Gesammelte Gedichte - Conrad Henke - E-Book

Gesammelte Gedichte E-Book

Conrad Henke

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Beschreibung

Am Gestade Abends, wenn die ersten Sterne scheinen Und die lauten Tagesstimmen schweigen, Siehst du sie zum Ufer niedersteigen, Lange vor den Wellen stehn und weinen. Ihre Lippen flüstern sehnend einen Namen in das Wogen, der ihr eigen, Und du siehst sie sich behutsam neigen, Wasser schöpfen aus dem Meer, dem reinen. Wie in Schalen heben ihre Hände Heiliges Erinnern an das Ende Jenes, dem sie Liebe zugeschworen. Und sie küßt die Tropfen still: als stände Der in Kampf und Wellen ging verloren, Vor ihr so, wie er sie einst erkoren. 06.05.1944

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Seitenzahl: 89

Veröffentlichungsjahr: 2018

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1943 – 1967

hrsg. von

Dr. Christoph Henke

Dr. Angela Henke

Dominik Henke

Dr. Matthias Henke

Dr. Johannes Henke

2018

Vorwort

Dr. phil. Conrad Henke (geb. 1902 in Georgsmarienhütte, gest. 1999 in Münster) hat seine Erfahrungen während der Kriegs- und Nachkriegszeit in Gedichten verarbeitet. Die Freude am wohlgewählten Wort, die großen und kleinen Wunder der Natur und sein christlicher Glaube halfen ihm, das Unfassbare zu ertragen und zu bewältigen.

Nach dem zweiten Weltkrieg war er lange Jahre als Pädagoge am Conrad Schlaun-Gymnasium in Münster tätig und hat dort mehrere Generationen von Schülern in den Fächern Deutsch, Geschichte und Französisch unterrichtet. Seine poetischen Werke und seine historischen Aufzeichnungen aber fanden sich zu einem großen Teil erst in seinem Nachlass. Eine erste Auswahl an Gedichten wurde 2005 im Agenda-Verlag, Münster, veröffentlicht. Diese erweiterte Ausgabe seiner gesammelten Gedichte möge Mut machen, dass es auch in schweren Zeiten Wege gibt für ein sinnerfülltes Dasein.

Die Herausgeber

Inhaltsverzeichnis

Zitrone und Mandel

Und du schweigst

Monreale

Mandelbaum im Frühling

Erbe

Via Appia

Toskana

Michelangelos David

Wenn Bienen nach Sonne frieren

Kalabrien

So komm in den Park mit mir

Wer rief nach dir?

Stunde Gottes

Du und wir

Erwache ich

Du und sie

Wie schäm ich mich, o Herr!

Frage

Suore

Ihr sitzt ob eurem Werk gebeugt

Vorm Bilde der Madonna

Monte Pellegrino

Todesmotoren

Orvieto

Vision

Segesta

Nun weiß ich erst, was Leben heißt

Ich habe keinen hohen Dom erbaut

Die Zeit ist reif

Ex corde lux

Pfade

Kopernikus

Mein Volk

Alpenmorgen

Fontana Medici

Wir sind das Mittelschiff

Deine Hände

Sonette an Europa

Herbstesahnen

Spruch der Zeit

Irrtum

Graue Vision

Ich setzte dich zum Herren

Unser Leben

Schnee

Titanenlos

Die Nacht ist winterschwer

Unser Weg

Dann sprachest du das Schöpferwort

An mein Kind

Trost in der Zeit

Einem Gastfreund

Sich Sehnen und Warten Müssen

Daß endlich Friede werde

Du aber wartest

Erwachen

Blumen, Sterne und Kinder

Hans im Glück

Heimkehr

Am Gestade

Die blaue Blume

Bäume

Der Erretter

Gebet

Neues Leben

An das Reich

Dies ist kein Leben mehr

Ich beweine Hütten nicht

A.D. 1944

Das Ende

Soldatisch

Wer lebt aus Gott?

Das sind die Katakomben unsrer Zeit

Ich kann dir nicht entfliehen

Den Gewaltigen

Vielleicht daß einmal noch ganz fern im Süd

Dein Name geht erhebend durch mich hin

Oktober

Wenn nur der Geist nicht stirbt

Du wartest irgendwo

Heimat nennt ihr dieses graue Land

Es wird kein Ende sein

Die Unbekannte

Weihnacht

Dies Jahr hat viele Hoffnungen begraben

Und ich sah Städte

Die Frauenkirche von München

Genius der Toren

Dunkle Pfade wandern wir seit Jahren

Atmen in der Fülle

Nun habt ihr es erreicht

Der weich im Winde wellende Gesang

Blicke nicht auf jene

Bruder ferner Länder

Schwalben im Frühling

Deutschland

Das Hakenkreuz

Ich klage an

Die Retterin

Sage mir ein liebes Wort noch

Die Eitlen

Der Dämon

Sehnsucht

Den Siegern

O weckt mich nicht

Immer nur umkreisen wir

Es ist genug

Der bethlehemitische Kindermord

Dies war der Toren Haltung stets

Ich bin wie eine taube Weizenähre

Ich weiß um deine Nächte

Frühjahr 1946

Nicht einmal zur Sonne emporgelacht

Ich weiß nicht mehr, warum wir hassen mußten

Parzival

Ihr wandtet euch von uns

Domus Dei Monasteriensis

Auch du bist schuldig an der Menschheit Leid

Dienende der Nacht

Wer mag von Lichterglanz und Sternen sprechen

Die Verjagten

Nicht mehr wie damals

Neues Abendland

Stunde des Abendlandes

Mahnung

Bin ich der Verstoßene, Verruchte?

Manchmal tret ich vor dich hin zu fragen

Friede

Sonette an die deutsche Jugend

Der Tote

Der Gefangene

Nun segne ich dies Leid

Schließ fester mich in Deine Hände ein

Beglückt wie nie – vom Geben

Deine Arme

Ihr wollt nicht hören

Wir jagen wie Phantome

Stunde der Trauung

Wandrer sind wir

Herrgott, träume mich

Silberjahr der Schwester

24. Oktober

Jauchzt empor die Kathedrale

Campagne-Abend

Grüßen Berge überm See

Hab oft im Dom der Sternennacht

Silvester 1949

Rief da nicht eine Stimme durch die Nacht?

Süssen bei Marquartstein

Vatikanische Gärten

Salzburg

Rundfunk-Ballade

Ostern

Nun schließ ich froh die Augen zu

Auf meinem Dache sitzt er

In dieser rätselhaften Welt

Wolln den Kampf …

Immer aber muß wohl einer wachen

Der Kinder Gäste

„Avivi“ (Frühling

)

Sinnlos zu fragen

Einmal aber …

Die Wiedertäufer von Münster

Risiko oder Neurose

Die totale Arbeitswelt

Dies ist der Mann

Zitrone und Mandel

Im Feld der Myrten und Agaven steht

Ein dunkellaubiger Zitronenbaum

Mit überreifer Frucht behängt, die golden

Und hell ins Blau des hohen Himmels lacht –

Und neben ihm, wie frisch gefall‘ner Schnee

Und gleichsam hingehaucht, ein Mandelbaum,

Vom Rosablütenwunder übersät.

Der Baum der Blüten wirbt um den der Früchte,

So bilden beide ein versonntes Tor

Zu einem Tag der Wärme und der Weite.

Kein Mißklang stört die gotterfüllte Stunde,

Nur tief im Grunde schäumt und wogt ein Wasser

Und gleitet träg und rinnt von Stein zu Steine,

Um unter einer Brücke zu entschwinden,

Vor deren Rund sich Blüten nun und Früchte –

Ein Bild der ewigen Natur – vermählen.

15.03.1943

Und du schweigst

Dein Schweigen, Herr, ist grausam unergründlich!

Liegt deine Erde doch in stummer Trauer.

Die kleinen und die großen Städte brennen.

Europa ist dein Land nicht mehr, o Herr.

Es wuchten deine hohen Dome nieder;

Im Schlaf, beim Essen, Spielen, am Altare

Erschlägt der Bombentod die Kinder dein.

Das Meer ist aufgewühlt, der Himmel rast,

Und Bomben fallen, Häuser stehn in Trümmern.

Die Blumen, dir zum Ruhme, uns zur Freude

Erblüht, sie welken hin – zerzaust, zerrissen.

Und über allem blaut dein Tag, o Herr,

Und über allem leuchtet Frühlingssonne,

Und über allem steht ein großes Fragen,

Ein wehes, antwortloses – und du schweigst …

Dein Schweigen, Herr, ist grausam unergründlich.

17.03.1943

Monreale

Ein Tor fällt zu, ein andres öffnet sich …

Und mit ihm tut sich dir ein Garten auf,

Und eines Kreuzgangs Säulensymphonie

Erblüht vor dir gleich einem Frühlingshaine.

Von leiser Hand geleitet wandelst du,

Wo Bogenrund an Bogenrund sich schmieget.

Hier atmen Geister längst verwehter Wesen

Und deuten Säulen dir und Kapitelle,

Um dich zu eines Brunnenbeckens Kühle –

Der Wunder höchstem – dann zu tragen. Dort,

Aus einem steingewordnen Palmenstamme,

In einer Schale frauliches Erwarten,

Fließt fingerfein und glitzernd, gleich dem Taue,

Ein Silbertropfen nach dem andern nieder –

Erfüllungsselig – und zerfließt. Und Stunden,

Als ob kein weihevolles Werk dich forderte,

Stehst du an Brunnens Rand – gebannt und schweigend.

28.03.1943

Mandelbaum im Frühling

Bei halber Nacht

Zum Licht erwacht,

Vom Schein des Monds noch überdacht

Steht wie ein rosa Frühlingstraum

Am Wegessaum

Ein Mandelbaum

Und wiegt gelinde

Sich im Winde.

O schöner Traum

Vom Mandelbaum,

Vertraue nicht dem Argen!

Es raubt ganz sacht

Dir deine Pracht,

Und auf dem Feld, dem kargen,

Bist du ein blütenleerer Baum,

Den vielen gleich am Wegessaum –

Und die dich gestern kannten,

Mit Liebeswort benannten:

Sie sehn dich kaum.

03.04.1943

Erbe

In deinem Schoße ruht

Ein wechselvolles Leben.

Du kannst nur geben,

Zum Dasein heben,

Was kreist in deinem Blut.

Der Ahnen lichte, große

Und todesdunkle Stunden,

Ihr Kranksein und Gesunden

Von Weh und Wunden

Ruht all in deinem Schoße

Und muß zu neuem Leben

Mit deinem sich verweben.

Der Söhne Wagen,

Ihr Klagen und Zagen

Wird dein` und ihre Züge tragen.

23.04.1943

Via Appia

Verweht das laute Tun der großen Stadt –

Und Flügelstille breitet frohe Schwingen

Vorm Tor der Welt und an der Totenstraße.

Die Biene summt, es blutet tief der Mohn,

Die Mandelblüte zagt im frühen Winde,

Zitronen drängen sich in üppger Fülle

Aus dunklem Laub; es zirpt und geigt die Grille;

Und zwischen Pinien und Zypressenkerzen,

Die feiergroß und schwer am Wege brennen,

Ein grauer Stein, ein blasses Römerbild,

Der Name eines längst vergessnen Toten,

Den wohl ein langer Schattenkegel streift.

Von weit her gongt ein dunkler Glockenton

Und mischt sich dem Gesang, der lebenstrunken

Dem Osteria-Laubengang entströmt.

Und manchmal kommt ein Wanderer gegangen

Und lagert sich bei Asphodel und Myrte

Und wandert still den hohen Türmen zu.

23.04.1943

Toskana

Der Menschen Strom verebbt, wie Spuren im Sande verwehn.

Die Stille wird zum hohen Dom. Im Felde stehn

Zypressen und Zedernfächer und harfen schweigend und groß.

Die Rose blüht, und Weizen grünt aus der Erde Schoß.

Glyzinien leuchten wie Trauben, von dunklem Weine schwer.

Von Weißdornhecken und Quellen wehn Dufteswellen her.

Aus knorrigem Stamm des Ölbaums keimt wie Frauenhand

Das schmale Silberblatt. In Sonne glüht das Land.

Ein Falter flattert frohen Flugs im jungen Wind

Und wirbt um Anemonen. Im Weinberg singt ein Kind.

Die frohen Hügelketten reichen sich die Hand

Und weben um Gärten und Gründe Toskanas ein Ostergewand.

25.04.1943

Michelangelos David

So stehst du groß, ob Abend und ob Morgen,

Den Schleuderstein wie spielend in der Hand,

Das Knabenauge kühl und frei von Sorgen

Auf jeden Goliath gewandt.

Und jeden Riesen Goliath,

Der sich in Frevelmute naht,

Mit dir das Spiel zu wagen,

Wirst du zu Boden schlagen.

25.04.1943

Wenn Bienen nach Sonne frieren

Wenn Bienen nach Sonne frieren

Und dürsten nach Blütenduft,

Sie heben sich auf und hinauf

In die freie, die weite Luft

Und zählen den Tag

Und die Stunden nicht der seligen Zeit.

Wir aber – wo ist für uns

Ein Hans des Glückes bereit?

Wir tappen in Grabestiefe,

Die Seele friert uns ein –

Und über und unter uns, überall

Wände aus Felsgestein.

Und dürsten wir, rauscht eine Quelle – vorbei,

Müssen entsagen,

Wie Knechte des Lebens an Ufer gebannt,

Wo grausige Klippen ragen.

Die Welt ist so weit und groß, und

Wir sind wie Bettler so arm:

Herrgott, hilf und nimm uns in deinen Vaterarm!

26.04.1943

Kalabrien

Phäakenland, von Fruchtbarkeit umflossen,

Ob dir ward Ceres` Füllhorn ausgegossen.

Bei Goldorangen, Myrtenduft, Zypressen

Hab ich – ein König – karges Brot gegessen.

Du Ölbaum, mütterlichster aller Bäume,

Gabst mir, dem Wegemüden, Segensträume.

Agaven und Kakteen sah ich sprießen,