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Nach dem Tod ihrer Mutter ist die siebzehnjährige Prinzessin Julia Vollwaise. Am Boden zerstört zieht sie auf das Schloss ihrer Großmutter. Fürstin Astrid versucht alles, um die Prinzessin aufzuheitern, aber sie findet keinen Zugang zu ihr. Erst als Julias Onkel Prinz Manuel zu Besuch kommt, bessert sich die Stimmung auf dem Schloss. Bei Ausflügen mit Manuel blüht Julia immer mehr auf und überwindet ihre Trauer. Alle sind erleichtert - bis auf Manuels Verlobte. Sie begreift sehr schnell, was an Stelle von Julias Schmerz getreten ist: Liebe. Prinzessin Julia hat sich Hals über Kopf in ihren jungen Onkel verliebt ...
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Seitenzahl: 124
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Inhalt
Und dann brach ihr Herz
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Impressum
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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsbeginn
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Nicht alle Wünsche werden wahr
Von Nina Gregor
Nach dem Tod ihrer Mutter ist die siebzehnjährige Prinzessin Julia Vollwaise. Am Boden zerstört zieht sie auf das Schloss ihrer Großmutter. Fürstin Astrid versucht alles, um die Prinzessin aufzuheitern, aber sie findet keinen Zugang zu ihr.
Erst als Julias Onkel Prinz Manuel zu Besuch kommt, bessert sich die Stimmung auf dem Schloss. Bei Ausflügen mit Manuel blüht Julia immer mehr auf und überwindet ihre Trauer. Alle sind erleichtert – bis auf Manuels Verlobte. Sie begreift sehr schnell, was an Stelle von Julias Schmerz getreten ist: Liebe. Prinzessin Julia hat sich Hals über Kopf in ihren jungen Onkel verliebt ...
Bald würde durch Schönstein wieder Kinderlachen schallen, und das wurde auch langsam Zeit. Astrid Fürstin von Hohenrode seufzte. Manuel hatte für den Geschmack seiner Mutter viel zu lange gebraucht, ehe er unter all den hübschen jungen Frauen, die ihn umschwärmten wie Motten das Licht, die eine auserkor, die seine Frau werden sollte.
Frederik hätte sich gewiss nicht so viel Zeit gelassen wie sein jüngerer Bruder. Astrids Blick wanderte durch ihr Arbeitszimmer und blieb am Foto eines jungen Mannes hängen, dessen strahlendes Lächeln sie mitten ins Herz traf. Nur zu gut erinnerte sie sich an jene stürmische Winternacht, in der sie ihren Ältesten zur Welt gebracht hatte. Aber Frederik war seit vielen Jahren tot. Und Astrids ohnmächtige Trauer und Verzweiflung hatten sich inzwischen in eine stille Traurigkeit gewandelt ...
Die Fürstin wandte sich wieder ihrer Arbeit zu und nahm den letzten Brief von heute von ihrem schweren Eichenschreibtisch. Das Schreiben kam aus Frankfurt, und der Name der Absenderin sagte ihr nicht das Geringste: Silke Ebener.
Astrid faltete den Briefbogen auseinander und betrachtete für einen flüchtigen Moment die feine zierliche Schrift, ehe sie zu lesen begann: »Durchlaucht, ich wende mich heute an Sie, weil ich keinen anderen Ausweg mehr sehe ...«
Ah, wieder einer dieser Bettelbriefe! Astrid von Hohenrode hätte selbst nicht sagen können, warum dieser Brief nicht das gleiche Schicksal erlitt wie all die anderen Bittschreiben. Doch statt den Bogen ungelesen zu zerreißen, las sie weiter.
Silke Ebener, von der die Fürstin nie zuvor gehört hatte, war einst die Geliebte ihres Sohnes Frederik gewesen, die nur wenige Monate nach dem tragischen Unfalltod des Prinzen der gemeinsamen Tochter Julia das Leben geschenkt hatte.
All die Jahre hatte Silke die Identität von Julias Vater verschwiegen, weder für sich noch für ihre kleine Tochter irgendwelche Ansprüche an seine Familie gestellt. Obwohl es mit Sicherheit nicht leicht gewesen war, ihr Kind allein großzuziehen.
Gewiss hätte Silke auch in Zukunft geschwiegen, wenn da nicht ihre Krankheit gewesen wäre. Nun, im Angesicht des Todes, wie sie schrieb, bat sie die Mutter ihres einstigen Lebensgefährten, sich um die kleine Julia zu kümmern ...
Nein, »klein« konnte das Mädchen nicht mehr sein, ging es der Fürstin durch den Sinn. Immerhin waren seit Frederiks Tod beinahe achtzehn Jahre vergangen. Also musste Julia Ebener inzwischen süße siebzehn sein. Alt genug, um bald auf eigenen Füßen zu stehen, und doch viel zu jung, um die wichtigste Bezugsperson ihres Lebens zu verlieren, ihre Mutter. Astrid von Hohenrode ahnte, dass das junge Mädchen derzeit durch die Hölle ging, hatte sie selbst doch auch ihre Mutter verloren, als sie noch ein Teenager gewesen war.
Die Fürstin ließ den Brief auf die Schreibtischplatte sinken und wusste mit einem Mal genau, was sie zu tun hatte. Die Unterredung, die sie am Abend mit ihrem Sohn Manuel zu führen gedachte, war im Grunde nur noch Formsache. Denn bereits während sie las, hatte Astrid entschieden, Julia im Schloss ihrer Väter ein neues Zuhause zu bieten.
Wenig später eilte die Fürstin über die kiesbestreuten Wege des Schlossparks. Die Fürstin hielt für einen Moment inne, als die letzte Ruhestätte derer von Hohenrode im Licht der Vormittagssonne vor ihr lag. Der kleine Friedhof ging beinahe nahtlos in den Park über.
Das schmiedeeiserne Törchen knarrte, als Astrid es aufschob. Unwillkürlich verlangsamte sie ihren Schritt, je näher sie ihrem Ziel kam. Das Grab, vor dem sie schließlich stehen blieb, war mit einem bunten Frühlingsstrauß geschmückt. Hier lag seit beinahe achtzehn Jahren ihr Erstgeborener, Frederik von Hohenrode. Gerade einmal dreiundzwanzig war der Prinz gewesen, als ihm eine Winternacht zum Verhängnis wurde. Und für seine Familie, vor allem für seine Mutter Astrid, war von einer Sekunde auf die andere nichts mehr so gewesen wie zuvor.
Die Tage bis zur Beisetzung, die Beisetzung selbst, die erste Zeit danach hatte die Fürstin wie in einem bösen Traum gefangen erlebt. Nichts war für eine Mutter grausamer, als den Tod eines ihrer Kinder miterleben zu müssen. Und Frederik hatte doch gerade erst begonnen zu leben.
Nach einem glänzenden Abitur studierte er in Frankfurt, wollte später seine Studien an der Sorbonne in Paris und in Harvard fortsetzen. Eine großartige Zukunft lag vor dem jungen Erbprinzen und künftigen Fürsten von Hohenrode.
Die ganze Welt stand ihm offen, und es war nur eine Frage der Zeit, wann der charmante, gut aussehende junge Mann seine Wahl unter den schönen jungen Frauen getroffen hätte, die ihm Avancen machten. Gelegenheiten, die Richtige kennenzulernen, gab es genug. Glanzvolle Bälle, Verlobungen und Hochzeiten.
Aber, wie Astrid von Hohenrode vorhin erfahren hatte, hatte der Prinz damals seine Wahl bereits getroffen gehabt. Es musste ihm ernst mit dieser Silke gewesen sein, wenn sie sein Kind erwartet hatte.
»Ich hole sie beide nach Hohenrode, die Frau, die du geliebt hast, und dein Kind. Das verspreche ich dir, mein Junge.«
Lange hielt die Fürstin stille Zwiesprache mit dem geliebten Sohn, ehe sie zum Schloss zurückkehrte.
Den Rest des Tages verbrachte Astrid von Hohenrode in sonderbarer innerer Unruhe, die sie ungeduldig auf die Heimkehr ihres Sohnes Manuel warten ließ.
Ein Lächeln huschte über Fürstin Astrids Gesicht, als sie ihren Sohn und seine schöne Verlobte endlich die Freitreppe erklimmen sah. Die junge Elena war eine Schwiegertochter ganz nach Astrids Herzen, nicht etwa, weil sie von Adel war, sondern weil sie Manuel über alles liebte. Die beiden würden sehr glücklich miteinander werden und hoffentlich schon bald für zahlreiche Nachkommen sorgen, deren fröhliche Stimmen das alte Schloss aus dem Dornröschenschlaf erweckten.
Schon erklangen auf dem langen Korridor eilige Schritte, helles Frauenlachen mischte sich mit einer amüsierten Männerstimme, und dann wurde die Zimmertür schwungvoll aufgestoßen.
Das attraktive Paar trat Hand in Hand über die Schwelle, und Astrid von Hohenrode genoss für einen flüchtigen Moment den Anblick der verliebten jungen Leute, ehe sie beide mit einer herzlichen Umarmung willkommen hieß.
»Mama, du siehst blendend aus«, versicherte der Prinz charmant.
»Genauso fühle ich mich stets, wenn ich euch sehe«, versicherte Astrid. »Eure Liebe ist einfach herzerfrischend.«
Es wurde ein netter Abend in Gesellschaft des jungen Paares. Und wieder einmal konnte Astrid von Hohenrode es kaum erwarten, mit beiden unter einem Dach zu leben.
Erst später, nachdem man bei einem Glas Wein vor dem Kamin beieinandersaß, reichte sie ihrem Sohn Silke Ebeners Brief. Während Manuel las, hob er immer wieder den Kopf und suchte den Blick seiner Mutter.
»Das nenne ich in der Tat eine Überraschung«, versicherte er schließlich, nachdem er das Schreiben Elena gegeben hatte. »Was wirst du nun tun, Mama?«
»Liegt das nicht auf der Hand? Ich werde Frau Ebener morgen in Frankfurt aufsuchen, um sie und meine Enkelin – deine Nichte – kennenzulernen.«
»Das heißt, du hast keine Zweifel an Frederiks Vaterschaft?«
»Ich denke, morgen Abend wissen wir mehr. Es wird sich zeigen, ob ein Vaterschaftstest notwendig ist. Aber das entscheiden wir erst nach meinem Besuch, einverstanden?«
»Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Silke Ebener angesichts der Lage, in der sie sich befindet, lügt«, wandte Elena von Lieven vorsichtig ein. »Sie ist schwer krank und hat nicht mehr lange zu leben. Sie möchte ihre Tochter gut aufgehoben wissen. Und wo könnte ihr Kind es besser haben als in der Familie des Vaters?«
Fürstin Astrid nickte Elena zu. »Genau das sind auch meine Überlegungen.«
Nach einer unruhigen Nacht fuhr Astrid von Hohenrode zu der als Absender angegebenen Adresse in Frankfurt. Einen Moment lang hatte sie mit dem Gedanken gespielt, ihren Besuch anzukündigen. Doch dann entschied sie sich dagegen.
Das schlichte Mehrfamilienhaus, in dem Mutter und Tochter lebten, lag in einer ruhigen Wohngegend. Ein gepflegter Vorgarten hieß Besucher willkommen, über einen Kiesweg gelangte Astrid zur Eingangstür. Obwohl alles in ihr danach drängte, die Frau kennenzulernen, die ihr Sohn geliebt hatte, zögerte die Fürstin doch einen Herzschlag lang, ehe sie den Finger auf den Klingelknopf legte.
»Ja, bitte?«, erklang eine matte Frauenstimme.
»Astrid von Hohenrode«, erwiderte die Fürstin mit seltsam belegter Stimme. »Darf ich hereinkommen, Frau Ebener?«
In der Stille, die daraufhin herrschte, schien der Herzschlag der Fürstin regelrecht in den Ohren zu dröhnen.
Aber da erklang auch schon der Türsummer.
»Sie müssen leider die Treppe nehmen, der Aufzug streikt mal wieder«, erfuhr Astrid, ehe sie die Tür aufschob und über ein schlichtes Treppenhaus in den dritten Stock gelangte.
Die Tür zur Wohnung der Ebeners war nur angelehnt. Astrid zögerte flüchtig, ehe sie diese aufschob.
»Hier bin ich!«, rief eine schwache Frauenstimme. »Kommen Sie bitte herein.«
Astrid betrat einen überraschend großzügigen Wohnraum, der geschmackvoll mit modernen Möbeln und einigen schönen alten Stücken eingerichtet war. Die Tür zu einem blumengeschmückten Balkon stand offen, der Blick ging hinaus auf die Wolkenkratzer des Bankenviertels in der Ferne.
Astrid verharrte im Türrahmen, während sie den Blick schweifen ließ, bis dieser schließlich mit einem ungewöhnlich grünen Augenpaar zusammentraf. Silke Ebener lag auf dem größeren der beiden Sofas, eingehüllt in eine Decke, das Gesicht, in dem nur die großen Augen noch zu leben schienen, erschreckend ausgemergelt und so weiß wie die Gardine hinter ihr, die sich in der milden Frühlingsbrise blähte. Um den Kopf hatte sie ein buntes Seidentuch geschlungen ...
»Entschuldigen Sie, dass ich nicht aufstehe, aber es geht mir heute nicht so gut.« Die junge Frau lächelte entschuldigend. »Wenn ich gewusst hätte, dass Sie kommen, hätte Julia Kaffee und Gebäck für Sie bereitgestellt.«
»Danke, ich habe alles, was ich brauche, meine Liebe.«
Zum ersten Mal in ihrem Leben wusste die Fürstin nicht, wie sie sich verhalten sollte. Ihr Mitleid zum Ausdruck bringen? Ihr Bedauern über die offensichtliche Schwäche ihres Gegenübers? Oder einfach zur Tagesordnung übergehen?
Silke Ebener nahm ihr die Entscheidung ab, indem sie einladend mit ihrer abgemagerten Rechten auf einen Sessel deutete.
»Nehmen Sie doch bitte Platz. Ich habe Ihnen meine Erkrankung nicht verschwiegen, Durchlaucht. So spricht man Sie doch korrekt an? – Was haben Sie erwartet?«
Astrid schluckte und räusperte sich. »Nennen Sie mich bitte Astrid. Und ich darf Silke sagen?«
Auf ein kaum merkliches Nicken hin fuhr die Fürstin durchatmend fort: »Um ehrlich zu sein, habe ich mich einfach nur spontan zu diesem Besuch entschieden, ohne darüber nachzudenken, was mich wohl erwartet. Ich wollte Sie kennenlernen, Sie und natürlich auch meine Enkelin.«
Astrids Blick ging zu mehreren Fotos auf einem Sekretär. Eines zeigte den jungen Frederik Arm in Arm mit einer bildhübschen Frau, die ihn verliebt anstrahlte. Aus einem Silberrahmen daneben lächelte ihr ein Teenager mit dunklen Haaren und leuchtend blauen Augen entgegen.
»Dann haben Sie keine Zweifel, dass Julia Ihre Enkelin ist?«
»Nicht, nachdem ich dieses Foto gesehen habe. Julia ist meinem Sohn wie aus dem Gesicht geschnitten.«
Die Fürstin hatte das Foto zur Hand genommen und betrachtete es eine Weile gedankenverloren, ehe sie sich zu Silke umwandte, die sie nicht aus den Augen gelassen hatte.
»Er war die Liebe meines Lebens«, flüsterte die junge Frau erstickt, als sich Astrid nun auf der Sofakante niederließ und ihre Hand in die ihren nahm. »Nach Freds Tod konnte es keinen anderen mehr geben, das müssen Sie mir glauben. Auch wenn mir schon beim Kennenlernen klar war, dass es für uns keine gemeinsame Zukunft geben konnte. Er, der Prinz, ich die kleine Bürgerliche. Wir kamen aus verschiedenen Welten, es gab keinen Weg zueinander. Selbst dann nicht, wenn Frederik von meiner Schwangerschaft gewusst hätte, darüber habe ich mir keine Illusionen gemacht ...«
»Er hat also nicht mehr erfahren, dass er Vater wird?«
Silke schüttelte langsam den Kopf.
Die Fürstin seufzte. »Dabei hat er sich immer eine große Familie gewünscht.«
»Ich weiß.« Die Blicke der beiden Frauen hielten stille Zwiesprache, ehe Astrid entschieden fortfuhr: »Und wenn Sie glauben, dass Frederik sich nicht zu Ihnen und dem Kind bekannt hätte, kannten Sie ihn leider nicht wirklich, meine Liebe. Ich bin sicher, dass er sich der Verantwortung gestellt hätte.«
»Mit Ihrem Segen, Durchlaucht?«
Da senkte Astrid von Hohenrode fast ein wenig beschämt den Kopf.
»Ich ... ich bin mir nicht sicher ...«, bekannte sie.
»Aber das ist jetzt auch nicht mehr wichtig«, erwiderte Silke. »Jetzt geht es nur noch um Julia, um die Zukunft meiner, unserer Tochter ...«
»... und meiner Enkelin!« Astrid ließ keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie sich dieses Mal ihrer Verantwortung nicht entzog.
»Sie sind ... das ist meine Großmutter?«, erklang da von der Tür her eine atemlose Mädchenstimme. »Du hast ihr wirklich geschrieben, Mama? Und sie ... sie ist hergekommen?«
»Ohne zu zögern, mein Kind, gewiss!«, versicherte Astrid von Hohenrode beinahe ebenso atemlos, wie das zierliche, dunkelhaarige Persönchen, zu dem sie sich jetzt umdrehte.
»Das finde ich echt krass, Durchlaucht!« Die junge Stimme klang anerkennend.
»Julia, bitte!«, mahnte Silke, doch Astrid erwiderte lächelnd: »Das ist nun mal die Sprache der Jugend, Silke. Ich denke, damit kann ich leben.«
»Oh, ich kann auch anders, Durchlaucht«, versicherte Julia mit scheuem Lächeln. »Meine Mama war eine strenge Erzieherin, müssen Sie wissen.«
»Möchtest du mich nicht Großmama nennen?«, erwiderte die Fürstin mit nicht ganz fester Stimme und streckte dem Mädchen ihre Hände entgegen.
Julias fragender Blick zur Mutter entging der Fürstin dabei keineswegs. Als diese kaum merklich nickte, überwand das Mädchen die Distanz des Raumes und versank mit einem kleinen, erleichterten Seufzer in der Umarmung ihrer Großmutter.
»Sie ist Frederik wie aus dem Gesicht geschnitten.« Fürstin Astrids Augen schimmerten feucht. »Ein reizendes junges Mädchen, aber das werdet ihr bald selbst feststellen können. Ich möchte Silke und Julia so rasch wie möglich nach Schönstein holen. Es wäre gewiss auch in Frederiks Sinn, wenn die geliebte Frau hier noch eine letzte glückliche Zeit verbringen kann.«
»Dann gibt es für Frau Ebener keine Hoffnung?«, fragte Elena mitfühlend.
»Ich fürchte, nein«, erwiderte die Fürstin. »Ich habe Silke zwar angeboten, die besten Ärzte zu konsultieren. Doch ich fürchte, sie hat recht, wenn sie sagt, dass der Krebs bereits zu weit fortgeschritten ist, um noch auf Heilung zu hoffen. Man wird ihre Qualen allenfalls lindern können.«
Manuel von Hohenrode nickte zustimmend.
»Elena und ich unterstützen dich selbstverständlich dabei, nicht wahr, Liebes?«
Die Gräfin drückte seine Hand. »Es ist schade, dass diese Liebesgeschichte ein so trauriges Ende finden muss«, versicherte sie zutiefst berührt. »Dabei hätten Mutter und Tochter auf Schönstein die besten Jahre ihres Lebens verbringen können.«
»Ja, es ist wirklich tragisch.« Fürstin Astrid seufzte bekümmert auf. »Aber wir können wenigstens Julia einen glänzenden Start ins Leben bieten. Als Mitglied des Hauses von Hohenrode stehen ihr alle Türen offen.«
