Galerie des Surrealen - Jörg Buscher - E-Book

Galerie des Surrealen E-Book

Jörg Buscher

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Beschreibung

Geschichten vom Rande der Realität. Haben Sie auch schon einmal das Gefühl gehabt, Ihre innere Stimme würde zu Ihnen sprechen? Vermutlich ja. Aber was wäre, wenn Sie dann feststellen, dass es nicht Ihre Stimme ist? Diese und andere verrückte Dinge widerfahren den Protagonisten in diesem Buch. Rasch wandelt sich ein anfangs harmloser Zahnarztbesuch zu einem wahren Horrortrip. Wesen aus einer anderen Welt trachten einem jungen Mann nach dem Leben, und ein unheimlicher Fremder bereitet seinem Nachbarn die Hölle auf Erden. Doch bei allem Übel blitzen häufig Lichtblicke auf, die Hoffnung bringen. Ein Zufall verändert alles und eröffnet völlig neue Möglichkeiten, ein Rendezvous mit der Vergangenheit verläuft anders als gedacht, und auf ungewöhnlichem Wege kehrt ein geliebter Mensch zu seiner Familie zurück. In welche Richtung das Pendel auch ausschlägt, es wird tiefgreifende Veränderungen nach sich ziehen. Ob man will oder nicht.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 118

Veröffentlichungsjahr: 2015

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www.tredition.de

Galerie des Surrealen

Jörg Buscher

Galerie des

© 2015 Jörg Buscher

Umschlag:

SilentRevolt

Lektorat:

Jörg Querner → www.anti-fehlerteufel.de

Schrift (Titel):

„Diavlo“ von Jos Buivenga → www.exljbris.com

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN

Paperback

978-3-7323-5708-6

e-Book

978-3-7323-5709-3

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Inhalt

Opi

Zahnarzt

Ehealbtraum

Tattoo

Adventskalender

Klassentreffen

Josh

Spiegel

Schattenwesen

Zeitesser

Opi

Die Stimme des eigenen Großvaters zu hören, ist eigentlich die normalste Sache auf der Welt. Es sei denn, er ist bereits vor über zehn Jahren gestorben.

Er war immer Katjas Lieblingsopa gewesen. Egal, wie schlecht es ihr ging oder wie sehr sie so manches Mal nicht weiter wusste, mit seiner lustigen und besonnenen Art schaffte er es stets, ihr in kürzester Zeit ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern. Besonders, wenn sie sich mal wieder mit ihrem Vater, seinem Sohn, wegen eines Jungen, den sie mit nach Hause gebracht hatte, in die Haare bekam. Niemand war auch nur ansatzweise gut genug für seine kleine Prinzessin. Das hatte auch Philipp, mit dem sie inzwischen seit über acht Jahren verheiratet war, anfangs zu spüren bekommen.

Doch am meisten schmerzte ihr die Tatsache, dass ihr Opa ihren Goldschatz nicht mehr miterleben durfte. Er hätte Marie abgöttisch geliebt. Ein Jahr vor ihrer Geburt starb er an einem Herzinfarkt.

Tränen standen ihr in den Augen, als sie daran dachte. Wie sehr hätte sie ihn jetzt gebraucht. Marie stand an der Klippe zum Tode. Man hatte bei ihr vor einigen Wochen einen bösartigen Gehirntumor diagnostiziert, der aufgrund seiner Größe inoperabel war. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis sie den Kampf gegen diesen unerbittlichen Teufel verlieren würde.

Als sie ihren Opa zum ersten Mal hörte, saß sie gerade am Krankenbett ihrer Tochter und sah ihr beim Schlafen zu. Zusammen mit Philipp hatte sie nach der niederschmetternden Diagnose beschlossen, Marie so schnell wie möglich nach Hause zu holen. Sie sollte die ihr verbleibende Zeit in ihrer gewohnten Umgebung verbringen. Und tatsächlich wirkte sich die Rückkehr zunächst positiv auf sie aus. Ihr kleiner Körper bäumte sich nochmal mit aller Kraft gegen diesen schier übermächtigen Feind auf, wodurch auch Katja abermals Hoffnung schöpfte, doch mit jedem weiteren Tag schwand ihre Energie sichtbar. Katja hätte alles dafür gegeben, statt ihrer in dieses letzte Gefecht zu ziehen. Doch mit dem Schicksal ließ sich nun mal nicht feilschen. Es war so verdammt ungerecht.

Ein leises Räuspern riss sie aus ihren Gedanken. Intuitiv sah sie sich zur Tür um, doch da war niemand. Kurz darauf vernahm sie ein kehliges Husten, woraufhin sie erneut herumfuhr. Mit demselben Ergebnis. Verwirrt rieb sie sich die Schläfen. Begann sie so langsam durchzudrehen? Wer hätte es ihr verdenken können. Gerade, als sie sich wieder ihrer Tochter zuwenden wollte, spürte sie einen ungewöhnlichen Druck im Kopf, so als wollte sich irgendetwas hineinquetschen. Dann war es auch schon wieder vorbei. Nur um ihr sogleich eine gigantische Gänsehaut zu bereiten, als eine tiefe, männliche Stimme in ihrem Schädel nuschelte: „Hallo, Schnuppe.“

Sie rang lange mit sich, ob sie Philipp davon erzählen sollte. Kam dann aber zu dem Schluss, dass es wohl das Beste wäre, die Sache zunächst für sich zu behalten. Schließlich wusste sie nicht, wie er darauf reagieren würde. Himmelherrgott, sie kam ja selbst nicht mal damit klar.

Ihr Opa hatte noch mehr gesagt, aber vieles davon hatte sie nicht verstanden. Seit seinem Schlaganfall, der ihn etwa ein halbes Jahr vor seinem Tod ereilt hatte, war seine Aussprache gleich der eines brabbelnden Kleinkindes gewesen. Nur mit viel Phantasie konnte man aus dem Wörterbrei etwas halbwegs Brauchbares heraushören. So hatte sie lediglich die Worte „Marie“ und „krank“ einigermaßen deutlich verstanden.

Als am Abend Philipp von der Arbeit nach Hause kam, saß sie mit umschlungener Decke auf der Couch und nippte gerade an einer Tasse heißen Tees. Im Hintergrund drang leises Gelächter aus dem Fernseher. Sie nahm es überhaupt nicht wahr. Ihre Gedanken kreisten nur um eine Sache.

„Na, wie geht’s meinen beiden Lieblingen?“, rief er bereits vom Flur her. Als sie nicht darauf reagierte, trat er ins Wohnzimmer und warf ihr einen besorgten Blick zu. „Hey, alles gut bei dir?“

Erschrocken zuckte sie zusammen, wobei sie fast den Tee verschüttete. „Mein Gott, hast du mich erschreckt. Ich hab’ dich gar nicht kommen hören.“

„Das hab’ ich gemerkt.“ Er stand nun direkt vor ihr. „Was ist denn los? Du siehst aus, als ob du dir über irgendetwas den Kopf zerbrichst.“

„Ach, nichts. Ich war nur ein wenig in Gedanken.“

Er gab ihr einen Kuss auf die Stirn. „Ist irgendwas mit unserer Kleinen?“

Sie schüttelte den Kopf. „Nein, alles unverändert.“

Er nickte stumm. „Na ja, wenigstens hast du deine Knutschkugel mal in die Waschanlage gebracht. Das war ja auch mal an der Zeit.“

Sie sah ihn fragend an. „Ich versteh’ nicht ganz.“

„Jetzt sieht er wieder ordentlich aus. Du hast hoffentlich auch mit Unterbodenwäsche genommen?“

„Sag’ mal, willst du mich auf den Arm nehmen? Ich hab’ den Wagen heute kein Stück bewegt.“

„Na, dann muss es wohl unser Nachbar gewesen sein“, scherzte er, zog sich die Jacke aus und hängte sie im Flur an einen freien Haken. Während er in Maries Kinderzimmer ging, stand Katja auf und sah kurz darauf aus dem Küchenfenster. Ihr weißer Renault stand in der Einfahrt und glänzte wie am ersten Tag.

„Das gibt’s doch nicht“, murmelte sie ungläubig.

Da streckte plötzlich Philipp seinen Kopf zur Küche hinein. „Hey, Liebling, wo hast du denn unseren Schatz gelassen?“

Sie drehte sich zu ihm um. „Wieso?“

„Na, weil sie nicht in ihrem Bett ist.“

„Philipp, ganz ehrlich, ich bin gerade wirklich nicht in der Stimmung für irgendwelche …“

„Seh’ ich aus, als ob ich scherze?“, unterbrach er sie sofort. „Sie ist nicht da.“

Sekunden später stand Katja am Bett ihrer Tochter. Die Bettdecke achtlos zurückgeschlagen, lag jetzt nur noch Bruno, ihr jahrelanger Begleiter, verlassen da und sah sie aus seinen glasigen Teddybäraugen treudumm an. Hilfesuchend sah sie sich nach ihrem Mann um, der im Türrahmen stehengeblieben war. „Vielleicht ist sie herausgefallen und …“

„Und was? Kriecht irgendwo herum?“ Er lächelte bitter. „Wo sie seit Wochen doch kaum noch die Kraft aufbringt, sich auch nur von links auf rechts zu drehen. Eher unwahrscheinlich, findest du nicht?“

„Herrgott, ich weiß es doch auch nicht“, entgegnete sie gereizt.

Sie teilten sich auf. Philipp übernahm die Räume im Erdgeschoss, während Katja oben ihr Glück versuchte. Die Wahrscheinlichkeit, sie dort anzutreffen, war zwar eigentlich gleich null, da Marie dafür die steile Wendeltreppe hätte überwinden müssen, doch man konnte ja nie wissen. Sie überprüfte gerade das letzte verbliebene Zimmer, das Gästezimmer, als Philipp sie von unten rief. Im Nu war sie bei ihm.

„Gott sei Dank, du hast sie gefunden. Wo war sie denn?“

Doch statt ihrer Tochter hielt er lediglich einen Bon in der Hand. „Kommt dir der irgendwie bekannt vor?“, fragte er vollkommen ruhig.

Sie sah ihn sich an und sagte schließlich: „Nicht, dass ich wüsste.“

„Ach, ehrlich?“ Er hob eine Augenbraue. „Bist du dir sicher?“ Sie nickte nachdrücklich. „Und wie erklärst du dir dann das Datum?“ Sie wusste nicht, was sie darauf erwidern sollte. „Wash & Drive“, las er laut vor. „Eine Komplettwäsche für 17,95 Euro. Heute, um 14:38 Uhr. Na, klingelt’s da bei dir?“ Er schien kurz davor auszuflippen.

„Wie gesagt, ich war heute nicht mit dem Wagen unterwegs“, beharrte sie weiterhin.

„Willst du mich verarschen?“, schrie er sie auf einmal an. „In der Zeit, wo du den Wagen waschen warst, wurde unsere Tochter entführt.“

„Aber ich hab’ ihn wirklich nicht benutzt“, verteidigte sie sich mit nun tränenerstickter Stimme. „Ich war nicht mal aus dem Haus.“

„Dann ist dieser Kassenzettel also eine Halluzination, oder was?“, schrie er immer noch.

„Ich kann ihn mir doch auch nicht erklären“, wimmerte sie.

Eine lange Pause entstand. Schließlich ergriff Philipp wieder das Wort. Nun ein wenig beherrschter.

„Nehmen wir mal an, es wäre so, wie du sagst. Dann hättest du doch was mitbekommen müssen.“

Sie zuckte verzweifelt mit den Achseln.

„Auf der anderen Seite hast du mich vorhin auch nicht kommen hören“, konstatierte er. „Wie auch immer. Marie ist verschwunden. Wir müssen die Polizei einschalten.“ Dann hielt er plötzlich inne. „Aber nicht, bevor wir eine Sache geklärt haben.“ Er packte sie grob am Oberarm und zog sie mit sich. „Komm’, zieh’ dir deine Jacke an und dann machen wir einen kleinen Ausflug.“

Während er am Steuer des Renault saß, hockte Katja wie ein Häufchen Elend neben ihm und machte sich schwere Vorwürfe.

„Wäre ich doch nur in ihrem Zimmer geblieben oder hätte zumindest öfters nach ihr gesehen“, jammerte sie. Doch alles „hätte, wenn und aber“ brachte sie ihr auch nicht zurück.

Philipp hatte dagegen noch ganz andere Sorgen. Er wusste nicht, wie weit er seiner Frau noch glauben konnte. Es sprach einfach alles gegen ihre Version, das Haus nicht verlassen zu haben. Zudem gab es keinerlei Einbruchsspuren. Was bedeutete das?

Derweil hatte Katja angefangen zu weinen. „Wer tut denn nur sowas?“, schluchzte sie. „Ein todkrankes Kind zu entführen. Das ist einfach nur unmenschlich.“

„Vielleicht glaubt der- oder diejenige ja, dass es bei uns was zu holen gibt und fordert in Kürze Lösegeld für sie“, warf er ein.

„Aber wir haben doch nichts.“

„Das weiß ich, aber wer kann schon sagen, was in den Köpfen solcher Menschen vor sich geht?“ Er bog an der folgenden Kreuzung links ab und lenkte dann den Wagen die enge Einfahrt zur Waschstraße hinauf. „Mal sehen. Vielleicht sind wir gleich ein Stückchen schlauer“, sagte er und stellte den Renault auf dem angrenzenden Parkplatz ab.

Zu dieser Uhrzeit, es waren nur noch wenige Minuten bis zum Feierabend, hielt sich die Anzahl der noch abzufertigenden Autos, zur allgemeinen Erleichterung der Bediensteten, in überschaubaren Grenzen. Lediglich vier Pkws, darunter ein rotes Cabrio mit nun logischerweise geschlossenem Verdeck, warteten darauf, vom angesammelten Schmutz und Dreck befreit zu werden. Philipp überlegte nicht lange und ging direkt auf einen der Angestellten zu, der gerade mit einem Hochdruckreiniger dabei war, die gröbsten Verkrustungen bei einem Ford wegzuspülen.

„Entschuldigen Sie, darf ich Sie kurz stören?“

Der Angesprochene, ein mit ordentlichem Hüftspeck ausgestatteter Mittfünfziger im modischen Einteiler, nickte widerwillig. „Was gibt’s denn?“

„Haben Sie zufällig heute Nachmittag hier schon gearbeitet?“ Er nickte abermals. „Können Sie sich dann vielleicht noch an dieses Auto erinnern?“ Philipp deutete hinüber zur parkenden Knutschkugel seiner Frau.

„Soll das ein Witz sein?“, grunzte dieser. „Was glauben Sie eigentlich, wie viele Karren hier täglich durchlaufen?“

„Aber ich kann es“, meldete sich auf einmal ein anderer Kollege zu Wort. „Ist irgendwas mit der Reinigung nicht in Ordnung, Lady?“, sagte er mit Blick in Richtung Katja. Philipp sah sie jetzt ebenfalls fragend an. Als sie nicht reagierte, antwortete er stattdessen.

„Nein, alles o.k. Sie war sich nur nicht mehr sicher, ob sie auch bezahlt hatte.“

„Oh, das hat sie auch nicht“, grinste der Mitarbeiter. „Ihre Begleitung hat das für sie getan.“

„Ihre Begleitung?“

„Ja, der ältere Herr.“

Katja wurde plötzlich aschfahl im Gesicht. Sie griff nach ihrer Umhängetasche und begann darin hektisch herumzuwühlen. Schließlich fand sie, wonach sie suchte. Sie klappte das Portemonnaie auf und entnahm diesem ein eingerissenes, altes Foto. Sie hielt es dem Mann hin. „War das der ältere Herr?“

Er sah sie ungläubig an. „Hören Sie, Lady. Wenn das hier versteckte Kamera sein soll, dann …“

„Nein, nein. Ich, äh … Sagen Sie mir nur einfach, ob er es war.“

„Ist ein Scherz, oder?“ Als er echte Verzweiflung in ihren Augen sah, tat sie ihm fast schon wieder leid. „Sie wissen es wirklich nicht mehr, oder?“ Sie schüttelte verzweifelt den Kopf. „Na, schön. Ja, er war es. Jetzt zufrieden?“ Katja wurde es augenblicklich ganz weich in den Beinen. Sie taumelte einen Schritt zurück. „Hey, Lady. Immer schön cool bleiben.“ Mit einer schnellen Bewegung hielt sie der Angestellte fest. Sie fühlte sich an wie Wachs.

„Schatz, was ist denn? Wer ist der Mann auf dem Foto?“

„Das ist mein Opa.“

„Dein Opa?“

„Ja, mein Lieblingsopa.“

„Aber ist der nicht schon vor langer Zeit …“

„Ganz genau.“ Noch immer ein wenig benommen, ließ sie die drei Männer stehen und ging langsam zurück zum Wagen.

„Sagen Sie, war sonst noch jemand dabei?“, hakte Philipp nochmal nach. „Vielleicht ein junges Mädchen? Etwa eins vierzig groß mit langen, braunen Haaren.“

„Nein, nicht dass ich wüsste.“ Der Mitarbeiter kratzte sich am Kinn. „Zumindest ist mir niemand aufgefallen.“

„Na, hätte ja sein können. Trotzdem danke.“ Damit wandte sich Philipp ebenfalls zum Gehen.

Auf der Rückfahrt herrschte zunächst angespanntes Schweigen. Schließlich hielt es Katja nicht mehr aus und durchbrach als Erste die unangenehme Stille.

„Er hat mit mir gesprochen.“

Philipp sah zu ihr hinüber. „Wer?“

„Mein Opa.“

„Das wird ja immer verrückter“, murmelte er.

„Ich weiß, wie sich das anhört. Ich konnte es ja erst selbst nicht glauben“, sagte sie. Als er nichts erwiderte, sprach sie weiter. „Es war heute Mittag. Ich saß gerade bei Marie am Bett, da hatte ich auf einmal seine Stimme im Kopf.“

„Aha.“ Er starrte jetzt wieder geradeaus, so als müsste er sich besonders stark auf den Verkehr konzentrieren. Was nicht der Fall war.

„Er sprach ziemlich schnell und bedingt durch seinen damaligen Schlaganfall leider auch sehr undeutlich. Ich hab’ kaum etwas verstanden.“ Sie schluckte einmal schwer, doch der Kloß im Hals ließ sich nicht so leicht vertreiben. „Jedenfalls ging es um Marie.“

„Aha“, machte er abermals.

„Mehr fällt dir nicht dazu ein?“

„Was soll ich dazu sagen? Das ist mir, ehrlich gesagt, alles zu abgedreht.“ Er sah sie wieder an. „Könnte es nicht auch sein, dass du einfach nur eingenickt bist und schlecht geträumt hast?“

Sie versuchte, ruhig zu bleiben, auch wenn es ihr sichtlich schwer fiel. „Und der Typ von der Waschanlage? Hat der vielleicht auch nur schlecht geträumt?“

„Nun ja, es wäre doch durchaus möglich, dass er ihn mit jemandem verwechselt hat, der deinem Opa verdammt ähnlich sieht.“

„Na, klar. Und dieser Jemand zahlt dann auch noch freundlicherweise gleich meine Rechnung mit“, sagte sie ironisch.

„Wer weiß?“ Philipp blies die Wangen auf. „Nur, was hat das alles mit Marie zu tun?“

„Ich hab’ keine Ahnung.“