Gladius Dei - Thomas Mann - E-Book

Gladius Dei E-Book

Thomas Mann

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Beschreibung

Thomas Manns Novelle "Gladius Dei" entführt den Leser in das leuchtende München der Jugendstilzeit, wo Kunst und Kommerz in schillernder Harmonie nebeneinander bestehen. Inmitten dieser glanzvollen Kulisse tritt der fanatische Bußprediger Hieronymus auf, der sich als "Schwert Gottes" versteht und gegen die vermeintlich laszive Kunst ankämpft. Sein Weg führt ihn in eine Kunsthandlung, in der eine moderne Madonnenfotografie ausgestellt ist, die er als blasphemisch empfindet. Mit leidenschaftlicher Vehemenz fordert er deren Entfernung, stößt jedoch auf die kühle Gleichgültigkeit des Händlers und die brutale Hand des Personals. Die Novelle entfaltet ein packendes Spannungsfeld zwischen religiösem Fanatismus und der selbstbewussten Welt der Kunst, zwischen asketischer Strenge und sinnlicher Ästhetik. Manns meisterhafte Sprache macht "Gladius Dei" zu einer eindringlichen Satire über die Machtlosigkeit des Glaubenseifers gegenüber der modernen Kunstwelt und zu einem faszinierenden Spiegel der kulturellen Atmosphäre um 1900.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 26

Veröffentlichungsjahr: 2026

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GLADIUS DEI

NOVELLE

THOMAS MANN

INHALT

1.

2.

3.

4.

To M.S. in remembrance of our days in Florence.

1.

München leuchtete. Über den festlichen Plätzen und weißen Säulentempeln, den antikisierenden Monumenten und Barockkirchen, den springenden Brunnen, Palästen und Gartenanlagen der Residenz spannte sich strahlend ein Himmel von blauer Seide, und ihre breiten und lichten, umgrünten und wohlberechneten Perspektiven lagen in dem Sonnendunst eines ersten, schönen Junitages.

Vogelgeschwätz und heimlicher Jubel über allen Gassen … Und auf Plätzen und Zeilen rollt, wallt und summt das unüberstürzte und amüsante Treiben der schönen und gemächlichen Stadt. Reisende aller Nationen kutschieren in den kleinen, langsamen Droschken umher, indem sie rechts und links in wahlloser Neugier an den Wänden der Häuser hinaufschauen, und steigen die Freitreppen der Museen hinan …

Viele Fenster stehen geöffnet, und aus vielen klingt Musik auf die Straßen hinaus, Übungen auf dem Klavier, der Geige oder dem Violoncell, redliche und wohlgemeinte dilettantische Bemühungen. Im »Odeon« aber wird, wie man vernimmt, an mehreren Flügeln ernstlich studiert.

Junge Leute, die das Nothung-Motiv pfeifen und abends die Hintergründe des modernen Schauspielhauses füllen, wandern, literarische Zeitschriften in den Seitentaschen ihrer Jackets, in der Universität und der Staatsbibliothek aus und ein. Vor der Akademie der bildenden Künste, die ihre weißen Arme zwischen der Türkenstraße und dem Siegesthor ausbreitet, hält eine Hofkarosse. Und auf der Höhe der Rampe stehen, sitzen und lagern in farbigen Gruppen die Modelle, pittoreske Greise, Kinder und Frauen in der Tracht der Albaner Berge.

Lässigkeit und hastloses Schlendern in all den langen Straßenzügen des Nordens … Man ist von Erwerbsgier nicht gerade gehetzt und verzehrt dortselbst, sondern lebt angenehmen Zwecken. Junge Künstler, runde Hütchen auf den Hinterköpfen, mit lockeren Kravatten und ohne Stock, unbesorgte Gesellen, die ihren Mietzins mit Farbenskizzen bezahlen, gehen spazieren, um diesen hellblauen Vormittag auf ihre Stimmung wirken zu lassen, und sehen den kleinen Mädchen nach, diesem hübschen, untersetzten Typus mit den brünetten Haarbandeaux, den etwas zu großen Füßen und den unbedenklichen Sitten … Jedes fünfte Haus läßt Atelierfensterscheiben in der Sonne blinken. Manchmal tritt ein Kunstbau aus der Reihe der bürgerlichen hervor, das Werk eines phantasievollen jungen Architekten, breit und flachbogig, mit bizarrer Ornamentik, voll Witz und Stil. Und plötzlich ist irgendwo die Thür an einer allzu langweiligen Fassade von einer kecken Improvisation umrahmt, von fließenden Linien und sonnigen Farben, Bacchanten, Nixen, rosigen Nacktheiten …

Es ist stets aufs neue ergötzlich, vor den Auslagen der Kunstschreinereien und der Bazare für moderne Luxusartikel zu verweilen. Wie viel phantasievoller Komfort, wie viel linearer Humor in der Gestalt aller Dinge! Überall sind die kleinen Skulptur-, Rahmen- und Antiquitätenhandlungenverstreut, aus deren Schaufenstern dir die Büsten der florentinischen Quattrocento-Frauen voll einer edlen Pikanterie entgegenschauen. Und der Besitzer des kleinsten und billigsten dieser Läden spricht dir von Donatello und Mino da Fiesole, als habe er das Vervielfältigungsrecht von ihnen persönlich empfangen …