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Raphaela Fornier erkrankte im Alter von elf Jahren an Schizophrenie und kam in eine Psychiatrie. Die Stimmen ließen ihr oft keine Ruhe und sie musste versuchen damit umgehen zu lernen. Als sie volljährig wurde begann sie mehr und mehr sich für ihre Vorgeschichte zu interessieren und schrieb ein Tagebuch.
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Seitenzahl: 162
Veröffentlichungsjahr: 2021
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GLASOVI
Stimmen
Die Stimmen fingen an als Raphaela Fornier gerade einmal elf Jahre alt war. Mit zwölf kam sie das erste Mal in die Psychiatrie. Schon lange wusste sie, dass mit ihr etwas nicht ganz im grünen Bereich lag. Sie hatte heftige Alpträume und schottete sich völlig ab von ihrer Umwelt und zog sich in ihr Zimmer zurück. Sie wünschte sich mehr Aufmerksamkeit, obwohl diese reichlich vorhanden war.
Die Geschichte handelt darum, dass es aus jeder noch so schlechten Situation auch einen Ausweg gibt, man muss ihn nur finden.
Es handelt vor allen Dingen um die Heilung der Krankheit Schizophrenie.
Für den lieben Alex, für seine kluge Art und die Geduld, für die liebe Maria Wagner, die mit mir fühlt. Meiner Meinung nach ein ganz besonderer Mensch die viel Gutes mit sich bringt. Und für die liebe Mama, für ihre lange und ausführliche Geduld. Für den lieben Papa, dass er immer für mich da ist.Für meine Schwester die mir sofort gesagt hat, das Buch zu schreiben. Und für meine ganze Familie, vielen lieben Dank!
Da gibt es einen bekannten Spruch, das Leben ist kein Ponyhof, man kann nicht einfach mit dem Finger schnipsen und denken, jetzt bin ich so und so, oder im Bezug auf mich, jetzt höre ich keine Stimmen mehr. Ich habe mir gesagt, ich möchte nicht für andere gesund werden, sondern für mich und mit meinem eigenen Leben klarkommen lernen.
April 1992, Kindheitsjahre auf dem Rosenhof
Es gibt Menschen die verletzen jemanden so heftig, dass er die Wunden erst mit viel Geduld, Respekt und Liebe zu sich selbst, wenn nötig, erst wieder heilen lassen kann.
Der Schnee rieselte vom stahlgrauen Himmel. Tiefer Schnee lag über den Rosenhof. Der Geruch nach Winter und Schnee und nach gebackenen Plätzchen erfüllte die abendliche Luft. Bald war es Weihnachten, jenes Christfest kurz vor meinem Geburtstag wo ich acht Jahre alt werden würde. Ich zählte schon die Tage wann ich Geburtstag hatte bis Mama sagte, ich solle aufhören. „ Raphaela dein Geburtstag kommt schon noch, jetzt hör endlich auf mit der Zählerei. Jetzt ist es erst einmal Weihnachten.“ „ Ja Mama ich hör doch schon auf!“
Doch nach zwei Tagen fing ich wieder an meinen Geburtstag mit Ungeduld herbei zu wünschen und diesmal nicht vor Mama, sondern vor Papa. Dieser saß vor dem Ofen und wärmte sich, da er den ganzen Tag draußen im Wald verbracht hatte. Man nannte ihn den Förster Ludwig vom Rosenhof. „ Weißt du Papa, was ich mir zu meinem Geburtstag wünsch?“ Meine blauen Äuglein leuchteten und meine Wangen waren rot von der Kälte draußen. „ Ja, was wünscht du dir Raphaela?“ fragte er liebevoll. „ Ich wünsch mir eine Katze und der gebe ich immer schön zu fressen, so dass sie es bei mir gut hat und dann in meinem Bettchen schläft und mich bewacht.“ er lachte und sagte. „ Wir haben doch eine Katze und außerdem gehört die Katze nicht ins Bett. Wo ist eigentlich Mama?“, wich er geschickt aus. Ich überlegte. „ Hhm Mama, ist glaub ich oben schon bei der Marie und bringt sie ins Bett.“ „ Dann gehst du auch bald schlafen, ja Raphaela“, Papa nickte entschieden und sah mich an. Und ich hopste weg und fing an mit Molly, dem kleinen jungen Kätzchen zu spielen. Dann legte ich mich auf den Teppich so wie auf den Rücken, nahm sie auf meinem Bauch und legte die Decke über uns herüber. Papa ging aus dem Zimmer und Mama holte mich und sagte ich solle die Decke nicht immer für die Katze benutzen, da diese dann voller Katzenhaare seien und wir gingen hoch in mein Zimmer und Mama schloss die Rollladen und setzte sich auf meinem Bettrand. „ Und wie war dein Tag Raphaela?“, fragte sie zärtlich. „ Gut Mama!“ „ Schön. Zähne geputzt?“ „ Ja“, log ich und rollte mit den Augen. Sie blickte mich an. „ Ab ins Badezimmer und Zähne putzen und ordentlich Haare kämmen, sonst geh ich dich morgen nicht mehr ins Bett bringen. Das hättest du vorhin machen sollen, wo ich Marie ins Bett gebracht hab, anstatt mit der Katze wieder zu spielen und das mit deinem Schlafanzug. Ab ins Badezimmer.“ und ich hopste ins Bad. Mein Haar war noch leicht zerzaust, obwohl ich vorher kurz drüber gefahren war mit den bloßen Fingern, so dass es den Anschein gab, als wären sie gekämmt, doch Mama hatte es wohl wieder bemerkt. Ich war wie so oft am Abend ganz schön müde vom Tag.
Als sie aus dem Zimmer ging, das kleine Lämpchen anmachte und die Türe anlehnte horchte ich, ob sie nach unten ging.
Als ihre Schritte verklangen waren und die Türe unten zu ging, setzte ich mich an meinem Schreibtisch und fing an weiter an meinen Zeichnungen zu malen. Es waren Delphine, denn diese mochte ich sehr gerne denn sie retteten Menschenleben und das faszinierte mich unwahrscheinlich.
Ich malte für mein Alter erstaunlich gut und Mama meinte ich hatte ein außerordentliches Talent im zeichnen und malte besser als manch ein Erwachsener.
Ich malte einen Delphin im Meer, wo ein paar Eisklötze aus dem Wasser hervor ragten und dachte währenddessen, wie ich wohl das zweite Bild malen konnte, wie der Delphin namens Christina auf und davon ins schöne warme Meer schwamm, da es hier zu kalt war. Und hatte schon eine Idee. Ich zeichnete wie eine schöne Meerjungfrau mit langem gelockten goldenem Haar Christina mitnahm ins warme Meer. In meiner kindlichen Fantasie malte ich das dritte Bild wie die Meerjungfrau der ich den Namen Tamara gab im warmen Meer Christina einen Kuss zum Abschied auf die Delphine Schnauze gab und in den Tiefen des Meeres verschwand. Dabei dachte ich an heute, an den verschneiten Hof meiner Eltern und malte instinktiv um dem Bild etwas schönes und spannendes zu verleihen nochmals Schneeflocken an den Himmel und dachte nebenher an den schönen Tag heute. Heute waren Marie und ich lange draußen gewesen und hatten auf der weiten ausgedehnten Wiese im Garten, Schneemänner gebaut und Engel im Schnee gemacht in dem wir uns ausgestreckt mit Armen und Beinen in den Schnee gelegt hatten, ohne es auszulassen den Schnee zu essen, obwohl wir das gar nicht durften. Gestern war Samstag gewesen, dachte ich, dort waren Franka und Albert auf Besuch dagewesen, vor dem wir keinen Hehl daraus machten, dass uns vor ihm gruselten, da er immer so streng wirkte und dazu aus dem Krieg ein Holzbein trug und für uns auch kein richtiger Großvater war, was wir unseren Eltern auch immer klar mitteilten, wenn diese ankündigten Franka und dieser, würden heute vorbeischauen, dann sagten wir zwei Kinder fast immer gleichzeitig wie aus einem Munde: „ Oh je der Albert!“ Der Albert der in Wahrheit immer auf Distanz vor uns ging.
„ Die nervigen kleinen Kindern“ wie er immer seufzend sagte und sich zu den Erwachsenen umwandte, wenn wir ihn wieder ärgerten, egal ob wir ihn nun den Albert, der so albern ist, oder der komische alte Opa hinter vorgehaltener Hand nannten und kicherten, nur um Aufmerksamkeit zu erregen, so dass wir Ärger von Mama bekamen, weil wir ja wieder lästerten und dass so was dumm war, Leute ohne Grund zu ärgern und wir getreu aufhörten und Mama in der Küche den Kuchen zu uns an den Tisch trug.
Ich malte noch das letzte Bild mit einem strahlend blauen Sommerhimmel und Sonne und den leichten Wellen des dunkelblauen Meeres und wie Christina und Tamara in aller Ruhe übers Meer schwammen, dann legte ich die Stifte zurück ins Mäppchen und ging schlafen.
In der Nacht träumte ich vom warmen herrlichen Sommer und dem hohen Gras auf der Wiese im Garten, wie die Sonne schien und am strahlend blauen Himmel ein Flugzeug flog und einen weisen Streifen hinterließ und wie ein sanfter Wind die Bäume rauschen ließ. So wie Bienen in den hohen Gräsern summten und ich mit Marie lachend im Garten Wettrennen spielte.
Der unangenehme Geburtstag. April 1992.
Verändere nie die anderen, sondern nur dich selbst, wenn du es nötig hast.
Weihnachten ging vorüber und der gewöhnliche Alltag nahm wieder seinen Lauf.
Sowie das Frühjahr irgendwann in vollen Zügen herein brach und Blumen sprießen und und die Wälder und Täler angenehm grün wurden. Ich ging zur Schule und Marie ging zum Kindergarten. Sie würde erst nächstes Jahr in die Schule kommen. Meine Schwester besuchte den Dorfkindergarten, was mich ziemlich traurig machte. Warum hatte ich nie in den Dorfkindergarten dürfen? Liebte man mich nicht zu Hause oder wurde sie mehr geliebt? Ich wusste es nicht genau. Manchmal hörte ich einfach nur im Flur zu, wo ich auf dem Stuhl saß, wie Mama Marie ins Bett brachte und liebevoll auf ihre Fragen einging und fühlte mich im Stich gelassen.
Und so fing ich mit der Zeit an, fast immer bei Papa zu sein. Ich ging mit ihm des öfteren am Wochenende in den Wald, wir versorgten zusammen die paar Ziegen und Schafe im Stall und wir gingen ein bisschen spazieren.
Ich entwickelte zu ihm eine unbeschreibliche Zuneigung. Ich wusste dass ich meine Mutter aus ganzem Herzen liebte, nur dachte ich immer, Marie war ihr absoluter Liebling und ich war eine Art von Außenseiterin.
Zu meinem achten Geburtstag kam Antoine Fournier, mein so genannter ökologischer Vater. Er stammte aus Frankreich. Ich hatte zu ihm nie viel Zuneigung empfunden und akzeptierte ihn nur wegen der Süßigkeiten, die er mit meiner ökologischen Mutter immer mitnahm. Ich wusste dass ich sie beide nicht mochte. Antoine redete nur von sich und seinem Büro bei der Post, er war anders als andere und Lisa seine Frau, diese wirkte korrupt. Sie machte über mich dumme Kommentare und ich wusste, dass diese mich nicht leiden konnte und ich sie ebenso wenig.
Außerdem war es mir ziemlich unangenehm mit Lisa zu tun zu haben, da diese eine billig wirkende Frau war. Eben ziemlich aufgedonnert und richtig stark nach Parfüm roch. Ich wollte mich nicht mit denen nicht treffen, meinen ökologischen Eltern den diese zogen mich richtig herunter, doch auch wenn ich das meiner Mutter sagte, sie kamen trotzdem. Ich empfand sie wie lästige Fliegen, die wie, wenn man sie mit der Hand weg scheuchte nur noch mehr störten. So kam es mir jedenfalls vor.
Wenn ich von deren Besuchen, wo wir immer einen Ausflug in die Ortschaft zum Springbrunnen machten, zurück kam, fühlte ich mich jedes mal innerlich leer, sowie äußerlich unausgeglichen. Ich wusste mit der Zeit nicht mehr genau, woran das lag. Ich verdrängte es. Aber eigentlich wusste ich es, denn Lisa schimpfte über mich her, was für eine Rotzgöre ich wäre, ein ungezogenes Stück und das vor meinen Augen. Und Antoine immer schmunzelnd nickte und mitredete, ich solle mich bessern und mehr Liebe für sie beide empfinden „ Deinen Eltern“ wie er sich ausdrückte und manchmal sagte, sie solle aufhören, wenn er dachte, dass Lisa zu weit ging. Aber immer in einem säuselndem Tonfall, was sie rein gar nicht stoppte und sie nur noch wüster über mich her schimpfte und ich den Tränen nahe war und anfing diese Leere in mich rein zu fressen, wie ein Blatt welches um Wasser geradezu bettelte, aber statt Wasser nur Sonne spürte und bettelte und bettelte aber schlussendlich dann verwelkte. Im Grunde genommen, wusste ich, dass beide mich nicht ausstehen konnten, aus rein persönlichen Gründen natürlich.
Bei meinem Geburtstag, war es mir sogar peinlich das Antoine da war und ich war damit auch nicht zufrieden. Ich hatte mir meinen Geburtstag anders vorgestellt. Ohne Antoine. Und ich bemerkte die Abneigung zwischen beiden Seiten. Meine Mutter und deren Freundin Eleanore und dessen Kinder, die um uns herum tollten, aber sich abseits von Antoine und mir hielten. Ich packte alle Geschenke aus und freute mich. Antoine zeigte mir sein Geschenk und ich packte es zuallerletzt aus.
Minutenlang redete er über dieses Spielauto und ich hörte desinteressiert zu und meine Augen wanderten hilflos zu meiner Schwester, welche an der hintersten Ecke des Sofas saß und uns unschlüssig beobachtete und dann sah ich zu meiner Mutter. Ich war den Tränen nahe. Ich hatte Hunger und wollte den Kuchen und die Butterbrezeln essen, denn ich hatte vor lauter Aufregung heute, wegen meines Geburtstags nicht viel herunter bekommen, was Mama geärgert hatte. Da fragte Antoine auf einmal in dem er aufstand und sich den Hosenboden klopfte, so als seien hier zu viel Katzen und Hundehaare, was rein gar nichts stimmte, da es immer schön sauber war, denn Mama war eine ziemlich fleißige und liebevolle Mutter; „ Wie wäre es, Raphaela,
wenn wir zum Dorfbrunnen gehen?“ „ Nein“, sagte ich laut, so dass alle sich alle zu mir umwandten und auf einmal musste ich weinen, ich sah hilflos zu Mama und die Tränen kamen wie aus vollen Wassereimern gegossen mein Gesicht herunter geflossen. Mama blickte sorgenvoll zu mir herüber und Marie zog sich noch mehr in die hinterste Ecke. „ Komm Raphi“, meinte Antoine und schaute voller Abneigung zu Mama und wollte meine Hand nehmen, aber ich rannte zu Mama und versteckte mich hinter ihren Rücken. Ich weinte noch immer.
Antoine kam zu Mama und baute sich vor dieser auf. Er sah zu mir und ich weinte noch mehr und duckte mich. „ Komm jetzt Raphi.“ Mama sagte leise, aber ziemlich bestimmt: „ Wenn sie nicht will, dann will sie nicht, Herr Fournier.“ Sie blickte ihm streng in die Augen, was soviel hieß, wie, hören Sie jetzt sofort auf, das arme Kind so zu behandeln! Ich spürte tiefe Erleichterung und ich hörte schlagartig auf zu weinen, blieb aber immer noch hinter Mamas schützendem Rücken. Dabei nagten kurz Gewissensbisse an mir. Hätte das sein müssen? Ja, dachte ich, es war richtig gewesen. Es gab manche Sachen, die gingen einfach nicht. Punkt! „ Tja“, sagte er und holte resigniert tief Luft. „ Dann wäre es ja besser, ich würde gehen.“ Er blickte Mama voller unverhohlener Abneigung an. „ Ja wenn Sie das wollen, ja. Niemand hat gesagt Sie sollen gehen, Herr Fornier.“ Er blickte immer noch wütend rasch über den Esstisch wo die Zitronenrolle und die Kirsch und Sahnetorte drauf standen und schien zu überlegen, ob er wohl doch bleiben sollte um mit uns zu essen. Ich betete instinktiv, er möge gehen. Dann blickte er zu Mama. „ Es ist besser, ich gehe, so was brauche ich mir hier nicht zu gefallen lassen, das ist meine Tochter. Stimmt´s Raphi?“, er blickte zu mir und ich sagte leise, aber ziemlich bestimmt: „Nein! Und außerdem heiße ich nicht Raphi, sondern heiße Raphaela!“ Antoine sagte gar nichts mehr. Diesmal sah er voller Wut zu mir, wollte einen drohenden Schritt auf mich zu gehen und mir irgendwas noch sagen, sah Mamas frostige Miene, die dieses Verhalten nun absolut gar nicht mehr duldete in ihrem Haus und verließ ohne ein Wort mehr zu sagen, den Raum und ging und ließ die Haustüre unverschämt laut zu fallen.
Wir alle atmeten unbewusst und erleichtert auf. Ich hopste an meinen gewohnten Platz und ließ mich auf den Sessel fallen.
Es fühlte sich an, als wäre mir ein Stein vom Herzen gefallen. Eine riesige Last einfach weggefallen und ich ordnete mich innerlich wieder und stellte mein Glas akkurat vor mich hin, was ein häufiger Zwang war, wenn ich unsicher war. „ So das war´s“, Mama lächelte bedrückt zu Eleanore, die neben mir saß und gab mir ein Stück Kuchen. „ Marie, komm, es gibt Kuchen.“ Und Marie kam endlich zum Vorschein und setzte sich neben mich, an ihren Platz. Mama gab ihr ein Stück Kuchen. Ich verspürte einen kurzen Stich als Tina, Eleanores Tochter, die im Alter von meiner Schwester war, sich neben diese setzte. Und dachte, warum wollten alle mit Marie spielen und nicht mit mir? Warum war ich immer so unbeliebt? Es spielten leider „nur“ Lana und Mara mit mir. Die restlichen Mädchen und Töchter von Mamas Freundin, also Tanja und Maya spielten immer nur mit Marie. Und so, als würden sie mich nicht mögen. Mama sagte manchmal im Bezug dazu, wenn ich sie darauf ansprach: „ Raphaela, du bist halt was besonderes. Sei stolz darauf.“ Doch wie sollte ich stolz darauf sein, unbeliebt zu sein. Einige Jahre später, würde ich es wohl wissen, es war ganz einfach, weil ich mich von anderen Menschen nicht verändern ließ und das diese Menschen ärgerte, da ich meinen ganz eigenen Kopf hatte und wusste, was ich wollte und was nicht. Die Jungen in meiner Klasse ärgerten immer nur mich, so als wäre ich der Sündenbock, der immer alles abbekommen musste. Und nannten mich; „ He, Dornröschen? Sind die hundert Jahre vorbei? Bist du noch müde?“ Tatsache war, dass ich wirklich ständig müde aussah, denn ich hatte eine sehr helle Haut, wo man die Augenringe eigentlich deutlich hervor treten sah. Worauf ich immer wutentbrannt sagte, da mich das total nervte, ich war doch kein Dornröschen welches für hundert Jahre in einem verwucherten Schloss gefangen war im Märchen der Gebrüder Grimm und das hundert Jahre lang schlief. „ Halt den Mund du dummer Prinz.“ Und alle daraufhin lachten und die Jungen im Chor riefen: „ Dornröschen ist dumm, Dornröschen ist dumm!“ Und ich die Hände vor die Augen hob und dunkel sah, sowie den Tränen nahe war, bis die Lehrerin herein kam und Ruhe einkehrte und ich intuitiv erleichtert ausatmete.
Ich hasste es, wie ich immer alles abbekommen musste. Ich fühlte mich manchmal wie eine Außerirdische, die nicht in diese Welt passte, welche die anderen nicht leiden konnte.
„ Kinder essen!“, unterbrach Eleanore mit ihrer strengen ungeduldigen Art meine Gedanken. Und die restlichen Kinder, die meine Geschenke mit einer Mischung aus Bewunderung und Neid beäugt hatten kamen und setzten sich. Und wir gönnten uns die gute Mahlzeit. Danach war mur wohler zumute und doch hatte ich Angst davor, dass Antoine zurückkehren würde und die nun angenehme Atmosphäre zunichte machen würde, die nun jetzt herein gebrochen war, wie der Sonnenschein nach einem ordentlichem Hagelschlag.
Danach schickte uns meine Mutter hoch um zusammen zu spielen.
