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Mia B. Meyers

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Beschreibung

Cash Meine Assistentin kündigt und das Chaos namens Shelby Torres taucht auf. Sie ist ebenso atemberaubend wie tollpatschig und wirbelt meine strukturierte Welt komplett durcheinander. Alle Versuche, Abstand zu halten, erweisen sich als gar nicht so leicht, und obwohl Shelby meine Kontrolle mehr als nur einmal auf die Probe stellt, fühle ich mich auf bizarre Weise zu ihr hingezogen. Doch das spielt keine Rolle. Ich bin ihr Boss, und zudem beginnt man nichts Neues, wenn das alte noch nicht abgeschlossen ist. Oder? Shelby Schon das erste Aufeinandertreffen mit meinem Boss Cash Turner verlief nicht ganz nach Plan, daher gebe ich mir in seiner Gegenwart besonders viel Mühe. Doch unter dem Druck, alles richtig zu machen, stolpere ich von einem Missgeschick ins nächste. Obendrein ist Cash auch noch der Inbegriff von Anziehungskraft und lässt meinen Puls in seiner Nähe rasen. Was das Ganze nicht unbedingt leichter macht. Doch das spielt keine Rolle. Er ist mein Boss, und zudem beginnt man nichts Neues, wenn das alte noch nicht abgeschlossen ist. Oder?

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Veröffentlichungsjahr: 2025

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Give Up Boss

Mia B. Meyers

Erstauflage Februar 2024

Copyright © 2024

Mia B. Meyers

c/o Block Services

Stuttgarter Str. 106

70736 Fellbach

E-Mail: [email protected]

www.miabmeyers.com

Facebook Autorenseite: Mia B. Meyers Autorin

Covergestaltung: Mia B. Meyers

Covermotiv: Depositphotos_66184189_XL

Lektorat/Korrektorat: Lektorat Gentara, Susan Liliales

Alle Rechte vorbehalten!

Nachdruck, auch auszugsweise,

nur mit schriftlicher Genehmigung

der Autorin.

Personen und Handlungen dieser Geschichte sind frei erfunden.

Jede Ähnlichkeit mit lebenden oder verstorbenen Personen, Orten oder Ereignissen sind zufällig und unbeabsichtigt.

Markennamen, die genannt werden, sind Eigentum ihrer rechtmäßigen Eigentümer.

In diesem Roman wird aus Gründen der sprachlichen Vereinfachung und Lesbarkeit die männliche Form verwendet, um alle Geschlechter gleichermaßen anzusprechen. Damit sind alle Geschlechter, Identitäten und Ausdrucksformen gleichermaßen angesprochen und ich möchte darauf hinweisen, dass diese Entscheidung aus rein stilistischen Gründen erfolgt und keinerlei Ausschluss oder Diskriminierung beabsichtigt.

Dieser Roman wurde unter Berücksichtigung der neuen deutschen Rechtschreibung korrigiert.

Inhalt

Vorwort

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Epilog

Über Mia B. Meyers

Vorwort

Liebe Leserin, lieber Leser,

um einer eventuellen Enttäuschung vorzubeugen, möchte ich dich an dieser Stelle vorwarnen.

Vermutlich werden sich meine Protagonisten stellenweise sehr speziell ausdrücken. Sie lieben klare Worte, zu denen auch der ein oder andere Kraftausdruck gehört.

Und ja, dem ist – ganz unabhängig von ihrem Alter oder ihrem beruflichen Erfolg – so.

Alle meine Protagonisten sind fiktional und dürfen es somit. Darüber hinaus, wer weiß schon, wie die oberen Zehntausend wirklich miteinander reden?!

Sollte schon dieses Vorwort nicht deinem Geschmack entsprechen, wird es leider auch der Rest nicht tun. Das würde ich zwar sehr bedauern, aber Geschmäcker sind nun einmal verschieden.

In diesem Fall muss ich mich an dieser Stelle leider von dir verabschieden. Ansonsten wünsche ich dir ganz viel Spaß beim Lesen und hoffe sehr, dass es dir gefallen wird.

Deine Mia

Prolog

Shelby

Shit! Shit! Shit!

Ich laufe, so schnell es die verfluchten zehn Zentimeter Absätze meiner High Heels zulassen, die Stufen zum Eingang des Bürokomplexes hoch, in dem sich seit vier Wochen mein neuer Arbeitsplatz befindet.

»Entschuldigung!«, rufe ich einer Frau zu, die ich beinahe über den Haufen renne, halte den flatternden Trenchcoat vor der Taille zusammen und springe über die letzte Stufe nach oben. Mein Puls rast unter der unbekannten Anstrengung dermaßen heftig, dass ich ihn im Hals spüre, und von meiner Atmung möchte ich gar nicht erst sprechen.

Bevor ich hineingehe, presse ich meine Fäuste an die Seiten meiner stechenden Taille und lege den Kopf in den Nacken. Nur eine Sekunde verschnaufen. Instinktiv schaue ich auf die Armbanduhr und unterdrücke ein Fluchen. In den letzten Wochen habe ich mir angewöhnt, morgens noch Kaffee aus dem Café zu holen, das sich ebenfalls in dem Hochhaus befindet. Einen für mich und einen für Amber, die mich mit einer Engelsgeduld für eben den Posten einarbeitet, den sie verlassen wird. Schade, ich glaube, wir hätten uns sehr gut verstanden. Den Latte macchiato kann ich heute Morgen jedenfalls vergessen. Ich atme noch einmal tief durch und drücke die Drehtür nach innen auf. Mit seinen zwanzig Stockwerken ist das Gebäude bei weitem nicht das höchste in London, aber ganz bestimmt muss es sich bei der Ausstattung nicht verstecken.

Gleich beim Betreten des Foyers schreit einen alles an, dass es einmal viel Geld gekostet hat. Das fängt bei den in Weiß und hellen Grautönen gehaltenen Wänden an, geht über die gläsernen Fahrstühle auf beiden Seiten des Raumes und endet bei dem gigantischen Empfangstresen, der den gesamten Bereich dominiert. Niemand, der hier ein- oder ausgeht, kommt ohne Anmeldung an diesem Tresen vorbei, und dahinter sitzen stets Frauen, gegen die Ella Macphersons Models ziemlich alt aussehen.

Oh, da ist einer der Fahrstühle gerade offen. Ich laufe auf die linke Seite zu, zerre nebenbei die Zugangskarte aus der Handtasche und ignoriere das überlaute Hallen meiner Absätze auf dem Marmorfußboden.

»Halt! Warten Sie!«, schreie ich, doch die Tür gleitet zu und ich sehe nur noch, wie der Lift nach oben gleitet. Na super. Ich schließe die Augen und möchte weinen. Warum habe ich auch ausgerechnet heute verschlafen? Ich stelle mir jeden Morgen vier Wecker, alle in einem Abstand von zehn Minuten. Was zum Teufel hat mich geritten, dass ich den vierten an diesem Tag vergessen habe?

Auf der gegenüberliegenden Seite der Eingangshalle kommt soeben ein Fahrstuhl an und ich sprinte los. »Sorry.« Und schnell weiter. »Entschuldigung.« Ich springe wie ein Hase auf Speed im Zickzack durch den Eingangsbereich, um der Menge an Leuten auszuweichen, die ebenfalls gerade eintreffen, um ihrer Arbeit nachzugehen. Schon von hier aus kann ich abschätzen, dass der Fahrstuhl ziemlich voll wird. Mist, verdammter. Egal wie, und wenn ich mit Karacho in die Kabine springen muss, ich werde es tun.

Ein Typ im Anzug geht mit langen Schritten auf den Aufzug zu und eins ist klar: Sollte der da auch noch hineingehen, passe ich bestimmt nicht mehr dazu. Es kann kein Zufall sein, dass ich ausgerechnet jetzt an meine Secondary-School-Zeit und meinen damaligen Freund denke – er war Rugbyspieler. Also dann, da hilft nur Körperkontakt. Ohne Rücksicht renne ich an dem Anzugtypen vorbei, remple ihn mit der Schulter an, sodass er einen Schritt zur Seite taumelt, und springe in die Kabine.

»Darf ich mal? Das passt doch noch, oder?« Ich lache, als wäre ich kurz vorm Durchdrehen, und überhöre das genervte Seufzen der Anwesenden. Ich blicke wieder nach vorne, direkt auf den Anzugtypen, der mich mit gefurchter Stirn ansieht, und spüre den Geldschein, den ich seit Verlassen der U-Bahn in der Hand knülle. Er ist etwas aufgeweicht von meinen schwitzenden Handflächen, aber das tut seinem Wert keinen Abbruch.

»Entschuldigen Sie, ich habe es wirklich verdammt eilig«, rufe ich ihm zu, lehne mich aus dem Fahrstuhl heraus und drücke ihm das zerknüllte Stück Papier in die Hand. Schnell ziehe ich mich wieder in die Kabine zurück, und schon schließen sich die Türen. »Zum Dank gebe ich Ihnen irgendwas zu trinken aus!«, rufe ich durch den enger werden Spalt und deute auf die Tür, die ins Café führt. »Der Kaffee ist wirklich ausgezeichnet.«

Der Typ sieht mich an, als hätte er kein Wort von dem verstanden, was ich sage. Womöglich spricht er meine Sprache nicht? Egal. Kurzerhand streiche ich mein schwarzes Businesskleid glatt und kämme mir mit den Fingern durch mein langes dunkles Haar. Von meiner ungewohnten morgendlichen Sporteinheit steht mir der Schweiß im Nacken, aber hier drin ist derart wenig Platz, dass es unmöglich ist, meinen Trenchcoat ausziehen.

»Das war entweder ziemlich mutig, oder ziemlich dumm.«

Ich blicke nach links zu einem Mann, der schmunzelnd geradeaus sieht.

»Entschuldigung? Meinen Sie mich?« Ich schaue mich verwirrt um, aber alle anderen sind in eigene Gespräche versunken. Oh nein, es ist das Kleid, oder? Ich wusste, dass es vielleicht etwas zu eng ist, um seriös zu sein. Möglicherweise ist es auch das Make-up? Unwillkürlich berühre ich meine rot geschminkten Lippen.

»Allerdings. Ich bin Will, Anwalt bei MT-Architektur.« Er hält mir seine Hand entgegen, so weit es die Enge zulässt, und ich ergreife sie ohne zu zögern.

»Shelby«, stelle ich mich ebenfalls vor und kann mir ein aufgeregtes Grinsen nicht verkneifen. »Die neue Sekretärin des CEO Cash Turner.«

Die Fahrstuhltüren öffnen sich und der erste Schwung verlässt den Lift. Wir können etwas lockerer stehen und Will wendet sich mir zu.

»Und, wie ist es? Kommen Sie gut mit Mister Turner zurecht?« Er grinst auf eine Art, die ich nicht ganz einordnen kann, und ich streife mir den Trenchcoat ab, um Will nicht weiter ansehen zu müssen.

»Das hoffe ich«, gebe ich zurück und halte den Mantel über meine Unterarme gelegt vor den Bauch. »Er war die vier Wochen meiner Einarbeitung im Ausland, daher lernen wir uns erst heute persönlich kennen.«

Will nickt wissend und verabschiedet sich in Etage 16. »Das wird bestimmt spektakulär.«

Stirnrunzelnd schaue ich ihm nach. Komischer Typ. Egal, das ist jetzt nicht wichtig. Seufzend beobachte ich die Zahlen auf dem Anzeigefeld, reibe mir noch einmal über den Nacken, um das verschwitzte Gefühl zu vertreiben, und endlich kommen wir bei der 20 an. Die Türen gehen auf und ich schaue direkt auf Ambers Empfangstresen. Nein, auf meinen Empfangstresen. Nur noch zwei Tage, dann wird sie mir all das hier überlassen.

»Guten Morgen. Es tut mir leid, dass ich so knapp in der Zeit bin«, sprudelt es aus mir heraus und Amber lächelt.

»Gar kein Problem. Cash ist auch noch nicht da.« Sie räumt die Bilderrahmen, die auf ihrem Schreibtisch stehen, in einen Karton und kaut auf ihrer Unterlippe.

»Wie geht es dir?«, frage ich das Erste, was mir bei dem Anblick in den Sinn kommt, und sie zuckt mit den Schultern.

»Ich freue mich auf das, was vor mir liegt, aber Cash wird mir verdammt fehlen.« Sie streichelt ihren kleinen Schwangerschaftsbauch und lässt sich auf den Bürostuhl fallen. »Wie viele Angestellte das wohl von ihrem Chef sagen, oder?«

Ich lächle und setze mich auf die Kante ihres Schreibtisches, wobei ich über ihre Schulter streichle. »Das ist doch schön und macht mir Mut, dass ich vielleicht auch irgendwann ein ähnlich gutes Verhältnis zu ihm aufbauen werde.«

»Ganz bestimmt. Es ist leicht, mit Cash zurechtzukommen. Er erwartet viel von seinen Mitarbeitern, gibt aber auch jedem das Gefühl, wirklich nützlich für die Firma zu sein. Er kann hart sein, ist dabei jedoch immer fair.« Sie schaut an einen imaginären Punkt der gegenüberliegenden Wand und wirkt, als sei sie ganz weit weg, ehe sie sich mit den flachen Händen auf die Oberschenkel klopft. »Dann will ich mal weitermachen. Würdest du die Kaffeemaschine einschalten? Cash sollte gleich kommen, und wie ich dir bereits gesagt habe …«

»Ist er vor dem ersten Kaffee nicht er selbst«, führe ich ihren Satz zu Ende und sie zwinkert mir lachend zu.

Ich gehe in das kleine Hinterzimmer, in dem sich eine winzige Küchenzeile und ein Tisch für zwei Personen befinden. Schon deutlich routinierter als in den ersten Tagen schalte ich den Vollautomaten ein und fülle den Wasserbehälter, als ich das Läuten des Fahrstuhls höre. Cash Turner kommt!

Schlagartig donnert mein Herz in der Brust und meine Knie beginnen zu zittern. Das wird unser erstes Zusammentreffen sein und jeder weiß, dass das oft entscheidend ist. Ich habe bereits dreimal mit ihm telefoniert und da war er immer sehr nett. Ich stelle schnell eine Tasse unter den Auslauf des Automaten, damit ich ihm direkt mit dem Kaffee gegenübertreten kann.

»Guten Morgen«, vernehme ich seine dunkle, leicht raue Stimme, die ich von den Gesprächen her kenne, und fächele mir mit der Hand Luft zu. Hilfe, wann war ich zuletzt dermaßen aufgeregt? Mit zitternden Fingern wähle ich den Kaffee und tipple mit der Schuhspitze auf den Parkettfußboden. Nun mach doch.

»Was ist das denn? Meine Bonuszahlung?«, höre ich Amber lachend fragen und atme mit geschlossenen Augen gegen die Aufregung an.

»Das hat mir irgendeine Irre in die Hand gedrückt und gesagt, ich soll mir dafür etwas zu trinken holen!«

Schlagartig reiße ich die Augen auf und starre auf das Display des Vollautomaten. Nein?!

»Wie bitte?« Amber lacht auf, was die Situation nicht unbedingt verbessert. »Und was hast du gesagt?«

»Dazu kam ich gar nicht, weil sie mir den letzten Platz im Fahrstuhl geklaut hat, nachdem sie mich vorher zur Seite gerammt hat.«

Amber lacht lauthals und irgendwann stimmt er mit ein.

Ich balle die Hände zu Fäusten und schaue mich hektisch um, obwohl ich auch so weiß, dass es in diesem Raum kein Fenster gibt. Und selbst wenn? Was soll ich machen? Mich aus der zwanzigsten Etage stürzen?

»Ist Miss Jones schon da?«, dröhnt es in meine Richtung, ehe das Mahlwerk der Maschine einsetzt und ich kein Wort des Gespräches mehr verstehe.

»Mister Turner ist da!«

Ich schaue hektisch durch den Raum und der Schweiß bricht mir auf der Oberlippe aus. Endlich weiß ich, was es bedeutet, vor Scham im Boden versinken zu wollen. Nur leider tut sich in meinem Fall der Fußboden nicht auf. Das erklärt dann auch das dämliche Grinsen von Will aus dem Fahrstuhl. Die Tür wird aufgestoßen, wobei mein Blick auf Ambers strahlendes Gesicht trifft und zu Mister Turner schwenkt. Sein Lächeln bröckelt wie trockener Gips, ehe er mich prüfend von oben bis unten mustert.

»Sie?«

Kapitel1

Shelby

Drei Monate später

»Bitte unterzeichnen Sie hier.« Ich deute auf die Linie, neben der ein unübersehbarer Post-it mit einem roten X klebt. Cash unterzeichnet und ich blättere drei Seiten weiter. »Und hier bitte auch.« Er schließt die Augen und ich sehe die Vene an seiner Schläfe pochen. Inzwischen arbeite ich seit einem Vierteljahr hier und weiß sehr genau, dass Cash mit sich selbst um seine Beherrschung ringt. Er hasst es, wenn ich ihm Offensichtliches wie eben das Setzen dieser Unterschriften erörtere, ist aber viel zu höflich, um es auch zuzugeben. Zu höflich, oder er hat einfach resigniert, da bin ich mir nicht ganz sicher.

»Und ebenso hier, bitte«, rede ich weiter und er schaut kurz zu mir auf, wobei sein Blick den Ausschnitt meiner Bluse nicht einmal streift. Nicht, dass es mich stören würde, dass er mich allem Anschein nach nicht als Frau wahrnimmt, es fällt mir nur immer mal wieder auf.

»Hier? Sind Sie sicher?« Er deutet mit seinem Kugelschreiber auf die Unterschriftszeile und mein Mundwinkel zuckt. Jetzt nur nicht lachen.

»Genau dort, Sir.«

Seine Augen verengen sich. Für Sekunden nur, aber es ist mir nicht entgangen. Schlimmer als meine Sticker mit dem X und der unnötigen Anweisung dazu findet er nur, wenn ich ihn Sir nenne.

Ja, okay, ich gebe es zu. Ich schikaniere meinen Boss und das einfach zu gerne. Dabei ist es keinesfalls so, dass ich ihn nicht respektieren würde. Oh doch, das tue ich, und zwar sehr. Eher ist es der Umstand, dass mein Körper wegen Cashs trockenen Reaktionen dermaßen viel Serotonin ausschüttet, dass es wie eine Droge ist, mit der ich nicht aufhören kann.

Cash legt den Kugelschreiber beiseite, während ich die Papiere des Vertrages zusammen sammle und so lange damit auf eine Kante klopfe, bis sie alle hintereinanderliegen. Na ja, gut, vielleicht auch noch zwei- oder viermal öfter.

»Miss Jones.« Cash reibt sich über die Stirn und atmet genervt aus. »Wenn Sie dann damit fertig sind, meinen Schreibtisch zu malträtieren …«

Ich schüttle den Kopf und sehe ihn ratlos an. Kommt da noch was?

»Ich muss telefonieren.« Er wedelt mit der Hand in Richtung Tür, der Lakai darf sich nun entfernen.

»Selbstverständlich …« Mir liegt ein Eure Majestät auf der Zunge, dass ich schnell herunterschlucke.

»Was wollten Sie sagen?«

»Gar nichts«, fiepse ich und lächle so unschuldig, wie es mir möglich ist. Eins muss ich zugeben: In den vergangenen drei Monaten habe nicht nur ich ihn studiert, sondern er leider auch mich. Manchmal ist es geradezu gruselig, wie sehr er meine Gedanken errät.

»An dem Tag, an dem Sie mal nicht das letzte Wort haben, darf die Belegschaft eher Feierabend machen.«

Die Hand bereits am Griff seiner Bürotür, drehe ich mich noch einmal zu ihm herum. »Ich möchte gar nicht immer das letzte Wort haben.«

»Ist das wahr?«, gibt er zurück und klickt auf seiner Computermaus.

»Woher soll ich denn wissen, ab wann Ihnen keine Erwiderung mehr einfällt?«

Er schaut vom Bildschirm hoch, sein Blick trifft auf meinen und in meinem Bauch flattert ein lustiger Verein Schmetterlinge los. Ich bin immer wieder fasziniert, wie sehr das türkisfarbene Blau seiner Augen inmitten dieser verdammt langen und tiefschwarzen Wimpern strahlt.

Ohne noch ein Wort zu sagen, greift er nach dem Telefonhörer, ein eindeutiges Zeichen, dass das Meeting beendet ist.

Kurzerhand gehe ich an meinen Schreibtisch in das Vorzimmer und lasse mich auf den Stuhl fallen. Nur noch die Verträge fertigstellen und das war es für heute.

Die nächsten vier Stunden verfliegen und ich klicke mit einem erleichterten Seufzer auf drucken. Endlich Feierabend. Ich starre eine Weile auf den Bildschirm, lausche in die Stille des Büros und runzle die Stirn. Warum höre ich nichts vom Drucker?

»Bitte nicht heute!« Ich schlüpfe in meine High Heels, die ich mir irgendwann während des Schreibens ausgezogen habe, und stehe auf. Wenn dieses dämliche Drecksding ausgerechnet jetzt wieder einen seiner Aussetzer hat, bringe ich es eigenhändig zum Müllcontainer. Und natürlich, das Teil blinkt wie ein Christbaum, druckt aber nicht. Wie schon unzählige Male zuvor ziehe ich die Papierschublade heraus und schaue in den schmalen Spalt, in dem sich die kleinen Walzen befinden, die ihren verdammten Job nicht tun. Papier ist drin, nirgendwo ist etwas verstopft.

»Bitte, nun mach doch einfach«, bettle ich und möchte zeitgleich die Augen verdrehen. Maschinen anzubetteln, hat schon zu allen Zeiten geholfen, genau.

Barsch knalle ich die Schublade wieder zu und sämtliche Lichter blinken fröhlich weiter. Einmal Stecker ziehen und neu starten. Das funktioniert doch immer. Gesagt, getan, und während das Gerät von Neuem startet, trommle ich unruhig mit den Fingern auf dem Gehäuse herum. Ich verstehe es einfach nicht. Den ganzen lieben langen Tag druckt das Mistding Hunderte von Zetteln, doch pünktlich zum Feierabend tut sich dann gar nichts mehr. Nun könnte man ja meinen, ich drucke die Verträge eben morgen früh, wenn der Apparat hier wieder willig ist. Aber nein, das geht nicht. Ich kann Cash förmlich vor mir sehen, diesen Gesichtsausdruck, der besagt Ich-habe-es-von-Anfang-an-gewusst. Ja, ich trieze Cash mit Freude, was trotzdem nicht bedeutet, ich würde nicht gerne für ihn arbeiten. Ich habe in den letzten Monaten mehr über Verhandlungen, Verträge und Mitarbeiterführung gelernt als in den Jahren davor. Cash ist ein guter Chef und wird von allen in der Firma respektiert. Das war wohl schon immer so, wohingegen sein Geschäftspartner Benett eher gefürchtet war. Vergangenheitsform deswegen, weil er sich extrem gewandelt haben soll, nachdem er mit einer Angestellten angebandelt hatte. Ich glaube, sie heißt Harper, ist jedoch inzwischen nicht mehr in der Firma. Darüber wird viel getuschelt. Beth aus der Buchhaltung sagt, Benett habe Harper rausgeschmissen, als er mit ihr fertig war. Was unglaubwürdig ist, da die beiden noch immer ein Paar sind. Julia aus dem Marketing behauptet, Harper habe irgendwas geklaut. Aber was soll das gewesen sein, einen schrottigen Drucker vielleicht? Die Einzige, die wirklich etwas wissen könnte, ist Blair, die Assistentin von Benett, die zeitgleich auch mit Harper befreundet ist.

Aber weshalb sollte mich interessieren, was die CEOs der Firma in ihrem Privatleben treiben? Viel wichtiger ist, warum hier immer noch nichts ausgedruckt wird. Ich schürze die Lippen, reiße die Papierschublade ein weiteres Mal heraus und spüre das wütende Kribbeln in meinen Armen hochkriechen.

»Verdammtes Scheißteil!« Ehe ich mich zurückhalten kann, schlage ich mit der Faust oben auf die Klappe und alle Lichter gehen aus. Mein Herz bleibt stehen. Nein! Panisch fliegt mein Blick an dem Gerät entlang und ich streichle es von beiden Seiten. »Alles gut. Bitte geh wieder an.«

Ich möchte weinen. Ich drücke den Power-Knopf und Gott sei Dank, es tut sich etwas. Ein Blick auf die Uhr sagt mir, dass ich bereits über eine Viertelstunde hier stehe. Womöglich ist es die Tinte? Tatsächlich, das schwarze Fach ist leer. Na bitte, wenn dies das einzige Problem ist. Kurzerhand suche ich in dem Regal darunter eine Nachfüllflasche, setze sie auf den Stutzen und es passiert … nichts. Das darf doch alles nicht wahr sein. Ich reibe mir über die Stirn und kneife die Augen zusammen. Ich bin leider ein sehr jähzorniger Mensch, der schnell reagiert und es hinterher bereut. Darum weiß ich auch, dass es mir auf lange Sicht nicht helfen wird, wenn ich den Drucker vom Regal schmeiße und auf ihn eintrete. Aber für den Moment ist es das, was ich am allerliebsten täte.

Genervt ziehe ich die Flasche wieder ab, kneife ein Auge zu und schiele auf die Öffnung. Ist die verstopft? Schon nicht mehr ganz Herrin der Lage, klopfe ich das Gefäß auf die Fensterbank links von mir, aber nichts, kein Tropfen. Argh, ich möchte schreien und stampfe mit dem Fuß auf. Ich friemele, pule und hämmere an der Flasche herum. Ohne nachzudenken, schüttle ich sie wie eine Ketchupflasche, aus der man die letzten Reste herausholen will, und spüre die Flüssigkeit in der Sekunde auf meiner Hand, als hinter mir ein: »Scheiße«, ertönt. Oh nein …

Ich bleibe wie angenagelt stehen und starre nach vorne. Möchte ich wissen, was Cash zu diesem unflätigen Ausdruck, den ich sicher noch nie von ihm gehört habe, getrieben hat? Ähm, nein, eigentlich nicht. Unwillentlich senke ich den Blick auf meine Hand, die mit schwarzer Farbe befleckt ist, und auf die Flasche, die zwischenzeitig leer ist. Aus der Situation heraus werfe ich sie in den Mülleimer vor mir und wirble auf dem Absatz herum. Irgendein lockerer Spruch wird meine Lage schon erklären … Oh shit!

Warum muss ich nur plötzlich an Carrie von Stephen King denken? Cash wischt sich einen herunterlaufenden Tropfen von der Augenbraue und fixiert mich derart mit seinem Blick, dass ich es kaum wage, zu atmen. Automatisch schaue ich an ihm herunter und rolle meinen Lippen nach innen, um darauf zu beißen. Ich sollte es nicht und doch braut sich in mir ein Lachen zusammen, das ich unbedingt unterdrücken muss. Die Farbe ist überall, hier ein Tropfen auf dem Hemd, da einer auf der Krawatte, aber der Großteil der Flasche hat sich definitiv auf Cashs … Sagen wir einfach, er befindet sich auf Höhe des Reißverschlusses seiner Hose.

»Ich«, setze ich an, doch Cash hebt eine Hand und bringt mich damit augenblicklich zum Schweigen.

»Ich habe wirklich absolut kein Interesse daran, was Sie in Ihrer kleinen Welt nun wieder erlebt haben, dass das hier rechtfertigt.«

»Kommen Sie mit«, sage ich statt einer Erklärung, greife nach seinem Unterarm und ziehe ihn hinter mir her in sein Büro. Wie immer steht auf der Anrichte ein Spender mit Papiertüchern, aus dem ich ein paar herausziehe, um damit meine Hand und seine Krawatte zu reinigen. »Erst mal müssen wir versuchen, den Großteil der Tinte herauszuziehen.«

»Sind Sie jetzt Expertin für Tintenflecke?«

Okay, er ist sauer.

»Meine Grandma hatte eine Reinigung, in der ich als Kind manchmal ausgeholfen habe.«

Er schaut mich mit zusammengezogenen Brauen an, sagt aber nichts und zupft sich stattdessen selbst ein paar der Tücher ab, um an seinem Schritt zu tupfen. Was für eine groteske Situation.

»Es tut mir wirklich leid, Mister Turner. Die Flasche ließ sich einfach nicht öffnen und …«

»Jones, bitte …«

Das sagt er oft. Meinen Nachnamen und ein Bitte dahinter. Übersetzt bedeutet das in etwa: Halt dein Maul, ich kann das Geschwafel nicht mehr ertragen. Aber die Selbstbeherrschung in Person, die er immer ist, würde er es auf die Art natürlich nie sagen. Ob dieser Mann jemals aus der Haut fahren kann?

»Ich denke, so sollte es gehen«, sinniere ich und beuge mich zur Anrichte, von der ich weiß, dass er darin ein paar Whiskeyflaschen hortet. Oh, eine Stoffserviette, wie passend.

»Was soll das jetzt werden?«

»Alkohol könnte helfen, die Flecken zu lösen«, erkläre ich, tränke die Serviette damit und tupfe wiederholt über die Kleckse an seinem Hemd.

»Das funktioniert ja prima«, spottet er, während er meine unsinnigen Bemühungen beobachtet. Vielleicht muss ich doch eher rubbeln? Oh ja, das geht besser. Erneut gebe ich etwas Whiskey über das Tuch und arbeite mich von Spritzer zu Spritzer. Ich weiß nicht, ob das hier wirklich einen Effekt hat, aber der gute Wille zählt ja bekanntlich auch. Beschwerlich bewege ich mich herunter und irgendwann packt Cash überrascht mein Handgelenk, sodass ich zusammenzucke und ruckartig in sein Gesicht sehe.

»Was tun Sie da?«

»Ähm.« Ich blinzle irritiert und hebe die Augenbrauen. »Ich rubble Ihren Anzug sauber.«

»Da werden Sie ganz sicher nicht rumrubbeln«, stößt er aus und schüttelt den Kopf, als könnte er selbst nicht glauben, was ich gerade im Begriff war zu tun. Ich übrigens auch nicht. Wollte ich meinem Chef wirklich über sein bestes Stück schrubben?

»Ich hatte nicht vor, mich an Ihnen zu ergötzen oder etwas in der Art, sondern nur ganz platonisch«, ich zucke die Schultern, »zu reiben.«

»Ich fasse es nicht, dass wir dieses Gespräch führen.« Cash wendet sich ab, streicht sich durch seine rabenschwarzen Haare und lacht irgendwie irre.

»Sie haben recht, das war eine dumme Idee. Ich bezahle natürlich die Reinigung, und wenn das nicht helfen sollte, besorge ich Ihnen einfach einen neuen Anzug.«

Cash dreht sich zurück und fixiert mich. Nur Sekunden, die sich jedoch anfühlen wie eine kleine Ewigkeit. Meine Haut kribbelt dabei, als würde eine Kolonie Ameisen darunter herumschwirren. Endlich entlässt er mich aus seinem Blick und ich kann wieder ausatmen.

»Gehe ich recht in der Annahme, Sie haben die Verträge vor Ihrem Massaker mit der Maschine nicht ausgedruckt?«, wechselt er das Thema abrupt, sodass ich kurz überlegen muss.

»Leider nein, ich hatte da ein kleines Problem mit …«

»Jaja, ich weiß «, fährt er mir ins Wort und reibt sich über die Stirn. Habe ich eigentlich erwähnt, wie unheimlich attraktiv Cash ist? Nicht, dass es besonders wichtig wäre, dass der Chef auf einer Skala von eins bis zehn eine glatte 74 ist. Aber wenn er wie jetzt um seine Fassung kämpft, ist er sogar noch heißer. Trotz der Carrie-Flecken im Gesicht.

»Es ist ja auch nicht so, dass ich nicht schon zwei- bis sechsmal angesprochen hätte, dass der Drucker nicht mehr ganz einwandfrei ist.« Moment mal, habe ich das gerade wirklich laut gesagt?

Cash sieht auf und seine Augen sind zu schmalen Schlitzen zusammengezogen. »Also bin ich quasi selber schuld, dass Sie mit der Tintenflasche durch das Büro hüpfen wie ein Pinguin auf Speed und ich am Ende so aussehe?« Er deutet an sich herunter und ich spitze die Lippen.

»Also.« Ich hebe zurückhaltend die Schultern. »Wenn Sie es so ausdrücken wollen.«

Wir starren uns sekundenlang an, ehe er laut auflacht und den Kopf dabei in den Nacken wirft. Unwillentlich läuft ein wohliges Prickeln über meine Wirbelsäule und ich verlagere das Gewicht von einem Bein auf das andere, um es zu vertreiben.

»Sie sind wirklich … Ich weiß nicht mal, wie es beschreiben soll«, erklärt er und winkt in Richtung Bürotür. »Morgen um acht brauche ich die ausgedruckten Verträge auf meinem Schreibtisch. In dieser Firma sollte es vermutlich einhundert weitere Geräte geben, die das für Sie ausführen dürften.«

»Natürlich«, erwidere ich und will mich gerade herumdrehen, um zu gehen, als ich noch einmal innehalte. »Ach, und wegen meines Angebotes, Ihren Anzug notfalls zu ersetzen: Könnten Sie das eventuell vergessen?« Keine Ahnung, was genau seine Garderobe kostet, aber da immer ein Typ hier auftaucht, um Cash den Zwirn direkt auf den Körper zu schneidern, gehe ich mal davon aus, ein Monatsgehalt wird nicht reichen.

»Miss Jones?«

»Ja, Mister Turner?« Ich habe noch nie jemanden gesehen, der so genervt gucken kann wie mein Boss.

»Gehen Sie jetzt, bevor ich etwas sage, das ich nicht zurücknehmen kann.«

Ich nicke und verlasse das Büro. Mir liegt womöglich ein: »Jawohl, Sir«, auf der Zunge, aber irgendwas in mir warnt, dass genau jetzt der perfekte Zeitpunkt ist, einmal nicht das letzte Wort zu haben.

Kapitel2

Cash

»Also, was denkst du über das neue Bauprojekt in der Innenstadt?«, will Benett wissen und schaut durch das große Fenster auf die belebte Straße davor. Früher saß ich immer allein in diesem Café, das im Erdgeschoss des Hochhauses liegt, in dem sich unsere Firma befindet. Benett empfand die Gesellschaft unserer Mitarbeiter, von denen ein Großteil seine Pause hier verbringt, als nervig. Überhaupt fasste er einiges als nervig auf, was sich deutlich gebessert hat, seit er mit Harper zusammen ist.

»Hallo, Mister Turner.« Eine junge Blondine geht mit ihrem Tablett am Tisch vorbei und lächelt schüchtern. »Mister Moore.«

Wir nicken ihr zu und ich greife nach meinem Kaffeebecher. »Die Materialkosten könnten uns um die Ohren fliegen. Mal ganz abgesehen von der immensen Bauzeit«, komme ich auf Benetts Frage zurück und er nickt zustimmend.

»Das ist wahr, aber bisher haben wir gerade an solchen Herausforderungen verdient.«

»Hast du eine Ahnung, ob die Konkurrenz bereits ein Angebot abgegeben hat?« Die einzige Firma, die das sein könnte, ist in diesem Fall Clive von Designfusion. Wobei er nicht nur unser größter Konkurrent ist, sondern zudem auch noch der Lebensgefährte von Harpers bester Freundin, was einmal für derart große Probleme gesorgt hat, dass es Benett und Harper beinahe die Beziehung zerstört hätte. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Benett schüttelt den Kopf und stützt sich mit den Ellenbogen auf den Tisch. »Clive wagt sich da nicht ran, das ist ihm zu heiß.«

Das beruhigt mich ja ungemein. Ich runzle die Stirn und fixiere einen angetrockneten Kaffeefleck vor mir. »Okay, wir setzen uns noch einmal mit unserem Finanzdirektor zusammen, dann sehen wir weiter.«

»Das klingt nach einem Plan.« Benett zückt sein iPhone und tippt darauf herum. »Ich veranlasse direkt, dass Blair sich um einen Termin kümmert.« Er steckt das Telefon wieder in das Jackett, lässt den Blick einmal durch den Raum schweifen und hebt die Brauen. »Wen haben wir denn da?«

Automatisch folge ich seiner Blickrichtung und erstarre. Oh mein Gott, habe ich vor dieser Frau eigentlich nirgends meine Ruhe? Ich drehe mich schnell wieder zum Tisch und rutsche etwas im Stuhl herunter, bis Benett lacht.

»Was wird das denn?«

»Ich glaube kaum, dass ich dermaßen tief gesunken bin.« Im wahrsten Sinne des Wortes. »Aber ich verstecke mich.«

»Ist es immer noch nicht besser mit euch?«

»Oh, natürlich, alles ist ganz wunderbar«, gebe ich zurück und schnaufe. »Ich bekomme inzwischen sogar sagenhafte zwei Löffel Zucker in meinen Tee.«

»Du magst doch gar keinen Tee«, stellt Benett stirnrunzelnd fest und ich lächle verkniffen.

»Eben, ganz genau.«

»Mister Moore«, höre ich da schon die unverkennbare Stimme meiner Assistentin und zucke doch tatsächlich zusammen.

»Miss Jones«, grüßt Benett und lächelt sie auf eine Art an, die vor nicht allzu langer Zeit kein einziger unserer Mitarbeiter bekommen hat. »Schön, Sie zu sehen. Haben Sie sich inzwischen eingelebt?«

Ihr Blick huscht kurz zu mir und zurück zu Benett. Ich könnte schwören, ihre Augenbrauen haben gezuckt, als sie meinen Kaffeebecher entdeckt hat. »Ja, es gefällt mir, für Ihre Firma zu arbeiten, und langsam komme ich wirklich an.«

Ach du Schreck. Wenn sie bisher noch nicht angekommen ist, was kommt dann erst alles auf mich zu, sobald sie richtig warm geworden ist?

Zumindest bemerkt sie offensichtlich, dass ich ihre Anwesenheit in etwa so sehr genieße wie entzündeten Fußpilz, und deutet durch den Raum. »Die anderen warten.«

Ohne es zu merken, habe ich die ganze Zeit die Luft angehalten und atme endlich wieder durch.

»Ich weiß gar nicht, was du hast, sie ist doch sehr nett.« Benett schaut ihr über die Schulter hinterher und wendet sich wieder mir zu. »Und sie ist heiß.«

Automatisch schaue ich ihr ebenfalls nach, wie sie mit schwingenden Hüften, die in einem enganliegenden Rock stecken, zu einigen Kolleginnen geht. Ihre langen dunklen Haare streifen dabei ihren runden Hintern und ich weiß nur zu genau, was für wahnsinnig hypnotisierende Augen sie hat. Ein Braun, das derart intensiv ist, dass es kaum von der schwarzen Pupille zu unterscheiden ist. Ich würde also lügen, wenn ich Benett in diesem Punkt widerspreche.

Ich richte mich wieder auf und streiche meine Krawatte glatt. »Irgendeinen Ausgleich musste ihr Schöpfer ja erschaffen. Es wäre Folter gewesen, eine Person wie sie auch noch optisch zu benachteiligen.«

Erneut lacht Benett und leert seinen Kaffeebecher mit einem letzten Schluck. »Eine Person wie sie?«

Ich werfe die Hände in die Luft und ziehe eine Grimasse. »Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Sie ist herrisch, tollpatschig und von peinlicher Indiskretion. Ach ja, und unbeherrscht ist sie auch.«

»Wenn sie dir derart gegen den Strich geht, warum kündigst du ihr dann nicht? Geh in die Personalabteilung, die fangen noch heute damit an, dir eine neue Sekretärin zu suchen.«

Ich neige nachdenklich den Kopf und male mit dem Finger Kreise auf die Tischplatte. »Ja, schon. Aber neben all diesem Wahnsinn ist sie leider eine grandiose Assistentin. Sie verfügt über eine Organisationsfähigkeit, von der selbst Amber noch etwas hätte lernen können, und sie verwaltet sogar meine oft komplexen Zeitpläne. Sie passt sich mühelos verändernden Arbeitsanforderungen an, erkennt Aufgaben, ehe ich sie bemerke, und auch wenn ich es in meiner Gegenwart noch nicht allzu oft zu spüren bekam, besitzt sie im Kontakt mit Kunden und Geschäftspartnern herausragende verbale und schriftliche Kommunikationsfähigkeiten.« Ich zucke mit den Schultern und bin fast enttäuscht, dass sie dermaßen gut ist, obwohl ich menschlich rein gar nichts mit ihr anfangen kann. »Kurz gesagt, hat ihre Arbeit ein hohes Maß an Professionalität.« Nicht einmal meine Unterlagen waren jemals so sortiert wie zu dieser Zeit.

»Wie wäre es mit einer teambildenden Maßnahme?«, schlägt Benett vor und ich grinse. Natürlich spielt er darauf an, dass ich Harper und ihn mal zu einer verdonnert habe. Das war allerdings auch zu einer Zeit, als er brutzelndes Fett in einer Pfanne und sie der Eimer Wasser dazu war. Ganz so ist es bei Miss Jones und mir nicht. Ich würde es eher so beschreiben, dass ich mich den lieben langen Tag bemühe, ihr fluchtartig aus dem Weg zu gehen und sie mit gleicher Hartnäckigkeit versucht, mit mir in Kontakt zu kommen.

»Gestern Abend wollte sie doch tatsächlich zudringlich werden.« Ich runzle die Stirn und schüttle den Kopf.

Benett zieht die Augenbrauen hoch. »Zudringlich?«

Ich berichte von dem Tinten-Desaster und ende damit, dass sie meinen Schwanz abschrubben wollte.

Benett lacht schallend los, sodass sich etliche Anwesende zu uns herumdrehen, unter anderem auch meine Nemesis. Ich schürze die Lippen und warte seinen Anfall ab. »Wieso wusste ich, dass du das amüsant finden wirst?«

---ENDE DER LESEPROBE---