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Geschichten aus dem Mund erzählt auf rund 100 Seiten von verschiedensten Charakteren und deren persönlicher Heldenreise zum strahlenden Lächeln. Es ist geschrieben für alle Menschen, die humorvoll etwas über ihre Zähne, den Zahnarzt und dessen tägliche Arbeit am Behandlungsstuhl erfahren wollen. Die Leser erhalten erfrischende und ehrliche Einblicke in die Welt der Zahnmedizin. Das Buch motiviert dazu sich mehr mit der eigenen Gesundheit zu befassen und zeigt mit viel Humor, dass man keine Angst vor dem Zahnarzt haben muss.
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Seitenzahl: 63
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Herausgeber
VISUAL EDUTAINMENT GmbH
Dr. Bernold Baumstark / Georg Reifferscheid
Gartenstr. 14
61476 Kronberg
In einer Zahnarztpraxis geht es um weit mehr als fehlende Zähne oder zu füllende Löcher. Als Zahnarzt bin ich zu tiefst mit der menschlichen Seite meiner Patient:innen verbunden, da sie tagtäglich ihre Lebensgeschichten mit in unsere Behandlungszimmer bringen.
In diesem Buch erzähle ich diese Geschichten, gepaart mit humorvollen Anekdoten aus dem Alltag eines Zahnmediziners.
Das Verstehen und Annehmen der jeweiligen Geschichten ist der erste Schritt und die Basis für das Abholen der Menschen und eine vertrauensvolle gemeinsame Reise. Nur so kann ich individuelle Lösungen und ein Vorgehen finden, bei dem wir glückliche und zufriedene Menschen wieder aus unserer Praxis verabschieden.
Als ehemaliger Angst-Patient habe ich die Bedeutung von Vertrauen selbst erlebt. Ja, es ist wirklich wahr, dass ich in meiner Kindheit den Zahnarzt gefürchtet habe, wie der Teufel das Weihwasser. Meine Eltern haben, der damaligen Zeit entsprechend, die Zahnpflege dem Junior selbst überlassen und so kam es zu dem ein oder anderen Loch im Zahn. Jeder Zahnarztbesuch war ein Ritt durch die Hölle.
Als ich schließlich zu Hause verkündete, dass ich nach bestandenem Abitur eine Laufbahn als Zahnarzt anstrebe, dachten alle, ich würde scherzen. Aber es ist gekommen, wie es kommen musste. Ein guter Freund, der Zahnarzt war und es verstanden hat Patient:innen gut zu behandeln, öffnete mir die Augen, dass das etwas ist, was die Welt braucht. Somit stand fest, dass ich dieses Gefühl weitergeben möchte. Und genau deshalb versuche ich so vielen Menschen wie möglich zu helfen und erlebe dabei die verrücktesten Geschichten.
Diese Geschichten möchte ich weitergeben, um zu zeigen, dass ihr nicht allein seid. Jeder der überlegt, dass es peinlich sei, mit der eigenen Geschichte zu einem Zahnarzt zu gehen, soll hier ermutigt werden seine Story zu einer Helden-Geschichte zu machen.
Alle anderen, die sich hier wieder erkennen und rückblickend auf diese Erlebnisse schauen, wissen wie befreiend es ist, wenn man den Schritt gegangen ist und seine Angst überwunden hat.
Viel Spaß beim Lesen!
PROLOG
DER 1000-GRAD DÖNER (1997)
DIE VERWECHSELTE PROTHESE (1998)
DIE ZEIT FLIEGT (1999)
DIE ARSCHL…-BRÜCKE (1999)
DER ZUHÄLTER & DIE DIAMANTKRONE (2000)
DER STUDENT & DIE PROSTITUIERTE (2005)
DIE OMA & DIE DIAMANTEN (2005)
ANGST-THERAPIE (2006)
DIE LEBERWURST-PROTHESE (2006)
WEIN-SCHORLE IST KEIN ALKOHOL (2006)
AUS SPASS WIRD ERNST (2007)
MAL HÜ, MAL HOTT (2008)
DER FESTSITZENDE ABDRUCKLÖFFEL (2009)
DAS STILLE LOCH IN DER DECKE (2009)
WER NICHT HÖREN WILL, MUSS FÜHLEN (2009)
STILL BABY STILL (2010)
DAS BLAUBLÜTIGE AUGE (2011)
DER ÄNGSTLICHE HÖLLENENGEL (2012)
WEISSER ALS WEISS (2012)
DIE HERAUSNEHMBARE BRÜCKE (2012)
1000 MAL BERÜHRT, 1000 MAL IST NICHTS PASSIERT (2013)
COOL DOGGY DOGG (2013)
LEHRJAHRE SIND KEINE HERRENJAHRE (2014)
SCHÖNHEIT HAT IMMER IHREN PREIS (2015)
DIE 90-25-FORMEL FÜR EIN LANGES LEBEN (2020)
ÜBER DEN AUTOR
Zahntechniker-Zeit ist Entbehrungszeit. Ich habe diesen Beruf immer geliebt, jedoch ist ein geregelter Tagesablauf wegen des hohen Termindrucks oft schwer möglich. So kommt es nicht selten vor, dass das Essen neben der Arbeit zu sich genommen werden muss. Da muss man gut aufpassen, dass man nicht statt in das Brötchen versehentlich mal in die Prothese beißt, die man gerade bearbeitet.
In dieser Zeit war es daher ein großes Glück, wenn ein Fahrer, der gerade von einer Botenfahrt zurückkam, etwas zu Essen mitbrachte. So auch an jenem Tag meiner Zahntechnikerausbildung:
Wir hatten das Glück, dass ein Bote für alle eine Runde Döner besorgt hatte. Da ich damals noch der Lehrling war, war ich folglich auch für das Bereitlegen des Essens zuständig. Als das Kommando „Benno, mach die Döner warm“ von meinem Meister kam, begab ich mich auf die Suche nach einer Möglichkeit das Essen möglichst schnell warm zu machen. Um nicht so weit vom Arbeitsplatz weggehen zu müssen, habe ich mir einen raffinierten Trick einfallen lassen:
Die Öfen, in denen wir die Metalllegierungen schmolzen, waren sehr leistungsstark und konnten innerhalb kürzester Zeit ein köstliches Essen zaubern. Das war schon häufig erprobt und sehr beliebt. Ich steckte also die sechs Döner in den Ofen, drückte auf Start und ging wieder an meine Arbeit. Doch schon kurze Zeit später wurde die Konzentration aller Mitarbeiter plötzlich unterbrochen, als lautes Sirenengeheule vor dem Labor zu vernehmen war. Ich rannte zum Fenster und war erstaunt, wie viele Feuerwehrautos plötzlich vor unserem Labor standen. Dass im Haus ein Alarm losgegangen war, hatte man durch den Lärm der Schleifmaschine gar nicht wirklich hören können. Normalerweise piepst immer ein Gerät oder gibt ein Warnsignal, wenn etwas nicht stimmte. Daher wunderten sich alle, was denn los sei. So viel zum Thema Brandschutzübung, die wir immer mit Desinteresse über uns ergehen ließen. Doch noch während wir fragend herumstanden, stürmte eine mit Gasmasken, Äxten und Sauerstoffflaschen ausgestattete Truppe herein und sorgte für haufenweise erstaunte Blicke.
In diesem Moment betrat der Laborleiter den Raum und schrie: „Welcher Idiot hat Döner im Muffelofen verbrannt?!“. Ich glaube, mein Kopf wurde in dieser Sekunde so rot wie die Helme der Feuerwehrleute. Ich hatte tatsächlich die Temperatur statt auf 80°C auf 1080°C eingestellt. Das hält natürlich der beste Döner nicht aus. Die Rauchschwaden des knusprig-schwarz gerösteten Döners lösten den Feueralarm aus, worauf die mutigen Helden von der Feuerwache anrückten. Kopfschüttelnd verließen die Feuerwehrleute wieder das Labor und mein Chef teilte mir mit, dass die 600€ für den Einsatz auf mein Konto gingen.
Das war der teuerste Döner meines Lebens.
Lehrjahre sind keine Herrenjahre. In jeder Ausbildung kommt irgendwann der Punkt, an dem man die volle Verantwortung für die eigene Arbeit übernehmen muss. Bei mir war das der Fall, als ich versuchte, ein Kamel durch ein Nadelöhr zu pressen.
Ich hatte an jenem Tag die ehrenvolle Aufgabe, einer netten alten Dame die Prothese zu reparieren, die sie persönlich vorbeigebracht hatte. Sie wollte ihre Zähne noch am selben Tag wieder abholen. Ich versprach ihr, mich um diese Arbeit zu kümmern und arbeitete den Fehler gewissenhaft aus. Ich polierte die Prothese auf Hochglanz und legte sie ins Bad mit der Reinigungslösung. Hier standen mehrere Gefäße nebeneinander, in denen wir alle unsere Prothesen reinigten und desinfizierten.
Nach einigen Stunden kam die Patientin wieder und fragte, ob ihre Prothese fertig sei. Ich ging zu den Gefäßen, wo die fertigen Arbeiten darauf warteten, abgeholt zu werden, griff in einen der Becher und ging mit der Prothese zur Patientin. Beim Einsetzen der Prothese fiel mir schon auf, dass es ziemlich mühevoll war, die Prothese in den Mund zu bekommen. Alles drückte und klemmte, sodass ich sogar mit den Fingern in ihre Mundwinkel griff und den Mund breiter zog, um Platz zu schaffen. Nach mehreren Dehnübungen war endlich die Prothese im Mund. Doch meine Patientin sah nun etwas anders aus als vorher:
Irgendwie war die untere Gesichtshälfte etwas breiter geworden und ihre Lippen weit nach vorn gedrückt. Sie schaute mich an und versuchte zu sprechen. Es sah aus, als würde sich jemand einen Kuchenteller in den Mund stecken und dann versuchen einen vernünftigen Satz von sich zu geben. Sie zischte und hauchte. Ich glaubte zu verstehen, dass die Prothese wohl nicht mehr passe.
Mir wurde plötzlich ganz anders, denn ich hatte einen leisen Verdacht. Ich nahm die Prothese wieder aus ihrem Mund und verabschiedete mich hektisch mit dem Satz: „Ich muss da noch was wegschleifen.“
