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Geschichten, die ein Therapeut erzählt:
Was ist Glück? Fräulein Maria ist rot geworden. Der Garten meiner Eltern.
Das E-Book Gesichter der Seele wird angeboten von tredition und wurde mit folgenden Begriffen kategorisiert:
Persönlichkeitsentwicklung, Seelische Gesundheit, Lösungen, Selbstfürsorge, Psychologische Kurzgeschichten, Psychotherapeut Dr. Georg Rupp, Glücksmomente und der Sinn des Lebens, Lebenskrise und Neuanfang, Humor und Lebensfreude, Kleine Lebenshilfen, Heilsame Geschichten, Zur eigenen Mitte finden
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 101
Veröffentlichungsjahr: 2021
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über dnb.dnb.de abrufbar.
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Copyright © 2021, macht Sinn GbR, Dr. Georg Rupp
Verlag & Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg
Lektorat: Isabelle Wolf
Titelgestaltung, Layout und Satz: Ursula und Wolf Henkel
Titelmotiv: Ursula und Wolf Henkel. Die Rechte für das Bild liegen bei
Dr. Georg Rupp.
Gedruckt in Deutschland.
ISBN 978-3-347-19956-9 (Paperback)
ISBN 978-3-347-19957-6 (Hardcover)
ISBN 978-3-347-19958-3 (e-Book)
Weitere Informationen zum Autor und seinen Büchern und CDs finden Sie auf www.dr-rupp.com
Für Claudia und alle Menschen mit einem großen Herzen.
EINE HERZENSSACHE ZU BEGINN: *
Liebe Leserinnen, Leser oder Leser*innen,
ich krieg’s nicht hin. In meinen Entwürfen hatte ich die Anreden in allen Geschichten immer mit dem Gendersternchen versehen. Das hemmte aber – ehrlich gesagt – meinen eigenen Lesefluss. Es liest sich flüssiger ohne *. Die drei Anreden (siehe oben) bleiben in meinem Herzen. Das ist so.
Auch wenn ich den klassischen Hinweis der Verlage an dieser Stelle übernehme.
Nüchtern heißt es da: „Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit wird in diesem Buch die grammatisch übliche Sprachform bei personenbezogenen Substantiven und Pronomen verwendet. Maskuline Formen schließen feminine in diesen Texten stets mit ein. Dies impliziert keine Benachteiligung des weiblichen Geschlechts, sondern ist gender- neutral zu verstehen.“
Wir alle sind Menschen. Und Menschen interessieren sich immer für die Geschichten anderer Menschen. Egal, ob mit oder ohne Gender*stern- chen.
Danke für Dein Verständnis.
26 Geschichten, die ein Therapeut erzählt Band 2
VORSPIEL: Einladung zum Pausentee
1. Das Leben ist zu kurz für irgendwann
2. Was darf’s denn Schönes sein?
3. Rührei oder Spiegelei?
4. Das Traktat Aufklärung ’62
5. Ein Tag mit drei Krawatten
6. Selbst laufen lernen!
7. Steffi on FLOW Beim Reifenwechsel (2)
8. Lucius Cornelius Sulla
9. Der große Lehrmeister
10. Die Zappelei auf der A3
11. Die Bank am See „Und dann meine Seele sei weit, sei weit…“
12. Ich will hier nur sitzen! Zwischen Hektik und Geduld
13. Fräulein Maria ist rot geworden
ZWISCHENSPIEL: Nur eine kleine Frage
14. Jetzt streng Dich aber an! Für ein Leben ohne Seelenrezepte
15. In der Sackgasse Manchmal wird es eng im Leben
16. Wegweiser in die Freiheit Über die Angst, den Zwang und den Mut zum Leben
17. Alles fließt … Mein Raum für alle Sinne auf der EXPO 2000
18. Der Garten meiner Eltern Oder: Das Turteln der Schmetterlinge
19. Die Worte des Dichters im Zentrum der Stadt Beim Reifenwechsel (3)
20. Der Erleuchtungsteppich
21. Was ist Glück?
22. So geht es nicht mehr weiter! Die Geschichte vom Tierarzt Dr. P.
23. Ausschussware
24. Wenn die Wellen über mir zusammenschlagen …
25. Ist das Leben nicht schön?
26. Winterweiß Die Veredelung der Landschaft
NACHSPIEL: Heute nur leben …
ZUM GUTEN SCHLUSS:
Ich, Georg
Danke …
Mein „Zeit-Raum“ auf der Weltausstellung
Der Raum für alle Sinne:Wie er aus einem Traum entstand …
Das „Sternum-Projekt“ (Buch & CDs)
Geschichten, die ein Therapeut erzählt:Der erste und der dritte Band
VORSPIEL:
EINLADUNG ZUM PAUSENTEE
Liebe Lesefreundinnen und -freunde,
der englische Dichter Samuel Johnson (1709-1784) strich die Bedeutung der Sprache mit den Worten heraus: „Die Sprache ist die Kleidung der Gedanken.“ Das finde ich einen schönen Vergleich. Auch ich flaniere gerne durch Sätze und Kapitel.
Ob die Anekdoten und Kolumnen, die ich für diesen zweiten Band gesammelt habe, den Ansprüchen des griechischen Philosophen Pythagoras (ca. 570-500 v. Chr.) genügen, weiß ich nicht. Er soll ja betont haben: „Man soll schweigen oder Dinge sagen, die noch besser sind als das Schweigen.“ Einen so hohen philosophischen Anspruch habe ich nicht. Aber vielleicht findest Du Dich in der einen oder anderen Geschichte wieder. Oder kannst sie nachvollziehen. Oder Dich an ihr reiben.
Gerne erinnere ich mich an meinen alten Lateinlehrer Dr. B. auf dem Arndt-Gymnasium in Krefeld, der immer dann, wenn ich auf eine seiner Wissensfragen eine falsche Antwort gab, mit seinem Standardsatz aufwartete: „Si tacuisses, philosophus mansisses.“ Auf Deutsch: „Hättest du geschwiegen, wärst du ein Philosoph geblieben.“
Klar, jetzt ist es zu spät zu schweigen. Dieses Buch ist ja nun erschienen. Deshalb: Lieber Dr. B., falls Sie mir von oben zuschauen und meine Geschichten entschlüsseln können … seien Sie bitte wohlwollend. Ich habe im Studium zwar meine Philosophieprüfung bestanden, aber ich schreibe eher, wie mir der Schnabel gewachsen ist.
Und wenn ich mich jetzt in unseren Dr. B. hineinversetze, dann lächelt er wahrscheinlich von seiner Himmelswolke und denkt so ganz im Stillen: ‚Brav, der Bube hat sich Mühe gegeben. Der Georg ist ja doch nicht mehr so faul wie früher.‘
In diesem Sinn: Lasst uns einen guten Tee miteinander trinken und durch die Geschichten flanieren … Pause.
In herzlicher Verbundenheit
Dr. Georg Rupp
Diplom-Psychologe
Psychologischer Psychotherapeut
„Fährmann“ (Wegbegleiter)
www.dr-rupp.com
1. GESCHICHTE
DAS LEBEN IST ZU KURZ FÜR IRGENDWANN
Steht auf einer Karte. Der Ausschnitt eines Riesenrades ist zu sehen. Das wirkt wie eine Einladung: Steig ein, fliege mit mir dem Himmel entgegen. Heute. Nicht morgen. Carpe diem – nutze den Tag.
Es gibt Menschen, die verschieben alles auf irgendwann. Auf später. Oder auf viel später.
Sie verschieben die Prüfung, denn sie wissen ja noch nicht alles. Sie verschieben die Freude, denn sie haben sie sich noch nicht verdient. Sie verschieben ihren Wunsch nach Begegnung, denn sie könnten ja abgelehnt werden. Oder sie erfüllen sich alle Wünsche jetzt und sofort, weil sie ihre heutigen Pflichten nicht erledigen, sondern verschieben wollen.
Die „Aufschieberitis“ heißt in der Fachsprache „Prokrastination“. Hört sich nicht schön an, finde ich. Irgendwie kratzbürstig. Geht aber als Krankheit durch.
Szenenwechsel – ein anderer Spruch:
„Wenn Du an eine Weggabelung kommst – nimm sie!“
Manche Ratschläge können den gesunden Menschenverstand ganz schön strapazieren. Was soll denn so ein Spruch schon wieder? – Ist doch klar, denken vielleicht manche von Euch: Wenn ich an eine Weggabelung komme, muss ich mich entscheiden – rechts oder links. Aber dann dieses auffordernde, ultimative: „… nimm sie!“
Das kann schwierig sein und dauern. Vor allem dann, wenn keine Wegweiser an der Gabelung stehen. Da treten viele Menschen lieber den kompletten Rückzug an, als mutig nach vorne zu gehen, egal, wohin die Schritte führen.
Jedes Zögern, jedes Hin- und Hergerissensein im Leben (an der Weggabelung) ist aber auch eine Entscheidung. Nämlich die Nicht-Entscheidung. Wichtiger ist also, sich überhaupt zu entscheiden, als nur zu überlegen und zu zaudern.
Um Dich zu entscheiden, kannst Du zwischen mehreren Möglichkeiten wählen: Du kannst Plus-/Minuslisten anlegen, Blütenblätter zupfen, eine Münze werfen oder lernen, auf Dein Herz zu hören. Wenn es Dein Weg ist – geh ihn mit Freude und Zuversicht. Du kannst sonst nämlich viel verpassen.
Über 80-jährige Menschen in ihrer letzten Lebensphase wurden befragt, was sie in ihrem Leben versäumt haben. Die fünf Antworten, die am häufigsten genannt wurden, waren:
„Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben.“ – „Ich hätte nicht so viel gearbeitet.“ – „Ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken.“ – „Ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden aufrechterhalten.“ – „Ich wünschte, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein.“
Im Grunde finde ich den Gedanken „Träume nicht Dein Leben – lebe Deinen Traum“ schon reichlich abgegriffen. Aber irgendwie stimmt er ja auch. Also: Die Weggabelung nehmen. Schnell aufs Riesenrad. Das Leben ist zu kurz für irgendwann.
UNTER DEM STRICH:
Die Antworten der Menschen in ihren letzten Lebensmonaten findest Du im Buch von Bronnie Ware: Fünf Dinge, die Sterbende am meisten bereuen, Arkana-Verlag 2013.
Im Lied „One day / Reckoning Song“ des israelischen Musikers Asaf Avidan heißt es dazu:
„One day, baby, we’ll be old.
O baby, we’ll be old.
And think of all the stories that we could have told …“
Die Psychologiestudentin und Poetry-Slammerin Julia Engelmann traf mit ihrer Interpretation dieses Liedes den Nerv einer ganzen Generation. Im Text beklagt sie ihre eigene Aufschieberitis. „Meine Liste ist so lang, aber ich werde eh nie alles schaffen – also fang ich gar nicht an.“ – Klar, was daraus folgt:
„Eines Tages werden wir alt seinund an all die Geschichten denken, die wir hätten erzählen können.“
Verschieben ist nur etwas für Feiglinge. Schreiben wir also Geschichten, die wir später gerne erzählen!
Die vielen tollen „Weißt-Du-Nochs?!“ unseres mutigen Lebens.
2. GESCHICHTE
WAS DARF’S DENN SCHÖNES SEIN?
„Was darf’s denn Schönes sein?“, fragt der Tiefkühlmann an der Tür und lächelt. Ich habe heute Home-Office, also Bürotag, und kann öffnen. Seine Frage irritiert mich kurz. „Was darf’s denn Schönes sein?“ hätte ich bei Schmuck, Kleidung oder Antiquitäten erwartet. Aber nicht unbedingt bei Porree, Hähnchenschenkeln und dicken Bohnen.
‚Also‘, funken meine Hirnzellen, ,entweder ist er gut geschult – oder er macht seine Arbeit gerne. Vielleicht ist er auch ein Lebenskünstler, dessen fröhliche Warmherzigkeit zwischen den Tiefkühlboxen nicht abgekühlt ist. Der liebt sein Leben. So sieht’s aus.‘
Die ersten Knospen stehen kurz vor dem Aufbruch. Sind ganz schön prall geworden. Mutter Natur bereitet sich auf die Fülle des Jahres vor. Ein älterer Freund sprach immer davon, wie sehr er das „Crescendo des Frühlings“ liebt.
Was darf’s denn Schönes sein? Ein längerer Tag, ein Sonnenstrahl, ein guter Gedanke, ein liebendes Herz. Das Pferd auf der Koppel, die Katze des Nachbarn, die Fahne im Wind. Die letzten welken Blätter, die verspätet vom Baum fallen. Drei Häuser weiter ein Kinderlachen. Das Gefühl, dass es mir gut geht.
Was darf’s denn Schönes sein? Grenzt es nicht an ein Wunder, dass eine so kurze Bemerkung, verbunden mit einem Lächeln, uns diese Freude schenkt?!
Nicht ganz so heitere Menschen könnten jetzt nüchtern einwerfen: „So verkauft er halt mehr!“ Das wird so sein. Ich gönne es ihm von Herzen. – Aber geht es nicht um eine tiefere Erkenntnis?
Wenn wir die Schönheiten dieser Welt, unsere eigene Schönheit und die Schönheit der gesamten göttlichen Ordnung mit inniger Freude anschauen, werden wir das Schöne bewahren und nicht lieblos mit dieser Welt und uns selbst umgehen.
Was darf’s denn Schönes sein? – Diese simple Frage lenkt unseren Blick in eine gute Richtung. Und die Käse-Lauch-Suppe werde ich ab jetzt auch mit anderen Augen betrachten.
3. GESCHICHTE
RÜHREI ODER SPIEGELEI?
Als ich an meiner ersten psychologischen Fortbildung nach dem Ende des Studiums teilnahm, lernte ich wieder einmal, dass unser Leben auch Verzicht bedeutet.
Gut, ich hatte früher schon auf vieles verzichtet, wie jeder von uns. Denn auf alles, für das wir uns nicht entschieden haben, verzichten wir. Manche verzichten freiwillig auf ein Auto und den Fernseher. Oder entscheiden sich bewusst, vegetarisch oder vegan zu leben. Dann verzichten sie auf ein Schnitzel XXL.
Was aber, wenn zwei Interessen miteinander kollidieren?
Am Ende der Fortbildung ging es um die Festlegung des Folgetermins im kommenden Herbst. Für viele schälte sich ein favorisierter Termin im September heraus, der mir aber nicht passte. An diesem Wochenende hatte ich schon eine mir wichtige Einladung angenommen. Ich hörte mich sehr spontan ausrufen: „Da kann ich nicht! Gibt es Alternativen? “
Der Trainer lächelte mich an und sagte: „Stell Dir vor, Du hast einen Riesenhunger. Das Wasser läuft Dir buchstäblich im Mund zusammen. Und stell Dir weiter vor: Du hältst jetzt ein Hühnerei in Deiner Hand. Ein einziges, schönes, großes, weißes Hühnerei. Du denkst nun daran, was Du damit alles machen könntest, um Deinen Hunger zu stillen. Du könntest das Ei kochen. Du könntest aber auch ein Spiegelei daraus machen oder ein Rührei.“ Dann schwieg er eine Weile, um danach zu fragen:
„Was machst Du jetzt?“ – „Ja“, sagte ich achselzuckend, „da ich aus einem einzigen Ei nicht dreierlei machen kann, muss ich mich wohl entscheiden.“ Der Trainer lächelte und schwieg.
Als ich mich entschieden hatte – für die Fortbildung, die mir sehr am Herzen lag –, kehrte bei mir eine tiefe innere Zufriedenheit ein.
Ich habe die Einladung abgesagt. Und die Zufriedenheit lehrte mich, dass Verzicht sehr wertvoll sein kann.
In Japan heißt es: „Der Tag, an dem du einen Entschluss fasst, ist ein Glückstag.“
4. GESCHICHTE
DAS TRAKTAT Aufklärung ’62
