Geh, trag uns ein Gedicht vor! - Raumichel - E-Book

Geh, trag uns ein Gedicht vor! E-Book

Raumichel

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Beschreibung

180 humorvolle Gedichte zu witzigen Geschehnissen, die zum Schmunzeln anregen und sich gut zum Vortragen in geselliger Runde eignen. Ein gutes Dutzend davon in bayerischer Mundart (mit "Übersetzungshilfen"), knappe 50 mit passenden Zeichnungen garniert. Den Abschluss bilden ein paar Gedichte zu runden Geburtstagen sowie eines mit besinnlichem Inhalt.

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Seitenzahl: 207

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Inhalt

Vorwort zur 1. Auflage

Vorwort zur 2. Auflage

Alles Schwindel

Altersunterschied

Am Krankenbett

Lohndumping

Rasche Erhörung

Geldverleih

Die D-Mark im Himmel

Ernsthafte Drohung

Bankgeschäfte

Andere Sichtweise

Das Telefongespräch

Blickfang

Der Nägelkauer

Frühreif

Der Krochan-Hans

Kein Grund zur Klage

Das Horoskop

Der Basstrompeter

Bettlerehre

Das erste Kind

Bitte nicht ignorieren

Die G’schicht von der Goaß

Der gute Name

Moderne Kunst

Finanzielle Schwächen

Grabesworte

Junggesellenträume

Jobsuche

Eine Flasche erzählt

Verwechslung

Schlechte Aussichten

Das Zeugnis

Pisa lässt grüßen

Mäusestärken

Knappe Zeit

Vergebliches Bemühen

Unmögliche Organe

Das Hitlerbild

Pilzsammlerinnen

Mutterpflichten

Verkaufsrezept

Vaterglück

Das Picknick

Nicht nur Drinks

Ungünstige Wohnlage

Der Geburtsfehler

Schwindelgefühle

Aber sonst fehlt nix

Retourkutsche

Der Drängler

Der Besuch der Schulrätin

Der Fußballmeister

Gestörte Nachtruhe

Albtraum im Hotel

Die Wahrsagerin

Wie ’s Bier auf den Markt kam

Das Diktat

Ein Platz am Busen

Schnarchkonzert

Kleiderkauf

Das kleine Ferkel

Die Entkleidung

Vergebliche Drohung

Der Vortrag

Der Gnadenhochzeiter

Der Dorftrottel

Fuchsjagd

Reicht nicht

Abschreckendes Beispiel

Das Schlaflied

Der Hax mus weg

Kriegsschulden

Nicht peinlich

Namensfindung

Schweigekloster

Selbstmordgedanken

Warum auch nicht

Der Scheidungsgrund

Der Krimi

Berufe

Beichtfreuden

Einmal reicht

Studentischer Einsatz

Friedhofsprobleme

Arzturlaub

Berechtigte Kritik

Das Geburtstagsgeschenk

Der Liftzauber

Klare Entscheidung

Meinung revidiert

Der Schwarzfischer

Nettes Angebot

Weckproblem

Die Empfehlung

Feigheit

Die Kurzgeschichte

Kunstverständnis

Die freie Rede

Krumme Beine

Schlossfreuden

Geänderte Interessenslage

Vom Dreschen

Zielvorstellung

Kindersorgen

Fallschirmsprung

Im Friedhof

Glückliche Zeit

Umbescholten

Die Scheidung

Die Perlenkette

Bettlersorgen

Die Macht der Hypnose

Unbrauchbarer Tipp

Überforderung

Der Schwänzer

Konzerterlebnis

Verkehrsdelikt anno dazumal

Nicht schuldig

Der Friseurlehrling

Das Drama in der Grube

Paradox

Geraubte Unschuld

Unnötige Wallfahrt

Zeitenlehre

Falsche Reaktion

Der Milchmann

Verschwundenes Echo

Sozialkundetest

Dampfnudeln

Die Einladung

Vergessene Beerdigung

Trennung

Schwierige Entscheidung

Vorbild

Noch eine Sammlung

Berechtigte Frage

Bitte zwei

Die Bestellung

Der Unterschied

Der Ausgleich

FKK-Moral

Ein merkwürdiges Geschenk

Die Jungfrau

Mitleid

Peinlicher Irrtum

Spätheimkehrer

Schuhkauf

Urwaldtrip

Zu klein

Sammler unterwegs

Wirtshaussorgen

Die Abkürzung

Hundekauf

Der besondere Kaufwunsch

Geiz

Das Boot

Elektrizitätslehre

Chefsache

Operation

Sehr hilfreich

Schottenliebe

Jeder mit Knall

Unerlaubtes Spielzeug

Alter Bekantter

Der Sitzplatz

Leistungsanforderung

Waldspaziergang

Chancenlos

Menüprobleme

Vaterschaft

Zweihundert Euro

Treulos

Unnötige Sorge

Kondolenzgeflüster

Zweifehlhaftes Glück

Zum 60. Geburtstag

Zum 70. Geburtstag

Zum 80. Geburtstag

Zum Geburtstag Krims-Krams verschenken

Der Mensch und sein Wahn

Vorwort zur 1. Auflage

„Geh, trag uns ein Gedicht vor!“ Mit Aufforderungen dieser oder ähnlicher Art ging das irgendwann mal los. Meine ersten Gedichte waren natürlich „geliehen“, in geselliger Runde von irgend jemand mal aufgeschnappt, also noch keine selbst gestrickten. Ja, und wenn man so was mal anfängt, dann entsteht da ganz von alleine mit der Zeit eine Erwartungshaltung so nach dem Motto „Na, wie schaut’s mit ’nem neuen Gedicht aus?“ Ganz allmählich kam dann der Gedanke auf: Das könntest du doch selber auch mal probieren!

Mütterlicherseits was ich ja durchaus vorbelastet. Bei allen möglichen Anlässen, von Taufen bis zu Beerdigungen, kamen Verwandte und Bekannte zu ihr und wollten mit den Worten „Ich kann das selber nicht“ das, was man bei solchen Gelegenheiten halt zu sagen hat, in gereimter Form bekommen. Alles für ein „Vergelt’s Gott“ oder auch mal ein paar Blumen versteht sich. Meine Mutter dichtete übrigens, wenn nebenbei das Radio lief oder Leute sich lautstark unterhielten; also ich brauch da schon meine Ruhe und Konzentration. Das muss aber beileibe nicht immer die übliche Schreibsituation sein. Etliche meiner Gedichte entstanden z. B. während des Radfahrens auf verkehrsarmen Straßen oder Radwegen. Dabei durfte ich aber nicht in Eile sein; denn zwischendrin brauchte ich immer wieder Zeit, um abzusteigen und das Gereimte aufzustenographieren. Ja und so kam ein Gedicht zum anderen. Witze, lustige Geschichten, teilweise auch wahre Begebenheiten dienten als Ausgangsmaterial.

Es sind auch ein paar bayerische Mundartgedichte dabei, die ich aber meinen nicht-bayerischen Lesern zuliebe mit „Übersetzungshilfen“ versehen habe. Wenn sie jemand vorträgt, der des Dialekts nicht mächtig ist, kann das auch ganz amüsant werden. Im übrigen hab ich bei diesen paar Gedichten auf die Originalaussprache weitgehend verzichtet, z. B. nicht „koid – Woid“ sondern „kalt – Wald“. Für die Allgemeinheit und auch für viele Bayern wird der Text so leichter verständlich und der echte Bayer kann so ein Gedicht sicher vom Blatt weg mühelos ins Bayerische übertragen; genauso wie z. B. ein waschechter Hamburger dir einen entsprechenden Text locker auf Plattdeutsch vorträgt. Also ich hab mir gedacht: Ein bisschen „Fremdsprachenunterricht“ darf bei der Gelegenheit schon sein.

Als besonderer Glücksfall erwies sich, dass eine so talentierte Zeichnerin wie die Ursula Zangenfeind spontan in das „Geschäft“ mit eingestiegen ist. Hie und da eine nette Illustration verstärken, so hoffe ich, das Schmunzeln, das Sie beim Lesen überkommt und lockern das Aussehen des Gedichtbändchens etwas auf.

Mein besonderer Dank gilt an dieser Stelle meiner Frau, auch Verwandten, Bekannten und Freunden, die mich in meinem Vorhaben immer wieder ermuntert und bestärkt und teilweise schon im Vorfeld ihr Kaufinteresse bekundet haben. Allen meinen Lesern wünsche ich nun viel Spaß beim Durchstöbern der Gedichte und, wenn es sich – wie ich hoffe oft – so ergibt, den verdienten Applaus nach einem gekonnten Vortrag.

Raumichel

Vorwort zur 2. Auflage

Beim Druck dieses 1. Bandes mit zunächst 66 Gedichten hatte ich schon in etwa die gleiche Anzahl für einen 2. Band parat. Dieses erste Bändchen kam zwar im Verwandten-, Bekannten- und Freundeskreis sehr gut an, meine Vorstellung, das nun über den Buchhandel publik machen zu können und so den Verkauf etwas anzukurbeln, erwies sich allerdings als trügerisch. Nachdem bei diesem Verfahren, nämlich "Druck auf Anforderung" mangels geeigneter Marketing-Strategie die Nachfrage weitgehend ausblieb, erwies sich eine weitere Zusammenarbeit mit dem Verlag als nicht mehr zweckmäßig.

Der weitere Druck dieses 2005 erschienenen Bandes wurde somit nach zwei bis drei Jahren eingestellt. Trotz dieser nicht geplanten Entwicklung ließ sich der "Poet in mir" von weiterem Verse-Schmieden nicht abhalten, so dass sich in Lauf der weiteren Jahre die Zahl aller Gedichte auf 180 erhöhte. Irgendwie ist ja 180 auch eine besondere Zahl: Die Hälfte vom 360° Vollwinkel, man spricht von einer Kehrtwendung um 180° (siehe auch Gedicht „Meinung revidiert“!) usw. Da ja dieser 1. Band nicht mehr verfügbar ist, habe ich diese 66 Gedichte nun mit den weiteren Gedichten bunt gemischt zu einer neuen Ausgabe zusammengestellt. Der Umfang der einzelnen Gedichte reicht vom 6-Zeiler bis zu einem mit 264 Zeilen. Etwa ein gutes Dutzend aller Gedichte sind im Bayerischen Dialekt verfasst, aber - wie schon erwähnt - mit "Übersetzungshilfen" in Form von Fußnoten versehen.

An etlichen Stellen – wo es der Reim nicht erfordert - wird auf eine dialektgetreue Wiedergabe (z.B. „des konnst dir denga“) zugunsten des Hochdeutschen („das kannst dir denken“) verzichtet. In Fällen, wo die Abweichung vom Hochdeutschen nur geringfügig ist, habe ich - in der Annahme, dass es da kein Verständnis-Problem geben wird - auf eine Fußnote verzichtet. Eine Anregung noch zu diesen Dialekt-Gedichten: Wer das eine oder andere besonders gut findet und es ganz wo anders vortragen will, könnte ja durchaus versuchen, das vorher ins Plattdeutsche, Sächsische,. Schwäbische etc. umzuschreiben.

Mit Ausnahme der letzten Gedichte geht es auch in dieser Neuauflage immer um Humor, verpackt in witzigen Begebenheiten, die zum Schmunzeln anregen sollen. Bei vielen Gedichten oder auch nur Versen werden ja meist - sagen wir mal - etwas merkwürdige menschliche Eigenheiten auf die Schippe genommen. Wenn jemand dann merkt, dass sein eigenes Verhalten dem manchmal bedenklich nahe kommt und dann selbstkritisch über sich selbst nachdenkt, wäre das ein ganz toller Nebeneffekt dieser Lektüre. Unter den letzten Einträgen sind drei bzw. vier Gedichte für runde Geburtstage dabei, die evtl. etwas abgeändert, bei entsprechenden Anlässen dann vorgetragen werden können. Das letzte Gedicht fällt deutlich aus dem üblichen Rahmen; es soll nicht zum Frohsinn, sondern zum Nachdenken anregen.

Raumichel

Alles Schwindel

Die Mierl schaut sich im Spiegel an

und was sie sieht, nicht wahr sein kann.

“Da kannst ja auch ’nen Schund nur kriegen

Man sieht, wie Apotheker lügen

und auch halt nur mit Wasser kochen.

Ich trink den Brusttee jetzt fünf Wochen.

All’s ist umsonst. Das Geld verlor’n.

Sie ist einfach nicht größer word’n.“

Altersunterschied

Beim Zwirner Franz da geht’s hoch her;

denn schließlich wurd’ geerbt ganz schwer.

Am Konto drauf jetzt fünf Millionen.

Im feinsten Viertel kann er wohnen

und kann sich jetzt gar vieles leisten;

doch geht’s ihm so halt wie den meisten,

die mit Geld so eingedeckt:

Das Glück ist trotzdem nicht perfekt.

Was ihm noch fehlt, er weiß genau.

Paar Häuser weiter wohnt ’ne Frau.

So fünfundzwanzig wird sie sein.

Und wie er weiß, auch noch zu frei’n.

In sie, da ist er schwer verliebt.

Doch hier nun ein Problem es gibt:

Er geht schon auf die sechzig zu.

Wie stell ich’s an? ’S lässt ihm nicht Ruh.

Wenn ich sie demnächst lade ein,

soll ich beim Alter ehrlich sein?

Ganz sicher wird sie’s wissen wollen.

Und dann wird’s sagen „Kannst dich trollen!“

Ich glaub, ich hol mir Rat beim Fred.

Mein Freund von Frauen was versteht.

Ich weiß, ihn kann ich alles fragen.

“Nun, Fred, was würdest dazu sagen?

Glaub mir, die Frau ist erste Sahne.

Jetzt hör mal zu, was ich da plane:

Wenn vierzig ich als Alter nenne -

so wie ich die Frauen kenne -

würd sie sich da weit mehr versprechen,

nicht denken gleich an Altersschwächen.

“Mach das bloß nicht! Wär grundverkehrt!

Was and’res die Erfahrung lehrt.

Das wär der Anfang von viel Leiden.

Den Fehler gilt es zu vermeiden.

Der Anreiz hielte sich in Maßen,

drum reeller sind die Chancen

und überhaupt viel besser macht sich’s,

wenn du ihr sagst, du wärest achtzig.“

Am Krankenbett

“Nun ja, den Puls, den hätten wir.

Die Temp’ratur, die steht schon hier.

Jetzt zeigenS’ gleich einmal die Zunge,

dann klopfen wir noch ab die Lunge.“

Und wie er nun so klopft und misst,

im Zimmer es ganz leise ist.

Obwohl da acht, neun Leute stehen.

Denn keiner will da übersehen,

wie es um den Bankier so steht,

wo er schon an die neunzig geht.

Bei jedem Anschein nur von Sterben

sind sie gleich alle da, die Erben.

Der vorderste schaut ganz betroffen:

“Wie ist es, Doktor, kann man hoffen?“

Der schüttelt langsam nur sein Haupt:

“Es irrt sich jeder, der da glaubt,

dass es da sehr viel Hoffnung gibt.“

Den Akt er nun beiseite schiebt

und schaut sie alle prüfend an,

ob man die Freud’ verbergen kann.

Er kennt sie ja, nicht erst seit heute.

Dann fährt er fort: „Nun, liebe Leute,

auch diesmal es bestimmt nicht reicht;

denn die Erkältung ist ganz leicht.“

Lohndumping

„Was Sie mir zahlen da als Lohn -

verzeihenS’ schon – das ist ein Hohn.

Wollt’ heiraten ja gern noch heuer:

Hab keine Chanc’, ist viel zu teuer.

Familie gründen – ganz zu schweigen.

Wie soll das gehen? Bitte zeigen!“

“Nun ja, Sie hab’n ja durchaus recht.

Die Konjunktur läuft halt noch schlecht.

’S ist traurig, doch so sind die Sachen:

Nix heiraten, nix Kinder machen.

Das alles ist da nicht mehr drin.

Und trotzdem überzeugt ich bin -

das schreib’nS ’ mal in Ihr Stammbuch rein -

Sie werd’n mir mal noch dankbar sein.“

Rasche Erhörung

Der Hiasl schimpft: „Ja Kruzinäsen,

jetzt spring doch endlich an, du Chaissen!“

Ganz wild er noch mal einetrett, 1

doch mit dem Schnauferl is’ a Gfrett. 2

Der Kübel springt einfach net o. 3

A halbe Stund schon is er dro.

“Jetzt konnst mich nachher kreuzweis lecken,

du Mistkarrn sollst doch ganz verrecken!

Ich drisch di jetzt no z’amm 4 am End.

Ze fix noch mal, Kreuz Sakrament!“

In seiner Wut er nicht gleich spannt, 5

auf seiner Schulter liegt a Hand.

Er dreht sich um und wird ganz blass

“Herr Hochwürden, des is koa 6 Spass!

Mi so erschrecken, Teife, Teife!“ 7

Der wird di hol’n, da gibt’s koan Zweife,

wenn du so fluchst, dass is a Schand -

ja, das versprich i dir in d’Hand -

mit solche Ausdrück, solche groben!

Versuch’s doch mal mit Hilf von oben!

Mit Gottes Hilf sind wir zu dritt.

Wie wär’s denn mal mit dieser Bitt:

’Herrgott, weil es der Mensch nicht kann,

lass springen mein Motorrad an!’

Probier’s jetzt Hiasl, jetzt aufs nei!“ 8

Der tritt noch einmal lustlos rei -

und scho springt’s o, als wär nix gwen. 9

Sogar der Pfarrer stutzt a wen’g 10

“Dass er so schnell Erhörung schenkt!

Kreuz Sakrament, hätt’ i net denkt!“

1 tritt er hinein

2 mit dem Motorrad ist es ein Ärgernis

3 nicht an – ist er schon dran

4 dresche dich noch zusammen

5 merkt

6 kein

7 Teufel – gibt’s keinen Zweifel

Geldverleih

„Ich bin jetzt schon etwas vergrämt,

dass dein Verhalten ist so dreist,

um nicht zu sagen unverschämt.

Ganz selbstverständlich Geld du leihst.

Nun möcht’ ich schon mal darauf pochen,

- du selber einem auch nichts schenkst -

dass du nach nunmehr dreizehn Wochen

nun endlich einmal daran denkst,

das Geld mir jetz zurückzuzahlen.

Fünfhundert Euro sind kein Klacks.

Und sicher kannst du dir ausmalen,

dass ich nach Anruf, E-Mails, Fax

nun schon ganz schön verärgert bin.

Ich würd’ sogar nun so weit geh’n:

Zweimal vergessen ist noch drin.

Doch fünfmal kann ich nicht versteh’n.

Das konnt’ ich damals ja nicht ahnen,

sonst hätt’ ich dir kein’ Cent gegeben,

dass du dich da so oft lässt mahnen

und kannst dabei noch ganz ruhig leben.“

“Dein Vorwurf ist ja schon massiv.

Wie du war ich ja auch verzagt

und drum verletzt mich das ganz tief,

denn ich hab damals nicht geklagt.

Das muss ich jetzt schon deutlich sagen.

Ich hab dir das auch gleich verzieh’n,

dass ich so oft dich musste fragen,

bis du das Geld mir hast gelieh’n.“

8 aufs Neue

9 springt’s an als wäre nichts gewesen

10 ist ein wenig stutzig

Die D-Mark in Himmel

Ihr wisst, die D-Mark musste sterben.

Der Euro wurd’ ihr zum Verderben.

Wie’s nach dem Tod ist Brauch sogleich:

Sie wollen all ins Himmelreich.

Nicht nur die Münzen, großen, kleinen,

die Rede ist auch von den Scheinen.

So schweben alle sie empor

und stehen vor dem Himmelstor,

ein Exemplar von jeder Sorte,

begehren Einlass an der Pforte.

Man ist zwar klein, doch fühlt sich stark:

Vom Pfennig, Zehnerl bis zur Mark.

Bekommen Einlass auch im Nu.

Man winkt sie durch geradezu.

Auch Zwickel und das Fünf-Mark-Stück,

die weist der Petrus nicht zurück.

Mit Münzen ist es jetzt getan.

Nun stellen sich die Scheine an.

Der Zehner- und der Zwanz'ger-Schein,

die kommen anstandslos hinein.

Beim Fünfz'ger sich schon Zweifel regt,

weil Petrus kurz mal überlegt.

Will er sich da nur etwas zieren?

Doch schließlich darf der Schein passieren.

Nun sind drei Scheine dran, ab Hundert.

Die sind nun alle sehr verwundert

und zornig, ja schon sehr aufbrausend -

der Spitzenschein, nämlich die Tausend -

wieso der Einlass wird verwehrt.

Da wird nun mächtig aufbegehrt.

Sie wissen's nicht - und das befremdet,

warum bei Fünfzig alles endet.

"Was sind denn das für komisch’ Sitten?

Wir sind doch mehr wert, möchten bitten!"

Nun, Petrus meint: "Jetzt mal Geduld!

Ihr seid ja schließlich selber schuld.

Es ist doch sinnvoll, würd ich meinen:

Wir prüfen kirchliches Erscheinen.

Da habt ihr euch - das kann nicht passen -

so gut wie gar nie blicken lassen!"

Ernsthafte Drohung

Der Staatsanwalt ist voll geladen:

“Es wird Ihnen bestimmt nicht schaden,

wenn Sie krieg’n eine reingebrummt.

Ihr freches Maul dann wohl verstummt.

Gerade erst mal fünfundzwanzig,

drei Jahre eingelocht in Danzig,

zuletzt Gefängnis in Italien.

Das sind ja tolle Personalien!

Noch gar nicht richtig dort entlassen -

versteh das nicht, kann’s gar nicht fassen -

am selben Tag, man’s fast nicht glaubt,

’nen Juwelier gleich ausgeraubt.

Im Großmarkt dann, in diesen Hallen,

den Geldboten noch überfallen.

Bewiesen ist’s, Sie sind der Täter.

Das war nur eine Woche später.

Das nächste kam dann auch ganz schnell.

Da gab es Ärger im Bordell.

Weil es dem gnäd’gen Herrn gefällt:

Drei Damen um den Lohn geprellt.

Doch weil’s ja damit nicht genug

kam nun ein b’sonderer Betrug.

Sie wollten wohl in Geld sich wälzen:

Darum der Handel mit den Pelzen.

Bestimmt war es für Sie ’ne Qual,

dass zunächst alles war legal.

Doch bald danach, leicht zu erraten,

da ging’s voll los mit Imitaten.

Das Strafmaß es nun gar nicht mindert,

wenn manche Damen so behindert

und diese Täuschung nicht bemerkt;

in Ihrem Tun Sie so bestärkt.

Als diese Sache wurd’ zu heiß,

da macht man halt - ein jeder weiß -,

’nen Räumungskauf, die üblich’ Masche.

Füllt bestens auf die eig’ne Tasche.

Nun musst was her sich auszutoben:

- und diese Tat gar manche loben -

Weil man von Ihnen Steuern fordert,

hab’n Sie gleich Dynamit geordert.

Dass Ihre Akte da verschwindet,

wird halt ein bisschen was gezündet.

’s Finanzamt in die Luft gesprengt,

rund tausend Akten schwer versengt.

Dass ein Finanzler kam zu Tode -

nun ja, wie das so heut’ die Mode,

wo die Moral geht völlig baden:

Kollateral nennt man den Schaden.

Ihr Strafregister – keine Lücke,

denn zwischendrin mit List und Tücke

Sie immer wieder es verstanden,

bei Frauenherzen sanft zu landen.

Als Heiratsschwindler große Klasse,

bereichert stets die eigne Kasse.

Der Frauen Traum war’n Hochzeitsglocken.

Ihr Ziel war nur sie abzuzocken.

Ja, welcher Spruch fällt mir da ein?

Die Welt, die will betrogen sein.

Für Sie galt stets ja die Parole:

Die Hauptsach’ ist, es stimmt die Kohle.

Was Tolles hab’n Sie dann kreiert:

Als falscher Arzt gleich praktiziert.

Wie sich’s gehört ganz unbescheiden -

ein Spezialist für Frauenleiden.

Exorbitant war’n Ihre Preise.

Der Teufel weiß, auf welche Weise,

- so hat man mir das mitgeteilt -

Sie manche Frauen gar geheilt

Doch dieser Punkt hier gar nicht zählt.

Wer weiß, was ihnen hat gefehlt,

und was mit ihnen Sie gemacht.

Ein paar hab’n Sie fast umgebracht.

Darum wird nichts das Strafmaß mildern.

Als Nicht-Arzt hier so rumzuwildern,

das ist mir schon ein starkes Stück!

Dass keine starb war reines Glück.

Und weil das alles noch nicht reicht,

hab’n später Sie, das war wohl leicht,

sich selber Kokain gespritzt.

Ihr’n Kompagnon gleich aufgeschlitzt,

na so zum Spaß halt, nur den Bauch.

In Ihren Kreisen ist das Brauch.

Weil er nicht Ihrer Meinung war.

Man schlachtet ab, das ist doch klar.

Und weil Sie schon mal richtig high,

hab’n seine Frau Sie – nebenbei,

wie nett, dass Sie sich durchgerungen, -

zum Beischlaf eben mal gezwungen

Ich hab mir da schon oft gedacht:

Wenn ihr euch selber fertig macht

und sich der Staat darum nicht schert,

dann wär das gar nicht so verkehrt.

Und trotzdem nein, wo führt das hin?

Denn davon überzeugt ich bin,

zu reinem Chaos, hier man sieht’s,

wenn jeder übt da Selbstjustiz.

Das war’n jetzt nur die gröbsten Sachen:

Ich brauch mir nicht die Mühe machen,

auch aufzuzähl’n die kleiner’n Posten.

Ich überschlag mal – dürft‘ Sie kosten -

Na, rechnenS’ mit 200 Jahren!

Doch jetzt hörenS’ zu: Davor bewahren,

die volle Zeit im Knast zu schwitzen,

statt dessen nur die Hälft‘ absitzen,

wenn Sie hier voll und ganz gestehen,

dann ließ mit 100 sich was drehen.

Doch bleiben weiter Sie so stur

und leugnen nur rund um die Uhr,

dann wird gesessen die 200 -

und nicht ein Tag wird dann gestundet.

Um den Rabatt, da wär’s dann schade,

da kennt’s Gesetz dann keine Gnade.

Bankgeschäfte

„Ja hör mal, Paul, man hat gesagt:

Du hättest es doch glatt gewagt

und eine Bank jetzt aufgemacht.

Wie hast du das zu Weg gebracht?

Woher kam da das Kapital?

Das ging doch schief schon viele Mal!

Nun ja, du bist zwar durchaus schlau.

Doch hast du dafür das Knowhow?“

“Um’s Geld mach dir mal keine Sorgen!

Ich musste nicht einmal ein’s borgen.

Und selbst wenn’s am Knowhow mir fehlt.

Nur kühles Blut ist’s, was da zählt.

Es hat sich alles gut gefügt.

Ein Brecheisen hat mir genügt.“

Andere Sichtweise

“Wärst du gewesen etwas schneller,

dann hätten wir den Zug erreicht.

Doch deine Fitness ist im Keller.

Wie nur ein Mensch so langsam schleicht!“

“Wenn du nicht wärst so schnell gelaufen,

wär’ das Problem jetzt nicht so groß.

Dann bräuchtest nicht die Haare raufen

und würdest drüber lachen bloß.

Drum musst du das ganz anders seh’n.

War Unsinn doch, hier durchzustarten.

Der nächste Zug geht erst um zehn.

Dann müssten wir nicht so lang warten.“

Das Telefongespräch

„Bin ja schon da! Ja, hier Frau Hauff.“

“Ha, wer spricht mir dir? Na los, na rate!“

”Moment mal nur! Ich komm schon drauf.

Das kann ja nur sein die Renate.“

“Jetzt hätt’ ich beinah dich ertappt,

dass meine Stimme du vergisst.

Da hast du noch mal Glück gehabt.

Für diesmal aus dem Schneider bist.“

“Die kann man nicht so leicht vergessen.“

“Wie meinst du das? Jetzt hör mal zu:

Ich hab mich neulich mal gemessen,

nun pass mal auf, erfährst nur du.“

“Und fünfzig andere wohl auch.“

“Du unterbrich mich bitte nicht.

Verschwunden ist mein ganzer Bauch.

Sechs Kilo weniger Gewicht.“

“Das gab’s doch schon ein Dutzend mal.“

“Wie? Was? Du, das ist nicht zum Lachen.

Ich stand jetzt vor der schweren Wahl:

Neu kaufen oder enger machen?“

“Die Antwort kann ich mir schon denken.“

“Hast recht, du hast was in der Birn.

Was Neues kaufen – sich beschenken!

Ich bin ja auch nicht schwach im Hirn.“

„Da denk ich meinen Teil dabei.“

“Ich wusste ja, so siehst’s auch du

Mein neues Kleid, der letzte Schrei,

Nur oben geht es nicht ganz zu“

“Wie ich dich kenn, macht’s dir nichts aus.“

“Nun, hab da etwas zugenommen.

Jetzt hängt der Busen leicht heraus.

Den Männern wird das sehr bekommen.“

“Ging wohl was drauf an Silikon!“

“Na und, halt ein paar Spritzen nur.

Das ist der Preis. Doch jetzt zum Lohn:

Hab Männer jetzt, rund um die Uhr.“

“Na klar! Das lockt wie Mist die Fliegen!“

“Na, na, so hässlich spricht man nicht!

Manch einen muss der Duft besiegen.

Tja, mein Parfum ist ein Gedicht.“

“Ob es sich reimt? Doch jetzt Moment..!“

“Ja, ja! Du, Karin hat da ein Problem.

Die Dicke da, die jeder kennt.

Ist schwanger jetzt, weiß nicht von wem.“

“Nun ja, ihr Pech. Ich sag dir nun...“

“Ja, ja. Bei Gina ich nicht fassen kann:

Dreimal geschieden, dieses Huhn!

Und jedes Mal vom selben Mann!“

“Wen int’ressiert’s? Mach bitte Schluss!“

“Gleich, gleich! Der alte Zirp, das ist doch arg.

Der schläft - ist scheinbar sein Genuss -

zu Hause stets in einem Sarg.“

“Wer’s glaubt! Mich drängt die Zeit...“

“Schon gut! Jetzt lass mich noch erzählen...“

“Nein, danke, nein, das geht zu weit.

.Ich brauch das nicht. Wird mir nicht fehlen!“

“Wie bitte, was? Du brauchst das nicht?

Das ist mir doch ein starkes Stück.

Mir danken wäre deine Pflicht.

Doch sag ich eins: Da hast du Glück.

Mich kann man so leicht nicht vergrämen,

denn ich vertrage manchen Frust.

Und dennoch solltest du dich schämen.

Jetzt aufzulegen hätt’ ich Lust.“

“Oh bitte tu, wonach’s gelüstet!

Wie mach ich dir das sonst noch klar?

Ach, all ihr Heil’gen, wenn ihr wüsstet,

wie schön’s noch ohne Handy war!“

“Nun gut, du willst mich provozieren.

Soll unsre Freundschaft also ruh’n.

Du willst also jetzt Zwietracht schüren?“

“Ach Quatsch, ich hab jetzt nur zu tun.“

“Okay. Das seh ich ja auch ein.

Dann hör ich jetzt halt einfach auf.

Nur eins: Du, morgen kann es sein,

dass einen neuen Hut ich kauf.

Von einem Hutmacher aus Wien,

ganz breit, wie bei ’nem Schiff der Bug.

Sieht besser aus als der der Queen,

den neulich sie in Ascot trug.

Mit ihr kann ich mich durchaus messen.

Ich glaub, ich hab da mehr Geschmack.

Ach beinah hätt ich’s noch vergessen:

Ich hab ’nen neuen Nagellack.

Hey, warum sagst du jetzt nichts mehr?

Grad warst du noch so aufgeregt.

Ja - hallo? – Ist denn da noch wer?

Jetzt hat die einfach aufgelegt.“

Blickfang

Im Galasaal beim Stehempfang,

versammelt alles, was hat Rang.

Auch Herr von Salter, Intendant,

als Schürzenjäger auch bekannt.

Nun ja, das ist ’ne Zeit schon her.

Er tut sich heute eher schwer

und mancher Anlauf geht jetzt schief.