Geschichten & (Un)Sinn - Andy Suess - E-Book

Geschichten & (Un)Sinn E-Book

Andy Suess

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Beschreibung

Der Schaupieler, Sprecher und Poetry Slammer Andy Suess präsentiert in diesem Buch eine Auswahl seiner Bühnentexte, Gedichte und kleine Anmerkungen dazu.

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Seitenzahl: 96

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Da ist es nun. Mein erstes Buch. Eine stolze Leistung, wenn man bedenkt, dass ich das wirklich allererste in der Schule geschrieben habe. Ich war da in der fünften Klasse. Wie doch die Zeit vergeht. Es ist nichts davon mehr vorhanden, außer meiner Erinnerung an die Geschichten. Bedanken möchte ich mich hier bei allen Menschen, die mir im Laufe meines Lebens auf die ein oder andere Art begegnet sind und mir Inspiration, Kraft, Mut und Zuversicht gegeben haben. Vor allem aber bedanke ich mich bei meinen zwei wichtigsten Menschen: Bei meinem Sohn Philip und meiner besten Freundin Manu, die gleichzeitig die Mutter unseres Sohnes ist. Ohne Euch beide, wäre ich nicht da, wo ich bin. Und… Manu… entschuldige, dass ich Dich hier durch den Kakao ziehe… aber da musst Du durch, so als Ex-Frau ;)

Das gibts hier im Buch

Die Geschichten und wahren Begebenheiten

Der Wein und seine kleinen Unterschiede

Open Stage Spezial

Kiezgeschichten Teil 1

Ich koche gerne

Abwaschen liegt mir nicht

Speeddating

Ein Arschloch beim Einkaufen

Ein Liebesbrief

Single Bewerbung

Das Leben mit einem Widder

Autofahren 1: Die Sache mit dem Parkhaus

Maßnahme zur Integration in den ersten Arbeitsmarkt

Computer, Spiele und Abstraktion

Ein Text über Frauen

Die Hexe Aurelia und das Ekel

Willkommen in der Steinzeit! Willkommen im Neandertal!

Eine andere Weihnachtsgeschichte

Ein Meer aus Farben

Der poetische oder lyrische Teil

Wie ist das mit Enttäuschungen?

Ein tiefes Meer

Von Sternen

Blind sein

Erkennen

Freundschaft

Regen

Wolken

Frag Dich

Ich sag

Wenn Du meine Mutter bist

Der Blog

Ein kleines Gedicht zur Weihnachtszeit

Hell und Dunkel

Altmodisch

Leipzig

Ey was guckst Du?

A trumppet for democrazy

Der Abschluss

Du hast Dich tausendmal verbohren

Rotzevoll

Tausend Mal

Die Geschichten und wahren Begebenheiten Wahres oder (Un)Sinn

Der Wein und seine kleinen Unterschiede

Eigentlich bin ich Biertrinker. Wenn ich aber mal Wein trinke, dann gern den lieblichen, den Süßen. Erstens, weil er mir einfach besser schmeckt und zweitens, weil ich den meist alleine trinken kann. Scheint irgendwie verpönt zu sein, süß zu trinken. Außerdem ballert so ein lieblicher viel mehr in die Rübe.

Bei mir zumindest.

Trockene Wein sind mir zu, ja ein anderes Wort fällt mir gerade nicht ein, trocken.

Der Halbtrockene ist eher so ein „Na Gut“ Wein. So einer von der Sorte, bei der die Trocken-Trinker auch mal ein Auge zudrücken und trotzdem mittrinken, wenn die Flasche eh schon geöffnet wurde und auch sonst kein anderer zur Verfügung steht.

Warum sie das tun ist mir noch nicht ganz klargeworden. Vielleicht, weil auf dem Etikett zumindest das Wort „Trocken“ auftaucht.

Darüber aber eine Doktor Arbeit, oder wie man heute auch gern sagt Bachelor oder Master, zu verfassen, habe ich für mich persönlich in die Kategorie „Nicht empfehlenswert, da nur sehr geringe Erfolgsaussichten“ eingeordnet und mich aus genau diesem Grund nicht näher damit beschäftigt. Es ist auch egal.

Es gibt Weine, die zwar ein Etikett besitzen, auf dem aber weder das Wort „Lieblich“, noch „Trocken“ oder gar „Halb“ auftaucht.

„Halb“ natürlich nur in Verbindung mit „Trocken“.

„Halblieblich“ ist mir noch nie begegnet.

Ein Missstand, den ich nicht unbedingt anprangere.

Man muss nur eine gewisse Intelligenz besitzen, das Wörtchen „Halbtrocken“ im Hirn umzuformulieren.

„Halblieblich“... Blöde Idee.

Zurück zu den „Typenlosen“. Der Begriff stellt den Sinn nicht ganz korrekt dar, denn nach einem Probeschlückchen lässt sich der Typ natürlich locker bestimmen. „Bezeichnungslos“ passt hier eher.

Man hat also eine Flasche der Gattung „Bezeichnungslos“, öffnet diese, meist, weil man keine andere zur Hand hat, und dann nimmt das Verhängnis seinen Lauf.

Ist man ein Trinker der Gattung „Lieblich“, kann man mit „Lieblich“ und „Halbtrocken“ ganz gut umgehen. Der „Trockene“ Typ kommt mit „Trocken“, wie überraschend, und „Halbtrocken“ auch klar.

Ist man zu zweit oder in geselliger Runde, stellt diese Konstellation kein Problem dar, denn öffnet Typ „Lieblich“ eine Flasche „Ohne“, also „Bezeichnungslos“ und es befindet sich „Trocken“ darin, kann man tauschen. Dasselbe gilt in umgekehrter Reihenfolge auch für Typ „Trocken“.

Hat man gleich ein Sixpack gekauft, wobei hier die Biertrinker sicher aufschreien und sich, zu Recht, darüber beschweren, dass die Weintrinker damit in ihr Heiligtum eingreifen, so sei diesen gesagt, dass der Begriff „Sixpack“ in Verbindung mit „Wein“ nur eine Erfindung meinerseits darstellen und nicht in den allgemeinen Sprachgebrauch übergehen werden, aber zurück zum eigentlichen Thema.

Es handelt sich also um 6 Flaschen „Ohne“. Aufschrift und Typbestimmung auf dem Etikett nicht vorhanden wie schon vorher erläutert. Einer der Typen „Lieblich“ oder „Trocken“ geht also, man verzeihe mir das Wortspiel „Trocken“ aus.

In diesem Moment aber braucht man sich auf jeden Fall über die allseits beliebte und ebenso gefürchtete Frage des „Wer fährt?“ keine Gedanken mehr zu machen. Der leer ausgehende Trockene muss fahren.

Es kommt allerdings durchaus vor, dass sich gerade in Angesicht dieser so entscheidenden Frage, wer denn nun nüchtern bleibt und fährt, ein Typ „Lieblich“ oder auch „Trocken“ zum Genuss des Weines „Ohne“ bzw. „Bezeichnungslos“ hinreißen lässt.

Dies geschieht teils aus Trotz! Und wird begleitet durch Aussprüche wie „Ich bin letztes Mal schon gefahren“ oder auch „Das macht ihr extra, damit ich wieder fahren muss“. Im letzteren Fall wird dieser Satz als allgemeines Kampfsignal gewertet um eine Grundsatzdiskussion darüber zu entfachen, wer wann und wo, wieviel schon getrunken bzw. gefahren habe oder sei.

Das wollen wir aber nicht näher beleuchten, denn unser Thema ist ja Wein und seine kleinen Unterschiede. Wobei die Unterschiede schon hinreichend klar sind und es sich eher um die Unterschiede zwischen den Trinkern, Verzeihung, Konsumenten handelt.

Die interessanteste Betrachtung folgt nämlich jetzt: Was passiert, wenn man allein ist und sich einen Karton mit 6 Flaschen Wein des Typs „Bezeichnungslos“ gekauft hat, weil er a) gerade im Sonderangebot war und b) man sich in die Hände Gottes begeben hat, weil man der Meinung war, mit Hilfe eines Gebetes den Typ des Weines auf jeden Fall in „Lieblich“ zu wandeln?

Hat nicht Jesus damals auch lieblichen Wein getrunken? Stellen Sie diese Frage doch einmal in einem Gotteshaus.

Kurzer Einwand: Der Typ Trocken möge bitte an dieser Stelle „Lieblich“ gegen „Trocken“ tauschen, ich möchte hier niemanden mobben… ich schweife ab.

Die 6 Flaschen „Bezeichnungslos“ stellen sich beim Öffnen der ersten Flasche also als „Trocken“ heraus. Für den Trinker Typ „Trocken“ adäquat als „Lieblich“.

Was wird der Trinker von Welt tun?

Er wird, wie auch in meinem Falle geschehen, die 6 Flaschen trotzdem trinken.

Nicht, ohne theatralisch bei jedem Schluck das Gesicht zu verziehen und sich lautstark mit Geräuschen wie „Buah“ oder „Örgs“ darüber zu beschweren, wie unglaublich übel dieses Gebräu doch schmeckt und sich zu beklagen, dass man sein schönes Geld für den falschen Typ Wein ausgegeben hat und sich gleichzeitig schwört, nie wieder einen Wein ohne Bezeichnung zu kaufen, wobei dieser Vorsatz genau bis zum nächsten Sonderangebot anhält.

Dass man allein ist und niemand außer uns selbst davon Notiz nimmt, ist eher zweitrangig zu bewerten. Vielleicht hören ja die Nachbarn zu.

Nach der dritten Flasche in Folge nehmen Dinge ihren Lauf die, einmal losgetreten, nicht mehr aufzuhalten sind.

Neben dem obligatorischen Rendezvous mit der Kloschüssel nebst morgendlichem Aufwachen auf dem Küchenfußboden in Verbindung mit Kopfschmerzen, als wenn man sich 3 Tage in chinesischer Wasserfolter befunden habe, entstehen auch so unsägliche Dinge wie, in meinem Fall, dieser Text hier.

Dieser Ausflug in meine verklärte Welt, den Ihr hier lesen konntet, war mein allererster Versuch, einen Text für die Bühne zu schreiben. Allerdings habe ich ihn nie dort vorgetragen.

Es ist halt ein Text, den man selber lesen muss.

Hintergrund der Geschichte war eine Diskussion nach einem Auftritt innerhalb meiner ehemaligen Improtheatergruppe, warum man welchen Wein trinkt. Denn ich war so ziemlich der Einzige, der lieblichen Wein getrunken hat. Und bin es auch immer noch. Tja, that‘s life.

Open Stage Spezial

Es ist Dienstagabend, 20:30 Uhr. Im Theater Verlängertes Wohnzimmer findet die Open Stage, das „Offene Wohnzimmer“ statt. Ich habe meinen ersten Bardienst. Dummerweise vergesse ich das und komme noch gerade so rechtzeitig.

Der Moderator, ein gewisser Christian de la Motte, empfängt mich freundlich mit den Worten: „SAG MAL WEISST DU EIGENTLICH WIE SPÄT WIR ES HABEN? JETZT ABER HOPP HOPP!“

Etwas eingeschüchtert mache ich mich ans Werk und Christian weist mir meine ersten, äußerst verantwortungsvollen Aufgaben zu: „Los, los! Scheißhaus putzen! Aber blitzeblank!“

Und so geht es den ganzen Abend munter weiter: „Boden saugen. Bier auffüllen. Meine Koffer tragen. Füße waschen… nicht Deine, MEINE!“

Der Mann ist ein Star.

Und dann kommen die Künstler, die Christian entweder mit „Mein bester, schön, dass Du wieder dabei bist.“ oder auch „Wer bist Du denn? Kunstmelker? Vergiss es, raus!“ begrüßt.

Der Mann muss es wissen, ihm gebührt Respekt und alles nur im Sinne der Show.

Und endlich ist es so weit: Showtime!

Das Licht geht aus. Die Bühne ist dunkelt und wird von waberndem Nebel eingehüllt. Fanfarenklänge hallen durch den Saal. Ein einzelner Lichtpunkt flammt auf. Die Zuschauer erstarren in Ehrfurcht. Auch hinter der Bühne ist kein Geräusch mehr zu vernehmen. Die Spannung zerrt an den Nerven.

Und dann, endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit erscheint Er!

Christian de la Motte! Der Große! Der Einzigartige!

Langsam und bedächtig schreitet er durch den Saal zur Bühne. Security halten kreischende Frauen zurück. Sanitäter tragen die Ohnmächtigen aus dem Saal. Ich komme mit dem Palmwedel kaum nach.

Eine Frau schafft es, sich durchzuschlagen und reißt sich mit den Worten: „Ich will ein Kind von Dir Meister“ die Klamotten vom Leib.

Christian legt eine Hand auf den Kopf der Frau und schon wird sie von den heraneilenden Sicherheitsleuten aus dem Saal gebracht, ohne sich zu wehren.

Endlich steht er auf der Bühne und gebietet dem Pöbel mit einer milden, huldigenden Geste Einhalt. Alle warten nun gebannt auf den schon legendär gewordenen Satz, mit dem der Magus die Show beginnen wird: „Ja herzlich willkommen zur Open Stage im Theater Verlängertes Wohnzimmer…“

Der Rest geht im ohrenbetäubenden Jubel der feiernden Meute unter.

Es ist ein ekstatisches Fest. Keiner kann sich entziehen. Die Menge tanzt, jubelt, die Sanitäter und Security feiern mit. Auch ich kann mich nicht mehr entziehen und umarme alle und jeden.

Da … klingelt ein Handy!

Alle schreien auf und dann herrscht Grabesstille.

Wer erlaubt sich solch einen Frevel? Wer wagt es, die Feier zu Ehren des Meisters zu unterbrechen?

Es klingelt und klingelt und langsam verschwimmt alles vor meinen Augen…

Ich wühle mich aus meinem Bett und greife nach meinem Handy.

Es ist Bernd, der mich mit einem neutralen „Du weißt, dass Du heute Abend Bardienst hast?“ schockiert zurücklässt.

Es ist Dienstagabend, 19:30 Uhr. Im Theater Verlängertes Wohnzimmer findet um 20:30 Uhr die Open Stage statt. Mein erster Bardienst und ich habe verschlafen, komme aber gerade so noch rechtzeitig.

Der Moderator, ein gewisser Christian de la Motte, empfängt mich freundlich mit den Worten „Hallo Andy, ich bin Christian, schön, dass Du da bist.“

Die Show beginnt. Christian hält das Publikum und die Künstler mit Witz und Charme bei Laune. Alle sind zufrieden und nach einem schönen Abend spenden alle reichlich … Applaus!

Das war vor 3 Jahren und zum Glück war alles vor dem Handyanruf nur ein Traum.

Heute steht Er zum letzten Mal als Moderator der Open Stage, des Offenen Wohnzimmers auf der Bühne dieses Theaters.

Der weiße, alte Mann, der sich nuschelnd und bisweilen auch mit Hundekacke am Schuh durch die Moderation mogelte, übergibt die Kult-Open Stage an eine jüngere Generation. An Eva Wunderbar.