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In einem kleinen Dorf mitten im thailändischen Dschungel träumt ein Junge davon, der berühmteste Puppenspieler des Landes zu werden. Für seine gebannten Freunde spielt er in der Abenddämmerung Schattentheater – und bemerkt zu spät, dass er sich über dem Nest einer Kobra niedergelassen hat. Als die zornige Schlange auf ihn zuschießt, beginnt ein gnadenloser Kampf, der die ganze Nacht dauern wird. Gehüllt in behutsame, federleichte Worte, erzählt Saneh Sangsuk von Tradition und Macht und von der Schönheit und dem Schrecken, die in den Tiefen des Dschungels lauern. Eine existenzielle Parabel von eindringlicher Intensität, die von einer märchenhaften und doch wahrhaftigen Welt erzählt.
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Seitenzahl: 68
Veröffentlichungsjahr: 2025
In einem Dorf mitten im thailändischen Dschungel träumt ein Junge davon, ein berühmter Puppenspieler zu werden. Versunken in die Magie seines Schattentheaters, bemerkt er zu spät, dass er sich über dem Nest einer Kobra niedergelassen hat. Als die zornige Schlange auf ihn zuschießt, beginnt ein gnadenloser Kampf, der die ganze Nacht dauern wird.
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Saneh Sangsuk (*1957 in Bangkok) ist ein thailändischer Schriftsteller. Sein Debüt Ngaosikhao (Weißer Schatten) gilt als einer der besten Romane Thailands. 2008 erhielt er den Ordre des Arts et des Lettres für herausragende Verdienste um die Literatur, 2014 den Southeast Asian Writers Award.
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Sabine Herting übersetzt aus dem Englischen und Französischen, u. a. Werke von Jamaica Kincaid, Elizabeth Fremantle und Kazuo Ishiguro. Sie war Mitgründerin und -Herausgeberin zweier Literaturzeitschriften und war u. a. als Jurymitglied zum Bienek-Preis tätig. Sie lebt in München.
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Saneh Sangsuk
Gift
Roman
Aus dem Französischen von Sabine Herting
E-Book-Ausgabe
Unionsverlag
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Die Originalausgabe erschien 2001 bei Éditions du Seuil, Paris.
Die deutsche Erstausgabe erschien 2003 unter dem Titel Der Traum des Puppenspielers im Argon Verlag GmbH, Berlin.
Originaltitel: อสรพิษ (Asorraphit)
© by Saneh Sangsuk 2001
Die Ausgabe erscheint in Vereinbarung mit der Agence littéraire Astier-Pécher.
© by Unionsverlag, Zürich 2025
Alle Rechte vorbehalten
Umschlag: Creative Kiosk (Shutterstock)
Umschlaggestaltung: Peter Löffelholz
ISBN 978-3-293-31199-2
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Es wurde Abend. Das Licht war bereits schwach, und das Dunkelrot der Sonne verblasste nach und nach. Der Himmel war klar wie eine Kristallkuppel. Über dem Horizont im Westen leuchteten im Spiel der letzten Sonnenstrahlen dünne Wolkenfetzen in unwirklicher Schönheit. Ihre sich stets verändernden Formen beflügelten die Fantasie. Er saß reglos da und schaute in diese Wolken, als wäre er in Trance. Er sah in ihnen ein Gewirr von Bergketten, das Gekräusel eines dichten Dschungels, das Geäst eines großen, sturmzerzausten Baumes und Hügel mit den Formen eines auf der Seite liegenden Mädchens. Nie hatte er jemandem die Geheimnisse seiner Fantasie anvertraut, nicht einmal seinen besten Freunden, die hier draußen ihre Kuhherden weideten und ganz in ihr Spiel mit den Windmühlen, die sie aus Binsen gebastelt hatten, versunken waren. Er sah zu seinen eigenen Kühen, die hier und da neben den Kühen seiner Freunde grasten. Während er sie mit den Blicken suchte, zählte er sie. Alle acht waren da.
Er war es, der jeder Kuh einen Namen gegeben hatte. Sein Vater und seine Mutter hatten ihm alle Freiheit gelassen, und er hatte jeden Namen nach reiflicher Überlegung gewählt. Die ersten vier hatten Namen, die an die Natur erinnerten: Feld und Fluss und Dschungel und Berg. Das klang außerdem wie ein Abzählreim. Die beiden nächsten trugen Namen von Edelsteinen: Opal und Smaragd. Und als sein Vater im Jahr zuvor zwei Kälber gekauft hatte, hatte er nicht lange überlegen müssen und sie Silber und Gold genannt. Das klang außerdem wie ein Abzählreim. Jedes Mal, wenn sein Vater und seine Mutter den Namen einer Kuh hörten, lächelten sie, stimmten vollends zu und benutzten dann diesen Namen. Eines Abends hatte sein Vater gesagt, Kommt schon, Feld und Fluss, es ist Zeit für euch, in den Stall zu gehen, damit ihr wisst, wo euer Stroh ist. Eines Abends hatte seine Mutter gesagt, Silber und Gold, es ist Zeit, dass ihr euch wie erwachsene Kühe benehmt, damit ich euch zur Feldarbeit hernehmen kann. Seinem Vater und seiner Mutter gefiel es sehr, dass ihre acht Kühe hübsche Namen trugen, die paarweise zusammenpassten. Und er war ganz glücklich, seinem Vater und seiner Mutter Freude zu bereiten. Er hing sehr an seinen acht Kühen. Hätte er ihnen nicht ihre Namen gegeben, dann hätte er auch sicher nicht so sehr an ihnen gehangen. Er war ihr Freund, er war ihr Herr und Meister, und sie erkannten ihn dankbar an. Er liebte jede einzelne seiner Kühe. Er gab sehr acht, keine zu bevorzugen und keine eifersüchtig zu machen. Zur Saatzeit nahm sein Vater Feld und Fluss, um das Reisfeld zu eggen. Seine Mutter nahm Dschungel und Berg, um das Reisfeld zu eggen. Er selbst nahm Opal und Smaragd, um das Reisfeld zu eggen, und Gold und Silber blieben in Reserve, für den Fall, dass dieses oder jenes Paar todmüde würde oder sich durch das Joch verletzte. Er bemühte sich bestmöglich, sie alle gleich zu lieben. Er hatte nur Zeit bei Gold und Silber gebraucht. War das Tagwerk des Eggens beendet, badete er sorgfältig eine nach der anderen und brachte jeder einen Armvoll frisches Gras. Er wünschte, seine Eltern würden noch eine Kuh dazu kaufen, oder am besten gleich zwei. In seinen Mußestunden verbrachte er viel Zeit damit, sich passende Namen für sie zu überlegen.
Im Februar, kurz nachdem er die Grundschule abgeschlossen hatte, war er zehn Jahre alt geworden. Im Dorf nannten ihn seine Freunde, Jungen wie Mädchen, Lahmer Arm. Schon zu Schulzeiten nannten ihn seine Klassenkameraden Lahmer Arm. Auch viele Erwachsene im Dorf nannten ihn so. Das kam daher, weil sein ganzer rechter Arm von der Schulter ab steif und verkümmert war. Er konnte den Ellenbogen nicht beugen. Alle seine Finger waren steif und unbrauchbar. Sie standen ab wie kleine Holzstäbchen, und er konnte sie weder spreizen noch zu einer Faust ballen. Seine rechte Schulter war schief und schmächtig. Sein linker Arm jedoch war muskulös und äußerst stark. Die Finger seiner linken Hand waren lang, kräftig und geschickt. Seine linke Schulter war fest! und muskulös. Er war immer bereit, sich mit Jungen, die so groß waren wie er oder auch ein bisschen größer, zu raufen. Er focht jeden Kampf aus, obwohl er nur einen Arm benutzen konnte.
