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Wir Blogger führen ein beneidenswertes Leben. Gut vernetzt, always on – doch wehe man kappt unsere Datenzufuhr und schickt uns ins Reallife... Begleiten Sie mich auf mein vielleicht größtes Abenteuer: in ein (gedrucktes) Buch! 50 ausgewählte Blogtexte aus 2 Jahren G! gutjahrs blog.
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Seitenzahl: 124
Veröffentlichungsjahr: 2012
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Impressum / Imprint
Copyright: © 2012 Richard GutjahrPublished by: epubli GmbH, BerlinISBN 978-3-8442-1734-6
Jetzt ist es also passiert. Auch ich habe ein Buch vollgemacht – 50 ausgewählte Blogposts aus den letzten beiden Jahren. Damit kein Missverständnis aufkommt: Ich betrachte mich nicht als Schreiber. Weder verfüge ich über das prosaische Talent einer Daniela Katzenberger, noch über die abstrusen Fantasien eines Thilo Sarrazin. Deshalb erscheint dieser Band auch nicht in einem renommierten Bestseller-Verlag, sondern im Do-it-yourself-Verfahren und kostet, je nachdem über welche Plattform und in welcher Form (digital oder analog) es erworben wurde, nicht viel mehr als ein Happy Meal.
Wie so ziemlich alles, was ich anpacke, geht es mir bei diesem Projekt nicht darum, reich zu werden. Vor allem geht es darum, neue Dinge auszuprobieren. Sollten Sie über Tipp- oder Formatierungsfehler stolpern, bitte ich das zu entschuldigen. Genauso wenig kann ich für all die Extras, etwa die Video-Qualität garantieren, sollten Sie dieses Buch als enhanced eBook im iBooks-Store erworben haben. Sie wissen ja: Life is a beta.
Vor einigen Jahren hatte ich die Gelegenheit mit Mark Trahant, Politik-Chef bei der traditionsreichen und mittlerweile eingestellten Print-Ausgabe des Seattle Post Intelligencer, zu reden. Ich fragte ihn: Wenn er eine Zeitmaschine hätte und zurückreisen könnte, in die Ära, in der es der Print-Industrie noch gut ging, was würde er heute anders machen? „Experiment like crazy“, so die Antwort des preisgekrönten Journalisten. Man habe sich viel zu lange darauf verlassen, dass alles so weiter laufe wie gehabt. „Our biggest problem was: We didn’t fail enough“.
Mein größter Respekt gilt daher allen digitalen Pionieren, von denen wir auch Dutzende hier bei uns in Deutschland haben: Sascha Lobo, Johnny Haeusler, Markus Beckedahl, Mario Sixtus, Markus Hündgen, Thomas Knüwer, Daniel Fiene, Deef Pirmasens, Björn Eichstädt, Julia Probst, Dirk von Gehlen, Inge Seibel, Christian Jakubetz, Ulrike Langer und Marcus Schuler, um nur einige zu nennen. Von Marcus stammen übrigens auch die tollen Fotos, die er mit mir im Gutenberg-Museum in Mainz aufgenommen hat. Danke dafür!
Auch wenn die Blogosphäre, die uns alle irgendwie verbindet, nicht wirklich eine homogene Gemeinde ist; es macht richtig Spaß, mit Euch gemeinsam, jeder für sich, auf seine Weise, mit seinen ganz eigenen Talenten, diesen Kosmos zu erforschen. Wer weiß, vielleicht werden wir eines Tages in unseren Floppydisk-/CD-ROM-Sammlungen, USB-Sticks oder Buch-Experimenten wie diesem hier schwelgen und sagen: War doch eine verdammt gute Zeit, damals, als die Menschen noch eBooks lasen.
Neulich ist mir was Blödes passiert. Mein Chef wollte mein Freund werden. Bei Facebook.
Warum will der mich zum Freund? Hat der nicht genug? Oder will er wissen, mit wem ich so verkehre? Darf man die Freundschaftsanfrage seines Chefs ausschlagen? Und wenn ja, sind wir dann Feinde?
Facebook statt Parteibuch, so werden heute Karrieren gemacht! Ich sehe schon die Ankündigung: „Gutjahr und der Boss sind jetzt Freunde. 7 Kollegen gefällt das, bis auf Meier, der findet, Gutjahr ist ein Schleimer!“
Facebook wird mir unheimlich. Nicht wegen des Datenschutzes, sondern wegen dieser nervigen Mafia-Clans. Unerwünschte Bandenwerbung, dagegen sollte die Frau Aigner mal was unternehmen! Und dann diese Selbsttests: „Welche Stadt passt zu Dir?“ Kapstadt oder Karstadt, wen interessiert das?
Gibt es eigentlich ein Anti-Facebook, für Leute, die man nicht mag? Und wenn ja, wie würde man seine Mitmenschen dazu einladen? Mit der Frage: Möchtest Du mein Feind sein?
Die Freundschaftsanfrage meines Chefs habe ich dann am Ende übrigens ignoriert. Neulich ist er mir auf dem Gang begegnet. Er ging an mir vorbei – grußlos.
Es heißt, das Internet vergisst nie. Mein Chef leider auch nicht.
Sprechen Sie Starbucks? Amerikanische Kaffeehaus-Ketten schaffen ihre eigene Wirklichkeit – sogar eine eigene Sprache.
Als Internet- und Computer-Junkie verbringe ich einen Großteil meines Lebens in Kaffee-Bars, um genau zu sein: Ich wohne dort. Meine Mitbewohner, die ‚Barista’ (der Begriff stammt ursprünglich aus dem Italienischen, siehe auch: „unterbezahlte Studienabbrecher hinter der Theke“), also diese Kaffee-Spezialisten und ich, wir bilden die perfekte Einheit: Ich fletze in der Couch und surfe mit meinem Laptop ziellos im Internet, während meine Kaffee-Sklaven hinter mir herräumen und den Abwasch machen. Manchmal, wenn ich gut drauf bin, bringe ich meine Tasse auch selbst zurück, und wenn auch nur, um einen ‚Refill’ zu verlangen.
Was mich an amerikanischen Kaffeehausketten von Anfang an besonders fasziniert hat, ist diese ganz eigene Deutung der Dinge. Das beginnt schon mit der Bestellung. Da hat man die Wahl zwischen den Größen: ‘Tall’, ‘Grande’ und ‘Venti’. Kleinen Kaffee gibt es nicht. Ich erinnere mich noch an meine allererste Bestellung – ein Desaster! „Ich hätte gerne einen schwarzen Kaffee.“ – „Sehr gerne. Wie hätten Sie ihn gerne?“ In dem Moment wusste ich nicht, was ich sagen sollte: „In einer… Tasse?“
„Decaf oder vielleicht mit einem Shot?“, legt die Baristarin nach (Baristesse? Baristarette?) –„Mit einem was?“- „Ein Schuss Espresso?“ erklärt der weibliche Barista. Ich winke ab: „Nein danke, bitte nicht schießen.“ „To go?“ – wieder bin ich total verunsichert: „Zum Trinken, eigentlich.“ Ganz zum Schluss noch die Frage, ob ich Platz für Milch möchte. Ich so – total überfordert: „Kostet das extra?“. „Nein“, antwortet sie, „davon können Sie soviel haben, wie Sie wollen“.
Heute gehe ich auf die Wiesn. Dann ziehe ich mit Laptop und Lederhosen ins Bierzelt. Die werden Augen machen, wenn ich dort ganz fachmännisch meine Bestellung aufgebe: „Bedienung – bitte einmal Venti im Maßkrug to stay mit Schuss und extra viel Platz für Schaum.“
Meine Nachbarn, ein pensioniertes Ehepaar, und ich sind ausgesprochene Flohmarkt-Fans. Es hat bei uns im Haus Tradition, zu den Schwabinger-Hof-Flohmärkten früh aufzustehen, um die Verkaufstische aufzubauen und unsere „Keller-Schätze“ zu präsentieren. Doch was soll ich Ihnen sagen: das Geschäft läuft nicht mehr so, wie das früher mal der Fall war. Die Leute kommen, schauen, gehen dann aber weiter. Besonders schlecht laufen Bücher. Ich habe einen dunklen Verdacht, wer Schuld hat an dieser Entwicklung: das Internet.
Sollte noch jemand daran gezweifelt haben: Wir Deutsche sind o’gleint: Das geht aus der ARD/ZDF-Onlinestudie 2011 hervor, die heute veröffentlicht wird. Demnach sind 51,7 Millionen Deutsche aktiv im Netz – das entspricht 73 Prozent der Bevölkerung und übertrifft die Wahlbeteiligung bei der letzten Bundestagswahl. Grund für diesen rasanten Anstieg: die Rentner. Jeder dritte Über-60-Jährige ist online, das ist ein Zuwachs gegenüber dem Vorjahr von 23 Prozent!
Neben E-Mail-Verkehr und Surfen gehören Online-Shopping, aber auch verstärkt Soziale Netzwerke zu den Top-Anwendungen. Die Zahl der Deutschen, die bei Facebook registriert sind, hat sich gegenüber dem Vorjahr verdoppelt. Ob Politik, Wirtschaft, Kultur oder Religion, 20 Jahre nach seiner Einführung ist das weltweite Netz endgültig in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Wer nicht dabei ist, findet quasi nicht mehr statt. Es gibt aber auch Verlierer dieser Entwicklung, die sogenannten „Offliner“. Dabei handelt es sich vor allem um ältere Frauen. Auch bildungsferne Schichten haben zwar rein theoretisch Zugang zum Wissen der Welt, wissen damit aber offenbar immer weniger etwas anzufangen. Eine gewaltige Aufgabe, vor der unsere Gesellschaft da steht.
In letzter Zeit klingelt es bei mir immer häufiger an der Tür; der Paketdienst, ich möchte doch bitte ein Päckchen für meine Nachbarn entgegen nehmen. Meine Hausmitbewohner, beide deutlich über 60, sind nämlich seit neuestem unter die eBay-Händler gegangen. „Man muss mit der Zeit gehen“, so mein Nachbar und freut sich über einen Bildband, den er kürzlich in den USA ersteigert hat. Warum auch nicht. Irgendwo muss er ja auch herkommen, der Nachschub für unseren nächsten Hof-Flohmarkt.
Twitter und die Fußball-WM; da wächst zusammen, was zusammen gehört. Live-Kommentare in Echtzeit aus der ganzen Welt, und das in schlachtengesangstauglichen 140 Zeichen.
„Was machen die Holländer nachdem sie die Fußball-WM gewonnen haben?“ – „Sie schalten ihre Playstation aus.“ Einer meiner Lieblings-WM-Witze bei Twitter. Wenn ich mich früher noch oft nach dem Sinn von Twitter gefragt habe, jetzt weiß ich es.
Seit der Fußball-WM hat sich die Zahl der ausgesendeten Mini-Botschaften von 750 auf 3000 TPS (Tweets pro Sekunde) vervierfacht. Ob Spielzüge der Mannschaft oder Gesichtszüge der Trainer; bei Twitter wird einfach alles kommentiert. Ganz Eifrige haben sich sogar die Teamfahne auf ihr Mitgliedsfoto montiert. Die Länderflagge – das Arschgeweih von Twitter.
Was wäre Fußball ohne Twitter – was Twitter ohne Fußball? Wenn es mir schlecht geht, suche ich gezielt nach den Fan-Tweets aus dem Land, das gerade hinten liegt, bis zuletzt also Frankreich. In der Schule hatte ich sieben Jahre Französisch. Doch die Vokabeln, die ich binnen kürzester Zeit bei Twitter gelernt habe, sind mir vorher noch nie untergekommen!
Aber nicht nur außerhalb des Platzes ist Twitter eine Bereicherung. Stellen wir uns mal vor: Spieler und Trainer, Vuvuzela-geschädigt wie sie alle sind, würden twittern! Fails statt Fouls, den Shitstorm der gegnerischen Mannschaft parieren mit einer geballten 140-Zeichen-Abwehrkette!
Toll auch für die Spieler-Interviews nach dem Match. @Reporter „Woran lag’s?“ (12 Zeichen) @Spieler: – „Ja gut, ich sach mal, äh, wir haben auf Sieg gespielt. Haben versucht, ein frühes Tor zu machen. Die Räume zuzumachen. War nicht unser Tag. (140 Zeichen) Vor allem Podolski, der alte Nuschler, könnte beim Mikro-Blogging ganz groß auftrumpfen, würde er doch buchstaben-ökonomisch am meisten rausholen: „Jo gtt, wr hom hot nch zunsrm Spl gfundn.“ (noch immer 100 Zeichen übrig!)
Sie wissen, wo sie mich am Wochenende, 16 Uhr finden können. Und sollten Sie noch nicht bei Twitter sein: so eine Fußball-WM wäre die perfekte Zeit, damit anzufangen. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Und ein Tweet hat 140 Zeichen.
Unser Handy hat sich zum Mini-Computer gemausert. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Was nutzt ein Smartphone wenn man dumm ist?
Es ist passiert, das Undenkbare. Wenn Sie schwache Nerven haben – lesen Sie nicht weiter. Mein Handy: zuhause, liegen gelassen! Ich weiß, was Sie denken: Wie kann man nur so leichtsinnig sein! Sie haben Recht.
Adressen, Telefonnummern, Termine. Mit dem Smartphone habe ich mein Gedächtnis out-gesourcet. Handy? In meinem Fall müsste es längst „Hirni“ heißen. Es gibt Leute, die brauchen einen Kalender, um sich an ihren Hochzeitstag zu erinnern. Nicht bei mir: Ohne das Begrüßungs-Foto auf dem Handy-Display wüsste ich noch nicht einmal, dass ich verheiratet bin.
In Deutschland gibt es mehr Handys als Einwohner. Im Schnitt besitzt jeder Deutsche 1,3 Mobiltelefone. Da geht noch was. Ich persönlich habe drei Geräte: eins zum Telefonieren, eins zum Surfen und eins zum Angeben. Doch heute ist alles anders, ich bin blank, schutzlos, nackt!
Ohne Mobiltelefon bin ich verloren. Sprichwörtlich. Ich habe es schon geschafft, mich in meiner eigenen Straße zu verlaufen. Kann sich noch jemand daran erinnern, wie wir uns früher orientiert haben, vor Navigations- und Ortungsdiensten? Sterne? Bindfaden? Brotkrumen?
Ganz schlimm ist es im Urlaub. Da ertappe ich mich oft, dass ich erst auf den Bildschirm schielen muss, damit ich weiß, wo ich bin. – Nein, nicht welche Straße; – welches Land! Ich habe das Gefühl, je smarter die Smartphones werden, umso dümmer werde ich. Gäbe es eine Möglichkeit, mir ein iPhone zu implantieren, ich würde mich freiwillig melden.
Bis dahin heißt es: Überleben. In der Mittagspause habe ich Kollegen gefragt, ob ich kurz mal ihr Handy halten darf. Auf dem Nachhauseweg habe ich, nur um mich bei Laune zu halten, auf dem Fahrkartenautomaten herumgedrückt bis die U-Bahn kam. Aber das war nicht dasselbe.
Happy End: ich habe mein Telefon wieder! Und damit mir das nicht noch einmal passiert, habe ich sofort eine Liste gemacht; eine Liste mit Dingen, die ich nicht vergessen darf, bevor ich das Haus verlasse. Echt praktisch, so ein elektronisches Notizbuch auf dem Handy.
Immer wieder schreiben mir pensionierte Studienräte, ich möge bei meinen Moderationen im Fernsehen doch bitte nicht ständig Anglizismen verwenden. Ich? Anglizismen? Niemals! Ich bin natürlich sofort rein ins Internet und hab das Wort erst mal gegoogelt.
Der Vorwurf lautet in etwa wie folgt: ich solle gefälligst deutsch reden und auf diese neumodischen englischen Wörter verzichten. Begriffe wie Shoppen oder Tickets seien ein absolutes No Go, ein absolutes Geht Nicht. Und weil ich mir die Kritik meiner Zuschauer stets zu Herzen nehme, beschloss ich, ab sofort ausländische Begriffe zu meiden.
Ich setzte mich also vor meine PR, meine Persönliche Rechenmaschine. Als die Fenster-Oberfläche hochgefahren war, startete ich die Schreib-Weichware Wort. Da ertönte mein ichFon: eine KND – Kurznachrichtendienstleistung. Ein Kollege warnte vor einem Rechner-Wurm, der im WWN, im weltweiten Netz unterwegs sei. Schnell öffnete ich den Zwischennetz-Erforscher und fand einen Artikel bei Spiegel Angeleint. Die Firma Mikroweich empfahl den Einsatz einer Feuerwand. Weiter hieß es, man solle sein Betriebssystem hochdatieren, das entsprechende Programm dazu stünde auf der Firmen-Heimseite zur Runterlade bereit.
Wo ich schon mal im Zwischennetz war, rief ich mein Netztagebuch auf. Wie wohl mein letzter Eintrag angekommen war? 12.000 Einschläge – das musste ich natürlich sofort zwitschern. Wofür hat man über 5000 Verfolger? Auch bei Gesichtsbuch fand mein Netztagebucheintrag großen Anklang: 70 Gefälle!
Am Abend hatte ich ein Treffen-Sie-sich in einer französischen Wiederherstellung. Meine Begleitung trug Hohe Hacken und betörenden Durchrauch.Wir aßen Zwischenrippe. Alles lief wunderbar, bis zu dem Moment, als ich sie fragte, ob sie noch Lust auf Geschlecht habe. Sie schaute irritiert und zog ab.
Auf dem Nachhauseweg begann ich zu begreifen, dass Sprache immer auch etwas Lebendiges ist, das einem permanenten Wandel unterliegt. Mögen die Söders oder Sarrazins dieser Republik noch so maulen und in deutschen Talkshows für die Reinheit unserer Sprache kämpfen. Wenn man nicht mit der Zeit geht und sie laufend anpasst, stirbt sie aus. Oder wir.
Schluss mit den Web-Wuchern in Hotels! 5 Euro für 60 Minuten Internet auf dem Zimmer, 18 Euro für das sog. 24-Hour-All-Inclusive-Business-Package. Da verkommt selbst das beste Haus zum Stunden-Hotel.
Im Ernst: Internet ist schon lange kein Luxusgut mehr, es gehört zum täglichen Leben wie geteerte Straßen oder die Luft zum Atmen. Freier Zugang ins Netz sollte ein Grundrecht sein – und das weltweit.
Nicht besser: die Machenschaften der Mobilfunkunternehmen. Haben uns Telekom & Co vor Jahren noch 50 Cent pro SMS abgeknöpft, lassen sich die mobilen Wegelagerer heute mit dem drahtlosen Zugang zum Internet ihre Funkantennen vergolden.
Rund 30 Prozent aller Deutschen besitzen ein Smartphone mit dem man auch im Web surfen kann. Wer nicht aufpasst, zahlt sich da schnell dumm und dämlich. Die Mobilfunkunternehmen wissen das und reiben sich die Hände. Mehr noch: wenn man sein Web-Handy gar im Ausland nutzt, kennt die Freude der Netzanbieter keine Grenzen; 1000 Euro für ein paar Online-Stunden sind keine Seltenheit. Und das, obwohl das Abrufen von E-Mails oder einfachen Webseiten die Unternehmen so gut wie nichts kostet.
Ausgerechnet die Italiener haben jetzt der Mobilfunk-Mafia den Kampf angesagt: Als eines der ersten EU-Länder will Italien einen Internet-Zugang im ganzen Land einrichten – und zwar kostenlos! Arreviderci, Roaming in Rom: Vom Friseursalon bis zum Blumenhändler, überall will die Stadt Gratis-Hotspots errichten. In Florenz soll das Trambahnnetz dafür sorgen, dass man flächendeckend kostenlos ins Netz gehen kann.
Natürlich holen sich die Italiener das Geld woanders wieder zurück, zum Beispiel durch die Touristensteuer in Rom. Und wenn schon! Wer will schon ins Kolosseum, wenn man dafür einen gratis High-Speed-Internet-Zugang auf dem Zimmer hat?
