0,49 €
In "Gesammelte politische Schriften" präsentiert Leopold von Ranke, einer der Begründer der modernen Geschichtswissenschaft, eine umfassende Analyse historischer Ereignisse und deren Auswirkungen auf die politische Landschaft seiner Zeit. Ranke verbindet in seinem literarischen Stil eine nüchterne, analytische Herangehensweise mit einer tiefen moralischen Sensibilität. Seine Schriften beleuchten die Wechselwirkungen zwischen Geschichte, Macht und Ethik, wobei er historische Fakten akribisch verifiziert und die subjektiven Interpretationen seiner Zeitgenossen kritisch hinterfragt. Dies positioniert sein Werk innerhalb des Kontextes des 19. Jahrhunderts, als der Historismus begann, als grundlegende intellektuelle Strömung zu wachsen, und zeigt, wie seine Ansichten zur Methodologie der Geschichtsschreibung bis heute nachwirken. Leopold von Ranke (1795-1886) war ein deutscher Historiker, dessen Arbeiten einen fundamentalen Einfluss auf die Geschichtswissenschaft ausübten. Durch sein Studium an der Universität Leipzig und seine Verbindung zu einflussreichen zeitgenössischen Denkern entwickelte er innovative Ansätze zur Systematisierung der Geschichtsauffassung. Seine Überzeugung, dass die Geschichte objektiv und transparent untersucht werden sollte, prägte seine politischen Schriften, in denen er oft die Rolle von Individuen und Nationen in der Gestaltung von Geschichte und Politik erforschte. Dieses Werk ist unentbehrlich für Leser, die ein tiefes Verständnis der politischen Prozesse im Kontext ihrer historischen Entwicklung erlangen möchten. Indem Ranke die Schnittstellen von Geschichte und Politik beleuchtet, bietet er essentielle Einsichten in die Dynamiken, die Nationen und ihre politischen Strukturen prägen. Sein prägnanter und erhellender Stil macht die "Gesammelten politischen Schriften" zu einer Pflichtlektüre für Historiker, Politikwissenschaftler und jeden, der sich für die Grundlagen moderner Gesellschaften interessiert. In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen: - Eine umfassende Einführung skizziert die verbindenden Merkmale, Themen oder stilistischen Entwicklungen dieser ausgewählten Werke. - Ein Abschnitt zum historischen Kontext verortet die Werke in ihrer Epoche – soziale Strömungen, kulturelle Trends und Schlüsselerlebnisse, die ihrer Entstehung zugrunde liegen. - Eine knappe Synopsis (Auswahl) gibt einen zugänglichen Überblick über die enthaltenen Texte und hilft dabei, Handlungsverläufe und Hauptideen zu erfassen, ohne wichtige Wendepunkte zu verraten. - Eine vereinheitlichende Analyse untersucht wiederkehrende Motive und charakteristische Stilmittel in der Sammlung, verbindet die Erzählungen miteinander und beleuchtet zugleich die individuellen Stärken der einzelnen Werke. - Reflexionsfragen regen zu einer tieferen Auseinandersetzung mit der übergreifenden Botschaft des Autors an und laden dazu ein, Bezüge zwischen den verschiedenen Texten herzustellen sowie sie in einen modernen Kontext zu setzen. - Abschließend fassen unsere handverlesenen unvergesslichen Zitate zentrale Aussagen und Wendepunkte zusammen und verdeutlichen so die Kernthemen der gesamten Sammlung.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2024
Diese Werksammlung versammelt zentrale politische Schriften Leopold von Rankes und stellt sie als eigenständigen, thematisch fokussierten Teil seines umfangreichen Oeuvres vor. Unter dem Titel Gesammelte politische Schriften werden Texte zusammengeführt, in denen der Historiker die unmittelbaren Fragen von Staat, Macht und europäischer Ordnung reflektiert. Die Auswahl umfasst unter anderem Politisches Gespräch, Die großen Mächte, Frankreich und Deutschland, Friedrich Wilhelm IV., König von Preußen, Der Krieg gegen Österreich 1866, Der Krieg gegen Frankreich 1870, Fürst Bismarck, Zum Kriege 1870/71, Die Ablehnung der deutschen Kaiserwürde 1849 sowie Über die Verwandtschaft und den Unterschied der Historie und der Politik.
Der Band verbindet unterschiedliche Textsorten, in denen sich Rankes politisches Denken entfaltet. Er enthält Essays und Abhandlungen, vergleichende Betrachtungen, historische Studien und porträtierende Skizzen, daneben auch einen Dialog in Politisches Gespräch. Kriegsdarstellungen und politische Analysen stehen neben Charakterbildern von Akteuren wie Friedrich Wilhelm IV. oder Fürst Bismarck. Mit Über die Verwandtschaft und den Unterschied der Historie und der Politik liegt ein Grundsatzessay vor, der die Nachbarschaft zweier Disziplinen vermisst. So entsteht ein Panorama, das sowohl theoretisch reflektiert als auch der konkreten Ereignis- und Entscheidungsebene verpflichtet ist.
Inhaltlich kreisen die Schriften um Grundfragen der Staatsräson, um Legitimität und Souveränität, um Diplomatie, Krieg und das europäische Gleichgewicht. Frankreich und Deutschland sondiert Beziehungen und Gegensätze zweier prägenden Mächte. Die Ablehnung der deutschen Kaiserwürde 1849 beleuchtet einen Schlüsselmoment der deutschen Verfassungsgeschichte. Die Kriegsstücke zu 1866 und 1870/71 setzen den Fokus auf Ursachen, Verlaufsperspektiven und politische Folgen militärischer Konflikte. Die großen Mächte entfaltet eine Sicht auf das Zusammenspiel europäischer Akteure, während die Porträts zu Friedrich Wilhelm IV. und Fürst Bismarck individuelle Handlungsspielräume im Spannungsfeld institutioneller Ordnungen ausloten.
Rankes politische Texte sind in unmittelbarer Nähe zu den Ereignissen des 19. Jahrhunderts entstanden und zugleich von historischer Distanz geprägt. Sie verbinden zeitgenössische Beobachtung mit langfristiger Perspektive. Dabei richtet sich sein Blick auf die Wechselwirkung von Strukturen und Personen, auf Kabinettspolitik, Verfassungsfragen und internationale Konstellationen. Die Kriegsbetrachtungen zu 1866 und 1870/71 zeigen, wie Entscheidungen in Krisenlagen eingehegt und gedeutet werden. Zugleich dokumentieren die Studien zu Frankreich, Deutschland und Preußen die Herausbildung neuer Ordnungen im europäischen Staatensystem, ohne die ältere Tradition von Dynastie, Diplomatie und Recht aus dem Blick zu verlieren.
Stilistisch zeichnen sich die Texte durch argumentative Klarheit, nüchterne Sprache und sorgfältige Begriffsbildung aus. Ranke sucht die Nähe zu Quellen und ordnet Beobachtungen in nachvollziehbare Deutungszusammenhänge ein. Politisches Gespräch nutzt die dialogische Form, um Positionen zu erproben und zu wägen. Die großen Mächte entfaltet systemische Perspektiven auf Kräfteverhältnisse, während die Porträts die individuelle Prägung politischer Prozesse sichtbar machen. Über die Verwandtschaft und den Unterschied der Historie und der Politik schärft die methodische Seite: Es markiert Gemeinsamkeiten und Grenzen zwischen historischer Erkenntnis und politischer Urteilsbildung, ohne sie zu vermengen.
Die anhaltende Bedeutung dieser Schriften liegt in ihrer Verbindung aus empirischer Genauigkeit und ordnungspolitischer Sensibilität. Sie geben Einblick in die Genese moderner Staatlichkeit und in die Mechanismen europäischer Verständigung und Konkurrenz. Für die Gegenwart sind sie als Reflexionsraum über Macht, Verantwortung und die Bedingungen politischer Entscheidung lesbar. Sie zeigen, wie Ereignisse in einen breiteren Zusammenhang gestellt werden können, und bieten Maßstäbe für historische Urteilskraft, ohne einfache Rezepte zu liefern. Wer die Texte studiert, gewinnt Orientierung in Fragen der politischen Formbildung, des Kriegs- und Friedensdenkens sowie der internationalen Beziehungen.
Ziel der Zusammenstellung ist es, Rankes politisches Denken in seiner Breite und inneren Kohärenz zugänglich zu machen. Die Auswahl vereint Schlüsseltexte, die sich wechselseitig erhellen: theoretische Grundlegung, vergleichende Analysen, Kriegsbetrachtungen und biografisch-politische Skizzen. So entsteht ein geschlossenes Lektüreangebot, das sowohl systematische als auch fallbezogene Perspektiven eröffnet. Die Schriften laden dazu ein, Querbezüge zu erkennen – etwa zwischen konstitutionellen Fragen und außenpolitischer Lage – und die Spannweite zwischen Prinzip und Entscheidung auszuloten. Der Band richtet sich an Forschende wie an interessierte Leserinnen und Leser, die präzise Orientierung in Rankes politischem Werk suchen.
Die Gesammelten politischen Schriften Leopold von Rankes entstehen vor dem Hintergrund der europäischen Ordnung von 1815 bis zur Reichsgründung 1871. Nach dem Wiener Kongress etablierte sich das „Konzert der Mächte“, in dem Wien, Berlin, Paris, London und St. Petersburg das Gleichgewicht sicherten. Ranke, seit 1825 in Berlin lehrend, blickte aus preußischer Perspektive auf diese Konstellation. Seine Reflexionen in Die großen Mächte und Frankreich und Deutschland knüpfen an diplomatische Krisen, Bündnisschwenks und nationale Bewegungen an. Die wiederkehrenden Leitakteure—Metternich, Palmerston, Napoleon III., russische Zaren und preußische Könige—verkörpern Kräfte, deren Konkurrenz Rankes Gesamtdeutung prägt und seine politische Urteilsscheu zugleich befördert.
Die Revolutionen von 1848/49 bilden einen zentralen Resonanzraum der Sammlung. In Berlin, Wien und besonders in der Frankfurter Paulskirche rangen Abgeordnete um Grundrechte, föderale Ordnung und eine Erbmonarchie. Als im April 1849 die Kaiserwürde dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. angetragen und von ihm zurückgewiesen wurde, kulminierte der Konflikt zwischen nationaler Souveränität und dynastischer Legitimität. Rankes Beiträge zur Ablehnung der deutschen Kaiserwürde 1849 und zu Friedrich Wilhelm IV. spiegeln seine Skepsis gegenüber revolutionärer Gewalt und seine Präferenz für historisch gewachsene Autoritäten. Diese Haltung beeinflusste die zeitgenössische Rezeption: Liberale kritisierten Zurückhaltung, konservative Kreise würdigten nüchterne Distanz.
Die Rivalität zwischen Wien und Berlin strukturierte die deutsche Frage seit dem Deutschen Bund von 1815. Nach der Olmützer Punktation 1850 schien Preußen gebändigt, doch unter Ministerpräsident Otto von Bismarck (seit 1862) wandelte sich das Kräfteverhältnis. Der Krieg gegen Österreich 1866 mit der Entscheidung bei Königgrätz am 3. Juli 1866 und dem Frieden von Prag schuf die Norddeutsche Bundsordnung von 1867. Ranke betrachtet in Fürst Bismarck und thematisch verwandten Schriften die Verbindung von Staatsräson, Diplomatie und militärischer Modernisierung. Orte wie Berlin, Wien und Prag dienen als Knotenpunkte eines Machtkampfes, in dem föderale Tradition, Rechtsfragen und nationale Mobilisierung zusammenstoßen.
Der Krieg gegen Frankreich 1870/71 erwuchs aus lang aufgestauten Rivalitäten und der Ems-Depesche vom 13. Juli 1870. Nach der französischen Kriegserklärung am 19. Juli folgten Sedans Kapitulation am 2. September, die Belagerung von Paris und die Reichsproklamation im Spiegelsaal von Versailles am 18. Januar 1871. Rankes Darstellungen in Der Krieg gegen Frankreich 1870 und Zum Kriege 1870/71 verknüpfen Feldzugschilderung mit europäischem Kräftegleichgewicht. Die Annexion von Elsaß-Lothringen und der Friede von Frankfurt (10. Mai 1871) markieren eine neue Ordnung, deren Legitimität Ranke historisch begründet, ohne triumphalistischen Ton—ein Zug, der Zustimmung und Kritik gleichermaßen hervorrief.
Rankes methodische Selbstvergewisserung bestimmt die Sammlung ebenso. In Über die Verwandtschaft und den Unterschied der Historie und der Politik trennt er beschreibende Erkenntnis vom normativen Handeln. Der Zugang zu Archiven in Wien, Venedig, Rom und Berlin, verbunden mit seiner Berufung zum königlich preußischen Historiographen 1841, stärkte die Autorität seiner Deutungen. Sein oft zitierter Anspruch, das Gewordene „wie es eigentlich gewesen“ zu zeigen, rahmt politische Urteile. Dadurch erscheinen Staatsmänner als Ausdruck historischer Konstellationen, nicht als alleinige Urheber. Diese methodische Reserve prägte sein Politisches Gespräch ebenso wie Porträts von Monarchen, Ministern und Diplomaten.
Die Betrachtung der Großmächte reicht über Deutschland hinaus. Der Krimkrieg 1853–1856, die italienischen Einigungskriege seit 1859 und der Konflikt um Schleswig und Holstein 1864 verschoben Allianzen und offenbarten Militär- und Verwaltungsmodernisierung. London, Paris und St. Petersburg agierten als Schiedsorte konkurrierender Sicherheitsvorstellungen; Wien und Berlin suchten taktische Spielräume. In Die großen Mächte und Frankreich und Deutschland spiegelt sich diese Tektonik: Nationalbewegungen, wirtschaftliche Integration (Zollverein), Eisenbahn- und Telegraphennetze sowie Presseöffentlichkeit verbinden Innen- und Außenpolitik. Ranke interpretiert daraus entstehende Kriege als begrenzte Mittel der Staatsraison, nicht als moralische Kreuzzüge, was seiner Argumentation Sachlichkeit, aber auch Distanz zu demokratischen Erwartungen verleiht.
Die zeitgenössische Aufnahme seiner politischen Schriften war von Rang und Nähe zum Hof geprägt; 1865 geadelt, lehrte Ranke in Berlin vor einem bürgerlich-gebildeten Publikum. Nach 1871 traf seine Konzentration auf Staatskontinuität und legitime Herrschaft den Ton einer national-konservativen Öffentlichkeit, während liberalere Leser stärker nach gesellschaftlichen Ursachen und Partizipation fragten. Der Bismarck-Mythos, militärischer Ruhm und administrativer Leistungsstolz beförderten die Autorität seiner Urteile. Zugleich stießen seine nüchternen, archivalisch gestützten Narrative auf Respekt über politische Lager hinweg. So fungierte die Sammlung als intellektuelle Begleitmusik eines neuen Reiches, das Orientierung in Geschichte zur politischen Selbstvergewisserung suchte.
Im Rückblick verbindet die Sammlung gelehrte Analyse mit historisch informierter Zeitdiagnose. Politisches Gespräch und thematisch verwandte Texte zeigen, wie Ranke öffentliche Debatten moderierte, ohne journalistische Pointierung zu suchen. Die Erfahrungen von 1848, 1866 und 1870/71, getragen von Mobilmachung, Eisenbahnen, Generalstäben und verwaltungsstaatlicher Verdichtung, bilden ihren Erfahrungsraum. Berlin, Wien und Paris bleiben dabei Brennpunkte. Indem Ranke Staatsbildung als Ergebnis langer Entwicklung erklärt, stützt er die Akzeptanz des 1871 entstandenen Reiches, ohne den Vorrang pragmatischer Diplomatie zu verschweigen. So erhellt die Sammlung gemeinsame Triebkräfte der Epoche, die mehrere ihrer Schriften zugleich durchziehen und deuten.
Diese Texte vermessen die Kräfteverhältnisse Europas und beleuchten die Interessenlogik zwischen Staaten, mit besonderem Blick auf das Verhältnis zwischen Frankreich und Deutschland.
Im analytisch-nüchternen Ton rekonstruieren sie Triebkräfte von Bündnissen, Rivalitäten und nationaler Selbstbehauptung, ohne die Perspektive einzelner Akteure zu verabsolutieren.
Die Darstellungen der Kriege von 1866 und 1870/71 verbinden strategische Abläufe mit diplomatischen Vorentscheidungen und fragen nach ihrer Bedeutung für die deutsche Einigung.
Der Stil bleibt sachlich; Ursachen, Ziele und Folgen werden als Teil einer größeren europäischen Ordnung diskutiert, statt heroisch überhöht zu werden.
Diese Beiträge skizzieren die Spannungen zwischen monarchischem Selbstverständnis und verfassungsstaatlichen Erwartungen in der Krisenzeit 1848/49 und porträtieren die Rolle des preußischen Königs.
Die Argumentation zeigt, wie dynastische, rechtliche und machtpolitische Erwägungen Entscheidungen rahmen; der Ton bleibt abwägend und vermeidet Polemik.
Das Porträt zeichnet Bismarck als politischen Akteur im Spannungsfeld von Staatsräson, Diplomatie und innenpolitischer Steuerung.
Stilistisch dominiert die nüchterne Charakteranalyse; Maßnahmen und Motive werden auf ihre Wirkung im europäischen Gefüge geprüft.
Die Texte erproben im Gesprächs- und Essayformat Grundbegriffe von Staat, Urteil und Handlung und unterscheiden die Logiken historischer Analyse von denen politischer Praxis.
Der reflektierende Ton verbindet begriffliche Klärung mit Beispielen aus der zeitgenössischen Politik, um Kriterien für verantwortliches Entscheiden zu gewinnen.
Über die Sammlung hinweg kehren Motive von Staatsräson, Mächtegleichgewicht, verfassungspolitischer Legitimation und der Wechselwirkung von Idee und Interesse wieder.
Charakteristisch sind ein sachlich-analytischer Stil, der Vergleich von Strukturen und Akteursentscheidungen sowie die Tendenz, Ereignisse in langfristige Ordnungszusammenhänge einzubetten.
FRIEDRICH: So glänzend kommst du zu mir, in der Staatsratsuniform, sogar mit deinen ausländischen Orden?
KARL: Ich wette, du hast nicht einmal die Wagen vorbeirollen hören; wolltest du aber zwei Schritte mit mir gehen, so würde ich dir die hellerleuchteten Fenster zeigen, von denen ich herkomme. Sie strahlen über die ganze Straße daher.
FRIEDRICH: Und aus alle dem Glanze stiehlst du dich in die Einsamkeit dieser Studierstube?
KARL: Um meinem benediktinischen Bruder guten Abend zu wünschen. Nachdem man Welt gesehen, sucht man auch einen Menschen auf; nachdem man Konversation geführt, will man auch eines Gespräches genießen.
FRIEDRICH: Ich kann mir den Unterschied, den du da machst, schon gefallen lassen; sei mir desto herzlicher willkommen!
KARL: Du glaubst ja ohnehin nicht, daß es mich befriedigen könnte, mich unter alle den Herrschaften zu bewegen, die mancherlei Meinungen und Notizen, die einen Salon beherrschen, mit der Nuance der meinigen zu versetzen.
FRIEDRICH: Du redest, wie die meisten Weltkinder reden, von Byron an; du fühlst dich ermüdet, abgespannt.
KARL: Welt und Konversation geben doch nur eine Berührung im Elemente des Allgemeinen, an der Oberfläche des Geistes: man sieht Menschen, welche die Gunst der Umstände oder die Geburt auf die Höhe der Gesellschaft gehoben; man hört von den Dingen, auf welche der Augenblick die Aufmerksamkeit gelenkt hat; es ist eine Gemeinschaft der flüchtigsten Art, die sich unaufhörlich verwandelt und dabei doch jahraus jahrein die nämliche bleibt. Es gibt Leute, die darin ihre Befriedigung sehen; mir ist dieses abwechselnde Einerlei etwas drückend.
FRIEDRICH: Gleichwohl wirst du es nicht völlig entbehren wollen. Es müssen in der vornehmen Gesellschaft doch zugleich die Interessen der Welt, durch welche sie wirklich in Bewegung gesetzt wird, wäre es auch nur flüchtig und, wie du sagst, an der Oberfläche, zutage kommen. Es muß euch interessant sein, sie hervortauchen, immer stärker werden, zur Herrschaft gelangen, wieder verschwinden zu sehen. Wovon sprach man heute vorzüglich?
KARL: Mein Gott, es wiederholt sich die Zeitung, wie ein jeder sie auffaßt: Spannung zwischen England und Rußland; Portfolio; Rückgabe von Silistria; die Reise der französischen Prinzen; Alibaud; die geringe Aufmerksamkeit, welche man heutzutage den Kammerverhandlungen widmet; Eisenbahnen und Perkussionsgewehre; Krieg und Friede: mit einem Worte alles, was du willst.
FRIEDRICH: Aber einige Gesichtspunkte, einige Meinungen walteten vor?
KARL: Nach den verschiedenen Ständen. Den jungen Offizieren leuchten die Augen bei dem bloßen Gedanken an Krieg, ohne daß sie viel danach fragen sollten, gegen wen es gehe; – sie ergreifen die Feindseligkeiten des Portfolio; – sie glauben, man wolle es in England ernstlich zum Bruche bringen; – sie zweifeln nicht, daß das Feuer dann unverzüglich das übrige Europa und die Welt ergreifen werde.
FRIEDRICH: Was wäre es auch für eine Armee, die den Krieg nicht von Herzen herbeiwünschte: Tätigkeit, Geltung, Avancement? Ich verdenke es keinem.
KARL: Es ist nur sonderbar, daß man niemals gewaltiger und allgemeiner gerüstet war als jetzt, und daß man niemals längeren Frieden hatte.
FRIEDRICH: Das bedingt sich nun wohl. Der Krieg wurde sonst mit dem Überschuß der Kräfte geführt, mit den Leuten, die man entbehren konnte, mit dem Gelde, das sich entweder im Schatze fand oder doch ohne allzu große Anstrengung aufzubringen war; jetzt schlagen die Nationen, bewaffnet wie sie sind, beinahe Mann bei Mann, mit aller ihrer Kraft; die Kosten der ersten Ausrüstung schon sind unerschwinglich; zu einem Kampfe auf Leben und Tod müßte man sich gefaßt machen; kein Wunder, daß man sich ein wenig besinnt. – Aber du wolltest noch von einer andern Meinung reden.
KARL: Die Administration dagegen sieht mit Vergnügen den langen Frieden kommen. Man hört auf, den Gegensatz der absoluten und konstitutionellen Monarchien zu fürchten, der die Aussicht alle die Jahre daher bewölkte und so gefährlich schien. Justemilieu, das sich so lange ruhig halten mußte, schöpft wieder Atem. Man hofft, alles werde die Unmöglichkeit einsehen, in den Extremen zu regieren.
FRIEDRICH: Und zu dieser Meinung, dünkt mich, wirst auch du dich halten.
KARL: Wie könnte ich anders? Darf sich die Politik der unaufhörlichen Bewegung der populären oder den retardierenden Prinzipien der aristokratischen Tendenzen ergeben? Und muß man nicht in ihrem Kampfe eine Stellung zwischen ihnen ergreifen, schon darum, um ihnen nicht dienstbar zu werden und sich nicht durch ihren Impuls von dem, was man will, zu dem, was man nicht will, fortreißen zu lassen?
FRIEDRICH: Sehr weise.
