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Ein paar Worte nur, wenige Silben, drei Zeilen vielleicht. Mehr nicht und doch ... Konkret ist es, gegenwärtig, reimlos und ... offen! Das Haiku. Ein kleiner Sprachraum, weitläufig zugleich, in dem mehr zu Hause ist, als die Worte sagen, die es trägt. Verwurzelt in der japanischen Tradition seit Jahrhunderten, hat es, wie sein prosaischer Verwandter, das Haibun, mit Beginn des 20. Jahrhunderts in vielen Literaturen der Welt seinen eigenen Ausdruck gefunden. Poetische Miniaturen, die, so sie denn glücken, in Größeres weisen. Diese Sammlung umfasst Haiku und Haibun, die der Tradition verpflichtet sind und in der Moderne zu Hause.
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Seitenzahl: 13
Veröffentlichungsjahr: 2019
bist in der Welt nun
ohne Wollen in Allem
Haiku
Zum Geleit
Der Akkordeonspieler
Dem Ende zu
Der alte Baum
Herbstblüte
Ohne ein Wort
Freunde der Nacht
Eine Mauer im Dorf
Kirchgang
Frostige Stunde
Am Abend
War ein Rosenbeet
Berlin
Der Schinken
Tiefe Blicke
Die Ufer der Stadt
Die Haiku und Haibun dieser Sammlung sind in den Jahren 2011 bis 2018 entstanden, oft auf Reisen. So sind auch das Unterwegssein, Abschiednehmen und Ankommen, immer wiederkehrende Motive, im konkreten wie im übertragenen Sinne. Darin spiegelt sich auch die Zeit wider, das Vergängliche. Werden, wachsen und vergehen. Wie auch das Neue, das jedem Ende inne ist, eine Keimzeit, angelegt schon im Verfall.
Die Zeit ist eine abstrakte Größe, wir versuchen ihr Ordnung zu geben, indem wir sie einteilen in Einheiten von Jahr bis Sekunde. Sie ist nicht als Ganzes erfahrbar, fragmentarisch nur, im einzelnen Moment – eine gesplitterte Zeit. Doch in den Splittern glimmt eine Erfahrung oft, ein Gedanke oder Emotion, eine Einsicht vielleicht, die erhellend ist und über ihren Ursprung hinausweist in etwas Größeres, etwas Allgemeineres. Das ist die Sekunde der Poesie. So entsteht sie.
So sind auch die Texte dieser Sammlung entstanden. Aus einem Augenblick zumeist, der geschaut wurde oder erfahren, dann geschrieben, Wort um Zeile, die weiterreichen mögen über den Moment hinaus – und in glücklichen Fällen bis hin zum Leser.
Im Übrigen genügen sie sich selbst.
Horst-Oliver Buchholz
Hanau-Kesselstadt, im April 2019
Tagesanbruch
ich öffne die Tür
