Galaxien - David J. Eicher - E-Book

Galaxien E-Book

David J. Eicher

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Beschreibung

Eine Reise durch die unglaublichen Weiten unseres Kosmos mit atemberaubenden Fotografien des Hubble-Weltraumtelekops und erdbasierter Forschungsobservatorien, von denen viele hier erstmals veröffentlicht werden. Tauchen Sie ein in die Geschichte der Sternenbeobachtung und der Erforschung des Weltraums, erfahren Sie, wie unsere Milchstraße entstanden ist, Galaxien klassifiziert werden und wie schwarze Löcher Galaxien mit Energie versorgen. Eine faszinierende Expedition zu den Rändern unserer Galaxis und den Wundern des Universums mit einem der anerkanntesten Astronomieexperten als Reiseführer.

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Seitenzahl: 165

Veröffentlichungsjahr: 2020

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David J. Eicher

Galaxien

David J. Eicher

Galaxien

Sternenstädtedes Universums

M106: EIN WIRBEL AUS GAS UND STERNENDie Spiralgalaxis M106 im Sternbild Jagdhunde ist 24 Millionen Lichtjahre entfernt und so hell, dass sie für Beobachter, die ein Teleskop besitzen, ein vertrauter Anblick ist. Sie war eine der ersten Galaxien, in denen ein supermassereiches zentrales schwarzes Loch entdeckt wurde. Es handelt sich um eine Seyfert-Galaxie mit einem unregelmäßigen aktiven Energieausstoß. Ihr schwarzes Loch hat etwa die gleiche Masse wie das unserer Milchstraße – 3,9 Millionen Sonnenmassen. M106 enthält auch Cepheiden, pulsationsveränderliche Sterne, die äußerst wichtig sind, um Entfernungen im Kosmos zu messen, indem sie es den Astronomen ermöglichen, ihre Entfernungsmessungen zu verfeinern.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.

Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Für Fragen und Anregungen:

[email protected]

Wichtiger Hinweis

Ausschließlich zum Zweck der besseren Lesbarkeit wurde auf eine genderspezifische Schreibweise sowie eine Mehrfachbezeichnung verzichtet. Alle personenbezogenen Bezeichnungen sind somit geschlechtsneutral zu verstehen.

4. Auflage 2024

© 2020 by riva Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH

Türkenstraße 89

80799 München

Tel.: 089 651285-0

Die englische Originalausgabe erschien 2020 bei Clarkson Potter/ Publishers, ein Imprint von Random House, Penguin Random House LLC, New York, unter dem Titel Galaxies: Inside the Universe’s Star Cities. © 2020 David J. EIcher. All rights reserved.

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden. Wir behalten uns die Nutzung unserer Inhalte für Text und Data Mining im Sinne von § 44b UrhG ausdrücklich vor.

Übersetzung: Martin Rometsch

Redaktion: Susann Harring

Umschlaggestaltung: Marc-Torben Fischer

Umschlagabbildung: NASA, ESA und das Hubble Heritage Team (STScI/AURA)

Illustriert von Irene Laschi

Satz: Müjde Puzziferri, MP Medien, München

eBook: ePubMATIC.com

ISBN Print 978-3-7423-1537-3

ISBN E-Book (PDF) 978-3-7453-1210-2

ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-7453-1211-9

Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter

www.rivaverlag.de

Beachten Sie auch unsere weiteren Verlage unter www.m-vg.de

DIE MAGELLANSCHEN WOLKEN ÜBER DER ATACAMA-WÜSTEAuf diesem Bild sind zahllose Sterne unserer Milchstraße, der Galaxis, zu sehen. Es wurde in der hochgelegenen Atacama-Wüste in Chile aufgenommen, wo der Himmel so dunkel ist wie vermutlich nirgendwo sonst. Die großen und kleinen Magellanschen Wolken sind Satellitengalaxien der Milchstraße und auffällige Gebilde am Himmel.

FÜR BRIAN MAY,

der die Galaxis zu einemviel interessanteren Lebens –raum macht

DIE BLACKEYE-GALAXIE IM HAAR DER BERENIKEEin weiteres Lieblingsmotiv der Amateurhimmelsbeobachter, die Blackeye-Galaxie (M64) im Haar der Berenike, beeindruckt mit einem breiten, bogenförmigen Streifen aus Staub, der sich quer über ihre Nabe erstreckt und dem sie ihren Spitznamen verdankt. Diese gegenläufig rotierende Galaxie besteht aus Scheiben, die möglicherweise aus einem Zusammenstoß hervorgegangen sind. Sie ist 17 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.

INHALT

Vorwort

Einleitung

Kapitel 1

WAS SIND GALAXIEN?

Kapitel 2

IM INNERENDER MILCHSTRASSE

Kapitel 3

NACHBARGALAXIEN:DIE LOKALE GRUPPE

Kapitel 4

DER VIRGO-SUPERHAUFEN

Kapitel 5

GALAXIEN BIS ZUM RANDDES UNIVERSUMS

Literaturverzeichnis

Bildnachweis

Danksagung

Vorwort

Im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts galten Galaxien zunächst als Spekulation, dann als beobachtbare Tatsache. Anfang der 1930er-Jahre schätzte man Entfernungen (wenn auch ungenau wegen einiger damals noch nicht bekannter Probleme) und wies die Expansion des Universums nach. Die Milchstraße wurde zu einem Teil einer riesigen Familie von Galaxien, die ihrerseits von ihren Sternfamilien erleuchtet werden. Auf optischen Bildern schienen die Galaxien deutlich voneinander getrennt zu sein; deshalb wurde der Begriff »Inseluniversen« geprägt. Diese Vorstellung von isolierten Regionen hielt sich jahrzehntelang.

Nach 1950 bereicherten große optische Teleskope und technische Neuerungen unser Galaxienmodell. Radioteleskope zeigten interstellares Gas, oft mit der Masse von Milliarden Sonnen, und wiesen nach, dass manche Galaxien einen Großteil ihrer Energie in Form von Radiowellen abgeben, was enorme Elektroneninjektionen mit annähernder Lichtgeschwindigkeit voraussetzt. Diese Daten und Beobachtungen mit Röntgenteleskopen führten zu der Erkenntnis, dass in den Zentren der meisten Galaxien schwarze Löcher mit der Masse vieler Millionen Sonnen lauern.

Laut der gemeinhin anerkannten Urknalltheorie haben sich Galaxien im frühen Universum gebildet und dann ihre heutige Struktur entwickelt. Allerdings lieferten die theoretischen Modelle, nach denen Galaxien nur aus normaler baryonischer Materie bestehen, keine überzeugenden Ergebnisse. Die Antwort kam stattdessen aus einer unerwarteten Ecke. Bei Scheibengalaxien nämlich nahm die Rotationsgeschwindigkeit bei großen Radien nicht ab, was der Fall wäre, wenn sie nur aus sichtbaren Sternen und Gas bestünden. Ein zusätzlicher, unsichtbarer Bestandteil – die Halos (Lichthöfe) aus dunkler Materie – umgibt offenbar die Galaxien und stellt den größten Teil ihrer Masse. Theorien, die von dunkler Materie als Hauptbestandteil der Galaxien ausgehen, passen nicht nur zu den vorliegenden Daten, sondern ermöglichten auch die Entwicklung eines nachprüfbaren theoretischen Rahmens für die Bildung und Entwicklung von Galaxien.

Ende des 20. Jahrhunderts eröffneten das Weltraumteleskop Hubble und erdbasierte Spiegelteleskope mit acht bis zehn Metern Durchmesser den Weg zum Studium junger Galaxien. Einer der großen Vorteile der Astronomie ist ihre Fähigkeit, in die ferne Vergangenheit blicken zu können. Diese frühen Teleskope und ihre Nachfolger, die viele Wellenlängen auffingen, enthüllten, dass junge Galaxien kompakt und interaktiv sind und bisweilen Sterne in enormer Zahl hervorbringen. In anderen Fällen sind die ausgestoßenen Energien, die der von Milliarden Sonnen entsprechen, auf junge, supermassereiche schwarze Löcher zurückzuführen, die rasch wachsen, indem sie Gas und wahrscheinlich auch Sterne verschlingen. In Übereinstimmung mit dem Schwarze-Materie-Modell, das von einem hierarchischen Wachstum durch Verschmelzung ausgeht, waren die jungen Galaxien nun alles andere als die behäbigen Inseluniversen der 1930er -Jahre!

Und wo stehen wir heute? Wir wissen, dass Galaxien komplexe physikalische Systeme sind, die eine dramatische Entwicklung durchmachen, wenn sie älter werden. Sie interagieren mit ihrer Umgebung, indem sie Gas langfristig in Form von Sternen speichern und Materie in schwarze Löcher umwandeln. Das Vorhandensein von Halos aus schwarzer Materie entspricht dem Standardmodell, das wir ständig überprüfen, indem wir die Entwicklung und Struktur des Universums immer besser simulieren und die Simulation dann mit unseren immer präziser werdenden Beobachtungen vergleichen. Dank Hochleistungsteleskopen, die viel mehr sehen als unsere Augen und einen großen Teil des elektromagnetischen Spektrums einfangen, können wir nun die Komplexität der Galaxien bewundern und studieren. Gleichzeitig können wir ihre himmlische Schönheit genießen, wenn wir sie in Myriaden von Sternen oder fantastische Strukturen aus interstellarem Gas auflösen.

Dieses Buch ist eine Einführung in die Welt der Galaxien aus dem Blickwinkel des 21. Jahrhunderts. Wir haben viel gelernt, seitdem vor fast hundert Jahren die Existenz von Galaxien allmählich anerkannt wurde. Doch es liegt noch eine lange Reise vor uns, bis wir diese Naturwunder ganz verstehen werden. Genießen Sie diesen Reiseführer mit seinen vielen Bildern von Galaxien, und wenn Sie die Möglichkeit haben, eine Galaxie durch ein Teleskop zu betrachten, wahrscheinlich als Lichtfleck, wird Ihnen noch bewusster, warum das, was Sie sehen, eines der größten Wunder der Natur ist.

JAY GALLAGHER

Madison, Wisconsin

LEBHAFTE FARBEN DER ANDROMEDA-GALAXIEDieses spektakuläre Portrait der Andromeda-Galaxie zeigt sie in ihrer ganzen lebhaften Farbenpracht, mit blauen Spiralarmen, gefüllt mit Sternengeburten, und älteren gelblichen Sternen in der Nähe des galaktischen Zentrums.

DIE KOSMISCHE KOLLISION ZWISCHEN UNSERER MILCHSTRASSE UND ANDROMEDADieses Bild zeigt einen Moment im künftigen Zusammenstoß der Milchstraße mit der Andromeda-Galaxie, der in etwa 4 bis 5 Milliarden Jahren eine chaotische Supergalaxis hervorbringen wird.

Einleitung

BLICK IN DEN SOMMERHIMMEL

Als ich vierzehn Jahre alt war, wurde ich zu einer »Sternparty« im Städtchen Oxford in Ohio, wo ich aufgewachsen bin, eingeladen. Jemand besaß dort ein Fünfzehn-Zentimeter-Teleskop, und ich war sofort fasziniert von der Erkenntnis, dass ich in einen Garten gehen und tief ins Universum blicken konnte. Auf dieser ersten Sternparty erregte der Saturn meine Aufmerksamkeit, und schon bald stand ich Nacht für Nacht in einem großen Maisfeld auf meinem eigenen Grundstück und erforschte den Himmel mit einem einfachen 7x50-Fernglas.

Was für eine spektakuläre sommerliche Sternguckerei das war! Ich wusste fast nichts über den Himmel und hatte auch kein Teleskop. Jeder neue Blick enthüllte eine Entdeckung, einerlei, ob ich das Firmament entlang der funkelnden Kulisse der Milchstraße absuchte, einen Sternhaufen oder einen hellen, farbenprächtigen Stern erblickte. In jenem Sommer ging ich die ersten Schritte hin zu einem profunden Wissen vom Himmel. Heute, in der Ära der leicht verfügbaren computerisierten Teleskope, besitzen nur wenige Sterngucker dieses Wissen.

Bald führte ich das große Sehfeld meines Fernglases zum großen Quadrat des Pegasus und hinüber zum nahe gelegenen Sternbild Andromeda. Wie ich bald erfuhr, war der Glanz, den ich dort sah – wie ein heller, nebelhafter Stern, umringt von einem länglichen, ovalen Flaum –, ein ziemlich ungewöhnliches Himmelsobjekt.

Ich war bereits über die Andromeda-Galaxis gestolpert, und kaum lernte ich, was sie war, lernte ich auch, sie unter unserem dunklen Ohio-Himmel mit bloßen Augen zu sehen. Für die meisten Menschen ist sie das fernste Objekt, das sie ohne Hilfsmittel sehen können. Die Andromeda-Galaxie ist eine Galaxie wie unsere Milchstraße, rund 2,5 Millionen Lichtjahre oder 57 Millionen Billionen Kilometer entfernt – eine lange Wanderung. (Einige erfahrene Beobachter behaupten, sie könnten bei perfekten Bedingungen mit bloßen Augen weiter entfernte Galaxien sehen, zum Beispiel M33 und M81.)

Bis Anfang der 1920er-Jahre wusste niemand, was Galaxien sind. Damals galten »Spiralnebel« viele Jahrzehnte lang als seltsame Gaswolken innerhalb unserer Milchstraße. Anfang der 1920er-Jahre machte der amerikanische Astronom Edwin Hubble im Mount-Wilson-Observatorium dann aber eine bahnbrechende Entdeckung, die dazu führte, dass wir die wahre Natur der Galaxien verstehen lernten. Mithilfe der Erkenntnisse des Astronomen Vesto M. Slipher am Lowell-Observatorium entzifferten Hubbel und andere die kosmische Entfernungsskala zumindest annähernd. Ende des Jahrzehnts wussten die Astronomen und die gebildete Öffentlichkeit, dass wir in einem Universum leben, das mit Galaxien gefüllt ist, und dass die Milchstraße und die Andromeda-Galaxie nur zwei davon sind.

Um immer mehr über Galaxien zu lernen, las ich jedes Buch, das mir in die Hände fiel, und vertiefte mich sogleich in diese fernen Gebilde. Ein kleiner Astronomie-Club, die Astronomische Gesellschaft in Oxford, Ohio, hauptsächlich bestehend aus College-Studenten, suchte einen Kolumnisten, der über Galaxien und andere ferne Objekte am Himmel schrieb, also über die Gebilde jenseits unseres Sonnensystems, die kollektiv als Deep-Sky-Objekte bezeichnet werden. Ich begann, eine Kolumne über meine Beobachtungen zu schreiben, und das veranlasste mich, eine kleine Zeitschrift – es war eher ein Mitteilungsblatt – zu gründen, die ich anfangs mit einem Mimeographen im Studiensekretariat Chemie in der Universität, wo mein Vater arbeitete, druckte. Deep Sky Monthly berichtete über zahlreiche Galaxien und erreichte während seiner fünfjährigen Lebensspanne eine Aufla e von 1.000 Stück.

Dieses wachsende Interesse an der Beobachtung von Galaxien fiel mit der »Dobson-Revolution« zusammen, die Amateurastronomen größere Teleskope verschaffte. John Dobson, ein Amateurastronom in der Region San Francisco, war der Pionier einer Technik, die das Herstellen großer Teleskope mit preiswerten Spiegeln ermöglichte. Man befestigte sie auf einfachen Montierungen, die sich auf und ab und seitwärts bewegten wie der Geschützturm eines Schlachtschiffes. Größere Teleskope in den Händen von Amateurastronomen führten dazu, dass immer mehr Menschen auch schwächer leuchtende Objekte selbst sehen konnten, darunter zahlreiche Galaxien.

Eines der Bücher, die ich schon früh entdeckte, war Galaxies, ein Bilderbuch mit einem gut geschriebenen wissenschaftlichen Text des großartigen Wissenschaftsautors Timothy Ferris. Das 1980 veröffentlichte Buch enthielt zahlreiche schöne Fotografien und schlaue Diagramme, die die Struktur unserer Milchstraße und des Universums der Galaxien um uns herum in einem Pseudo-3D-Stil zeigten. Ich liebte dieses Buch – es hatte großen Einfluss auf mich und mein frühes Interesse an der Astronomie.

Im Jahr 1982, kurz nach meinem Examen an der Miami University, wurde ich als stellvertretender Redakteur der Zeitschrift Astronomy eingestellt, der weltgrößten Publikation zu diesem Thema, und ging nach Milwaukee. Meine kleine Zeitschrift nahm ich mit. Unter dem neuen Titel Deep Sky erreichte das Blatt, das nunmehr vierteljährlich erschien, während seiner zehnjährigen Lebenszeit eine Auflage von bis zu 15.000 Stück. Es wurde von Menschen gelesen, die Galaxien, Sternhaufen und Nebel beobachteten. Im Jahr 1992 beschloss unsere Firma, dass ich nicht ein Viertel meiner Zeit für dieses kleine Magazin aufwenden sollte; stattdessen sollte ich meine ganze Begeisterung der Astronomy widmen. 2002 wurde ich der sechste Chefredakteur der Zeitschrift und habe seit nunmehr vierzig Jahren große Freude daran, in der einen oder anderen Form über Galaxien zu schreiben.

Ich schätze das Buch von Timothy Ferris immer noch als eines meiner frühen Lieblingswerke. Doch unser Wissen über Galaxien hat sich in den letzten vierzig Jahren geändert. Daher behielt ich die Idee einer Neuauflage dieses Buches für die nächste Generation stets im Hinterkopf. Es müsste unsere Michstraße als Balkenspiralgalaxis, unser viel solideres Wissen über die Galaxien in der Lokalen Gruppe, die riesigen Strukturen der Haufen und Superhaufen im Universum, die allgegenwärtigen schwarzen Löcher und viele anderen Themen behandeln, von denen wir vor vierzig Jahren allenfalls eine Ahnung hatten.

Das Ergebnis halten Sie in den Händen. Ich lade Sie ein, mich in unser imaginäres Raumschiff zu begleiten und weit hinaus in den Kosmos zu fliegen, um ein erstaunliches Universum zu erforschen, das wir heute viel besser kennen und das wir uns vor vierzig Jahren kaum hätten vorstellen können.

DAS GEISTERHAFTE GLÜHEN DER MILCHSTRASSEDie Scheibe unserer Milchstraße erstreckt sich quer über den Nachthimmel und ist in der richtigen Jahreszeit und in einer günstigen Stunde an dunklen Orten sichtbar. Was wir hier sehen, ist das nicht aufgelöste Licht von Milliarden Sternen, die über die Scheibe verstreut sind, so wie man sie von innen sieht. Wir wissen nicht genau, wie unsere Galaxis von außen aussieht; wir können das nur anhand ihrer Struktur abschätzen.

Kapitel 1

WAS SINDGALAXIEN?

Wellen krachten an den Strand von Santa Monica, ausgedehnte Wälder sprenkelten die Berge nördlich der Stadt, und ein faszinierendes Straßennetz durchzog die Landschaft. Im Jahr 1923 lebten eine Million Menschen in Los Angeles – heute sind es viermal so viel –, und die Stadt befand sich mitten in einem explosiven Wachstum. Robert Millikan, ein Physiker am California Institute of Technology, erhielt den Nobelpreis für Physik für das Messen der Ladung eines einzelnen Elektrons oder Protons (der Elementarteilchen) und für seine Arbeit zum fotoelektrischen Effekt, einschließlich seiner Beobachtung, dass viele Metalle Elektronen emittieren, wenn Licht auf sie trifft. Amelia Earhart nahm immer wieder Flugstunden in dieser Gegend. Die Hollywood Bowl war kurz zuvor für Konzerte geöffnet worden, und ein junger Künstler namens Walt Disney kam mit 40 Dollar in der Tasche in die Stadt.

KURZINFO

Galaxien sind riesige Ansammlungen von Sternen, Gas und Staub, umringt von Halos aus dunkler Materie. Sie sind die fundamentalen großen Bausteine des Kosmos. Es gibt viele Arten von Galaxien im Universum.

Tiefgründige Fragen schwebten dort draußen: Wie groß ist die Ewigkeit? Ist die Schöpfung grenzenlos?

Trotz der vorausschauenden Investitionen der Stadt in Wissenschaft und Technik war es eine primitive Zeit – zumindest in Bezug auf die Astronomie. Niemand kannte die Größe und das Ausmaß des Universums. Menschen hatten die hellsten Galaxien am Himmel gesehen – die verschwommenen Flecken in der Andromeda und die Magellanschen Wolken in der südlichen Hemisphäre –, aber niemand verstand genau, was er da eigentlich sah. Tiefgründige Fragen schwebten dort draußen: Wie groß ist die Ewigkeit? Ist die Schöpfung grenzenlos? Schon bald würde Los Angeles eine entscheidende Rolle bei der Vermessung des Universums spielen.

DAS 100-ZOLL-TELESKOP

Am 4. Oktober 1923 verließ ein junger Astronom sein Haus in Pasadena und zog ins Mount-Wilson-Observatorium, nicht weit von Los Angeles, zum 100-Zoll-Teleskop, das damals das größte der Welt war. Edwin Powell Hubble stammte aus Missouri; er zog nach Illinois, legte an der University of Chicago sein Examen ab und erwarb dann als Rhodes-Stipendiat den Magistergrad an der Oxford University. Eine Laufbahn als Astronom strebte er erst an, als er im Alter von fünfundzwanzig Jahren an die Hochschule zurückkehrte, um zu promovieren. Hubble befand sich nun im vierten Jahr als angestellter Astronom im Mount Wilson. Er genoss es, das 100-Zoll-Hooker-Teleskop zu benutzen, um seine Lieblingsobjekte zu studieren: die verschwommenen Nebel – rätselhafte, glühende Gaswolken –, die über den Himmel verstreut sind.

Niemand wusste genau, was diese Nebel waren, aber man hielt sie für die Geburtsorte der Sterne. Der unternehmungslustige Amateurastronom William Parsons, der dritte Earl of Rosse, hatte als Erster diese Nebel mit Spiralstruktur gezeichnet, die aussehen wie schwach leuchtende Whirlpool-Muster. Dafür hatte er Mitte des 19. Jahrhunderts sein Riesenteleskop im ländlichen Irland verwendet. Ein knappes Jahrhundert später wusste man noch nicht viel mehr über sie. Hubble wollte das Geheimnis der Nebel ergründen, vor allem das der Spiralnebel. Auch in seiner Doktorarbeit ging es um dieses Thema. Die Spiralform dieser Nebel ließ darauf schließen, dass sie rotierten, doch ansonsten stellten sie Hubble und andere Astronomen vor ein Rätsel.

DIE FOTOPLATTE, DIE GALAXIEN DEFINIERTE

Am 5. Oktober 1923 machte der Astronom Edwin Hubble mit dem 100-Zoll-Hooker-Teleskop des Mount-Wilson-Observatoriums in der Nähe von Los Angeles eine Aufnahme des »Andromeda-Nebels«. Anfangs war er aufgeregt, weil er nach der Prüfung der Platte glaubte, eine Nova – einen explodierenden Stern – fotografiert zu haben. Er markierte den Stern mit einem »N« zwischen zwei Skalenstrichen, die er auf die Glasplatte gezeichnet hatte. Die berühmte Platte H335H trug dazu bei, eines der größten Geheimnisse des Universums aufzudecken. Kurze Zeit später erkannte Hubble, dass er keine Nova gesehen hatte, sondern einen veränderlichen Stern vom Cepheid-Typ mit wohlbekannten Eigenschaften. Da die Astronomen ihre absoluten Größen und Lichtkurven kannten, benutzten sie die Cepheiden, um Entfernungen zu messen. Der erstaunte Hubble stellte fest, dass der Andromeda-Nebel in Wirklichkeit eine Galaxie in großer Entfernung war, vielleicht sogar eine Million Lichtjahre entfernt, was viel mehr ist als der damals geschätzte Durchmesser des kompletten Universums. Mit dieser Platte fand Hubble außerdem heraus, was Galaxien sind. Später stellte man fest, dass die Andromeda-Galaxie sogar 2,5 Millionen Lichtjahre von uns entfernt ist. Diese Platte (links) und eine Vergrößerung (unten) zeigen die Kernregion der Andromeda-Galaxie, in der oberen rechten Ecke der berühmte Vermerk: Das »N« für »Nova« ist durchgestrichen, und Hubble schrieb mit toter Tinte »VAR!« darunter.

In der Nacht des 4. Oktober 1923 machte Hubble mit dem 100-Zoll-Hooker-Teleskop eine Aufnahme eines seiner Lieblingsnebel, des Großen Nebels im Sternbild Andromeda. Die Aufnahme wurde fünfundvierzig Minuten lang belichtet. Diese spiralförmige Wolke war groß, hell und für das bloße Auge gerade noch als verschwommener Lichtfle k sichtbar, wenn man vom Licht der Großstadt weit entfernt war. Die Nacht hatte ein sehr schlechtes »Seeing«, als er die Aufnahme machte, weil die Erdatmosphäre ziemlich turbulent war; deshalb waren die Sterne keine vollkommenen Punkte. Trotzdem enthüllte die Platte, was Hubble vermutet hatte: eine Nova, einen explodierenden Stern. Es war aufregend, ein so seltenes Ereignis im Inneren eines Spiralnebels festzuhalten.

In der folgenden Nacht fotografierte Hubble den Andromeda-Nebel erneut und hoffte auf ein besseres Bild der vermeintlichen Nova. Die Fotoplatte, die in der Nacht vom 5. auf den 6. Oktober belichtet und mit der Nummer H335H gekennzeichnet wurde, sollte eine der berühmtesten in der Geschichte der Wissenschaft werden, denn auf ihr dokumentierte Hubble die Nova noch einmal. Doch bevor er sie genauer untersuchen konnte, endete sein Beobachtungslauf am 100-Zoll-Telekop, und er musste seinen Platz für andere Beobachter räumen. Am frühen Morgen verließ er den Berg und kehrte nach Pasadena zurück.

In seinem Büro, weit entfernt vom Observatorium auf dem Berg, studierte er frühere Bilder der Umgebung des Andromeda-Nebels. Ihm fiel etwas Ungewöhnliches auf. Eine Nova erstrahlt plötzlich und verblasst dann wieder. Doch der Stern, den er aufgenommen hatte, erschien auch auf älteren Platten und wurde innerhalb eines Zeitraums von 31 Tagen regelmäßig heller und dunkler. Dieser Stern war also keine Nova. Er musste eine andere Art Stern im Andromeda-Nebel sein.

HUBBLES DURCHBRUCH