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Das Buch "Geschichten am Rand - "Lebenslichter" ist ein wahres Herzensprojekt. Die Autorin Nadja Hebert schenkt Ihnen mit diesem Buch die Möglichkeit, einen Monat lang jeden Tag für fünfzehn Minuten in einen individuellen Lebensmoment einzutauchen und einen Impuls zum Krankheitsbild Demenz zu entdecken. Die Autorin: "Ich lade Sie ein, dem Leben, der Krankheit, dem Altern und Sterben offen gegenüber zu sein. Entdecken Sie Geschichten von Bewohnern eines Seniorenheims, so wie ich sie erlebt und verstanden habe. Meine Wahrnehmung ihrer Gedanken und Gefühlswelten, die sich durch viele Gespräche und Besuche auf Grund meiner Tätigkeit als Ergotherapeutin, Ethik- und Demenzberaterin herauskristallisiert hat. Begeben Sie sich in die Welt eines großen Hauses, welches angefüllt ist mit wundervollen Seelen." Der Anspruch an dieses Buch war nicht das Schreiben eines nächsten theoretischen Ratgebers, sondern das in Szene setzen von individuellen Lebenslichtern. Die Hinweise und Gedanken rund um das Leben mit und neben Demenz können den Blickwinkel von der Belastung weg und zu Vertrauen in die eigene Person und Stärke hin lenken. Die vielen Gespräche in den letzten Jahren haben Nadja Hebert verdeutlicht, dass Angehörige oftmals zu wenig beachtet werden und mehr Unterstützung benötigen! Persönlich und auch beruflich erlebt die Autorin, dass eine der größten Herausforderungen innerhalb einer Familie die Pflege eines Angehörigen ist, der an Demenz erkrankt ist. Kaum etwas ist noch vorhersehbar und bei jedem Betroffenen entdeckt man ein anderes Gesicht dieses "Nebelmonsters". Die Einblicke in die einzelnen Schicksale der Heimbewohner in den Kurzgeschichten bilden die große Bandbreite der Emotionen ab, zu denen ein Mensch fähig ist und sind mit Liebe erzählt. Diese Geschichten, die sich am "Rand des Lebens" abspielen, werden Sie teilweise zum schmunzeln bringen oder tief berühren. Der Weg steht Ihnen dabei offen, ein wenig mehr bei sich selbst ankommen zu dürfen.
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Seitenzahl: 100
Veröffentlichungsjahr: 2021
Ich bin stolze Mutter, liebende und geliebte Ehefrau und naturverbundene Fellnasenliebhaberin. Auf Grund der Krankheitsgeschichte meines Vaters und dem Erleben seines Sterbeprozesses bin ich nicht nur beruflich, sondern auch privat, auf die große Herausforderung Demenz gestoßen. Mein Antrieb ist der tiefe Wunsch, die Menschen an die Hand zu nehmen, die sich tagtäglich der Pflege eines Angehörigen oder Anvertrauten widmen. Dieses allumfassende Krankheitsbild der Demenz schafft auf beiden Seiten Leiden und es ist bedeutsam für Lachen, Vertrauen, eine positive Sichtweise, Kraft und Verschnaufpausen zu sorgen.
Seit 2001 arbeite ich, anfangs als Ergotherapeutin, in den letzten Jahren als Ethikberaterin, Demenzberaterin und auch als Beraterin zu Fragen der gesundheitlichen Versorgungsplanung in der letzten Lebensphase in verschiedenen Einrichtungen mit Senioren und ihren Angehörigen.
Seit November 2020 biete ich mein fachliches Wissen und meine persönliche Beratung, in der die individuelle Situation analysiert und Lösungen erarbeitet werden, auf meiner Webseite an:
www.hilfezentrum-demenz.de.
www.leichtigkeitsschmiede.info
Für Dich mit Liebe geschrieben!
Nadja Hebert
Geschichten am Rand - „Lebenslichter“
28 Kurzgeschichten von Heimbewohnern und alltagsrelevante Tipps sowie Lebensweisheiten für Angehörige von Menschen mit Demenz
© 2021 Nadja Hebert
Verlag und Druck:
tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg
ISBN
Paperback:
978-3-347-19059-7
Hardcover:
978-3-347-19060-3
e-Book:
978-3-347-19061-0
Originalausgabe 2021
Alle Rechte vorbehalten, Nachdruck, auch auszugsweise verboten
Kein Teil dieses Buches darf ohne schriftliche Erlaubnis der Autorin in irgendeiner Form reproduziert, vervielfältigt oder verbreitet werden.
Die im Buch genannten Informationen ersetzen nicht den Besuch ihres Haus- und/oder Facharztes. Alle Tipps und Informationen wurden mit größter Sorgfalt erstellt und geprüft. Die Autorin kann daher für Schäden jeglicher Art; die sich durch Anwendung jeglicher der im Buch aufgeführten Informationen ergeben, keine Haftung übernehmen.
Haftungsansprüche, Rechts- und Schadenersatzansprüche sind daher ausgeschlossen.
INHALT
Was ich Ihnen mit diesem Buch schenke
Das Model
Blickwinkel
Der Handwerker
Für Theoretiker
Die Sekretärin
Aha-Effekt
Die Hausfrau
Machen Gummibärchen
und Currywurst dement
Der Ingenieur
Kommunikations 1x1
Die Köchin
Sinnvoll
Die Verkäuferin
Erinnerungsinseln
Der Parteigenosse
Was wollen „wir“ den jetzt essen?
Die Opernsängerin
Merke
Der Kriegsveteran
Grundsatz
Die Königsfamilie
Blinder Fleck
Die Hundertjährige
Grundbedürfnisse eines jeden Menschen
Die Bäuerin
Vorbeugung
Der Geologe
Positive Sichtweise
Die Hauswirtschaftlerin
Depression versus Demenz
Der Kfz Mechaniker
Gedanke
Die Buchhalterin
Die Sache mit dem Druck
Die Kinderfrau
Hinweis
Die Organistin
Lebensfragen
Das Ehepaar
Was zählt
Die Bibliothekarin
Wahrheit
Der Lokomotivführer
Achtung
Die Kolumnistin
Vor dem Fall des Falles
Männertagsfeier
Lachen zwingend erlaubt
Die Endpflege
Fehlerquelle Betrachtungsweise
Die Bettnachbarinnen
Struktur schont dein Nervenkostüm
Die Kolumnistin Teil 2
Verschnaufpause
Die Gottesfürchtige
Neuzeit
Bonus: Gedankenspiele fürs Synapsentraining
Qualitätszeit
Abschiedsgeschenk
Feedbacks
Was ich dir noch sagen wollte
Das Beste kommt zum Schluss: LPR
Was ich Ihnen mit diesem Buch schenke
Alte Menschen verbergen einen leuchtenden, wertvollen Schatz hinter der rissigen Fassade!
Geschichten am Rand –„Lebenslichter“ ist ein wahres Herzensprojekt.
Ich schenke Ihnen mit diesem Buch die Möglichkeit, einen Monat lang jeden Tag für fünfzehn Minuten in einen individuellen Lebensmoment einzutauchen und einen Impuls zum Krankheitsbild Demenz zu entdecken
Ich lade Sie ein, dem Leben, der Krankheit, dem Altern und Sterben offen gegenüber zu stehen. Entdecken Sie Geschichten von Bewohnern eines Pflegeheims, so wie ich sie erlebt und verstanden habe. Meine Wahrnehmung ihrer Gedanken und Gefühlswelten, die sich durch viele Gespräche und Besuche auf Grund meiner Tätigkeit als Therapeutin, Ethik- und Demenzberaterin herauskristallisiert hat. Begeben Sie sich in die Welt eines großen Hauses, welches angefüllt ist mit wundervollen Seelen.
Mein Anspruch an dieses Buch war nicht das Schreiben eines nächsten theoretischen Ratgebers, sondern das in Szene setzen von individuellen Lebenslichtern und ihren „Geschichten am Rand“ des Lebens. Das Einfügen von einfachen und verständlichen Tipps zum Umgang mit Demenz und Lebensweisheiten, die im Pflegealltag umgesetzt werden können, war mir eine Herzensangelegenheit. Die vielen Gespräche in den letzten Jahren haben mir verdeutlicht, dass Angehörige oftmals zu wenig beachtet werden und dringend Unterstützung benötigen!
Persönlich und auch beruflich erlebe ich, dass eine der größten Herausforderungen innerhalb einer Familie, die Pflege eines an Demenz erkrankten Angehörigen ist. Kaum etwas ist noch vorhersehbar und bei jedem Betroffenen entdeckt man ein anderes Gesicht dieses „Nebelmonsters“. Angehörige, die sich dieser Belastung stellen, haben meinen höchsten Respekt.
Nicht nur beruflich, sondern auch privat hat das Krankheitsbild Demenz mein Leben geprägt. Die Persönlichkeit meines Vaters war in seinen letzten Lebensjahren durch verschiedene Krebserkrankungen und durch dieses schleichende Vergessen und die damit einhergehenden Verhaltensveränderungen immer mehr in den Hintergrund gedrängt worden.
Ich lade Sie herzlich dazu ein, einen Monat lang jeden Tag eine Geschichte zu lesen und einen Impuls zu verinnerlichen. Machen Sie es zu einem geliebten Ritual und schenken Sie sich danach eine Minute Dankbarkeitsmeditation. Zählen Sie in Gedanken auf, was sie in ihrem Leben erfreut und wofür Sie zutiefst dankbar sind. Das schenkt einen friedvollen Moment der Stille und lässt Sorgen kleiner werden.
PS: Sie mögen mir verzeihen, denn auf den nun folgenden Seiten werde ich Sie herzhaft duzen. Das Thema Demenz ist so persönlich und allumfassend, dass ich Sie mitnehme in meine Gedankenwelt und Sie bitte mir zu folgen und offen zu sein, gegenüber dem, was Sie lesen und fühlen.
Auf ein herzliches DU!
DEMENZ
Der Verstand schwindet und
Erlernen wird der Vergangenheit angehören, doch
Mit dem Herzen zu sehen und
Emotionen zu spüren wirst du
NICHT
Zerstören!
N.Hebert
Kapitel 1
Das Model
Glücklich lächelnd gehe ich mit meiner süßen Tochter an der Hand in dieses große lichtdurchflutete Haus, angefüllt mit einzelnen Schicksalen und Geschichten am Rand. Ich arbeite hier, pflege alte Menschen und versuche ihnen einen mit Wärme angefüllten Lebensabend zu verschaffen. Von Tag zu Tag wird mir bewusster, wie anspruchsvoll und andererseits erfüllend diese Arbeit ist. Heute bin ich in Zivil hier und möchte einer sehr alten, klugen und liebesbedürftigen Bewohnerin zum Geburtstag gratulieren. Schon vom ersten Augenblick unseres Kennenlernens an, besteht eine enge Bindung zwischen uns und sie scheint besonders meine Mädchen ins Herz geschlossen zu haben. Sie erzählt mir gern Geschichten aus ihrem Leben und wir schauen uns gemeinsam Fotos aus früheren Tagen an. Sie war eine wunderschöne, schlanke und langhaarige Blondine mit Eleganz und wachen Augen.
Manchmal, wenn ich sie von der Seite anblicke, kann ich diese Frau von damals sehen. Doch langsam erlischt ihre innere Flamme. In den letzten Tagen sieht sie oft sehr müde aus. Sie spricht vom Sterben und ihren Krankheiten. Besonders der Darm macht ihr sehr zu schaffen…
Blut…immer wieder dieses Blut. Die Ärzte reden von Darmbluten, irgendeiner chronischen Sache. Wie hieß die nur? Latein hat mir nie gelegen. Über 90 Jahre Lebenserfahrung und doch so nichts wissend. Bildung wurde in meiner Kindheit großgeschrieben. Ich lernte Klavier, konnte Taschentücher umhäkeln und Goethe rezitieren. Jetzt brauche ich dicke Brillengläser um die Umrandung des Bettes erkennen zu können und mit dem Hören ist es auch nicht gut bestellt. Trost empfinde ich nur in Gesprächen mit den wenigen Menschen, die meine Nähe suchen. Natürlich gibt es die Schwestern, die sich manchmal ein paar Minuten nehmen, aber das fühlt sich an wie das Reichen von Almosen. Nur dieses kleine Mädchen, das da ab und zu an mein Bett kommt, meine Hand streichelt und mir einen unschuldigen Kuss auf die Wange gibt, zaubert mir ein Lächeln auf die Lippen. Ihre Haut ist wundervoll weich und sie riecht nach Wildrosen. Ich vergesse immer ihren Namen, aber unter hunderten würde ich sie erkennen. Die Herzenswärme die sie ausstrahlt und die fehlende Angst vor meinem ausgemergelten Körper machen mich manchmal sprachlos. Ich selbst hatte nie diese Wirkung auf Menschen. Als junge Frau präsentierte ich nur zu gern meine Schönheit. Immer ein wenig erhaben und kühl. Ich liebte meinen Körper und die Grazie meiner schwingenden Hüften, wenn ich Kleider vorführte. Viele dieser farbenfrohen Stoffhüllen sind durch meine Hände entstanden. Seide faszinierte mich und übte fast schon eine Erotik aus. Das Thema Schönheit zog sich durch mein gesamtes Leben. Noch heute frisiere ich meine Haare und suche mir meine Kleidung aus, obgleich ich dabei Schmerzen erleide in meinen müden und knochigen Fingern. Manche Tage möchte ich das alles nicht mehr. Eine Handvoll Tabletten am Morgen, fremde Hände, die meinen Körper waschen, Augen, die jede Falte und jeden Altersfleck wahrnehmen und vorwurfsvolle Blicke, wenn ich nachts eine neue Windel brauche. Heutzutage wird das Inkontinenzmaterial genannt. Als ob es das besser machen würde. Es ist und bleibt eine Windel und dieses Stück Watte mit Plastik nimmt mir jede Form von Privatsphäre. Es ist beschämend und frustrierend, nicht selbst für die eigene Hygiene sorgen zu können und das Gefühl im eigenen Dreck und Blut zu liegen lässt mich innerlich aufschreien und ich möchte gehen dürfen, aber scheinbar hat Gott andere Pläne, oder hat er mich vergessen? Mein Grabstein ist bereits bezahlt und ich weiß auch, wo meine kupferfarbene Urne beigesetzt werden wird. Oft stelle ich mir vor, wie meine Töchter am Grab stehen. Vier Kinder unter großen Schmerzen geboren und fast gänzlich ohne Hilfe an meiner Seite aufgezogen. Mein Mann, ein Ostpreuße, war ein Choleriker und sexsüchtig. Er hat unter viele Weiberröcke geschaut und ich stellte mich blind. Da ist keine Emotion, die ich nicht erfahren habe. Große Freude als Mutter, Trauer um den Verlust der eigenen Schönheit und Angst vor den Gewalttätigkeiten des Mannsbildes.
Es gibt nichts Neues mehr zu fühlen, meine Seele ist wohlgenährt und wird sich bald dieses geschundenen und vernarbten Körpers entledigen. Ich will nicht jammern oder barmen. Das Leben findet stets einen Weg und wenn ich die Augen schließen werde, wird ein kleines Mädchen anderen Menschen von einer alten weißhaarigen Frau erzählen, die sich immer so gefreut hat, wenn sie sie gestreichelt hat.
Meine Tochter sitzt auf dem Bettrand und hält ihre Hand. Die zwei sprechen nicht viel miteinander, sie schauen sich einfach nur an, spüren einander und scheinen Eins zu sein. In diesem Augenblick ist hier im Zimmer die Liebe fast schon greifbar. Ich weiß, diese von Krankheit gezeichnete Frau, hat eine komplexe Persönlichkeit, welche angefüllt ist mit allerlei Widersprüchlichkeiten und der Motor ihres Lebens war der Erhalt ihres ansprechenden Aussehens. Manchmal wirkt sie mürrisch und fordernd. Es ist fast untragbar für sie, diese Altersflecke zu sehen und die dünnen Ärmchen mit den vielen Hautfalten zu ertasten. Oft sieht sie mich traurig an und erzählt mir wie rosig ihre Gesichtshaut war und wie weich ihre Rundungen. Doch heute strahlen ihre Augen und sie lächelt. Es ist schön, sie so ausgeglichen zu sehen. Jung und Alt, Leben und Sterben so nah beieinander.
Die zwei Seiten der Demenz
Für Betroffene:
D ahin dämmern
D a SEIN
E ntgleiten
E rleben
M akel
M itmachen
E nde
E motionen
N iemandsland
N ähe spüren
Z änkisch
Z ufrieden sein
Für Angehörige und Pflegende:
D esillusion
D a SEIN
E insamkeit
E rleben
M aßlos traurig
M it machen
E rschöpfung
E motionen
N ot
N ähe erleben
Z weifel
Z USAMMEN
Kapitel 2
Der Handwerker
Wieder ein „Nein“. Es ist seine Entscheidung, die ich akzeptieren muss, auch wenn ich ihn doch nur aus seiner Einsamkeit holen möchte. Wenn er wenigstens ein paar Worte mit mir sprechen würde, erzählen würde, was ihn beschäftigt. Ich höre gern älteren Menschen zu. Ich weiß, dass dieser Heimbewohner sehr schwer krank ist. Er hat einen Hirntumor, der nicht behandelbar ist. Ich weiß, dass seine Angehörigen sich um ihn bemühen und keiner von uns große Probleme mit seiner Pflege hat, aber er lebt hier sehr zurückgezogen. Er äußert manchmal, dass er keinen Lebenswillen mehr hat und uns auch nicht zur Last fallen möchte. Immer wieder betone ich dann, dass das nicht nur unsere Arbeit, sondern auch eine Herzensangelegenheit ist und wir gern für ihn da sind, wohlwissend, dass dies nach einer dahingesagten Floskel klingt.
Bis gestern konnte ich noch selbst die Zahnprothese in meinen Mund schieben. Auch das ist nun vorbei. Meine Hand zittert zu stark und ich bekleistere mein Kinn mit rosafarbener Haftcreme. Salzig schmeckende Finger, die einer in Weiß bekleideten Frau gehören versuchen nun unbeholfen die untere Zahnschiene anzukleben. Das hier ist wirklich nicht das Lebensende, von dem man träumt. Ich beneide Menschen, die einen schweren Herzinfarkt erleiden. Einfach ex und hopp. Das würde mir gefallen.
