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Paluten wagt gemeinsam mit seinem besten Freund Edgar, General Dieter und Iggi die Teilnahme an der TV Show »Inselkoller«. Mit dem Preisgeld wollen sie das teure Geburtstagsgeschenk von Professor Ente bezahlen. Doch dafür müssen sie mitten im wilden Dschungel von Schmadagaskar zunächst eine Reihe von Prüfungen bestehen — und dabei ist jeder von ihnen auf sich allein gestellt. Bald schon kommt Paluten aber ein übler Verdacht: Geht auf der Insel etwa nicht alles mit rechten Dingen zu?
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Seitenzahl: 216
Veröffentlichungsjahr: 2026
1. Auflage
© 2026 CE Community Editions GmbH
Weyerstraße 88–90
50676 Köln, Deutschland
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Umschlaggestaltung und Illustration: © Irina Zinner
Abbildung Autorenfoto: © Boris Lehfeld
Redaktion: Jana Bärenwaldt
Satz: Achim Münster, Overath
Gesetzt aus der DINPro und der Yearbook Solid.
Gesamtherstellung: CE Community Editions GmbH
ISBN 978-3-96096-497-1
www.community-editions.de
Cover
Impressum
Titelei
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Epilog
Anhang
Über die Autoren:
Paluten ist einer der erfolgreichsten YouTuber Deutschlands. Aus seinem Minecraft-Projekt FREEDOM entstand eine komplette Welt, die Millionen von Zuschauern begeisterte und einen Bestsellererfolg nach dem anderen feiert. In »Gegen die Wildnis Schmadagaskars« kehrt er in diese Welt zurück, um mit seinem besten Freund Edgar neue Abenteuer zu erleben!
Klaas Kern mag Raumschiffe, Segelschiffe und alle anderen Fortbewegungsmittel, die ihn zu fremden Orten bringen – auch Zeitmaschinen. In Minecraft ist er allerdings meist zu Fuß unterwegs, denn mit dem Pferd fällt man einfach zu oft in irgendwelche Schluchten. Wenn er nicht gerade durch FREEDOM wandert, dann lebt der freie Autor mit seinen Hunden in Hamburg und denkt über neue Abenteuer nach.
Über die Illustratorin:
Irina Zinner ist freiberufliche Illustratorin aus Hamburg und illustriert alles, was ihr zwischen die Finger kommt. Dazu gehören eigene Comicprojekte und Illustrationen, die sie auf Instagram veröffentlicht, aber auch Auftragsarbeiten für Buchverlage, Trickfilme und Adventure-Games.
Moin, Leute!
Herzlich willkommen zurück in der Welt von FREEDOM –
diesmal wird es so richtig wild!
Gemeinsam mit Edgar, General Dieter und Iggi nehme ich an einer Fernsehshow mitten im Dschungel von Schmadagaskar teil. Es gibt ein hohes Preisgeld zu gewinnen! Aber irgendwas stimmt mit dieser Insel nicht … Dem sollten wir gemeinsam auf den Grund gehen!
Euer Pdizzle aka Palle aka Patrick :)
Poch! Poch!
Alle Gespräche verstummten schlagartig.
»Da ist jemand an der Tür«, flüsterte Paluten. Edgar1 und seine Frau Claudia2, die mit ihm am Wohnzimmertisch der Schweinefamilie saßen, warfen sich einen nervösen Blick zu. Hinter ihnen schlug Edgar Junior3 hastig auf die Fernbedienung. Der Fernseher verstummte.
»Iggi4 guckt das!«, beschwerte sich Iggi, der Holzgolem. »Mach wieder laut.«
Die beiden Freunde lagen auf dem Sofa, zwischen ihnen eine große Schale mit Erdbeeren und Vanilleeis. Junior legte einen Huf an die Lippen. »Pssst!«
Palutens Hündin Sally5 hob den Kopf. Sie hatte neben dem Ferkel auf einem Kissen geschlafen.
»Selber pssst!« Iggi setzte sich auf. »Warum …« Er unterbrach sich, als ihm plötzlich ein Gedanke kam. »Ach so«, flüsterte er dann. »Es darf keiner wissen, dass wir uns hier treffen. Das ist eine Verwörung.«
»Verschwörung«, berichtigte ihn Junior ebenso leise.
Poch! Poch! Poch!
Das Klopfen wurde ungeduldiger.
»Was sollen wir jetzt tun?«, fragte Claudia.
Paluten hob die Schultern. »Die Tür aufmachen?«, schlug er vor. »Wer auch immer da draußen steht, sieht ja das Licht durch die Fenster.«
»Du hast recht.« Edgar glitt vom Stuhl und trabte aus dem Wohnzimmer in den Flur. Paluten hörte, wie er die Haustür öffnete. Junior, Iggi und Sally schoben vorsichtig den Kopf über das Rückenpolster des Sofas. Im Hintergrund jagte eine Zeichentrickkatze lautlos eine Zeichentrickmaus über den Bildschirm.
Einen Moment später kehrte Edgar zurück. »Wir sind aufgeflogen«, sagte er.
Junior, Sally und Iggi zogen blitzschnell den Kopf ein. Claudias Augen weiteten sich. Paluten wollte aufspringen, als er sah, wie sich ein dunkler Schatten an Edgar vorbeischob. Doch da marschierte bereits ein Huhn mit weißem Gefieder ins Wohnzimmer. Es trug eine rote Schirmmütze.
»General Dieter6?«, stieß Paluten überrascht hervor.
Das Huhn stemmte die Flügel in die Seiten und schüttelte den Kopf. »Natürlich. Habt ihr etwa geglaubt, eine Verschwörung mitten in Dorfd7 würde mir entgehen?«
Paluten zog die Schultern hoch und ließ sie dann kraftlos wieder fallen. »Jetzt, wo Sie es sagen …«, antwortete er. »Aber wir haben Sie aus gutem Grund nicht eingeweiht.«
Edgar schob einen Stuhl zurück, damit der General sich setzen konnte. »Wir wollten nicht, dass Sie Professor Ente8 etwas verheimlichen müssen. Er ist doch Ihr bester Freund.«
»Ah, dann liege ich also richtig mit meiner Vermutung.« Dieter flatterte auf den Stuhl. »Ihr trefft euch hier heimlich, weil ihr ein Geburtstagsgeschenk für den Professor plant.«
»So ist es«, sagte Claudia. »Wir sind allerdings noch nicht weit gekommen.«
Sie zeigte auf ein Blatt Papier, das an Edgars Platz lag. Darauf stand in Druckbuchstaben: GESCHENKEFÜRPROFESSORENTE. Abgesehen davon war das Blatt leer.
»Vielleicht haben Sie ja eine Idee«, fügte Paluten hinzu. »Sie kennen den Professor besser als wir.«
»Hm.« Dieter putzte sich nachdenklich mit dem Schnabel das Gefieder. »Hmm, hmm.«
Alle am Tisch beugten sich vor.
»Er hat da etwas erwähnt …«, sagte der General langsam.
Paluten und die anderen warteten gespannt, während er sich den Schnabel an einer Serviette abwischte.
»Wie hieß das noch gleich?«
»Mama, dürfen wir den Ton wieder anstellen?«, fragte Junior vom Sofa. Neben ihm hüpfte Iggi ungeduldig auf und ab. »Iggi will Ton!«
Claudia nickte geistesabwesend. »Ja, aber nicht so la…«
»Ton! Das ist es!«, unterbrach sie der General und schnippte mit dem Flügel. »Ente hat ein Instrument erwähnt, das er gerne hätte: einen Ionentonfrequenzgammamodulator.«
»Iiii…«, ertönte Iggis Stimme vom Sofa aus.
Alle am Tisch fuhren zu ihm herum. »Du weißt, was das ist?«, fragte Edgar verblüfft.
Iggi sah ihn über die Rückenlehne hinweg an. Als er bemerkte, dass die Erwachsenen ihn anstarrten, senkte er den Blick. »Iggi wollte Junior nur sagen, dass er nach dem I nichts mehr verstanden hat«, erklärte er kleinlaut.
Paluten konnte sehen, wie verlegen der kleine Holzgolem war. »Gut gemacht«, erwiderte er, um ihn aufzumuntern. »Ich habe nicht mal das I verstanden.«
Iggi und Junior kicherten und wandten sich wieder dem Fernseher zu.
»Ionentonfreq…« Claudia gab mitten im Wort auf. »Also dieses … Ding klingt sehr kompliziert.«
»Kompliziert heißt meistens teuer«, fügte General Dieter hinzu. »Ich fürchte, dass wir uns den Ionentonfrequenzgammamodulator nicht leisten können.«
Das Wort kam ihm so leicht über den Schnabel, als würde er es jeden Tag aussprechen. Paluten kratzte sich am Kopf. »Wenn Professor Ente das Gerät so gerne haben möchte, wäre das aber ein tolles Geschenk.«
»Wenn wir das Geld dafür hätten«, warf Edgar ein.
»Dann sollten wir versuchen, welches zu verdienen«, sagte Claudia. »Ich kann meine berühmten Zimtschnecken verkaufen.«
»Ich kann Bilder malen!«, rief Junior, ohne den Blick vom Fernseher abzuwenden. Die Zeichentrickserie war zu Ende. Jetzt lief Werbung für irgendein Urlaubsziel. Paluten sah einen weißen Sandstrand, blaues Meer und grüne Palmen.
Auf dem Sofa hob der kleine Holzgolem die Hand. »Iggi kann ein Haus bauen.«
»Eine Insel mitten im Meer!«, meldete sich nun auch eine Stimme aus dem Fernseher.
Sally bellte, als wollte sie sich ebenfalls am Geldsammeln beteiligen. Paluten grinste. »Du könntest als Spülhilfe arbeiten und Teller ablecken.«
»Nicht in meiner Küche!«, widersprach Claudia, lächelte dann aber: »Sie kann stattdessen gerne Juniors Zimmer aufräumen.«
»Das größte Abenteuereures Lebens erwartet euch!«, fuhr der Sprecher im Fernseher fort.
Das Wort »Abenteuer« lenkte Paluten von der Unterhaltung ab. »Lass mich da kurz zuhören«, bat er, als Edgar etwas sagen wollte. Nun drehten alle am Tisch den Kopf zum Bildschirm. Dort kreiste die Kamera immer noch über der tropischen Insel. Doch jetzt blitzten andere Bilder dazwischen auf. Ein Lagerfeuer unter einem sternenklaren Himmel. Ein Netz, das ins Meer geworfen wurde. Ein Unterstand aus Holz mit einem Dach aus Palmblättern. Begleitet wurde das alles von der Stimme des Sprechers.
»Vier Teilnehmer. Sieben Tage. Nur ihr und die Natur. Wer wird sich den Herausforderungen stellen? Wer wird die Prüfungen bestehen? Wer wird sich gegen alle anderen durchsetzen und den Riesengewinn kassieren?«
Paluten stand auf und trat näher an den Fernseher heran. Goldmünzen regneten immer lauter klimpernd auf die Insel herab, bis der ganze Bildschirm funkelte. »Inselkoller!«, brüllte die Stimme. »Die neue TV-Sensation! Bewirb dich jetzt!«
Eine zweite, leisere Stimme fügte rasch hinzu: »Teilnahme abachtzehn Jahren und auf eigene Gefahr.«
Paluten spürte das breite Grinsen, das sich auf seinem Gesicht zeigte. »Ich habe eine Idee.«
»O nein«, murmelte Edgar, der sich bereits denken konnte, was das zu bedeuten hatte.
»O doch«, erwiderte Paluten.
Das kleine Schwein seufzte. »Du wirst dich bewerben, richtig?«
Paluten schüttelte immer noch grinsend den Kopf. »Nein, Edgar. Wir werden uns bewerben. Wir alle.«
»Ich setze keinen Huf auf diese Insel!«, erklärte Claudia und schnaubte.
General Dieter hob einen Flügel. »Bevor wir den Plan ablehnen, sollten wir ihn uns erst einmal anhören.« Er nickte Paluten zu. »Bitte.«
»Der ist ziemlich einfach«, erklärte der Kürbiskopf. »Wenn ich mich allein bei Inselkoller bewerbe, haben wir nur eine Chance, genommen zu werden. Wenn Edgar sich auch bewirbt, gibt es schon eine zweite Chance …«
»… und mit jedem weiteren Bewerber kommt eine hinzu«, ergänzte Dieter. »Ein taktisch kluger Plan.«
»Danke«, sagte Paluten stolz. »Also, wer will sich bewerben?«
»Ich!«, rief Junior und sprang vom Sofa.
»O nein«, widersprach Claudia. »Du bist noch ein Ferkel und keine achtzehn Jahre alt. Du bleibst schön hier bei mir.«
»Ich will aber …«, nörgelte Junior.
Der kleine Holzgolem trat neben ihn. »Iggi will auch. Aber …« Er zögerte. »Ist Iggi schon achtzehn?«
Paluten runzelte die Stirn. Das war eine gute Frage. So ein Holzgolem konnte sehr alt werden, weil er ja aus Holz war. Iggi unterschied sich von einem normalen Golem nur durch den roten Energiekern in seiner Brust. Der schenkte ihm einen eigenen Willen und sorgte dafür, dass er reden konnte. Doch ob er den von Anfang an gehabt hatte, wusste niemand.
Vielleicht hat er hundert Jahre nur herumgestanden, bis er ihn bekam, dachte Paluten. Möglicherweise ist Iggi sogar älter als wir alle zusammen. Er sah Iggi an. »Möchtest du denn schon achtzehn sein?«
»Ja!« Der Holzgolem streckte die Arme in die Luft. »Iggi will auf die Insel!«
Als er sah, dass Junior neben ihm traurig den Kopf senkte, stupste Iggi seinen Freund an. »Iggi bringt Junior was Schönes mit.«
Das munterte das Ferkel auf. Es nickte und streichelte Sally. »Wenn Paluten genommen wird, kümmere ich mich um Sally. Und wenn du genommen wirst, passe ich auf dein Haus auf.«
»Und meine Steinsammlung«, bat Iggi.
»Na klar!«
»Ich hole Postkarten für die Bewerbungen«, sagte Edgar und sah sich kurz um. »Also eine für Paluten, eine für mich, eine für Iggi und …«
»Eine für mich.« General Dieter plusterte sich auf. »Ich lasse doch meine Truppe nicht im Stich.«
Er warf einen Blick auf die Uhr, die über dem Fernseher an der Wand hing. »Wenn wir uns beeilen, könnt ihr die Postkarten heute noch nach Schmalexandria bringen, bevor die Hauptpost schließt.«
»Gute Idee.« Edgar trabte aus dem Wohnzimmer. Paluten sah ihm nachdenklich hinterher. Es kam ihm seltsam vor, dass sein bester Freund sich nicht beschwerte. Normalerweise mochte er keine Abenteuer und schon gar keine Gefahren. Er streckte sich auch lieber in einem weichen, warmen Bett aus, als sich in den kalten, juckenden Sand auf einer Insel zu legen. Trotzdem kam er gerade mit den Postkarten zurück und fing an, seine eigene ganz entspannt auszufüllen.
»Merkwürdig«, murmelte Paluten.
»Was sagst du?«, fragte Edgar, während er seine Adresse auf die Postkarte schrieb.
Sein großer Freund winkte ab. »Nichts.«
Doch der Gedanke ließ ihn auf dem ganzen langen Weg nach Schmalexandria nicht los. Er beschäftigte ihn noch, als sie in der Schlange vor dem Postschalter standen.
Vor ihm stellte sich Edgar auf die Hinterläufe und wollte die vier Postkarten auf das kleine Tablett vor der Angestellten legen.
Er hat bestimmt eine falsche Adresse angegeben, dachte Paluten. »Moment«, sagte er und nahm die Karten rasch vom Tablett. Die Postmitarbeiterin runzelte die Stirn. »Ich muss nur kurz etwas nachsehen«, erklärte Paluten, während er Edgars Karte umdrehte. Am Suhlteich 1, Dorfd, Freedom, stand dort. Die Adresse stimmte.
Paluten legte die Karten zurück auf das Tablett und räusperte sich. »Alles in Ordnung.«
Ihm fiel auf, dass Edgar ihn von unten musterte, während er das Porto bezahlte. Doch sein bester Freund wartete, bis sie auf dem Rückweg waren, bevor er seine Frage stellte. »Du glaubst, dass ich dir was verheimliche, oder?«
»Ja, also das …« Paluten biss in die Karotte9, die er vom Wechselgeld gekauft hatte. »Du bist ja nicht so für Abenteuer. Deshalb verstehe ich nicht ganz, warum du die Bewerbung ausgefüllt hast. Ohne dich zu beschweren.«
Er hielt die Karotte dem kleinen Schwein hin. Edgar biss ein Stück ab. »Natürlich möchte ich ein tolles Geschenk für Professor Ente kaufen«, sagte er kauend. Paluten nickte. Das konnte er verstehen. »Aber hast du dich mal gefragt«, fuhr sein bester Freund fort, »wie viele Leute diese Werbung gesehen haben?«
Vor ihnen schlängelte sich der schmale Weg durch den Wald. Die Sonne ging gerade unter und tauchte die Bäume, Blätter und Sträucher in ein goldenes Licht.
Paluten nagte an dem orangen Gemüse. »Viele?«
»Genau.« Edgar sah ihn an. »Sehr viele. Inselkoller wird einen Riesensack Postkarten bekommen. Dass ausgerechnet unsere ausgewählt werden, ist sehr unwahrscheinlich. Deshalb bin ich so entspannt.«
Er öffnete auffordernd den Mund. Paluten hielt ihm wieder die Karotte hin. »Daran habe ich nicht gedacht«, gab er zu. »Dann brauchen wir einen Plan B für …«
»HALT!«
Eine schnatternde Stimme hallte durch den Wald. Paluten blieb überrascht stehen, als zwei weiße Gänse vor ihn und Edgar traten. Sie trugen blaue Uniformen mit goldenen Knöpfen und Namensschild. Die linke Gans hieß Polizeigans Knorte, die rechte Polizeiobergans Biggi.
»Waffe weg!«, forderte Biggi. Sie hatte einen goldenen Stern mehr am Kragen als Knorte.
Paluten schaute an sich herunter. Sein Schwert hing zu Hause im Schrank, und er hatte auch kein Taschenmesser dabei. Neben ihm sah Edgar vorsichtshalber sogar unter seinen Vorderhufen nach. Nichts. Keine Waffe. Nicht einmal eine spitze Tannennadel.
»Äh.« Paluten hob die Schultern. »Wir haben …«
»Waffe weg!«, wiederholte Biggi. Knorte klapperte drohend mit dem Schnabel.
Edgar hob die Augenbrauen. »Meint ihr etwa …«, setzte er an.
Paluten erkannte, was sein bester Freund vermutete. »… das hier?«
Er hob die Hand, in der er die Karotte hielt.
Die Augen der Gänse weiteten sich. Sie flatterten hoch, traten mit ihren breiten Füßen um sich und stießen mit den Schnäbeln nach den beiden Freunden. Die wichen rasch zurück.
»Das ist doch nur eine Karotte!«, rief Paluten, während er sich unter einem vorschießenden Schnabel duckte.
»Eine halbe Karotte!«, ergänzte Edgar und sprang hinter einen Baumstumpf.
»In den Händen von Ninjas wird sogar Gemüse zu einer Waffe«, verkündete Knorte.
»Wir sind keine Ninjas!«, stieß Paluten hervor.
Die beiden Gänse umkreisten ihn. »Genau das würde ein Ninja sagen«, antwortete Biggi schnatternd. »Denn Ninjas sind verschlagen, böse und schlau. Aber wir sind schlauer, richtig, Knorte?«
»Richtig, Biggi«, bestätigte die zweite Gans. Sie streckte stolz den Schnabel vor. »Polizeichefgans Skenjö hat die schlausten Polizeigänse des ganzen Gefängnisses für diesen Transport abgestellt. Ich weiß noch, was er gesagt hat.«
Biggi klapperte mit dem Schnabel. »Ich auch. ›Ich vertraue auf euch. Ihr dürft die Gefangenen keine Sekunde aus den Aug…‹«
Sie unterbrach sich und riss die Augen auf. »Die Gefangenen!«
Beide Gänse flatterten durch die Sträucher am Rand des Wegs. Einen Moment lang war die Luft erfüllt von ihrem panischen Schnattern. Dann wurde es still.
Edgar lugte vorsichtig hinter dem Baumstumpf hervor. »Was denn für Gefangene?«
Paluten grinste. »Keine Ahnung. Sehen wir nach.«
Er schob die angebissene Karotte wie ein Schwert in seinen Gürtel und verließ den Weg.
Paluten betrat eine Lichtung. Da stand ein großer Eisenkäfig auf vier Rädern. Der Ochse, der ihn zog, kaute mit halb geschlossenen Augen genüsslich auf Grashalmen und bunten Blumen herum. Dass die beiden Gänse um seinen Karren herumstolzierten, schien er nicht einmal zu bemerken.
»Hm«, machte Polizeiobergans Biggi gerade. Sie rüttelte mit einem Flügel an den Gitterstäben. »Alles soweit in Ordnung. Wie sieht’s bei dir aus, Knorte?«
»Auf den ersten Blick gut.« Die zweite Gans musterte prüfend die schweren Ketten und Vorhängeschlösser, mit denen die Käfigtür verschlossen war. »Ich glaube nicht, dass die Gefangenen versucht haben, zu fliehen.«
Hinter den Gitterstäben regte sich eine Gestalt. »Wenn wir fliehen wollten«, sagte eine Frauenstimme herablassend, »würden wir genau das tun. Wir würden es nicht nur versuchen.«
Eine Männerstimme kicherte. »Genau. Wir sind doch keine Anfänger.«
Die Gestalten traten an die Tür. Sonnenlicht fiel nun auf ihre Gesichter. Die Frau hatte kurze dunkle Haare, stechend blaue Augen und ein schmales Gesicht. Der Mann war rundlich und hatte eine Glatze.
»Das sind ja die Schmeinsteins«, rief Edgar. Die Gänse drehten überrascht den Kopf, als sie ihn hörten.
Der Kürbiskopf sah Edgar an. »Wer sind die Schmeinsteins?«
Bevor sein bester Freund antworten konnte, schnaubte die Frau im Käfig. »Willst du etwa behaupten, dass du noch nie von Doktor Valentina Schmeinstein gehört hast?«
»Und von Emil Schmeinstein?«, fügte der Mann hinzu.
Als Paluten mit den Schultern zuckte, seufzte Emil. »Wozu bin ich Superschurke geworden, wenn mich trotzdem niemand kennt?«, murmelte er. »Da hätte ich auch Mathelehrer bleiben können.«
»Ich kenne dich und deine Frau«, versicherte ihm Edgar höflich. »Ihr habt vor ein paar Jahren eine ganze Stadt hypnotisiert und alle Bewohner dazu gebracht, euch ihre Wertsachen zu geben.«
Valentina Schmeinstein lachte. »Das war meine Idee. Ich weiß noch, wie ich sagte: ›Emil, hast du …‹«
»RUHE!«, fuhr Biggi sie an. »Es ist den Gefangenen verboten, mit Ninjas zu reden. Paragraf 17 Absatz 4 der Gefängnisordnung.«
Emil musterte Paluten und Edgar einen Moment. »Das sind keine Ninjas«, sagte er.
»Woher willst du das wissen?«, fragte Knorte.
»Ninjas kann man nicht sehen.«
Paluten trat in die pralle Sonne, damit er besonders gut zu sehen war. Zweige knackten laut unter Edgars Hufen, als das kleine Schwein sich neben ihn stellte.
»Und man kann sie auch nicht hören«, ergänzte Emil.
»Das stimmt«, gab Knorte nachdenklich zu. »In der Polizeiausbildung wurde das ausdrücklich erwähnt.«
Biggi sah die beiden Freunde stirnrunzelnd an. »Wenn ihr keine Ninjas seid, warum wollt ihr die Superschurken befreien?«
»Wir wollen nach Hause«, erwiderte Edgar geduldig. »Mehr nicht.«
»Ach so.« Biggi plusterte sich auf. »Dann geht uns aus dem Weg. Dies ist eine wichtige polizeiliche Maßnahme.«
»Wir bringen die Schmeinsteins in ihr neues Gefängnis«, erklärte Knorte, der Biggis Auftreten etwas peinlich zu sein schien. »Es hat Fußbodenheizung und ist zu hundert Prozent ausbruchsicher.«
Valentina rieb sich die Hände. »Wir freuen uns auf die Herausforderung.«
Emil kicherte. »Und die warmen Füße.«
Paluten wusste nicht so recht, was er darauf antworten sollte. »Dann, äh, gute Reise und angenehmen … Aufenthalt?«
Biggi winkte herrisch mit dem Flügel. »Freundlicher Umgang mit den Gefangenen ist laut Paragraf 37 Absatz 19 der Gefängnisordnung nur an Sonntagen erlaubt.«
»Schon gut«, murmelte Paluten, während er und Edgar durch die Sträucher auf den Weg zurückkehrten. »Ich dachte, heute wäre Sonntag.«
Sie ließen die Gänse und ihre Gefangenen zurück. Biggi schnatterte hinter ihnen weiter von irgendwelchen Verordnungen. Als ihre Stimme leiser wurde, fragte Paluten: »Woher hast du gewusst, wer die Schmeinsteins sind?«
»Claudia hat diese Zeitschrift abonniert«, antwortete sein bester Freund, »Die irrsten Schurken und krassesten Verbrechen. Da gab es eine Sonderausgabe über Valentina und Emil.«
Paluten hob die Augenbrauen. »Ich hätte nicht gedacht, dass Claudia so was liest.«
»Sie will nur nichts Spannendes erleben«, erklärte Edgar. »Sie liest das gerne.« Er hielt kurz inne. »Ich mag beides nicht.«
»Aber gelesen hast du die Sonderausgabe über die Schmeinsteins trotzdem«, erwiderte Paluten. »Sonst hättest du ja nicht gewusst, was sie getan haben.«
Edgar räusperte sich und trabte rasch voran. »Das war ein Versehen.«
Paluten schmunzelte. Manchmal glaubte er, dass sein bester Freund Spannung und Aufregung eigentlich ganz gut fand – und das nur nicht zugeben wollte.
Aber er kommt immer mit, dachte der Kürbiskopf. Darüber war er sehr froh. Abenteuer ohne Freunde machten keinen Spaß.
Es war schon dunkel, als sie in Dorfd ankamen. Zwei Wachen standen schnarchend und auf ihren Speer gestützt am Tor. Sie wachten nicht einmal auf, als die beiden Freunde lautstark an ihnen vorbeistapften.
Paluten und Edgar lachten immer noch darüber, als sie an der Abzweigung zum Suhlteich stehen blieben.
»Was meinst du, wann die Postkarten bei Inselkoller ankommen?«, fragte Paluten.
»Vielleicht schon morgen.« Das kleine Schwein gähnte. »Aber mach dir keine großen Hoffnungen. Es wird bestimmt keiner von uns genommen.«
Paluten nickte.
Nur wenig später lag er in seinem Bett und starrte die Decke an. Er wusste, dass Edgar recht hatte. Es war höchst unwahrscheinlich, dass ausgerechnet sein Name aus Hunderten oder gar Tausenden gezogen werden würde. Und doch …
Er drehte sich seufzend auf die Seite. Sally winselte in ihrem Körbchen. Sie spürte, dass ihn etwas beschäftigte.
»Sei nicht enttäuscht«, murmelte er. »Sei nicht …«
KRRP-KRRP-KRRP
Lautes Knattern ließ Paluten hochschrecken. Morgenlicht fiel durch das Fenster. Sally stemmte die Vorderpfoten gegen die Scheibe und hechelte.
»Ein Schrubhauber!«, rief Iggi draußen aufgeregt.
Paluten sprang auf und lief zum Fenster. Dorfbewohner stolperten verschlafen und nur halb angezogen auf den Marktplatz. Über ihnen schwebte ein großer, knatternder Hubschrauber. Er war komplett schwarz, von den Kufen über den Rumpf bis zu den schnell kreisenden Rotorblättern. Licht brach sich in den getönten Scheiben.
Und in dem grellroten Schriftzug an der geschlossenen Tür: INSELKOLLER.
Palutens Herz schlug schneller.
»Inselkoller?!«
Edgar bremste so scharf ab, dass ihm seine Schlafmütze über die Augen rutschte. Claudia musste zur Seite springen, sonst wären sie zusammengestoßen.
»Fliegst du auf die Insel, Papa?«, fragte Junior. Sein blauer Schlafanzug, der mit Monden und Planeten bedruckt war, flatterte im Wind der Rotorblätter.
»Bloß nicht«, murmelte Edgar, während er die Mütze hochschob. Gelassen wirkte er überhaupt nicht mehr. Die Macher von Inselkoller hatten den Hubschrauber bestimmt nicht nach Dorfd geschickt, um ihnen zu sagen, dass leider keiner gewonnen hatte.
Iggi sprang zwischen Junior und Claudia auf und ab. »Insel! Insel!«
General Dieter trat neben Paluten. Als Einziger auf dem Platz wirkte er nicht wie frisch aus dem Schlaf gerissen.
»Eine überraschende Wendung«, sagte er, während der Hubschrauber vor ihnen aufsetzte. »Sie haben die Bewerbungen äußerst schnell ausgewertet.« Er sah sich kurz um. »Professor Ente hört hinter den dicken Mauern von Labor6910 wohl nichts. Zum Glück, denn ich könnte mir vorstellen, dass einer von uns sich verquatscht.«
Der General stierte mit zusammengekniffenen Augen zu Iggi, der nun mit ausgebreiteten Armen um Junior herumlief, als wäre er ein Flugzeug.
Paluten wollte antworten, doch da öffnete sich die Schiebetür an der Seite des Hubschraubers. Die Dorfbewohner rückten zusammen, um einen Blick ins Innere zu werfen. Abgesehen von zwei schwarz gepolsterten Bänken an der Vorder- und Rückseite war die Kabine leer.
Das Knattern brach ab. Die Rotorblätter drehten sich noch einen Moment weiter, dann wurden sie langsamer und hielten schließlich an. Damit legte sich auch der Wind, und es wurde ganz still.
Alle beugten sich neugierig vor. Edgar, seine Familie und Iggi gesellten sich zu Paluten und Dieter. Sally ließ sich von Claudia streicheln.
»Was passiert denn jetzt?«, wollte Junior wissen.
Ein lautes Surren antwortete ihm. Gleichzeitig schwang ein trichterförmiges schwarzes Gerät an einem Metallarm aus dem Hubschrauber.
Ein Megafon, erkannte Paluten.
Es knackte. Dann fiepte es so laut und durchdringend, dass sich fast alle auf dem Marktplatz die Ohren zuhielten. Nur Iggi lachte, als das Fiepen verstummte. »Das war toll!«, rief er. »Noch ma…«
»Ich bin die Stimme von Inselkoller!«, unterbrach ihn das Megafon. »Ihr dürft mich Agnes nennen. Alle, die sich für die Insel beworben haben, bitte vortreten.«
Paluten und seine Freunde machten einen Schritt nach vorn.
»Nach langer, sorgfältiger Beratung haben wir unsere Entscheidung gefällt«, fuhr Agnes fort.
»Lange? Sorgfältig?«, flüsterte Edgar. »Das waren doch nur ein paar Stunden.«
»Die Zeit war mehr als ausreichend«, erwiderte Agnes. Sie klang ein bisschen beleidigt. Erschrocken zog Edgar den Kopf ein. Iggi kicherte.
Nach einem Räuspern nahm Agnes den Faden wieder auf. »Es steht jetzt fest, wer auf der Insel um den gigantischen Jackpot spielen darf.«
Es wurde so still auf dem Marktplatz, dass Paluten Edgars Atem und das Rascheln von General Dieters Gefieder hören konnte. Er streckte die Hände aus. Edgar ergriff die linke mit seinem Huf, Iggi die rechte mit der Hand. General Dieter griff mit einem Flügel nach dem Holzgolem.
»Ausgewählt wurdeeeee…«, setzte Agnes an. Sie zog das e immer weiter in die Länge: »…eeeeeeeee…«
Und noch weiter.
»…eeeeeeee…«
Sie verstummte. Alle erstarrten. Die Tauben auf den Hausdächern beugten sich vor.
»Palut…!«
»Jaaaaaa!« Edgar umarmte seinen besten Freund erleichtert, noch bevor Agnes den Namen komplett ausgesprochen hatte. »Ich freue mich so für dich. Und für mich«, fügte er hinzu.
Iggi senkte den Blick. »Iggi freut sich auch für Paluten«, sagte er leise. »Aber nicht für sich.«
»Kopf hoch«, sagte Paluten aufmunternd. »Du findest bestimmt …«
Weiter kam er nicht. Im Megafon knackte es erneut.
»Ausgewählt wurde auch …«, rief Agnes über den Platz, »… Dieter!«
Der General nickte, als hätte er nichts anderes erwartet. »Eine nachvollziehbare Entscheidung«, sagte er, während er seine Schirmmütze geraderückte.
»Wir sind noch nicht fertig«, verkündete Agnes. »Ebenfalls auf die Insel fliegt Iggi!«
