Ganz schön tierisch - Chantal Ritter - E-Book

Ganz schön tierisch E-Book

Chantal Ritter

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Beschreibung

In der Coopzeitung hat sie sich in die Herzen der Leserinnen undLesergeschrieben. Die Geschichten von Dr. med. vet. Chantal Ritterüber ihren Alltag als Tierärztin sind voller Humor, tiefgründig undspannend. Jetzt hat sie eine Auswahl zu einem Buch zusammengefasst.In einer Tierarztpraxis ist immer viel los. Und das beschränkt sich nichtauf die normalen Bürostunden: Hausbesuche zu allen Tages- und Nachtzeitengehören dazu, mit dramatischen Notfällen, traurigen, aber auchlustigen Momenten.Für Chantal Ritter steht dabei immer das Wohl der Tiere im Vordergrund.Schon als Kind hat sie gerne geschrieben und Tiere über alles geliebt.Nun erzählt sie Woche für Woche in ihren Kolumnen mit ihrem ganzspeziellen Blickwinkel über die verschiedenen Tierschicksale, aber auchüber ihre eigenen Tiere und nicht zuletzt über die Halterinnen und Halter,die manchmal mehr Schwierigkeiten machen als ihre tierischen Vieroderauch Zweibeiner.Die innere Verbundenheit des Menschen mit seinem Tier hat die Tierärztinimmer fasziniert. Egal, ob die Tiere eher als Accessoire gehalten werdenoder ob sie die einzig wahren Freunde der Menschen sind, in derPraxis treffen sich alle. Die verschiedenen Beziehungen und Probleme,die sich daraus ergeben, sind der Stoff für diese kleinen Geschichten, diedas Leben schrieb. Sie sind vielschichtig und spannend, lustig und regenzum Nachdenken an. Wie zum Beispiel die vom alten Militärhund, der,um seine Krebstherapie ruhig auszuhalten, immer wieder dieselbe Geschichteerzählt bekommt. Oder die Geschichte des kleinen Jungen, derweinte und schrie, als er seine Katze verlassen musste – bis man denwahren Grund seiner Trauer herausfand. Ein Hamster, der als heimlicherAutobegleiter das ganze Gefährt lahmlegte, oder Kater Blacky, der sichals Brillendieb entpuppte. Ein schöner Lesestoff für alle Tierfreunde.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 152

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Chantal Ritter

Ganz schön tierisch

Chantal Ritter

Ganz schön tierisch

Geschichten aus der Tierarztpraxis

Zytglogge

2. Auflage 2014

 

Alle Rechte vorbehalten

Copyright: Zytglogge Verlag, 2013

Lektorat: Hugo Ramseyer

Korrektorat: Monika Künzi, Jakob Salzmann

Umschlagfoto: © Eric Isselée - Fotolia.com

Gestaltung/Satz: Zytglogge Verlag

ISBN 978-3-7296-0873-3

eISBN (ePUB) 978-3-7296-2018-6

eISBN (mobi) 978-3-7296-2019-3

 

E-Book: Schwabe AG, www.schwabe.ch

 

Zytglogge Verlag, Steinentorstrasse 11, CH-4010 Basel

[email protected], www.zytglogge.ch

Inhalt

Ein Herz für Tiere

Vorwort von Katalin Vereb

Das Ölmami

D Gschicht vom tote Ross

Vorsicht, bissige Katze!

Der kleine Peterli

Mein Traumhaus

Schwerer Abschied

Katzenhumor

Der Lehrer wird rot

Ein kleiner Hund aus der Türkei

Vom Esel in der Beiz

Ein Grappa in Ehren

Speedy, der Copilot

Ratte raus! – oder?

Rosso, der Erste

Behinderter Hund mit Hilfshund

Der unersättliche Labrador

Heartbreaker

Markenartikel!

Grippezeit

Ein Hamsterweibchen ist trächtig

Trümmeli

Neujahr mit Lachs und Maus

Überlebenskünstler

Ein Hund für alle

Liebe auf den ersten Blick

Eine haarige Sache

Die zweite Chance

Schwanger trotz Pille

Fernbehandlung per Bildschirm

Zu viel Nachwuchs

Eichhörnchen in Not

Kleiner Hund ganz gross

Eine schwere Geburt

Igel in Not

Auf Beizentour

Der richtige Partner

Der Brillendieb

Zahnarzttermin

Familienzuwachs

Der Gourmand

Wo steckt der Ohrring?

Skiunfall

Die verirrte Eule

Das richtige Wort

Fasnachtsschreck

Frau Meyer

Es gibt Osterhasen!

Viele, viele, viele Fische

Haben Tiere eine Seele?

Katze passt immer

Flöhe! Fliehe, wer kann!

Armer grosser Hund

Dramatische Rettung

Tapferer Jonathan

Marderschaden

Rot wie Blut

James Bond

Herr im Haus

Und wer ist der Vater?

Abnehmen ist schwer

Die Katze auf dem Berg

Neuer alter Hund

Verfressenes Frettchen

«Ä särbäligä Bänz»

Der Fasnachtsvogel

Die Katze auf dem Dach

Besuch bei der alten Dame

Bürokatze

Plopp

Josephine – oder Seppi?

Wasser ist nicht gleich Wasser

Supermutter

Sina und Peter

Faltenfrei

Immer mehr Meerschweinchen

Happyend für Shrek

‹Bärentatze›

Weiss wie Schnee

Ausgesperrt

Parasitenträger

Auftritt Ami: lauthals!

Tierisch geduldig

Chantal Ritter

Ein Herz für Tiere

Vorwort von Katalin Vereb

 

 

Die Geschichten von Dr. med. vet. Chantal Ritter über ihren Alltag als Tierärztin sind voller Humor, tiefgründig und spannend. Jetzt hat sie eine Auswahl zu einem Buch zusammengefasst.

In einer Tierarztpraxis ist immer viel los. Und das beschränkt sich nicht auf die normalen Bürostunden: Hausbesuche zu allen Tages- und Nachtzeiten gehören dazu, mit dramatischen Notfällen, traurigen, aber auch lustigen Momenten.

Für Chantal Ritter steht dabei immer das Wohl der Tiere im Vordergrund. Schon als Kind hat sie gerne geschrieben und Tiere über alles geliebt. In ihren Kolumnen erzählt sie mit ihrem ganz speziellen Blickwinkel über die verschiedenen Tierschicksale, aber auch über ihre eigenen Tiere und nicht zuletzt über die Halterinnen und Halter, die manchmal mehr Schwierigkeiten machen als ihre tierischen Vier- oder auch Zweibeiner.

Die innere Verbundenheit des Menschen mit seinem Tier hat die Tierärztin immer fasziniert. Egal, ob die Tiere eher als Accessoire gehalten werden oder ob sie die einzig wahren Freunde der Menschen sind, in der Praxis treffen sich alle. Die verschiedenen Beziehungen und Probleme, die sich daraus ergeben, sind der Stoff für diese kleinen Geschichten, die das Leben schrieb. Sie sind vielschichtig und spannend, lustig und regen zum Nachdenken an. Wie zum Beispiel die vom alten Militärhund, der, um seine Krebstherapie ruhig auszuhalten, immer wieder dieselbe Geschichte erzählt bekommt. Oder die Geschichte des kleinen Jungen, der weinte und schrie, als er seine Katze verlassen musste – bis man den wahren Grund seiner Trauer herausfand. Ein Hamster, der als heimlicher Autobegleiter das ganze Gefährt lahmlegte, oder Kater Blacky, der sich als Brillendieb entpuppte.

Ein schöner Lesestoff für alle Tierfreunde.

• Das Ölmami

Tierpraxis-Alltag ist immer wieder aufregend und neu.

Der Anruf kam am späten Nachmittag. «Ich konnte sie endlich einfangen. Da ist wohl nichts mehr zu machen. Darf ich sie euch trotzdem bringen?» Gemeint war eine junge, trächtige Bauernkatze, die über und über mit Motorenöl verschmiert war. Von den Ohren bis zur Schwanzspitze war sie ein einziges grauschwarzes, klebendes Häufchen.

Da Katzen sich lecken, nehmen sie so ungewollt Gifte in sich auf. Zusätzlich können gewisse Stoffe direkt durch die Haut in den Körper gelangen. Erschwerend war noch, dass die Kätzin trächtig war. Wie entwickeln sich die Föten dabei? Diese hier hatte schon mehrere Tage Öl im Fell. Nicht auszudenken, wie viel sie sich bereits aus dem Fell geleckt hatte! Zum Glück war sie einer Katzenliebhaberin über den Weg gelaufen, die keine Mühe scheute, sie einzufangen.

«Wir versuchen es! Diese Katze hat gekämpft!», sagte ich. Sie war so scheu, dass wir sie unter Narkose scheren mussten. Wie sieht eine geschorene Bauernkatze aus? Nackt und rosa, dürr, mit Fledermausohren und langem Rattenschwänzchen!

Die folgenden Tage schauten wir immer wieder besorgt in ihr Gehege. Genauso besorgt schaute sie heraus. Haben ihre Babys diese Tortur überlebt?

Trotz Scheren und Waschen rochen wir nach jedem Streicheln nach Öl, und ihr Katzenbettchen musste mehrmals täglich gewaschen werden. Mit den Tagen verschwand der Garagengeruch aus unserer Praxis, die Katze wechselte von rosagrau zu reinweiss und entpuppte sich als charmante, verschmuste Katzendame.

Am vierten Tag überraschte sie uns mit einem Geschenk: Vier stolze Katzenbabys kuschelten sich an ihre geschorene Mutter! Jedes Baby war munter und gesund, und in den folgenden Wochen wandelte sich unser Gehege in eine fröhliche Kinderstube. Die Babys waren frech und verschmust, wie ihre Mama.

Der Ölmami, wie wir sie nannten, wuchs das Fell nach, und heute, ein halbes Jahr nach ihrem Praxisaufenthalt, maust sie glücklich (kastriert) und mit einem wunderschönen Pelz wieder auf einem Bauernhof.

• D Gschicht vom tote Ross

Ich habe schon viele Geschichten gehört, aber die eine werde ich nicht vergessen. Weil ich selber nicht weiss, wie sie aufhört!

Sie begann mit einem Suchhund, der eine dicke Zehe hatte. Ein Röntgenbild zeigte mir, dass wahrscheinlich ein Tumor in dieser Zehe wuchs. Den Hundeführer traf es hart, da er beruflich mit seinem Hund zu tun hatte und durch die jahrelange Zusammenarbeit die beiden sich recht nahe gekommen waren.

Die Zehe wurde wegoperiert, und es stellte sich die Frage nach einer Chemotherapie, handelte es sich doch um einen recht aggressiven Tumor, der gerne Metastasen macht.

In der Onkologie des Tierspitals zuckten sie die Schultern: Ja, es gab einmal versuchsweise eine Chemotherapie gegen diesen Tumortyp. Das Medikament sei aber mangels Interesse nicht mehr hergestellt und ein Restbestand in die USA in ein Uni-Tierspital exportiert worden. Versuchssubstanzen aus den USA in die Schweiz zurückzuschicken, sei schwierig. Mit dieser schlechten Nachricht musste ich meinen Kunden enttäuschen.

Ich hatte die Rechnung aber ohne den Hundeführer gemacht. Er hatte als Militärhundeführer gute Beziehungen, und wenige Tage später kam das Medikament per Diplomatenpost an!

Die nächste Hürde war der Hund selbst. Fremdpersonen mochte er nicht, und schon gar keine Tierärzte. Er musste jetzt wöchentlich endlose Infusionen in die Venen kriegen. Und dabei konnte ich mich ihm nur auf einen Meter nähern. Mit Maulkorb war er so zappelig, dass Nadelstecken in die Vene unmöglich war.

«Am besten ist», meinte der Hundeführer, «ich lenke ihn ab.» Sagte es und setzte sich zu seinem Hund. Dann begann er ihm ‹D Gschicht vom tote Ross› zu erzählen. Der Hund lauschte aufmerksam. Ich konnte den Venenkatheter legen und die Infusion überwachen. Jede Therapiesitzung verlief gleich. Die Geschichte wurde jedes Mal von neuem angefangen, und ich weiss bis heute nicht, wie sie endet. Der Hund aber lebte noch sechs Jahre, ohne je wieder vom Tumor heimgesucht worden zu sein.

• Vorsicht, bissige Katze!

Katzen sind nicht immer freundlich schnurrende Lieblinge. Sie können sogar eine Wohnung vor Einbrechern verteidigen. Oder – wie bei Familie Ritter – das Telefon …

Im Körbchen auf meinem Behandlungstisch knurrt es bedrohlich. Ein Blick hinein wird mit einem Fauchen und einem Tatzenhieb quittiert. Ich schlucke schwer. Diese Katze soll ich impfen? Gerne hätte ich heute Abend heile Hände …

Die Besitzerin ist sichtlich stolz. Sie erklärt mir auch gleich die Geschichte ihrer Katze. Sie beide würden in einem alten Mehrfamilienhaus wohnen, mit Glaseinsatz an den Wohnungstüren. Im ganzen Haus sei eingebrochen worden: Die Diebe hätten das Glas zerschmettert und das Schloss von innen geöffnet. Ihre Katze aber habe sie und ihre Wohnung gerettet. Die Scheibe sei auch bei ihr eingeschlagen worden, doch sei überall am Fenster Blut gewesen. Ihre Katze habe schreiend und fauchend im Wohnungsgang Wache gehalten. Offensichtlich sei sie auf die Hand des Diebes losgegangen, als dieser versuchte, die Türe von innen zu öffnen! Verletzt habe sie ihn ordentlich, denn das Blut stamme nicht von ihrer Katze.

Irgendwie erinnerte mich diese Geschichte an meine einäugige Victoria. Unsere Tigerkatze mag Fremde ebenfalls nicht.

Eines Tages kam ein Telefoninstallateur zu uns. Wir fragten ihn, ob er Angst vor Katzen habe. Eine für uns übliche Frage, denn bei einem «Ja» sperren wir Victoria in ihr Katzenzimmer ein. Er lachte: «Was für eine Frage für einen Bauernsohn!» Sicher habe er keine Angst vor Katzen. Kopfschüttelnd machte er sich an die Arbeit, und wir verkrümelten uns ins Büro.

Nach zirka einer Viertelstunde klopfte ein etwas aufgewühlter Installateur an die Bürotüre. Ob wir die Katze nicht doch wegnehmen könnten? Die Situation war zum Totlachen: Kaum wollte der Bauernsohn unser Telefon berühren, teilte Victoria Tatzenhiebe aus.

Auch den Weihnachtsmann hatte sie tätlich angegriffen. Seither weiss ich, dass Weihnachtsmänner unter der Robe dicke Jeans tragen …

Deshalb muss Victoria bei Besuch in ihr Katzenzimmer. Ausser – unsere Besucher lachen über die Frage, ob sie Angst vor Katzen hätten …

• Der kleine Peterli

Ein Hundewelpe soll ertränkt werden. Doch ein Taxifahrer rettet ihn. Der Kleine ist hungrig und durchgefroren, aber er lebt.

Ein Taxifahrer nahm nachts einen seltsamen Kunden mit. Dieser hatte ein kleines wimmerndes Paket im Arm und erzählte, er müsse einen Hundewelpen loswerden. Der Taxifahrer solle auf die Flussbrücke fahren.

Der Taxifahrer reagierte richtig: Er setzte den Fahrgast ab und schwatzte ihm das Hündchen ab. Dann fuhr er mit dem kleinen Paket zu mir. Mitten in der Nacht läutete es an unserer Hausglocke. Etwas schlaftrunken nahm ich den Hundewelpen entgegen. Es war ein winziges, beige-weisses, kleines Knäuel mit krummen Beinen, noch ein Säugling, aber bereits ein Kämpfer. Ausgehungert und durchgefroren, aber lauthals nach Milch jaulend.

Als Erstes wärmte ich ihn auf. Dann gab ich ihm eine warme Mahlzeit. Er schmatzte und trank und liess sich anschliessend wie selbstverständlich von mir den Bauch kraulen.

Wie sollte er heissen? Wir suchten für ihn einen geschmacksvollen Namen, aber ‹Schnittlauch› war zu lang. ‹Peterli› setzte sich einstimmig gegen ‹Basilikum› und ‹Pfeffer› durch.

Dieser kleine Kerl kannte keine Furcht. Seine Lieblingsbeschäftigung war, sich in unseren Socken festzubeissen und nicht loszulassen. Hob man den Fuss hoch, kam Peterli wie ein Fisch an der Angel mit.

Junghunde benötigen viel Zeit und Aufmerksamkeit. Alles, was sie in ihrem späteren Leben wissen müssen, lernen sie in den ersten Wochen. Peterli übte das Autofahren, Spielen-mit-Katzen, Spielen-mit-Kindern und Spielen-mit-Hunden. Vor allem Kontakt mit anderen Hunden ist bei mutterlosen Welpen enorm wichtig, damit sie im späteren Leben keine Probleme machen. Auch die Stubenreinheit und die Auseinandersetzung mit Gegenständen und Situationen lernte er spielerisch. Ich staunte immer wieder, wie sehr der Kleine Schritt für Schritt sein Leben eroberte.

Mit zwölf Wochen platzierten wir Peterli in einer lebhaften, fröhlichen Familie. Die Kinder waren begeistert von ihm.

• Mein Traumhaus

Eine wunderschöne Aussicht, ein gepflegter Garten und teure Möbel – Ich träumte vom idealen Haus. Doch ohne Tiere ist es kein Traumhaus.

Meine Hausbesuche als Tierärztin ermöglichen mir des Öfteren ungeahnte Einblicke in Traumhäuser. Ein Haus aber überbot alles: ein französischer Garten, eine Wohnstube, die nahtlos in den Gartensitzplatz übergeht. Und dieser mündet über eine Galerie in den Swimmingpool. Weisse Teppiche, grüne Pflanzen, dazu Fensterfronten, welche die schroffen Schneeberge und den See wunderbar präsentieren. Kurzum: eine Perle.

«Fahren Sie die Strasse ganz hinauf, dann sehen Sie das schmiedeiserne Tor. Es öffnet sich automatisch», hiess es. Kein Name am Briefkasten, nur Initialen. Das tönt doch gut, nicht?

Beim Nachhausefahren holt mich der graue Alltag mit Stosszeitenstau ein. Ich stelle mir mein Traumhaus vor. Es müsste genau so weisse Teppiche haben – da kurvt im Traum mein Hund vom Spaziergang im Regen um die Ecke und schüttelt sich! Also doch kein weisser Teppich, lieber pflegeleichte dunkle Kacheln. Der Garten … soll er ebenfalls so geometrisch sein? Im Traum erscheint mir wieder mein Terrier – und der gräbt gerne … Also hat mein Traumhaus keinen französischen Garten, nur Platz für eine Schaukel für die Kinder. Doch mein Traumhaus hätte ebenfalls ein Entree im Glashausstil mit Riesengummibaum … Da sitzt aber schon meine Katze drin, und die zweite Katze scharrt in der Erde … Also wäre nur ein gewöhnliches Entree angebrachter, glaube ich. Die Polstergruppe: farbiges Leder, genau zur Stube passend. Im Traum spielen meine Katzen Fangen und halten sich mit ihren scharfen Krallen am Leder fest. Graue Striche zieren die Polster mehr und mehr … also doch nur krallentauglicher Stoff als Polster. Und diese Grösse! Unendlich viele Türen mit geräumigen Zimmern, Fensterfronten auf der ganzen Länge – da haaren Katzen und Hunde, sie niesen die Scheiben an, und ich sehe mich putzen, putzen, putzen …

Der Stau löst sich langsam auf, ich komme nach Hause und fühle mich ganz in meinem Traumhaus: klein, gemütlich und pflegeleicht!

• Schwerer Abschied

Drama in der Praxis: Seine Katze muss kastriert werden, doch der kleine Junge kann sich nicht von ihr trennen. Er schreit und weint – bis er die Katze noch einmal sehen darf …

Eine Mutter brachte zusammen mit ihrem zweijährigen Söhnchen ihr Kätzchen zum Kastrieren in meine Praxis. Kater wie Katzen sollten mit sechs Monaten kastriert werden … sonst: Erwachsene Kater markieren in der Wohnung, und Kätzinnen miauen nächtelang, in der Hoffnung, einen Kater anzulocken.

Abgesehen davon vermehren sich Katzen schnell, was innert Kürze das Katzenelend vervielfachen würde. Dürften sich Katzen ganz nach Belieben vermehren, hätte man nach drei Jahren 350 Katzen und nach vier Jahren bereits über 1000 Kätzchen. Der Eingriff ist Routine, die Katze schnell wieder fit. Und ihr Besitzer muss keine Jungtiere ins Tierheim abschieben. Aus diesem Grund also wurde diese Katze bei uns abgegeben.

Kaum hatten wir die Formalitäten erledigt, wollte die Mutter gehen. Ihr Bub aber weinte lauthals. Also versuchten wir, das Kind zu beruhigen. Wir erklärten ihm, dass seine Katze nur kurz bei uns bleiben werde und bald nach Hause dürfe. Ohne Erfolg. Der Junge weinte heftiger. Also erklärte ihm seine Mama das Ganze noch mal. Unsere Tierarztassistentin versuchte es auf die harte Tour und entfernte sich mit der Katze im Körbchen. Je weiter weg sie aber war, desto heftiger schrie der kleine Junge.

Kein Zureden half, und der ganze Betrieb stand still. Das Brüllen übertönte sowohl das Zureden als auch die Telefone. Alle schauten auf ihn.

Geistesgegenwärtig zeigte unsere Assistentin dem Buben nochmals die Katze. Dabei öffnete sie sogar das Türchen des Körbchens. Der Bub griff hinein – an der Katze vorbei ganz hinten ins Körbchen. Dort holte er ein Spielzeugauto hervor und zeigte es uns lachend! Jetzt war er zum Gehen bereit.

Wieso sind wir Erwachsenen immer so schwer von Begriff?

• Katzenhumor

Ich suche mein Handy, die Zeit drängt. Aber es bleibt verschwunden – ein Rätsel. Hat etwa die Katze etwas damit zu tun?

Morgens laufen die Uhren schneller als sonst. Besonders an diesem Morgen rennt der Minutenzeiger förmlich über das Zifferblatt. Alles ist gerüstet, die Kinder sind angezogen, alle Schuhe an den richtigen Füssen, Schlüsselbund da – nur das Handy fehlt noch.

Die Zeit rast. Ich suche an den üblichen ‹Ich-habe-es-verlegt-Stellen›: nichts. Der Uhrzeiger meint, ich sei jetzt zu spät. Nun suche ich es an den unüblichen Ich-habe-es-verlegt-Stellen: wieder nichts. Jetzt bin ich definitiv zu spät. Die Kinder brüllen, und ich bin verzweifelt.

Als Tierärztin mit Pikettdienst ist das Handy lebenswichtig. Ohne Handy müsste ich meinen freien Nachmittag anstatt beim Einkaufen, auf der Post, auf der Bank und was man sonst noch Freizeit nennt, neben einem Festnetzanschluss klebend verbringen (hungrig, denn der Kühlschrank ist leer!).

Verzweifelt rufe ich mich selber auf dem Handy an und laufe in der Wohnung umher. Im Wohnzimmer, im Bad: nichts. In den Kinderzimmern auch nichts. Im Schlafzimmer: nur unsere schwarze Katze, Blacky! Sie demonstriert morgendliches Kuscheln im noch warmen Bett, Müssiggang ‹comme un chat›. Für einen Moment glaube ich, sie blinzle mir zu, was sie sonst nicht macht, doch ich habe jetzt keine Zeit für sie. Handylos, sozusagen nackt und viel zu spät, muss ich an die Arbeit.

Kaum an der Arbeit, ruft mich ein lachender Gatte an. Blacky wusste die ganze Zeit, wo das Handy lag: unter ihm. Sichtlich amüsiert genoss er die Klingelmassage und seine hetzende Besitzerin. Kaum sei ich weg gewesen, habe er sich erhoben, sich geputzt und sich etwas weiter daneben zum Weiterschlafen zusammengerollt.

Katzenbesitzer, falls ihr je etwas vermisst und die Zeit drängt, streichelt eure Katze. Ich bin sicher, ihr werdet dann das Vermisste finden. Nehmt euch vor allem vor blinzelnden Katzen in Acht!

• Der Lehrer wird rot

Ein Bauer züchtet Schäferhunde. Doch als ich den neuen Wurf begutachte, sehen sechs der neun Welpen ganz anders aus. Der ‹Schuldige› ist schnell gefunden.

Zu meiner Studienzeit wohnten wir in einem kleinen Bauerndorf. Unser Nachbar besass eine wunderschöne Schäferhündin namens Diana. Und er war der Meinung, alle seine Tiere müssten «sich ihr Brot verdienen». Also hatte diese Hündin des Öftern Junge. Nachts war sie in ihrem Zwinger vor dem Haus als Wachhund, tagsüber lief sie im Hof herum und begrüsste oder verbellte Besucher.

Ich führte sie gerne spazieren und war begeistert von ihrer Geduld und Anhänglichkeit. Bei jedem Wurf war ich die Erste, die ins Hundehaus hineinkriechen durfte, um die neuen Welpen zu bewundern.

Selbstverständlich wollte der Bauer ‹reinrassige› Welpen, da sich diese besser verkauften. Dafür durfte Nachbars Hasso regelmässig als Papa amten.

Wieder einmal hatte Diana geworfen. Ich hielt den ersten Welpen ans Licht und rief: «Ein Rüde!» Der zweite Welpe: eine Hündin, der dritte Welpe … der war gescheckt, rotweiss mit Ringelschwanz! Ebenso Nummer vier bis acht! Nur der neunte Welpe hatte wieder die schwarz-braune Schäferhundfarbe. Hündinnen können nämlich mehrmals gedeckt werden und in einem Wurf Junge von verschiedenen Vätern haben.

Woher zum Kuckuck waren diese kleinen rotweissen mit Ringelschwanz? Der Bauer schaute sie sich an und wusste es: Der Hund des Dorflehrers sieht so aus!

Zur Rede gestellt, wurde dieser rot (wie sein Hund!). Ich fand es lustig, einen Lehrer auf frischer Tat ertappt zu sehen. Ja, sein Rüde sei so verliebt gewesen, dass er nachts durch ein offenes Fenster abgehauen sei. Nach langem Suchen habe er ihn in Dianas Zwinger gefunden. Bis heute ist es uns ein Rätsel, wie der Hund dort hineingelangt war. Er habe ihn befreit und das kleine Geheimnis für sich behalten.