Galan - Giovanna Lombardo - E-Book

Galan E-Book

Giovanna Lombardo

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Beschreibung

Die 19-jährige Charisma, kurz Isma genannt, lüftet ein Familiengeheimnis. Sie hat das Gen einer Seelenwanderin geerbt. In ihren Seelentraumwanderungen beobachtet sie einen Krieger namens Jeremia, Thronfolger von Cavalan, verlobt mit Narissa, Prinzessin von Nalada. Isma selbst lebt in dem Territorium Kalander. Aber warum nicht über die Brücke gehen, von einem Territorium zum anderen, von der Traumwelt in die Realität. Als sie dem gut aussehenden jungen Mann in seine eisblauen Augen schaut, verliebt sie sich Hals über Kopf in ihn und er erwidert ihre Liebe. Doch Krieg bricht aus. Capans Herrscher Netan will die Alleinmacht über Galan, das Land mit den sieben Territorien. Da ahnt noch niemand, dass Netan nur das Werkzeug von Fazur dem Bösen ist, der Rache geschworen hat und alles zerstören möchte. Jason, ein weiterer Seelenwanderer gerät in Netans Fänge und wird als Spion missbraucht. Doch Jason verbündet sich mit Isma. Als Jeremia in Kriegsgefangenschaft gerät und Galan erpressbar wird, sind es Ismas magische Kräfte, die eine Wendung in der fast verlorenen Schlacht bringen. Netan wird besiegt und getötet, sein Territorium Capan befreit und mit einem neuen Herrscher versehen. Jeremia entdeckt unter den Geiseln seine für tot geglaubte Schwester Solana, die nun Syria heißt. Syria und Jason verlieben sich ineinander und schwören, sich niemals mehr zu trennen.

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Seitenzahl: 700

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Giovanna Lombardo

Galan

Die Seelenwanderin

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Epilog

Impressum neobooks

Prolog

Die Angst, die in einem entstehen kann und fast umbringt, sollte ich spüren lernen.

Ich saß - wie jeden Morgen, wenn die Sonne aufging - in meinem Zimmer an meinem Schreibtisch und schrieb in meinem Tagebuch die Ereignisse, die ich am Tag zuvor erlebt hatte.

Es ist nicht so, dass in meinem bisherigen Leben viel Wichtiges oder Interessantes passiert wäre, aber meine Gedanken waren grenzenlos und wie so oft schwebte ich in meiner Fantasiewelt, die mir viel realer schien als mein wahres Leben.

Mein Name lautet Charisma Gioia DiSole.

Ich bin 19 Jahre alt und hatte das Glück, behütet und behutsam aufgewachsen zu sein, denn ich konnte meine Kindheit voll auskosten. Als jüngstes von sieben Kindern lebte ich mit meiner Familie auf einem Bauernhof, außerhalb des Dorfes Salin, im Territorium Kalander, an der Grenze zu Falan. Hinter unserem Haus erstreckt sich der Wald der Schleier.

Meine Familie lebte seit Generationen in Kalander.

Kalander ist übrigens das größte Territorium von Galan.

Es gibt noch sechs weitere Territorien, die zu Galan gehören und von anderen Völkern bewohnt werden. Und diese Völker sind anders als wir.

Wie anders?

Das wusste ich nicht so genau, weil nur den Herrschern, Gesandten und Kriegern erlaubt wurde, andere Territorien zu bereisen. An den Grenzen zu den Territorien gab es Portale mit Brücken. Nur über diese Brücken gelangte man in die benachbarten Territorien. Sie wurden streng bewacht, und nur die Herrscher besaßen dazu Schlüssel.

Ich hatte viele Geschichten über die anderen Völker gehört. In einem waren sie sich einig, die Bewohner des Territoriums Capan, die sogenannten Capitaner, hatten den schlechtesten Ruf. Sie waren abgrundtief böse und wurden wegen ihres grauenhaften Aussehens als grauenvolle Monster beschrieben.

Dass sich eines Tages mein bisheriges Leben wegen den Capitanern schlagartig ändern würde, konnte ich noch nicht ahnen.

Kapitel 1

Die Sonne wärmte mein Gesicht, als ich immer noch an meinem Schreibtisch saß und nach draußen blickte. Ich hatte die Ereignisse des gestrigen Tages schon in mein Tagebuch beschrieben, ganze fünf Zeilen. Großartiges passierte mir nie. Jeder Tag ähnelte dem vorherigen.

Auf dem Bauernhof gab es immer viel Arbeit, so dass auch wir Kinder helfen mussten. Ich kümmerte mich um Fütterung der Tiere und unterstützte zudem meine Mutter im Haushalt. Nachmittags durfte ich mich meiner Lieblingsbeschäftigung, dem Blumengarten, widmen. Er war von einem weißen Gartenzaun umrahmt. Neben dem großen Gemüsebeet hatte ich ein kleines, aber feines Blumenbeet angelegt. Ich hegte und pflegte es, um mich an den prächtigen Farben der verschiedenen Blüten ergötzen zu können.

Immer, wenn mein Vater und meine älteren Brüder in Kalander unterwegs waren, um unsere Waren auf den Märkten zu verkaufen, brachten sie mir Blumenzwiebeln oder Samen aus den unterschiedlichsten Orten mit.

Ich hatte viele Blumen rund um unseren Brunnen gepflanzt und auch Beete entlang der Wege angelegt. Neben dem Brunnen stand eine kleine weiße Holzbank. Dort konnte ich stundenlang sitzen und lesen, obwohl ich nur wenige Bücher besaß, denn die waren bei Bauernfamilien nicht üblich. Das Lesen war mehr etwas für Städter und die Reichen, die sich ein Studium auf einer der Universitäten leisten konnten.

Mein Großvater, ein Gelehrter, unterrichtete als Lehrer die reichen Kinder, trotzdem war es ihm wichtig, dass seine Familie das Lesen und Schreiben beherrschte. So brachte er mir regelmäßig Bücher mit. Leider starb er, als ich dreizehn Jahre alt war. Seine alten Bücher sahen schon sehr abgenutzt aus, aber das war mir egal, denn ich kannte sie in- und auswendig. Durch das Lesen gelangte ich in andere Welten und ich ließ meiner Fantasie freien Lauf.

Als hätte ich nicht schon genug Träume. Ich dachte an den gestrigen Traum. Er war so echt. Alle meine Träume fühlten sich so echt an.

Jeremia! Seit zwei Monaten träumte ich von einem Krieger namens Jeremia.

Diese Träumereien waren seltsam. Nichts in meinen Träumen kam mir bekannt vor, weder die Städte, noch die Menschen, die darin vorkamen.

Ich war in einer Stadt namens Castar, von der ich fast jede Nacht träumte. Durch die Gassen laufend schaute ich mir alles an. Es gab dort viele Häuser, Tavernen und einen Fluss, der die Bewohner mit frischem Wasser versorgte. Ich sah die Berge, die hoch über der Stadt den Himmel berührten. Es gab eine riesige Kathedrale, die im Zentrum der Stadt alle Häuser überragte. Die Kathedrale war atemberaubend schön. Die Mosaiken der Fenster funkelten im Sonnenlicht in prächtigen Farben. Am Fuße der Kathedrale befand sich der Marktplatz mit den unterschiedlichsten Ständen. An einem Obst- und Gemüsestand beäugte ich eine Frucht. Sie war gelb und mit Stacheln bedeckt und hatte die Größe einer Tomate. So eine Frucht hatte ich noch nie zuvor gesehen. An anderen Ständen bewunderte ich getöpferte Teller und Krüge mit kunstvollen Verzierungen.

Ich erkundete die Stadt, bummelte durch die Gassen, betrachtete die Bewohner. Sie sahen uns Kalanten ziemlich ähnlich, bis auf ein Detail, das ich erst später bemerkte. Da die meisten Erwachsenen Kopfbedeckungen trugen - die Frauen bunte Kopftücher und die Männer Fellkappen, die an den Seiten die Ohren bedeckten –, erkannte ich es erst auf den zweiten Blick. Die Ohren der Cavalaner liefen oben spitz zusammen.

Das war aber der einzige Unterschied, denn seltsamerweise sprachen sie die gleiche Sprache wie wir Kalanten, vielleicht mit einem kleinen Akzent.

Einmal beobachtete ich Kinder, die mit kleinen, agilen Hunden spielten, die auffällig, abstehende spitze Ohren besaßen. Ihr Anblick erheiterte mich. Unwillkürlich dachte ich an die Behauptung, Hund und Herrchen sehen sich in der Regel ähnlich.

Vor ein paar Wochen erschien mir zum ersten Mal, während meines Rundganges durch die Stadt, in einer Seitengasse, Jeremia. Natürlich kannte ich da damals seinen Namen noch nicht.

Drei Krieger verließen gerade ein Wirtshaus. Es war schon dunkel und die Laternen erhellten nur wenig die Gasse. Ich hörte sie von weitem, denn sie unterhielten sich lautstark über den weiteren Verlauf des Abends, als ich mich ihnen näherte.

„Lasst uns noch Manolos Taverne besuchen!“, schlug einer der Männer vor. Er war der Größte von den Dreien und seine Stimme war so tief, dass ich ihn erst nicht verstand. „Ich möchte mich heute betrinken und noch ein paar Weibsbilder in die Arme schließen, bevor wir zurück müssen.“

Seine zwei Begleiter lachten. „Ich denke, du bist betrunken genug“, meinte ein anderer.

„Du weißt, dass sich bald etwas ändern wird? Die Bewohner unserer Stadt erkennen noch nicht das sich nähernde Unheil, und morgen könnten wir schon in den Krieg ziehen“, behauptete der Erste.

„Gerrit, hör auf, davon zu sprechen! Du weißt doch gar nicht, ob es überhaupt passieren wird.“ Das war das erste Mal, dass ich Jeremia sprechen hörte, und ich war angenehm überrascht, wie sympathisch seine Stimme klang. So schön, begann ich schwärmen.

„Jeremia, du weißt ganz genau, dass es bald passieren wird, vielleicht sogar schon morgen. Dadurch, dass du der Sohn des Herrschers bist, erfährst du es mit als Erster. Du kennst die Gefahr“, fauchte Gerrit.

Jeremia antwortete mit sanfter Stimme, denn er spürte, dass sein Freund ängstlich klang. „Lass uns zu Manolo gehen und noch einen trinken. Wir werden die ganze Nacht feiern, als wäre es die letzte!“

„So soll es sein“, stimmten alle im Chor zu.

Sie machten sich in die entgegengesetzte Richtung auf den Weg. Ich folgte ihnen mit schnellen Schritten, denn ich war neugierig geworden und wollte wissen, von welcher Gefahr und welchem Unheil sie sprachen. Ich fragte mich immer wieder, wie ich so etwas Dummes träumen konnte.

Plötzlich hielt der Krieger mit dem Namen Jeremia inne. „Spürt ihr das?“, fragte er seine Kameraden.

„Was sollen wir spüren?“, fragte der Größere.

„Ich habe das Gefühl, wir werden beobachtet“, antwortete der Krieger namens Jeremia und schaute sich um.

„Du hast zu tief ins Glas geschaut“, meinte Gerrit und klopfte Jeremia belustigt auf die Schulter.

Trotzdem drehte sich Jeremia immer wieder nach hinten um, wo ich stand. Er hätte mich nicht sehen können, denn keiner dieser Menschen in meinen Träumen konnte mich sehen. Das ist mir direkt in meinem ersten Traum aufgefallen, als ich in der Stadt umherirrte und versuchte, die Bewohner auf mich aufmerksam zu machen, jedoch nahm keiner von mir Notiz. Ich schrie sie an, kam ihnen ganz nah und konnte sogar durch sie hindurchgehen. Sie bemerkten weder etwas noch spürten sie mich.

Dieser Jeremia hatte aber etwas bemerkt. Ich blickte mich um, doch ich sah niemand hinter mir in dieser kleinen Gasse. Wie konnte er meine Anwesenheit spüren? Er musste sich irren. Leider konnte ich seinen Gesichtsausdruck nicht erkennen, dafür spendeten die Laternen zu wenig Licht.

Die Krieger schlenderten weiter und ich folgte. Ich wollte seine Mimik sehen. Ich wollte wissen, warum er mich fühlen konnte. Oder war es nur Einbildung seinerseits gewesen? Sie redeten und lachten, zwischendurch blickte Jeremia immer wieder zurück.

Dann blieben sie vor einer Taverne stehen. Einer von ihnen öffnete die Tür und sie traten ein. Ich blieb draußen und lugte durchs Fenster ins Innere. Im Schankraum hielten sich viele Männer auf, die gequetscht an kleinen, runden Holztischen saßen. Einige von ihnen unterhielten sich am Tresen mit leicht bekleideten Frauen. Dahinter stand ein dicker, glatzköpfiger Mann, der die Getränke ausschenkte. Der Wirt, mutmaßte ich. Jeremia und seine Freunde setzten sich an einem freien Tisch in der hintersten Ecke.

Während ich dastand und sie beobachtete, ging nochmals die Tür auf und einige Betrunkene kamen heraus, die sich schwankend den Weg nach Hause bahnten, sowie ein verliebtes Pärchen, das in einer dunklen Gasse verschwand.

„Isma? Liebes“, rief meine Mutter aus der Küche, „Ich brauche deine Hilfe.“

Unsanft wurde ich aus meinen Erinnerungen gerissen.

Wie ich es hasste, wenn sie mich Isma nannte. Schon als kleines Mädchen gaben mir meine Eltern und Brüder diesen Kosenamen, den ich nicht mehr loswurde.

„Ich komme sofort, Mutter!“ Ich versteckte mein Tagebuch unter meinen Kopfkissen und rannte in die Küche. Ich fühlte mich noch ganz benommen, weil meine Gedanken noch in der Gasse bei der Unterhaltung der Männer hingen.

Krieg. Unheil. Welch schreckliche Worte!

„Kleine, reich mir doch bitte mal die Kartoffeln!“, spottete mein ältester Bruder Brasne schelmisch. Er lachte und streckte mir die Zunge raus. Er wusste, dass ich es nicht mochte, wenn man mich „Kleine“ nannte.

Als jüngste Schwester von sechs älteren Brüdern war es für mich nicht leicht, mich durchzusetzen. Bevor ich Brasne die Kartoffeln reichte, bekam er von mir einen sanften Tritt gegen sein Schienbein. Das war die Strafe für seine Hänseleien. Trotzdem mochte ich Brasne am liebsten, denn er schaffte es immer, mich zum Lachen zu bringen. Ich schenkte ihm das süßeste Lächeln, das ich zustande brachte. Er zwinkerte zurück.

Ein knappes Jahr nach Brasne wurde mein Bruder Aaron geboren. Er war der Ruhigste von allen. Er ähnelte sehr meinem Großvater, dessen Namen er trug. Aaron war so wissbegierig wie ich, das hatte ich meinem Bruder gleich. An ihn konnte ich mich wenden, wenn ich Fragen hatte.

Zwei Jahre nach Aaron kamen die Zwillinge zur Welt. Theran und Talon. Meine Mutter hatte es mit den Zweien nicht immer leicht gehabt. Schon als Kinder heckten sie Streiche aus und waren kaum zu bändigen. Als sie älter wurden, kamen sie endlich zur Ruhe, waren stets die Begleiter meines Vaters und halfen ihm, unser Land zu bewirtschaften.

Danach folgte Jazem. Er war der Schönling in der Familie. Die Mädchen in den Dörfern liefen ihm reihenweise hinterher, wenn er für meinen Vater die geschäftlichen Angelegenheiten in den Orten erledigte. Nicht nur in Salin, sondern auch anderswo. Außer Brasne hatten meine anderen Brüder noch nicht die Richtige gefunden.

Der Zweitjüngste war Casper. Casper war das Sorgenkind meiner Eltern. Er lebte sehr zurückgezogen und selten kam ein Wort über seine Lippen. Er war etwas schmächtig und für die Landarbeit nicht geeignet. In der Regel half er meiner Mutter im Haushalt.

Meine Mutter Kella hatte die Hoffnung schon aufgegeben, jemals ein Mädchen zu gebären. Dann kam ich!

Sofort nach meiner Geburt war ich für alle der kleine Sonnenschein, die „kleine Isma“. Jeder von ihnen achtete auf mich, damit mir auch ja nichts passieren konnte. So wuchs ich sorgsam behütet auf. Als Kind war es sehr angenehm, den Schutz meiner Brüder zu spüren, doch je älter ich wurde, desto selbstständiger wollte ich sein. Dies gestaltete sich allerdings sehr schwierig, denn dabei standen mir meine Brüder im Weg. Wenn ich im Dorf spazieren ging, schaute mich keiner der Jungen an, geschweige denn, dass sie mich ansprachen. Sie hatten Angst vor meinen Brüdern und ignorierten mich.

In meinen geschätzten Büchern las ich Geschichten über Liebende, Jünglinge, die ihren Mädchen den Hof machten, sie umwarben und ihnen die ewige Liebe schworen.

Ob ich das jemals auch erleben durfte?

Vom Aussehen waren wir uns alle sehr ähnlich. Wir hatten blondes, lockiges Haar von unserer Mutter geerbt, wobei das Haar meiner Mutter bereits ergraut war, wie das meines Vaters Keleb. Von meinem Vater erhielten wir die grünen Augen. Jazem war der Einzige, der himmelblaue Augen hatte.

Mein schulterlanges Haar trug ich immer zu einem Zopf geflochten. Meine Haut war sehr hell, genau wie die meiner Brüder. Nur bei Theran und Talon war sie durch die Landarbeit gebräunt. Zudem war ihr Körperbau sehr kräftig. Sie trugen ihr blondes Haar zu einem Pferdeschwanz gebunden und machten den Eindruck von Wilderern. Gutmütig, wie sie waren, würden sie ihr letztes Hemd weggeben.

Keiner meiner Brüder wollte unser Elternhaus verlassen, wobei meine Eltern oft genug erklärt hatten, dass es langsam Zeit sei, dass sie eigene Familien gründen sollten. Brasne war der Einzige, der schon länger mit einem Mädchen aus dem Dorf ging. Calena, wie ich neunzehn Jahre alt, war ein hübsches Mädchen mit langen braunen Haaren und großen, mandelförmigen braunen Augen. Ihre schüchterne und bescheidene Art hatte es Brasne angetan. Beide schienen sehr verliebt zu sein. Sie strahlten mit der Sonne um die Wette, wenn sie zusammen waren. Ich mochte Calena, sie war mir eine gute Freundin geworden, und wir führten oft lange Gespräche.

„Isma, wo bist du schon wieder mit deinen Gedanken?“, fragte mein Vater.

„In ihrer Fantasiewelt, wie so oft.“ Theran grinste.

Ich achtete nicht auf seine Bemerkung. Sie ärgerten mich nicht mehr. Ich war es gewohnt. „Brasne, wann willst du endlich bei Calenas Vater um ihre Hand anhalten?“, wollte ich wissen, dabei hatte ich ein gehässiges Lächeln auf dem Gesicht.

„Wir sind nicht sicher, ob jetzt der richtige Zeitpunkt ist. Die Alte Frau aus dem Dorf hat prophezeit, dass uns ein baldiges Unheil heimsucht.“

Da war dieses Wort wieder. Unheil! Ich erschrak und glaubte erst, mich verhört zu haben. „Wann hat sie das gesagt, und was meint sie damit?“

Die Alte Frau aus dem Dorf, jeder nannte und betitelte sie so, war eine Seherin, die behauptete, die Zukunft sehen zu können, und die Prophezeiungen aussprach, die sich oftmals bewahrheiteten. Wieso sie das Schicksal so genau voraussagen konnte, wusste ich nicht. Eine solche Gabe, wie sie sie besaß, wurde in Familien von Mutter zu Tochter vererbt. Unter manchen Familiennamen gab es etliche Seherinnen, besonders hier in Kalander. Die Kalanten hatten in allen Städten und Dörfern Weissagerinnen, die dank ihrer Fähigkeiten ihren Lebensunterhalt verdienten. Sie kamen mir etwas unheimlich vor, obwohl sie eigentlich ein unauffälliges Äußeres hatten und auch ein ganz normales, unscheinbares Leben führten. Warum blieben sie so bescheiden, wenn sie doch die Zukunft kannten und ihr eigenes Schicksal verbessern hätten können?

„Gestern! Calena wollte, dass die Alte Frau ihr sagen sollte, was uns unsere Zukunft bringt und sie weissagte, dass uns Unheil und Krieg bevorstehen wird. Dass fremde Krieger unser Territorium durchqueren werden und unsere Hilfe benötigen. Denn das Böse wird kommen, und es wird Zerstörung und Tod mitbringen.“

Mich überraschte, wie nüchtern Brasne uns dies berichtete. Ein Schauder lief mir den Rücken runter. Was für eine grauenvolle Wahrsagung. Prompt kamen mir meine Träume wieder ins Bewusstsein. Seit Wochen ging es bei Jeremia und seinem Volk um nichts anderes, und nun musste ich auch hier in meinem Zuhause davon hören.

„Wann wolltest du mir das sagen?“ Mein Vater schaute leicht verärgert auf Brasne.

„Ach, ich weiß nicht so recht, was ich davon halten soll, Vater. Ich war auch nicht erfreut darüber, dass Calena eine Seherin befragt hat, was unsere Zukunft bringt. Das wissen nur die Götter und nur sie kennen unser Schicksal.“

„Hört auf!“, befahl meine Mutter. „Ich will nichts mehr davon hören. Isma, hilf mir den Tisch abzuräumen! Ihr Männer geht in den Stall und kümmert euch um die Tiere!“

Schweigend standen alle auf. Nachdem ich meiner Mutter in der Küche geholfen hatte, lief ich auf mein Zimmer und warf mich aufs Bett, um weiter zu grübeln.

Kapitel 2

Wie sollte ich das alles deuten, was gerade um mich herum geschah? Die Seherin sprach von drohendem Unheil. Wollte sie nicht oder konnte sie sich nicht präzise ausdrücken?

Ich lag auf meinem Bett, mein Tagebuch zwischen meinen Händen aufgeschlagen.

War ich auch eine Seherin?

Nein, das konnte nicht sein, denn in meiner Familie gab es diese Gabe nicht. Die Seherinnen träumten nicht, sondern hatten Visionen. Ich jedoch träumte.

Jede Nacht - schon seit Wochen - erlebte ich eine andere Welt, die so real erschien. Es waren doch nur Träume. Ich sah das Leben von jemand anderem, ich sah Jeremias Leben. Ich war eine Beobachterin. Nie konnte ich an dem Geschehen in meinem Träumen teilnehmen. Kaum schlief ich ein, traf ich auf Jeremia. War er nur eine wünschenswerte Fantasievorstellung, die entstand, weil ich mir die Liebe eines Mannes wünschte?

Ich blätterte in meinem Tagebuch, um die Stelle zu finden, wo ich mir die zweite Begegnung mit Jeremia notiert hatte. Ich las und las bis ich bemerkte, wie schwer meine Lider wurden. Der Schlaf legte sich über mich und schon fing ich an, zu träumen. Nur dieses Mal träumte ich nicht von der Stadt Castar.

Ich fand mich in einem geräumigen Saal wieder. So einen hohen Raum hatte ich noch nie zuvor gesehen. An den großen Fenstern fielen Vorhänge aus schwerem, rubinrotem Samt bis zum Boden. An den Wänden hingen Wandleuchter, die den Raum in ein warmes Kerzenlicht tauchten. Über mir an der Decke entdeckte ich einen riesigen Kronleuchter mit unzähligen brennenden Kerzen und glitzernden, tropfenförmigen Glaskristallen, in denen sich das Kerzenlicht spiegelte. Die beiden Saaltüren waren beinahe so hoch wie Stadttore. Sie bestanden aus purem Gold und waren mit feinen Ornamenten verziert. Über jeder Tür prangte ich ein auffälliges Wappen mit einem goldenen Adler auf rubinrotem Grund. Der Kerzenschein spiegelte sich in den Türen wider.

Der Fußboden bestand aus weißem Marmor. Ich fühlte mich wie in einer Kathedrale. Dies war sicherlich Teil eines der prunkvollsten Herrschaftspaläste von Galan.

Mitten im Raum stand ein großer, rechteckiger Tisch mit zwanzig Stühlen, die aus dunklem Mahagoni kunstvoll gefertigt waren. An den Stuhllehnen erkannte ich wieder diese goldenen, feinen Ornamente. Die Sitzflächen bestanden aus rubinrotem Samt.

Am Tisch saßen zwei Männer, die sich unterhielten. Plötzlich fing mein Herz an, wie wild zu klopfen. Ich fühlte es, ich wusste es, einer der beiden Männer musste Jeremia sein.

Warum reagierte ich so sehr auf ihn?

Ich näherte mich, stellte mich neben die sitzenden Männern und erkannte Jeremia, der mit einem älteren Mann sprach. Dieser Mann war kein Krieger, auch wenn seine stolze Haltung erkennen ließ, dass er einmal einer gewesen sein musste. Er trug, wie ein Herrscher, eine Robe aus dunkelblauem Samt. Der Kragen und die Knopfleisten waren mit Goldfäden durchzogen, die goldenen Knöpfe mit leuchtenden Rubinen besetzt. Er hatte einen weißen Bart. Seine kurzen Haare, die mal braun gewesen sein mussten, waren größtenteils ergraut. Seine Ohren liefen spitz zu, das kannte ich bereits von den Bewohnern aus der Stadt meiner Träume. War er der Herrscher dieser Stadt, dieses Territoriums? An seinen Augen blieb mein Blick haften. Solche Augen hatte ich noch nie zuvor gesehen. Sie waren wie Eis. Ein helles Blau mit silbernen Sprenkeln.

Die Kalanten hatten meist grüne oder braune Augen.

Dann drehte ich mich zu Jeremia um.

Mein Herz schlug so hart gegen meine Brust, als wollte es zerspringen. Blitzartig musste ich den Atem anhalten. Ich hatte ihn zuvor nur aus der Ferne gesehen, als wir in der schwach beleuchteten Gasse standen und danach durch das Fenster der Taverne, wo er gesessen hatte. Später sah ich ihn in meinen Träumen, als er in der Universität der Stadt mit seinem Kommilitonen lernte, ein anderes Mal beim Kampftraining, das die Krieger auf einem großen Platz ausführten. Mehrfach begegnete ich seinen Kollegen und ihm, als sie durch die Stadt zogen und herumalberten, aber ich hatte ihn bisher noch nie aus nächster Nähe begutachten können. Ich traute mich nie wirklich näher an ihn ran. Warum eigentlich nicht, fragte ich mich jetzt. Wochen über Wochen träumte ich immer wieder nur von ihm. Er war mir schon so vertraut.

Es schien, als würde er meine Gegenwart spüren. So kam es mir vor oder ich hoffte, dass er es tat. Immer wieder suchte er nach etwas. Das erkannte ich an seinen Bewegungen. Nach mir? Seine Kameraden machten sich lustig darüber, bis er es aufgegeben hatte, ihnen etwas zu sagen.

Aber was ich jetzt fühlte, als ich ihn nun vor mir sah, konnte ich wirklich nicht in Worte fassen. Mein Körper war wie gelähmt und ich musterte ihn, prägte mir jedes einzelne Detail ein. Er war wunderschön. Einfach alles an ihm war perfekt. Seine Haltung entsprach dem eines stolzen Kriegers, sicher und beherrscht. Jeremia war groß und kräftig gebaut, hatte leicht gewelltes, braunes Haar, das ihm bis zum Nacken reichte. Eine Strähne fiel ihm ins Gesicht. Er hatte makellose, helle Haut, hohe Wangenknochen, eine gerade Nase und wunderschöne, geschwungene Lippen. Und da waren noch seine Augen, die das gleiche Eisblau hatten wie die Augen des Mannes, der ihm gegenüber saß. Sie mussten verwandt sein. Jeremia war schwarz gekleidet und die oberen Knöpfe seines Hemdes standen offen.

Ich spürte meine Schmetterlinge im Bauch und hatte das Gefühl, als gehöre er zu mir.

Mein Verstand sagte mir, natürlich musste es so sein. Es war ja auch mein Traummann, mein Wunschgedanke, meine Sehnsucht.

Die Wirklichkeit sieht oft ganz anders aus, aber warum sollte ich mir einen hässlichen Mann vorstellen, in den ich mich verlieben sollte, wenn ich die Wahl hatte, mir einen schönen Mann auszusuchen? Ich musste schmunzeln. Natürlich ist Schönheit nicht alles - das Innere zählt viel mehr - aber wie könnte so ein edler, ritterlicher und stolzer Mann wie Jeremia, grob, grausam oder sogar böse sein?

Unerwartet hob Jeremia seinen Kopf und blickte in mein Gesicht. Für einen Moment dachte ich, er würde mich sehen. „Ich kann deine Meinung nicht teilen, Vater. Um die Territorien auf unsere Seite zu bekommen, muss es andere Mittel und Wege geben. Sie müssen doch die Gefahr erkennen.“ Jeremia war wütend.

Sein Vater schaute ihn mit müden Augen an. „Wir haben alle fünf Territorien informiert. Ich bin überall persönlich hingereist und habe mit allen Herrschern gesprochen. Sie hoffen, dass es nicht zu einem Krieg kommen wird. Sie hoffen, dass sie die Capitaner besänftigen können.“

„Capans Herrscher Netan hat keine Angst vor uns. Er ist ein wahrhaftes Monster und hat seine Armee aufgestockt und aufmarschieren lassen. Seine Krieger könnten jederzeit die Grenzen überschreiten. Und Vater, bedenke, sie sind nicht wie wir. Sie sind grausame Bestien, die neben ihren herkömmlichen Waffen ihre Reißzähne benutzen, um ihre Opfer bei lebendigem Leib zu zerfetzen. Ich habe gesehen, wie ihre Klauen sich durch Fleisch und Rippen bohrten und das Herz eines Gegners aus seiner Brust rissen. Sie sind kaltblütige Barbaren. Unsere einzige Möglichkeit, sie abzuwehren, liegt in dem Zusammenhalt aller sechs Galanterritorien, die gemeinsame Streitkräfte bilden.“

„Ich weiß, mein Sohn. Fast alle haben die Situation erkannt, nur Herrscher Verson vom Territorium Nalada sträubt sich noch. Da Nalada an der Grenze zu Capan liegt, hat Verson mit Netan ein Friedensabkommen geschlossen. Sie leben seit Tausenden von Jahren friedlich nebeneinander. Verson will die Gefahr nicht sehen und bagatellisiert die Gewalt, die von den Capitanern ausgeht, behauptet gar, Gewalttaten kämen in seinem Territorium nie vor.“

Einen Moment herrschte Stille. Dann redete sein Vater weiter. „Du weißt, dass sogar die Gefahr besteht, dass Nalada und Capan sich zusammenschließen könnten.“ Jeremia schluckte, während sein Vater fortfuhr.

„Ja, das wäre entsetzlich. Die Armeen von Nalada und Capan zusammen sind einfach zu stark und uns weit überlegen. Wir müssen Verson umstimmen und Nalada auf unsere Seite bekommen. Wir dürfen auf keinen Fall zulassen, dass sie sich vereinen. Das wäre verheerend. Deswegen bitte ich dich, Jeremia, willige ein in die Verlobung mit Versons Tochter Narissa. Dies ist die einzige Möglichkeit, Nalada zu einem Bündnis mit uns zu verpflichten. Du würdest als Versons Nachfolger den Thron besteigen. Verson ist schon alt. Er wünscht sich, dass seine Tochter einen Mann heiratet, der ihrer würdig ist, und Narissa liebt dich, das weiß ich.“

Ich konnte es nicht glauben. Er gehörte zu mir! Ich fühlte es.

Was war das für ein absurder Traum?

Sogar in meinen Träumen drohte eine andere Frau, mir meinem Traummann wegzunehmen.

„Nein Vater, ich will das nicht. Ich begehre sie nicht und von Liebe kann keine Rede sein.“ Jeremia schlug mit der Hand auf den Tisch.

Uff! Das war eine Erleichterung. Mir fiel ein Stein vom Herzen. Ich hätte ihn fast verloren, bevor ich ihn überhaupt besaß.

„Wie du willst, mein Sohn, aber denke darüber nach, denn anders werden wir sie nicht überzeugen können. Es ist zum Wohle aller. Lass uns nun zu Bett gehen. Die Ereignisse machen mich alten Mann sehr müde und ich kann mich nicht mehr konzentrieren.“

Bevor er den Raum verließ, blieb er kurz bei seinem Sohn stehen und legte eine Hand auf Jeremias Schulter. Dann entfernte er sich.

Jeremia blieb sitzen. Er vergrub sein Gesicht zwischen seinen Händen. Ich konnte seine Verzweiflung spüren. Plötzlich stand er auf und hechtete mit schnellen Schritten zur Tür. Ich folgte ihm. Er schritt mit seinen langen Beinen so schnell voran, dass ich teilweise sogar rennen musste. Während wir zwei weitere Räume durchquerten, hörte ich ihn laut mit sich selbst sprechen. „Wie kann man so etwas von mir erwarten? Sie kennt mich doch gar nicht. Wir sind uns erst ein paar Mal begegnet, schon redet sie von Liebe. Sie ist ein verwöhntes, kleines Biest. Sie weiß doch gar nicht, was Liebe bedeutet. Sie will doch nur ein neues Spielzeug und ihr Vater gibt ihr immer alles, was sie will. Unser aller Leben steht auf dem Spiel, und alles hängt von diesem Weibsbild ab.“

Wütend lief er weiter voran und ich hinterher.

Diese Narissa machte mich auch wütend, dabei kannte ich sie noch nicht einmal.

Abrupt blieb er stehen. Wir befanden uns in einem Schlafzimmer. An der gegenüberliegenden Wand stand ein riesiges Bett. Auf der Matratze lagen ein cremefarbener Überzug aus Seide und vier passende Kissen. Ein riesiges Regal mit Hunderten von Büchern nahm eine ganze Wand ein.

Das war das Paradies. So viele Bücher, davon konnte ich nur träumen. Upps! Das tat ich doch gerade.

Auf der anderen Seite stand eine Kommode, darüber hing ein großer Spiegel mit goldenem Rahmen. Die Möbel waren aus dunklem Mahagoni. Am Fenster stand ein gemütlicher Ohrensessel, auf dem ein aufgeschlagenes Buch lag. Der Kerzenleuchter auf dem Beistelltisch tauchte den Leseplatz in sanftes Licht.

Jeremia ging in einen Nebenraum. Ich setzte mich aufs Bett. Es war so hoch, dass ich meine Beine baumeln lassen und nur mit meinen Fußspitzen den Boden berühren konnte.

Ich war in SEINEM Zimmer.

Ich sorgte mich um ihn, um uns. Das Gespräch zwischen den beiden Männern hatte mich schockiert. Konnte es sein, dass dies das Territorium Cavalan war? Cavalan grenzt an unser Territorium und der Herrscher dieses Territoriums heißt Jahred Nahal. War dieser alte Mann wirklich Jahred Nahal und Jeremia sein Sohn?

Verständnislos blickte ich die Tür an, hinter der Jeremia verschwunden war. Eine Bauerntochter aus einem kleinen Dorf träumte von einem Prinzen aus einem fernen Land. Niemals würden wir zusammenkommen. Schade. Plötzlich ergriff mich eine tiefe Traurigkeit. Auch wenn meine Träume von Jeremia nur Fantasien waren, so würde er als Erhabener von Cavalan niemals eine einfaches Mädchen aus dem Volk Kalanders freien, weder in meinen Träumen noch in der Wirklichkeit. Wenn meine Träume irgendetwas mit dem wahren Leben gemein hatten und das vielleicht wirklich alles gerade passierte, dann gab es nichts, was uns verband.

Ich fühlte mich beraubt.

Auf einmal ging die Tür auf und ich erblickte einen Mann, der nichts weiter trug, als ein Handtuch um seine Hüften.

Du lieber Himmel, sah Jeremia gut aus!

Meine negativen Gedanken waren wie weggefegt.

Das Licht spiegelte sich in jedem einzelnen Wassertropfen auf seiner glatten Haut wider. Im dämmerigen Licht der Kerze sah ich, wie sich seine Muskeln wölbten und streckten. Er kam langsam auf mich zu und setzte sich neben mich aufs Bett. Er saß ganz gelassen neben mir mit beiden Füßen auf dem Boden. Er musste ein ganzer Kopf größer sein als ich.

Er war mir so nah, dass ich seinen Geruch wahrnehmen konnte. Er roch süßlich und doch herb.

Er saß einfach nur da. Wahrscheinlich dachte er gerade nach. Ich konnte meine Augen nicht von ihm lassen, beobachtete ihn. Nur Zentimeter trennte mein Gesicht von seinem. Sein markantes Gesicht war unfassbar und unerträglich schön. Ich wollte ihn so sehr küssen. Er konnte bestimmt gut küssen. Ich sah seine vollen Lippen und hätte sie gerne berührt.

Sein Körper drehte sich langsam zu mir. Er lauschte.

Nahm er mich gerade wahr? Ich war wie gebannt und wartete ab, was er jetzt machen würde. Dann schüttelte er den Kopf und stand auf. Er ging einmal um das Bett herum und ließ das Handtuch fallen. Jetzt war er nackt. Ich spürte, wie mir die Röte ins Gesicht schoss. Im gleichen Moment drehte er sich um und ich sah sein Hinterteil. Vor Scham wandte ich mich ab, hörte Schritte und sah, wie Jeremia die Bettdecke zur Seite zog und sich nackt unters Laken legte. Nur sein Oberkörper und sein Gesicht ragten heraus. Die Arme verschränkte er hinter seinem Kopf und so starrte er zur Decke. Der Ausdruck in seinem Gesicht war fahl und bekümmert. Was ging jetzt in ihm vor? Wie gerne würde ich seine Gedanken mit ihm teilen. Auch ich machte mir Sorgen. Was sollte ich jetzt tun?

Ich wechselte zur anderen Seite des Bettes und legte mich einfach neben ihn. Die ganze Nacht würde ich ihn anschauen und über ihn wachen, dachte ich mir.

Irgendwann schlief er ein und ich wachte auf.

Der Hahn krähte draußen. Schnell stieg ich aus dem Bett, denn es war schon spät für mich. Auch wenn die Sonne nur leicht sichtbar am Horizont stand, hätte ich längst meiner Mutter in der Küche helfen müssen. Das Leben auf einem Bauernhof begann sehr früh.

Ich war in meiner gestrigen Kleidung eingeschlafen. Schnell streifte ich mir den langen Rock und die Bluse ab, hüpfte rüber ins Bad und wusch mir die Augen und das Gesicht, während ich sehr intensiv an Jeremia dachte und an seinen vollkommenen, makellosen Körper.

Zurück in meinem Zimmer nahm ich Unterwäsche aus der Kommode, einen langen braunen Rock und eine weiße Bluse aus dem Kleiderschrank. Die getragene Wäsche legte ich in meinen Wäschekorb neben der Tür, zog mich an, bürstete mein Haar und band es zu einem Zopf zusammen. Ich setzte mich auf das Bett und streifte mir noch schnell meine braune Strumpfhose und meine Arbeitsstiefel über. Schon rannte ich hinunter in die Küche.

Meine ganze Familie saß schon am Frühstückstisch. Der Geruch von Kaffee und der Duft von frischem Brot drangen mir in die Nase.

„Guten Morgen, Liebes“, wünschte mir meine Mutter.

„Guten Morgen, alle zusammen. Entschuldigt, dass ich verschlafen habe“, nuschelte ich, da ich schon ein Stück Brötchen zwischen meinen Zähnen kaute. Ich war so hungrig.

„Hast du gut geschlafen?“, wollte mein Bruder Brasne mit einem bissigen Unterton wissen.

„Ja, warum grinst du so hämisch?“

„Nur so!“ Seine wilden Haarlocken standen ihm noch zu Berge. Er musste auch gerade erst aufgestanden sein. „Ich bin gestern Abend an deinem Zimmer vorbeigegangen, und dabei habe ich dich stöhnen gehört. Hattest du schon wieder einen Traum?“

Auch meine anderen Brüder fingen an zu grinsen, außer Aaron. „Lasst sie in Frieden“, verteidigte er mich. „Ihr wisst ganz genau, dass sie seit Wochen unter ihren Träumen leidet.“

„Woher sollten wir das wissen?“, fragte Talon schelmisch und schob sich ein ganzes Spiegelei in den Mund. Fünf Eier zum Frühstück waren für meine Brüder nichts Ungewöhnliches. „Sie spricht toch mirtt diiich mur ... aaahhh heisssss...“

„Was??“ Aaron lachte. „Du bist zu gierig, Talon!“

„Es reicht jetzt“, herrschte mein Vater. „Wir sind schon spät dran. Talon und Theran, kümmert euch um die Saat, die wir eingekauft haben! Sie muss heute noch gesät werden. Ihr werdet heute den ganzen Tag damit zu tun haben. Jazem, hast du schon deine Sachen gepackt und die Unterlagen bereit gelegt?“

„Ja, Vater, ich habe auch das Pferd schon gesattelt und aus dem Stall geholt. Ich suche nur noch die Verträge raus, und bin in einer Stunde abreisefertig.“

Mein Bruder Jazem musste für zwei Tage verreisen. In einer Nachbarstadt, einen Tagesritt von hier entfernt, wollte er sich mit einem Kaufmann treffen, um mit ihm Verträge auszuhandeln. Da die Strecke dorthin sehr weit war, würde er in einer Herberge übernachten.

„Casper, du hilfst heute deiner Mutter in der Küche und dann im Garten, und Aaron, du und Isma, ihr kümmert euch um die Tiere und den Stall!“, ordne Vater an.

Alle standen auf und machten sich ans Werk.

Aaron und ich gingen hinüber in den Stall. Die Kühe mussten zuerst gemolken werden, danach brachte Aaron die vollen Milcheimer zu unserer Mutter in die Küche. Die Hühner wurden gefüttert und ebenso die Schweine.

Als Aaron zurückkam, kämpfte ich mit einer Mistgabel, die zwischen zwei Holzbalken steckte. „Mist, du blödes Ding, wer war so schlau und hat die Mistgabel dort hineingesteckt?“ schimpfte ich. Mit einem festen Ruck zog ich an der Mistgabel und fiel rücklings auf den Boden.

An der Stalltür angelehnt, fing Aaron an, laut zu lachen.

„Sehr witzig, Aaron, anstatt so blöd zu schauen, hilf mir, aufzustehen!“

„Du bist so süß, wenn du dich aufregst“, er unterdrückte ein weiteres Kichern, während er mir aufhalf.

„Hilf mir bitte, die Heuballen rüber zu den Boxen zu bringen“, bat ich ihn.

„Wird sofort erledigt.“

Gemeinsam machten wir uns an die Arbeit.

Ich schwieg die ganze Zeit und Aaron pfiff fröhlich vor sich hin. Nach getaner Arbeit ließen wir uns auf das Heu fallen. Es war schon fast Mittag. Mutter würde uns bald zu Tisch rufen. Während wir erschöpft dasaßen, fragte Aaron neugierig, was ich heute Nacht Schlimmes geträumt hätte. Aaron wusste über meine Träume Bescheid. Er war der Einzige, den ich eingeweiht hatte. Er war immer ein guter Zuhörer und er versuchte, mir zu helfen, die Träume zu verstehen. Ich informierte ihn über meinen gestrigen Traum, ließ aber die Sache in Jeremias Zimmer aus. Dies brauchte er nicht zu wissen.

„Was denkst du?“, fragte ich stirnrunzelnd.

„Es ist wirklich seltsam. Ich verstehe, was du meinst mit den Parallelen. Gestern war ich auch sehr überrascht, als Brasne von den Weissagungen der Seherin erzählte. Ich musste sofort an deine Träume denken. Nun träumst du, dass Jeremia der Sohn von Jahred Nahal ist, der Herrscher aus dem Nachbarterritorium Cavalan. Jahred Nahal gibt es. Das wissen wir. Dass er einen Sohn mit dem Namen Jeremia hat, wusste ich nicht, aber wir erfahren ja auch nicht alles. Der Krieg ist vorhergesagt worden und in deinen Träumen sprachen sie auch darüber. Wie gesagt, es ist recht seltsam“, schloss er.

„Was hat das alles zu bedeuten?“ wollte ich wissen. „Ich bin doch keine Seherin.“

„Vielleicht hast du eine andere Gabe.“, antworte Aaron.

„Und welche sollte das sein?“

„Es gibt Geschichten über Seelenwanderer. Das habe ich in einem Buch gelesen, und Großvater hat mir Geschichten da­rüber erzählt.“

„Von Seelenwanderern habe ich noch nie etwas gehört.“ Ich wurde hellhörig.

„Die gibt es auch nicht mehr, zumindest denken das die Leute. Vor langer Zeit gab es Seelenwanderer in allen Territorien. Sie zählten zu den Vertrauten der Herrscher und hatten sehr viel Macht, waren aber auch sehr gefürchtet.“

„Warum waren sie gefürchtet?“ Ich wollte mehr hören.

„Nun ja, man erzählte sich, dass, wenn ihre Körper ruhten, ihre Seele wanderte. So beobachteten und belauschten sie die Leute im Auftrag ihrer Herrscher. Mit ihren Informationen konnten die jeweiligen Herrscher Abtrünnige ausfindig machen und sie dann bestrafen oder sogar töten lassen. Die Angst der Menschen wurde so groß, dass sie die Seelenwanderer jagten und ermordeten. Mit der Zeit gerieten Seelenwanderer in Vergessenheit.“

„Das ist eine sehr traurige und grausame Geschichte, aber ich glaube nicht, dass ich eine Seelenwanderin bin.“

„Warum glaubst du das?“, wollte Aaron wissen.

„Weil ich in meinen Träumen nicht beeinflussen kann, wo ich hingehe. Ich habe noch nie zuvor von Jeremia gehört“, erwiderte ich.

„Das mag sein, aber trotzdem wäre das eine Erklärung für das, was du erlebst.“

Schweigend saßen wir da. So viele Gedanken schwirrten mir durch den Kopf. Konnte ich eine Seelenwanderin sein?

Und warum hatte ich noch nie zuvor davon gehört?

Mein Großvater hatte mir so viele alte Geschichten erzählt, warum nicht diese? So viele Fragen, die ich gerne beantwortet hätte. „Leihst du mir das Buch, in dem du über die Seelenwanderer gelesen hast“, bat ich ihn.

„Natürlich, du kannst es haben, aber zerbrich dir bitte nicht zu sehr dein hübsches Köpfchen. Es wird einen Grund geben, warum das alles passiert und den wirst du früher oder später ergründen.“

„Aaron, du brauchst dir keine Sorgen zu machen.“ Ich ergriff seine Hand, um ihn zu beruhigen. Aber meine innere Stimme sagte mir, dass ich insgeheim diese Sorgen teilte.

Wir hörten Mutter nach uns rufen. Langsam erhoben wir uns und kehrten zum Haus zurück.

Beim Mittagessen unterhielten sich alle angeregt. Nur ich schaffte es einfach nicht, den Gesprächen zu folgen. Meine Gedanken kreisten immer wieder um die Seelenwanderer.

Kapitel 3

Die Sonne schien warm vom Himmel, während ich auf der Bank saß und in dem Buch las. Es müssen Stunden vergangen sein, die Sonne hatte bereits ein sattes Rot angenommen, als ich plötzlich meinen Namen rufen hörte. Es war Calena. „Da bist du ja. Ich habe dich schon überall gesucht.“ Sie lachte mich an und umarmte mich stürmisch. Ich drückte sie fest an mich. Ich war froh, sie zu sehen. Sie trug einen mit Lilien bestickten, violetten Rock und dazu eine fliederfarbene Bluse mit Puffärmeln. Ihr Haar fiel in üppigen langen Wellen über ihren halben Rücken. Sie sah wunderschön aus.

„Gibt es etwas zu feiern, du bist so elegant gekleidet?“, wollte ich wissen.

Sie stand mir gegenüber und strahlte wie die Sonne. „Brasne war bei meinem Vater und hat um meine Hand angehalten, und mein Vater hat eingewilligt.“

Wir fielen uns in die Arme. Ich freute mich so sehr für die beiden. Meine Augen füllten sich mit Freudentränen. Endlich hatten sie es geschafft. Ich mochte Calena sehr, sie war für mich wie eine Schwester. Wir lösten uns voneinander.

Mir fiel ein, dass sie eigentlich noch abwarten wollten, weil die Seherin ein Unheil prophezeit hatte. „Wolltet ihr nicht noch warten?“

Calena nickte. „Ja, das wollten wir. Aber wie lange hätte das gedauert? Es könnten noch Jahre vergehen, bis das eintrifft, was die Seherin gesehen hat. Heute Mittag sagte Brasne plötzlich, dass er keine Sekunde länger warten will und ging geradewegs zu Vater. Ach Isma, ich bin so glücklich. Das ist der schönste Tag in meinem Leben. Komm, lass uns ins Haus gehen. Brasne wartet schon auf uns. Er möchte, dass wir es allen gemeinsam sagen.“ Sie zog mich von der Bank hoch und wir hüpften freudig erregt ins Haus.

Dort warteten schon alle auf uns. Sie unterhielten sich leise. Aaron kniete vor dem Kamin und war damit beschäftigt, das Brennholz zu entzünden. Es wurde langsam dunkel. Die Sonne war fast verschwunden und am Himmel schimmerte bereits die blasse Mondsichel.

Brasne stand an der Türschwelle. Seine Nervosität war ihm deutlich anzusehen. Als er uns sah, zwinkerte er mir zu und nahm Calena in die Arme. Ich setzte mich zu Aaron an den Kamin.

Brasne begann zu sprechen: „Calena und ich möchten euch etwas mitteilen.“

Plötzlich war es mucksmäuschenstill. Alle blickten gespannt auf Brasne und Calena.

„Ich habe um Calenas Hand angehalten und ihr Vater hat eingewilligt. Wir wollen so schnell wie möglich heiraten.“

Dann sprangen wir alle gleichzeitig auf.

Mutter war die erste, die das Paar in die Arme schloss. Sie weinte vor Freude. „Ich bin ja so glücklich. Endlich hat einer meiner Söhne eine Frau gefunden. Ich hatte wirklich die Hoffnung schon aufgegeben.“

Brasne lächelte schief, doch Calena und Mutter lagen sich bereits in den Armen.

Vater drückte fest Brasnes Hand. „Ich bin stolz auf dich, mein Sohn.“ Und an Mutter gerichtet meldete er: „Ich möchte sie auch mal umarmen.“ Langsam löste sich meine Mutter von Calena. Nun nahm mein Vater Calena in die Arme. Von der Seite erhaschte ich einen Blick auf ihn. Auch er hatte Freudentränen in den Augen. Aaron, Theran, Talon, Jazem und Casper nahmen reihenweise Brasne und Calena lachend in die Arme. Alle waren so glücklich und zufrieden. Was für ein Glück die beiden doch hatten!

Ungewollt schob sich Jeremia in meine Gedanken. Es wäre schön, mit ihm zusammen zu sein, hier bei meiner Familie. Und wir wären diejenigen, die unsere Hochzeit bekanntgeben würden. Was für ein törichter dummer Wunschgedanke. Wie kam ich denn darauf? Wir kannten uns nicht einmal. Ich schob meine Sehnsüchte zur Seite und wollte mich über Calena und Brasnes Verlobung freuen.

„Lasst uns feiern“, verkündete mein Vater strahlend. „Hol den besten Wein aus dem Keller.“, bat er Theran. „Isma, bringe uns die Gläser aus der Küche, wir wollen anstoßen!“

Kurze Zeit später hockten wir prostend vor dem Kamin, lachten und sprachen über die Hochzeit, dabei vergaßen wir die Zeit, bis Mutter aufschreckte und in die Küche hastete. „Jetzt habe ich vor lauter Aufregung das Essen vergessen. Isma, komm schnell und hilf mir!“, rief sie aus der Küche.

Ich erhob mich, eilte zu ihr, half ihr, den Braten zu retten und deckte den Tisch. Nach einer Weile saßen alle gemeinsam beim Festmahl. Ich schaute in die Runde und sah lauter glückliche Gesichter. Wir hatten einen großen langen Holztisch in der Mitte der Küche stehen, und jeder hatte seinen Stammplatz. Ich neben meiner Mutter, links von mir Casper. Mein Vater saß natürlich am Kopfende, rechts von ihm Brasne und mir gegenüber heute Calena, wo eigentlich Aaron seinen Platz hatte. Sie hielten Händchen und flüsterten sich Liebkosungen ins Ohr, wobei Calena leicht errötete. Sie waren so glücklich, dass es mir schon fast das Herz brach. Warum konnte es nicht immer so sein? Bald, recht bald würde sich alles ändern, schneller als wir es für möglich hielten. Ein schreckliches Gefühl überkam mich und eine Stimme in meinem Kopf wiederholte diese qualvollen Worte: Unheil, Krieg.

Nach dem Essen verabschiedete sich Calena von uns und Brasne begleitete sie nach Hause.

Ich wünschte allen eine gute Nacht und zog mich in mein Zimmer zurück. Als einziges Mädchen unter sechs Brüdern hatte ich ein eigenes Zimmer – nur für mich ganz alleine. Meine Mutter hatte vor einigen Jahren darauf bestanden.

Sie fand es nicht schön, wo ich doch zu einer Frau herangereift war, weiterhin ein Zimmer mit einem meiner Brüder teilen zu müssen, und da wir ein ziemlich großes Haus besaßen, konnte Vater das für mich umsetzen. Ich war Mutter dafür mehr als dankbar. Mein Zimmer hatte ich mir nach meinem Geschmack eingerichtet. Immer stand eine Vase mit frischen Blumen auf dem großen Tisch, es hingen mit Blumen bestickte Vorhänge am Fenster und an den Wänden schön gemalte Landschaftsbilder von Casper, der sich als begabter Maler entpuppt hatte und mir mehrere seiner Gemälde schenkte. Wegen seiner Leidenschaft für die Natur, die ich mit ihm teilte, malte er gerne die Wälder und Blumenfelder aus unserer Region.

Den restlichen Abend wollte ich nutzen, um mir Gedanken über das Buch zu machen, das ich im Garten gelesen hatte. So wusch ich mich schnell, zog mein weißes, knielanges Nachthemd an und setzte mich an meinen Schreibtisch. Draußen stand die schmale Mondsichel bereits hoch am Himmel. Bald würden wir Neumond haben.

Ich schlug mein Tagebuch auf und begann zu schreiben. Nicht nur die Verlobung von Brasne und Calena ging mir durch den Kopf, sondern in erster Linie das Gespräch mit Aaron über Seelenwanderer. Auch die Geschichten, die ich in diesem alten Buch darüber fand, schrieb ich auf.

Die Seiten des Buches waren bereits vergilbt und manche Passagen schlecht lesbar. Der Autor, ein Gelehrter, hatte es vor Hunderten von Jahren geschrieben und vervielfältigen lassen. Zu seinen Lebzeiten gab es noch viele Seelenwanderer in den Territorien. Zu ihnen zählte auch seine Ehefrau, die ihre Gabe dazu nutzte, anderen Menschen zu helfen. Ihre Seele verließ ihren Körper und gelangte an Orte, an denen sich bestimmte Menschen aufhielten, an die die Seelenwanderin zuvor gedacht hatte. So konnte sie Informationen über weit entfernt wohnende Verwandte erfahren oder sogar vermisste Personen ausfindig machen. Leider blieben die guten Taten nicht unbemerkt. Schnell sprach es sich herum, wer ein Seelenwanderer war und wo er wohnte. Erfuhr ein Herrscher von einem Seelenwanderer, so wurde dieser zwangsverpflichtet und musste dem Regenten zu Diensten sein. Den entdeckten Wanderern blieb keine andere Wahl. Sie wurden genötigt, ihr eigenes Volk auszuspionieren und zu verraten. Ob unterschlagene Steuergelder, Schwarzarbeit, verborgene Schätze oder kriminelle Missetaten, die Aufdeckungsquote lag zeitweise bei hundert Prozent. Kein Wunder also, dass beim Volk der Unmut wuchs und sich der Hass auf die Seelenwanderer ausbreitete. Es begann eine Zeit, in der die Wanderer von ihren eigenen Gefolgsleuten verfolgt und ermordet wurden.

Die Frau des Gelehrten versuchte sich, vor dem Mob zu verstecken, doch sie wurde entdeckt und mit Gewalt weggeschleift. Auch der Versuch des Gelehrten, seine Frau vor der Meute zu retten, schlug fehl. Er wurde gewaltsam niedergeschlagen. Erst nach langer, komplizierter Suche konnte er, mithilfe eines letzten Seelenwanderers ihre Leiche auf dem Grund eines Sees ausmachen. Der Schmerz und die Ohnmacht, die an ihm nagte, bewegte ihn dazu, dieses Buch zu schreiben und zu verbreiten, damit sich die nächsten Generationen daran erinnern sollten, dass den Seelenwanderern schweres Unrecht angetan wurde und dass ihre Fähigkeiten kein Teufelswerk seien. Er beschrieb ausführlich, wie die Seelenwanderung funktionierte und berichtete von den guten Taten und den Vorteilen, warb um mehr Verständnis.

Die beschriebene Fähigkeit der Seelenwanderer kam mir sehr bekannt vor. Ich verstand jedoch nicht, warum es Jeremia war, den ich besuchte, da ich ihn nie zuvor gesehen hatte. Wie konnte ich herausfinden, ob ich wirklich eine Seelenwanderin bin? Ich schloss mein Tagebuch und schob es unter mein Kopfkissen. Dann löschte ich das Licht und legte mich in mein Bett. Ich lag auf dem Rücken und starrte in die Dunkelheit.

Es gab nur eine Möglichkeit herauszufinden, ob ich eine Seelenwanderin war oder nicht. Ich musste mir eine Person vorstellen, die ich sehen wollte. Wenn ich es schaffen konnte, zu ihr zu gelangen, würde ich diese Gabe besitzen. Aber an wen sollte ich bloß denken?

Lange überlegte ich, bis mir eine Person einfiel, die ich persönlich nicht kannte, die ich aber gerne sehen wollte.

Narissa.

Ich wollte sie sehen. Wie sah sie aus? Leider konnte ich nicht einschlafen, ich war zu aufgeregt. Meine Gedanken kehrten immer wieder zu Jeremia zurück. Ich stellte mir sein Gesicht vor. Wie sehr wünschte ich mir, dass seine Hände mich berührten und seine weichen Lippen mich küssten. Wie konnte das sein? Warum fühlte ich mich so von ihm angezogen? Mir war bewusst, dass er mich niemals würde haben wollen. Ich war nichts Besonderes, und ich fand mich auch nicht schön.

Langsam wurden meine Lider schwer. Ich musste aufhören, an Jeremia zu denken.

Narissa, Narissa, an nichts anderes durfte ich jetzt denken!

Und dann schlief ich ein.

Überrascht fand ich mich in einem riesigen Ballsaal wieder. Damen mit den schönsten und raffiniertesten Abendkleidern und Herren in maßgeschneiderten Smokings tummelten sich um mich herum. Vor einer großen Fensterfront, durch die das Mondlicht fiel, spielte eine Gruppe von Musikern auf ihren Instrumenten. Musik, Gelächter und Wortfetzen drangen an meine Ohren. Einige Paare schwangen ihr Tanzbein auf dem Parkett und andere Leute standen in Gruppen beisammen und plauderten angeregt. Was für ein herrliches Fest.

Ich fragte mich, warum sie so ausgelassen feierten. Wussten sie denn nicht, dass es bald Krieg geben würde?

Vollkommen irritiert nahm ich zur Kenntnis, dass dieser Traum so gar nicht meinen üblichen Träumen ähnelte, welche ich in den vorangegangenen Nächten hatte.

Langsam schritt ich den Saal ab und beobachtete die feine Gesellschaft. Dann meinte ich den Herrscher dieses Territoriums ausgemacht zu haben, denn er saß erhobenen Hauptes auf einem Thron im Zentrum des Geschehens. Zu seiner Linken, wie auch zu seiner Rechten sah ich zwei Frauen sitzen. Die ältere Frau zur Rechten musste seine Gemahlin sein, die andere und jüngere war wahrscheinlich seine Tochter, denn beide Damen hoben sich mit ihren königlich anmutenden Festgewändern und den wertvollen Schmuckstücken, die sie trugen, von der Gesellschaft ab. Die Jüngere trug ein goldenes, mit unzähligen echten Perlen besticktes Kleid, das ein Vermögen wert sein musste. Es war einzigartig, sogar prachtvoller und glänzender als das der Herrscherin.

Ich stellte mir mich in diesem Kleid vor, wie ich den Stall ausmistete und die Schweine fütterte. Wie absurd. Bei der Vorstellung musste ich grinsen. Um etwas von der Unterhaltung der edlen Damen mitzubekommen, näherte ich mich ihnen zaghaft.

„Du hast es mir versprochen“, sagte die junge Frau in dem goldenen Kleid fordernd. Sie musste in meinem Alter sein. Vielleicht ein oder zwei Jahre jünger.

„Ja, ich hatte es dir versprochen. Ich kann ihn aber nicht zwingen, an dem Ball teilzunehmen“, entgegnete der Herrscher.

Erst jetzt sah ich, wie gebrechlich und alt der Mann aussah. Er schien erschöpft und müde zu sein.

„Vater, ich glaube nicht, dass du dich wirklich bemüht hast. Er hätte jetzt hier sein müssen, aber er ist es nicht und das ist deine Schuld!“ Dabei hob sie trotzig den Kopf.

„Narissa, Liebling, ich bin bereit alles zu tun, damit diese Verlobung zustande kommt. Ich habe mehrere Gespräche mit Jeremia und seinem Vater geführt. Ich habe ihnen sogar gedroht, dass ich mich mit Netan verbünden würde, wenn er nicht um deine Hand anhält. All dies hat Jahred und Jeremia nicht interessiert. Jeremia denkt, ihr würdet euch noch nicht gut genug kennen und deswegen wäre es verfrüht für einen Heiratsantrag. Kind, versteh doch, ich brauche jemanden, der meinen Thron an deiner Seite besteigen wird, denn ich werde nicht mehr lange sein“, hüstelte er mit gebrochener Stimme. „Aber wir können Jeremia nicht zwingen.“

„Natürlich kannst du ihn zwingen, Vater!“ Wütend verschränkte sie die Arme vor ihrer Brust.

Das war also Narissa.

Ich war schockiert, nicht nur weil sie so rücksichtslos und egoistisch war. Nein, ich war schockiert, weil sie eine perfekte Schönheit, eine regelrechte Augenweide war. Sie entsprach dem Schönheitsideal.

Ihr langes, lockiges blondes Haar umspielte ihr ovales, wohlgeformtes Gesicht. Sie hatte große graue Augen, eine zierliche Nase und volle rote Lippen, die ihren Mund sinnlich aussehen ließen. Ihr ebenmäßiges Gesicht sah aus wie in Stein gemeißelt. Ihre Körperhaltung hatte etwas Majestätisches. Ihr atemberaubend attraktives Kleid betonte ihre grazile Figur.

Schmerzhaft wurde mir klar: Sie würde sehr gut zu Jeremia passen. Genauso sollte das perfekte Paar aussehen.

Wieder traf mich die Erkenntnis, dass ich nie so formvollendet und erstklassig sein würde wie Narissa.

„Hast du ihm denn zumindest die Einladung zukommen lassen?“, wollte Narissa von ihrem Vater wissen.

„Ja, das habe ich, und Jahred hat mir vergewissert, dass Jeremia kommen würde.“

„Wo bleibt er denn? Ich warte schon seit Stunden.“

Müde wandte sich der Herrscher ab. Das Gespräch hatte ihn deutlich angestrengt.

Plötzlich wurde die große Saaltür geöffnet. Ein Diener klopfte mit einem goldenen Stab zweimal auf den Boden. „Meine Damen und Herren, Jeremia Nahal aus dem Territorium Cavalan!“

Mir stockte der Atem und mein Herz raste. Entsetzt blickte ich zur Tür. Er war wirklich gekommen, er war hier.

Jeremia schritt elegant und mit aufrechter Haltung durch die Menge. Die Musik hatte aufgehört zu spielen und die Leute im Saal schauten ihn an. Er trat vor den Herrscher und verbeugte sich. „Verson von Nalada, es ist mir eine Freude, Euch wiederzusehen.“ Er verbeugte sich auch vor der Gemahlin des Herrschers. Schließlich nahm er Narissas Hand und hauchte einen angedeuteten Kuss auf ihren Handrücken.

„Es ist uns eine Freude, Euch willkommen zu heißen. Wir haben Euch schon erwartet.“ Verson deutete einem Diener, Jeremia ein Glas Wein zu reichen. „Setzt Euch bitte zu uns und erzählt von Eurer Anreise. Gab es Probleme an den Brücken oder in Eurem Territorium?“

„Es gab Ausschreitungen an den Grenzen einiger Territorien. Wir mussten zuerst das Problem an der cavalanischen Grenze klären, bevor ich zu Euch kommen konnte“, erklärte Jeremia.

Ich hatte fast vergessen, wie gut er aussah und wie angenehm seine Stimme klang, trotz allem spürte ich auch die Anspannung in seiner Stimme. Ich blickte zu Narissa und sah, wie sie nach ihm schmachtete und ihn begierig anstarrte. In meinem Inneren wuchs die Eifersucht.

Während seiner Unterhaltung mit Verson schaute Jeremia immer wieder zu Narissa hinüber, aber ich erkannte keine Gefühlsregung in seinem Gesicht. Ich konnte nicht feststellen, was er fühlte, wenn er sie anblickte, er hatte sein Gesicht unter Kontrolle. Eigentlich wusste ich ja, dass er sie nicht liebte, aber dass er überhaupt hier war, bereitete mir Sorge. Würde er die Verbindung mit Narissa eingehen, um Galan zu retten? Hoffentlich war er nicht deswegen gekommen.

Er war vornehm, chic, extravagant gekleidet, schwarze Hose, schwarzes Hemd, silbergraue Krawatte und schwarzes Jackett. Ich spürte, wie Schmetterlinge in meinem Bauch kribbelten und die Sehnsucht mich erfasste. Ich rückte noch näher an ihn heran und setzte mich auf die Lehne seines Stuhls. Als hätte er mich gespürt, drehte er sich zu mir um. Wir waren uns so nah, dass sein warmer Atem meinen streifte. Mein Herz schlug schneller. Er wirkte verwirrt, wandte sich aber nach kurzer Zeit wieder dem Gespräch zu. Was passierte hier? Meine Hand näherte sich langsam seinem Gesicht. Ich musste ihn unbedingt berühren und strich ihm sanft über seine Wange. Es war seltsam, dass ich ihn fühlen konnte, seine weiche Haut. Ich konnte auch sein Herz spüren, das sich meinem Rhythmus anzupassen schien.

Gleichzeitig hob auch er seine Hand und legte sie auf meine. Nicht wirklich, denn sie glitt durch meine hindurch. Jetzt wirkten beide Hände ineinander verschmolzen. Seine wunderschönen blauen Augen weiteten sich.

In meinen Träumen hatte ich nie zuvor andere Menschen spüren können, sie waren einfach durch mich hindurch gelaufen und ich durch sie, ohne das etwas passierte.

Mitten im Satz hörte er auf zu sprechen. Er fühlte mich, so wie ich ihn, dessen war ich mir sicher, nicht körperlich aber es war ein Gefühl von Erwartung und Vorfreude, das sich im Inneren langsam ausbreitete. Plötzlich strömten seine Gedanken wie eine Flut in mich ein. Ich konnte sie ganz klar und deutlich hören, als ob er sie mir selber leise ins Ohr flüsterte. Nie zuvor hatte ich so etwas empfunden, und es überwältigte mich. Jeremias Gefühle waren ein Meer von Aufruhr: Traurigkeit, Resignation, Verlangen, Mut und Hingabe. Doch die Resignation stand im Vordergrund und seine Hilflosigkeit ließ mich erschaudern. Seine Traurigkeit füllte meine Augen mit Tränen. Ich hätte alles darum gegeben, ihn aus diesem Tief zu befreien und ihm klarzumachen, dass er nicht alleine ist. Ich glaubte, dass seine Seele in diesem Moment die meine streifte.

Langsam ließ er seine Hand sinken; unsere Hände lösten sich voneinander. Ich wusste, was er tun würde. Ich wusste es und mein Herz schmerzte.

„Verson, würdet Ihr mir erlauben, mit Eurer Tochter alleine zu sprechen?“ Auf Jeremias Bitte hin nickte der Herrscher wohlwollend. Jeremia blickte Narissa an. „Würdest Du mich bitte auf die Terrasse begleiten. Wir müssen miteinander sprechen.“

Sie lächelte ihn an und erhob sich. Er ergriff ihre Hand und gemeinsam schritten sie durch die Menschenmenge zu einem Seitenflügel, wo zwei hohe Türen zur Terrasse führten.

Ich folgte ihnen. Sie gemeinsam zu sehen, Hand in Hand, schmerzte mich. Sie lehnten sich an das Geländer. Wenn Jeremia mit mir hier alleine gewesen wäre und nicht mit Narissa, hätte ich diesen Ort sehr romantisch empfunden. Das machte alles noch viel schlimmer.

Die Terrasse befand sich im ersten Stock des Hauses. Unter der ihr erstreckte sich eine gigantische Parkanlage mit sorgfältig angelegten Zierteichen, Spazierwegen und Blumenbeeten. Ich konnte das Ende der Anlage nicht erkennen, so groß war sie, atemberaubend prachtvoll. Das Orchester spielte gedämpft im Hintergrund eine einschmeichelnde Melodie. Der Sternenhimmel spannte sich über uns wie eine glitzernde Decke. Glühwürmchen flogen in den Gärten umher. Alles wirkte perfekt. Leider war es Narissa, die mit ihm hier oben stand und ich durfte nur dabei zusehen. Ich fühlte mich wie ein Eindringling und am liebsten wäre ich diesem Augenblick der Zweisamkeit entflohen, aber ich musste ihn sehen, bei ihm sein, wenn er diesen schrecklichen Schritt in sein Unglück tat.

Jeremia stand ihr gegenüber und sie blickten sich tief in die Augen. Seine Nervosität war ihm nicht anzusehen, aber ich bemerkte sie und konnte erkennen, wie sein Gesicht zu einer Maske erstarrte, herzlos und ohne Gefühle.

„Bitte tu’ es nicht. Bitte!“ Ich flehte ihn an. Ich wusste, dass er mich nicht hören konnte, aber ich ahnte, was als nächstes kommen würde und ich hielt es nicht mehr aus. Ich hatte Angst, Angst vor dem, was er sagen würde. So streifte ich um die beiden herum, stetig meinen Blick auf Jeremia gerichtet, während kleine Tränen ihren Weg über meine Wangen suchten. „Bitte Jeremia, ich weiß, dass du mich fühlst. Mach es nicht, bitte!“ Meine Verzweiflung brach aus mir heraus. Ich fiel auf meine Knie, begrub mein Gesicht in meinen Händen und schluchzte. Der Kloß in meinem Hals ließ mich kaum noch atmen. Die Eifersucht wuchs und breitete sich in mir aus. Du bist eine Idiotin, Isma, sagte ich zu mir. Wie konntest du dir einbilden, dass du Jeremias Leben steuern und zu deinen Gunsten lenken könntest? Was passiert mit dir? Das bist nicht DU! Eifersucht - es erfüllte mich mit Grauen. Ich versuchte, mich zu entspannen und atmete gleichmäßig durch die Nase ein und aus. Jeremias Worte erreichten mich wie ein weites und leises Echo, das in meinem Kopf widerhallte. Niemals hätte ich gedacht, dass seine Worte mich so verletzen und einen fürchterlichen Stich in meinem Herzen hinterlassen könnten.

„Ich werde dich zur Frau nehmen. Du sollst aber wissen, dass ich keine Gefühle für dich hege. Vielleicht wird der Tag kommen, an dem wir uns lieben werden. Ich werde mich bemühen, dich glücklich zu machen. Kannst du diesen Vorschlag akzeptieren? Ich werde versuchen, dir ein guter Ehemann zu sein, der dich respektiert und der dir dazu ein guter Freund sein wird.“

Sie zögerte kurz und dann legte Narissa besitzergreifend ihre Arme um seinen Nacken. Sie gab ihm einen flüchtigen Kuss auf den Mund. „Komm, wir erzählen es meinem Vater“, sagte sie freudestrahlend und zog ihn hinter sich her.

Jeremias Lippen verzogen sich.

Was tat er da nur? Für Galan gab er sein Leben, seinen Glauben an die wahre Liebe auf. Mein Verstand sagte mir, dass ich nicht seine Liebe werden würde, aber mit Narissa würde er bestimmt unglücklich sein und das zerbrach mir das Herz. Ich schaffte es nicht, aufzustehen. Ich folgte den beiden nicht mehr. Noch mehr davon wollte ich nicht hören. Ich sank immer tiefer und weinte, bis meine Trauer meine Seele zerfraß. Dann schrie ich. Ich schrie den Himmel und die Sterne an. Ich schrie ganz Galan an.

Schreiend erwachte ich aus diesem Albtraum. Sofort stürmten Brasne und Aaron ins Zimmer. Schweißgebadet und mit Tränen im Gesicht saß ich auf meinem Bett, die Hände meinen Bauch haltend, als hätte ich Schmerzen. Mein Atem ging stoßweise. Aaron nahm mich in seine Arme. Die Angst und Sorge war ihm ins Gesicht geschrieben.

„Isma, es wird alles gut. Beruhige dich bitte, es war nur ein Traum“, sprach Brasne leise auf mich ein, aber ich wusste es jetzt besser.