Gebrauchsanweisung für Barcelona - Merten Worthmann - E-Book

Gebrauchsanweisung für Barcelona E-Book

Merten Worthmann

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Beschreibung

Auch wenn sie nicht nur auf dem Fußballfeld mit Madrid konkurriert: Barcelona ist und bleibt die Hauptstadt – von Katalonien! Was macht die Metropole zu Europas Hotspot? Wie traditionell gibt sich Barcelona, wie avantgardistisch; wie katalanisch und wie international? Und wie isst man hier, zwischen grober Hausmannskost und der futuristischen Küche eines Ferran Adrià? Merten Worthmann kennt die einzigartige Dynamik dieser Stadt. Er nimmt uns mit zur Sagrada Familia, ins Barrio Gótico und zum Parc Güell, die Ramblas entlang, durch das pulsierende Nachtleben, zu den »rasenden Teufeln« und all den anderen Festen des Volkes.

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Veröffentlichungsjahr: 2015

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www.piper.de

ISBN 978-3-492-97194-2 Mai 2015 © Piper Verlag GmbH, München/Berlin 2006 Coverkonzeption: Büro Hamburg Covergestaltung: Birgit Kohlhaas, kohlhaas-buchgestaltung.de Covermotiv: Antoni Gaudí: Casa Batlló (Tino Soriano/Bilderberg) Litho: Lorenz & Zeller, Inning a. A. Datenkonvertierung: CPI books GmbH, Leck  

Die empfindliche Hauptstadt

Sie haben sich mit dem Kauf dieses Buches verdächtig gemacht. Auch Sie sind ein Tourist, stimmt’s? Sie fallen irgendwann in Barcelona ein (oder sind womöglich schon da), Sie beanspruchen die Altstadt, betreten bedeutende Baudenkmäler, entblößen sich am Strand. Sie kurbeln kurz das Geschäft an und machen sich anschließend wieder aus dem Staub, nicht wahr? O.k., das möchte Ihnen niemand wirklich übelnehmen. Aber Sie sollten wissen, daß Sie unter Beobachtung stehen. Während Sie unbeschwert unterwegs sind, zerbrechen sich die Barceloneser den Kopf über Sie. Der offensichtliche Erfolg ihrer Stadt hat die Einwohner nachdenklich gemacht. Sie sind stolz auf den Zuspruch. Aber manchmal kommt er ihnen schon fast unheimlich vor. Dann legen sie öffentlich die Stirn in Falten und fordern zum Beispiel eine »Ethik des Tourismus«, in der Rechte und Pflichten aller Besucher festgehalten werden. Andere beklagen, ganz pragmatisch, Schwierigkeiten beim Schuhekaufen, weil die gewohnten Läden der Altstadt angeblich nur noch Modelle in Touristengrößen anbieten. Es finden Tagungen zum Thema statt, auf denen Touristen als »friedliche Invasoren« bezeichnet werden. Und in der Ankunftshalle des Flughafens hängt ein riesiges Plakat mit der Mahnung: »Verlassen Sie die Stadt bitte so, wie Sie sie vorzufinden wünschen«.

Gut, dieses letzte Beispiel habe ich mir eben ausgedacht. Aber es trifft im Grunde die Mischung aus zarter Sorge und gutem Willen, mit der man dem Touristen entgegensieht. Mit gewissem Argwohn fragt man sich vor allem, ob der Besucher auch, wie es sich gehört, Barcelona und Spanien ordentlich auseinanderhalten kann. Wer Barcelona etwa für die zweitgrößte Stadt des Landes hält, liegt ganz falsch. Barcelona ist die größte Stadt des Landes; sie ist sogar dessen Hauptstadt. Das Land, um uns gleich richtig zu verstehen, heißt natürlich Katalonien. Es gehört zu Spanien wie eine Art Bundesland. Aber mit diesem Status sind die Katalanen selbst traditionell unzufrieden. Sie heben lieber hervor, was sie von den übrigen Spaniern trennt, als Gemeinsamkeiten zu betonen. Diese Liebe zum sogenannten fet diferencial, dem entscheidenden Unterschied, würden sie gern mit den Touristen teilen. Die sind doch nicht zufällig nach Katalonien gekommen, sondern ganz bewußt – oder? Insofern schmerzt Barceloneser zum Beispiel das noch immer weitverbreitete Mißverständnis, ihre Stadt sei, wie ganz Spanien, Paella- und Tapas-Territorium. Selbstverständlich gibt es genug Restaurants und Bars, die dieses Vorurteil nach Kräften bedienen. Aber die katalanische Küche sieht eben etwas anders aus. Noch sensibler ist das Thema Sprache. Denn das Katalanische ist lange unterdrückt worden und braucht heute viel Hilfe, um sich einigermaßen auf den Beinen zu halten. Wer diese Schwäche nicht ernst nimmt und einfach der Bequemlichkeit halber auf castellano pocht, das klassische Hochspanisch, der kriegt gleich Punkte abgezogen wegen Nachlässigkeit gegenüber einer gefährdeten Art. Wer weder Spanisch noch Katalanisch spricht, hat zwar diese Klippe schnell umschifft. Er sollte allerdings trotzdem darauf achten, die regionale Kultur nicht gedankenlos als »spanisch« zu bezeichnen. In diesem Zusammenhang ist ein Fauxpas der jüngsten Generation besonders berüchtigt: Er wird von unterinformierten ausländischen Studenten begangen, die ein Gastsemester in Barcelona buchen, um ihr Spanisch aufzubessern. Cédric Klapisch hat 2002 in seiner Filmkomödie »L’Auberge Espagnole« (»Barcelona für ein Jahr«) die dazugehörige Schlüsselszene gezeigt: Die Hauptfigur, ein Erasmus-Stipendiat aus Frankreich, sitzt im Hörsaal und zieht die Stirn in immer tiefere Falten, weil der Professor plötzlich in dieser merkwürdig unbekannten Sprache spricht.

Zwischen 2000 und 2010 hat sich die Zahl ausländischer Studenten in Barcelona mehr als verdreifacht. Dabei weiß nur ein Fünftel des sogenannten turisme acadèmic bei der Ankunft auch über die offizielle Sprachregelung des Landes Bescheid. Trotzdem wird offiziell mit großer Genugtuung hervorgehoben, daß keine andere spanische Stadt auf vergleichbares Interesse stößt. Was in erster Linie heißt: Kataloniens Hauptstadt sticht Spaniens Hauptstadt aus. Womit wir kurz die eingefleischte Rivalität zwischen Barcelona und Madrid streifen, die über Jahrhunderte gereift und längst nicht überwunden ist. Natürlich wird sie heute mit mehr Selbstironie gelebt. Aber das historische Mißtrauen zwischen den, hart gesagt, Imperialisten aus Kastilien und den Separatisten aus Katalonien wird durchaus weiter gepflegt. Daß die erste Trasse des spanischen Hochgeschwindigkeitszugs AVE Madrid mit Sevilla verband und Barcelona erst 16Jahre später, im Februar 2008, an die Schnellstrecke angeschlossen wurde, verdankt sich sicher der gegenseitigen Reserve. Für den nötigen Fluß der Geschäftsbeziehungen musste lange der pont aeri sorgen, die Luftbrücke zwischen beiden Städten. Sie und der AVE allerdings überbrücken nicht nur die Distanz, sondern erhalten sie auch. Katalanische Geschäftsleute können noch spätabends auf die Muttererde zurückkehren, und viele tun dies mit demonstrativem Aufatmen, als hätten sie die Stadt des großen Unwohlseins hinter sich gelassen. Auch ich fühle mich in Barcelona wohler als in Madrid. Aber das hat eher steinerne Gründe. In Madrid tritt die Architektur tatsächlich viel hauptstädtischer und mit imperialerer Geste auf als in Barcelona. Diese Breitspurigkeit gefällt mir nicht. Da liegen mir die leisere Wucht der katalanischen Gotik und die Verrücktheiten des Modernisme, des katalanischen Jugendstils, näher. 450Jahre Hauptstadt-Pflichten sind eben nicht spurlos an Madrid vorbeigegangen. Der katalanische Philosoph Josep Ramoneda hat einmal die »Bürgerstadt Barcelona« dem »bürokratisch kontaminierten« Madrid gegenübergestellt und geschrieben: »Im Vergleich zur Staatsgewißheit, die in Madrid herrscht, zeichnet sich Barcelona eher durch ein Bürgerbewußtsein aus. Deshalb bringen sich die Barceloneser auch stärker ins Leben ihrer Stadt ein. Man könnte sagen, die Madrider wissen, daß die Stadt ihnen gehört, während die Barceloneser spüren wollen, daß sie ihnen gehört.«

Wenn Sie dieses Buch hinter sich haben, sollten Sie etwas mehr über die feinen Unterschiede zwischen Barcelona und dem Rest von Spanien wissen. Aber hoffentlich nicht nur das. Denn Barcelona ist groß genug, um auch jenseits der katalanischen Seele eine aufregende Stadt zu sein. Längst sind Menschen von überallher zugezogen und haben eigene kulturelle Bodenstationen eingerichtet. Das mag nicht unbedingt zum Erstarken des català beitragen, sorgt aber ständig für frischen Wind in der Stadt. Meine ersten 48Stunden in Barcelona habe ich zum Beispiel extrem unkatalanisch verbracht. Ich stellte meinen Koffer in der Wohnung einer argentinischen Bekannten unter, mitten in der Altstadt. Ihre japanische Freundin organisierte mir spontan eine kurzfristige Bleibe bei einem italienisch-marokkanischen Pärchen. Auf deren Dachterrassen-Party am nächsten Abend lernte ich, zwischen Häppchen von kolumbianischem und japanischem Essen, einen Australier kennen, der für das englischsprachige Blatt »Barcelona Business« arbeitete und von mir umgehend und auf unbestimmte Zeit als bester Freund besetzt wurde.

Er war kurz nach dem magnetischen Ereignis der jüngeren Stadtgeschichte zugezogen: nach den Olympischen Spielen 1992. Durch sie wurde Barcelona an die Modefront katapultiert und geriet in die erste Aufmerksamkeitslinie. Seitdem gilt die Stadt als hip. Und bis heute hat sie diesen wackeligen Status tapfer verteidigt. Auch wer noch nie da war, weiß wenigstens, daß er unbedingt einmal vorbeischauen sollte, und sei es nur für ein längeres Wochenende. So ging es mir selbst jahrelang. Ich hatte keine Ahnung, wie die Stadt wohl sein könnte. Aber von irgendwoher hatte ich doch den vagen Eindruck, sie müsse sehr cool und sehr schön sein. Und damals wußte ich noch rein gar nichts über die Ramblas, über Gaudí, den Modernisme oder das neumodische Design. Als ich schließlich ankam, Jahre später, waren viele andere schon vor mir dagewesen. Und manche, die schon sehr lange da waren, sagten: Ist voll geworden; früher gab es nicht so viele Touristen; die Stadt hat sich verändert. Da konnte ich nur begrenzt mitreden. Aber irgendwann habe ich mir gesagt: ist besser so. Die Nostalgie würde mir auch nichts nützen. Die Ciutat Vella, die Altstadt, ist jetzt das Sommerhalbjahr über gehörig gefüllt mit Besuchern. Was soll’s. Kein Grund zur Klage. Im Gegenteil. Denn vor der Generalmobilmachung für Olympia war die Altstadt grau und abgetakelt. Wer konnte, verließ das Viertel. Eine Schweizer Freundin kam bereits 1985 und empfand Barcelona damals als schmutzige, staubige Industriestadt. Erst ein Jahr später begann die langandauernde Image- und Restaurierungskampagne »Barcelona, posa’t guapa!« (Barcelona, mach dich schön!). Seinerzeit muß die Stadt den Aufruf bitter nötig gehabt haben. Heute ist sie gewaltig vorangekommen. Und die Touristen sind daran, im allerbesten Sinne, nicht unschuldig.

Mittagspausen für Ehebrecher

Auf den ersten Blick macht Barcelona sich ganz schön breit. Vor dem Landeanflug, während das Flugzeug eine letzte Schleife über dem Mittelmeer dreht, sieht man einen langen Streifen Stadt, hingestreckt zwischen dem Wasserspiegel und den Hügeln von Collserola. Aber das ist nicht einfach Barcelona. Der Panoramablick zeigt die katalanische Hauptstadt eingekeilt zwischen Hospitalet de Llobregat im Südwesten und Badalona im Nordosten.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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