Glänzende Schatten - Patric Egger - E-Book

Glänzende Schatten E-Book

Patric Egger

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Beschreibung

Zwei Männer die kaum unterschiedlicher sein könnten. Niemals kreuzten sich ihre Lebenswege, und dennoch verbindet sie etwas. Für beide bedeutet es die größte Veränderung ihres Lebens. Beide erwarten Ruhm und Ehre, doch die Spanne zwischen Gewinn und Verlust, zwischen Glanz und Schatten ist geringer als sie es sich erwarten.

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Seitenzahl: 72

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Vielen Dank an meine Testleser und alle die mich bei diesem Buchprojekt bestärkt und mit ihren Ideen weitergebracht haben.

Inhalt

Alexanders Geschichte

Thorstens Geschichte

Alexanders Plan

Thorstens Aufstieg

Alexanders Tauchgang

Thorstens letzte Fahrt

Alexanders Absturz

Die Verbindung zweier Welten

Alle beschriebenen Ereignisse beruhen rein auf der Phantasie des Autors und entsprechen nicht der Wirklichkeit.

Alexanders Geschichte...

Da saß er nun. Den Neopren bis an die Hüften angezogen, der Oberkörper frei. Ein letztes in-sich-gehen bevor der Tauchgang seines Lebens beginnen wird. Sollte das Unterfangen glücken, stünden ihm alle Türen in dieser Welt offen. Noch ein Blick auf das Familienfoto das seine Frau und seine zwei Kinder zeigte.

Sein Leben war bisher eigentlich ganz gut verlaufen. Er konnte sich nicht beklagen. Er war zwar nicht besonders erfolgreich, im Sinne einer dieser Management-Haie zu sein, die ohne auch nur einen Finger zu rühren Boni in Millionenhöhe einstreichen. Doch schaffte er es durch sein ehrlich verdientes und hart erarbeitetes Einkommen eine vierköpfige Familie zu ernähren, ohne dass seine Frau arbeiten musste.

Mit fünfzehn begann er eine Lehre als Bürokaufmann. Mit zwanzig bekam er einen Job in einem großen Versicherungsbüro. Zu Beginn war er dort eine Nummer, nur ein Hilfsarbeiter. Doch durch seinen Fleiß und viele Überstunden begann er sich in der Firma hochzuarbeiten. Nach und nach erarbeitete er sich einen guten Ruf bei seinen Kollegen, denn sein Wesen war sehr einladend, und sein Fleiß kaum zu überbieten. Er war immer zu allen freundlich und hilfsbereit. Jemand der einfach nie Nein sagen konnte. Und mit der Zeit konnte er auch die Lorbeeren für seine harte Arbeit ernten; zuerst Projektleiter, dann Abteilungsleiter. Seit zwei Jahren ist er nun Assistent der Geschäftsleitung. Seine Arbeitszeit kann er sich frei einteilen, was ihm seine Frau und seine Kinder natürlich danken.

Seine Frau: Sein Ruhepol, seine Tankstelle. Sie lernten sich auf dem Abschlussball einer seiner Freunde kennen, und waren sofort unzertrennlich. Liebe auf den ersten Blick. Er war neunzehn, sie achtzehn. Zwei Jahre später heirateten sie, auch wenn ihre Eltern dagegen waren. Sie Beide wussten, dass sie füreinander bestimmt waren.

Sie unterstützte ihn in all seinen Plänen und Vorhaben. Sie jammerte auch nie wenn er wieder bis zehn Uhr im Büro war, und die Wochenenden hinterm Computer verbrachte. Sie hatte immer gewusst, dass er es einmal zu etwas bringen würde. Jetzt war es soweit. Er hatte die Chance seines Lebens erhalten. Natürlich hatte sie Angst und war nervös, wahrscheinlich noch mehr als er selber, doch auch dabei unterstützte sie ihn - wenn auch nicht von Anfang an.

Sie dachte ja auch an ihre gemeinsamen Kinder, Max und Anna. Max, für den sein Vater alles ist - wie könnte er nur ohne seinen Papa groß werden. Und Anna, die Kleine mit ihren blonden Locken und den paar Sommersprossen, die sie von ihrer Mutter geerbt hatte. In einer Woche würde sie mit der Schule anfangen, und natürlich wünscht sie sich, dass Papa sie am ersten Tag mit ihrer Schultüte sehen wird.

Während ihm die Gischt vom Wasser immer wieder ins Gesicht weht, denkt er nach über all die freudigen Erlebnisse der Vergangenheit. Wie er Maria am Abschlussball kennenlernte und sich beim Tanzen sofort in ihre etwas ungeschickten Bewegungen und ihr herzliches Lachen verliebte. Wie sie ihn dann kurze Zeit später ihren Eltern vorstellen wollte, die ihn von Beginn an nicht mochten, da er nicht studieren wollte. Ein einfacher Bürolehrling, das kommt für unsere Tochter nie infrage. Wie würde er denn eine Familie ernähren wollen, mit dem bisschen Gehalt. Sie müsste einmal einen Arzt oder Anwalt heiraten. Trotz dieser einfältigen Ansicht ihrer Eltern blieb sie bei Alexander, und Alexander bei ihr. Mittlerweile, da er Assistent der Geschäftsleitung ist, ist er auch für ihre Eltern gut genug. Ihr Vater hat sogar alle seine Versicherungen bei ihm abgeschlossen, in der Hoffnung ein paar Prozente Familienrabatt zu erhalten.

Die größten Highlights waren natürlich die Geburten ihrer zwei Kinder. Er kann sich noch an jeden Moment erinnern. An das Durchschneiden der Nabelschnur, den ersten Schrei und das erste mal als er seine Kinder im Arm hielt.

Die ersten Versuche von Max Fahrrad zu fahren, und die Freude von Anna über ihre erste Puppe. Die Teeparties die er mit seiner Tochter immer feiern durfte, und das Reifenwechseln mit seinem Sohn.

Alle diese Dinge kommen ihm jetzt immer wieder in den Sinn; und gerade als er beginnt seine Entscheidung zu überdenken, wird er angerempelt und hört von seinem Kollegen die Worte: "Hey Alex, nicht träumen, zieh dich fertig an, in zwei Minuten sind wir da!"

Die Leidenschaft fürs Wasser hatte er schon als Kind, doch bekam er nie die Möglichkeit einen Tauchkurs zu machen. Zuerst fehlte das Geld, dann die Zeit. Und doch, die Faszination Wasser ließ ihn nie ganz los.

Er erinnert sich an seinen ersten Urlaub am Meer, Italien, nördliche Adriaküste. Nicht gerade ein Paradies für Taucher und Schnorchler. Doch bekam er damals von seinem Vater eine Taucherbrille, einen Schnorchel und ein Paar Flossen. Von einer Profiausrüstung war natürlich keine Rede. Aber er war kaum aus dem Wasser zu bekommen. Stundenlang schnorchelte er nach Steinen und Muscheln; fasziniert schaute er hinter jeden Felsen und in jede noch so kleine Höhle. Viel zu sehen gab es natürlich nicht in der sandigen Adria, und doch war er glücklich unter Wasser. Und den ein oder anderen Minifisch erspähte er dann doch. All sein Gesehenes teilte er dann den restlichen Tag begeistert mit seinen Eltern, die schon manchmal schnauften, gab es doch kaum mehr ein anderes Gesprächsthema als Wasser, Muscheln, Steine und Fische.

Mit der Zeit änderten sich die Urlaubsziele. Von zwei Wochen Jesolo eher auf Kultur- und Städtereisen. Die Möglichkeiten das Wasser von unten zu sehen schwanden, und doch, die Faszination Wasser blieb.

Und dann, an diesen Moment seiner eigentlich unbeschwerten Kindheit erinnert er sich noch ganz genau, an jede einzelne Sekunde wie es scheint.

Eines Tages, es war ein Mittwoch, kam er deprimiert von der Schule nach Hause. Ein Mathematik-Test, das Ergebnis bekam er an diesem Tag. Mathe war noch nie seine Stärke. Seine Eltern akzeptierten auch irgendwann, dass er nie Mathematik-Professor werden würde. Sie erwarteten aber, dass er immer sein Bestes gibt und fleißig lernt. Das tat er auch. Trotzdem war das Ergebnis mehr schlecht als recht. Seine Eltern rechneten schon mit solch einem Ergebnis - sie waren aber nie böse auf ihn, wenn er sich vorher angestrengt hat. So auch dieses Mal. Trotz aller noch so fleißigen Bemühungen, blieb das Ergebnis unter aller Kritik.

Jedenfalls kam er nach Hause. Sein Vater war an diesem Tag auch schon mittags zu Hause. Nachdem er also seinen Eltern das unschöne Ergebnis präsentierte meinte sein Vater, dass er etwas hätte was ihn aufmuntern würde. "Komm mal mit in dein Zimmer." So die hoffnungsweckenden Worte seines Vaters.

In seinem Zimmer fand er etwas verändert. An der Wand, an der vorher der Schreibtisch stand, fand er eine Art Kommode stehen, und darauf ein rechteckiges Etwas, das von einem Blauen Tuch bedeckt war. Na los, zieh's schon runter und schau nach was darunter ist!"

Er zog das Tuch ab und konnte seinen Augen kaum trauen. Jeglicher Kummer des vorangegangenen Testes war wie in Luft aufgelöst. Nun hatte er ein eigenes Aquarium, mitten in seinem Zimmer. Vor Freude stiegen ihm die Tränen in die Augen. Das Aquarium war zwar nicht besonders groß, aber wunderschön arrangiert. Mit vielen Fischen, die in unterschiedlichsten Farben leuchteten. Pflanzen, und Dekorationsmaterial unter dem sie sich versteckten.

"Aber du musst dich gut drum kümmern!" mahnte der Vater, und überreichte ihm dazu noch ein Buch über Aquaristik, dass Alex in einem Nu durchlas.

Er verbrachte Stunden, nein Tage vor seinem Aquarium. Kümmerte sich um die Fische, und arrangierte die kleinen Dekorsteine und Höhlen immer wieder um.

Er verspürte sie wieder: die Liebe zum Wasser, und das stärker als jemals zuvor.

Dieses Aquarium besitzt er heute noch. Die Fische von damals sind zwar andere, aber sein Aquarium, sein liebstes Hobby, hat er immer noch.

Und genau diese Liebe zur Unterwasserwelt veranlasste ihn eines Tages sein hart erspartes Lehrlingsgehalt zu investieren, in einen Tauchkurs. Genau das hat er sich immer gewünscht. Einen längeren Zeitraum mitten drin, bei seinen Fischen zu verbringen.

Er erwies sich als äußerst talentiert im Umgang mit der Flasche und den ganzen Ventilen, und so folgte ein Tauchgang dem nächsten. Zuerst in seiner näheren Umgebung in den verschiedenen Seen, dann immer weiter fast bis ans Ende der Welt. Fast alle Meere des Planeten wurden von ihm schon betaucht. Kaum ein Ort, kaum eine Tiefe in die er sich nicht hintraute.