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Der aus armen Verhältnissen stammende Grieche Giorgos, verliebt sich bei einem Ferienjob in die wohlhabende Eolina. Die Liebe hält nur einen Sommer und Giorgos beschließ daraufhin als Gastarbeiter in das Deutschland der 50er Jahre zu gehen. Hier nimmt sein Leben eine tragische Wendung.
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Seitenzahl: 246
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Für meine Frau.Danke, dass Du immer da list.Näher als es jemand sonst sein könnte.Ich liebe Dich.
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Es ist nicht das erste Vorstellungsgespräch in diesem Monat. Dieses Gespräch hat sein Onkel Sotis für ihn arrangiert. Giorgos hat seit dem Beenden des Militärdienstes immer wieder wochenweise gearbeitet. An seinem 21. Geburtstag hatte er ausgerechnet den letzten Job verloren. Das ist nun vier Monate her und er ist motiviert und verzweifelt zugleich.
In dieser Firma wird Werkzeug für die Minenarbeiter der Silbermine von Laurion hergestellt. Es ist eine recht große Firma.
Endlich wird er hereingerufen.
»Guten Tag, Giorgos. Mein Name ist Topalidis«, stellt sich der Personalleiter vor.
»Guten Tag«, sagt Giorgos mit leiser Stimme.
Spätestens jetzt, als Giorgos den Mann gegenüber im Anzug sieht, wünscht er sich, nicht im T-Shirt und abgenutzter Hose erschienen zu sein. Herr Topalidis ist etwa 60 Jahre alt und hat kaum noch Haare. Macht aber einen sehr sympathischen Eindruck auf Giorgos.
»Nimm Platz. Möchtest du etwas trinken?«
»Nein. Vielen Dank.«
»Ich nehme einen Kaffee, bitte«, sagt Herr Topalidis recht freundlich zu der Dame, die Giorgos hereingerufen hatte. Sie hatte sich am Empfang zwar vorgestellt, aber Giorgos hat ihren Namen nicht behalten können.
»Ich kenne deinen Onkel schon sehr lange. Wir haben zusammen in der Fußballmannschaft von Laurion gespielt. Jetzt gibt’s hier keine Mannschaft mehr. Glaube ich. Oder?«
»Nein. Ich denke nicht«, sagt Giorgos und wackelt nervös mit dem rechten Knie hin und her.
»Wie geht’s denn Sotis?«
»Er ist etwas krank, seit einigen Monaten. Die Arbeit in der Silbermine hat seine Lungen kaputtgemacht. Aber er ist auch recht zäh. Das wird bestimmt bald wieder.«
»Ja. Das denke ich auch, mein Lieber«, sagt Herr Topalidis und lacht dabei mit geschlossenem Mund.– »Der Kerl ist wirklich zäh. Ich weiß, dass es für einen jungen Mann im Moment, hier in der Gegend schwer ist, Arbeit zu finden. Als ich im letzten Jahr die Unternehmensplanung für das Jahr 1956 gemacht hatte, konnte ich nicht ahnen, dass dies nun das beste Jahr in der Firmengeschichte werden könne, und es ist gerade erst August. Es gibt nur eine Handvoll Unternehmen, und es gibt etliche Gastarbeiter, die aus der Türkei zu uns kommen. Die meisten gehen alle in die Silbermine. Nach ein paar Monaten sind dann viele total am Ende. Solange es die Mine gibt, habe ich Aufträge ohne Ende. Jetzt haben sie auch noch Edelsteine entdeckt. Gute Leute kann ich immer gebrauchen. Aber du musst dich hier beweisen. Es ist ein Knochenjob, sag ich dir.«
Das beeindruckt Giorgos nicht. Er hat schon einiges geschuftet.
»Du kannst gleich hinunter in die Halle zu Herrn Remos gehen. Er weiß, dass du heute kommst. Arbeite mit und er wird dir sagen, ob du wiederkommen kannst. Hast du auch Arbeitskleidung dabei?«
»Ja. Haben Sie vielen Dank, Herr Topalidis. Ich werde Sie nicht enttäuschen«, sagt Giorgos nun mit einem Lächeln im Gesicht und gibt Herrn Topalidis dabei die Hand.
Giorgos hat nicht gefragt, was er genau machen muss oder wie viel er hier verdient. Wer die Aussicht auf Arbeit hat, der nimmt alles an. Egal, unter welchen Bedingungen.
»Sie müssen vorne die Treppe hinunter und dann links in Halle 4«, sagt die Dame am Empfang und zeigt Giorgos dabei die Richtung mit der Hand.
»Vielen Dank, Frau Dionidis«, sagt Giorgos lächelnd und froh darüber, dass er ihren Namen auf dem Schild am Empfang entdeckt hatte.
Mit seiner Tasche in der Hand schreitet er in Richtung Treppe. Er streicht sich mit der anderen Hand dabei durch seine Locken und wischt sich mit dem Unterarm über die Stirn. Als er unten an der Treppe ankommt, kann man schon ein dumpfes Pochen wahrnehmen, das anscheinend aus den Hallen kommt. Giorgos weiß nicht, was ihn erwartet. Er greift nach der Türklinke und zeitgleich zieht jemand von der anderen Seite die Tür auf. Beide sind sehr erschrocken.
»Aufpassen!«, sagt ein ziemlich großer, unrasierter Mann mit lauter Stimme.
Giorgos entschuldigt sich sofort und geht zur Seite, sodass der Mann vorbei kann. Beide stehen in der Tür und Giorgos hält dabei die Tür mit dem Fuß auf.
»Bist du Galanis?«, fragt der Mann, der recht sauer klingt.
»Ja«, antwortet Giorgos eingeschüchtert.
»Ich bin gleich bei dir. Leg deine Tasche da drüben hin und geh schon mal rein.« Er zeigt zuerst auf eine Bank mit Taschen und Kleidungstücken. Offenbar ist das hier die Pausenecke und vermutlich ist das Herr Remos. Er hatte sich nicht vorgestellt. Und dann zeigt der Mann in Richtung der Maschinen. Dort soll Giorgos warten.
Giorgos lässt die Tür zufallen und der Lärm verstummt für einen Moment wieder. Er legt seine Tasche auf eine leere Stelle auf einer Sitzbank und atmet noch mal tief durch. Er zieht sich schnell um und geht dann in die Halle.
Es ist wirklich laut und sehr warm. Maschinengetöse. Die Männer schreien, um sich zu verständigen, und es ist recht schmutzig. Hier werden Eimer und andere Metallbehältnisse hergestellt. Männer tragen riesige Aluminiumplatten zu den Pressen. Sie haben Giorgos wahrgenommen, aber sich gleich wieder ihrer Arbeit zugewandt. Giorgos wusste sowieso nicht, was ihn hier erwartet, daher ist er auch nicht enttäuscht. Er stellt sich schon mal darauf ein, gleich anzupacken.
»Du gehst hinüber zu Antonis und Theo. Bei denen kannst du mit anpacken«, ruft Herr Remos plötzlich von hinten. Giorgos legt sofort los. Er stellt sich den beiden jungen Männern vor. Er hat sie wohl schon mal in Thorikou gesehen, aber sie kennen sich nicht. Giorgos kennt nur die Leute aus seinem Dorf. Antonis hat lange Haare, welche er zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden hat. Theo ist ein wenig dick, aber scheint ganz kräftig zu sein. Die beiden zeigen Giorgos, was er machen muss. Sie wirken sympathisch.
Giorgos lernt schnell. Er muss nur einmal zuschauen und dann kann er es nachmachen. Es ist eine schwere körperliche Arbeit, aber das ist für ihn kein Problem. Die Männer haben bestimmte Greiftechniken, wie sie das Metall auf die Maschine heben. Giorgos hat das gut erkannt. Das scheint sehr eintönig zu sein. Für Giorgos ist es einzig wichtig, Geld zu verdienen, für sich und seinen Onkel, bei dem er seit seiner Kindheit lebt.
Die Zeit vergeht sehr langsam. An der Wand in der Halle hängt eine riesige Uhr, an dessen Rand offenbar jemand die Pausenzeiten mit einem Messer eingeritzt hat. Jetzt ist es soweit. Alles wird plötzlich fallengelassen.
»In Griechenland sieht man es sonst mit der Pünktlichkeit auch nicht so eng. Aber was die Pausen angeht, da macht uns keiner was vor«, denkt sich Giorgos. Er ist auch ziemlich erschöpft. Der Schweiß läuft ihm über die Stirn und den Hals herunter. Bei den anderen ist es genauso.
Alle stürmen an ihre Taschen, nehmen ihre Brotzeit und gehen nach draußen. Die Mitarbeiter haben eine Ecke, in der sie ihre Pausen auf dem Hof verbringen. Einige alte Stühle, Bäume, die Schatten spenden, und ein überdimensional großer Aschenbecher.
In der Halle, in der Giorgos arbeitet, sind zwölf Männer. Draußen stehen mindestens 80 Männer und Frauen. Offensichtlich die Leute aus den anderen Hallen.
Sofort werden Zigaretten angezündet und Brote ausgepackt. Es vermischt sich der Geruch von Zigaretten und mitgebrachtem Essen. An einer Wand hängt ein Waschbecken aus Metall. Giorgos wäscht sich die Hände und das Gesicht. Er setzt sich etwas außerhalb der Gruppe auf einem Baumstamm, der offensichtlich als Sitzgelegenheit genutzt wird.
Giorgos sitzt alleine auf dem großen Stamm. Er isst sein Brot und sieht dabei auf die Olivenbäume hinter dem Maschendrahtzaun. Soweit das Auge reicht, Olivenbäume.
Einige der Leute unterhalten sich, andere wiederum beobachten Giorgos. Die jungen Frauen tuscheln, während sie ihn beobachten. Es ist offensichtlich, dass sie den »Neuen« mustern.
Giorgos bemerkt das nicht. Einige der Frauen tragen ein Kopftuch, das sie verspielt hinter dem Kopf zusammengebunden haben.
Giorgos hat nur zweimal vom Brot abgebissen. Er packt es wieder ein und holt einen kleinen Block und einen Holzstift aus der Tasche. Er beginnt zu zeichnen. Sieht dabei immer wieder auf die Olivenbäume.
Fünfzehn Minuten gehen schnell vorbei. Die Leute stehen auf und gehen in Richtung der Hallentore. Giorgos packt ein und geht hinterher. Er hört die Frauen lachen und sieht in ihre Richtung. Zwei von ihnen lächeln ihn an. Er lächelt verschämt zurück und geht hinein. Die anderen Männer haben das bemerkt und schütteln den Kopf, während sie zu den Frauen herüberblicken.
»Halte dich von denen fern«, flüstert Antonis von hinten in Giorgos’ Ohr. »Die Frauen hier spinnen. Bringt nur Ärger.« Giorgos lächelt und schnappt sich seine Handschuhe.
Die Maschinen sind wieder an. Der Lärm ist wieder da. Und weiter geht’s.
Noch zwei Stunden bis zum Arbeitsende.
Giorgos kämpft sich hochmotiviert durch die Arbeit. Es fällt ihm nun doch schwer, aber er macht es. Er blickt immer öfter zur Uhr.
Fünf Minuten vor 19 Uhr. Herr Remos kommt in die Halle. Er ist bereits umgezogen. Fertig zum Heimgehen.
»Und? Wie sieht‘s denn aus? Kommst du wieder?«, sagt er und hat ein leichtes Grinsen auf den Lippen.
»Sicher«, sagt Giorgos selbstbewusst und wissend, dass Remos eine andere Antwort erwartet hatte.
»Gut. Dann bis morgen.« Remos ist sichtbar erleichtert, dass Giorgos mit der Arbeit hier klarkommt.
»Es waren noch drei Jungs da letzte Woche«, sagt Theo. »Die kamen nicht mehr.«
»Verstehe«, sagt Giorgos und denkt dabei an seinen besten Freund Mikis. Er könnte einer von denen gewesen sein, die sofort hinschmeißen, wenn es mal anstrengend wird.
Plötzlich Stille. Die Maschinen sind aus. Die Männer gehen hinaus. Feierabend. Giorgos verabschiedet sich von den beiden Jungs, die mit ihm arbeiten, und schnappt sich seine Tasche, hängt sie sich über die Schulter und geht sichtlich erschöpft nach draußen.
Als er über den Hof geht, sieht er eines der jungen Mädchen am Fahrradständer. Sie blickt zu ihm hinüber und lächelt.
»Bis morgen«, ruft sie zu ihm herüber. Giorgos lächelt nur zurück und geht zum Ausgangstor. Sie steigt auf ihr Fahrrad und fährt an ihm vorbei. Er hat noch zehn Minuten Fußweg vor sich. Das ist im Vergleich zur Arbeit eine Erholung für Giorgos.
Die Sonne geht langsam unter und der Weg ist nicht asphaltiert. Es staubt ganz leicht bei jedem Schritt, den Giorgos macht. Er sieht müde und erschöpft aus. Aber ein positiver Ausdruck in seinem Gesicht lässt den Anschein zu, als wäre er den ganzen Nachmittag beim Spaziergang gewesen.
Ein weiter Weg über Felder an einzelnen Bäumen vorbei. Man kann sehr weit sehen. Giorgos kennt sich hier sehr gut aus. Er hat Griechenland noch nie verlassen. Das will er auch nicht.
Als Kind war er mit seinen Eltern einmal in Athen. Das ist sehr lange her. Er kann sich nur noch an die vielen Menschen und den Lärm erinnern.
Laurion ist ein kleiner Ort neben der Kleinstadt Thorikou. Allerhöchstens 500 Einwohner. In der Firma hat er niemanden aus dem Dorf erkannt. Bestimmt alle aus der Stadt. Die meisten waren mit Fahrrädern dort. Aus der Stadt braucht man mit dem Fahrrad höchstens fünfzehn Minuten.
Jetzt ist er gleich zuhause. Das Haus seines Onkels steht am Rande von Laurion. Hier wohnen viele Familien, die viele Kinder haben. Es ist eine ärmliche Gegend. Ein Auto hat hier niemand.
Giorgos wohnt in einem kleinen Häuschen das zum Teil Weiß und Grau gestrichen ist. An manchen Stellen fehlt die Farbe. Sein Onkel Sotis sitzt auf einer kleinen Bank vor dem Haus und sieht ihm schon entgegen. Er hat sehr helles graues Haar und trägt eine dicke Brille. Neben der Bank lehnt ein Gehstock.
»Hallo, Giorgos!«, begrüßt sein Onkel ihn hoffnungsvoll. »Wie ist es gelaufen?«
»Ich muss dir danken, Onkel«, sagt Giorgos mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Sotis greift sich den Jungen und umarmt ihn ganz fest. Er ist sehr glücklich, dass es endlich geklappt hat. Sie hatten sich in letzter Zeit Geld leihen müssen, um über die Runden zu kommen. Sotis hat ganz leichte Tränen in den Augen.
»Komm rein! Du hast bestimmt Hunger und bist müde. Ist es auch nicht zu schwer? Du weißt, du darfst dich körperlich nicht zu sehr anstrengen.«
»Nein, Onkel. Es war gar nicht schwer. Es ist eine gute Arbeit«, sagt Giorgos und kann seinem Onkel dabei nicht in die Augen sehen. Sotis kennt das schon. Wenn Giorgos ihn nicht ansieht, dann erzählt er nicht die Wahrheit. Giorgos leidet seit seiner Geburt an Pulmonal Stenose. Eine verengte Herzklappe zwingt das Herz viel schwerer zu arbeiten. Bei Überanstrengung werden seine Lippen blau und Giorgos bekommt Atemnot. 1956 ist eine komplexe Operation am Herzen in Griechenland undenkbar. Obwohl Dr. Martakis, der Dorfarzt von Laurion, ihm einen Arzt im Athener Krankenhaus empfohlen hat.
Sotis schweigt.
Sie gehen ins Haus. Das Haus hat nur zwei Zimmer. Das erste Zimmer betritt man sofort, wenn man durch die Haustür geht. Es ist ein Durchgangszimmer. Hier schläft Sotis und es ist auch gleichzeitig die Küche.
Es ist spärlich eingerichtet, aber gemütlich. An der Wand hängen ein Spiegel und ein gezeichnetes Bild, welches Giorgos’ Eltern zeigt. Gegenüber der Eingangstür ist der Eingang zu Giorgos’ Zimmer. Statt einer Tür hängt dort eine dunkelrote Stoffdecke, die am Tag hochgeschlagen wird. Giorgos geht in sein Zimmer.
»Willst du denn nicht essen?«, fragt Sotis.
Sotis hat Bisélia gemacht. Kichererbsen mit Öl und Zitronensaft. Man riecht es bereits vom Hof.
»Ich habe keinen Hunger, Onkel« sagt Giorgos und geht ins Zimmer. Er zieht dabei die rote Decke hinter sich herunter.
In Giorgos’ Zimmer steht ein niedriges Bett, unter welches kaum seine Schuhe passen. Das Fenster ist sehr hoch und recht klein. So wird es im Winter nicht zu kalt. Vor dem Fenster stehen ein kleiner Holztisch und davor ein Stuhl. Giorgos hat seine Kleidung in einem Regal, in welchem auch einige Bücher, Stifte und lose Blätter sind. Die Wände sind dunkelgrau. An der Wand, an der sich sein Bett befindet, ist eine Decke befestigt. Ähnlich wie ein alter Webteppich. Einige Zeichnungen hängen an der Wand und manche hat er mit einem dicken Nagel in die Wand eingeritzt. Giorgos ist ein begnadeter Zeichner. Er hat vieles von Fotos abgezeichnet. So auch seine Eltern, die auf etlichen Zeichnungen in seinem Zimmer zu sehen sind.
Giorgos wirft seine Tasche aufs Bett und zieht die Schuhe aus. Er setzt sich neben die Tasche und holt den Zeichenblock heraus. Er zeichnet das Bild weiter, welches er in der Pause auf der Arbeit begonnen hat. Alles, was er jetzt noch hinzu malt, entspringt seiner Fantasie.
Immer wieder gehen seine dunkelbraunen Augen hoch und er blickt durch sein Fenster, welches gegenüber vom Bett ist, zum Himmel. Er hat ein kleines Radio neben dem Bett. Er schaltet es ein und stellt es lauter. Griechische Musik. Die hört Giorgos am liebsten. Er lehnt seinen Kopf an die Wand und ist in Gedanken. Mit 20 Jahren will man doch was vom Leben haben. Was erreichen. Giorgos ist nicht faul. Er hat immer alles gegeben.
Er kümmert sich um seinen Onkel, der immer öfter Atemnot hat. Giorgos weiß auch, dass Sotis sehr krank ist, und fühlt sich machtlos. Er hört die Gespräche, wenn der Arzt da ist. Er tut so, als wüsste er es nicht. Durch die neue Arbeit kann er wenigstens die Sorge um das Geld von seinem Onkel nehmen.
»Kennst du jemanden auf der Arbeit?«, ruft Sotis aus dem anderen Zimmer. Giorgos stellt das Radio leiser.
»Nein. Die Leute, dich ich heute gesehen habe, die kenne ich nicht.«
»Arbeiten dort auch Frauen?«, ruft er wieder und stellt sich dabei in den Zimmereingang.
»Ja. Ein paar hab ich gesehen«, sagt Giorgos und klingt dabei etwas genervt.
»Ja, und?« Sotis bohrt nach.
»Was, ja und?«
»Denkst du nicht, dass du dort eine Frau kennenlernen kannst?«
»Nein! Die spinnen dort alle.« Giorgos macht das Radio wieder lauter. Sotis dreht sich um und lässt den Türvorhang zufallen.
»Die spinnen!?«, murmelt er ganz leise vor sich hin.
Giorgos holt das angebissene Brot aus seiner Tasche, welches er auf der Arbeit nicht gegessen hatte. Er hat nun doch Hunger. Er steht auf und zieht die Schuhe wieder an.
»Wohin gehst du?«, fragt Sotis als Giorgos zur Tür hinausgehen will.
»Ich geh ein bisschen raus.«
»Brauchst du Geld?« Sotis weiß, dass Giorgos kein Geld hat.– »Willst du was trinken gehen?«
»Nein, Onkel. Ich gehe nur auf die Straße«, sagt Giorgos und geht hinaus. Auf der Straße ist immer jemand. Einige Kinder sind noch draußen und spielen mit zwei Hunden. Und einige ältere Nachbarn sind ebenso draußen. Giorgos grüßt diese höflich und schlendert die Straße hinunter.
Unweit von seinem Haus ruft ein junger Mann aus einem Hauseingang.
»Giorgos! Hey, Mann!«
»Hallo, Mikis!«
Das ist Giorgos’ bester Freund.
»Wie war die Arbeit?«
»Ganz gut. Ich werde wieder hingehen«, sagt Giorgos und weiß, dass Mikis nicht so viel von Arbeit hält.
»Warte ich komme zu dir!« ruft Mikis und steigt in ein paar Sandalen die im Eingang standen. Mikis hat nicht gerade den Fleiß für sich entdeckt. Das Geld würde seiner Familie auch gut tun. Aber er hat noch Geschwister, die alle in der Silbermine und am Hafen arbeiten. Er braucht Zeit zum Arbeiten, sagt er. Und die Zeit hat er einfach nicht.
Er hat die Sandalen seines Bruders Kostas an, welcher ihm noch hinterher ruft, er solle seine eigenen nehmen.
Die beiden begrüßen sich mit einem Handschlag und Mikis klopft dabei Giorgos auf die Schulter.
»Erzähl doch mal. Was ist denn so los dort bei deiner Arbeit? Was musst du denn so machen?« Mikis ist neugierig.
»Es ist ganz in Ordnung. Ich muss einfach nur ein paar Sachen auf die Maschine stellen und dann geht alles von alleine. Du solltest auch mal nachfragen«, sagt Giorgos und glaubt nicht wirklich, dass Mikis das tun würde.
»Nein, du. Das geht nicht. Dann komme ich erst spät am Abendheim. Da hab ich ja für gar nichts mehr Zeit. Das ist echt nicht mein Ding«, sagt dieser und grinst dabei. Giorgos schüttelt den Kopf. Die beiden gehen ein paar Schritte.
»Und wie sind die Mädchen so? Ich sehe immer welche am Abend aus der Richtung kommen, während ich im Hof sitze. – Die müssen von dort kommen. Es gibt nichts anderes in der Nähe.«
»Ja. Ein paar hab ich schon gesehen«, sagt Giorgos.
»Und? Erzähl jetzt, Mann. Mach es nicht so spannend.«
»Nichts, Mikis. Keine Ahnung. Hab sie mir nicht so genau angesehen.«
Mikis sieht Giorgos ungläubig an und schüttelt nun selbst den Kopf.
»Du wirst sehen. Dort kannst du eine finden. Und dann stellst du mir ihre Freundin vor und wir gehen mal zu viert nach Thorikou. Ganz schick, mit allem, was dazugehört.«
»Du fängst jetzt an zu fantasieren. Du kannst ein Mädchen nicht beeindrucken, weil du aus Laurion kommst. Sieh dich doch mal um. Das kann ich keiner Frau verdenken, dass sie jemanden von hier nicht mal ansieht. Was kannst du bieten? Oder ich?« Giorgos ist pessimistisch.– »Du musst arbeiten, Mikis. Du kannst eine Frau nicht mal auf einen Kaffee einladen.«
»Ich nehme sie mit zu mir. Bei uns kostet der Kaffee nichts.« Mikis lacht dabei.
»Ja, genau. Deine Mutter wird sich freuen!« Giorgos lacht. –»Eines Tages, Mikis. Eines Tages hab ich Geld. Dann baue ich unser Haus neu und mache es größer für Sotis und mich und vielleicht für eine Frau. Mit mehr Zimmern und Türen, große Fenster.«
»Jetzt fantasierst du aber, Giorgos«, sagt Mikis und lächelt zu den Mädchen rüber, die an einem Hoftor stehen. – »Hey. Was macht ihr denn heute?« Mikis flirtet mit den Dorfmädchen, die niemals mit ihm ausgehen würden. Die Mädchen lachen und unterhalten sich weiter.
Mikis legt die Hand auf Giorgos’ Schulter.
»Vielleicht eines Tages. Wir werden sehen.«
»Ja«, sagt Giorgos. –»Mal sehen.« Die beiden gehen noch einige Schritte, dann kehren sie um. Sie verabschieden sich und Giorgos geht weiter.
Als Giorgos heimkommt, hat sich Sotis hingelegt. Es geht ihm offenbar nicht gut. Giorgos legt sich einige Sachen für den nächsten Tag bereit. Ein frisches Shirt und eine neue Hose. Er ist richtig schmutzig geworden heute auf der Arbeit.
Hinter dem Haus haben die beiden eine Waschstelle hergerichtet. Eine Blechbadewanne, zwei große Schüsseln und zwei Eimer, in denen das Wasser aus dem Brunnen geschöpft wird.
Giorgos wäscht sich und kippt einige Tassen Wasser über seinen Kopf. Er geht in sein Zimmer und macht eine Kerze an. Diese hat er oft abends an, wenn er noch zeichnet. Er zeichnet noch ein bisschen und dann legt er sich schlafen.
Am nächsten Morgen kommt Sotis ins Zimmer, um Giorgos zu wecken. Dieser steht schon angezogen vor einem kleinen Spiegel, der an seiner Wand hängt.
»Du bist schon wach?« fragt Sotis.
»Na sicher. Ich muss ja auf die Arbeit.«
»Aber du hast ja noch Zeit. Und warum putzt du dich jetzt so raus?« Sotis wundert sich, dass Giorgos ein Hemd anhat. – »Das wird doch alles schmutzig.«
»Nein, Onkel. Ich zieh mich dort um. Alle ziehen sich um. Sie haben Arbeitskleidung und die normalen Sachen.«
Giorgos möchte einfach dazugehören und natürlich nicht in seiner schmutzigen Kleidung hingehen. Sich möglichst integrieren. Alle ziehen sich auf der Arbeit um. Sotis geht und bereitet etwas zu essen.
Giorgos nimmt sich zwei kleine Brote vom Tisch und will hinauslaufen.
»Hey, was ist denn los? Setz dich doch hin wie anständige Leute.« Sotis ist verblüfft.
»Keine Zeit, Onkel. Ich muss los. Ich esse unterwegs.« Und schon ist Giorgos draußen. Wenn die Sonne aufgeht, ist es auf den Feldern am schönsten. Giorgos geht mit leichtem Schritt seinen Weg zur Arbeit.
Immer wieder bleibt er unterwegs kurz stehen und betrachtet seine Umgebung. Giorgos strahlt eine Freude aus, die alles positiv erscheinen lässt. Er pfeift und reißt ab und zu einen Grashalm vom Wegesrand und spielt damit. Wenn die ersten Sonnenstrahlen sein Gesicht berühren, fühlt sich Giorgos so richtig lebendig. Beim Militär war ihm die Nachtwache am liebsten, weil er dann immer den Sonnenaufgang sehen konnte.
Der Geruch der Felder auf dem Weg zur Arbeit erinnert Giorgos an seine Kindheit, an die Zeit, als seine Eltern noch lebten. Sie waren oft in der Natur gewesen.
Giorgos ist der erste auf dem Hof heute. Die Tore sind schon offen. Er setzt sich auf den alten Baumstamm und sieht einfach in die Ferne über die Olivenbäume. Er genießt die Ruhe und die Aussicht.
Nach und nach kommen die ersten Arbeiter und rauchen noch in aller Ruhe eine Zigarette auf dem Hof.
»Die anderen vor dir kamen nichtmehr. Ich bin überrascht, dass du da bist«, stellt sich auf dem Fabrikhof das junge Mädchen vor Giorgos, das gestern an ihrem Fahrrad gestanden und sich von ihm verabschiedet hatte.
»Ich bin Eolina. Willkommen. Du wirst sehen, wir sind alle nett hier. Naja, mehr oder weniger. Nur die Jungs hier, die spinnen«, sagt sie und lächelt Giorgos mit einem bezaubernden Lächeln an. Er ist wie hypnotisiert. Eolina sah im Morgenlicht atemberaubend aus.
»Ich bi.. bi.. bin Giorgos«, stottert er leise vor sich hin. –»Ich bin Giorgos«, wiederholt er jetzt mit klarer Stimme.
»Ich weiß«, erwidert Eolina lächelnd, dreht sich um und geht zu ihren Freundinnen, die das Gespräch beobachtet hatten. Giorgos sieht ihr noch ein bisschen nach.
Er blickt rüber zu Antonis und Theo, die am Aschenbecher stehen. Die beiden schütteln nur den Kopf und lächeln.
Es läutet. Die Leute gehen hinein.
Als Giorgos sich an das Band stellt, kommt Theo ein Stück näher.
»Du solltest besser nicht mit den Mädchen hier flirten. Zumindest mit Eolina nicht«, rät Theo und von ihm klingt es fast wie eine Warnung. –»Ihr Vater ist im Stadtrat von Athen. Also keine Chance für einen Normalsterblichen wie dir. Ich habe gehört, sie ist wohl in ihrer Schule aufgefallen und dass ihr Vater sie deswegen zu Ihrer Tante nach Thorikou gebracht hat. Nun muss sie den ganzen Sommer hier arbeiten.«
Giorgos ist ganz ungläubig.
»Glaub mir, Giorgos, die wird uns hier alle vergessen haben, sobald sie wieder von Papi im schicken Auto nach den Ferien abgeholt wird«, fügt Theo hinzu.
Giorgos ist sehr enttäuscht und macht seine Arbeit weiter. In der Pause, als er auf seinem Stamm sitzt, nähert sich Eolina.
»Stör ich?« fragt sie mit einer engelsgleichen Stimme.
Giorgos will abweisend reagieren. Aber das schafft er nicht. Wozu mit jemandem anfreunden, der aus einer ganz anderen Welt kommt? Eine Welt in der die Eltern einflussreich sind. Giorgos könnte seine Arbeit verlieren, wenn er sich jetzt mit der Stadtratstochter abgibt.
»Nein. Du störst nicht.« Eolina setzt sich auch auf den Stamm. Zwischen die beiden könnten noch zwei weitere Personen passen. So weit sitzen sie auseinander.
»Ich sehe, dass du immer etwas zeichnest. Was zeichnest du denn so?« Giorgos sieht sie nicht an, als er antwortet.
»Alles Mögliche, das so in meinem Kopf ist. Was ich mal gesehen habe oder was ich mir so vorstelle.«
»Darf ich etwas davon sehen?«, fragt Eolina.
»Nein. Tut mir leid. Ich zeige das keinem. Ist dein Vater wirklich im Stadtrat von Athen? Ich meine, so ein echter Politiker?«
»Du wurdest also schon aufgeklärt, was?« Eolina klingt leicht angenervt.
»Ich frage nur, weil ich nicht verstehe, warum du überhaupt hier bist und dich mit uns oder mir abgibst.« Giorgos sieht sie an. – »Für mich ist das hier kein Ferienjob. Ich muss davon leben, und zwar nicht alleine. Ich will nur keinen Ärger bekommen.« Eolina ist verblüfft über seine Reaktion.
»Ich wollte mich doch nur Unterhalten. Du schienst nett zu sein. Du bist wohl doch ein Vollidiot wie die anderen hier. Entschuldige, dass ich dich belästigt habe.« Eolina steht auf und geht hinein. Alle sehen auf Giorgos. Er fühlt sich schlecht. Aber er hat auch Angst, seine Arbeit wieder zu verlieren, wenn er Ärger macht. Und Eolina klingt für ihn sehr nach Ärger.
Die Pause ist vorbei. Alle gehen hinein.
Theo fängt Giorgos an der Türe ab.
»Verärgere sie bloß nicht, Giorgos. Wenn du wegen ihr Ärger bekommst, verlierst du vielleicht deine Arbeit.«
»Ja. Ja. Ich weiß«, antwortet Giorgos.
Diesmal geht die Zeit besonders langsam um. Giorgos denkt die ganze Zeit an Eolina und fragt sich, ob er nicht zu schroff gewesen ist. Er versucht sich die Welt vorzustellen, in der sie sonst lebt. Das Gefühl, dass es nicht die gleiche Welt wie seine ist, fühlt sich nicht gut an. Er hätte sich gerne ab und zu mit Eolina in den Pausen unterhalten wollen.
Sie kam in den folgenden Pausen nicht zu ihm und er hat ein schlechtes Gewissen.
Als er nach Hause gehen möchte sieht er Eolina an ihrem Fahrrad, wie sie versucht den Reifen aufzupumpen.
Giorgos zögert, aber geht dann doch in ihre Richtung.
»Brauchst du Hilfe?«, ruft er zu ihr rüber.
»Denkst du nicht, du könntest deinen Job verlieren, wenn du mit mir redest?«, antwortet Eolina hämisch.
»Ach Unsinn. Da ist ja nichts dabei, wenn ich dir helfe.«
»Es ist auch nichts dabei, wenn du dich mit mir unterhältst«, erwidert Eolina.
»Ich möchte mich entschuldigen für mein Verhalten heute in der Pause«, sagt Giorgos mit reumütiger Stimme. – »Ich brauche diese Arbeit so sehr, dass ich total vorsichtig sein möchte.«
»Ich werde deine Arbeit nicht gefährden«, sagt Eolina und blickt ihn dabei an. – »Hilfst du mir nun, oder was?« Giorgos schnappt sich die Pumpe und pumpt. Es scheint nicht zu klappen.
»Du musst leider schieben. Aber ich werde dein Fahrrad gerne schieben«, bietet Giorgos hilfsbereit an. Und schon gehen die beiden vom Hof, das Fahrrad zwischen ihnen, und Giorgos schiebt.
»Haben wir denn denselben Weg?«, fragt ihn Eolina während sie weiter nach vorne blickt.
»Ja. Also ziemlich. Ich gehe gerne spazieren. Das ist in Ordnung«, antwortet Giorgos ohne sie anzusehen. Er blickt ebenfalls weiter nach vorne.
Eolina fährt durch Laurion denselben Weg entlang, den Giorgos läuft. Giorgos zeigt ihr die Stellen auf dem Weg, die sonst keinem auffallen, wenn man nicht genau hinsieht. Eolina ist sehr angetan von Giorgos’ Art, die Dinge zu sehen. Die beiden unterhalten sich anfangs recht zögerlich. Während sie den staubigen Weg entlanggehen, tauen sie auf, und so erfährt Giorgos viel über das Leben in Athen, Eolinas Schule und ihren Vater.
Giorgos erzählt wenig von sich.
»Und da wohnst du?«, fragt Eolina und blickt dabei auf das kleine Häuschen am Ortsrand. Die beiden stehen vor Giorgos’ Haus.
»Ja.« Giorgos ist es gerade etwas unangenehm, wenn er sich vorstellt, wie wohl Eolinas Zuhause aussehen könnte.
»Und du wohnst mit deiner Frau hier?«, fragt Eolina, während sie Helena Martakis aus Sotis Haus kommen sieht.
»Was? Wieso Frau? – Das ist Helena. Sie ist die Tochter vom Doktor. Sie bringen ab und zu Medikamente und untersuchen meinen Onkel«, antwortet Giorgos sehr schnell.
»Du sagtest, du brauchst den Job in der Fabrik nicht nur für dich alleine.«
»Ich wohne mit meinem Onkel hier.«
»Achso.« Eolina wirkt erleichtert.
»Ihr habt bestimmt ein Riesenhaus mit Hof, und ein Auto habt ihr bestimmt auch?«, fügt Giorgos hinzu.
»Ja, mein Vater verdient gut.«
»Dann verstehe ich nicht, warum er dich in der Fabrik arbeiten lässt.«
»Ich wurde in der Schule beim Rauchen erwischt. Jetzt muss ich die Ferien durchschuften.«
»Aber du rauchst doch gar nicht. Zumindest habe ich dich nicht gesehen.«
»Naja, die anderen Mädchen aus der Schule haben mir auch eine angeboten.«
»Verstehe.«
»Giorgos!« ruft Sotis aus der Eingangstüre.
»Ich komme, Onkel«, ruft Giorgos sichtlich nervös zurück.
»Wer ist denn die junge Dame?« Sotis ist nähergekommen und steht nun vor den beiden. Giorgos ist etwas sprachlos.
»Eolina.« Sie stellt sich selbst vor.
»Also, Giorgos hat mir gar nicht erzählt, dass er mit solch hübschen Geschöpfen arbeitet«, sagt Sotis, während er zu Giorgos schaut.
»Onkel!« Giorgos rollt die Augen.
»Ähm, ja, also, ich muss rein, muss noch das Essen fertigmachen. Es hat mich sehr gefreut, Eolina.« Sotis geht zurück zur Haustür. – »Wollen Sie mit uns zu Abend essen? Ich habe Keftédes gemacht. Die besten Hackfleischbällchen weit und breit. Stimmt’s, Giorgos?«
