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Gesunde Füße – gesunder Mensch
Unsere Füße fristen oft ein Schattendasein – dabei sind sie weit mehr als nur das Ende unserer Beine. Und sie hinterlassen Spuren, die wir lesen können. Wie gehe ich durchs Leben? Welche gesundheitlichen Probleme belasten mich? Wo gibt es in meinem Körper Spannungszonen?
Carsten Stark erklärt in diesem Buch, welche Bedeutung die Füße für unsere Gesundheit haben und was ihnen guttut oder schadet. Und er zeigt, wie man mit einfachen Übungsanwendungen nicht nur den Füßen helfen, sondern durch Einbeziehung der Füße auch andere körperliche Beschwerden lösen kann. In dieser erweiterten Neuausgabe werden nun auch Kinder-, Senioren-, Sportlerfüße und der Unterschied zwischen Frauen- und Männerfüßen in den Fokus gerückt. Außerdem gibt es ein 3-Wochen-Programm, das Schritt für Schritt dabei hilft, Barfußlaufen zur neuen Gewohnheit werden zu lassen.
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Seitenzahl: 319
Veröffentlichungsjahr: 2024
CARSTEN STARK
Ganzheitlich gesund ohne Einlagen, Medikamente und OP
© 2024 by Südwest Verlag, einem Unternehmen der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, Neumarkter Straße 28, 81673 München
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Hinweis
Die Ratschläge/Informationen in diesem Buch sind von Autor und Verlag sorgfältig erwogen und geprüft, dennoch kann eine Garantie nicht übernommen werden. Eine Haftung des Autors bzw. des Verlags und seiner Beauftragten für Personen-, Sach- und Vermögensschäden ist ausgeschlossen.
Bildnachweis
Fotografie: Christian Martin Weiss, Puchheim Illustrationen: Nadine Gibler, Stuttgart Fußscans 1, 2 : Carsten Stark Für die freundliche Unterstützung der Fotoproduktion danken wir www.barfußlaufen.com.
Bildredaktion und Leitung der Fotoproduktion:Sabine Kestler (Erstausgabe), Bele Engels (Neuausgabe)
Projektleitung: Sarah Gast
Redaktion Erstausgabe:Claudia Fritzsche, München
Redaktion und Satz Neuausgabe:Matthias Liesendahl, Berlin
Korrektorat: Claudia Fritzsche, München
Umschlaggestaltung:Veruschkamia, Vera Schlachter, München, www.veruschkamia.de
Innenlayout:Sandra Albert, Hamburg
Herstellung:Timo Wenda
Reproduktion:Mohn Media Mohndruck GmbH, Gütersloh
ISBN 978-3-641-32485-8V001
www.suedwest-verlag.de
Dieses Buch ist meinem Bruder Roland gewidmet, der seine Karriere als Hochspringer im Weltklassesegment aufgrund medizinisch nicht erkannter Ursachen aufgeben musste.
Vorwort
Wann es sich auf jeden Fall lohnt, dieses Buch zu lesen
Kapitel 1: Füße im Fokus
Selbst erlebt! – Meine eigene Geschichte
Die Basis – bevor Sie losgehen
Präzisionsmaschine Mensch
Die Sensomotorik
Spuren, die man lesen kann
Kapitel 2: Wie wir unsere Füße quälen
Teufels(Schuh)werk
Verschiedene Schuhformen und ihre Konsequenzen
Übliche Fußtherapien – ein Millionengeschäft
Kapitel 3: Jeder Fuß ist anders
Vielfalt in unseren Schuhen
Kapitel 4: Die Füße verstehen
Vom Greif- zum Lauforgan
Von den Zehen zu den Zähnen
Die Sache mit den Schmerzen
Was passiert bei Arthrose?
Chronische Fußbeschwerden
Kapitel 5: Barfuß – mehr als nur ein Trend
Der natürliche Gang
Sind wir mit Schuhen auf die Welt gekommen?
»Echtes« Barfußgehen
Schuhe aus, Socken aus! Barfußtraining!
Was passiert, wenn wir einen Trainingsreiz setzen?
Das Thema »Barfußschuhe«
Mythen und Märchen zum Thema »Barfußgehen«
Tausend Gründe fürs Barfußgehen
Das Barfußprogramm
Kapitel 6: Von Joggingschuhen und Vorfußläufern
Joggen und ein neuer Trend
Gehen, Laufen, Rennen – was ist eigentlich Joggen?
Laufen und Joggen in Barfußschuhen
Kapitel 7: So sorgen Sie gut für Ihre Füße!
Wie Sie Ihre Füße schützen können
Die »paradoxe Intervention«
Kapitel 8: Ergänzende Therapien – meine Auswahl für Sie
Was Heilsteine, Pfarrer Kneipp und Co. bewirken können
Kapitel 9: Die sieben Fußzonen
Entscheidend: die ganzheitliche Sicht
Fußzone 1
Fußzone 2
Fußzone 3
Fußzone 4
Fußzone 5
Fußzone 6
Fußzone 7
Nachwort
Sachregister
Ein rechtlicher Hinweis
Impressum
Liebe Leserin, lieber Leser!
Stellen Sie sich bitte für einen Moment vor, dass sich, nachdem Sie viele Jahre mit Fußbeschwerden und Einschränkungen gelebt haben, plötzlich die Ketten lösen und Sie leicht und beschwerdefrei durch das Leben gehen können. Was wäre das für ein Gefühl? Wie würde sich das auf Ihr Leben auswirken? Und was würde Ihr Umfeld dazu sagen?
Wenn ich die letzten Jahre seit dem Erscheinen der Erstausgabe dieses Buches reflektiere, wird mir deutlich, welchen hocheffektiven Gesundheitsschatz Sie in Händen halten, nicht nur für Ihre Füße. Einen Schatz, den Sie zu Hause sehr wirkungsvoll sowohl zur Ursachenfindung als auch zur Behandlung akuter und chronischer Symptome einsetzen können. Wie bei der Erstausgabe gehe ich davon aus, dass es vermutlich kein Zufall ist, dass Sie dieses Buch erworben haben. Die meisten Menschen, die es im Lauf der Jahre gekauft haben und mit denen ich Kontakt hatte, waren nicht nur daran interessiert, mehr über ihre Füße zu erfahren, sondern hatten in der Regel ein gesundheitliches Problem, manche von ihnen schon über viele Jahre. Einige standen vor der Entscheidung: Operation – ja oder nein? Andere haben verstanden, dass es an der Zeit ist, die eigene Gesundheit selbst in die Füße zu nehmen.
Bei einem Kind, das mit Stützrädern das Radfahren erlernt, kommt irgendwann der Augenblick, wo es gut ist, die Räder abzunehmen und dem Kind nur noch die sichere Hand zu reichen oder neben dem Rad herzugehen, bis das Kind genügend Sicherheit hat. Genau das wünsche ich mir im übertragenen Sinn für das Buch – dass Sie von meinen Erfahrungen profitieren und irgendwann meine Hilfe nicht mehr benötigen.
Seit der Veröffentlichung der Erstausgabe hat sich nichts daran geändert, dass Sie mit sich selbst ein Commitment eingehen müssen. Dazu zählt auch die Bereitschaft, die eigenen Lebens- und Denkgewohnheiten zu überprüfen und anschließend die Maßnahmen aus diesem Buch, individuell angepasst, umzusetzen, um den Körper bei seiner Regeneration zu unterstützen.
Was passiert, wenn man überzeugt und gewissenhaft übt, konnte ich im Lauf der Jahre in vielen positiven, manchmal fast schon ekstatisch-freudigen E-Mails lesen. Mir schrieben Menschen, die oft nach jahrzehntelangen Einschränkungen plötzlich wieder mehr Beweglichkeit in den Füßen spürten, bei denen die Beschwerden sich zurückbildeten und der innerlich-seelische Kontakt zu den Füßen hergestellt werden konnte. Alle einte, dass sie die Verantwortung für sich selbst in den Fokus genommen haben, um wieder gesund zu werden.
Um Sie auf diesem Weg zu unterstützen, gebe ich Ihnen umfangreiche Möglichkeiten und Ansätze an die Hand, die es Ihnen ermöglichen, Ihre Situation einzuschätzen und zu erkennen, wie Sie auf eine effektive und einfache Art und Weise Ihre Genesung unterstützen können. Dabei können sowohl die Übungen als auch die ganzheitlichen Ansätze individuell angepasst werden.
Gesundheit ist unser höchstes Gut. Aufgrund des medizinischen Fortschritts ist es heute möglich, Krankheiten, die früher noch den Tod bedeuteten, zu heilen. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass wir Menschen dadurch auch immer älter werden und dass die Wahrscheinlichkeit, altersbedingt zu erkranken, recht hoch ist. Die moderne Medizin ändert nichts daran, dass bestimmte Fähigkeiten schon ab dem 25. Lebensjahr abnehmen, und auch nichts daran, dass wir – auch wenn dieser Prozess langsam und leise vonstattengeht –, mit jedem Jahr altern. Darum ist es so essenziell, vorzubeugen und sich im Hinblick auf die Fußgesundheit die Frage zu stellen, wie man arthritische, rheumatische und skelettale Erkrankungen der Füße vermeiden oder möglichst lange hinauszögern kann. Wollen Sie leiden oder lernen?
Die Füße zu verstehen, mit ihnen zu üben, sie zu schätzen und sich ihrer nicht erst zu besinnen, wenn sie schmerzen, sollte Ihnen ein Anliegen ein. Mit diesem Buch möchte ich Sie auf diesem Weg unterstützen. Dabei fließen meine praktischen Erfahrungen der letzten zwanzig Jahre, in denen ich als FUSSKARTOGRAPH gearbeitet habe, ebenso ein wie die Sichtung Tausender Fußbilder und der intensive Austausch mit Leserinnen und Lesern meiner Bücher.
Für mich sind Gesundheit und Vitalität das Wesentlichste. Sie sind die Basis für so viele andere Bereiche. Denn wie kann ich glücklich sein, wenn ich nicht vital bin oder sogar Schmerzen habe? Wie kann ich meine Ziele erreichen, wenn meine Gedanken immer nur um meine Beschwerden kreisen? Wie kann ich lachen und fröhlich sein, wenn mich buchstäblich der Schuh drückt?
Ich wünsche und hoffe, dass ich Ihnen mit dieser Neuausgabe ein guter Begleiter bin, dass Sie all das, was ich Ihnen an die Hand gebe, umsetzen können und dass Sie wieder frohen Mutes auf Ihren Füßen durchs Leben tanzen können.
Dieses Buch ersetzt kein persönliches Gespräch oder eine individuelle, ganzheitliche Betrachtung und Behandlung. Es kann aber eine erste Hilfestellung bieten und Zusammenhänge aufzeigen. Der größte Mehrwert liegt jedoch darin – und das ist mein ganz persönliches Anliegen und mein Geschenk an Sie – dass Sie sich selbst und Ihre Füße nach der Lektüre vermutlich neu entdecken und in einem anderen Kontext betrachten können.
Der wichtigste Satz, der mich über all die Jahre immer begleitet hat, heißt: »Jede Beschwerde hat ihre Ursache, und wenn die Beschwerden nicht nachhaltig verschwinden, wurde die Ursache nicht entdeckt.«
Wenn es mir mit diesem Buch gelingt, Sie auf diesen Pfad zu führen, dorthin, dass Sie an die Stelle von Mutlosigkeit und Hoffnungslosigkeit wieder Hoffnung und Zuversicht setzen, dann geben Sie mir ein großes Geschenk zurück. Ich möchte Sie motivieren, wieder in Richtung Chance zu denken. Fassen Sie den Mut, hinzusehen und sowohl Gewohnheiten als auch angebliche Gesetzmäßigkeiten zu hinterfragen. Stellen Sie sich wieder aufrecht auf Ihre Füße, finden Sie Ihren eigenen Tritt und Ihren eigenen Weg.
Glauben Sie mir, Füße und Fußabdrücke lügen nicht. Es gibt kaum einen anderen Körperteil, der mehr über Sie und Ihr Leben aussagt, und Sie selbst können viel mehr Einfluss auf ihn nehmen, als Sie jetzt im Augenblick vielleicht denken. Es ist mir eine große Freude, Sie mit diesem Buch dabei zu unterstützen.
Und noch ein weiterer Hinweis: Schon in der Erstausgabe habe ich zahlreiche Möglichkeiten zur schonenden und nachhaltigen Linderung von Fußbeschwerden für möglichst viele Betroffene aufgezeigt. Ohne Sie zu kennen, kann ich als Autor natürlich unmöglich exakt sagen, welche Maßnahmen nun speziell für Ihr Problem hundertprozentig passen. Auch dieses Buch kannnur Ansätze bereitstellen, mit denen Sie arbeiten können. So können Sie schauen, ob sich mit den Übungen etwas verbessert. Trotzdem gebe ich Ihnen den Grundgedanken mit auf den Weg, dassFüße gut, alles gut!kein reines Übungsbuch ist. Das mag jetzt paradox klingen, aber es handelt sich eben um Übungen, die Sie individuell anpassen können, sowie um grundlegende Übungen, die das Ziel haben, der übermäßigen Beanspruchung unserer Füße im Alltag – besonders durch das Tragen von Schuhen im Berufsleben – etwas entgegenzusetzen und die Belastung auszugleichen.
Hauptsächlich soll das Buch mit den darin enthaltenden Anregungen Ihr Interesse wecken und Ihnen die Möglichkeit geben, Fußschwächen bereits in den Anfängen zu erkennen, ihnen zu begegnen und eine Verschlimmerung zu vermeiden. Bei sehr krankhaft veränderten Füßen können die Übungen eine wertvolle Ergänzung zu anderen therapeutischen oder medizinischen Maßnahmen sein.
Um aber trotzdem spezifischer zu sein, wurde diese Ausgabe um ein ergänzendes Kapitel erweitert, das sich mit den Unterschieden zwischen Frauen- und Männerfüßen und den Füßen in unterschiedlichen Altersphasen befasst. Nach den Erfahrungen, die ich seit Erscheinen der Erstausgabe sammeln konnte und die gezeigt haben, dass von der Anpassung der Übungen an die jeweiligen individuellen Umstände sehr viel abhängt, schien mir diese Ergänzung notwendig. Denn unterlässt man diese Anpassung, endet das Üben leider oft mit Frustration, Misserfolgen oder gar einer Verschlimmerung der Situation. Das soll nicht sein.
Und noch ein letzter Hinweis. Wer in den sozialen Medien unterwegs ist, findet sie reichlich: Übungen auf YouTube oder auf anderen Kanälen – meist vorgeführt von Influencern. Videos oder Übungsbücher, teils mit hanebüchenen Versprechen. Vielleicht kennen Sie die Redewendung: »Wo das Wissen endet, beginnt der Glaube« – daran muss ich oft denken, wenn ich solche Tipps sehe. Für viele Betroffene enden solche Angebote im Frust, weil der Erfolg ausbleibt oder die Symptomatik sich verschlimmert. Dann heißt es oft: Die Übungen passen nicht, sind zu umständlich, dauern zu lang, taugen nichts, und schon sind alle Fußübungen schlecht. Meine Bitte an Sie, selbst wenn Sie solche Erfahrungen schon gemacht haben: Bewahren Sie sich Ihre Offenheit, begeben Sie sich erneut auf den Weg und nähern Sie sich dem Wunderwerk Füße aus einer ganzheitlich FUSSKARTOGRAPHISCHEN Sicht. Werden Sie selbst zum Spezialisten Ihrer Füße. Ich begleite Sie gern dabei.
Ihr Carsten Stark
Hinweis:Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird bei Personenbezeichnungen und personenbezogenen Hauptwörtern in diesem Buch die männliche Form verwendet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung grundsätzlich für alle Geschlechter. Die verkürzte Sprachform hat nur redaktionelle Gründe und beinhaltet keine Wertung.
bei Fußbeschwerden Schuhe mit weicher Sohle zu kaufen.
Einlagen zu tragen!
Barfußschuhe zu kaufen, ohne dass Sie Barfußläufer sind.
bei Beschwerden barfuß zu laufen.
beim normalen Bergwandern auf jeden Fall hohe, feste Bergschuhe zu tragen.
man »da nichts mehr machen kann«.
man schnell operieren muss, am besten, bevor es noch schlimmer wird.
»alles von der Psyche kommt«.
eine Maßanfertigung die beste Lösung ist.
Sie einen Spreiz-/Senk-/Knick-/Hohlfuß haben und deshalb operiert werden müssen.
Sie einen Zehenspreizer oder eine Hallux-Schiene über Nacht tragen sollen.
kalte Füße grundsätzlich krank machen und eine Blasenentzündung bewirken.
Fußre
fl
exzonen-Therapie eine Fuß-Therapie ist.
es genügt, willkürliche Übungen, die Sie auf sozialen Plattformen und Videokanälen sehen, zu machen.
nur allein durch ein paar Fußübungen chronische Beschwerden verschwinden.
man da nichts machen kann, weil es »genetisch« ist.
Yoga Ihre Fußprobleme behebt.
Barfußgehen bereits das Gehen mit nackten Füßen im Haus oder eventuell mal im Garten ist.
Sie ungewöhnlich schnell die Diagnose Arthritis/Arthrose bekommen.
Ihr Fußbehandler selbst (evtl. Fußtherapeut – das ist kein geschützter Begriff) Schuhe mit Fußbettung oder dicker Sohle trägt.
Ihnen eine Fußdiagnose gestellt wird, ohne dass Ihre Füße angefasst oder genau untersucht worden sind.
Sie Ihre Schuhe vor der Tür des Behandlungsraums abstellen müssen.
die Lösung von Fußproblemen durch sensomotorische Einlagen angepriesen wird.
Ihnen orthopädische Einlagen angepasst werden, ohne dass man Sie auf die dadurch notwendige Anpassung Ihres Schuhwerks aufmerksam macht.
sich Ihre Fußtherapie nur einseitig mit Ihren Füßen beschäftigt.
Sie trotz aller Bemühungen nach vier Wochen noch keine Veränderung Ihrer Symptome feststellen können.
der Kieferorthopäde Sie nicht zum Osteopathen beziehungsweise FUSSKARTOGRAPHEN schickt.
Ihr Psychotherapeut begleitende Therapien der Füße als »weit hergeholt« belächelt oder gar ablehnt.
Ihnen die Fußp
fl
egerin oder der Fußp
fl
eger regelmäßig die Hornhaut an den Füßen entfernt, ohne Sie auf mögliche Fehlbelastungen oder Schuhwerkkorrekturen hinzuweisen.
bei chronischen körperlichen Beschwerden Ihre Füße nicht beachtet werden.
Vieles, das in der Entwicklung von Technik oder Medizin als Durchbruch galt, beruhte auf zufälligen Entdeckungen oder entstand aus der Bewältigung eines Problems heraus. So ist auch die FUSSKARTOGRAPHIE ins Leben gekommen. Will man ein Problem beseitigen, muss man es zunächst einmal gut beobachten und herausfinden, wodurch es entstanden ist. Darum erzähle ich Ihnen nicht nur meine eigene Geschichte und was es mit der FUSSKARTOGRAPHIE auf sich hat, sondern ermuntere Sie ausdrücklich dazu, Ihre Füße, aber auch Ihre Schuhe, genauer unter die Lupe zu nehmen.
Ich war schon immer ein sportlicher Mensch, bewege mich bis heute sehr viel und habe großen Spaß daran, im Sport meine körperlichen und mentalen Grenzen auszuloten – bis zu einem Tag vor etwa 22 Jahren, an dem ich unspezifische Rückenschmerzen bekam, die sich durch keine Therapie abstellen ließen.
Die Schmerzen veränderten nicht nur meinen Alltag, sondern letztendlich mein Leben. Ich stellte mir den Wecker auf morgens 5 Uhr, um eine Schmerztablette einzunehmen, damit ich um 7 Uhr aufstehen konnte. Die Schmerzen strahlten nicht nur in mein Bein aus, sondern quälten meinen Körper und meine Sinne. An Sport war nicht mehr zu denken, und auch sonst war ich kaum noch in der Lage, irgendetwas zu leisten. Über 18 Monate machte ich dieses Martyrium durch, eine Situation, die sich immer mehr zuspitzte, bis ich schließlich operiert werden musste.
Eigentlich hatte ich eine Operation vermeiden wollen und deshalb zunächst nach Alternativen gesucht – angefangen von schulmedizinischen Therapiemethoden wie Quaddeln, Katheterspülungen und Stoßwellentherapie bis hin zu Schuheinlagen, später über physikalische Therapiemethoden wie Fango, Massage, Manualtherapie bis hin zu alternativen Heilansätzen wie Ernährungsumstellung, Cranio-Sakral-Therapie, Gyrotonic, Feldenkrais und Osteopathie. All diese Behandlungsmethoden brachten mir lediglich eine temporäre Erleichterung, bis sich die Schmerzen mit aller Macht zurückmeldeten.
Eine der für mich prägendsten Erkenntnisse, die ich während meiner langjährigen heilpraktischen, psychologischen und medizinischen Ausbildung von meinen Lehrern übernehmen durfte, war der Satz: »Jede Beschwerde hat ihre Ursache, und wenn die Beschwerden nicht nachhaltig verschwinden, wurde die Ursache nicht entdeckt.«
Also begab ich mich auf die Suche und begann, mir intensiv Gedanken darüber zu machen, was die Ursache für meinen Leidensweg gewesen sein könnte und wie sich die Funktionen in meinem Körper gegenseitig bedingen. Die Operation hatte ich zwar nicht verhindern können, aber ich wollte unbedingt vermeiden, dass mir so etwas noch einmal passierte. Leider fand ich zunächst keine befriedigende Antwort, bis mir eines Tages der berühmte Zufall den entscheidenden Hinweis gab.
Ich hatte mir an einem Mittwoch freigenommen, um mit meinem Bekannten Ski fahren zu gehen. Am Vorabend suchte ich im Keller meine Skischuhe, fand sie allerdings nicht. So musste ich mir im Skigebiet ein Paar Skischuhe ausleihen, damit der Skitag beginnen konnte. Bereits nach zwei Stunden hatte ich jedoch solche Schmerzen in den Füßen, im Rücken und zusätzlich Kopfschmerzen mit Tränenfluss, dass ich meinen Skitag enttäuscht beenden musste und die Skischuhe in den Laden zurückbrachte.
Der Geschäftsführer bekam mein Malheur mit. Er stellte mich auf einen Fußscanner, um nachzusehen, ob ich eine Einlage für den Skischuh bräuchte. Ich hätte einen Knickfuß, meinte er und verkaufte mir eine Sporteinlage, die dieses Problem beheben würde. Dankbar verließ ich das Geschäft und machte mich auf den Heimweg. Doch bereits nach einem Kilometer Fahrstrecke drehte ich plötzlich auf der Straße um – wie von »Geisterhand« geführt – und fuhr zurück.
Glücklicherweise war mein Fußbild, der Fußscan, noch auf dem Monitor, weil der Geschäftsführer gerade jemanden beim Skischuhkauf beriet. Ich schaute mir das Bild an, und mir fielen an diesem digitalen Fußbild einige Ungleichmäßigkeiten auf, die mir zu denken gaben.
Mir wurde bewusst, dass meine Füße die einzigen Teile meines Körpers waren, die während meiner ganzen bisherigen Leidenszeit noch von keinem Arzt oder Therapeuten genau untersucht worden waren – wenn man von der Knickfuß-Diagnose einmal absieht. Sollten sie die Ursache für mein Rückenleiden sein? Das Fußbild deutete mit seinen Unregelmäßigkeiten darauf hin. Für mich Grund genug, mich auf den Weg zu begeben, um mehr über die Füße und ihre Wirkung auf den restlichen Körper zu erfahren. Mit großer Überraschung musste ich damals bei meinen Studien feststellen, dass es relativ wenig Material zu diesem Thema gab, dass sich die Informationen immer wieder ähnelten, oft nur etwas abgewandelt waren, oder dass die Sichtweise auf die Füße sehr einseitig war – egal, ob es um Fußstellungen, Barfußgehen oder Fußreflexzonen ging.
Der Fußscanner und ein digitales Fußbild auf dem Monitor.
Ebenso hatte ich selten den Eindruck, dass die Autoren von Abhandlungen über Füße aus eigener Erfahrung heraus berichteten oder als Vorbilder das Prinzip »Vitale Füße, vitaler Körper« vorlebten. Schnell wurde mir klar, dass ich mit meiner Vorbildung, genug Übung, viel Erfahrung und einem gewissen Talent noch viel mehr aus digitalen Fußbildern würde lesen können, um aus ihnen Ursachen und ganzkörperliche Zusammenhänge herauszuarbeiten. Ich verstand, dass sich über die Füße Lösungswege für Genesungsprozesse finden ließen, dass sie andere Therapiemethoden unterstützen oder zu Leistungsverbesserungen im Sport beitragen können. Und so ergab sich aus einem »Zufall« nicht nur meine eigene Genesung, sondern auch meine Berufung.
Nach jahrelangen intensiven Studien, eigenen Erfahrungen und mehreren Tausend Fußscansverneige ich mich in Hochachtung vor unseren Füßen. Das soll keine Wertung der klassischen Art sein, aber ich betrachte die Füße heute als die für den Menschen wichtigsten Körperteile im Sinn der Einflussnahme auf andere Regelkreise, auf die Statik, die Aufrichtung, die Wahrnehmung, auf das Herz-Kreislauf-System, den Stoffwechsel, die Psyche, die Fortbewegung und vieles mehr, was ich Ihnen auf den folgenden Seiten näher erläutern werde.
Stellen Sie sich vor, Sie planen eine Besteigung des Mount Everest. Abgesehen von Ihrer Bergerfahrung und Ihrer Fitness – was ist Ihrer Meinung nach das Wichtigste für den Aufstieg? Ich sage es Ihnen: Es ist ein perfekt organisiertes Basislager. Ein Ort, wo alle Fäden zusammenlaufen. Der Anfang und das Ende. Je besser das Basecamp und damit die Vorbereitung, desto reibungsloser der Aufstieg. Stellen Sie sich all die Menschen und Abläufe vor, die in einem Basislager dafür sorgen, dass alles funktioniert, dass Sie versorgt sind, dass die Funkverbindung klappt und vieles mehr. Und nun verrate ich Ihnen etwas: Ihre Füße sind solch ein Basecamp, sie sind die Basis. Der Anfang und das Ende. Ein Leben lang. Ein perfekt strukturierter, organisierter Mechanismus. Allerdings unter einer Voraussetzung: Sie sorgen gut für sie. Sie pflegen sie. Sie achten darauf, dass Ihre Füße ihre Funktionen auch wirklich erfüllen können.
Damit gebe ich Ihnen schon auf den ersten Seiten die Verantwortung in die Hand. Es wird nicht das letzte Mal sein, denn eines ist klar: Für den Zustand Ihrer Füße sind Sie allein verantwortlich.Aber die gute Nachricht ist, dass Sie damit auch jederzeit in der Lage sind, etwas zu verändern, selbst Einfluss zu nehmen.
Menschen, die von Beschwerden geplagt sind, richten ihren Fokus vorrangig auf Heilung. Viele laufen verzweifelt von Pontius zu Pilatus, probieren dieses oder jenes aus.Dabei steht die Suche nach Maßnahmen und Therapien, die den Schmerz lindern und die Pein schnellstmöglich beenden, stärker im Vordergrund als die Suche nach der Ursache.Grundsätzlich ein verständliches Vorgehen. Nur ist das ungefähr so, als würden wir ein kaputtes Auto waschen, streicheln, polieren, ein Pferd davor spannen oder es auf einen Hänger setzen, damit es sich wieder bewegt, statt die Motorhaube zu öffnen und zu schauen, was denn nun eigentlich Sache ist.
In unserer modernen Welt hoffen wir in solch einer Situation natürlich auf die Möglichkeiten der modernen Medizin oder auf den Arzt. Schließlich ist er der Fachmann. Einer der wissen müsste, an welcher Stelle man suchen muss, um den Motor wieder in Gang zu bringen. Leider lehrt die Erfahrung – und das hat sich seit der Erstveröffentlichung dieses Buches nicht verändert –, dass die wenigsten Ärzte tiefgehende und ganzheitliche Ursachenforschung betreiben. Stattdessen sind sie es, die die Pferde vor das kaputte Auto spannen oder einfach ins Ersatzteillager greifen, um bei meiner Analogie zu bleiben. Die Gründe dafür sind hinlänglich bekannt – was nichts an der Dramatik und Tragweite dieser Tatsache ändert.
Zunächst so viel: Wir sind heute mehr denn je darauf angewiesen, selbst die Zusammenhänge zu verstehen, uns selbst mit der Thematik zu beschäftigen, nach der Lösung zu suchen und selbstverantwortlich zu handeln. Das trifft vor allem auf die Gesundheit unserer Füße zu, denn ob Sie es jetzt glauben oder nicht: Viele chronische Beschwerden haben ihren Ursprung in einer mangelhaften Vitalität der Füße, selbst körperliche Leiden, die scheinbar nichts mit den Füßen zu tun haben. Ob Kniebeschwerden, Hüftbeschwerden oder Rückenleiden, Halswirbelsäulen-Probleme, Kopfschmerzen, Tinnitus, Augenprobleme, Kieferprobleme, organische Themen – aus meiner heutigen Sicht sage ich Ihnen: Es gibt kaum ein chronisches Leiden, auf das man nicht über die Füße Einfluss nehmen kann. Dazu braucht es allerdings zunächst einmal eine gründliche ganzheitliche Analyse und – was noch viel wesentlicher ist – Ihre Bereitschaft, wirklich etwas zu verändern. Denn ist die Ursache erst einmal gefunden, können ganz gezielt Maßnahmen ergriffen werden, um dem Körper dabei zu helfen, sich zu reorganisieren. Dafür, dass diese Maßnahmen umgesetzt werden, sind Sie allerdings selbst verantwortlich. Nehmen Sie diese Herausforderung an, dann steht Ihrer Heilung nichts mehr im Weg.
Im Wesentlichen geht es dabei um drei Aspekte. Sie lauten:
Vermeiden
Verändern
Nachhaltig stabilisieren
»So einfach soll das sein«, denken Sie jetzt vielleicht. Na ja, so einfach ist es dann doch nicht, denn allein das Weglassen und Vermeiden stellt schon eine große Aufgabe dar, wenn Sie bedenken,wie schwer wir uns manchmal damit tun, von einer lieb gewonnenen Gewohnheit zu lassen. Aber gerade diese Gewohnheiten sind es, die uns in die eine oder andere Sackgasse laufen lassen. Darum steht hier im Vordergrund, sie zu erkennen, sie abzulegen und durch eine Handlung oder Verhaltensweise zu ersetzen, die der Genesung und der Heilung dient. Wie schon gesagt: Es geht um nichts Geringeres als um Ihre Basis. Wenn Sie sich vorstellen, wie viel Gewicht tagtäglich auf unseren Füßen lastet, wie viel sie leisten und wie wenig Aufmerksamkeit – gemessen daran – wir ihnen widmen, dann scheint es nur logisch, dass sie uns das im übertragenen Sinn irgendwann übel nehmen und mit Verweigerung reagieren.
Stellen Sie sich ein Baby vor, das fröhlich und zufrieden mit sich selbst mit nackten Füßen auf einer Decke liegt. Ist kein Spielzeug in greifbarer Nähe, wird es irgendwann anfangen, einen Fuß in die Händchen zu nehmen und diesen Fuß selbstvergessen zu erforschen. Das Baby steckt seine Zehen in den Mund, bewegt das Füßchen, drückt es fest und freut sich sichtlich an all seinen Wahrnehmungen und Eindrücken.
Und nun meine Frage: Wann haben Sie das letzte Mal Ihre Füße so intensiv angeschaut? Ich meine nicht nur oberflächlich, sondern ausgiebig und genau. Haben sie in die Hände genommen, mit den Zehen gespielt und sich über dieses einzigartige Wunderwerk der Natur gefreut? Ich kann förmlich sehen, wie einige von Ihnen jetzt das Gesicht verziehen bei der Vorstellung, das, was da tief verborgen in Schuhen und Socken sein Dasein fristet, ans Licht zu holen, anzuschauen oder anzufassen.
Ein Zuhörer in einem meiner Vorträge hat es mal so formuliert: »Bei den meisten Menschen sieht die Fußpflege so aus, dass sie maximal den Restschaum vom Duschen oder Haarewaschen schnell noch für die Füße verwenden.« Oder ein weiteres Zitat: »Unser Hintern sieht oft mehr Licht als unsere Füße.«Traurig, aber wahr. Ich kenne nicht wenige Menschen, die ihre Füße mittlerweile so hässlich und abstoßend finden, dass sie sich ihrer schämen und sie überhaupt nicht mehr in Sandalen oder barfuß zeigen, geschweige denn sie anschauen oder ihnen Aufmerksamkeit schenken.
In dem 1781 erschienenen BuchDie Abhandlung über die beste Form der Schuhedes holländischen Anatomen Peter Camper kann man bereits den traurigen Satz lesen: »Es ist erstaunlich, dass verdienstvolle Männer zu allen Zeiten ihre Sorgfalt für die Füße der Pferde, der Maulesel, der Ochsen und anderer lastbarer Tiere bis auf die allergeringsten Kleinigkeiten erstreckt haben,die Füße ihresgleichen aber gänzlich vernachlässigt und sie der Unfähigkeit der Handwerksleute preisgegeben haben.« Nun spielen »lastbare Tiere« heute eine geringere Rolle als damals. Aber ersetzen Sie diese durch die Begriffe »Auto« oder »Smartphone«, und der Satz stimmt wieder.
Dabei wären Sorgfalt und Aufmerksamkeit erste wichtige Schritte, denn man erkennt den Menschen nicht nur am Körper – nein, allein schon an seinen Füßen! Darum: Raus mit den Füßen aus den Schuhen und Socken. Seien Sie mutig und schauen Sie sich Ihre Füße an!
Achten Sie auf die äußeren Fußmerkmale wie Hautbeschaffenheit, Hautfarbe, Druckstellen, Schwielen und Hühneraugen. Dann auf die Zehenstellung, die Fußstellung, die Auftrittsfläche. Wann haben Sie das letzte Mal gründlich darauf geschaut, wie Ihre Füße in Strümpfen, Socken oder in den Schuhen stecken? Wie sie sich bewegen? Nachgespürt, ob sie empfindlich oder unempfindlich sind, ob sie auf Kälte und Wärme reagieren; geschaut, wie Sie gehen? Wie beweglich Ihr Sprunggelenk ist oder wie gut Sie die Zehenbewegungen koordinieren können. Ich vermute, Sie müssen lange überlegen, um sich daran zu erinnern – richtig?
Nun können Sie sich fragen, was Ihnen das bringt, sich mit Ihren Füßen zu befassen. Es ist der Start, sage ich Ihnen, der Anfangspunkt des Weges, der Heilung oder Verbesserung heißt. Wir brauchen einen »Ist-Zustand«, um zu wissen, was verändert werden muss, um zum Ziel zu gelangen. Unsere Füße erzählen durch ihre Beschaffenheit selbst, was dann zu tun ist. Gleichzeitig hilft Ihnen diese Analyse ganz konkret dabei, Übungen für sich zu finden. Mehr dazu finden Sie im Kapitel »Die sieben Fußzonen« (ab Seite hier), wo ich sehr detailliert auf bestimmte Fußproblematiken eingehe und Lösungsmöglichkeiten sowie Übungen anbiete.
Sie merken es vielleicht schon: Dieses Buch ist ein praktisches Buch, denn es ist aus der Praxis heraus entstanden. Sie können Ihren Gesundheitszustand nicht verbessern, indem Sie mit Socken oder in Puschen auf der Couch oder im Sessel sitzen und lesen. Die Natur und mit ihr der Mensch unterliegen Gesetzmäßigkeiten, und diese Gesetzmäßigkeiten bilden die Grundlage unserer Gesundheit. Missachten wir sie, sind Krankheit und Schmerz die Folge. Machen Sie sich bewusst, dass sich der Mensch über Millionen Jahre entwickelt und vor allem so lange überlebt hat. Das wäre nicht der Fall, wenn der Körper selbst oder irgendeiner seiner Teile einen Konstruktionsfehler hätte.
Der Körper und damit jeder Körperteil bis hin zu jeder einzelnen Zelle ist eine Präzisionsmaschine, die darüber hinaus noch über die unglaubliche Fähigkeit verfügt, sich selbst zu heilen und zu regenerieren, vorausgesetzt, wir fügen ihm nicht durch Medikamente, Operationen, dauerhafte Fehlbelastung oder extrem hohe Gewaltanwendung Schaden zu.
Stellen Sie sich vor: Laut Schätzungen erneuert sich unser Körper durch den ständigen Nachschub an neuen Körperzellen innerhalb von sieben Jahren komplett. Das betrifft nicht nur Haut- oder Organzellen. Auch Knochen werden vom Körper innerhalb eines Zyklus ab- und aufgebaut. Somit müsste es theoretisch keinen Verschleiß geben. Dann wäre die Aussage: »Das Gelenk ist abgenutzt« also gar nicht relevant. Es sei denn …?
Und damit sind wir bei den Kernfragen.Was lässt den Körper erkranken? Warum schmerzt mein Zehengrundgelenk? Warum kann ich nicht mehr gehen?Es liegt daran, dass offensichtlich etwas auf den Körper oder die betreffende Stelle gewirkt hat und höchstwahrscheinlich noch wirkt, das stärker ist als die körpereigenen Regenerationsmechanismen. Und so tritt an unseren empfindlichen Stellen ein höherer Verschleiß oder ein größerer Mangel auf, den der Körper nicht mehr kompensieren kann. Wird die Ursache nicht abgestellt, kommt es zu einer Chronifizierung der Symptome.
In Bezug auf die Füße bedeutet das: Die Ursache für Fußbeschwerden liegt also möglicherweise gar nicht in der Stellung des Fußes, zum Beispiel daran, dass jemand einen Plattfuß hat, sondern in der Funktionsweise des Fußes, die aus irgendeinem Grund, den es herauszufinden gilt, über einen längeren Zeitraum von der naturgegebenen Funktionsweise abweicht und damit Auswirkungen hat auf jede andere Zelle, die darüberliegt.
Ich kann mich in diesem Zusammenhang nur immer wieder darüber wundern, wie wir ganz selbstverständlich anerkennen, dass eine marode Basis – egal, ob bei einem Tisch, einem Haus oder einem Baum – dafür verantwortlich ist, dass der Rest aus den Fugen gerät, diese Tatsache bei uns selbst jedoch oft genug negieren. Natürlich hilft ein zusammengefalteter Bierdeckel dabei, einen Tisch temporär zu stabilisieren, genau wie eine Einlage einen Fuß zunächst stabilisiert. Aber die natürliche Funktionsweise, die wird dadurch nicht wiederhergestellt. Im Gegenteil: Es wird ja häufig nicht einmal geschaut, warum die Basis marode ist; stattdessen wird einfach eine Krücke oder ein Ersatz verordnet. Patient geheilt. Abgehakt. Bis zu dem Moment, wo er erneut in der Praxis steht und über Schmerzen klagt. Aber das ist ja dann wieder eine neue Geschichte.
SENSOMOTORIK
Kleinste Sinnesreizungen werden von den Rezeptoren in den Füßen aufgenommen und blitzschnell an das Rückenmark und das Gehirn weitergeleitet. Die Hauptantwort erfolgt zunächst unwillkürlich und genauso blitzschnell vom Rückenmark an unser Bewegungssystem. Erst verzögert, also wenn unser Körper schon längst auf die Sinnesreizung reagiert hat, nehmen wir diese Situation im Kopf bewusst wahr. Durch diese Schnelligkeit schützt sich der Organismus vor Schädigung.
Die Natur irrt nicht. Sie hat Ihre Füße im Lauf der Evolution so geformt, dass Sie von ihnen sicher und aufrecht durch das ganze Leben getragen werden könnten. Und nun bitte ich Sie noch einmal: Schauen Sie sich Ihre Füße an, und vielleicht gehen Sie sogar noch einen Schritt weiter und vereinbaren mit sich selbst, dass Sie jeden Tag wenigstens ein kleines Zeitfenster finden und Ihren Füßen während dieser Zeit die Möglichkeit geben, all die Fähigkeiten und Funktionen, die sie haben, auch wirklich auszuleben. Eine Fülle von Anregungen dazu bekommen Sie von mir in diesem Buch. Ich kann Ihnen eines versprechen: Sie werden erstaunt sein, wie diese kleinen Schritte Ihr Leben verändern werden!
Doch bevor Sie diese kleinen Schritte unternehmen, möchte ich etwas genauer auf eine besondere Fähigkeit unserer Füße eingehen, weil sie für das Verständnis der späteren Kapitel von Bedeutung ist. Es geht um die Sensomotorik der Füße. Grundsätzlich wird das Zusammenspiel von sensorischen und motorischen Leistungen als »Sensomotorik« bezeichnet. Damit sind die Steuerung und die Kontrolle der Bewegungen von Lebewesen im Zusammenspiel mit Sinnesrückmeldungen gemeint.
Ein Beispiel aus dem Alltag: Wenn wir Auto fahren, dann nehmen wir die meisten Reize über die Augen und Ohren (Sensorik) auf und steuern gleichzeitig die Arm- und Fußbewegung (Motorik). Nun haben unsere Füße zwar keine Augen und Ohren, trotzdem funktionieren sie durch ihren einzigartigen Aufbau wie ein Sinnesorgan. Die Wahrnehmung findet über verschiedene Mechanorezeptoren statt.
Da sind etwa die Merkel-Zellen, die Druck registrieren, die Vater-Pacini-Körperchen, die Berührungs- und Vibrationsreize aufnehmen, die Meissner-Tastkörperchen, die ebenfalls auf Druck reagieren, vor allem auf Berührungen auf kleiner Fläche mit hoher Präzision, dann die Ruffini-Körperchen, die als Dehnungsrezeptoren der Haut fungieren und die Stellung der Gelenke in den Gelenkkapseln registrieren, sowie das Golgi-Sehnenorgan, das gemeinsam mit der Muskelspindel für die Propriozeption verantwortlich ist, das heißt, es meldet, wie der Fuß im Raum steht.
Gehen wir beispielsweise barfuß über eine unebene Wiese, nehmen unsere Füße beziehungsweise die Rezeptoren die aktuelle Situation jedes einzelnen Schritts wahr. Die Beschaffenheit des Bodens, ob er weich, hart, kalt, warm, ruhig, bewegt (wackliger Stein) ist. Sie registrieren den Dehnungsgrad der Haut, die Stellung der Gelenke zueinander und melden, wie der Fuß zum Unterschenkel stehen muss, damit wir aufrecht bleiben (Sensorik). Treten wir plötzlich unvorhergesehen in eine bewachsene Mulde, und der Fuß knickt weg, das heißt, der Dehnungsreiz übersteigt einen gewissen Grad, dann leitet der Körper über die Muskulatur (Motorik) blitzschnell eine Ausweichbewegung ein, indem wir zum Beispiel stärker in die Knie gehen, um der drohenden Verletzung zu entgehen. Und bevor unser Kopf dies überhaupt bewusst registriert hat, ist die Gefahr durch die Sensomotorik schon gebannt.
Auf diese Regulationsmechanismen können wir im Fall von Beschwerden oder Schmerzen an den Füßen, aber auch mit Wirkung auf den gesamten Körper, durch gezielte Reizungen der Mechanorezeptoren Einfluss nehmen. Ich werde bei einigen Übungen darauf zurückkommen. Zunächst ein Blick auf das, was man nicht fühlt, sondern sieht – die Fußbilder.
Eine erste Grundregel lautet: Je besser ausbalanciert und gleichmäßiger die Farbverteilung eines Fußbildes ist, desto wahrscheinlicher ist das harmonische Zusammenspiel der Körperfunktionen seines Besitzers (siehe Abbildung rechts).
Es kann also für jeden Einzelnen ein Schlüsselerlebnis sein, einen Scan von seinen Füßen anfertigen zu lassen. Die Füße sind im Grunde ein Abbild des kompletten Menschen, das kennen Sie vielleicht von der Fußreflexzonenmassage, die für den Laien interessante Diagnosen zutage bringen kann. So erzählte mir neulich eine Frau, die in meine Praxis kam: »Die Masseurin hat mir auf eine Stelle am Fuß gedrückt, da wäre ich fast an die Decke gegangen. Sie hat gesagt, das sei die Niere. Das ist jetzt schon ein halbes Jahr her, und es schmerzt noch immer. Nun hat mein Internist festgestellt, dass ich Nierensteine habe.« Ähnlich präzise funktioniert ein Fußbild, wenn man es zu lesen versteht.
Das Fußbild und eine ausführliche Analyse des Ist-Zustands sind für mich wie ein Fenster in Ihren Körper, denn neben dem 5000 Jahre alten Wissen über die Fußreflexzonen setzt sich dieses Bild ja auch noch aus anderen Komponenten zusammen – aus Nervenenden, der Struktur der Knochen, die durch Muskeln, Sehnen und Bänder bewegt werden, und aus Bindegewebe, das die einzelnen Strukturen miteinander verbindet und für die Funktionen von Lymphbahnen, Blutgefäßen, Hautzellen, Hautstruktur, Fasziengewebe und Fettgewebe wichtig ist. Sie sehen vielleicht nur den Fuß und seine äußerliche Beschaffenheit – meine Erfahrung erlaubt es mir, buchstäblich in ihn hineinzuschauen. Ich sehe die Form der Zehen mit ihrem Zehenbogen. Ägyptische, griechische, deutsche, keltische oder römische Form? Dann die Fußlänge, den Durchmesser und – unabhängig vom Fußbild – die Beweglichkeit, die Nägel mit ihrer Form, Größe, Beschaffenheit, Farbe. Ich werfe auch einen Blick auf die statische Aufrichtung und die Form des Fußes, die ebenfalls ausschlaggebend sind für den Stand und die Bewegung des Menschen.
HARMONISCHES FUSSBILD
Jedes Fußbild wird bei der FUSSKARTOGRAPHIE im freien Stand aufgenommen (also nur die Füße bieten dem Körper Halt). Fußbilder sind wie ein Fingerabdruck – ein Unikat. Je ausgeglichener das Fußbild sich farblich im Seitenvergleich zeigt, desto harmonischer wirkt sich dies auf den restlichen Körper aus.
Es sind viele, viele Einzelheiten, Faktoren, Kleinigkeiten – also viele Puzzleteilchen, die wertvolle Informationen liefern, und aus denen sich schließlich das Bild des Menschen, der auf meinem Scanner steht, zusammensetzt.Wer es vermag, Fußbilder zu lesen, dem eröffnet sich eine spannende Welt.
Hat der Klient beispielsweise eine krumme Großzehe, dann ist das auf dem Fußbild natürlich deutlich sichtbar. Beim Hallux valgus ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass auch die Halswirbelsäule krumm und schief ist, dass sie nicht lotrecht steht.
Ein anderes Beispiel: Wenn Sie einen Fuß stärker belasten als den anderen, was sich an Signalen wie Hornhaut oder (im Vergleich zu dem anderen Fuß) dunklerer Haut an der Fußsohle ablesen lässt, dann ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass auch Ihr Becken verschoben ist, oder dass sich diese ungleiche Belastung auf die Stellung der Wirbelsäule auswirkt.
Steht der Fuß schief, können Sie nie gerade stehen, geschweige denn laufen. Ein ungleichmäßiger Auftritt führt zwangsläufig dazu, dass der Körper auch diese Disbalance ausgleichenmuss.Dementsprechend werden bestimmte Muskelzüge im Körper stärker angespannt, andere weniger. Somit kommt es zu einer Fehlhaltung in der Struktur, also im Körperskelett. Sollten Sie also schief stehen, ließe dies leicht Rückschlüsse auf Ihren Gang und auf Ihr Laufbild zu. Somit können Sie sich eine Laufanalyse sparen.
Die Fußbesonderheiten sind wie Indikatoren: Es gibt Hautstrukturen, zum Beispiel Fältchen, die auf eine Bindegewebsschwäche der Füße schließen lassen, und wir können sicher sein, dass sich diese Bindegewebsschwäche auch im restlichen Körper wiederfindet.
Haben Sie zum Beispiel arthrosebedingte Schmerzen in den Zehengelenken, werden diese auch an anderen Stellen des Körpers, etwa in den Händen oder Schultern, auftreten. Nagelpilz ist ein Zeichen einer Immunschwäche und deutet auf eine Schwächung der Darmflora hin. Und vieles, vieles mehr.Es lohnt sich also, seine Füße genau unter die Lupe zu nehmen und nach Einseitigkeiten oder Besonderheiten zu schauen.Für mich geht die Analyse noch tiefer, denn an den Füßen lassen sich auch psychische Merkmale und Charaktereigenschaften ablesen.
VORHER-NACHHER-FUSSBILD
Steht der Mensch schief auf seinen Füßen, kann er nicht gerade gehen und laufen. Das obere Fußbild-Paar ist alles andere als harmonisch. Dem entsprechend wirkt sich diese Disbalance auch auf das ganze Körpersystem aus. Der Beweis für eine wirkungsvolle Maßnahme: Dieselben Füße haben sich im unteren Vergleichsbild deutlich harmonisiert.
Legen Sie zwei leere DIN-A4-Blätter auf einen glatten Boden, etwa hüftbreit auseinander. Stellen Sie sich nun barfuß mit jeweils einem Fuß auf ein Blatt. Jetzt zeichnen Sie mit einem senkrecht gehaltenen Bleistift die Konturen Ihrer Füße auf dem Blatt nach, sodass Sie später die Fußumrisse auf den Blättern sehen können.
Spüren Sie anschließend im aufrechten Stand in Ihre Füße hinein und nehmen Sie nacheinander zuerst den einen, dann den anderen Fuß mit seiner Druckverteilung bewusst wahr. Spüren Sie die einzelnen Kontaktpunkte jedes Fußes zum Boden. Dann versuchen Sie, diese Druckpunkte und die von Ihnen wahrgenommene Größe der Kontaktflächen mit dem Bleistift in das jeweilige Fußprofil einzuzeichnen beziehungsweise zu schraffieren. Schmerzende Stellen können Sie durch einen Blitz darstellen.
