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Die zerstörende, sexuell motivierte Leidenschaft für eine andere Frau lässt Christer zu gnadenlosen Methoden greifen, um aus der Ehe als Gewinner aussteigen zu können. Sandra muss privat und beruflich nach ihrer Scheidung neue Perspektiven prüfen und erreicht eine selbstbestimmte Freiheit in ihrem neuen Job mit Unterstützung eines souveränen Mannes, der ihre Schwierigkeiten und Phobien gelassen trägt. DAS GUTE AN DER EHE : MAN IST NIE ALLEIN; DAS SCHLECHTE AN DER EHE : MAN IST NIE ALLEIN.
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Seitenzahl: 180
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Diana Bendzko
Gegenverkehr
Ein moderner Ehekrimi
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
1. KAPITEL: ZU VIEL NÄHE, ZU WENIG NÄHE - UND DANN DAS ANDERE………
2. KAPITEL 4 JAHRE FRÜHER
3. KAPITEL ALLTAG
4. KAPITEL VERÄNDERUNGEN
5. KAPITEL VORSICHT und LEICHTSINN
6. KAPITEL San Francisco
7. KAPITEL Ablehnung und Faszination
8. KAPITEL Stand meiner Ehe
9. KAPITEL Nastjas Angriff
10. KAPITEL Anfang vom Ende
11. KAPITEL Besessenheit
12. KAPITEL FOLGEHANDUNGLEN
13. KAPITEL J o n a s
14. KAPITEL C h r i s t e r
15. KAPITEL W i d e r s t a n d m i t P l a n
16. KAPITEL D e z e m b e r
17. KAPITEL W e i h n a c h t e n
18. KAPITEL J a n u a r
19. KAPITEL E n d e J a n u a r
20. KAPITEL A n f a n g F e b r u a r
21. KAPITEL M i t t e F e b r u a r
22. KAPITEL E n d e F e b r u a r
23. KAPITEL A n f a n g M ä r z
24. KAPITEL M i t t e M ä r z
25. KAPITEL 3 J a h r e s p ä t e r i m M a i
26. KAPITEL A n f a n g J u n i
27. KAPITEL O k t o b e r
28. KAPITEL N o v e m b e r
Impressum neobooks
Da liegt er - mein Mann, mein Ehemann, den ich kennengelernt habe als smarten, charmanten Karrieremann, bei all seinem Ehrgeiz liebenswürdig und zuvorkommend, groß, blond mit starken blauen Augen und festen, nicht zu schmalen Lippen - Betreiber eines 3-stöckigen, exclusiven, hochtechnisierten Gesundheits- und Wellnessbetriebes in Berlins Edelgegend Dahlem - mit angeschlossenem medizinischen Zentrum. Mit seinen 35 Jahren und einem kaufmännischen Studium, ausgeprägtem Selbstwertgefühl und seiner sympathischen, kraftvollen Erscheinung unternehmerglaubwürdig und supererfolgreich.
Und hier liegt er jetzt vor mir - im Ehebett, im Tiefschlaf, die blonden Haare dunkel verschwitzt, verklebte Augen, aus dem offenen Mund läuft etwas Sabber, sein Po ragt irgendwie albern aus der Decke -
Es stinkt reichlich im Schlafzimmer trotz des leicht offenen Fensters - und ich steige mühsam und genervt aus dem Bett - auch ich sehe nicht gerade sexy aus - die langen blonden Haare hängen aus dem Haargummi, den ich mir, damit sie nachts nicht im Gesicht kleben, einzwirbele, das Gesicht mit den Cremeresten wirkt müde - irgendwie hängt alles, eine Straffheit muss erst wieder erarbeitet werden.
In der hübschen, kleinen Küche mit den futuristisch anmutenden hochtechnisierten Geräten mache ich mir den ersten starken Cappuccino - eine Zigarette wäre jetzt das Größte, aber ich habe mir das Rauchen seit einem halben Jahr verboten, immerhin halte ich bisher durch und habe mit eisernem Willen auch mein Gewicht gehalten - bei einem Gesundheitsfreak wie meinem Göttergatten eine Notwendigkeit - er kneift in mein kleinstes Pölsterchen und macht dann dämliche Bemerkungen, zumal er an seinem Astralkörper nicht die kleinste Unebenheit duldet.
Mit der Kaffeetasse in der Hand sehe ich müde aus dem Küchenfenster - wir wohnen nahe dem Wellnessbetrieb, nur fünf Gehminuten entfernt (er rennt natürlich immer!) in einer viel
zu teuren 3-Zimmerwohnung mit 2 Terrassen in einer Mehrfamilienvilla, der dazugehörige Garten ist per Mietvertrag nur zum Anschauen, dafür aber sehr gepflegt, die beiden anderen Mietparteien sind ziemlich alte - eher altbackene Leute, zu denen wir keine Beziehung aufbauen können , zu fremd ist das das junge Ehepaar mit seinen intensiven körperlichen Aktivitäten - das Wort Wellness kommt den Alten nicht über die Lippen!
Ich habe keine Lust - auf nichts, weder auf den Tag noch auf meinen Job - seit zwei Jahren arbeitete ich Seite an Seite mit meinem Mann, der den Betrieb unter großen Schwierigkeiten und mit Bankkrediten gegründet hat - der Kredit wird noch jahrelang abgezahlt und obwohl ich durch mein kaufmännisches Controlling in der Buchhaltung um die guten Umsätze weiß, drücken die fixen Kosten für Gewerbe- und Privatmieten, Technik, Personal, Steuern und Kredit jeden viel zu schnell vergehenden Monat aufs neue.
Das Küchenfenster geht zu dem perfekt gepflegten Garten hinaus, die erste Morgensonne versucht, meine undefinierbare Gereiztheit aufzulösen - es wird ein schöner Maitag werden, es ist eine so schöne Jahreszeit - alles könnte als schön empfunden werden, aber mein Mangel an Klarheit über mich selbst geht in ungerechte Aggressionen über -
Ich bin wirklich ungerecht, undankbar, alles klappt doch, ist im Griff, die Ehe verläuft gut bis zufriedenstellend - bei der täglichen Zusammenarbeit sind natürlich so einige Alltagsabnutzungen zu spüren - die man negieren sollte - Christer ist ein optisch guter und auch ansonsten passabler Ehemann - und ich sollte mit meinen 34 Jahren die Reife aufbringen, an meiner Zufriedenheit zu arbeiten. Verliebtsein gibt es nur als Geschenk der ersten Zeit -
Aber jetzt ist wieder das Unbehagen da, das ich schon als ganz junges Mädchen empfand - Als mir klar wurde, dass ein Mann mit dem Organ, mit dem er sich gerade auf der Toilette erleichtert hatte, in mich eindringen wollte - manchmal roch es noch etwas nach Urin - war mir die erste jungfräuliche Romantik vergangen - Vernunft musste eingesetzt werden, schließlich ist das alles menschlich und noch siegte die Neugier auf den überall euphemistisch-mysteriös propagierten Sex.
Auch mussten andere Dinge hingenommen werden: Mundgeruch, Essensreste zwischen den Zähnen, Körpergerüche und eben auch alle anderen „menschlichen“ Regungen, die beim Zusammenleben so auftauchen. Sicher auch bei mir, wobei ich stets bemüht war, meine ästhetische Empfindlichkeit zumindest bei mir selbst umzusetzen.
Unfassbar für mich, wie meine drei Partner vor Christer mit derartigen Emotionen umgegangen sind - bis hin zum Mangel an Hygiene - ich wurde zur Zicke und frigiden Frau gestempelt, weil mir bei Biergestank und Schweißgeruch die Lust vergangen war und die Herren nach reichlichem Fleischgenuss beim Dinner eine ziemlich laute Verdauung im Bad absonderten.
Geht das wirklich nur mir so? Oder spricht man nicht darüber? - Nimmt man es hin, gottergeben, duldet es? - Die erste totale körperliche Nähe, ganze Nächte eng aneinander gepresst, blind und taub und geruchsarm, wich dann der Ausrede „Du schnarchst“ , um sich auf die eigene Bettseite zu verziehen - dazu kommt dann auch noch der oft völlig blöde Gesichtsausdruck, den jeder Schlafende immer mal bieten kann.
Das ist alles nichts für Romantiker und Ästheten - menschlich hin oder her - hier gilt nur: wie kann ich damit umgehen?
Ich mache mir den zweiten Cappuccino - Christer würde jetzt mit maliziösem Gesichtsausdruck irgendwas von „koffeinabhängig“ (klingt nach hundertmal nicht mehr witzig) faseln - und bereite seinen von ihm als genial bezeichneten Wellness-Drink vor, den er sich vorher selbst mischt und im Tiefkühler aufbewahrt - die teure, raffiniert funktionierende Mikrowelle surrt leise für den Lebenstrank, ohne den er keinen Tag beginnt -
Und da kommt er schon in die Küche - frisch geduscht, im weißen Bademantel, die feuchten Haare reichen auf die Schultern, glänzende blaue Augen, die gebleachten schneeweissen Zähne blitzen fast noch mehr - und leider sieht er traumhaft aus - wie ein junger nordischer Gott (seine Mutter ist Norwegerin.)
„Morgen, Schatz, du siehst müde aus“ - sein flüchtiger Kuss auf meine noch nicht so frische Wange, zusammen mit dem banalen, nicht gerade aufbauenden Spruch, verstärkt meine Gereiztheit - bei ihm reicht eine Dusche und er hat bereits die selbstsichere Aura des Siegers - stark, authentisch, unempfindlich, eigentlich unsensibel bis hin zur ersten Stufe von Autismus - was in seiner Sandra so vor sich geht, hat er bei früheren vorsichtigen Andeutungen als „Frauchengehabe“ abgetan und ich würde auch nicht mehr davon anfangen.
Jetzt beginnt der allmorgendliche Rhythmus: er wird joggen, dann Frühstück auf der kleinen Terrasse, natürlich von mir streng nach seinen heiligen Anordnungen zubereitet - nur gesund auf bio - die Gespräche drehen sich nur um den Betrieb - die Dampfsauna hat schon wieder schlappgemacht, die neue Masseurin wird von den anderen 6 Masseurinnen gemobbt, er muss Wechselgeld besorgen - oder könnte sie das nicht machen? - er hat schließlich Termine mit Technikern und Handwerkern - irgendwas geht bei der komplizierten Schwimmbadtechnik immer kaputt - usw., usw….
Ihm scheint alles zu gefallen - sein Leben mit mir (wirklich?), seine vielfältigen Aktionen im Betrieb - er ist ein genialer Unternehmertyp - das ist nicht erlernbar, die nötigen Fachkenntnisse für einen Wellnessbetrieb, der hochentwickeltes, neuestes Technikverständnis, eigene Gastronomie, Massagebetrieb, elektronische Kassensysteme, ständig neue PR-Konzepte, Personalführung und Gästebetreuung bis hin zur gelungenen Kommunikation zu dem angeschlossenen Ärztezentrum beinhaltet, hat er sich scheinbar mühelos angeeignet.
Und ich führe sein Büro, vorrangig im Hauptcontrolling zusammen mit einer älteren Buchhalterin und einer jungen Praktikantin, den gesamten Schriftwechsel mit den zahlreichen Behörden, Lieferanten (um die zwanzig), dem Steuerberater, den 4 Banken und tausend Dingen mehr erledige ich lieber selbst und dazu kommen die permanenten Personalschwierigkeiten, die bei Aushilfskräften und Teilzeitmitarbeitern alltäglich sind. Auch die Gäste, besonders Stammgäste, wollen ständig irgendwas von mir - meckern oder monieren, einfach nur smalltalken oder der dauergenervte Koch von unserem kleinen Restaurant greint mir die Ohren voll wegen nicht einzuhaltender Kosten für …… ach, ich kann es oft nicht mehr hören -.
Ich habe Christer kennengelernt, als ich noch Model war - keins von der Handvoll Topmodels, die man aus Magazinen kennt - ich gehörte eher zu den dauer- und gutbeschäftigten Werbe- und Katalogmodels und hatte bei meiner früheren Agentur eine Superbookerin, die mir teilweise hochbezahlte Werbung bei L´loreal oder Fashiontourneen für angesagte Designer verschafft hatte.
Mit 17 wurde ich an einer Bushaltestelle von einer modelbookerin entdeckt und wenig später von der Hamburger Agentur „Fay“ unter Vertrag genommen. Meine Berufsausbildung zur Bankkauffrau habe ich trotzdem abgeschlossen und auch noch mehrere Jahre bei der Deutschen Bank in mehreren Abteilungen gearbeitet - langweilig, aber gediegen - und hatte damit eine gewisse Coolness gegenüber der unberechenbaren Modeltätigkeit - ob ein Casting erfolgreich war oder nicht - gegenüber den berufslosen, um jeden Job kämpfenden anderen Mädels hatte ich immer meine Bodenhaftung mit dem Ziel, mich später zur Fondsmanagerin der Bank ausbilden zu lassen.
Alles war ganz gut - ich war nicht unzufrieden, aber auch nicht happy - aber wer ist schon mit allem happy - auch an die Ehe glaubte ich nicht wirklich - meine Eltern gaben ein total abschreckendes Beispiel - an die große Liebe konnte ich nach meinen eigenen Erfahrungen auch nicht mehr glauben, aber irgendetwas musste doch wohl noch passieren!
Ich war fast dreißig und wurde bereits in meiner Agentur als „Seniormodel“ geführt. Mit nicht mal dreißig! - wie im Sport ist das bereits eine Altersära, in der man eben nicht mehr jung ist - also alt!
Mit fehlte aber immer die Zeit zum Grübeln oder depressiv werden -der Witz war, dass ich bei der Bank noch im Juniorsegment wäre - wäre, wenn ich dort geblieben wäre. Mein damaliger Vorgesetzter hatte mich bei meiner Kündigung gewarnt: Sie hätten bei uns gute Zukunftsaussichten - ich habe Sie für die Fortbildung zur Fondsmanagerin vorgeschlagen - Sie sollten sich genau überlegen, ob Sie bei uns wirklich aufhören wollen - wie lange können Sie denn noch als Model arbeiten - 4, 5 Jahre - und dann…..?
Seine negative Wertvorstellung bestärkte mich nur: ich wollte raus dem Büro-Gefängnis, reisen, jobben - frei sein - (als wenn man als Model wirklich frei wäre, man hatte nur mehr Freizeit - und das oft zu lange - ich musste später einsehen, dass das Auftragsbooking die Nerven anspannte - jeden Tag warten auf einen Anruf oder eine E-Mail von der Agentur, zu Castings in verschiedenen Städten anreisen - sehr oft vergeblich, stark bleiben bei Absagen - „Sie sind zu dick, zu dünn, zu alt, nicht typgeeignet usw. - ). Aber ich wollte es ja - damals - und war bescheuert genug zu verdrängen, dass ich nach ein paar Jahren Auszeit nicht einfach wieder an eine Bankkarriere anknüpfen könnte.
Und dann kam Christer!
Und er hat mich einfach umgehauen! Sein angstloser Optimismus, seine überbordende Kraft, fundamentiert durch sein Wirtschaftsstudium - sein Strahlecharme und nicht zuletzt ein nahezu blendendes Aussehen - und bei alldem hatte er nicht mal die übliche Bindungsphobie der jungen Erfolgreichen - eine Minorität unter den angebotenen Jungmännchen -
Ich sah keine Chance, mich gegen ihn zu wehren (obwohl das hier auch nur eine Ausrede für viele Ungereimtheiten bei mir war) - das Timing für eine richtige Beziehung stimmte bei ihm und bei mir - das booking für gute Aufträge stagnierte gerade auffällig, die Nachteile eines Modellebens habe ich in den Jahren gründlich erleben müssen - das Härteste war u.a. das militante Figurhalten - Größe 36 bei 177 cm Größe - und das galt schon bei mehreren Auftraggebern als zu dick - mehr und mehr waren die Größen 34 und 32! angesagt - kurz: ich hatte es satt ! - mein Leben verlief bis dahin wie von selbst - überall ergaben sich gute Aussichten - und jetzt sollte also ein Privatleben starten.
Privatleben??
Ohne es noch allein steuern zu können, war ich plötzlich im Riesenstress einer Unternehmerfrau eingebunden - und dazu in einer Beziehung mit einem Mann, um den mich das naive Umfeld zwar beneidete, den ich aber kaum kannte - in kürzester Zeit unterschrieb ich die Kredithaftung, die Bürgschaft für Gewerbemiete, wanderte wieder in ein „Bürogefängnis“ mit größerer Verantwortung als bei der Deutschen Bank (es geht ja jetzt um das eigene Geld) , den ganzen Tag ist multitasking mit Personal (und die kommen bei uns aus allen möglichen Ländern) , Gästen, Behörden und - nicht zuletzt mit meinem Mann - angesagt.
Christer ist für jeden und alles ansprechbar - nur bei mir setzt er alles voraus - will über nichts diskutieren - du machst das schon - zum Glück warst du ja nicht nur Model! Wesentliche Entscheidungen trifft er oft allein - besonders im technischen Bereich, bei dem die Kosten die Buchhaltung zu sprengen drohen - und trotzdem: seine Leichtigkeit, sein euphemistischer Umgang mit Problemen umzugehen, verliert sich in meinen kritischen Vorbehalten. Der „Macher“ ist schließlich er - ich gehöre irgendwie zum Personal, zum Inventar, auch zu ihm - natürlich - „du bist doch meine Frau, meine Partnerin, meine Geliebte….“
Geliebte??
Es ist alles wieder da - alles, was mich schon beim „ersten Mal“ gestört hat, behindert hat, bald nicht mehr auszuhalten war - die Gerüche, ja, die nicht immer wirklich angenehmen Gerüche des anderen, die Feuchtigkeit, fremde Körperflüssigkeiten, die Vereinnahmung meines Körpers, auch wenn ich dafür nicht in Stimmung war, nur damit er Ruhe gibt, das Bemühen, dies alles nicht zu zeigen, die Rolle der Sexy-Ehefrau auszuspielen, das Müdesein nach einem langen Tag - verdeckt mit Make-up und anderem, zeitaufwendigen Styling.
Und Christer ist trotz seines ebenso langen Tages trotzdem freier - mein perfektes Styling braucht zusätzlich eine Menge Zeit - während er nach einer Dusche und Zähneputzen im Bett auf mich wartet, muss ich tausend Dinge im Bad tun, um gut duftend, abgeschminkt und trotz nötiger Nachtcreme versuchen, appetitlich auszusehen, die langen Haare hübsch zusammengebunden, in eines ihrer engen, reizvollen Nachthemdchen gehüllt, auf Hauspantöffelchen mit Absatz zu ihm staksen und die Verführerin oder Verführte geben….
So will er es - und so kennt er es von anderen vor mir. - Nur, dass die vor mir sich immer mal in ihr eigenes Zuhause zurückziehen konnten und dort wahrscheinlich im T-Shirt und ohne jeden anderen Aufwand ins Bett werfen konnten - ohne zu wissen, wie herrlich diese Freiheit ist - ein eigenes Bett im eigenen Zimmer - danach sehnt man sich erst, wenn dem nicht mehr so ist - mal ehrlich …??!!
Und ich will nach 3 Jahren Ehe endlich wieder mein eigenes Bett in einem eigenen Zimmer! Nicht, dass ich Christer nicht mehr mag - ich bin nur nicht mehr verliebt, es wird anstrengend, so vieles will ich nicht mehr sehen, riechen oder ertragen!
Wäre es wieder spannender, wenn er mich in „meinem“ Zimmer besucht oder ich ihn in „seinem“? und, wenn sich einer mal unwohl fühlt oder Grippe hat oder sonst irgendwelche Befindlichkeiten, lässt man sich einfach mal in Ruhe und erholt sich?
Wie gehen die anderen Ehefrauen damit um, auch wenn sich sicher nicht alle die Mühe geben, die ich mir antue, die viel gelassener damit umgehen, alles natürlich finden - und die jungen Mütter, die schon gar nicht die Zeit für all diese Gedanken und Bemühungen haben?
Stumpft man auf lange Sicht ab? - ehrlich oder unehrlich - man bekommt selten oder nie eine ehrliche Auskunft, wichtig ist nur, dass s i e verheiratet ist, dann aber eventuell aus finanziellen Gründen oder wegen der Kinder nicht mehr aussteigen kann - und nur im Glücksfall bleibt eine Verliebtheit , die aber bei Wegfall der Vernunft untergeordnet wird.
Und ich will mein eigenes Bett - und zwar schnellstens! Wir haben drei Zimmer, wir können 2 Schlafzimmer und ein Wohnbüro daraus machen - wir haben noch kein Kind, unsere Ehe ist nicht wirklich stabil - auch Christer wird doch ab und zu einen kurzen Gedanken dieser Art - heimlich - zulassen - oder doch nicht?
Ich kann ihn einfach nicht wirklich einschätzen - wie tief er tickt, ob es eine wirkliche Tiefe bei ihm überhaupt gibt - auch unsere Ehe hat noch keine Tiefe, falls die je kommen sollte,
Alles untersteht dem Unternehmen, das nicht wirklich stabil ist - in dem ich mich gefangen, beengt und in der Verbindung mit der bei mir wieder aufgekommenen ästhetisch bedingten Sex –Phobie (die hoffentlich schnell wieder verschwindet) mein Gleichgewicht empfindlich stört.
Und ich fürchte die sich daraus entwickelnde Eigendynamik.
„Wir müssen unbedingt ein neues Kühlsystem für die Bierfässer bestellen - und wir müssen den Dampfgenerator austauschen“ - Christer teilt dies wie immer locker mit, als ginge es hier nicht um etwa 8.000 Euros - Ausgaben, die die Gäste nie zur Kenntnis nahmen, da diese „unterirdisch“ waren, eben hinter den Kulissen - Gäste sehen nur das „Make-up“ der äußeren Ausstattung - viel Chrom, elegantes Mobiliar, gute Küche, freundliches Personal, Sauberkeit aller Bereiche - dass die Technik ständige Kosten verschlingt, will niemand hören -
„Können wir nicht damit noch warten? - ich habe jede Menge offene Rechnungen….“
O Gott, wie ich diese „Frühstücksgespräche“ hasste! Immer die Firma, dies und das - nie über andere Dinge, die die Welt auch noch zu bieten hatte, geschweige über unsere Ehe oder Gefühle - ja, spontan einfach mal über seine oder meine Gefühle zu reden - es scheint unmöglich zu sein…
Er tätschelt lässig meine Wange - „das schaffen wir schon - hast du Lust auf einen kleinen Quickie? Komm, Süße, ganz schnell, dann fühlen wir uns gleich besser…“
Und wieder o Gott! - aus dem Nichts heraus soll ich Lust auf ihn bzw. einen kleinen „Quickie“ haben? Er fummelt recht liebevoll an meinem Busen herum (als wenn man dann lustvoll wäre) und packt mich Richtung Wohnzimmer, drängt mich ebenso liebevoll wie aber auch bestimmend auf den Teppich, um mit geübtem Griff meinen Bademantel zu öffnen und ebenso geübt in mich einzudringen - nicht gewaltsam – nein - aber irgendwie doch das Übliche - er will es, ich spiele mit, es ist nicht wirklich unangenehm - er riecht noch nach Zahnpasta, Duschgel und frischem leichten Schweiß (also ist er auch nicht gerade in Ekstase - wann war er eigentlich bei mir noch in erotischer Ekstase?), um dann nach kurzem Tätscheln und „ist doch immer wieder gut mit uns“ im Bad zu verschwinden.
Der Sex-Alltag - so kann er also nach 3 Jahren Ehe sein - die ständige Verfügbarkeit eliminiert die Spannung, die Anspannung - da nutzt auch keine Hobbyphilosophie - so ist es nun mal - finde dich damit ab, Mädel - es funktioniert doch, er scheint doch recht zufrieden (woher weiß ich das wirklich?), seine wirklichen Vorstellungen von einem ihn wirklich befriedigenden Sexleben könnte ich nicht benennen -
Zu Anfang klappte einfach alles - ich war sogar zu Handlungen fähig, die ich heute nicht mehr liefern könnte, ohne mich zu zwingen - und ich zwinge mich nicht dazu! - damit muss er leben! - kein Oralsex mehr - die dauerintime Situation sämtlicher seiner persönlichen Einzelheiten hat mir die Lust genommen - wenn ich allein schon sehe, wie er zigmal am Tag mit Zahnseide völlig ungeniert an seinen Zähnen fummelt! - kann er das nicht allein im Bad erledigen? - und dann - wie blöde er dabei wirkt, wenn er vor dem Weggehen am Flurspiegel den Kopf hebt, in seine Nasenlöcher starrt und ein eventuelles Fitzelchen entsorgt - ich muss dann immer wegsehen …..
Dieser Alltagskram sollte mich doch wirklich nicht stören - aber es ist so und es gibt noch zig weitere Einzelheiten, die ich verdrängen muss,
gefakter Orgasmus ist nun fast normal bei mir - und ausgefallene „gymnastische Stellungen“ finden zwischen uns auch nur noch selten statt - zu spät, zu müde, zu viel gegessen, die Ausreden werden immer banaler - gesprochen wird darüber nicht - es wäre zu gefährlich.
*Cora ist seit vielen Jahren meine wirklich tolle Freundin aus meiner Bankerzeit - sie ist jetzt dreißig, blond und schlank trotz Kind und sehr dickem Ehemann, den sie als Auszubildende bei der Deutschen Bank kennengelernt hat und seit 11 Jahren ihn und n u r ihn hatte - „nie! Und das kann ich schwören - hatte ich jemals einen anderen!“
Ihr Mann Frank ist Jurist und leitet inzwischen die Rechtsabteilung der Zentrale Berlin - wuchtig und schwergewichtig, immer ein wenig schwitzend, aber wirklich sympathisch und ein liebevoller Ehemann und Vater, der seine knappe Freizeit wirklich nur mit seiner kleinen (ehrlich gesagt pummligen) Tochter und seiner von ihm fast angebeteten Cora verbringt.
Und mit Cora kann ich auch nicht über meine ästhetischen Vorbehalte sprechen - wie auch: sie liegt mit einem dicken, schwitzenden Mann im Bett und klagt nie über derartiges - sie genießt ihr Ehe- und Mutterleben - und schweigt …..
