Geschichte der Weltliteratur in einer Stunde - Klabund - E-Book

Geschichte der Weltliteratur in einer Stunde E-Book

Klabund

0,0
0,49 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Die 'Geschichte der Weltliteratur in einer Stunde' ist eine ambitionierte Anthologie, die den Lesern einen schnellen, doch tiefgreifenden Einblick in die globale literarische Landschaft bietet. Unter der Federführung von Klabund, dem Pseudonym des deutschen Autors Alfred Henschke, vereint diese Sammlung essenzielle literarische Werke und Stile aus verschiedenen Epochen und Kulturen. Sie zielt darauf ab, einen kohärenten Überblick über die Evolution der literarischen Ausdrucksformen und deren universelle Bedeutungen zu geben. Die Auswahl der Texte demonstriert nicht nur die Vielfalt der literarischen Genres, sondern auch deren Fähigkeit, kulturelle und historische Kontexte widerzuspiegeln und zu beeinflussen. Alfred Henschke, bekannt als Klabund, war eine Schlüsselfigur der literarischen Moderne in Deutschland. Sein breites Werk und seine umfangreichen Einflüsse sind tief verwurzelt in der literarischen Tradition und Innovation. In dieser Anthologie repräsentieren seine sorgfältig ausgewählten Werke verschiedener Autoren eine kulturelle und epochemachende Diversität, die zu einem besseren Verständnis der kollektiven menschlichen Erfahrung beiträgt. Klabunds Ziel war es, eine Brücke zwischen den literarischen Kulturen zu schlagen und somit das globale literarische Erbe zugänglich zu machen. Diese Sammlung ist ideal für Leser, die an einem kompakten, aber umfassenden Überblick über die Weltliteratur interessiert sind. Sie bietet eine einzigartige Chance, in kurzer Zeit ein breites Spektrum an literarischen Stilen und Themen zu erleben und dabei kulturelle Grenzen zu überschreiten. Die Anthologie lädt dazu ein, den intertextuellen Dialog zwischen den Werken zu erkunden, wodurch ein tieferes Verständnis der literarischen Kunst und ihrer Rolle in der menschlichen Geschichte gefördert wird. In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen: - Eine prägnante Einführung verortet die zeitlose Anziehungskraft und Themen des Werkes. - Die Synopsis skizziert die Haupthandlung und hebt wichtige Entwicklungen hervor, ohne entscheidende Wendungen zu verraten. - Ein ausführlicher historischer Kontext versetzt Sie in die Ereignisse und Einflüsse der Epoche, die das Schreiben geprägt haben. - Eine gründliche Analyse seziert Symbole, Motive und Charakterentwicklungen, um tiefere Bedeutungen offenzulegen. - Reflexionsfragen laden Sie dazu ein, sich persönlich mit den Botschaften des Werkes auseinanderzusetzen und sie mit dem modernen Leben in Verbindung zu bringen. - Sorgfältig ausgewählte unvergessliche Zitate heben Momente literarischer Brillanz hervor. - Interaktive Fußnoten erklären ungewöhnliche Referenzen, historische Anspielungen und veraltete Ausdrücke für eine mühelose, besser informierte Lektüre.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 199

Veröffentlichungsjahr: 2017

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Klabund / Alfred Henschke

Geschichte der Weltliteratur in einer Stunde

Bereicherte Ausgabe.
Einführung, Studien und Kommentare von Leni Vogel

Books

- Innovative digitale Lösungen & Optimale Formatierung -
Bearbeitet und veröffentlicht von Musaicum Press, 2017
ISBN 978-80-272-0809-8

Inhaltsverzeichnis

Einführung
Synopsis
Historischer Kontext
Geschichte der Weltliteratur in einer Stunde
Analyse
Reflexion
Unvergessliche Zitate
Notizen

Einführung

Inhaltsverzeichnis

Die kühne Verheißung, die ungeheure Vielfalt der Weltliteratur in die Spanne einer einzigen Stunde zu fassen, spannt in Klabunds knapper Skizze den Bogen zwischen Tempo und Tiefgang, zwischen heiterer Lust am Überblick und ernstem Respekt vor den Werken, zwischen der verführerischen Klarheit der Zusammenfassung und der Demut vor dem Unabgeschlossenen, sodass aus dem Wagnis der Verdichtung eine Einladung entsteht, dem eigenen Leseweg zu vertrauen, ohne das historische Bewusstsein zu verlieren, und die Frage, was als wesentlich gilt, nicht ein für alle Mal zu beantworten, sondern mit Witz, Beweglichkeit und Maß zu stellen.

Geschichte der Weltliteratur in einer Stunde ist ein essayistisches Überblickswerk des Autors Klabund, bürgerlich Alfred Henschke, das im kulturellen Klima der Weimarer Republik entstand und eine populäre, feuilletongeschärfte Form der Literaturgeschichtsschreibung pflegt. Der Schauplatz ist nicht ein geographischer Ort, sondern der gedachte Parcours durch Epochen und Traditionen, die in schnellen Bewegungen aufgerufen und in prägnanten Bildern gebündelt werden. Als kurzer, bewusst unakademischer Abriss positioniert sich das Buch zwischen Vortragsgestus und Lesebuch, offen für Neugier, pointiert in der Auswahl, und es bekennt sich zur Skizze als Methode, statt Vollständigkeit zu behaupten oder den Kanon abschließend zu fixieren.

Ausgangssituation ist die Ankündigung einer raschen Reise durch die Geschichte des Lesens und Schreibens, angeführt von einer Erzählerstimme, die Nähe herstellt, ohne auf Urteilskraft zu verzichten. Klabund führt mit leichter Hand, wechselt zwischen knappen Charakterisierungen und überraschenden Übergängen, lässt Epochen aufblitzen und zieht Linien, die Orientierung bieten, ohne die Komplexität zu tilgen. Der Ton bleibt gelassen, zugewandt, gelegentlich ironisch, doch nie zynisch; der Stil neigt zur Pointe, zum sprechenden Bild, zur rhythmischen Verdichtung. Das Leseerlebnis ist deshalb von Beweglichkeit geprägt: man blättert schnell, hält inne, gewinnt Appetit, kehrt zurück und liest weiter, geführt vom Atem eines kenntnisreichen Flaneurs.

Im Zentrum steht die Frage, wie sich Fülle in Form bringen lässt: Auswahl als Kunst, Kürze als Erkenntnismittel, Verknappung als Einladung zur eigenen Ergänzung. Das Buch verhandelt damit implizit, was Weltliteratur sein kann: ein Netz von Beziehungen, kein starres Verzeichnis; ein lebendiger Austausch, der über Grenzen und Zeiten hinweg wirkt. Es zeigt, dass Überblick nicht Gleichmacherei bedeuten muss, sondern Perspektiven schafft, die Unterschiede sichtbar halten. Zugleich reflektiert der Text die Rolle des Lesers als Mitgestalter, denn jede Skizze ruft Weiterdenken hervor und verschiebt den Akzent von autoritativer Feststellung hin zu dialogischer, beweglicher Orientierung im kulturellen Gedächtnis.

Gerade für heutige Leserinnen und Leser, die sich in einer Fülle von Informationen, Listen und Empfehlungen bewegen, behält Klabunds Ansatz seine Anziehungskraft. Er bietet keine fertige Rangliste, sondern ein Bewegungsmodell des Lesens, das gegen die Trägheit des bloßen Konsums arbeitet. In einer Zeit beschleunigter Aufmerksamkeiten zeigt dieses Buch, wie Tempo und Urteilskraft zusammenfinden können, ohne Oberflächenhaftigkeit zu riskieren. Es ermutigt, Schwellenangst gegenüber großen Traditionen abzubauen, neugierig zu streunen und zugleich Maßstäbe bewusst zu setzen. Damit wirkt der Text als Kompass: nicht normativ, sondern anregend, nicht abschließend, sondern öffnend, nicht belehrend, sondern einladend und wachsam.

Stilistisch vertraut Klabund auf Verdichtung, Rhythmus und Bildkraft: kurze Abschnitte greifen ineinander, Charakterzüge werden in ein, zwei Strichen erfasst, Übergänge tragen die Energie des Gedankens. Die Sprache bleibt zugänglich, doch sie scheut nicht vor Nuancen zurück; sie bevorzugt die klare Pointe, ohne in bloße Schlagfertigkeit zu kippen. Humor ist dabei kein Dekor, sondern Erkenntnismittel, weil er Vertrautes fremd erscheinen lässt und den Blick für Konturen schärft. So entsteht eine Dynamik, die die Ernsthaftigkeit des Gegenstandes wahrt und zugleich Leichtigkeit stiftet – ein Zusammenspiel, das die Lektüre trägt und für nachhaltige Erinnerbarkeit sorgt.

Wer dieses Buch zur Hand nimmt, erhält keinen Atlas mit fixen Grenzen, sondern einen kundigen Wegweiser, der Wege eröffnet und Abzweigungen sichtbar macht. Geschichte der Weltliteratur in einer Stunde versteht sich als Einstieg und Anstiftung: Es gibt Impulse, skizziert Horizonte, schärft Fragen und belässt die Entscheidung beim Leser. Gerade darin liegt seine bleibende Stärke, denn es verwandelt Fülle nicht in Last, sondern in Bewegungsfreiheit. Als klug komponierte Stunde, die Überblick wagt und Offenheit übt, erweist sich Klabunds Abriss als zeitloser Begleiter – ein Anfang, der Lust auf viele weitere Stunden mit Literatur weckt.

Synopsis

Inhaltsverzeichnis

Klabunds Geschichte der Weltliteratur in einer Stunde ist ein pointierter, essayistischer Streifzug durch die Literaturgeschichte, verdichtet auf die Spanne eines Vortrags. Als knapper Leitfaden aus dem frühen 20. Jahrhundert verfolgt der Autor das Ziel, Laien und Liebhaberinnen gleichermaßen in kurzer Zeit zu orientieren. Er ordnet Epochen, Gattungen und Tendenzen in prägnanten Miniaturen, verbindet Überblick mit zugespitzter Wertung und hält die Darstellung bewusst beweglich. Statt eines Handbuchs bietet er eine erzählerisch gefärbte Tour, die vom Ursprung des Dichtens bis zur Moderne führt. Die leitende Frage lautet, wie sich menschliche Erfahrung in Formen niederschlägt und im Verlauf der Jahrhunderte wandelt.

Am Anfang setzt Klabund beim mythischen und rituellen Wort an: Geschichten, Gesänge und Sprüche, die Erinnerung stiften und Gemeinschaft formen. Aus dem mündlichen Sprechen wächst das Schreiben, aus der Beschwörung der Welt der Bericht von ihr. Früh kristallisieren sich Muster heraus, die später zu Gattungen werden: das weit ausholende Epos, die gebundene Hymne, die dialogische Szene. Literatur erscheint als Antwort auf das Bedürfnis nach Ordnung und Nachahmung ebenso wie nach Ausdruck und Spiel. In dieser Urphase legt der Text die Grundspannung frei, die ihn weiter begleitet: Tradition bewahren und zugleich Neues wagen, das vorhandene Formen überprägt.

In der antiken Hochkultur schildert Klabund die Ausbildung normativer Formen und die Entstehung eines Kanons. Dichtung, Drama und theoretische Reflexion treten in einen fruchtbaren Wettstreit: Maß, Regel und Kunstfertigkeit schärfen das Bewusstsein für Form, ohne den Erfahrungsgehalt auszulöschen. Die Bühne, die Rede und die Schule prägen ein Ideal von Gestaltung, das über Generationen wirksam bleibt. Zugleich zeigen Übersetzungen und Nachdichtungen, dass Literatur schon früh grenzüberschreitend zirkuliert. Gegen Ende dieser Epoche treten Synthesen auf, die religiöse, philosophische und ästhetische Impulse bündeln. Der Text markiert hier Orientierungsfiguren, an denen spätere Zeiten ihre jeweiligen Neuerungen messen und reiben.

Mit dem Mittelalter verlagert sich der Schwerpunkt auf das Spannungsverhältnis zwischen sakraler Überlieferung und weltlicher Erzählfreude. Neben gelehrten Sprachen gewinnen volkssprachliche Traditionen an Gewicht; höfische und populäre Formen stehen nebeneinander. Der Übergang zur Renaissance markiert einen Sprung: Wiederentdeckung antiker Maßstäbe, Aufwertung des Individuums, Erprobung neuer dramaturgischer und lyrischer Verfahren. Die Erfindung des Buchdrucks verändert Produktion und Publikum, macht Texte verfügbar und Autorenschaft sichtbarer. Klabund akzentuiert diesen Abschnitt als Lernbewegung Europas, in der Bewahrung und Erneuerung ineinandergreifen. Aus der Werkstatt des Schreibens wird ein Schauplatz, auf dem sich Bildungsideal, Erzählkunst und öffentliche Resonanz neu justieren.

Auf die Renaissance folgen Aufklärung und Romantik als gegenläufige, doch miteinander verbundene Bewegungen. Vernunft, Kritik und gesellschaftliche Reform treffen auf Feier der Imagination, des Gefühls und der Einzigartigkeit. Der Roman etabliert sich als zentrale Form, in der das Selbst und seine Umwelt verhandelt werden. Poetologische Programme und literarische Zirkel treten auf, zugleich wächst der Anspruch des individuellen Genies. Klabund entfaltet diese Phase als produktiven Streit um Weltdeutung: universale Regeln versus nationale Prägung, Ordnung versus Spontaneität. Literatur wird hier zum Labor der Moderne, in dem Beobachten, Erzählen und Selbstbefragung neue Allianzen eingehen und tradierte Normen infrage gestellt werden.

Von Realismus und Naturalismus führt der Bogen zu den Experimenten der frühen Moderne. Gesellschaftliche Panorama-Blicke, eine analytische, bisweilen wissenschaftlich gefärbte Beobachtungshaltung und die Erfahrung der Großstadt prägen Themen und Techniken. Erzählperspektiven brechen auf, Formen werden verkürzt, montiert, rhythmisiert. Übersetzungen und internationale Vermittlung verstärken das Gefühl einer vernetzten Weltliteratur, zugleich wächst die Wahrnehmung kultureller Differenzen. Klabund beschreibt diese Gegenwart als beschleunigt und plural: Neben großen Stoffen stehen Miniaturen, neben Tradition radikale Erneuerung. Die zentrale Frage lautet, wie Darstellung noch Wirklichkeit fasst, wenn Gewissheiten schwinden. Die Antwort bleibt offen, doch die Vielfalt erscheint als Chance, nicht als Mangel.

Im Schlussakkord reflektiert der Text seine eigene Methode: Die knappe Zeitvorgabe ist weniger Einschränkung als Antrieb, Linien sichtbar zu machen und Lektürelust zu wecken. Klabund bietet ein Netz aus Orientierungspunkten, zugespitzt genug, um zu merken, offen genug, um Widerspruch und Weiterdenken einzuladen. Die leitende Idee, Literatur als fortlaufendes Gespräch über Mensch und Welt zu begreifen, trägt den Überblick und bindet disparate Epochen locker zusammen. Als Wirkung bleibt ein Gefühl aufgeklärter Neugier: Wer folgt, verfügt über eine Karte, nicht über das Gelände. Der Band ermutigt, diese Karte im eigenen Lesen zu erproben und eigenständig zu ergänzen.

Historischer Kontext

Inhaltsverzeichnis

„Geschichte der Weltliteratur in einer Stunde“ entstand im Umfeld der Weimarer Republik (1919–1933), deren literarische Zentren vor allem Berlin und München waren. Prägende Institutionen dieser Zeit waren dynamische Verlage, weit verbreitete Taschenbuchreihen (z. B. Reclams Universal-Bibliothek), ein einflussreicher Feuilletonjournalismus sowie neue Massenmedien wie der Rundfunk (etwa Funk-Stunde Berlin seit 1923). Volkshochschulen und öffentliche Bibliotheken erweiterten zugleich den Kreis der Leserinnen und Leser. Klabund, bürgerlich Alfred Henschke, arbeitete zwischen München, Berlin und Aufenthalten in Davos, und veröffentlichte in renommierten Zeitschriften wie Die Aktion und Simplicissimus. In diesem verdichteten Kommunikationsraum fand ein populäres, komprimiertes Überblickswerk besondere Resonanz.

Der Titelbegriff „Weltliteratur“ verweist auf eine Tradition, die Johann Wolfgang von Goethe in den 1820er Jahren prägnant formulierte, insbesondere in Gesprächen mit Johann Peter Eckermann (1827). Im 19. Jahrhundert etablierte sich daraus eine komparatistische Perspektive: Germanistische und romanistische Philologie sowie Allgemeine Literaturgeschichten fassten nationale Kanones und internationale Austauschprozesse zusammen. Um 1900 und danach wurden solche Überblicksdarstellungen vielfach für breitere Leserkreise aufbereitet. Klabunds kompakte „Stunden“-Skizze steht damit in einer Linie populärer Literaturgeschichten, die den Begriff Weltliteratur nicht als Spezialdiskurs der Universität belassen, sondern in den kulturellen Alltag der Weimarer Öffentlichkeit tragen.

Die Entstehungszeit des Buches wurde von künstlerischen Bewegungen geprägt, die auf Verdichtung, Schlagkraft und formale Experimente setzten. Der Expressionismus der 1910er und frühen 1920er Jahre förderte eine Sprache der Intensität, kurze Formen und montierte Perspektiven. Parallel entfalteten Kabarett, Satire und Feuilleton humoristische und ironische Umgangsweisen mit Traditionen. Klabund profilierte sich in dieser Atmosphäre als Lyriker, Dramatiker und Verfasser von Parodien und Pastiches, der Klassiker spielerisch neu rahmte. Eine kurzgefasste Weltliteraturgeschichte knüpft an diesen Stil an: Sie vermittelt Bildung in knapper Form, setzt auf pointierte Wertungen und spiegelt die experimentelle Lust am Neuarrangieren der Überlieferung.

Der Erste Weltkrieg (1914–1918) und seine Nachwirkungen prägten Lektüren und literarische Wertungen nachhaltig. Viele Autoren und Kritiker suchten nach Orientierung im Kanon und nach neuen Maßstäben, um eine erschütterte Gegenwart zu deuten. In der Weimarer Republik trafen pazifistische Stimmen, revolutionäre Avantgarden und konservative Bildungsansprüche unmittelbar aufeinander. Literaturgeschichten wurden dabei zu Foren, in denen Epochenbilder und Traditionslinien neu vermessen wurden. Ein rasch lesbares Kompendium wie das von Klabund reagiert auf diese Gemengelage: Es bietet Überblick, ordnet historische Brüche und schlägt mit knappen, oft pointierten Charakterisierungen Brücken zwischen Vergangenheitserbe und den Fragen der Zwischenkriegszeit.

Die Weimarer Jahre waren von starker Internationalisierung des Literaturbetriebs geprägt. Übersetzungen aus dem Russischen, Skandinavischen und vor allem – durch Mittler wie den Sinologen Richard Wilhelm – aus dem Chinesischen erreichten ein größeres deutsches Publikum. Klabund selbst trug mit Nachdichtungen ostasiatischer Lyrik und der Bearbeitung des chinesischen „Kreidekreises“ für die Bühne (1925) zu dieser Öffnung bei. Ein Weltliteratur-Blick, der europäische und außereuropäische Traditionen zusammendenkt, entspricht dieser Entwicklung. Insofern reflektiert das Werk den zeitgenössischen Austauschhorizont, der nicht nur nationale Klassik, sondern vielfältige kulturelle Strömungen als Bestandteile einer gemeinsamen literarischen Welt adressierte.

Neue Medien veränderten die Vermittlung von Literatur. Der Rundfunk etablierte ab Mitte der 1920er Jahre literarische Vorträge und Gespräche; so hielten etwa Walter Benjamin zwischen 1929 und 1933 zahlreiche Rundfunkvorträge. Zeitungen und Zeitschriften verbreiteten in ihren Feuilletons knappe Essays, Autorenbilder und Epochenrisse. Auch Volkshochschulen strukturierten Wissen häufig in überschaubaren Veranstaltungsstunden. In dieser Kultur der Verdichtung wurden „Einführungen“, „Abrisse“ und „Stunden“-Formate zu beliebten Gattungen. Klabunds Überblick knüpft an diese didaktische und mediale Situation zugleich an, indem er komplexe Entwicklungslinien auf ein kompaktes, gut vermittelbares Zeitraster konzentriert, ohne gelehrte Ambitionen gänzlich aufzugeben.

Ökonomische Rahmenbedingungen beeinflussten zugleich Produktion und Rezeption. Die Hyperinflation von 1923 brachte den Buchhandel zeitweise in Bedrängnis; die Stabilisierung nach dem Dawes-Plan 1924 leitete eine Phase der „Goldenen Zwanziger“ ein, in der Auflagen und Leserschaft wieder wuchsen. Preisgünstige Reihen, Leihbüchereien und städtische Bücherhallen erleichterten den Zugang zu Klassikern und Überblickswerken. Institutionen wie die Deutsche Bücherei in Leipzig (gegründet 1912) und große Staatsbibliotheken sammelten und erschlossen systematisch Literatur. Vor diesem Hintergrund bot eine kurze, bezahlbare Weltliteraturgeschichte einen attraktiven Zugang: Sie erfüllte Bildungsansprüche, ohne die finanziellen und zeitlichen Ressourcen eines Massenpublikums zu überfordern.

Als historischer Kommentar zur Epoche verbindet Klabunds Buch drei Signaturen der Weimarer Kultur: Beschleunigung, Internationalität und Popularisierung von Bildung. Indem es Jahrhunderte der Dichtung in kürzester Form kartiert, ironisiert es zugleich die Autorität starrer Kanones und macht deren Prämissen durchsichtig. Das Werk vermittelt zwischen gelehrter Tradition und moderner Massenkultur, zwischen klassischem Bildungspathos und spielerischer Aneignung. So spiegelt es die Ambivalenzen einer Zeit, die Vergangenheit neu ordnete, um Gegenwart zu verstehen – und demonstriert, wie Weltliteratur als lebendiger Gesprächsraum fungieren kann, in dem nationale Grenzen relativiert und Verbindendes sichtbar gemacht wird.

Geschichte der Weltliteratur in einer Stunde

Hauptinhaltsverzeichnis
Die Sehnsucht nach dem Licht Das Volk der Mitte und der Vermittlung
Urzeit Im Anfang war das Wort
Indien Indien ist der Menschheit Vaterland
Assyrien und Babylon Gilgamesch, wohin läufst du? Dem unbekannten Gott
China Laotse und das magische Denken
Japan
Ägypten Die Mumien fordern die Ewigkeit heraus
Juden und Christen
Arabien und Türkei
Hellas
Rom
Italien
Spanien
Portugal
Frankreich
Die Niederlande
England
Nordamerika
Skandinavien
Finnland, Esthland, Lettland, Litauen
Polen
Die Tschechen
Ungarn
Der Balkan
Rußland
Epilog

Die Sehnsucht nach dem Licht Das Volk der Mitte und der Vermittlung

Inhaltsverzeichnis

Einleitung Als untrüglicher Beweis für das Dasein Gottes ragt das mystische Gebäude der Weltliteratur in Raum und Zeit, Traum und Ewigkeit. Mag beim Brand von Alexandria[1] die kostbare Bibliothek in Flammen aufgehen, mit ihr das edelste Erbe der altgriechischen und altägyptischen Dichtung, mögen chinesische Kaiser die alten Schriften verbrennen, um jede Brücke nach der Vergangenheit abzubrechen um der Zukunft willen, mögen katholische Bischöfe die Dichtungen der Azteken oder Araber oder Germanen dem Autodafé[2] überliefern: die Säulen, die aus dem Dom gebrochen wurden, sind längst ersetzt, und er wird als Realität und Idealität stehen, solange es Menschen gibt.

Ich schreibe diese Zeilen im Angesicht des Vesuv. Nachts spielt ein rötlicher Glanz um seinen Krater: ein neuer Ausbruch steht bevor. Die Bewohner der umliegenden Ortschaften sehen dem mit Gleichmut entgegen. Torre de Greco[3] ist unzählige Male zerstört und immer wieder aufgebaut worden. So können die vulkanischen Ausbrüche der Geschichte wohl die Kulturen, aber niemals den Geist treffen, der sie erzeugt. Der ist unzerstörbar und wird aus den Trümmern immer neue Dome und Tempel erstehen lassen. Die Dichtung ist der höchste Ausdruck jener Kraft, die sich im Protoplasma dunkel regt und die der Pflanze die Sehnsucht nach dem Licht verlieh. Die Dramen Shakespeares, die Epen Homers, die Lieder Li-tai-pes[5] sind wie Rosenöl, gepresst aus Milliarden Rosen.

Aber keine Rose blüht umsonst, auch die unscheinbarste nicht. In der Dichtung schlägt das Herz eines Volkes und sein Gewissen. Man könnte, ein Wort Spinozas variierend, sagen: Die Dichtung ist nicht die Vorstufe zu einem seligen Jenseits, sie ist dieses Jenseits selbst. Oder, wie du Prel sagt: Das Jenseits ist nur das anders angeschaute Diesseits. Denn jenseits dieser Welt gibt es nichts. Noch das Nirwana… ist diesseits. Die Sterne leuchten auch den Toten, diese Blumen blühen auch für sie. Nur daß die verklärten Geister sie anders sehen. Mit übermenschlichen oder unmenschlichen Augen. So sehen auch die Dichter diese Welt mit überoder unterirdischen Blicken. Gott ist der Geist[3q]. Und seine Geister sind die Dichter.

Die Dichtung jedes Volkes ist national und übernational zugleich[4q]. National in dem Sinn, daß sie auf der Sprache beruht: dem eigensten, was ein Volk schaffen kann. Übernational, indem sie seelische Strömungen, die von anderen Völkern kommen, aufnimmt, staut, für sich verarbeitet und weitergibt. Engstirnige Patrioten wollen die Völker voneinander abschließen. Ein solcher Abschluß würde nur die seelische Verkümmerung und Verkrüppelung eines Volkes zur Folge haben; abgesehen davon, daß es kaum möglich ist. Wir sehen heute alle Völker der Erde sich gegen den Bolschewismus wehren, mit den verzweifelsten Mitteln. Trotz geographischer und geistiger Blockade hat er aber eine Wirkung getan, die aus der Geschichte unserer Zeit nicht mehr wegzudenken ist. Die reiche deutsche Literatur des Mittelalters ist ohne den Einfluß der französischen Troubadoure (die heutige ohne Flaubert und Dostojewski), die englische Literatur ohne die Italiener, die italienische ohne den Einbruch des deutschen Blutes in Italien (Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen[6]: der auch der erste Dichter in italienischer Sprache und vielleicht der Erfinder des Sonettes war), Goethe ohne die Antike nicht vorstellbar. Es gibt nur ein Volk, das, soweit uns bekannt, ohne den Einfluß anderer Kulturen zu seinen höchsten Leistungen kam: China. Selbst die Bibel wäre nichts ohne die indischen Mythen, die über Ägypten den Weg nach Jerusalem fanden. Und Christus wandelt in den Spuren Krischnas. Wir wollen unser geistiges Auge öffnen und es den Sonnenstrahlen der Kulturen darbieten. „Wir sind Deutsche,“ sagt einmal Hofmannsthal, „und unserer Sprache, die ja unser Schicksal ist, ist dies Merkmal gegeben, daß in ihr wie in keiner die geistigen Schöpfungen anderer Völker in ihrer Herrlichkeit wieder auferstehen und ihr eigenstes Wesen offenbaren können, wodurch wir als das Volk der Mitte und der Vermittlung auserlesen und beglaubigt sind.“

Urzeit Im Anfang war das Wort

Inhaltsverzeichnis

Woher kommt die Sprache? Die alten Inder meinen, sie sei ein Geschenk der Götter. Die ersten Menschen haben nicht anders gesprochen, als Hunde bellen. Es gibt auch heute noch Menschen, die wie Hunde bellen: das Volk der Orang-Kubu[4], das in Sumatra lebt, von der übrigen Insel durch Gebirge und Sümpfe getrennt. Die Kubu haben eine Sprache, die ein paar Dutzend primitive Laute kennt. Sie haben keine Dichtung, denn sie kennen kein „Jenseits“. Sie haben keinerlei religiöse Vorstellungen. Sie wissen nichts vom Tod. Sie glauben an nichts. Sie haben keine Grabzeremonie, und wenn einer stirbt, dann lassen sie ihn liegen, wo er liegt. Die Dichtung der Völker beginnt mit der mündlichen, später schriftlichen Fixierung religiöser Vorstellungen. Die Schöpfung der Idee „Gott“ war die erste. Im Anfang war das Wort[1q]. Und das Wort schuf den Gott. Und Gott wurde das Wort. Die ältesten Dichtungen, die wir kennen: die ägyptischen, babylonischen, indischen Dichtungen: sind religiöse Dichtungen fetischistischer, mythologischer, ahnenkultlicher Art. Ihnen gesellten sich bald das Liebeslied und das Märchen. Glaube und Aberglaube sind die Eltern der Dichtung[2q]. Der Glaube wird zur Voraussetzung der Gestaltung.

Die Urmenschen kennen keine Sünde. Sie wissen nichts von Gut und Böse. Sie leben vor dem Sündenfall. Erst durch den Sündenfall, durch das Bewußtwerden von Gut und Böse, kam die Religion und in ihrem Gefolge die Dichtung in die Welt. Ein babylonisches Gedicht beginnt: „Die Sünde, die ich sündigte, kannte ich nicht.“ Die Erkenntnis der Polaritäten des Daseins schuf die Dichtung, die sich zu allen Zeiten zwischen den Polen Gott und Teufel, Tod und Leben, Mann und Frau bewegt. „Wahrheit läßt sich nur durch Erfassen der Gegensätze begreifen,“ sagt ein alter chinesischer Spruch. Diese Wahrheit sucht die Dichtung.

Es gibt Leute, die sich über die kühnen Bilder unserer jungen Dichter aufregen. Sie vergessen, daß die älteste Dichtung noch ungleich kühnere wagt. Daß in den Psalmen die Berge hüpfen, die Flüsse in die Hände schlagen und die Morgenröte Flügel bekommt. Wir leben in einer Zeit, die außer Rand und Band geriet, wir leben in einer ekstatischen Zeit, ähnlich der Urzeit der Dichtung oder der Zeit der jüdischen Psalmen. Wir leben in einer „ver-rückten“ Zeit, und damit ist mehr gesagt, als zuerst erscheinen mag. Denn das gemeinsame Kennzeichen aller ekstatischen Epochen ist der schizophrene Geisteszustand. Der assoziative Zusammenhang ist gespalten (Dadaismus, Futurismus). Wirklichkeit und Traum werden auseinandergehalten (Expressionismus). Raum und Zeit werden relativiert (Einstein). Bestimmte Vorstellungen wiederholen sich monoton wie der Refrain eines Gassenhauers (der religiöse Kommunismus!). Man vergleiche ein Bild von Paul Klee mit einer Negerund Irrenzeichnung. Die Verwandtschaft der drei ist überzeugend.

Wir leben in einer chaotischen, in einer romantischen Zeit, wie sie immer wieder über die Erde kommt, aus der Versuche zu einer neuen Klassik schon wie Tauben aus der Arche Noah aufsteigen.

Indien Indien ist der Menschheit Vaterland

Inhaltsverzeichnis

Indien ist der heutigen Menschheit Mutterund Vaterland[5q]. Vom ihm stammen die Grundlagen aller westlichen Kulturen: die Mythologie und die Sprache. Die alten Griechen, in ihrer formalen Begabung zu Recht so hoch geschätzt, sind nur die Mittler der Ideen, die zuerst in Indien auftauchten. Aus dem indischen Harakala wurde Herkules, aus Thasaa Theseus, aus Dyaus Zeus, aus Manu Minos und so fort. Die Ilias ist eine Variation der Ramayana, des indischen Heldengedichtes, das die Kriegsfahrt Ramas gegen den König Ravasa von Ceylon verherrlicht, der ihm seine Frau Sita entführt hatte. (Der Sage nach 7500 v.Chr.) In den Veden finden sich astronomische Zeitangaben, die bis etwa 14 000 v. Chr. zurückgehen. Zu dieser Zeit gab es schon eine hochentwickelte Kultur, die unsere heutige Schein-Kultur vermutlich weit übertraf. Inder, die nach dem Westen und Norden zogen (vergleiche den Anfang des Kapitels Skandinavien), brachten ihre Sprache mit. In den Veden wird die Entstehung der Erde als ein Mythos geschildert, den Darwin im 19. Jahrhundert wissenschaftlich zu begründen trachtete.

Die Legenden und Dichtungen der Rigveda gehören zu den wunder-vollsten Dichtungen der Weltliteratur. Noch ist nichts abstrahiert: alle Vorstellungen sind konkret, plastisch. Idee und Bild sind eins. Gott zieht den Menschen zu sich empor wie einen Brunneneimer, er nimmt die Sünde von ihm wie den Strick vom Kalbe. Der Mensch sendet seine Gebete wie schwärmende Bienen. Man sieht: die Bilder sind dem engsten Vorstellungskreis der indischen Bauern entnommen. Die Sonne dreht sich wie ein Wagenrad[6q]. (Aus dem Zeichen der Sonne ist das ominöse Hakenkreuz entstanden.) Das zweite große Epos ist Mahabaratha. Karna ist der Held, eine Gestalt wie Siegfried und Achilleus. Die schönsten Episoden sind: Savitri, das Lied von der Gattentreue, und Nal und Damajanti, das Lied der durch dämonische Schuld des Gatten getrennten und wieder vereinigten Liebenden. In der Brautwerbung des Nal für einen Gott klingt das Tristanmotiv an. Auch das kleine Epos Bhagavad-Gita ist im Mahabaratha enthalten: das Lied des Gottmenschen Krischna.

Buddha wird 600 v. Chr. als Reinkarnation Krischnas wie ein Lichtstrahl empfangen. Er lehrt die alte Lehre, die der Kastengeist der Brahmanen geschändet hatte. Immer wieder muß Gottes Sohn Gott gegen seine eigenen Priester zu neuem Leben erwecken. Die Lieder der buddhistischen Mönche und Nonnen enthalten das Wichtigste der indischen Gedankenlyrik, die nicht von Individuen, sondern von der Gemeinschaft gedichtet scheint. Im Suttapitaka finden sich die prosaischen, im Suttanipata die hymnischen Reden des Meisters. Sprüche tiefster Weisheit enthält der „Pfad der Wahrheit“ (Dhaumapada). Pantschatanira ist das älteste der indischen Märchenbücher. Es ist die Quelle zahlloser Nachahmungen bei allen Völkern. Boccaccio hat es so gut benutzt wie Shakespeare, Goethe wie Lafontaine. Somadewa läßt im 12. Jahrhundert das „Meer der Märchenströme“ wallen. Indiens größter Dichter ist Kalidasa (5. Jahrhundert n. Chr.), der Dichter der „Jahreszeiten“, des „Wolkenboten“, der im Epos, im Drama, in der Lyrik sich gleicherweise hervortat. Goethe sagt von seinem Drama „Sakuntala“:

Willst du den Himmel, die Erde mit einem Namen begreifen, Nenn ich Sakontala dir, und so ist alles gesagt.