet das Knacken eines Astes hinter sich und sah über die Schulter hinweg zwei weitere Männer auf sich zukommen. Wohl durch den starken Wind hatte Janet sie nicht eher gehört. Sie sagten etwas zu dem Ersten, das Janet nicht verstand.
›Sprechen sie Gälisch? Dann sind es Iren? Oh ne, Janet, was hast du nur für unsinnige Gedanken, natürlich sind es Iren. Nur ein so blödsinniger Ausländer wie du stapft mutterseelenallein durch den Forst. Und dass ich ein Ausländer bin, müssen sie sofort an meiner Kleidung erkannt haben. Aber warum erscheinen sie mir so feindselig? Was wollen die von mir? Ich muss irgendwie hier weg‹, schoss es ihr durch den Kopf. ›Mit einem wäre ich vielleicht noch fertig geworden, aber nicht mit allen dreien.- - -
Nur wohin? Ich könnte nur den Hang entlang.‹
„Wer seid ihr?“, fragte der oben Stehende und kam langsam zwei Schritte näher. Auch die Männer hinter Janet hörte sie näher rücken. ›Wie ein Rudel Wölfe, das seine Beute langsam einkreist. Warum sind die so vorsichtig? Zu dritt brauchten sie wohl kaum Angst vor einer einsamen Frau zu haben. - Sie halten mich für einen Mann! Etwas anderes ist undenkbar. Sie können mein Gesicht genauso wenig erkennen, wie ich die ihren.‹ In der Hoffnung, sie würden verschwinden, entgegnete sie: „Ich bin auf dem Weg zur Straße, um mich dort mit meinen Freunden zu treffen. Wir haben uns vorhin getrennt.“ ›Wenn sie wissen, dass jemand anderes in unmittelbarer Nähe ist, lassen sie mich vielleicht in Ruhe.‹ Doch ihre Augen blieben vor Schock weit geöffnet, als er langsam ein Schwert zog. Durch einen schnellen Blick über die Schulter sah Janet auch die beiden anderen mit gezückter Waffe weiter auf sie zukommen. ›Schwerter, oh mein Gott, in welchen Bandenkrieg bist du hier geraten. IRA? Mit meiner Äußerung habe ich voll ins Hornissennest gepackt.‹ Ein lauter Ruf drang aus der Richtung des Morastfeldes. Alle drei drehten sich in diese Richtung um. ›Bloß weg hier!‹ Janet rannte bereits den Hang in nördlicher Richtung entlang, bevor sie den Gedanken auch nur zu Ende gedacht hatte. Die Zweige schlugen ihr ins Gesicht, der Puls dröhnte in ihren Ohren, der Atem raste. Sie rutschte aus und stolperte vorwärts. Als ich sich am Hang abstützen musste, um nicht vollständig hinzuschlagen, blickte sie zurück. Sie konnte keine Bewegung erkennen. Nochmals schaute Janet sich um. Sie waren ihr nicht gefolgt. Sie hockte sich hin und vergewisserte sich, dass sie sich nicht täuschte. Nein, sie waren ihr wirklich nicht gefolgt.
›Gut, die bin ich los. Und nun?‹
Janet versuchte, die Atmung zu beruhigen und einen klaren Gedanken zu fassen. Aber der Schock saß immer noch tief. Eins stand fest, sie wusste nicht wo sie war. Also konnte sie auch nicht sagen, wo der Parkplatz lag. „Das Handy! Nein, was würde mir jetzt ein Anruf nützen. Ich könnte nicht sagen, wo ich war, also würde mich auch so schnell keiner finden. Warum habe ich mich auch ständig gegen ein Smartphone gewehrt? GPS wäre jetzt die Lösung... Die einzige Möglichkeit besteht darin, bergauf zurück zur Hügelkuppe zu gehen. Von dort könnte ich die Richtung mit Karte und Kompass bestimmen, die Richtung, in der sich die Männer befinden, festlegen und sie umgehen.“ Janet ging schnellen Schrittes den Hang hinauf. Die ganze Strecke zu rennen machte keinen Sinn, sie würde zu schnell ermüden. Zwischendurch vergewisserte Janet sich immer wieder, ob sie nicht doch verfolgt würde. Aber auch die Kerle hätten mit denselben Unwägbarkeiten zu kämpfen wie sie. Da Janet sich in sportlich guter Verfassung wähnte, würden sie wohl nicht so schnell aufholen können. Es war besser, noch Kraftreserven zu behalten.
›Aber warum haben sie Schwerter? Banditen mit Schwerter, warum keine Revolver oder Gewehre? Terroristen, IRA? Unwahrscheinlich? Die würden nicht mit Schwertern durch den Wald laufen. Bis an die Zähne bewaffnet ja, aber nicht mit Schwerter und vor allem nicht hier, sondern doch eher in Nordirland. Vielleicht irgendwelche Mittelalterfreaks. Aber warum sind sie gleich auf mich losgegangen? – Halt! Erst als ich ihnen von meinen angeblichen Freunden erzählte, wollten sie mich angreifen. Aber warum nur?‹
Janet kam gut voran und hatte bald den Waldrand erreicht. Der Sturm hatte sich gelegt, die Wolkendecke war aufgerissen. Die Dämmerung lag mit ihrem dunklen Grau über der offenen Fläche. Sie rannte schnell über die weite Kuppe, um die offene Fläche zwischen sich und die Verfolger zu bringen, wobei Janet inständig hoffte, dass es keine mehr gab. So könnte sie gut überblicken, wenn sie verfolgt würde.
Ein Blick auf die Uhr: 16:45 Uhr. ›Habe ich wirklich schon so viel Zeit auf dem Hügel verbracht?- Egal. Kompass und Karte.‹ Janet nordete gekonnt die Karte ein. ›Ja, in der Richtung, aus der ich gekommen bin, liegt der Parkplatz. Hierhin kann ich nicht gehen, wenn ich nicht Gefahr laufen will, den Kerlen zu begegnen.‹ Janet entschied sich daher für die südöstliche Richtung. Sie würde zwar ziemlich weit vom Parkplatz entfernt wieder auf die Straße kommen, aber von dort schätzte sie die Entfernung nach Dunshagil auf kaum zehn Kilometer. Sie verstaute Kompass und Karte in der Jacke und zog das Handy aus der Tasche. Die Nummer von Mrs. MacGabbah hatte sie gespeichert. Während das Handy wählte und sie auf die Verbindung wartete, blickte Janet über die Kuppe. Die Steine und Wälle hoben sich schemenhaft gegen den Himmel ab. Der Waldrand lag düster im Hintergrund. Noch kein Freizeichen, ein Blick auf das Display. „Mist, Funkloch“, fluchte Janet leise vor sich hin. ›Halt, habe ich dort drüben nicht etwas gesehen?‹ Angespannt blickte sie wieder über die offene Fläche. ›Ja, da, ein Blinken.‹ Aber mehr konnte sie auf die Distanz nicht erkennen. Schnell nahm sie den Rucksack ab und holte das Fernglas heraus. Immer noch die gegenüberliegende Seite fixierend, fand sie das Fernglas blind im Rucksack. Direkt aus der Hocke suchte sie den Waldrand ab. Und wirklich, fast verschluckt von der Dunkelheit erkannte Janet eine menschliche Gestalt. Als sie weiter auf die Lichtung trat, erkannte sie, dass die Gestalt dort auf dem Boden etwas zu suchen schien und voller Schrecken sah sie ganz deutlich das Schwert in ihrer Hand. ›Die Kerle, sie sind mir also gefolgt. Es sieht so aus, als wenn er nach Spuren sucht. Meine Spuren‹, dachte Janet wütend. ›Was wollen die bloß von mir? Sollen sie mich doch einfach laufen lassen.‹ Aber Janet hatte keine große Lust, das mit den Kerlen persönlich auszudiskutieren. Sie warf das Fernglas in den Rucksack, setzte ihn auf und ging eilig bergab. Es wurde schnell dunkler, und sie musste sich auf jeden Schritt konzentrieren. Sie wollte ja nicht wieder durch einen blöden Sturz in die Berdouille geraten.
Auf dieser Hangseite war es deutlich ruhiger im Wald, zu ruhig für Janets Geschmack. Nur die Wipfel bewegten sich noch leicht im weiter abnehmenden Wind. Während des Sturms hätte man keinen Schritt im Wald hören können, nun aber schien es ihr, als würde sie wie eine Elefantenherde durch den Wald poltern. Aber die Freaks waren noch auf der anderen Seite und würden sie vorerst nicht hören können. Je weiter Janet ging, desto mulmiger wurde ihr. Ihr wurde langsam schlecht. Sie blieb stehen, atmete tief durch, um sich zu beruhigen. Obwohl Janet schwitzte, lief es ihr eiskalt über den Rücken. Sie hatte Angst, ganz erbärmliche Angst. ›Drei geisteskranke Iren sind hinter mir her und haben die Absicht mich aufzuschlitzen. Hätte ich bloß auf Mrs. MacGabbah gehört und Teddy mitgenommen. Aber nein, ich muss ja mal wieder alles alleine machen. Wie immer.‹ Das Gelände wurde flacher. Janet zog den Kompass aus der Tasche, um die Richtung zu kontrollieren. Dank der Leuchtzeichen konnte sie den Kompass auch bei sehr geringen Lichtverhältnissen einsetzen. ›Ja, die Richtung stimmt noch.‹ Janet ging weiter durch die Ebene, blickte sich noch einmal um, konnte aber niemanden sehen. ›Ha, da vorne ist ein Licht. Vielleicht ein Autoscheinwerfer. Die Straße kann auch nicht mehr weit sein.‹ Etwas langsamer ging sie weiter. ›Halt, Stimmen.‹ Janet blieb stehen und lauschte. Ja, sie hörte tatsächlich Stimmen. ›Wer ist das? Ist es Hilfe, suchen sie vielleicht schon nach mir? Ich bin weit über die mit Mrs. MacGabbah verabredete Zeit. Aber warum sollten sie gerade hier nach mir suchen? Würden sie nicht vom Parkplatz aus losgehen? Es können aber genauso gut die Freaks sein, ‹ schoss es ihr durch den Kopf. ›Oben auf der Kuppe habe ich nur den einen gesehen und einfach angenommen, dass die anderen auch dort sind.‹ Janets Gedanken rasten und sie merkte, wie sich ihr Puls beschleunigte. ›Vielleicht sind sie einen anderen Weg gegangen und haben hier ihren Treffpunkt. Soll ich sie einfach umgehen? Nein, ich will erst wissen, wer es ist. Vielleicht ist es doch meine Rettung.‹ Janet hoffte es inständig.
Vorsichtig schlich sie sich näher heran. Sie grub ihre Füße erst unter die Laubdecke, bevor sie dann das Gewicht verlagerte. Sie wollte nicht Gefahr laufen, sich durch einen brechenden Ast zu verraten. Nur sehr langsam kam sie vorwärts. Für die letzten Meter legte sie sich auf den Boden und robbte hinter einem umgestürzten Baum näher. Jedes Mal, bevor sie einen Meter vor kroch entfernte sie Zweige und Geäst. Sie lugte vorsichtig hinter dem Baumstamm hervor und erkannte mehrere Männer auf einer kleinen Lichtung. An der hiesigen Waldrandseite hatten sie ein Feuer gemacht, so dass man das Lager nur schlecht einsehen konnte. Sie schätzte sie auf zehn Männer, es konnten aber auch mehr sein. Hier vorne standen anscheinend zwei Wachen. Sie hielten Gewehre und trugen eine Art Tracht, alle gleich. ›Irgendwie eigentümlich sehe sie schon aus? Wer kann nur so gekleidet hier rumlaufen? Herrgott, ich weiß es nicht.‹ Erst jetzt bemerkte sie die Pferde am Waldrand. ›Was nun?‹ Sie war ziemlich ratlos. Hinter ihr immer noch die Verfolger und vor ihr unbekannte Männer, die ihr auch suspekt waren. ›Nein, die will ich nicht kennenlernen. Sollen doch meine Mittelalterfreaks Bekanntschaft mit ihnen machen.‹ Sie kroch langsam hinter den Baumstamm zurück und hockte sich hin, um sich aufzurichten. Plötzlich wurde sie heftig nach hinten gerissen. Jemand drückte ihren Mund zu, ihr Aufschreien erstarb, und er presste ihren Kopf gegen seine Brust. Sie wollte mit ihrem Arm nach hinten schlagen, um sich zu befreien, als sie einen stechenden Schmerz an der Kehle spürte.
„Eine Bewegung und du bist ein toter Mann.“, zischte er scharf in ihr Ohr. Sie hielt abrupt inne. Mit Entsetzen erkannte sie ihren Verfolger. Seine Hand presste sich so stark in ihr Gesicht, dass sie kaum Luft bekam. Sie stank nach Schweiß und Blut. Panik erfasste sie. Ihr Atem raste flach und schnell. Er zog sie auf die Füße und verschärfte den Druck der Dolchspitze. Janet spürte wie sie die Haut ritzte. Schmerz schoss ihr durch den Körper. Sie verlor die Kraft, konnte den Körper nicht mehr beherrschen. Aber er drängte sie immer weiter vom Lager fort durch den Wald. „Hinknien“, kam der harte Befehl. Obwohl er dies nur in normaler Lautstärke sagte, kam es mir vor, als brüllte er sie an. Janet kniete sich hin, doch bevor sie den Boden erreichte, hatte er sie mit einer ruckartigen Körperdrehung auf den Rücken gedreht und kniete auf ihrer Brust. Sein Dolch bohrte sich weiter in ihren Hals und seine Hand bedeckte immer noch ihren Mund. Der Druck auf ihrem Oberkörper war gewaltig, und das Atmen erschien ihr unmöglich. Ihr brach der Schweiß aus, Angstschweiß. Vor Todesangst starr blickte Janet in seine Augen. Sie wirkten hart und völlig ruhig. Die Ruhe in seinen Augen, die Gewandtheit seiner Bewegungen, diese unglaubliche Brutalität versetzte sie in Panik und Todesangst. ›Das ist kein Mittelalterfreak‹, schoss es ihr durch den Kopf. ›Das ist ein Killer!‹
„Gib einen Ton von dir und ich schneide dir mit Vergnügen die Kehle durch.“ Er drehte die Klinge am Hals und drückte ihren Kopf zurück. „Hast du verstanden?“, fragte er drohend.
Sie hatte verstanden, natürlich hatte Janet verstanden und starrte mit weit aufgerissenen Augen.
Er beugte sich vor und verschärfte den Druck seines Messers. „Ich frage nicht noch einmal! Keinen Mucks. Hast du verstanden?“
Janet schloss schnell die Augen um seinen Befehl zu bestätigen. Ein kurzes Zucken an seinem Mundwinkel. ›Er hat mein Zeichen also richtig gedeutet.‹ Doch dann blickte sie wieder in das zur bewegungslosen Maske erstarrte Gesicht eines zu allem entschlossenen Mannes. Sein Atem roch leicht nach Alkohol und durch eine Narbe über seinem Auge wirkten seine Gesichtszüge noch wilder. Langsam nahm er die Hand von ihrem Mund. Froh, wieder frei atmen zu können, holte Janet mehrfach schnell Luft und ignorierte über das gute Gefühl beinahe die Klinge an ihrem Hals. ›Wie eine Maus in der Falle‹, dachte sie. Er hielt Janet ein Tuch vor den Mund. „Maul auf!“, kam es knapp. Da sie nicht sofort reagierte, presste er sein Knie in ihren Brustkorb. Unwillkürlich stöhnte sie auf, und er stopfte ihr augenblicklich das Tuch in den Mund. Er drückte es mit einer solchen Gewalt in den Hals, das sie würgen musste. Sie bekam keine Luft mehr, doch er hielt sie auf den Waldboden gedrückt. Panik erfasste Janet. Instinktiv versuchte sie sich zu befreien, doch er hielt mit beiden Knien ihre Schultern auf den Boden. Sie konnte sich nicht bewegen. ›Beruhige dich Janet, ganz ruhig. Er wird dich hier elendig verrecken lassen, wenn du nicht anfängst zu atmen.‹ Sie konzentrierte sich darauf, Luft durch die Nase zu bekommen und den Knebel nicht zu beachten. Das Würgen ließ nach und langsam kam sie wieder zu Atem. Es gelang ihr, nach und nach, immer ruhiger Luft zu holen. Sein Gewicht quetschte noch immer ihren Brustkorb zusammen, doch sie atmete. Als sie ihn anblickte, grinste er dreckig zurück. Sie war entsetzt. ›Es macht dem Schwein auch noch Spaß, mich zu quälen.‹ Er beugte sich erneut vor und jedes Grinsen war aus dem Gesicht gewichen. „Spuk es wieder aus und ich stopf es dir bis in den Magen.“ Drohend hob er seine vernarbte Augenbraue. „Arme über den Kopf, laaangsaaam.“ Resigniert gehorchte Janet. Seine kalten Augen fixierten sie regungslos. Noch bevor sie die Arme über den Kopf geführt hatte, packte er den rechten Arm und verdrehte ihn so schnell, dass sie der Bewegung kaum folgen konnte. Er hatte sie auf den Bauch gedreht, und sein Bein bohrte sich durch den Rucksack in ihren Rücken. Den rechten Arm auf den Rücken, den linken nach vorne ausgestreckt, das Gesicht in den Waldboden vergraben, kam Janet sich vor wie ein Hähnchen am Spieß.
›Warum kann er nicht einfach sagen, dass ich mich umdrehen soll? Nun ja, warum frisst die Katze nicht gleich die Maus, sondern lässt sie im Glauben, sie könne noch entkommen.‹ Nur gefiel es Janet gar nicht, in diesem Spiel die Maus zu sein. Stramm band er ein Tuch über den Knebel und verschnürte ihr die Arme auf dem Rücken. Eng schnitt das Seil in ihr Fleisch. Langsam kehrten Janets Sinne zurück. An ihrem Hals pochte die Wunde vom Messer, und der Knebel schmeckte ekelhaft nach Dreck, Fett und Salz. Sie musste wieder würgen. Als er fertig war, zog er sie auf die Füße und stieß sie vorwärts. Vollkommen unvorbereitet versagten ihre Beine den Dienst. Sie stolperte, konnte sich nicht mehr abfangen, ein Baumstamm flog auf sie zu. Ein harter Schlag und ihr wurde schwarz vor Augen.
Janets Schädel dröhnte und ihr war nicht ganz klar, wie lange sie das Bewusstsein verloren hatte. Sie öffnete die Augen nur um sie augenblicklich wieder zu schließen. Sie hielt sie eine Zeitlang geschlossen, um das Drehen im Kopf zu verdrängen. Als sie einen zweiten Versuch wagte, konnte sie um sich herum niemanden ausmachen. Sie saß rücklings an einen Baum gebunden mit einem Strick um den Hals. ›Nun hebt sich die Katze ihre Maus für später auf.‹ Janet brauchte diesen Sarkasmus, um nicht völlig den Verstand zu verlieren.
Sie sah durch die Bäume zum Himmel hoch. Immer noch zogen Wolken über die Wipfel hinweg. Gemächlich ließen sie sich jetzt vom Wind vorantreiben. Es musste bereits tiefe Nacht sein. Es war kalt, und ihr Atem kräuselte sich in der Luft. Trotz der warmen Kleidung kroch ihr die Kälte über die Beine und über den Rücken in den Körper. ›Jetzt bloß nicht schwächeln‹, redete sie mit sich selbst. ›Mrs. MacGabbah wird mich schon lange vermissen. Das Auto werden sie schon längst gefunden haben und sie werden auch dich finden. Da bin ich mir ganz sicher.‹ Es war nur ein Strohhalm, an den sie sich klammerte. ›Damals, vor zwei Jahren, als wir in diesem fürchterlichen Sturm zwei Tage in der Felswand festhingen, hatten wir auch ausgeharrt. Es gibt halt Momente im Leben, da kann man nur warten. - Schließ deine Augen, Janet, und entspanne dich. Erhole dich, du wirst noch all deine Kraft brauchen.‹
Sie schreckte hoch, als ein kräftiger Schlag ihren Fuß traf. ›War ich eingenickt oder wieder bewusstlos geworden?‹ Vor ihr standen drei Männer. Der Janet gefangen hatte, war auch dabei. Aber der Große in der Mitte schien wohl der Anführer zu sein. Denn der Kerl, der sie überwältigt hatte, antwortete anscheinend auf die Fragen des Mannes. Ihren Wortwechsel konnte Janet nicht verstehen, aber sie schienen sich nicht ganz einig zu sein. Zwischen den Bäumen konnte sie noch weitere Männer stehen sehen, drei oder vier vielleicht. Janet hatte Zeit, sie genau anzusehen. Und je mehr Zeit sie hatte, desto unerfreulicher fand sie, was sie sah. Sie trugen die Haare lang, manche zu einem Zopf gebunden. Ihre Kleidung war dreckig und bei einem konnte sie auch ganz deutlich Blut sehen. Sie trugen keine Jacken oder Anoraks, sondern Decken mit kariertem Muster um den Körper und die Schultern geschlungen.
Brian hatte Janet einmal gezeigt, wie man ein solches Plaid trägt und erklärt, dass die Iren es genauso wie die Schotten getragen hatten. Sie stammten ja schließlich auch von denselben Urvätern, den Kelten, ab.
Hosen trugen die Männer nicht unter ihren Plaids. Nur lange Strümpfe und weite, fast knielange Hemden hatten sie noch darunter. Zu gut waren ihre langen Schwerter zu erkennen. Unten am Bein trugen sie Messer, ziemlich große Messer, beinahe noch länger als Janets Armeemesser, das sie selber mithatte. Der Mann in der Mitte hatte vorne in seinem Gürtel noch eine Pistole stecken. An der Form des Holzgriffs schloss Janet auf eine nicht ganz moderne Version. ›Nun, zu Schwertern passt auch schlecht eine Smith & Wesson. Und wer so bewaffnet nachts durch den irischen Wald läuft, darf wohl auch etwas altmodisch gekleidet sein.‹ Die drei schienen sich einig geworden zu sein. ›Verdammt, was habe ich eine Scheißangst. Ich pinkle mir gleich vor lauter Panik in die Hose.‹ Ihr Puls, der bis eben noch relativ ruhig gewesen war, jagte wieder los. Der Anführer, ein Baum von einem Mann, er maß annähernd zwei Meter, musterte sie mit Augen aus Stahl langsam von oben bis unten. Er griff ganz ruhig sein Schwert und zog es aus der Scheide. Es kam ihr wie eine Ewigkeit vor, und sie konnte den Blick nicht von seiner Hand wenden. Er stand reglos vor ihr mit dem riesigen Schwert in der Hand. Als sie sich von seinem Schwert losreißen konnte und ihm ungläubig ins Gesicht starrte, hatte sie das Gefühl, dass das gesamte Blut in den Magen gesunken war. Speiübel vor Angst und kreidebleich konnte sie den kalten Blick nicht länger ertragen. Sie senkte den Kopf, atmete schwer. Er kam auf sie zu und hockte sich auf sein Schwert abgestützt neben sie hin. Er packte ihr unters Kinn und drückte den Kopf hoch. Gleichzeitig legte er den Stahl an ihren Hals. Sein Gesicht zeigte keine Regung, seine dunklen Augen waren unendlich tief und gaben keinen Anlass zur Hoffnung. ›Er will dich nicht nur umbringen, er will auch noch sehen, wie du krepierst.‹ In ihrer Ohnmacht schloss sie die Augen und ergab sich ihrem Schicksal. ›Oh geliebter Brian, ich habe dich heimgebracht in dein geliebtes Irland und nun werde auch ich auf ewig bleiben.‹ Sie merkte kaum, wie er den kalten Stahl über ihren Hals zog. Plötzlich war der Druck am Hals verschwunden. Seine Hand hielt ihren Kopf nicht mehr. ›Fühlt es sich so an, wenn man verblutet?‹
„Steh auf!“
›Was?‹
Ein stechender Schmerz brachte sie je in die Wirklichkeit zurück. Er hatte gegen ihren Oberschenkel getreten. „Los jetzt, steh auf“, kam es ungeduldig. Der Anführer stand neben ihr; er hatte das Schwert weggesteckt.
›Ich lebte noch! Aufstehen? Ja, natürlich.‹ Sie wollte ja aufstehen, aber der Kopf erreichte die Beine nicht. Nur widerspenstig gehorchten sie, als sie die Beine anzog. Doch die Kraft reichte nicht, und sie rutschte zur Seite. Auf seinen Wink packten sie zwei Männer und stellten sie auf die Füße. Die Beine versagten abermals ihren Dienst, und sie wäre beinahe gestürzt, wenn die Männer sie nicht gehalten hätten. „Frischling“, sagte der Anführer, und die anderen lachten leise. Die ersten Schritte noch gestützt, marschierte Janet mit dem Trupp durch den Wald. Nach einer Weile kehrte die Kraft wieder zurück und vollkommen stoisch trottete sie hinterher, ohne Zeit- und Orientierungsgefühl, unendlich leer.
Nach einer ihr endlos erscheinenden Wegstrecke kamen sie zu einem versteckt in einem kleinen Tal liegenden Cottage. Neben dem kleinen Bauernhaus standen einige Pferde in einem Gatter. Mehrere Männer begrüßten sie. Es wurden Worte gewechselt, und Janet wurde argwöhnisch gemustert. Sogleich packten sie zwei von ihnen und stießen sie in das Cottage. In dem nur spärlich durch den Kamin und ein paar Kerzen beleuchteten Haus schlug ihr ein Gemisch aus Gerüchen entgegen. Abgestandene muffige Luft, angereichert mit dem Gestank des brennenden Torfs und unterlegt mit dem Aroma warmen Essens. Ihr Magen hatte sich wohl nur auf das letzte Duftaroma konzentriert und meldete sich lautstark zu Wort. Ihre Begleiter stießen sie in eine Ecke des Cottage, setzten sich zu den anderen und beachteten sie nicht weiter. Die Tür ging auf und der Mann, der sich einfach ihrer bemächtigt hatte, trat ein. „Odhrán, was hast du uns denn da Hübsches mitgebracht?“, fragte einer der Männer am Tisch und wies mit dem Löffel auf Janet. ›Englisch, warum spricht er auf einmal Englisch. Kann er etwa auch kein Gälisch?‹ „Mmh, einen Kauz, der zu tief flog“, erwiderte er gelangweilt. Unterdessen trat Odhrán auf Janet zu, zog sie hoch, nahm ihr den Knebel ab und löste die Fesseln. Er ging, ohne sie weiter zu beachten, zum Kamin, wo ein Kessel über den Feuer hing, schöpfte sich Suppe auf und setzte sich zu den anderen. Die Handgelenke reibend setzte Janet sich wieder in die Ecke. Sie zog die Handschuhe und das Stirnband aus und verstaute alles in der Jackentasche. Sie hatte immer noch das Armeemesser am Gürtel hängen. Aber gegen diese Männer würde sie nicht weit damit kommen. Selbst gegen einen allein rechnete sie sich mittlerweile keine Chancen mehr aus. Sie bewegte vorsichtig die Schultern und nahm dann den Rucksack ab. Sie war einfach nur fertig und wollte ihre Ruhe. Selbst an Flucht wollte sie jetzt nicht denken. Sie schienen es zu wissen und ignorierten sie wohl deshalb. ›Als ich bewusstlos war, hatte Odhrán bestimmt mein Gepäck durchsucht und wusste, dass ich keine Schusswaffe bei mir trug. Das Messer stellte für sie keine Gefahr da.‹ Der Anführer kam in das Cottage. „Macht euch bereit, wir werden gleich weiter reiten und die Dunkelheit nutzen“, sagte er, während er sich Suppe nahm. „Aye Murrough“, entgegneten sie und verließen das Haus.
„Komm her“, sagte Murrough zu Janet, nachdem er zu Ende gegessen hatte. Odhrán stand neben dem Kessel und rührte im Topf. Janet folgte der Aufforderung. Murrough hatte die Arme vor der Brust verschränkt und sich mit den Rücken gegen die Wand gelehnt. In dem dämmrigen Licht des Cottage wirkte sein Blick noch eindringlicher.
„Suigh sios!“
Sie verstand nicht, was er von ihr wollte.
„Setz dich“, wies er sie kurz an.
Sie nahm ihm gegenüber Platz. Odhrán stellte einen Teller Suppe auf den Tisch und legte einen Holzlöffel dazu.
„Iss“, befahl Murrough.
Sie ergriff den Löffel. Ihre Hand zitterte leicht. Langsam führte sie die Bewegung aus. Endlich hatte sie den ersten Löffel im Mund, Kartoffelsuppe. Sie war wirklich gut. Warm füllte sie den Magen.
Murrough betrachtete sie die ganze Zeit regungslos, bis sie fertig war. ›Ja, wenn ich eines bei meinem letzten Aufenthalt gelernt hatte, dann, dass Iren über einen unerschöpflichen Vorrat an Zeit verfügten. Aber so schweigsam ist mir bisher noch kein Ire begegnet.‹ Sie legte den Löffel aus der Hand.
„Cén t-anim atá ort?“, fragte er.
Sie verstand wieder nichts.
„Cé thusa?“
„Cé as thú?“
Sie schüttelte den Kopf.
„Wie heißt du?“, fragte er nun auf Englisch.
›Mein Name? Halten sie mich immer noch für einen Mann? Mit einer Frau wären sie vielleicht nicht so rabiat umgegangen. Auf jeden Fall hält man mich aufgrund meiner Kleidung für einen Ausländer. Dass ich kein Gälisch verstehe, ist kein Argument. Viele junge Leute aus der Großstadt sprechen kein Gälisch mehr. Ich hatte vorhin von anderen Männern erzählt, die ich noch treffen wollte. Das hat ihnen nicht gefallen. Sie haben ohne jeden Zweifel etwas zu verbergen. Wenn ich jetzt noch O’Neill antwortete, würden sie mir den Ausländer, der keine Freunde hat, vielleicht nicht glauben.‹
„Dein Name?“, fragte Murrough hart mit dunkler Stimme.
„Montaigne“, nannte sie ihren Mädchenname. Die Antwort klang rau und kratzig. Unwillkürlich fasste sie sich an den Hals und spürte den Schnitt. Er hatte leicht geblutet, die feine Kruste brannte unter den Fingern.
Murrough zeigte keine Regung. Unter seinem durchdringenden Blick fühlte sie sich förmlich nackt, so dass sie schnell hinzufügte: „Jean.“ Sie wusste nicht, warum sie nicht ihren weiblichen Vornamen nannte, aber sie hatte ein ungutes Gefühl. Und Jean war noch nicht einmal gelogen, denn ihre besten Freunde riefen sie so.
Odhrán folgte im Türrahmen gelehnt der Unterhaltung.
„Woher kommst du?“
„Aus Dunshagil“, antwortete sie diesmal unvermittelt. Er rümpfte bei der Antwort leicht die Nase und sie hoffte, dass es an der grauenhaften Aussprache lag.
„Du bist kein Ire. Also, woher kommst du?“
„Havre“, gab sie zurück. ›Sie können ruhig wissen, dass ich Amerikanerin, oder sollte ich besser Amerikaner sagen, bin.‹
Obwohl Murrough sich locker angelehnt hatte und auch Odhrán ziemlich bequem in der Tür stand, lag eine Anspannung im Raum, die sie fast erdrückte. ›Warum sagen sie nicht endlich, was sie von mir wollen? Warum sie mich verschleppt haben? Und warum sie mich hier festhalten?‹ Sie ertrug es nicht länger, diesen Blick, diese Stille. „Was wollt ihr von mir? Was seid ihr für Banditen?“, brach es plötzlich aus ihr raus.
Murrough schnellte nach vorne, seine Hände knallten mit Wucht auf den Tisch. Kerzengerade schoss Janet hoch und saß verkrampft vor ihm. Wie eine Raubkatze, die jeden Moment ihre Beute reißen will, saß er da. Seine Hände umklammerten die Tischkante. Doch so schnell er sich erregt hatte, entspannte er sich auch wieder.
„Monsieur Jean de Montaigne, ich möchte ihnen ihre unverschämte Frage noch einmal verzeihen, da sie anscheinend mit den irischen Gepflogenheiten nicht vertraut sind.“ Murrough sprach dies in fließendem Französisch und ohne jeden Argwohn.
Sie verstand dies alles nicht. ›Hält er mich für einen Franzosen? Nun gut, das soll mir wohl egal sein, denn schließlich standen sich Frankreich und Irland immer nahe. Oder etwa nicht?‹ Sie seufzte auf und bemerkte „Certainement pas.“ (Wohl kaum)
Odhrán fesselte ihr erneut die Hände auf den Rücken, doch bevor er sie knebelte, sagte sie ebenfalls auf Französisch: „Mir sind die Gepflogenheiten in Irland nicht geläufig, aber könntet ihr mir den stinkenden Knebel ersparen? Wenn es ohne gar nicht geht, nehmt wenigstens ein sauberes Tuch. In meinen Sachen werdet ihr eins finden.“
Murrough betrachtete sie abschätzend, dann lachte er plötzlich lauthals los. Sie selbst fand diese Situation überhaupt nicht zum Lachen und stierte ihn grantig an. Er stutzte und hielt in seinem Lachen inne.
›Mein Gott, was kann dieser Mann von einem Extrem ins nächste springen, ohne sich anmerken zu lassen, was in ihm vorgeht.‹ Er hielt ihr ein weißes Leinentuch unter die Nase und fragte grinsend: „Ist ihnen dieses Tuch genehm, Monsieur de Montaigne?“ Er deutete eine Verbeugung an und noch bevor sie eine Antwort geben konnte, hatte Odhrán ihren Mund bereits mit einem Druck auf den Kiefer geöffnet. Immer noch erheitert knebelte Murrough sie, geleitete sie zur Tür, wo er sich verbeugte und sagte: „Nach ihnen, Monsieur.“ ›Wenigstens hat er Humor‹, dachte sie zerschlagen.
Odhrán drängte sie zu einem Pferd und wies sie an aufzusteigen. Unterdessen saßen sie selbst auf. Als sie sich nach ihm umdrehte, um zu sehen, ob er half, sagte er von seinem Pferd hinab: „Monsieur können auch zu Fuß gehen, wie es ihnen beliebt.“ Diese Äußerung zog ein allgemeines Gelächter nach sich. Wutschnaubend und wohl wissend, dass sie kaum auf sie warten würden, versuchte sie aufzusitzen und begann mit dem linken Fuß nach dem Steigbügel zu angeln. Aber es gelang ihr nicht, ihn zu erwischen. Der mächtige Rotschimmel zeigte wenig Interesse, sie aufsitzen zu lassen und drehte sich ständig weg. Da sie keine Möglichkeit hatte, ihm durch einen Griff in den Zügel Einhalt zu gebieten, stieß sie ihn mit dem Knie gegen die Brust, um ihn zum Stehenbleiben zu bewegen. Unbeeindruckt wich er weiter aus. Schließlich hatte Odhrán ein Einsehen und rief einen jungen Burschen heran. Er trieb sein Pferd neben dem Schimmel und griff in den Zügel, gleichzeitig hielt Odhrán den Steigbügel auf.
Behindert durch die gefesselten Hände, musste sie sich weit über den Hals des Pferdes legen. Der Schimmel riss seinen Hals heftig hoch und traf sie schmerzhaft an der Schulter. „Diabhail dearga“, [roter Teufel] schrie Seán das Pferd an und knallte ihm den Zügel ins Maul. Und schon ritt der Trupp los.
Eine ganze Zeit ging es wortlos durch das unwegsame Gelände einer wunderschönen winterlichen Hügellandschaft. Verschwommen zeichneten sich die Hügelkuppen gegen den mit Wolken bedeckten Himmel ab. Nur dann und wann lugten die Sterne hindurch, erhellten aber kaum die Nacht. Der Boden verschwand dunkel unter den dumpf auftretenden Hufen. Trittsicher fanden die Tiere ihren Weg und wäre ihre Situation eine andere gewesen, hätte Janet einen solchen Ritt genießen können. ›Ja, Irland ist ein Land der Pferde und erst wenn man es mit dem Pferd durchquert, kann man die ganze Schönheit der Natur genießen und wird ein Teil davon. Aber warum gehen diese Männer davon aus, dass ich als Ausländer reiten kann? Ohne Frage, sie hätten mich auch laufen lassen.‹
Sie querten in der Talsenke an einer Steinbrücke den Fluss und setzten den Ritt auf einem befestigten Weg entlang des Flusslaufs im flotten Trab fort. Janet hatte zuerst Schwierigkeit, den Rhythmus der steifen Trabschritte des Rotschimmels aufzunehmen. Bisher nur das ruhigen Pleasuretempo der Quarter Horses gewöhnt, die einen durch ihre weiche Gangart bequem und kraftlos über Stunden sitzen ließen, kam sie sich auf dem Pferd wie ein blutiger Anfänger vor. Deutlich merkte sie bei jedem Trabtritt den Schmerz im Oberschenkel. Durch den Tritt gegen das Bein hatte sich wohl ein fürchterlicher Bluterguss gebildet, der sich jetzt zunehmend bemerkbar machte. Doch wurden das Pferd und sie allmählich eins. Der Hengst gab seinen Rücken frei. Sie streckte die Beine nach vorne, wölbte leicht den Rücken und saß tief im Pferd. Seán musterte ihren Reitstil skeptisch, gab einen Grunzlaut von sich, dessen Bedeutung Janet nicht einordnen konnte und wandte seinen Blick wieder nach vorne.
Sie ritten flussaufwärts, und Janet versuchte, sich zu orientieren. Die Himmelsrichtung war ihr nicht bekannt, ohne Kompass war sie nachts aufgeschmissen.
Dad hatte ihr früher bei den Touren in den Mountains den Nachthimmel mit seinen Sternbildern, den Planeten und den verschiedenen Mondstellungen erklärt. Neugierig hatte sie, in seinen Armen gekuschelt, den Erklärungen gelauscht. Auf seinen Schoß sitzend, folgte sie dem ausgestreckten Arm vom großen und kleinen Bären zu Cassiopeia, den Kopf ganz fest an seiner Brust geschmiegt. Aber wenn er ihr erklären wollte, wie man die Richtung bestimmt, hatte sie immer vorlaut gefragt, wozu es denn einen Kompass gebe.
›Tja, Dad, jetzt ist es zu spät. - Vielleicht ist es der River Bogne.‹
Zugegeben, es war der einzige Fluss, den sie ohne Landkarte rund um Dublin benennen konnte. Ostwärts floss er an Trim vorbei.
Brian und Janet waren damals mit dem Auto dort entlang gefahren. Aber bisher hatte sie keine Straße oder Autoscheinwerfer in der Dunkelheit gesehen.
›Aber wer sollte auch um diese Uhrzeit nachts durch die Einsamkeit fahren? Nur ein paar verrückte Banditen, Terroristen, oder was auch immer sie sind, sitzen auf ihren Gäulen und reiten durch die Wildnis.‹
Nach vielleicht einer Stunde strammen Ritts zügelten sie die Pferde und verließen den Weg. Es ging hügelaufwärts, und die wachsende Anspannung in der Gruppe lag förmlich in der Luft. Nicht der kleinste Laut war von den Männern zu hören, und die dumpfen Schritte der Pferde wurden vom feuchten Grasboden fast vollständig verschluckt. Unterhalb eines kleinen Waldstücks hielten sie, und Janet konnte unten im Tal deutlich eine gewaltige Festung erkennen. Sie lag am Fluss, umgeben von einem dicken Schutzwall und einem Wassergraben. Die mächtigen Türme ragten bizarr in den nächtlichen Himmel und schienen sich in der Dunkelheit zu verlieren. Trim Castel, die gewaltigste Festung Irlands, es musste Trim Castel sein.
›Dann sind wir also westwärts geritten.‹
Janet suchte den gegenüberliegenden Hang nach dem Yellow Tower ab, dem letzten Überbleibsel der einst so prachtvollen Abbey. Cromwell hatte sie damals im Krieg gegen die Iren in Schutt und Asche gelegt und nur der Turm war übrig geblieben. Brian und Janet hatten dort oben am Yellow Tower gestanden, über das Tal geblickt und er hatte ihr die Geschichte von Trim erzählt. Der 40 Meter hohe Turm war deutlich am Hang zu erkennen. Er schien sich in den vorbeiziehenden Wolken festhalten zu wollen.
Janet stockte.
Neben dem Turm stand ein riesiges Gebäude, eine Kathedrale vielleicht oder eine Abtei?
Ihr Blick hing fest.
›Das kann nicht sein. Die Abtei gibt es nicht mehr. Oder ist es doch nicht Trim?‹
Ihr Blick jagte zurück ins Tal. ›Nein, dieses Kastell kann nur Trim sein. Was hat das zu bedeuten? Hatten sie die Abtei vielleicht wieder aufgebaut? - Nein‹, sie verwarf den Gedanken gleich wieder. ›In so kurzer Zeit war so etwas nicht zu schaffen. Man hätte die Bauarbeiten bereits im Sommer sehen müssen.‹ Ihr Blick schweifte über das Tal, irgendetwas suchend, was einen Irrtum rechtfertigte, doch sie konnte nichts ausmachen. Es war einfach zu dunkel.
›Zu dunkel‹, schoss es ihr durch den Kopf. Ihr Blick raste hin und her. Nirgendwo war Straßenbeleuchtung zu sehen. Nur aus den Fensteröffnungen der alten Burg schimmerte vereinzelt Licht. ›Vielleicht feiern die Einheimischen ein besonderes Fest, zu dem sie die Straßenbeleuchtung abgeschaltet haben. Kein Wunder, dass meine Gesellschaft einen Umweg in Kauf nahm, um nicht daran teil zu haben.‹
Es ging weiter. Sie hatte immer noch keine Erklärung für die Abtei. Auch als ich sich umdrehte, in der Hoffnung die Augen hätten sich getäuscht, stand die Abtei immer noch auf der anderen Hügelseite.
Janet betrachtete Seán. Er war jung, sehr jung und saß stolz auf seinem Pferd. Halbhohe Stiefel mit Strümpfen bis zu den Knien bekleideten seine Beine. Um seine Hüften trug er eine Decke, die bis zu seinen Knien reichte. Die Enden der Decke waren um die Schulter geschlungen. Sie erkannte in der so getragenen Decke das Fealadh mhoroder, auch Plaidie genannte Kleidungsstück der Iren. Für diese gälischen Begriffe, hatte sich im Englischen der Ausdruck Plaid durchgesetzt, so hatte Brian erklärt, viele würden heutzutage ein Plaid mit dem Begriff Kilt verwechseln. Den habe es aber erst ab Mitte des 18. Jahrhunderts gegeben.
›Wie im Kinofilm Braveheart. Genauso sehen sie aus.‹
Denn die Schotten und Iren unterschied damals nicht viel. Genauso verwegen, gefährlich und eindrucksvoll.
Seáns Plaidstoff war gemustert, aber sie konnte die Farben bei der Dunkelheit nicht erkennen. Wieder kamen ihr Brians Erklärungen in den Sinn: Tartan nennt man es heute. Richtig wäre natürlich der Gälische Begriff breacan. Anschließend hatte er noch die Unterschiede der Streifen, Farben, Muster und die Zuordnungen nach Countries oder Clans aufgezählt. Aber sie hatte aufgrund der Vielzahl nur abgewinkt. Er hatte ihr ein solches Stück Tartan gegeben, damit sie wenigstens seine Clan-Farben kannte.
Natürlich trug der Ire auch etwas unter dem Plaid, ein lain-uh, oder Englisch leine, kam Brians gespielt brüskierte Antwort, wobei er verräterisch gegrinst hatte. Das lain-uh ist eigentlich nichts anderes als ein bis zur Mitte der Oberschenkel reichendes Nachthemd.
Janet hatte laut gelacht in dem kleinen Lädchen in Killanery, als Brian mit nichts als dem Hemd bekleidet vor ihr stand.
Jetzt lachte sie nicht mehr. Und Seán und die anderen ritten in genau dieser Kleidung neben ihr her.
Sein Schwert hing lässig über sein Bein. ›Es ist bestimmt 1,20 m lang.‹ Die anderen trugen ihre mächtigen Schwerter auf dem Rücken. Sie waren noch länger.
Sie wurde aus ihren Gedanken gerissen, als Odhrán ihr den Knebel abnahm.
„War das gerade Trim?“
Er nickte.
›Trim! Ich werde verrückt. Das kann doch gar nicht sein. Die Abbey gibt es heute nicht mehr.‹ Sie lachte auf. ›Wie in dem Film Zurück in die Zukunft. Als wenn ich in einer Zeitreisemaschine gesessen hätte und vor der Abbey im Urzustand stünde.‹ Sie konnte es nicht glauben und doch sprach sie es aus: „Welches Jahr haben wir?“
„Hä?“
„Das Jahr?“
„49.“
„49?“
„Ja, 1649. Wieso?“
Ihr wurde schwarz vor Augen und sie kippte.
Ein Klatschen, nochmals, sie spürte wieder ein Klatschen im Gesicht.
›Nein, alles nur ein Traum‹, sagte sie ruhig zu sich selbst. ›Wenn du die Augen aufmachst, war alles nur ein Traum. Der Verlust von Brian war einfach nur zu viel für dich und du wirst sehen, du liegst zu Hause in deinem Bett.‹
Klatsch.
Sie wand den Kopf und es klatschte erneut auf ihren Wangen. Langsam öffnete sie die Augen. Über sich gebeugt sah sie verschwommen ein Gesicht.
„George?“, fragte sie brüchig.
„Was machst du denn für Sachen Junge. Dich einfach so kopfüber vom Pferd zu stürzen, he?“ Janet glotzte ungläubig und schloss wieder die Augen.
›Alles nur ein Traum. Ein ganz fürchterlicher Albtraum.‹
Nochmals flog ein Satz Ohrfeigen in ihr Gesicht. „Hey, hey, Junge, hier geblieben.“
Janet öffnete erneut die Augen und sah immer noch Odhráns Gesicht. Er half ihr beim Aufsetzen und hielt ihr eine Feldflasche an den Mund.
„Trink, das wird dir gut tun.“ Sie nahm einen Schluck und prustete. Whiskey! Er brannte in der Kehle. Sie musste krampfhaft husten. Odhrán schlug ihr kräftig auf den Rücken, so dass ihr fast die Luft wegblieb.
Nochmals setzte er ihr die Flasche an, und sie trank einen großen Schluck. Der Whiskey rann brennend durch die Kehle und verströmte im Magen eine angenehme Wärme.
Sie fühlte sich noch immer schwach.
„So ist es brav. Ja, so gefällst du mir schon viel besser.“ Er sprach mit ihr wie mit einem Baby. ›Der Mann, der dir noch vor wenigen Stunden seine Klinge an die Kehle gedrückt hatte, bereit dich jeden Moment aufzuschlitzen, spricht mit dir wie mit einem Baby‹. Ihr wurde schlecht. Sie musste sich übergeben.
Odhrán flößt ihr nochmals Whiskey ein und half ihr aufs Pferd. Seán musste ordentlich zupacken, um sie auf dem Pferd zu halten.
Sie ritten die ganze Nacht durch und es fiel ihr schwer, noch auf dem Pferd zu bleiben. Seán und Odhrán drängten ihre Pferde eng an das ihre, so dass sie nicht stürzen konnte. Bereits weit nach der Dämmerung erreichten sie ein abgelegenes Cottage, eines der einfachen Bauernhäuser Irlands, bei denen Janet sich immer fragen musste, wie man darin leben konnte. Früher war es sogar normal gewesen, dass darin zehn Personen und mehr lebten.
Murrough wurde von dem Kätner mit gesenktem Kopf empfangen. Er hielt sein Pferd, als Murrough abstieg und führte es in einen Paddock. Auch die anderen Männer stiegen ab, und Janet saß weiter regungslos auf dem Hengst. Sie wartete, den Blick auf die Mähne des Rotschimmels gerichtet, bis Odhrán sie vom Pferd zog und in das Cottage brachte. Die Männer saßen bereits am Tisch und aßen.
Er nahm ihr die Fesseln ab und schob sie auf die Bank neben die Männer. Janet aß apathisch die gereichte Mahlzeit, ohne sie zu schmecken. Auch nachdem sie zu Ende gegessen hatte, starrte sie mit dem Löffel in der Hand in die leere Schüssel.
Odhrán fasste sie am Arm. „Komm“, sagte er und wies auf die Ecke.
Sie wollte sich setzten, doch er befahl: „Zieh dich aus.“
Teilnahmslos stand sie da. ›Warum ist es mir egal, was er von mir verlangt? Sollte er doch sehen, dass ich kein Mann bin. Was spielt das jetzt noch für eine Rolle?‹
Sie öffnete die Jacke und streifte sie über die Schultern und sah zu, wie die Landkarte, die in der Innentasche gesteckt hatte, zu Boden fiel.
›Die Karte!‹
Janet war hell wach und stöhnte auf. Auf dieser Karte hatte Brian all die geschichtlichen Ereignisse festgehalten, damit sie einen besseren Überblick über die Clans, die Kriege, die Festungen und Abteien behalten würde.
›Und diese Karte liegt nun hier. In einer Zeit, wo sie ganz und gar nicht hingehörte. Wie soll ich erklären, dass ich das alles weiß. Es ist nicht zu erklären.‹ Ihr wurde schwindelig, die Jacke fiel ihr aus den zitternden Händen, und sie musste sich an der Wand abstützen.
Odhrán durchbohrte sie förmlich mit seinem Blick. Seine grauen Augen wirkten eisern und ihre Nackenhaare stellten sich vor Panik auf.
„Das Beinkleid“, merkte er an, ohne Anstalten zu machen, die Jacke oder die Karte aufzuheben.
Schwankend bückte sie sich und öffnete mechanisch die Schuhe. Mit einer, ihr unendlich vorkommenden Kraftanstrengung schaffte sie es, die hohen Bergstiefel auszuziehen.
Sie fasste unter den weiten Pullover, um den Gürtel zu öffnen. Da streifte die Hand den Griff des Armeemessers, das immer noch am Gürtel hing. Damit hatte sie nicht gerechnet. Reflexartig schloss sich die Hand um den Griff, und die Bewegung erstarrte. Odhrán verengte die Augen und wartete lauernd. Angespannt und kompakt stand er mit seinem massiven Körper vor ihr. ›Nein, mit dem Messer habe ich keine Chance gegen diesen Mann. Es ist anders als in all diesen Kinofilmen, wo die bösen Buben immer wild fuchtelnd und laut schreiend alle einschüchtern wollen.‹
Odhrán stand einfach nur da, und seine Haltung, sein Blick war Drohung und Warnung zugleich.
Janets Hand löste sich von dem Griff. Langsam öffnete sie die Gürtelschnalle und dann den Reißverschluss der Hose. Sie ließ sie samt Messer über die Hüften zu Boden gleiten. Noch während sie mit nach unten gerichteten Kopf aus der Hose stieg, ergriff Odhrán ihre Hände und band sie mit einem erschreckenden Geschick. Anschließend löste er die Uhr von ihrem Handgelenk.
